Bild ohne Mädchen - Sarah Elena Müller - E-Book

Bild ohne Mädchen E-Book

Sarah Elena Müller

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Beschreibung

Die Eltern des Mädchens misstrauen dem Fernsehen, aber beim Nachbar Ege darf es so lange schauen, wie es will. Ege ist ein Medientheoretiker mit philosophischer Praxis, die nie jemand aufsucht. Seine Wohnung steht voller Geräte, und er dreht Videos, die nie jemand sehen will. Das Mädchen darf in Eges Filmen mitspielen. Hinter der Kamera steht Gisela, seine Partnerin. Das Lebenswerk muss vorangebracht werden. Aber meist sitzt Ege in seiner verdunkelten Wohnung, verachtet die Welt und trinkt. Nur das aufgeweckte Nachbarsmädchen bringt etwas Freude in sein Leben. Gisela wohnt im oberen Stock und entsorgt die leeren Weinflaschen. Die Eltern sind überfordert mit dem Kind, das sein Bett nässt und kaum spricht. Der Vater ist Biologe und wendet sich lieber bedrohten Tierarten zu. Die Mutter bildhauert und ist mit ihrer Kunst beschäftigt. Ein Heiler soll helfen. Das Mädchen sucht Zuflucht bei einem Engel, den es auf einer Videokassette von Ege entdeckt hat. Und wirklich, der Engel hält zu ihm. Durch dieses Kabinett der Hilf- und Sprachlosigkeit nähert sich Sarah Elena Müller dem Trauma einer Familie, die weder den Engel noch die Gefährdung zu sehen im Stande ist. Und von der Großmutter bis zum Kind entsteht ein Panorama weiblicher Biografien seit dem großen Aufbruch der Sechzigerjahre.

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Seitenzahl: 236

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Die Eltern des Mädchens misstrauen dem Fernsehen, aber beim Nachbar Ege darf es so lange schauen, wie es will. Ege ist ein Medientheoretiker mit philosophischer Praxis, die nie jemand aufsucht. Seine Wohnung steht voller Geräte, und er dreht Videos, die nie jemand sehen will.

Das Mädchen darf in Eges Filmen mitspielen. Hinter der Kamera steht Gisela, seine Partnerin. Das Lebenswerk muss vorangebracht werden. Aber meist sitzt Ege in seiner verdunkelten Wohnung, verachtet die Welt und trinkt. Nur das aufgeweckte Nachbarsmädchen bringt etwas Freude in sein Leben. Gisela wohnt im oberen Stock und entsorgt die leeren Weinflaschen.

Die Eltern sind überfordert mit dem Kind, das sein Bett nässt und kaum spricht. Der Vater ist Biologe und wendet sich lieber bedrohten Tierarten zu. Die Mutter bildhauert und ist mit ihrer Kunst beschäftigt. Ein Heiler soll helfen. Das Mädchen sucht Zuflucht bei einem Engel, den es auf einer Videokassette von Ege entdeckt hat. Und wirklich, der Engel hält zu ihm.

Durch dieses Kabinett der Hilf- und Sprachlosigkeit nähert sich Sarah Elena Müller dem Trauma einer Familie, die weder den Engel noch die Gefährdung zu sehen im Stande ist. Und von der Großmutter bis zum Kind entsteht ein Panorama weiblicher Biografien seit dem großen Aufbruch der Sechzigerjahre.

Foto Laura Stevens

Sarah Elena Müller, geboren 1990, arbeitet multimedial in Literatur, Musik, Virtual Reality, Hörspiel und Theater. Sie tritt im Mundart Pop Duo «Cruise Ship Misery» als Ghostwriterin und Musikerin auf und leitet das Virtual Reality Projekt «Meine Sprache und ich» – eine Annäherung an Ilse Aichingers Sprachkritik. 2019 erschien ihr Szenenband «Culturestress – Endziit isch immer scho inbegriffe» beim Verlag Der gesunde Menschenversand. 2015 erschien die Erzählung «Fucking God» beim Verlag Büro für Problem. Als Mitbegründerin des Kollektivs RAUF engagiert sie sich für die Anliegen feministischer Autor*innen in der Schweiz. Ihre Arbeit wird ab und an mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet.

SARAH ELENA MÜLLER

BILD OHNE MÄDCHEN

ROMAN

Limmat VerlagZürich

Für Gertje & Dora

INHALT

Weitsicht

DAS KIND

Sichtung

Abklärung

Benennung

Sehschwäche

Enttäuschung

Abbild

Einbildung

Behandlung

Eindruck

Unfall

Aufklärung

Abdruck

Unvermögen

Inszenierung

Reinszenierung

Erinnerung

Einschulung

Einfall

Abfall

Sehvermögen

Absicht

DAS MÄDCHEN

Unterschied

Absturz

Überblendung

Rehydrierung

Kurzschluss

Ausbildung

DIE TOCHTER

Bestandsaufnahme

Erscheinung

Täuschung

DER SOHN

Renaturierung

Verwechslung

Versöhnung

Digitalisierung

Entfernung

Abschied

DIE JUNGE FRAU

Verlust

Absprung

Rückschluss

Schluss

WEITSICHT

Die Großmutter blickt in die Ecke. In der Ecke rauscht das Meer. Im Rauschen die Stimme eines französischen Sängers, der Wind, bald komme er und werde alles aufwirbeln. Und der Großvater wird von einem Bestattungsunternehmen abgeholt.

Die Pflegekraft gibt der Großmutter eine malvenfarbene Pille, damit der Sänger still ist. Doch weder Brandung noch Gesang ebben ab, die Großmutter lässt sich im Rollstuhl vor die Ecke schieben, um genauer zu hören. Der große Wind fahre in die Segel oder in die Zettel, die Großmutter sagt, der Sänger habe eine seltsame Aussprache. Die Mutter zieht hinter ihrem Rücken an den Griffen des Rollstuhls, um sie aus der Ecke zu bewegen, doch die Großmutter drückt die Pantoffeln fest in den Teppich. Da sei kein Wind, versichert die Mutter. Noch nicht, aber bald, gibt die Großmutter zurück und lässt nicht locker. Erschöpft vom Gegenwind, lässt die Mutter vom Rollstuhl ab, die Großmutter bleibt vor ihrer Meeresecke sitzen.

Im Flur, das Kinn auf die Unterarme gelegt, steht das Mädchen, vornübergebeugt in die Fotos auf der Kommode, in die Gesichter der noch jungen Tanten und Onkel versunken. Dieselben, die am Vorabend Lieferpizzen bestellt hatten, um die noch lebenden Körper mit irgendwas zu füllen. Die sich dann unmerklich aus dem Elternhaus, in dem der tote Vater und die Verantwortung lagen, herausgeredet hatten. Plötzlich kommt der Mutter das Logische am Leben wie die frischeste Eingebung vor. Erstaunt zieht sie einen der Stellrahmen näher an den Rand der Kommode.

«Je später sie geboren wurden, desto lebendiger sehen sie aus.»

Sie deutet auf das junge Mädchen in der Bildmitte, auf sich selbst. Auf ihrem Schoß sitzt das jüngste der sechs Geschwister, das fröhliche Mondgesicht bereitwillig der Kamera zugewandt. Ihr eigener Blick sticht weit aus dem Bild und aus der Welt. Der Fotograf hatte gesagt, Mademoiselle solle doch bitte ihr Kinn ein klein wenig anheben. Die Mademoiselle hob aber nicht das Kinn, nur den Blick kurz an. Der Fotograf, erschrocken über die Traurigkeit, die ihm nun durch das enge Objektiv entgegenstürzte, vergaß abzudrücken, die Mademoiselle blickte schon wieder weg, über den Rand des Daseins hinaus, als der Auslöser schließlich klickte.

«Auch die anderen haben den Horizontblick», stellt die Mutter fest und fährt mit dem Finger über das Glas, «bloß weniger als ich. Immer weniger mit den Jahren, der Bruder hier, drei Jahre nach mir, sein Blick geht nicht mehr ganz so weit. Aber mindestens bis zum nächsten Gewässer.»

Das Mädchen nimmt das Bild, hält es mit ausgestreckten Armen vor sich und versucht vergeblich, sich ins Gesichtsfeld des Bruders zu navigieren. Auch sein Blick verlässt das Bild, streift niemanden und zieht in die Ferne.

«Es ist schrecklich eng, zusammen in ein Viereck gepresst zu leben. Und immer kommt noch einer. Sie hörten einfach nicht auf damit. Immer noch einer. Wenn du von denen die Erste bist, wirst du für alles verantwortlich gemacht, was diese nach dir Kommenden anstellen. Du musst schnell erwachsen werden und den anderen die Regeln des Vierecks beibringen. Die Regeln, die Grenzen und den Preis von allem. Wirst vorgeschoben, unbarmherzig.» Die Mutter markiert mit ausgestreckten Händen das Viereck vor ihrem Gesicht. «Diese Art zu blicken war der einzige Weg zu entkommen. Einen Punkt fixieren, der weiter weg ist als das Naheliegendste. Jenseits dessen, was sich auf einen zuschiebt.»

Das Mädchen nickt nachdenklich und stellt den Bilderrahmen zurück auf die Kommode. Als es sich zur Mutter umwendet, starrt diese immer noch abwechselnd in ihre Handflächen und durch sie hindurch, ein beinahe unmerkliches Gleiten von der Nah- in die Fernsicht. Sie habe das nicht geübt. Es sei wie vererbt. Es geschehe einfach so. Die Mutter lässt die Handflächen sinken, hält sie der Tochter hin. Entschuldigend. Hier. Siehst du, es geschieht selbst mit den eigenen Händen.

Die Tochter nimmt sie entgegen, dreht sie um, löst behutsam die Finger aus ihrer Starre, drückt ihr Verständnis in den kühlen Klumpen der Mutterhand, bis er wieder weicher, wieder lebendiger wird. Drüben im Zimmer sitzt die Großmutter, blickt in die Ecke und ist jenseits der Welt. Im Bilderrahmen sträuben sich die Geschwister. Das Mädchen versteht, dass Hände und Wände eine Form geben. Dass eine Figur die Gussform der nächsten ist. Großmutter, Mutter, Tochter.

DAS KIND

SICHTUNG

Das Kind schüttelt die Starre des Fernsehens ab. Schüttelt die Bilder und Töne aus sich heraus, damit die Eltern nicht merken, dass es sich heimlich bei den Nachbarn damit angefüllt hat. Dann stößt es mit frischem Gesicht die Wohnzimmertür auf.

Im Wohnzimmer sitzen die Eltern mit anderen Erwachsenen auf Stühlen. Besuch machen, nennen sie es. Nach dem Besuchmachen sacken die Eltern in eine liegende Position und seufzen. Die Stuhllehne hindert sie daran, bereits früher hintenüber wegzuklappen.

Beim Besuchmachen wird viel geredet. Dabei wollen die Erwachsenen einander ins Gesicht sehen.

Auf der Eckbank sitzt die Kindergärtnerin. Lange beobachtet das Kind von der Türschwelle aus die Handbewegungen des Gesprächs. Die der Kindergärtnerin sagen: Nicht gut. Die der Eltern sagen: Ach was. Die Hände der Kindergärtnerin sagen: Doch, doch! Kurz bevor das frische Gesicht des Kindes wieder erstarrt, wird es bemerkt und zum Tisch gerufen. Es setzt sich ganz vorne auf die Stuhlkante und wartet darauf, dass ein Wort für es fallen gelassen wird. Ein Wort, das es kennt und auf das es etwas erwidern kann. Es sitzt auch ohne Stuhllehne ganz aufrecht.

Im Gesicht der Kindergärtnerin steht eine steile Stirnfalte. Im Kindergarten hatte sie das Kind aufgefordert, mit der Laubsäge ein Osterei aus einem dünnen Holz zu sägen. Das Kind sei aber seelisch nicht in der Lage dazu gewesen, informiert die Kindergärtnerin die Eltern. Die Eltern sehen aus, als wollten sie direkt ins Bett fallen. Das Kind ist froh um die stützende Kraft der Stuhllehnen.

Es erinnert sich genau an die Laubsäge. Die Kindergärtnerin hatte ihm gezeigt, wie man damit sägt, und dabei riss das feine Sägeblatt mit einem Knall. Das Kind erschrak sehr, und die Kindergärtnerin meinte, das könne schnell passieren. Für jedes zerrissene Sägeblatt müsse das Kind zwanzig Rappen zahlen. Alles habe seinen Preis. Dabei zwinkerte sie dem Kind zu. Das Kind hatte sich daraufhin geweigert, die Säge anzufassen. Es hatte ja gar kein Geld, und die Angst vor einem reißenden Laubsägeblatt war so mächtig, dass es den Rest des Tages unter einem Hocker verbrachte. Von dort aus hatte es beobachtet, wie die Kinder unzählige Sägeblätter kaputt machten, ständig klirrte es, und die Kinder wedelten einander glücklich mit den zerborstenen Sägeblättern vor der Nase herum. Als das Sägemehl und die kaputten Sägeblätter zusammengekehrt waren, entließen die Kindergärtnerinnen die Kinder mit ihren Eiern, ohne von ihnen Geld zu verlangen. Das war dem Kind unheimlich.

Das Detail vom Geld berichtet die Kindergärtnerin den Eltern beim Besuchmachen nicht. Unruhig rutscht das Kind auf der Stuhlkante vor. Es will jetzt sein Wort sagen. Es will sagen, dass die Kindergärtnerin ein Wort zu sagen vergessen hat. Das Geldwort. Dass alles seinen Preis hat. Und sie hat gezwinkert. Aber die Kindergärtnerin macht keine Pause. Sie sagt Entwicklung und Psychomotorik und vernünftig. Die Eltern rollen mit den Augen. Das ist ein gutes Zeichen. Das Kind wird wieder hinausgeschickt. Es soll doch etwas schaukeln gehen.

Das Kind betrachtet die Schaukel. Sie ist an der Unterseite des Balkons angebracht. Durch die offen stehende Balkontür ist die vernünftige Stimme des Vaters zu hören, der die Kindergärtnerin zur Vernunft bringt. Auch die Stimme der Mutter kommt hinzu.

Die verschiedenen Vernünfte der Erwachsenen treten auf eine Lichtung im Wald. Es sind Hirsche. Sie umkreisen einander und betrachten die Enden am Geweih des anderen. Die Hirsche machen das, damit sie nicht jedes Mal in einen kräftezehrenden Kampf geraten, wenn sie sich begegnen. Hat der Vater dem Kind gesagt. Die Hirsche sind edel. Die Hirsche wägen ab. Sie zählen ab. Das Kind kann nicht zählen. Und es kann nicht zahlen. Es kann den Preis nicht zahlen. Die Vernunft der Mutter aber fühlt vielleicht, dass die Kindergärtnerin nicht die ganze Geschichte erzählt. Die Mutter hat gesagt, die Hirsche haben doch keinen Verstand für Zahlen und Enden, sie spüren die Kraft voneinander.

Das Kind hofft, dass die Vernunft der Eltern die Vernunft der Kindergärtnerin von der Lichtung vertreibt und dankt den Stuhllehnen. Die Eltern werden nach dem Besuchmachen wieder sehr müde sein.

Es klettert auf die Schaukel, wippt etwas vor und zurück und befühlt die rauen Hanfseile, an denen sie aufgehängt ist. Die Schaukel ist ein Stuhl ohne Lehne, stattdessen hält man sich an den Seilen. Was würde geschehen, wenn es die Seile einfach losließe? Eine Aufregung durchkribbelt das Kind. Würde es dann wie die Erwachsenen zurückschnellen? Wäre es dann mit einem Schlag erwachsen?

Mit dem nächsten Schwung lässt das Kind die Seile los und fällt hart auf den Rücken. Der Aufprall verschlägt ihm den Atem. Es starrt in die gleißende Sonne und die davor herumpendelnde Schaukel. Es befindet sich noch in seinem Körper, es will schreien, aber der Brustkasten ist steif, wie zubetoniert. Die Sonne scheint durch die aufgesperrten Augen herein. Die Mutter ruft nach dem Kind und kommt auf den Balkon. Sie beugt sich über das Geländer. Das Kind liegt auf dem Rücken im Gras und schnappt nach Luft.

Durch den Schnorchel keuchend, studiert das Kind die Schaumdecke über sich. Die Bläschen knistern und schwanken sanft hin und her. Der Schlauch der Brause rumpelt gegen die Badewannenwand, der Hintern quietscht am Wannenboden, das Herz pocht laut und stark. Das Kind lauscht seinen Organen, sie klingen gut. Es weiß, dass die Organe es bis ins Erwachsenenleben begleiten werden. Es schließt die Augen unter der Taucherbrille. So muss es gewesen sein. Draußen dumpfes Gemurmel und Gehämmer, drinnen ein Pochen und Rauschen. Es sieht sich selbst, wie es ein winziges Menschenkorn gewesen ist, so wie es nun im Badewasser schwebt, wie es heute Abend Kartoffelpuffer essen und einmal viel später aus dem Haus gehen wird, mit einer Idee, einem Plan oder einer Aufgabe. Auf alles gefasst, mit einer mittelgroßen Tasche voller Taschentücher und sonstigem Zubehör für den Tag. Und die Organe im Kind werden dabei sein und in ihm drin sprechen. Das Kind spürt: Es gehört zu sich.

In diesem Gefühl lebt ein zweites Gefühl. Leicht ist es, traurig und schön. Wie die Bilder im Fernseher bei den Nachbarn. Da und doch nicht da. Das Kind kann das Gefühl nicht festhalten, es weht hinter einem Atemzug her aus der Brust heraus. Durch den Schnorchel entweicht es und findet nicht zurück.

Unter dem Schaum schluchzt das Kind. Das Fenster ist gekippt, das Gefühl wird entwischen. Die Eltern sollen es einfangen. Es aufheben. Für später. Das Kind weiß, dass etwas geschieht, was es nicht begreifen kann. Vermutlich sogar etwas, was auch die Eltern nicht begreifen können. Aber sie müssten doch. Sie müssten doch wissen, was zu tun ist. Wegen der Kindergärtnerin. Und dem Preis, den alles hat. Sie sagten doch Vernunft. Vernünftig sein.

Das Gesicht der Mutter schaut durch ein Loch in der Schaumdecke, zwei Arme greifen von weit her nach den Schultern und heben das Kind aus dem Wasser. In der Taucherbrille die Tränen. Sie zieht am Mundstück des Schnorchels, und wie entstöpselt heult es aus dem Kind heraus. In der Küche horcht der Vater auf. Mit einer Holzkelle schiebt er die Kartoffelpuffer in der Bratpfanne hin und her. Was fehlt dem Kind? Die Kartoffelpuffer werden es abfedern, versichert sich der Vater. Die Mutter setzt das trockengerubbelte Kind auf die Eckbank. Sie habe bloß den Schnorchel aus dem Schaum ragen sehen, und durch den Schnorchel habe es geschluchzt. Sie wirft dem Vater einen ratlosen Blick zu. Dieser schiebt dem Kind den Teller heran. Doch der Kartoffelpuffer zeigt keine Wirkung, immer wieder wird das Kind von kleinen Verkrampfungen des Zwerchfells geschüttelt, verschluckt sich und will wieder losbrüllen.

Der Vater spricht ins Telefon zu seiner Kundschaft. Manchmal verwechselt die Kundschaft die Telefonnummern, und plötzlich ist der Vater mitten in der Arbeit. Er schlägt die Beine übereinander und wippt mit dem Fuß. Dazu versinkt er tief im Sofa. Die Kundschaft möchte, dass der Vater eine Tier- oder Pflanzenart rettet, bewahrt oder zählt und den Streit mit denen schlichtet, die das Gegenteil wollen. Der Vater klemmt den Hörer kurz zwischen Schulter und Kinn ein und zeichnet schwungvoll mit dem Kugelschreiber zwei Kreise auf ein Papier. Das Kind weiß schon, dass in der Mitte, wo sie einander überschneiden, eine Lösung verborgen liegt. Die Tiere und Pflanzen sind auf diese Lösung angewiesen. Und der Vater muss sie finden.

Sein Fuß wippt im Auftrag der Kundschaft. Für die Kundschaft benutzt er eine Beraterstimme. Begehung … mhm, ja. Mauersegler … Genau, am kommenden Dienstag. Unter Umständen, die Besprechung … und in dieser Situation empfiehlt es sich außergerichtlich … Er spricht lange, lacht zwischendurch auf, in der Leitung wird auch lange gesprochen, der Fuß wippt, der Vater horcht, seine langen Beine ragen immer weiter aus dem Sofa empor. Das Kind beobachtet aufmerksam das Wippen des Fußes, es versucht daraus eine Regel oder eine tiefere Weisheit abzuleiten. Aber das Wippen bleibt unergründlich und ohne Regel. Es scheint auch keine direkte Betonung dessen zu sein, was gerade gesagt wird. Der Vater fragt, die Kundschaft antwortet, der Fuß wippt. Die Kundschaft fragt, der Vater gibt Auskunft, der Fuß wippt.

Das Kind möchte auch gerne eine Auskunft beim Vater einholen. Zum Engel, den es bei den Nachbarn gesehen hat. Ob er eine Spezies ist. Und ob er selten und speziell und schützenswert ist. Es will, dass der Vater mit ihm zu den Nachbarn kommt und dem Engel einen Namen gibt. Dem Kind erklärt, woher dieser Engel kommt und welchen Lebensraum er braucht. Nicht dieses Reden mit anderen am Telefon und das Fußwippen.

Das Kind will sich ans Fußgelenk des Vaters hängen, schwer wie ein Stein, um dieser unbegreifbaren Bewegung ein Ende zu setzen. Zugleich fürchtet es sich davor. Es könnte sein, dass dieses Wippen den ganzen Vater betreibt. Dass alle Zahnräder und die davon angetriebenen Vorgänge im Vater von diesem Fuß mit Energie versorgt werden. Und wenn das Kind sich in diesen Kreislauf einmischte, der gesamte Vater zum Erliegen käme, seiner Arbeit nicht mehr nachkommen könnte und die Kundschaft in der Telefonleitung ihre Konflikte nicht lösen könnte. Alles hängt von dem wippenden Fuß ab, diese Tatsache macht das Kind rasend. Es will den Vater warnen, das Sofa wird ihn gleich ganz verschlingen, während bei den Nachbarn ein seltener Engel lebt, der vermutlich noch nie zuvor gesichtet wurde, bestimmt sogar der einzige seiner Art ist, und der Vater bemerkt ihn nicht, denn er ist ein Büro, das von einem wippenden Fuß angetrieben wird.

Verzweifelt sitzt das Kind auf dem Teppich und fixiert den Vaterfuß. Wie kann es sicher sein, dass es ein Engel war? Der Engel war unscharf und nur kurz erschienen. Dann hatte Ege auch schon EJECT gedrückt, und die Videokassette kam aus dem Gerät gefahren, auf dem Bildschirm nur noch Ameisengewimmel. Ege, der den Kopf schüttelt. Kein Engel. Es ist kein Engel. Nur ein Bild. Aber wenn das Kind die Augen schließt, leuchten die weißen Flügelchen wie Flammen im Dunkel. Der Engel brennt hinter den Lidern.

Das Kind reißt die Augen wieder auf. Der Vaterfuß wippt immer noch. Wann kommt die Pause, in die es sprechen kann? Dann stemmt sich der Vater aus den Tiefen des Sofas hoch. Das Telefonat ist beendet. Der Fuß wippt nicht mehr, denn er wird jetzt zum Gehen und Stehen benötigt. Das beruhigt das Kind für den Moment, dass die Körperteile für die vorgesehenen Zwecke verwendet werden.

ABKLÄRUNG

Der Heiler beugt sich über das Kind auf der Liege und starrt ihm in die Augen. Das Kind starrt dem Heiler ebenfalls in die Augen. Im Bauch rumoren Zweifel.

Es hat dem Heiler vom fehlenden Gefühl berichtet, als sie sich noch auf Stühlen gegenübersaßen. Der Heiler hat genickt hinter dem Schreibtisch und alles mitgeschrieben, das hat dem Kind gutgetan. Doch auf der Liege fühlt es sich anders an. Das Gefühl fehlt zu sehr, es ist ein Loch, in das der Blick des Heilers ungebremst hineinfällt.

Er werde die Information des Fehlens jetzt deprogrammieren, erklärt der Heiler dem Kind. Und zwar allein durch intensiven Blickkontakt. Das Kind verschließt sich instinktiv. Will der Heiler den Engel auslöschen? Das Kind wird ihn nicht hergeben.

Stattdessen testet es den Heiler. Es erwidert sein Starren und wiederholt dazu in Gedanken: Ich bin ein Wal. Mir fehlt kein Gefühl. Ich schwimme im Meer. Wenn er wirklich Gedanken lesen kann, wird ihn diese Information erstaunen.

Der Heiler beginnt etwas zu schwitzen, geht aber nicht auf die Gedanken des Kindes ein. Nach einer Weile tupft er sich den Schweiß von der Stirn und nimmt Abstand. Ob das Kind seine Algentabletten brav genommen habe, will er wissen. Das Kind nickt. Es hatte sie mit einem Stein zu Staub zerstoßen und in den Froschteich gekippt. Immer mit genug Wasser, fügt der Heiler hinzu. Das Kind bleibt liegen und späht aus den Augenwinkeln zum Heiler hinüber. Er sucht etwas in seiner Schreibtischschublade. Ob der Heiler die Wal-Information mit den Eltern teilen wird?

«Nein», sagt der Heiler beiläufig und träufelt Duftöl in ein Lämpchen. Das Kind erschrickt. Hat er wirklich gehört, was es sich selbst im Stillen gefragt hatte? Hörst du mich, Herr Heiler?, fragt es nochmals laut und deutlich in Gedanken. Aber der Heiler reagiert nicht mehr.

Es klopft.

«Das wird die Mama sein», meint der Heiler.

Während das Kind seine Turnschuhe anzieht, vereinbart der Heiler mit der Mutter einen neuen Termin. Sie tauschen sich über den Duft im Lämpchen und seine Wirkung aus, Eukalyptus, klärend, reinigend, die Bettnässerei, das werde sich auswachsen. Aber das fehlende Gefühl …

Das Kind steht mit dem Rücken zu den Erwachsenen am Fenster und befingert den Vorhangstoff. Liebevoll lässt der Heiler seinen Blick kurz auf dem zerzausten Hinterkopf des Kindes ruhen. Ein besonders verstocktes.

«Nun denn», sagt die Mutter und schiebt das Kind aus der Praxis. Über die Schulter wirft es dem Heiler noch einmal einen durchdringenden Blick zu.

«Die Seele und die Organe hängen eng zusammen», erklärt die Mutter dem Kind auf dem Weg zur Bushaltestelle, aber die Seele sei tief wie ein dunkles Meer. Vielleicht könne der Heiler etwas Licht in diese Tiefen bringen. Das Kind denkt an die Algentabletten im Froschteich. An den schaurigen Kampf einer Krake mit einem Pottwal in der schwärzesten Dunkelheit der Tiefsee. In diese Tiefen taucht kein Heiler so leicht ab.

«Ich bin ein Pottwal», verkündet es der Mutter.

«Eine Unke wohl eher», kichert die Mutter.

Im Bus treffen sie den Vater, der gerade von der Begehung eines Golfplatzes heimkommt. Der Bus ist überfüllt, und das Kind wird auf seinen Schoß gesetzt. Der Vater ist in eine Unterhaltung mit seinem Sitznachbarn vertieft, das Kind fühlt den wippenden Vaterfuß am Bein, auf dem es sitzt. Ernste Wörter schießen hin und her.

Ombudsstelle, Verhandlungsgrundlage, Konfliktparteien, Korruptionsgefahr, Gewässerreinhaltung, Eigenverantwortlichkeit, Langzeituntersuchung, Populationsrückgang, Lösungsansatz, Verschwiegenheitspflicht, Ambiguitätstoleranz, Entscheidungsdelegation.

Das Kind muss pinkeln. Aber die beiden Männer reden so energisch, dass es nicht weiß, wann es dreinreden könnte, um zu sagen, dass es aufs Klo muss. Es traut sich nicht, zwischen die langen, wichtigen Wörter der Erwachsenen seine kleinen, kurzen Pipi-Worte zu sagen.

Der Vater ist hineingegangen, um die nasse Hose zu wechseln. Die Mutter ist hineingegangen, um die Packungsbeilage der Algentabletten nochmals zu studieren. Das Kind ist nicht hineingegangen. Es sitzt auf der Fußmatte vor der Tür und isst Rosinen. Die Borsten aus Bast stacheln gegen die Waden.

Der dunkle Fleck auf dem Hosenbein des Vaters. Das Kind möchte vergessen, dass seine Seele ein Leck hat, durch das es heraustropft. Wäre es umgeben von Wasser, würde das niemandem auffallen. Aber weit und breit kein Wasser. Hitze und Wiesen und die borstige Bastmatte, über die der Besuch ins Haus schreitet, um mit den Eltern den Zusammenhang der Seele mit den Ostereiern und den Organen zu besprechen. Wer hängt denn den Zusammenhang zusammen? Wer hat diese große Kraft?

Um die Fußmatte flitzen Ameisen. Wenn auf dem Fernseher der Nachbarn nichts läuft, laufen die Ameisen auch dort. Gibt es bei den Ameisen einen Zusammenhang? Das Kind versucht, einer einzelnen Ameise mit den Augen zu folgen. Wenn man wüsste, was eine einzelne Ameise tut und wohin sie geht, könnte man sich einen Überblick über den Zusammenhang der Ameisen verschaffen. Und darüber hinaus etwas über den Zusammenhang überhaupt. Wenn diese Ameise hier die Tochter von jener ist, müsste die, die eben unter der Fußmatte hervorgekrochen ist, die Mutter von dieser sein, also die Königin? Aber die Ameisen rennen wild durcheinander. Die Rosinen in der Hand werden schwitzig.

Mit den Zähnen halbiert das Kind eine klebrige Beere und legt sie an die Kante der Fußmatte. Sofort entsteht ein Gedränge, und nach einer kurzen Inspektionsrunde zerrt eine Ameise den Fund zielstrebig mit sich fort. Den Blick auf die hinwegzitternde Rosine gerichtet, isst das Kind hastig den Rest. Es muss die Hände frei haben für die Verfolgung. Es ist ein Doktor der Wissenschaft. Endlich wird es wissen, was eine einzelne Ameise tut. Erst als die Trägerin die Rosine mit einem letzten Ruck in ein sandiges Loch zerrt, hebt das Kind den Blick. Wo? Wie? Es hat sich nicht geachtet. Reibt sich die Augen.

BENENNUNG

Die Blechschatulle mit beiden Händen umklammernd, drückt das Kind das schwere Holztor des Ateliers auf. Alles Wichtige ist in der Schatulle. Beinahe fällt es über einen Gipsarm. Die Mutter hatte damit das im Durchzug knarrende Tor arretiert. Sie steht im weißen Staub und hantiert am drehbaren Teil des Modellierbocks. Die Ohren mit Kopfhörern bedeckt, wippt sie im Takt der Musik. Ab und zu singt sie einen Wortfetzen, …velation …misticristal … oh yeah! Ihr langes Hemd umwogt die drei Beine des Bocks, im Gipsstaub die Linien ihres Tanzes.

Das Kind zieht ein schmales Etui mit Diaaufsätzen aus seiner Schatulle und fingert die bunten Scheiben heraus, um sie sich einzeln vors Gesicht zu halten. Nachbar Ege hat ihm die Aufsätze mitgegeben zum Durchgucken und sich ein Bild machen. Wenn es zu Hause schon nicht fernsehen dürfe, könne es damit wenigstens das fade Abbild der Welt ein wenig in Schwung bringen. Das sei wohl hoffentlich noch erlaubt. Die Aufsätze könne man auch bei einer Diaschau vor den Projektor klemmen, als Jux, die gezeichneten Formen würden sich über die Fotos legen, und schon habe man ein anderes Bild. Mit geistlosen Urlaubsbildern sei das besonders spaßig. Die Lebenspartnerin Gisela, deren Urlaubsbilder gemeint waren, stand mit zwei vollen Einkaufstüten im Türrahmen. Eine ihrer roten Locken hatte sich im Mundwinkel verfangen, ein feiner Schnitt. Ege drehte sich nicht um, nur das Kind las das Gefühl in ihrem Gesicht. Giselas Kränkung, ein Bild, das Ege schon lange nicht mehr interessiert.

Durch das Viereck des Dias nimmt das Kind die Tonfigur auf dem Modellierbock der Mutter ins Visier und kneift ein Auge zu. Bewegt das Viereck hin und her, auf und ab, bis die Figur darin schön ist. Die Figur ist die Vorgängerin von sich selbst in der Zukunft. Wenn sie bereit ist, wird sie mit Gips umhüllt, verschwindet und wird ein klumpiges, weißes Gebilde. Aus dem aufgeknackten Gebilde dann werden die zerrissenen Gliedmaßen der Vorgängerin sorgsam herausgekratzt. Dann ist von ihrem Körper nur noch das anwesend, was ihn umgibt, sagt die Mutter dazu, ein heikler Moment, und anfällig für Verluste. Wenn die Mutter bei dieser Arbeit ungeduldig ist, kann es passieren, dass dem abwesenden Körper ein Arm oder der Kopf abfällt. Diese Teile sind für die Nachfolgerin verloren.

Das Kind würde der Vorgängerin im braunen Ton gerne ein Leben ermöglichen, bevor sie als Vorlage für eine Nachfolgerin sterben muss. Vielleicht kann es mit den Diaaufsätzen etwas ausrichten. Es wechselt vom neutralen Dia zum ersten Aufsatz. Jetzt ist die Figur am Palmenstrand. Erfreut wechselt das Kind den Aufsatz. Die Figur ist im Weihnachtsland. Die Figur hat ein Leben. In rhythmischer Abfolge hält sich das Kind reihum alle Aufsätze vors Gesicht und summt.

Jetzt ist die Figur am Palmenstrand,

jetzt ist die Figur im Weihnachtsland,

jetzt ist sie hinter dem Schlüsselloch,

und jetzt ist sie in meinem Herz.

Jetzt fährt sie Ski

und mit dem Schiff,

fliegt mit dem Flieger,

feiert ein Fest,

ist im Büro, mit Papier

und im Fernglas

ist ein Tier …

Das Kind stockt. Der Vater notiert seine Beobachtungen in der Tierwelt auf Papier. Das macht sie ernst, und man kann mit langen Wörtern darüber sprechen. Doch es selbst kann seine Beobachtungen noch nicht notieren. Es muss der Mutter das fehlende Gefühl und den Engel mündlich erklären.

«Ich habe bei den Nachbarn vielleicht einen Engel gesehen», versucht das Kind.

«Hä?», ruft die Mutter und hebt eine Kopfhörermuschel vom Ohr.

«Ich habe etwas gesehen. Bei Ege.»

«Was denn?» Die Mutter setzt die Kopfhörer ganz ab und kommt etwas näher.

«Die Ränder waren verschwommen. Ich weiß nicht genau.»

«Mmmh», macht die Mutter und knetet sich das Gesicht. «Fängt es jetzt schon an.»

Das Kind blickt zu Boden. Was fängt an? Das Fernsehen und die Videokassetten machen dumm und traurig, hatte die Mutter oft gesagt. Die Augen werden schwach davon. Vom Glotzen auf den Bildschirm. Wenn das Kind das unbedingt wolle, könne es das bei den Nachbarn machen. Ege habe da drüben schließlich genügend Technik rumstehen, um ein ganzes Kino zu betreiben. Von der Produktion bis zur Aufführung. Medien hier, Medien da. Aber Ege verwechsle und vertausche mit seinen Medien die Fließrichtung der Vorstellungskraft. Nehme die Bilder von außen und verwechsle diesen Vorgang mit einer inneren Idee. Ege verwechsle sogar sich selbst mit seinen Ideen. Ege lebe in einer Vorstellung. Medien, Medien, ts, ts.

Das Kind erinnert sich an die abschätzigen Mundwinkel der Mutter. Sie mag keine Medien. Sie mag es, wenn die Vorstellungskraft von innen herausfließt. Das Kind will die Mutter nicht enttäuschen. Wenn der Engel nochmal erscheinen könnte, vielleicht hier zu Hause und nicht drüben bei den Nachbarn mit den gefährlich vertauschten Medien, könnte es ihn der Mutter zeigen.

Sie werde nachher die Augenärztin anrufen, wegen dem verschwommenen Sehen bei Ege, tröstet die Mutter das Kind, das still und konzentriert die Diaaufsätze in seiner Schatulle umsortiert. Da könne man was machen.

Doch das Kind ist verstummt. Um wieder zu beleben, hievt die Mutter einen riesigen Bildband aus dem Regal, setzt sich damit neben das Kind in den Gipsstaub und schlägt ihn auf. Da lässt das Kind von der Schatulle ab und schiebt seine Beine auch unter den schweren Buchdeckel. Behutsam blättert es die sperrigen Seiten um.