Bis tief in die Seele - Lynn Erickson - E-Book

Bis tief in die Seele E-Book

Lynn Erickson

3,8
5,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Anna Dunning hat Angst. Ein unheimlicher Fremder flüstert mit seiner schrecklichen rauen Stimme obszöne Fantasien in ihr Telefon. Sie spürt voller Entsetzen, dass er sie beobachtet, verfolgt - um bis tief in ihre Seele einzudringen. Um sie zu verletzten. Um sie zu töten. Auch ihr Bodyguard Mark Righter kann nicht verhindern, dass der gefährliche Psychopath immer neue Möglichkeiten findet, Anna in die Enge zu treiben. Er weiß nur, dass er ihn stellen muss, bevor der Jäger seine Beute in Besitz nehmen kann.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 457

Veröffentlichungsjahr: 2012

Bewertungen
3,8 (18 Bewertungen)
5
8
1
4
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Lynn Erickson

Bis tief in die Seele

Roman

MIRA® TASCHENBUCH

MIRA® TASCHENBÜCHER

erscheinen in der Harlequin Enterprises GmbH,

Valentinskamp 24, 20354 Hamburg

Geschäftsführer: Thomas Beckmann

Copyright © 2012 by MIRA Taschenbuch in der Harlequin Enterprises GmbH

Titel der nordamerikanischen Originalausgabe:

Night Whispers

Copyright © 1997 by Carla Peltonen and Molly Swanton

erschienen bei: MIRA Books, Toronto

Übersetzt von Margret Krätzig

Published by arrangement with

HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

Konzeption/Reihengestaltung: fredebold&partner gmbh, Köln

Umschlaggestaltung: pecher und soiron, Köln

Titelabbildung: Getty Images, München,

Mauritius Images GmbH, Mittenwald

Autorenfoto: © by Harlequin Enterprise S.A., Schweiz

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN eBook 978-3-95576-165-3

www.mira-taschenbuch.de

eBook-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmundwww.readbox.net

Werden Sie Fan von MIRA Taschenbuch auf Facebook!

1. KAPITEL

Der Jäger wartete mit unendlicher Geduld. Er verharrte in der halbdunklen, höhlenartigen Parkgarage reglos im Schatten hinter einem Betonpfeiler. Wenn nötig, konnte er stundenlang so warten. Mit den Jahren hatte er sich trainiert, hatte Geist, Instinkt und körperliche Fähigkeiten geschliffen, bis er das wahre, das perfekte Raubtier war.

Kälte herrschte in der Garage, die dunkle, nach Motoröl riechende Kälte, die normale Menschen frösteln ließ und zur Eile antrieb. Nicht so den Jäger. Er lief in der Kälte zur Hochform auf. Und es war erst September in Denver. Bis der Winter einsetzte, wurden seine Fähigkeiten noch stärker.

Er wartete, beobachtete den Wagen. Sie musste gleich kommen. Es war fast acht, und das Tabor Center, das Einkaufscenter über der Tiefgarage, würde schließen. Er war schon über zwei Stunden hier, beobachtete und lauerte mit dem absoluten Vertrauen des Raubtieres: Die Beute kam bald, ihr Schicksal war besiegelt.

Ihr Wagen. Er richtete die hellblauen Augen darauf. Er kannte ihn gut. Ein metallicperlgrauer Toyota Camry. Er hatte ihn viele Male gesehen, war ihm bis heute etliche Male gefolgt. Er war ihm so vertraut wie ihr Gesicht: der Kratzer an der Beifahrertür, der Thule Ski- und Fahrradträger, der Aufkleber vom Denver-Zoo im Rückfenster.

Er mochte, wie sie fuhr, sicher und schnell, ungeduldig, immer in Eile. Eine eifrige Lady. Er rief sich ihr Gesicht in Erinnerung, und die Haut um seinen Kopf schien enger zu werden, wie immer, wenn er sich die Frau vorstellte. Sein Herz schlug schneller, und er spürte sich hart werden, wenn er an sie dachte – schon beim bloßen Gedanken an sie.

Sie hieß Anna Dunning. Anna. Dunning. Ein süßer Name. Und auch ein hässlicher Name. Seine widersprüchlichen Gefühle für sie verunsicherten ihn. Frauen waren Schlampen und grausame, kapriziöse Piranhas. Er hasste Frauen. Er tat ihnen gerne weh. Er ließ sie schreien, kreischen und um Verzeihung betteln vor ihrer endgültigen – und gerechten – Bestrafung. Aber mit dieser war es irgendwie anders.

Bei ihrer ersten Begegnung hatte sie ihn kaum bemerkt. Es war fast sechs Monate her. Sie war höflich gewesen. Sie hatte gelächelt, ein sorgloses, zerstreutes Lächeln, dann war sie plaudernd in der Sommersonne vorbeigegangen, in Shorts, mit langen, gebräunten Beinen.

Und der Jäger hatte sich verliebt. Wie der Blitz einschlägt in völlige Dunkelheit.

Es war ein bizarres Gefühl für ihn. Es brachte ihn aus dem Gleichgewicht, ließ seinen gewöhnlich methodisch arbeitenden Verstand sich in Phantasien ergehen, weckte den Zwang, sie zu sehen, ihre Stimme zu hören, sie – das wagte er nach all den Monaten zu hoffen – zu berühren.

Nicht etwa, weil sie so hübsch war, obwohl andere Männer sie vielleicht hübsch fanden. Es war die Art, wie sie sich bewegte, ihre geschmeidige Selbstsicherheit, ihre athletische Körperhaltung, die Neigung des Kopfes, eine undefinierbare Herausforderung im Blick. In der steckte Mut. Eine lohnende Beute. Ja, Anna Dunning war die perfekte Beute für ein perfektes Raubtier.

Natürlich hasste er sie auch. Schließlich war sie eine Frau. Hinterhältig, bösartig, verräterisch, nur dazu da, Männer zu kränken, sie ihrer Männlichkeit zu berauben.

Du musstest stark sein, dachte der Jäger, als er im Schatten stand. Du konntest dich nicht einfangen lassen, konntest dich nicht herumführen lassen an deinem … nun, ja, Ding. Und Anna hatte einmal etwas gesagt, das ihn sehr geärgert hatte. O ja, sie hatte schon etwas Dominantes. Auf diese herablassende, sorglose Art hatte sie gesagt: “Wenn ich Sie wäre, würde ich diesen Haufen Abfall beiseiteschaffen. Sonst stolpert noch jemand darüber.”

Dieser unverhohlene Befehl hatte ihn wie ein Dolch ins Herz getroffen. Und dann hatte sie ihm ein leeres Lächeln geschenkt. Er hatte Rot gesehen.

Sie verdiente eine Strafe, und die würde sie bekommen. Er wollte sie besitzen, er wollte sie nach Belieben strafen können. Wann immer er wollte. Sie musste sein Besitz werden wie seine Gewehre und seine Jagdmesser, das Zielfernrohr, das Schneemobil und die Hütte. Sie gehörten ihm, das war’s.

Er liebte sie.

Der Jäger hörte den Fahrstuhl im Schacht. Er kam. Anna. Die zerkratzten gelben Türen glitten auf, und sie trat heraus. Er blinzelte. Nein. Es war ein Mann. Er eilte auf seinen Wagen zu, die Schultern unter dem Jackett eingezogen. Seine Schritte auf dem fleckigen Beton hallten laut. So laut, dass der Jäger fast den anderen Fahrstuhl überhörte.

Sein Herz klopfte im Hals, sein Magen zog sich zusammen. Sie war es. Sie trug zwei große Einkaufstüten. “Casual Corner". “Brooks Brothers".

Er wich weiter zurück. So unbekümmert in ihrer zarten Haut, so kraftvoll in ihrer Weiblichkeit. Forschen Schrittes kam sie näher, ging auf ihren Wagen zu. Er hörte ihre Schritte und das gedämpfte Dröhnen des Automotors, als der Mann hinausfuhr. Die Reifen quietschten auf dem Beton. Dann war es wieder still bis auf Annas leichte, rasche Schritte, die immer näher kamen.

Schweißperlen sammelten sich auf der Oberlippe des Jägers. Er beugte sich eine Winzigkeit vor, um Anna zu sehen.

Sie suchte in der Tasche ihrer braunen Wildlederjacke. Er kannte sie gut, kannte jedes ihrer Kleidungsstücke. Die Hände voll, fingerte sie im Gehen nach ihren Schlüsseln.

Ein metallisches Klirren. Sie hatte die Schlüssel fallen lassen. Ein gemurmeltes “Verdammt.” Der Klang ihrer Stimme ließ ihn erschauern. Schmerz und Freude durchrieselten ihn. Er schloss für einen Moment die Augen.

Er öffnete sie wieder, als sie sich hinabbeugte und mit einer Hand die große Tragetasche festhielt. Er sah ihr Haar wie einen dunklen Schleier vor ihr Gesicht fallen, sah, wie sich die Waden anspannten, als sie in die Knie ging und nach den Schlüsseln griff. Ihr Hintern war rund, die Jeans spannten sich straff über ihren Hüften. Er atmete rasch tief ein, als sie sich, die Schlüssel in der Hand, wieder aufrichtete und sich das Haar zurückschob.

Jetzt war sie an ihrem Wagen. Er hörte das Piepen der Fernbedienung, als sie die Türen entriegelte. Er hatte sie diese Einrichtung oft benutzen sehen. Sie ging sorgfältig mit ihrem Wagen um.

Jeden Moment würde sie davonfahren. Er hörte, dass sie die Tüten ins Auto warf. Ihre Füße scharrte auf dem Boden. Er spürte unbeschreibliche Trauer.

Er konnte sie nicht gehen lassen.

Unfähig, sich zu beherrschen, kam er hinter der Säule hervor und ging auf sie zu. Zwanzig Yards, nicht mehr. Und sonst war niemand da, keine Menschenseele in der halbdunklen, verlassenen Urzeithöhle, dem Lager des Jägers.

Sie drehte ihm rasch den Kopf zu. Wachsam, ja, gefahrenbewusst, fluchtbereit. Er erinnerte sie an ein Reh. Er konnte sich vorstellen, wie ihre Flanken unter dem Stoff zitterten. Ihre Augen waren aufgerissen. Der Jäger spürte sich anschwellen vor Machtgefühl, als er das ungewohnte Aufleuchten in ihren Augen sah. Denselben Ausdruck hatte er in den Augen von Tieren gesehen, wenn er sie im Fadenkreuz hatte.

Ihr Blick traf ihn, wanderte weiter, wandte sich ab. Kein Augenkontakt. Sie drehte ihm jetzt den Rücken zu, machte sich bereit einzusteigen. Aber er war hinter ihr, direkt hinter ihr, nicht länger ein bedeutungsloser Passant auf dem Weg zu seinem Wagen. Er verfolgte eine Absicht. Er konnte sie riechen, er war ganz nah. Ihr Duft, o Gott, teures Wildleder, Shampoo, ein raffiniertes Parfum, leicht und schwer zugleich. Und ihr Haar, all diese üppigen Locken, Ponyfransen auf der Stirn, dunkel golden lag ihr Haar im Nacken, dann die Kurve der Wangen. Ein Ohr. Ein blasses, geschwungenes Ohr. Sein Herz wollte schier zerspringen.

Ruckartig drehte sie sich zu ihm um. Er sah, wie sich ihre Muskeln anspannten, merkte, wie das Adrenalin durch ihre Adern schoss. Er machte einen Schritt auf sie zu.

Das Geräusch kam aus seinem Mund, ein Flüstern entrang sich seiner Kehle. Es überraschte ihn.

“Anna”, sagte er.

Ihre Augen waren ängstlich geweitet. Sie stand mit dem Rücken zum Auto. Die Tür war weit offen. Er atmete ihren Duft ein.

“Hauen Sie ab!”, schrie sie.

Tapfer, ein mutiges Herz. Lohnend. Das Weibsstück.

Er würde es tun, jetzt sofort. Doch seine Raubtiersinne registrierten das Geräusch des Fahrstuhls. Er hatte immer noch genügend Beherrschung, um vorsichtig zu sein.

“Hilfe!”, schrie sie und schob die Autotür zwischen sich und ihn. “Hilfe! Hilf mir bitte jemand!”

Und dann rauschten die Fahrstuhltüren auf. Der Jäger wich zurück und zog sich die Baseballkappe tiefer über die Augen. Er ging rasch, verschwand in der Dunkelheit hinter einer Ecke und flüchtete in die hinteren Winkel seiner Höhle.

Hinter sich hörte er aufgeregte Stimmen, gefolgt vom Aufheulen ihres Motors und dem Quietschen ihrer Räder, als sie wegfuhr. Er blieb, in einer dunklen Ecke verborgen, stehen und beobachtete, wie ihr glitzernder grauer Wagen vorbeischoss Richtung Ausfahrtrampe, zu schnell, viel zu schnell.

Der Jäger trat mitten auf die Fahrbahn, um den letzten Hauch der Abgaswolke zu erhaschen, als ihr Wagen aus der Tiefgarage kurvte. Er sog ihn ein und nahm sie in Besitz.

Das nächste Mal.

2. KAPITEL

Mark Righter standen wieder alle Möglichkeiten offen. Jeder in Denver wusste das. Sogar Barry, der Bursche vom Coffeeshop, der ihm jeden Morgen in East Colfax Bagels und Espresso verkaufte. Mark war eine lokale Berühmtheit. Irgendwie.

“Wie sind die Jobaussichten?”, fragte Barry.

Mark nahm dem Ladenbesitzer achselzuckend die weiße Bageltüte ab. “Immer dasselbe. Es sei denn, ich würde mich nächtelang als Nachtwächter in irgendwelche Lagerhäuser setzen.”

“Es gibt Schlimmeres.”

“Sicher”, erwiderte Mark, “aber nicht für mich.”

Draußen kaufte er eine Tageszeitung. Er wollte wie jeden Morgen die Anzeigen studieren. Vielleicht musste er doch vorerst einen Job bei einer Sicherheitsfirma annehmen – zumindest, bis er wieder auf den Beinen war. Und dann gab es noch die Arbeitslosenschlange. Bei dem Gedanken zuckte Mark zusammen. Nicht nur, weil er kurz davorstand, zum Sozialfall zu werden, sondern weil man bei der Polizei davon hören würde. Und die Demütigung hätte er auf keinen Fall ertragen.

Ach, zum Teufel, dachte er, irgendwas wird sich finden. Es musste. Sein Humor, der wohltrainierte Polizistenhumor, der die schlimmen Dinge immer auf Distanz hielt, begann zu versagen.

Er ging über die Vintage Strip Mall auf den Tattoosalon zu und entdeckte Lil Martinelli, die Besitzerin – und seine Vermieterin –, die vor dem Haus den Bürgersteig fegte. Gerade rechtzeitig.

“Fertig?” Mark hielt die weiße Tüte hoch.

“Sicher”, erwiderte sie. “Geh schon mal nach hinten. Ich bin gleich da.”

Es war ein morgendliches Ritual geworden. Seit Mark vor vier Monaten die Polizei verlassen hatte, setzte er sich mit Lil bei Bagels und starkem europäischen Kaffee hinter ihrem Geschäft in die Sonne. Bald würde es morgens zu kalt sein, um draußen zu sitzen. Mark vermutete, dass sie ihr Ritual dann in den Tattoosalon verlegten. Oder ich habe bis dahin einen Job, dachte er hoffnungsvoll.

Lil war fertig mit Fegen und kam durch den Salon nach hinten in den Patio. “Hast du diesem Barry gesagt, er soll den Kaffee für mich verdünnen?”, fragte sie, setzte sich auf einen Plastikstuhl und nahm sich einen Teil der Zeitung.

“Gesagt habe ich’s. Ob er’s getan hat …” Mark zuckte gleichgültig die Achseln und bemerkte Lils Aufmachung: von Kopf bis Fuß schwarzes Leder. In den wärmeren Monaten hatte sie knappe schwarze Baumwollsachen getragen, aber nun, im September, verfiel sie wieder auf Leder: Weste, Minirock und hohe Stiefel. Und alles mit Nieten beschlagen, sogar der tiefe V-Ausschnitt ihrer Weste. Er kam nicht umhin zu bemerken, dass ihr üppiges Dekolletee alterte. Es war fleckig und runzelig von zu viel kalifornischer Sonne, ehe sie nach Denver gezogen war. Ebenso auffällig war das Tattoo auf ihrer Brust, eine bunte Maisgöttin der Pueblo-Indianer, die Lil von einem Museumsplakat kopiert hatte.

Sie war sehr stolz darauf, doch Mark fand es, nun ja, ein bisschen viel. Lil hatte immer noch eine anständige Figur, schmal und straff. Doch da sie auf die Fünfzig zuging, war ihr Gesicht runder geworden, ihr Make-up wirkte zu schwer, und ihr schulterlanges Haar war durch jahrelanges Dauerwellen und Schwarzfärben ruiniert.

Abgesehen davon war Lil eine gute Freundin geworden. Sie hatte ihn aufgenommen, als er sich damals, vor fast einem Jahr, von seiner Frau trennte. Er lebte immer noch oben im Haus und würde wohl auch noch eine Weile bleiben. Die Miete war in Ordnung. Gering.

“Dein Telefon hat geklingelt, gleich nachdem du Kaffee holen gegangen warst”, sagte Lil und kaute an ihrem Bagel.

Mark sah von den Anzeigen auf. “Wahrscheinlich meine Ex”, bemerkte er trocken. “Sie heiratet in ein paar Wochen. Wahrscheinlich will sie mich zum Empfang einladen.”

“Hm”, machte Lil kopfschüttelnd. “Oder es war ein Jobangebot. Du bist hier wirklich populär, Righter.”

“Sicher.”

Lils erster Kunde kam genau um zehn. Sie stand auf, schlug die Krümel von den Händen und zwinkerte Mark zu. “Der Trottel will einen Drachen auf die linke Backe.”

“Einen Drachen im Gesicht?”, fragte Mark.

“Nein, Mann, auf die Backe.” Lil drehte sich um, schlug sich auf den Hintern und fing Marks amüsierten Blick auf.

“Du erwischst mich doch immer wieder”, sagte er ohne Verärgerung.

“Du bist ein leichtes Opfer.”

Sobald Lil im Haus verschwunden war, warf er die leeren Kaffeebecher und die weiße Tüte in den Abfalleimer jenseits des zerbrochenen Zaunes. Die Zeitung in der Hand, ging er über die Außentreppe des Backsteingebäudes nach oben. Auf halbem Weg sah er über die Stadt zu den im Westen aufragenden Bergen. Die Vorgebirge waren noch schneefrei. Doch die Viertausender dahinter, tief im Herzen der Rocky Mountains, glänzten weiß in der Morgensonne. Es war bald Jagdsaison, und Mark fragte sich, ob er sich den jährlichen Jagdausflug würde leisten können. Es würde im günstigsten Fall knapp werden. Er schlug mit der zusammengerollten Zeitung aufs Geländer, ging weiter und wollte sich heute keine Sorgen mehr machen.

Als er sein winziges Ein-Zimmer-Apartment betrat, sah er das rote Licht seines Anrufbeantworters blinken. Wieder sagte er sich, dass es entweder seine Ex-Frau war oder Hoagie, sein Ex-Partner, der sich nach ihm erkundigen wollte. Sie hielten weiter Kontakt, seit Mark den Dienst im Zorn quittiert hatte. Vielleicht fürchtete man, er würde sich eine 45er in den Mund stecken und dem Ganzen ein Ende bereiten. Polizisten taten das manchmal.

Eine Minute stand er vor dem Gerät und flüsterte ein Stoßgebet: “Hoffentlich ist es der Durchbruch!”

Eine Männerstimme erklang. Es war nicht Hoagie. “Hier spricht Scott Dunning. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie zurückrufen würden. Es ist eine dringende Angelegenheit, Mr. Righter.” Dann hinterließ er eine Nummer.

Dunning, dachte Mark. Scott Dunning. Er kannte den Namen. Ein Bauunternehmer. Wolkenkratzer. Und war Dunning nicht mit dieser Verteidigerin verheiratet? Die, die bei dem Prozess so dezent im Hintergrund geblieben war?

Mark forschte in seiner Erinnerung. Richtig. Die Frau war in den Vierzigern. Klein und etwas untersetzt. Ein zartes Gesicht und üppige blonde Locken. Große, runde Brillengläser. Lydia Dunning. Er war sich dessen sicher. Und was wollte nun deren Mann von ihm?

Unwillkürlich und trotz der Bitterkeit, die er gegenüber dieser Frau empfand, die geholfen hatte, seine Karriere zu zerstören, war er neugierig.

Er wählte Scott Dunnings Nummer. Eine Stunde später war er geduscht, umgezogen und fuhr zu Dunnings exklusiver Cherry-Creek-Adresse.

Es war Mark zur Gewohnheit geworden, sich Sonderbares zu merken. Auf dem Weg nach Cherry Creek fragte er sich erneut, warum Scott Dunning ihn sehen wollte. Er hatte am Telefon nur wiederholt, dass es dringend sei. Und – noch sonderbarer – sie wollten sich bei ihm zu Hause und nicht in seinem Büro treffen. Noch etwas anderes nagte an ihm. Dieses Treffen musste etwas mit dem Prozess des Orchideenmörders zu tun haben. Aber was? Der Prozess war abgeschlossen, der Verurteilte saß in Canyon City hinter Gittern. Glücklicherweise hatten die Geschworenen die Taktik der Verteidigung durchschaut, die mit dem Finger auf Mark gezeigt und angedeutet hatte, er habe die Unterwäsche der ermordeten Frau in der Wohnung des Täters platziert.

Okay, dachte er, die Geschworenen haben sich alle Beweise angesehen und den Halunken trotz der Slip-Geschichte für schuldig befunden. Aber das hatte ihm nicht geholfen. Die Presse hatte ein Fest gehabt. Teilweise verfolgten die ihn immer noch. Und als sein eigener Captain sich damals nicht vor ihn gestellt hatte, dachte er, nur eines tun zu können, und war gegangen. Vierzehn Jahre beim Denver Police Department und dann nichts mehr. Er war sechsunddreißig Jahre alt und ohne Zukunft.

Mark fuhr südlich die University Street entlang, kam an der modernen Cherry Creek Mall vorbei und suchte die Straße, in der die Dunnings lebten. Er versuchte, seine Bitterkeit zu verdrängen, doch das fiel ihm in letzter Zeit immer schwerer.

Er bog nach links in die Belcaro und lenkte den grünen 76er Jaguar geschickt um die Ecke. Er liebte seinen Sportwagen. Der Jaguar war sein einziges Spielzeug, sein einziger Luxus. Er hatte ihn schon vor seiner Heirat gehabt. Er hatte ihn behalten, als die beiden Kinder geboren wurden und sie etwas zusätzliches Geld gut hätten gebrauchen können. Aber jedem stand etwas Freude im Leben zu, oder?

Er bog nach links in die Virginia, Richtung Polofelder, der Stadtteil der Reichen voller weitläufiger Villen. Das Haus der Dunnings stand am Polo Club Kreisel.

Herrenhaus wäre eine treffendere Beschreibung, dachte Mark, als er in die Einfahrt bog. Er passierte zwei beeindruckende offenstehende Eisentore, und die Schönheit des Anwesens nahm ihn sofort gefangen. Die Rasenfläche war ungefähr ein Acre groß. Die geschwungene Zufahrt wurde von schönen, ausladenden Eichen in beginnender Herbstfärbung gesäumt. Mehrere Gärtner harkten und jäteten. Ihre Lieferwagen waren kaum sichtbar hinter dem Haupthaus geparkt. Die Arbeiter sollen wohl nicht zu sehr auffallen, dachte Mark spöttisch. Als er parkte, stützte sich einer der Gärtner auf seine Harke und winkte. Mark erwiderte den Gruß.

Das Haus selbst war ebenso beeindruckend wie die Umgebung. Es war im englischen Tudorstil, vermutlich in den späten Fünfzigern, gebaut worden, nicht untypisch für diesen Teil von Denver – dem ersten echten Vorort der Stadt. Mit nur einem Golfplatz und einigen schönen Häusern hatte Cherry Creek einst sehr weit vom eigentlichen Stadtzentrum entfernt gelegen. Heute reichten die Vororte bis fast nach Colorado Springs, und Cherry Creek lag praktisch im Herzen der Stadt.

Mark betrachtete die imposante Villa. Ja, Dunning hatte es offenbar zu was gebracht. Er parkte den Jaguar und ging zum Portal.

Eine Hausangestellte öffnete die dunkle Holztür und geleitete ihn durch das Hauptgebäude in ein Treibhaus. Sie sprach ihn auf Spanisch an, und er antwortete in seiner dürftigen Straßenversion ihrer Sprache.

Scott Dunning erwartete ihn im Treibhaus. Nachdem er sich vorgestellt hatte, bot er Mark etwas zu trinken an, und Mark bat um Kaffee.

“Gärtnern Sie, Mr. Righter?”, fragte er, nachdem er ihm von einem Tablett, das an der Seite stand, eine Tasse Kaffee gereicht hatte.

Mark hob unter seinem besten Sportmantel leicht die Schultern. “Habe ich mal, ein wenig. Ich hatte ein Haus in Aurora. Bin jetzt geschieden.”

“Verstehe”, erwiderte Scott Dunning. “Ich fürchte, ich verbringe zu viel Zeit hier drin. Ich sollte mir die Arbeit für den Ruhestand aufheben.”

Scott Dunning war groß, knapp 1,90, kaum kleiner als Mark. Doch während man Mark als groß und kräftig beschreiben würde, war Dunning schmal und sehnig. Sein silbriges Haar war kurz geschnitten und seine Haut makellos. Ein nett aussehender Mann mit selbstsicherer Haltung.

“Ist das Ihr Wolkenkratzer, der da im Zentrum Ecke Larimer und Dreiundzwanzigste hochgezogen wird?”, fragte Mark.

“Das ist meiner.” Scott Dunning deutete auf zwei Stühle aus Gusseisen und setzte sich mit seinem Gast. “Er wird erst in zwei Jahren fertig werden.”

Mark trank einen Schluck Kaffee. “Ein wirklich beeindruckendes Gebäude.”

“Ja, nicht übel”, bestätigte Scott Dunning lächelnd. “Nun, Mr. Righter, Sie werden sich fragen, warum ich Sie hergebeten habe.”

“Allerdings. Und Sie können mich Mark nennen.”

“Okay, dann also Mark. Ich bin übrigens Scott. Sicher haben Sie inzwischen gemerkt, dass meine Frau Lydia im Prozess um den Vergewaltiger im Team der Verteidigung war.”

Mark nickte schwach lächelnd und fragte sich gespannt, was dieser wohlbetuchte Bauunternehmer von ihm wollte. Scott Dunning war, wie man hörte, ein echter Philanthrop und spendete großzügig für diverse Wohlfahrtseinrichtungen und Museen. Großer Gott, vielleicht wollte Dunning einen Hilfsfonds für ihn einrichten, um seine Schuldgefühle zu mildern, weil Lydia Dunning eine gewisse Mitschuld an seiner gegenwärtigen Arbeitslosigkeit trug.

“Lassen Sie mich auf den Punkt kommen”, schlug Scott Dunning vor. “Ich bin gern direkt.”

“Von mir aus, nur zu.”

“Okay, hier ist mein Anliegen. Meine Schwester, meine jüngere Schwester, wird verfolgt. Als sie einige unanständige Anrufe bekam, war sie zwar irritiert, hielt das aber für die Possen eines Ausgeflippten. Dann erhielt sie Briefe. Schreckliches Zeug, voller sexueller Anspielungen, was der Wahnsinnige mit ihr anstellen wollte. Sie brachte sie zur Polizei, aber die konnte nicht viel tun. Die Briefe waren auf gewöhnlichem Papier geschrieben mit einer Standardtastatur. Keine Fingerabdrücke, Ende.”

Mark nickte. Er hatte all das schon oft gehört. Zu oft.

“Sie ließ sich eine Geheimnummer geben und ergriff Vorsichtsmaßnahmen.”

“Zum Beispiel?”

“Nun, sie versucht, abends nicht allein auszugehen. Solche Dinge. Sie verriegelt das Auto, auch wenn sie fährt. Und bei der Arbeit …”

“Wo arbeitet sie?”

“Sie ist selbstständig, führt ein Geschäft für Innendekoration. Sie hat viele der alten viktorianischen Häuser in der Gegend neu gestaltet. Sie macht sich allmählich einen guten Namen.

“Hm”, machte Mark. “Demnach hat sie viel Kontakt mit Handwerkern.”

“Ständig.”

“Hat sie irgendeinen Verdacht? Ein abgeblitzter Freund, ein gefeuerter Angestellter?”

“Nein, das ist das Problem. Anna, meine Schwester, hat keinen Anhaltspunkt. Sie geht auch kaum je mit Männern aus. Sie war nie verheiratet – es gab mal eine ernste Beziehung, aber der Mann kam ums Leben. Seither ist sie ein gebranntes Kind. Wenngleich ihr das selbst wohl nicht bewusst ist.”

“Hm”, machte Mark wieder.

“Kürzlich”, fuhr Scott Dunning fort, “kaufte sie abends noch im Tabor Center ein, und ein Mann näherte sich ihr in der Tiefgarage. Sie hat ihn nicht besonders gut beschreiben können, aber er war noch jung. Es war dunkel, er trug eine Kappe und hatte den Kragen hochgeschlagen. Sie glaubt, er sei Anfang Dreißig gewesen. Ein unauffälliger Typ wie Millionen andere auch. Sie sagte der Polizei alles, was sie wusste, konnte aber keine genaue Beschreibung geben …”

“Und sie hat wirklich nicht die leiseste Idee, wer dieser Mann ist?”

“Wie gesagt, nicht die geringste. Das Einzige, was die Polizei vorschlagen konnte, war, einen Leibwächter zu engagieren.”

Mark begann zu verstehen.

“Ich habe die Sache mit meiner Frau besprochen”, fuhr Scott Dunning fort, “und sie schlug Sie vor.”

Mark hob ruckartig den Kopf.

“Glauben Sie es oder nicht, meine Frau hält große Stücke auf Sie. Sie könnten als Beschützer fungieren und nebenbei noch die Identität dieses Burschen aufdecken. Sollte es jemals zu einer wirklichen Konfrontation mit dem Täter kommen, glauben wir, dass Sie die Sache meistern können.”

“Nun ja”, erwiderte Mark, “in meinen besten Zeiten zweifellos. Inzwischen bin ich etwas außer Form.”

“Jede Wette”, erwiderte Scott Dunning lächelnd.

Mark dachte einen Moment über den Vorschlag nach und fragte: “Warum bespreche ich das mit Ihnen und nicht mit Ihrer Schwester?”

“Um ehrlich zu sein, Anna nimmt eine, wie meine Frau es ausdrückt, Verweigerungshaltung ein.”

“Kann passieren.” Auch das noch, dachte Mark bei sich.

“Sie sagte sogar, sie habe die Situation in der Garage vielleicht falsch gedeutet. Außerdem steckt sie derzeit finanziell in einer etwas heiklen Lage. Sie und ihre Partnerin beginnen gerade ihren Schuldenberg abzutragen. Anna fürchtet, dass sie sich keinen Bodyguard leisten kann. Diese Frage haben wir jedoch geklärt. Falls Sie den Job annehmen, und wenn Anna einverstanden ist, schreibe ich Ihnen die Schecks aus, bis sie es mir zurückzahlen kann.”

“Das ist ja alles wunderbar und prima, aber für mich klingt das, als wäre Ihre Schwester von der Notwendigkeit, einen Bodyguard zu haben, nicht überzeugt.”

“Das stimmt. Sie gehört zu dieser Sorte Frauen, nun ja, sie hält sich selbst für tough und unabhängig. Sie wissen schon, eine moderne Frau eben.” Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: “Sie will um keinen Preis zugeben, dass sie Angst hat. Deshalb hatte ich gehofft, Sie könnten sich mit ihr treffen, mit ihr reden und ihr ein paar Sachen klarmachen. Ich fürchte, Lydia hat recht: Anna versucht dieser Geschichte zu entfliehen, indem sie sie herunterspielt. Nennen Sie es Verleugnung oder wie auch immer. Auf jeden Fall sollte sie mit jemandem reden, der über Ihre Kenntnisse und Ihre Erfahrung verfügt.”

Mark dachte darüber nach. Dieser Deal klang nach einer Menge Ärger.

“Anna könnte sich heute Abend mit Ihnen treffen”, fuhr Scott Dunning fort. “In ihrer Wohnung, in Lower Downtown. Sie wissen schon, LoDo. Sie lebt da in einem Loft.”

“Sehen Sie …”, begann Mark, bereit abzulehnen, zumal er sich daran erinnerte, dass vor allem Lydia Dunning an seiner gegenwärtigen Misere Schuld war.

“Stimmen Sie zu”, drängte Scott Dunning. “Treffen Sie sich mit ihr, erspüren Sie, was los ist. Außerdem bestehe ich darauf, Ihnen einen Scheck auszuschreiben, gleichgültig, wie das Treffen ausgeht.”

Mark wollte schon ablehnen und sagen, dass er ohnehin mit Anna reden würde, ohne dafür eine Entschädigung zu verlangen, doch Scott Dunning war bereits aufgestanden und ging ins angrenzende Büro, um einen Scheck auszustellen. Mark entschied, das Geld zu nehmen. Im Augenblick konnte er sich zu großen Stolz einfach nicht leisten. Er folgte Dunning ins Büro.

“Ich hoffe, das reicht.” Scott Dunning reichte ihm den Scheck.

Mark sah auf die Summe. Fünfhundert Dollar. Das war mehr als genug. Er nahm den Scheck. “Das ist okay.”

“Wir können Ihr endgültiges Gehalt festlegen, falls Anna – wenn Anna – einverstanden ist, sich der Realität zu stellen. In Ordnung?”

“Natürlich.”

Scott Dunning schrieb ihm Annas Anschrift und Telefonnummer auf einen Zettel und reichte ihn Mark. “Gegen acht heute Abend?”

“Ist mir recht”, erwiderte Mark. Beim Abschied fragte er sich, ob Lydia Dunning daheim war und ihm aus dem Weg ging. Sie hätte allen Grund dazu. Wieder eine dieser Ironien des Lebens – die Frau geht ihm im Prozess an die Gurgel, macht dann eine Kehrtwendung und empfiehlt ihn wegen genau der Wesenszüge, die sie angeblich verabscheut.

Der Septembertag wurde noch angenehm warm, und bevor Mark losfuhr, ließ er das Verdeck des Jaguar herunter. Er hörte irgendwo einen Hund bellen und den Lärm einer Kettensäge. Nachbarschaftsgeräusche, die irgendwie angenehm waren. Er stieg ein, setzte zurück und sah wieder einen der Gärtner. Später würde er sich an den Burschen erinnern, im Augenblick bemerkte er jedoch nur, dass der Mann an einer langen, beeindruckenden Reihe von Rosenbüschen vom Nachtfrost braun gewordene Blätter entfernte.

Es muss schön sein, genügend Geld zu haben, sich alles leisten zu können, überlegte Mark. Und während er Gas gab, fragte er sich, an welchem Punkt sein Leben begonnen hatte, aus dem Ruder zu laufen.

Lydia Dunning ließ die Gardine los und wandte sich an ihren Mann. “Nun, was denkst du?”, fragte sie.

“Er ist genauso, wie du gesagt hast. Ein harter Bursche. Dem möchte ich nicht in einer dunklen Gasse begegnen.”

“Genau”, bestätigte Lydia.

“Die Frage ist, was wird meine Schwester von ihm halten? Mark Righter schüchtert sie vielleicht mehr ein als dieser Irre, der sie verfolgt.”

“Wir können nur abwarten”, befand Lydia.

Nach einem Moment fragte Scott versonnen: “Hast du wirklich geglaubt, dass Mark Righter das Beweisstück in diese Wohnung gelegt hat?”

Lydia schob sich die Brille mit den großen, runden Gläsern den Nasenrücken hoch. “Ich kann nur sagen, dass er fähig ist, so etwas zu tun.”

“Aber alle wussten, dass die Cops den Richtigen verhaftet hatten”, erwiderte Scott. “Ich frage mich wirklich, ob es etwas ausmacht, wenn jemand, sagen wir Mark Righter, versucht hat, sicherzustellen, dass der Bursche nicht durch die Maschen des Gesetzes schlüpft. Ist es nicht besser, wenn ein Vergewaltiger und Mörder hinter Gittern sitzt?”

“Du fragst mich, ob der Zweck die Mittel heiligt?”

“Sicher, warum nicht? Was, wenn das Opfer unsere Tochter gewesen wäre? Oder wenn sie das nächste Opfer des Orchideenmörders geworden wäre?”

“Oh Gott, frag mich bloß nicht so was!”, stöhnte Lydia.

“Ich frage aber. Du bist Anwältin, aber du bist auch die Mutter einer Tochter im Teenageralter.”

“Also gut”, seufzte Lydia. “Ich hätte die Beweise vielleicht selbst dort platziert. Wolltest du das hören?”

“Ich weiß es nicht. Ich mag diesen Cop, Ex-Cop, Mark Righter. Ich denke, ich möchte glauben, dass er etwas Gutes getan hat.”

“Das wollten alle, Scott, alle.”

3. KAPITEL

Das Haus war unheimlich. Anna parkte und überprüfte die Adresse: Osage Street, 3601. Ja, das war es. Sie blieb sitzen, betrachtete es eine Minute und versuchte das Gefühl und den Eindruck einzuschätzen, den ihr das Haus vermittelte. Jedes Haus hatte seine Persönlichkeit. Anna hielt es für ihre Aufgabe, die hervorzuheben und alles Falsche und Vorgetäuschte zu entfernen, damit die innere Schönheit der Struktur hervortrat.

“Die Haus-Psychologin”, hatte Scott sie lachend und scherzhaft genannt.

“Ja”, hatte sie ernst erwidert. “Warum nicht.”

Sie neigte den Kopf zur Seite und betrachtete die Fassade des um die Jahrhundertwende erbauten Gebäudes. Dunkler Stein in horizontalen Bändern, dazwischen Backstein. Ein halbrundes, gemauertes Portal mit einem dekorativen Mittelstein. Große, rechteckige Fenster wie leere Augen. Türme mit Giebeln und Spitzen, verzierte Rohre unter den Dachtraufen. Ein Schmiedeeisenzaun um den ganzen Kasten und große Bäume, die ihn beschatteten. Wasserspeier streckten unter den Giebeln die Zungen heraus.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!