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Der Autobio-Grafische Katalog umfasst dreierlei grafische Aspekte, den biografischen, den künstlerisch-grafischen und bibliografischen. Anhand einer großen Auswahl an Bildern von 1961 bis heute, seines knapp umrissenen Lebenslaufs und seiner literarischen Entwicklung seit den 1970er Jahren zeigt Regenbrecht die enge Verknüpfung dieser drei Lebenskonstituenten auf. So bunt und variantenreich das Bildmaterial: Zeichnungen, Wasser-, Tusche- und Ölfarbmalereien, Cartoons, Fotografien, Collagen, Cut-ups und digitale Montagen, so vielfältig sind auch seine Buchpublikationen: Gedichte, Erzählungen, Romane, Theaterstücke, Essays, Rezensionen und Kommentare. Immer wieder, das zeigt dieses BilderBuch auf, hat der Autor versucht, die so unterschiedlichen und oft auseinander strebenden Talente zusammenzubringen. Das "BilderBuch eines Unikums" ist Regenbrechts dreißigste Veröffentlichung und ein kurzer wie kurzweiliger Einstieg in sein Gesamtwerk.
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Seitenzahl: 41
Veröffentlichungsjahr: 2023
1950-1971: Kindheit und Jugend in Niedersachsen und Koblenz; bis zum Abitur.
1972-1979: Studium in Tübingen und Bonn.
1980-1999: Nordamerika-Aufenthalt, Rückkehr nach Koblenz; Familiengründung, Berufsentscheidung: Schriftsteller.
2000-2014; alleinerziehender Dozent.
2015-2023, post-OP-recovery.
Abb.unten: Aus den Roman „Stellas Promotion“ (1994)
„Klaus ist ein Unikum,“ pflegte meine Tante Ida zu sagen, wenn ich als Kind bei ihrer Familie zu Besuch war. Sie war die Schwester meiner Mutter und lebte in Niedersachsen auf einem großen Bauernhof; ich war dort oft wochenlang zu Besuch, bevor ich zur Schule ging. Natürlich weiß ich nicht genau, was sie mit „Unikum“ meinte, noch was sie zu dieser Einschätzung gebracht hatte. Zeitlebens jedoch bin ich meinen eigenen Weg gegangen und habe mich auch künstlerisch in keine Schublade zwängen lassen.
Seit 1985 habe ich einen eigenen Verlag für meine Bücher, so dass ich nicht nur volle Kontrolle darüber habe, was wann erscheint, sondern auch mit welcher Umschlaggestaltung und mit welchen Abbildungen, Illustrationen, Grafiken oder Fotos in den Büchern. Allein in diesem Punkt hätte es sicher Auseinandersetzungen und Abstriche bei der Herausgabe in einem anderen Verlag gegeben.
Meine Bücher sind also häufig reich illustriert, wobei der Schwerpunkt natürlich bei den Texten liegt und gelegentlich bei Text/Bild-Kombinationen. Auch wenn alle diese Bilder sicher nicht den Anspruch „Große Kunst“ erfüllen, will ich sie in diesem Band versammeln, in einer zwar nicht vollständigen, aber hoffentlich repräsentativen Auswahl.
Kindheit und Jugend in den 1950er und 1960er Jahren bedeutete, dass fast jegliche Form der Freizeitgestaltung, Spielen, draußen stattfand und zwar, vor allem auf dem Land, ganzjährig. An meinen Enkelkindern kann ich sehen, dass eine Kindheit, nicht zuletzt wegen des Corona-Lockdowns, heute völlig andere Fertigkeiten protegiert. Meine Spielkameraden und ich haben alle erst in der Schule lesen und schreiben gelernt. Die allerersten Schreibversuche wurden noch auf Schiefertafeln unternommen, aber bald gab es Hefte und Füllfederhalter und Buntstifte. Die Zeichnung auf Seite → (links oben, ein Unterwassermotiv) ist die älteste, die ich noch besitze; sie stammt aus dem Jahre 1961, als ich elf Jahre alt war. Rechts oben ein bearbeiteter Ausschnitt aus einem Schwarzweiß-Foto aus dem Jahr 1953.
Mein Talent war zeichnerischer Natur, ich konnte Mickey Mouse originalgetreu nachmalen. Die Maus war auch meine erste Wandmalerei: Ich durfte sie in unserem Clubhaus, von einem Vater in der Nachbarschaft zur Verfügung gestellt, Mitte der Sechziger in Übergröße an die Wand malen. Eine weitere Wand zierte schon ein psychedelisches Porträt (Seite →, links unten). Das war Ende der Sechziger in einem Haus, das wir vor seinem Abriss als Partylocation nutzen durften.
Die beiden Abbildungen von 1963 auf Seite → unten (Wasserfarbe und Bleistift) zeigen deutlich, dass innerhalb eines Jahres große Sprünge möglich waren (Handschrift).
1965, Seite → oben (Wasserfarbe), zeigt eine Hinwendung zu eigener Bildsprache, noch erkennbar gegenständlich, aber dennoch frei von konkreten Vorbildern. Rechts unten ein fiktives Porträt von 1969 in Wasserfarbe, lasiert. Auf Seite → wieder in Wasserfarbe, mit wenig Wasser mehrschichtig aufgetragen, eine Landschaft. Ein ähnliches Motiv auf Seite →, auch Wasserfarbe, aber anders verarbeitet; 1967.
Ein Jahr später, 1968, wurde ich achtzehn Jahre alt und hatte zum ersten Male eine feste Freundin, begleitet von einem Kreativitätsschub. Auf Seite → eine Art Fusion-Porträt, eine Mischung aus Selbstporträt (vgl. Foto rechts oben von 1970) und einem Porträt Dennis Wilsons von den Beach Boys, deren Fan ich seit etwa 1964 war. Die kleine Abbildung links ist mit schwarzer Wasserfarbe ausgeführt.
Rechts unten eine Tuschezeichnung von 1970. Zumindest bei diesen frühen Arbeiten machte ich mir nicht die Mühe, einen Titel zu finden. Meistens hatte ich auch keinen festen Plan, was es werden sollte, ließ mich leiten von spontanen Einfällen oder von einer einfachen Form, die wuchs, sich veränderte und Gestalt annahm.
Am Anfang, und auch später noch, nutzte ich an Materialien, was mir zur Verfügung stand, also Tusche, Buntstifte und Wasserfarben auf einfachem Ringbuchpapier, dann auch Zeichenblockpapier, das ich für die Schule brauchte. Oft genug habe ich beide Seiten bemalt.
Mit einundzwanzig Jahren, schmächtiger Spätentwickler, der erst mit sieben Jahren eingeschult worden war, machte ich 1971 mein Abitur, und mein erster Studienwunsch war Kunst. Ich glaubte jedoch nicht, dass mein Sammelsurium an Zeichnungen und Wasserfarbbildern ausreichen würde, um an einer Hochschule zu einer Prüfung zugelassen zu werden.
Was sollte ich also machen? Auf die Idee einer fundierten Berufsberatung kam man damals eher nicht; anscheinend wusste man auch so, wofür Eignung bestand; ich wusste es nicht.
Oben links, Wasserfarbe von 1969, vom Umschlag eines Buches abgemalt: „Der Kurier des Zaren“ von Jules Verne. Ein Buch, das mich einige Jahre zuvor tief beeindruckt hatte. Oben rechts: Spüli-Stöpsel 1971, Filzstift. Ferienjob bei Procter & Gamble (einer von vielen). „Not all who wander,“ bearbeitet nach 2010 und kombiniert mit einem Foto von 1965; Fahrradtour in den Spessart durchs Rheintal. Links der Januar/Februar des Jahreskalenders von 1969. So sahen alle meine Kalender und auch die meisten Schulbücher aus.
