Bis zur Jagd - Mara Taler - E-Book

Bis zur Jagd E-Book

Mara Taler

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Beschreibung

Eine Insel im Nirgendwo, eine Jägerschaft, ein Königreich und ein fanatischer Vampir, der unter allen Umständen die Krone an sich reißen will. Die Jägerin Rose wird aus ihrem Normalen Schulalltag mitten in das Chaos katapultiert und von heute auf morgen muss sie die Verantwortung für die Jägerschaft übernehmen, ihre Mutter retten und den König in Schach halten.

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Seitenzahl: 372

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Bis zur Jagd

TitelseiteKapitel EinsKapitel ZweiKapitel DreiKapitel VierKapitel FünfKapitel SechsKapitel SiebenKapitel AchtKapitel NeunKapitel ZehnKapitel ElfKapitel ZwölfKapitel DreizehnKapitel VierzehnKapitel FünfzehnKapitel SechzehnKapitel SiebzehnKapitel AchtzehnKapitel NeunzehnKapitel ZwanzigImpressum

Mara Taler

Bis zur Jagd

Der König und die Jägerschaft

Ich bin Mara Taler, eine fiktive Person. Ich bin erschaffen worden, damit die Person, die sich hinter meinem Pseudonym verbirgt, sich entweder verstecken oder schützen kann. Darüber ist meine Schöpfung sich noch nicht im Klaren. Was aber zu 100% feststeht: Wir wollen schreiben und wir wollen das es die Welt da draußen zu lesen bekommt.

„Treue, Loyalität, Schweiß und Blut meines Hauses gehören dir, mein König.

Jeder Stein, jedes Sandkorn, jede Waffe, jeder Mann, jede Frau wird für dich kämpfen und das Königreich schützen.

Auszug aus dem alten Gesetzt der Vampire

Kapitel Eins

Das Haus der Jägerschaft – Dragas

Ich liebte die Schule, den Weg dort hin und wieder zurück, aber die Zeit ging viel zu schnell um. Ich musste viel zu schnell nach Hause, viel zu schnell musste ich meiner Bestimmung nachkommen. Ich bin dazu geboren, Geächtete zu jagen und zu erlösen. In Menschenjahren wäre ich schon längst in Rente, aber die Uhr tickte für Vampire halt anders und so ging ich mit meinen zarten 60 Jahren noch zur Schule. Erlösen heißt in die Nachwelt schicken, damit sie keinen Schaden mehr anrichten. Das Problem daran war, dass jeder von uns, egal wie alt, egal ob Mann oder Frau, ein Geächteter werden konnte. Entweder durch einen Biss von einem Geächteten oder in dem man die Kontrolle verlor und dem Blutdurst nachgab. Töten wir einen Geächteten, dann entsteht vielleicht irgendwo ein neuer Geächteter.

Wir Jäger sind eine andere Art von Vampiren, die dazu erschaffen wurden, um die Geächteten zu beseitigen. Wir sind eine Gruppierung, die Ihre Herkunft auf der Insel Teslar hat. Ich hasse Teslar. Mein Vater ist dort gestorben. Ich möchte nie wieder dorthin zurück.

Meine Mutter ist mit einigen Jägern auf das Festland geflohen und hat sich dort in dem Haus Dragas niedergelassen. Dieses Haus war als Jägerhaus gedacht gewesen, bis der König der Vampire mit dem Anführer der Jägerschaft, Cornelius von Belikov, an einander geraten ist. Demnach hat Cornelius untersagt, das Haus Dragas zu bewohnen. Es ging in erster Linie darum effektiver im Kampf gegen die Geächteten zu sein, nicht mehr den Weg von Teslar ins Land der Vampire, sondern sich direkt vom Haus in alle Richtungen zu verteilen. Meine Mutter ignorierte den Befehl von Cornelius, ihrem Vater und bewohnt nun seit 2 Jahren das Haus Dragas. Das Jägerhaus im Königreich.

In dieses Haus fuhr ich nun zurück um nicht wie die anderen Vampire in meinem Alter Hausaufgaben zu erledigen, Mittag zu essen oder einfach Zeit mit der Familie zu verbringen. Ich würde mich kurz umziehen, mit ein bisschen Glück noch Zeit für einen Kaffee haben und dann einen Partner für die Jagd zugeteilt bekommen.

Ich konnte nur hoffen, dass meine Mutter ein wenig Mitleid aufbringen konnte und mich in einen ruhigen Quader einteilte. Ich hatte eine verflucht anstrengende Woche hinter mir, in der Schule und auf der Jagd. Tja, und natürlich privater Natur. Streit mit meiner Mutter endete zu 99% immer gleich - sie hatte recht und ich musste mich fügen. Vermutlich ging es sogar zu 100% so aus, da ich mich an keine Situation erinnere, in der es nicht so gewesen ist.

Ich fuhr die Einfahrt zu unserem Haus hoch und parkte meinen Wagen. Eine Importware aus der Menschenwelt und ich war sehr eigen was mein Auto betraf. Ich atmete tief durch, stellte den Motor ab und schnappte mir meine Umhängetasche, stürmte die Treppe zum Eingang des Hauses hinauf.

Man konnte es eigentlich nicht Haus nennen. Es war vergleichbar mit einem großen Herrenhaus im Victorianischen Stil. Bis zu 30 Personen fanden dort Platz, derzeit bewohnten es lediglich etwas mehr als die Hälfte. Es hatte viele Verschnörkelung und war von außen sehr hell und einladend. Das Haus erstrahlte in einem schönen sonnengelb. Die Stufen, die ich jetzt hoch eilte, waren aus purem Stein. Das Haus selbst hatte ein Erdgeschoß und eine erste Etage. Im Erdgeschoß gab es eine große Küche, mit angrenzendem Aufenthaltsraum, einen Trainingsraum mit Diversen Geräten, eine Bibliothek, eine sehr gut bestückte Waffenkammer, einen Empfang, der nicht genutzt wurde und die Räume meiner Mutter. Sie hatte ein Büro und ein angrenzendes Schlafzimmer. In der oberen Etage waren die Jäger in ihren Räumen untergebracht. Es gab dort einen Gemeinschaftswaschraum, den ich zum Glück nicht nutzen musste. Es hatte durchaus Vorteile, die Tochter der Hausherrin zu sein. Ebenfalls in der oberen Etage war die Zentrale unserer internen Sicherheit. Der Boden und die Wände waren aus grauem, kalt wirkendem Stein. Es war nicht mehr so einladend wie von außen, aber das musste es nicht sein. Es musste nur seinen Zweck erfüllen und zwar die Jäger beherbergen, verpflegen und ein Rückzugsort sein.

Die große Terrasse auf der Rückseite des Hauses war allerdings einladend, nur hatte ich nicht allzu viel Zeit, um diese zu genießen.

Mein Zimmer war in der ersten Etage, ich nahm zwei Stufen auf einmal, öffnete eilig die Tür zu meinem Zimmer und warf meine Tasche achtlos zu Boden. Ich zog im gehen meinen Pulli über den Kopf, trat meine Turnschuhe von den Füßen. So schnell ich konnte zog ich meine Lederjacke und Stiefel über, meine Ausstattung für die Jagd. Robuster, abweisender und praktischer.

In der Welt der Menschen waren Vampire und Leder so ein Klischee. Ja, man kannte Vampire in der Welt der Menschen, aber eher als Mythos. Vor langer, langer Zeit haben sich unserer Vorfahren dorthin verirrte oder stammen sogar von dort, aber darüber streiten sich die Geister, laut den Erzählungen haben sie Unruhe, Angst und Chaos verbreitet. Geschichten wurden weitererzählt, umgeschrieben, dazu erfunden und haben ein komplett verdrehtes Bild von Vampiren bei den Menschen erzeugt. Gut ist das die Menschen nichts von unserer Existenz wissen, nur Ihre Regierung, mit denen wir Geschäfte machen. Denn auch der Zahn der Zeit war nicht gnädig mit den Menschen gewesen, die den Planeten über Tausenden von Jahren aus gebeutelt haben.

Ich schloss die Tür zu meinem Zimmer und ging zielstrebig in die Küche im Erdgeschoss, als mich Jonathan umrannte und ich fast zu Boden ging. Er hielt mich an den Unterarmen fest, damit ich nicht zu Boden ging. Mir stieg die Galle hinauf, ich hasste und verabscheute ihn. Er grinste mich boshaft an und sagte einfach: "Hoppla, Rose!" Ich löste mich ruppig von ihm, verdrehte die Augen und ging in die Küche. Ich wusste das Jonathan mir auf den Hintern sieht.

Ich nahm mir eine Tasse und füllte sie mit heißem Kaffee. Ich pustete vorsichtig über die Oberfläche, ich konzentrierte mich voll und ganz auf diesen köstlichen Duft, als meine Mutter neben mir auftauchte und mir einen Kuss auf die Schläfe hauchte. Sie lächelte mich sanft an

Sie war schön, meine Mutter. Wir waren gleich groß, etwas über 1,60 m. Sie hatte langes, braunes, glattes Haar. Ein Pony viel in ihre Stirn. Sie hatte ein schmales, liebliches Gesicht und ihre Augen waren aus einem so hellem braun, das wie Bernsteine funkelte. Sie trug ein Einfaches langärmliges Top, eine Jeanshose und Stiefel. Sie mochte vielleicht klein und zierlich sein, aber sie hatte es faustdick hinter den Ohren. Sie versuchte mir jedes Wochenende genau das beizubringen, denn eines Tages sollte ich ihren Job übernehmen. Hausherrin des Hauses Dragas. Mir graute es schon vor diesem Tag.

Ihre Figur war durchtrainiert, aber dennoch hatte sie weibliche Rundungen, die ihr einige Blicke von Männern zukommen ließ. Ich liebte meine Mutter über alles.

Als Jonathan hinter mir auftauchte, verschwand ihr Lächeln und ihr Gesichtsausdruck wurde unlesbar. "Jonathan, du gehst mit Rose auf die Jagd!" teilte meine Mutter ausdruckslos mit. Für mich hätte der Tag nicht schlimmer werden können. Ich wusste, dass es keinen Sinn machte mit meiner Mutter eine Diskussion anzufangen, genauso wusste ich, dass Jonathan ein widerliches Grinsen auf den Lippen haben würde, wenn ich mich umdrehe. "Na, Liebes bereit?" frage er mich. Mir fiel nichts Besseres ein, als ihm den Mittelfinger zu zeigen (sehr erwachsen von mir). "Ich komme später darauf zurück!" flüsterte er anzüglich. Ich verdrehte nur die Augen und schob mich an ihm vorbei aus der Küche.

Ich musste jagen, dafür benötige ich Waffen!

Ich hatte mich mit zwei Dolchen, zwei weiteren Messern und meinem Sintana bewaffnet. Das Sintana war ein uraltes Schwert, gebogen mit zwei schneidenden Klingen, mit Blut und Seele gehärtet. Es gibt nur noch einen Schmied, der diese Schwerter herstellen kann. Es war damals eine Tortur, als ich das meine erschaffen ließ. Dieser Schmied arbeitete für den König der Vampire und man musste ihn erst einmal bitten, um ein Schwert zubekommen. Er entschied, ob man ein solches Schwert verdiente.

Jonathan hatte nur sein Sintana dabei, denn das war Pflicht. So hatten wir es alle von klein auf, auf Teslar gelernt. Gehe nie unbewaffnet vor die Tür. Wir mussten in den Quader zwischen unserem Haus und dem Haus Navaris, dort wurden viele Dinge angebaut, vor allem Getreide und in den Anbaugebieten verstecken sich die Geächteten gerne, um Vampire bei der Ernte überfallen zu können. Jonathan hatte den ganzen weg in den Quader, seine Augen entweder auf meinen Hintern oder mein Dekolleté gerichtet. Nach fünf Minuten hätte ich ihm schon den Hals umdrehen können. Als wir am Quader ankamen, übernahm ich die Führung, denn ich wusste Jonathans Qualität als Jäger waren, wenn überhaupt ausreichend. Ich ließ mich von meinem Jägerinstinkt leiten, diesen hatte uns die Erschafferin gegeben, damit wir diesen Job machen konnten. Wir konnten besser hören, riechen, sehen und wir waren emphatisch. Wir nahmen so genannte Schwingung in der Luft oder der Erde eher war, als ein anderer Vampir. Ich ging also Querfeldein und ließ mich von meinem Instinkt und diese Schwingung leiten und traf auch nur ein paar Augenblicke später auf eine kleine Gruppe Geächtete. Ich deute Jonathan an in die Hocke zu gehen. Die Gruppe hatte sich über etwas gebeugt, es war ein Arbeiter von dem Feld, aber er lebte nicht mehr. Es waren 6 Geächtete, da ich wusste das die ganze arbeite an mir kleben blieb, gab ich Jonathan das Zeichen, den Geächteten den Weg abzuschneiden, wenn ich in Aktion trat. Jonathan nickte, machte einen Luftkuss und verschwand. Genug Zeit, um mein Ziel zu fokussieren. Ich spannte meine Muskeln an und sprang in einem Großen Satz auf die Gruppe zu, ich zog mein Sintana über dem Kopf und ließ es auf die Gruppe hinab sausen. Die Geächteten verstanden nicht was geschah. Mit der Landung hatte ich bereits zwei von sechs erledigt, die anderen erstarrten, was ich nutze, um einen weiteren zu erledigen. Man konnte Geächtete auf zwei Arten zum letzten Wächter schicken: #1 man enthauptete sie, #2 man stach ihnen Stahl ins Herz.

Die anderen drei rannten in die Richtung in den Jonathan sein sollte, ich zog also meine beiden Dolche und warf sie in die Richtung, in der die Geächteten fliehen wollten. Zwei von Ihnen traf ich von hinten direkt in das Herz. Vielleicht nicht die feine englische Art, aber wir mussten Geächtete erlösen und keine Gefangenen machen. Den Letzen erledigte ich, in dem ich ihn mit meiner Schnelligkeit überholte und enthauptete. "Das war das schärfste was ich heute zu sehen bekommen habe!" gurrte Jonathan aus seinem Versteck. "Es könnte noch schärfer werden, nämlich wenn ich dir mein Sintana in den Arsch ramme!" zischte ich zurück. Er lachte einfach nur und ich machte mich auf dem Weg zurück an den Rand des Quaders. Wir streiften noch einige Zeit hindurch, aber es kamen uns keine Geächteten mehr vor die Klinge. Ich war froh als wir wieder zum Haus zurückgingen.

Ich bedankte mich bei der Erschafferin UND dem Letzten Wächter, dass ich so viel Selbstbeherrschung hatte und ich Jonathan nicht den Hals umgedreht habe. Dieses ständige anfassen und flirten (nett ausgedrückt) ging mir auf die Nerve und er war definitiv nicht auf die Jagd konzentriert gewesen. Ich erledigte allein die 6 Geächteten.

Ich wollte einfach nur duschen und war froh Jonathan endlich los zu sein. Ich hatte meinen Fuß schon auf der ersten Stufe, als ich ein lautes poltern aus dem Büro meiner Mutter hörte. Zögerlich sah mich um, ob jemand anderes in der Empfangshalle war, aber ich war allein. Also ging ich zu der Tür, horchte noch mal vorsichtig und hörte eine männliche Stimme. Meine Hand lag auf der Türklinke, drückte sie herunter und stieß die Tür auf. Mein Körper war angespannt, gewappnet für alles was hinter der Tür auf mich warten würde. Das Bild was mir geboten wurde übertraf meine Erwartungen. Meine Mutter lag mit dem Rücken auf ihrem Schreibtisch, über sie gebeugt ein düsterer Mann, er hielt sie am Hals gepackt und flüsterte etwas in ihr Ohr. Ich konnte es nicht hören. "Mum!" stieß ich erschrocken aus. Der Kopf des Fremden drehte sich in meine Richtung und mir gefror das Blut in den Adern. Diesen Blick werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Er hob seine freie Hand in meine Richtung und ich fühlte eine unsichtbare Kraft. Sie schleuderte mich mit voller Kraft aus dem Raum und die Tür schlug mit einem lauten Knall zu.

Ich lag in der Eingangshalle auf dem Rücken und versuchte das gerade geschehene zu verarbeiten

VAMPIREGABE schrie es in mir. Vampire haben unterschiedliche Gaben. Telekinese, Telepartie, Teleportation, Gedankenlesen, Empathie, die Affinität der Elemente – Feuer – Wasser – Luft – Erde – und viele andere Sachen.

Der Mann im Büro meiner Mutter hatte definitiv Telekinese als Gabe. Sachen einfach so wegzuschubsen gehörte sich nicht und ich wurde wütend. Das war auch eine Gabe von mir, neben meinem Jagdinstinkt, aber sonst war ich von keiner Vampirgabe gesegnet. Bei einigen zeichnete es sich schon im Kindesalter ab, welche Gabe man erhält, aber bei anderen erst wenn sie schon älter, viel älter sind.

Ich versuchte die Tür erneut zu öffnen, aber die Klinke rührte sich nicht, ich rüttelte daran aber ich schaffte es nicht. Der Typ hielt bestimmt mit seiner Gabe die Tür zu. Jetzt wurde ich sauer und klopfte an die Tür: "Wenn du meiner Mutter etwas antust, dann wirst du es bereuen!"

Die Tür ließ sich weiterhin nicht öffnen. Ich ging auf und ab, überlegte auf welchen anderen Weg ich in das Büro meiner Mutter kommen könnte.

Ich wurde aus meinen Überlegungen gerissen, als sich die Tür öffnete. Meine Mutter stand, sichtlich angeschlagen da und sagte einfach nur "Er ist weg." drehte sich um und stellte sich an das Fenster. Sie wartete bis ich die Tür hinter mir geschlossen hatte.

Sie hatte einen großen Raum, den sie in Büro und Wohnzimmer unterteilt hatte.

Wenn man den Raum betrag, hatte man zu seiner linken einen großen, dunklen Holzschreibtisch, dahinter eine massive Steinwand und der Stuhl meiner Mutter. Sie war sehr ordentlich und pingelig, daher war ihr Schreibtisch sehr aufgeräumt und alles stand akkurat angeordnet da. Zur Rechten gab es eine Tür, die in die Schlafräume meiner Mutter führten und das Bad. Wenn man den Raum betrat konnte man direkt aus der Fensterfront auf Teslar schauen. Vor der Fensterfront standen zwei Sofas sich gegenüber mit einem kleinen Tisch dazwischen. Eine Glasschiebetür führte auf den kleinen Balkon. Darum beneidete ich meine Mutter, aber sie war nun mal Hausherrin und hatte das angenehmste Zimmer. Sie hatte es ansonsten sehr spartanisch eingerichtet, sie wollte sich nicht wirklich heimelig einrichten. Das hatte sie mir einmal gesagt, das einzige zuhause war zusammen mit Richard, meinem Vater gewesen.

"Mum, was ist passiert?" frage ich vorsichtig. Sie drehte sich nicht zu mir um, also stellte ich mich neben sie und schaute mit ihr zusammen aus dem Fenster.

"Mein Sternchen, das war König Victor von Radenkow", beging meine Mutter leise. Ich sagte nichts und wartete, dass sie weitersprach. "Er war hier, um deutlich zu machen, dass er nicht weiter diesen schwebenden Zustand dieses Hauses dulden wird. Er hat mir ein Ultimatum, gestellt. Eine Woche gibt er mir, dann muss ich ihm meine Treue schwören und das Jägerhaus dem Königreich unterstellen. Sollte ich das Ultimatum nicht einhalten wird er Maßnahmen ergreifen, die mich dazu zwingen werden, ihm die Treue zu schören!" beendete meine Mutter etwas gefasster.

Die Beziehung zum König von Sanvaldor unserem Land, dem König der Vampire ist recht schwierig, da das Haus Dragas nicht zum Königreich gehört und auch nicht, wie andere Häuser unter der Krone, behandelt werden kann. Haus Dragas wird mehr oder weniger geduldet. Du bist hier, um unsere Vampire zu schützen und die Geächteten zu Jagen und ich gebe dir vielleicht hin und wieder Waffen und Personal. Das geschieht alles fein unter der Hand, aber meine Mutter lässt mich nicht zu nah an das Geschäft. Sie will mich einfach nur schützen und sagt mir nur das was sie meint mir sagen zu müssen.

"Was meint der König mit Maßnahmen?" hakte ich nach. "Das tut nichts zur Sache, dazu wird es nicht kommen!" antwortete meine Mutter barsch. "Zerbreche dir darüber nicht den Kopf, Sternchen!" sie nannte mich seitdem ich denken kann so, immer wenn sie mich beruhigen wollte. "Mum, dieser Mann ist nicht ohne..." versuchte ich es weiter.“ Du hast genug Informationen und jetzt erzähle mir wie die Jagd war." forderte sie mich geschäftsmäßig auf. Ich erzählte es ihr, auch das Jonathan alles andere als effektiv war. Meine Mutter reagierte zwar nicht, aber sie hat es dennoch aufgeschrieben. Ich bezweifelte, dass ein Gespräch mit der Hausherrin seine, ich formuliere es mal nett, Avancen einstellten würde.

"Geh duschen Rose. Verschnaufe ein wenig, erledige deine Hausaufgaben und komme dann zum Essen zu mir!" damit war ich entlassen.

Ich stand unter der Dusche und ließ mir die Worte meiner Mutter immer und immer wieder durch den Kopf gehen. Dazu kam immer wieder dieser Blick des Königs, der mich erstarren ließ. Ich fröstelte unter der heißen Dusche, also stellte ich das Wasser ab und kuschelte mich in meinen flauschigen Bademantel. Meine Haare hatte ich in ein Handtuch gewickelt.

Ich sah in den Spiegel

und erblicke zwei dunkelgrüne Augen, mit kleinen grauen Sprinklern. Die Farbe hatte ich von meinem Vater, mein Gesicht hingegen war so schmal und fein wie das meiner Mutter. Die Körpergröße war auch fast identisch wie die meiner Mutter. Lediglich meine Oberweite war nicht so üppig und an den Hüften war ich etwas schmaler gebaut. Ich liebte und hasste meine Haare. Sie waren lang und schwarz, sie schimmerten manchmal wie indigoblau in der Sonne (hatte ich auch meinem Vater zu verdanken). Würde ich nicht mit einem Glätteisen arbeiten, würden sich vermutlich Vögel einnisten oder Eichhörnchen Winterruhe halten.

Ich trocknete mich ab und zog mir etwas Bequemes an. Ich hob meine Tasche, die ich vorher so unachtsam habe fallen lassen, auf. Ich zog die benötigten Unterlagen hervor und versuchte mich auf meine Aufgaben zu konzentrieren. Es gelang mir natürlich nur teilweise. Immer wieder schweiften meine Gedanken ab und ich stellte mir die Frage wie meine Mutter es zu Stande bringen wollte das Teslar es erlaubte, dass Dragas seine Unabhängigkeit aufgab.

Teslar war das Haus Dragas ein Dorn im Auge.

Als meine Mutter 5 Jahre alt war, hat Ihr Vater versucht mit dem damaligen König Vaden von Radenkow eine Einigung darüber zu treffen, dass ein kleiner Teil der Jägerschaft ein Haus erhält, um von dort die Geächteten zu erlösen. Diese Einigung war so gut wie unter „Dach und Fach“, allerdings ist etwas schiefgelaufen. Cornelius und Vaden haben sich gestritten und es wäre fast zu einem Krieg gekommen. Meine Mutter weiß nur, dass die Schöpferin eingegriffen hat und Cornelius hat daraufhin untersagt, dass irgendein Jäger sich auf dem Festland niederlässt.

In der Nacht als mein Vater starb, sind wir geflohen und sie hat die Anordnung ihres Vaters ignoriert.

Teslar duldet zwar unseren Aufenthalt auf dem Land, aber wenn wir neue Jäger benötigen oder Ausrüstung, dann stellt sich Cornelius stur und meine Mutter hat schon den König um Ressourcen gebeten.

Daher das stille abkommen mit dem König, dass nun vorbei sein soll. Ich stellte mir die Frage „Warum?“

Eine weitere Frage geisterte in meinem Kopf: Was für Maßnahmen wollte der König ergreifen, wenn das nicht in einer Woche mit Teslar geklärt ist? Was war denn jetzt auf einmal das Problem an unserer Unabhängigkeit?

Ich legte die Hausaufgaben bei Seite, das machte jetzt eh keinen Sinn. Ich holte mein Handy hervor, auch eine nette Errungenschaft aus dem Menschen - Land. Daniel hatte versucht mich anzurufen. Wir telefonieren eigentlich immer nach meiner Jagd. Ich würde mir den Rückruf auf später legen, denn Daniel merkte sofort, wenn etwas nicht stimmte und ich wollte noch nicht über diesen Vorfall sprechen. Also räumte ich meine Sachen zu Recht. Ich hatte Glück mit meinem Zimmer.

Mein Zimmer hatte einen großen Raum, den man als Wohnzimmer und Büro nutzen konnte, ähnlich wie bei meiner Mutter, aber heller. Mein Zimmer hatte Fenster in Richtung Schule und den offiziellen Grenzen zur Menschenwelt. Sie waren von der Decke bis zum Boden. Im Sommer öffnete ich sie gerne ganz. Vampire mussten keine Angst vor einem Sturz in die Tiefe habe. Einen Vampir konnte nur eine Enthauptung oder eine Verletzung am Herzen etwas anhaben. Davor hatte ich einen kleinen Schreibtisch für meine Hausaufgaben, der immer chaotisch aussah. Für mich war er eigentlich immer ordentlich, ich wusste immer wo alles war. An der gegenüber liegender Wand hatte ich eine Couch und einen Tisch, die so gut wie nie benutz wurden, denn ich hatte nie Besuch.

Man wollte nicht unbedingt in einem Haus zu Besuch sein, dass nicht dem Königreich seine Treue geschworen hatte. Wenn man in dem quadratischen Raum nach links ging, kam man durch eine Tür in mein Schlafzimmer, das sehr schlicht eingerichtet war. Ein Bett, ein Nachtisch, ein dreitüriger Schrank und eine kleine Kommode. Von dem Schlafzimmer kam man in ein kleines Badezimmer, mit einer Dusche, einem winzigen Waschtisch und einer Toilette. Ja, Vampire mussten zur Toilette. Wir aßen auch normale Dinge, wie Fleisch und Salat oder Nudeln. Die Annehmlichkeit die ich am meisten schätze war, dass ich ein eigenes Bad hatte und nicht mit den anderen in dem Großraumbadezimmer mich waschen musste. Auch in meinem Schlafzimmer hatte ich Fenstertüren, allerdings hatte ich schwere und dunkle Vorhänge davor. Ich wollte nicht, dass die Sonne den ganzen Tag hineinschien und den Raum aufheizte. Nein, Vampire zerfielen auch nicht zu Asche.

Ich verließ mein Zimmer, um mit meiner Mutter das Abendessen einzunehmen. Theo fing mich an der Treppe ab. Er war der Chef unserer internen Sicherheitsabteilung und stellte mit meiner Mutter die Jagd-Partner zusammen und teilte sie dann auch in die entsprechenden Quader ein. Er überwachte auch wer in das Haus kam und es auch wieder verließ. Ich konnte mir denken warum er auf mich wartete. „Wie ist das passiert?“ fragte er mich barsch. Ich legte den Kopf schief: „Was meinst du genau?“ erkundigte ich mich. „Rose, verarsch mich nicht!“ gab er zurück. Wir gingen sehr offen mit einander um, er war der beste Freund meines Vaters. „Er kann vermutlich Teleportation und Telekinese.“ Erwähnte ich nüchtern. Er schnaubte verächtlich. „Ich konnte nichts tun.“ Gestand ich leise. „Natürliche nicht. Er ist ja nicht nur so König der Vampire!“ zischte er. Theo war angefressen, weil er seinen Job nicht machen konnte, aber ich versuchte in aufzumuntern: „Hey Theo, wir haben ja keine Warnanlage was diese Gaben betrifft, also konnten wir das ja nicht sehen!“

„Rose, er hat deine Mutter bedroht und sie muss jetzt eine Lösung finden, die so gut wie unmöglich ist!“ er fuhr sich mit der Hand über die Stirn und war sichtlich verzweifelt. Ich konnte es ihm nicht verdenken, ich machte mir natürlich auch meine Gedanken. Er hatte recht, egal wie man es wendete es war alles scheiße, wobei ich nicht wusste was der König für Maßnahmen im Sinn hatte.

„Weißt du was der König im Sinn hat?“ frage ich so gut wie es ging, beiläufig. Er schüttelte nur den Kopf, „deine Mutter schweigt sich aus. Ist das zu fassen, Ihrem Sicherheitschef sagt sie nicht was Sache ist!“ er wurde wieder wütend. Ich ging auf ihn zu und legte meine Hand auf seine Schulter. Theo war ein Kopf größer als ich, hatte einen kahlen Kopf, dunkel blaue Augen und ein sonnengegerbtes Gesicht, das rundlich und weich wirkte. Seine Statur war groß und wuchtig. Man könnte ihn glatt als Teddybär bezeichnen.

„Wir bekommen das hin, wir wussten doch, dass es früher oder später dazu kommen wird. Natürlich haben wir nicht mit so einer Drohung gerechnet.“ Ich lächelte ihn an. Er lächelte leicht zurück. „Du hast recht, aber finde etwas mehr heraus, wenn du jetzt mit deiner Mutter zu Abend isst!“ bat er mich eindringlich. Ich nickte nur und ging in das Zimmer meiner Mutter, ihr Büro.

Sie hatte mein Lieblingsessen beiRick & Bertbestellt. Ich liebte Spagetti mit Spinat und Knoblauch, dazu Brot und Butter. Wenn meine Mutter das bestellte, wusste ich, dass sie etwas von mir wollte. „Hi Mum.“ Sage ich unverfänglich, denn ich freute mich wirklich mit ihr zu essen. „Hi, mein Sternchen, setz dich bitte!“ sie hatte einen kleinen Tisch, mit zwei Stühlen, den man in der Wand verschwinden lassen konnte. Sie hatte ihn ordentlich gedeckt, meine Mutter hatte sogar Wein aufgefahren. Da war was im Busch, aber ich wollte mir dieses grandiose Essen nicht entgehen lassen.

Ich setzte mich und lächelte meine Mutter an, ich liebte sie wirklich, aber manchmal war sie so kühl und berechnend. Das hasste ich, so wie jetzt. „Guten Appetit, Sternchen!“ sagte sie sanft und fing an Ihr Menü zu essen. Nudeln mit Tomate und Rucola und Käse. Ich fand die Mischung seltsam, aber meiner Mutter sage es zu. Ich spießte meine Nudeln auf und ließ es mir schmecken.

Wir aßen schweigend und nippten an unseren Gläsern. Als wir fertig waren überkam mich eine Trägheit, die an meinem heutigen Tag das Beste war. „Rosalie“, fing meine Mutter an und alle meine Alarmleuchten gingen an, Rosalie nannte sie mich nur, wenn es richtig übel wurde. Es war der Name, den sie mir gegeben hatte, Rose war einfach nur vereinfacht. Ich setzte mich aufrecht hin und wartete einfach nur. Ich sah meine Mutter an, die sehr ernst dreinschaute „Der König, Viktor, er hat von Maßnahmen gesprochen. Ich habe hin und her überlegt, ob ich es dir sagen soll, aber du solltest es wissen, da es vielleicht nicht funktioniert mit Teslar,“ leitete sie ruhig ein, ich verkrampfte mich innerlich „Sprich bitte weiter, Mum!“ bat ich sie leise

„Du, du bist es mit dem er mir gedroht hat!“ flüsterte sie. Ich zuckte zusammen. „Was bedeutet das? Was meinst du damit, bitte erkläre es mir?“ fragte ich sie genau so leise. Sie holte tief Luft und sah zur Seite. Sie wirkte sehr mitgenommen, diese Seite sahen nicht viele von uns. Eigentlich nur Theo, ich und Dad hatten sie gesehen „Er hat gesagt:„Catherine das wichtigste in deinem Leben ist deine Tochter, was passiert, wenn ich sie dir nehme, ihr etwas antue und du nichts dagegen tun kannst, außer vielleicht mir deine Treue schwören?“

Meine Mutter sah mich bedauernd an und ich schluckte hart, ich griff nach ihrer Hand. Sie umklammerte mich. Ich war noch viel zu schockiert, um etwas zu sagen. Ich hatte wieder diesen Blick im Kopf und dann diese Worte und mir wurde übel.

„Mum, wir wissen doch beide, dass Teslar das nicht zulässt“ gab ich erstickt von mir. Sie nickte nur leicht „Was tun wir denn jetzt?“ fragte ich leicht hysterisch. Sie lächelte leicht verkniffen. Ich schüttelte nur den Kopf „Mum“, forderte ich eine Antwort. „Ich werde Teslar aufsuchen!“ teilte sie mir mit, als ob wir über einen Ausflug in den Park redeten. „Wie bitte,“ eher eine Anklage, als eine Frage. Ich stand auf und ging in Ihrem Zimmer auf und ab. „Sternchen, bitte setz dich wieder“, versuchte meine Mutter mich abzufangen. Ich hob die Hände und sagte nur, „Lass es!“ sieh sah betrübt aus, aber das war mir egal, sie wollte nach Teslar um dort um etwas zu bitten was schon vor Hunderten von Jahren gescheitert ist und ihr Vater ihr nicht mal mehr wohl gesonnen ist, ganz im Gegenteil. „Mum, was soll das, du kannst nicht nach Teslar!“ herrschte ich sie an. „Doch“, herrschte sie zurück. „Mum, ich liebe dich, aber wenn du dort hingehst, dann lässt dich Cornelius nicht mehr gehen!“ stellte ich fest. „Er lässt mich gehen. Meine Argumente sind gut“, versuchte sie mich zu überzeugen. „Ja genau, Vaden´s Argumente waren damals auch gut, nicht war, “ ätze ich. „Es ist jetzt was anderes, Rose“, versuchte sie es weiter, doch ich schüttelte nur den Kopf und fuhr mir mit der Hand über die Stirn.

„Ich werde Donnerstag aufbrechen und dann sind es noch drei Tage Zeit bis das Ultimatum abläuft, dass bekomme ich hin!“ erklärte meine Mutter weiter. Ich versuchte sie anders zur Vernunft zu bekommen: „Weiß Theo davon?“

Sie schüttelte nur den Kopf und ich fluchte vor mich hin.

„Mum, ich stelle dir jetzt eine einfache Frage: Was ist so schlimm daran, Victor von Radenkow die Treue zu schwören?“

„Das du diese Frage stellst Rosalie ist unverständlich!“ fuhr meine Mutter mich an, aber ich sagte darauf nichts, ich wollte das meine Mutter es mir erklärt.

„Jäger sind unabhängig, sie haben Befehle von der Schöpferin und nicht von dem König der Vampire, wir sind frei und sorgen dafür, dass die Geächteten erlöst werden“ versuchte meine Mutter zu erklären. „Okay, Mum, das verstehe ich. Das ist auch richtig so, aber was sagt dir, dass der König das nicht genauso sieht. Dass der König sagt, nein ihr erlöst jetzt keine Geächteten mehr. Das wäre doch kontraproduktiv.

Er will sein Volk doch auch schützen, “ erklärte ich meiner Mutter meine Sichtweise. Sie sah mich nachdenklich an, aber sagte nichts mehr. „Wir würden dem Königreich angehören“, sagte sie mehr zu sich selbst, als zu mir.

„Aber das würde doch unsere Aufgabe, unsere Bestimmung nicht behindern“, versuchte ich es weiter. „Wir sind aber kein königliches Haus!“ sagte sie herrisch. Mir ging so langsam ein Licht auf, es ging nicht nur darum was Teslar dachte, es ging auch um den Stolz der Jägerschaft.

Das konnte ich sogar verstehen, aber wenn es um Teslar ging, dann war mir mein Stolz egal, dann wollte ich nur so weit wie es ging davon weg sein. Tja, nur sie war meine Mutter und sie befehligte dieses Haus, wenn sie etwas sagte, dann wurde es gemacht, ob es einem gefiel oder nicht. „Ich werde Theo informieren, du bleibst auf der Hut, vor Sonntag sollte dir nichts geschehen, also verhalte dich normal. Nach Sonntag sollte deine höchste Priorität sein nach Hause zu kommen. Egal wie!“ teilte meine Mutter eindringlich mit. „Und um dir diese Frage auch noch zu beantworten, der Rat, der innere Kreis hat beschlossen, dass alle Häuser in Sanvaldor unter der Krone agieren sollte und dass unsere schon zu lange freimütig sei!“ erklärte meine Mutter ärgerlich.

Das war es also, der innere Kreis hat beschlossen, dass Dragas der Krone die Treu und Loyalität schwören soll.

Der innere Kreis war der Rat des Königs. Er bestand aus den Hausvorsitzenden der Häuser auf Sanvaldor. Dieser Rat kam dreimal in der Woche zusammen und besprach alles, aber auch wirklich alles was das Land betraf. Man trug vor, argumentierte, widerlegte und schmierte dem König Honig um das Maul. Und im nu hatte man einen Haufen voll Probleme und ein Ultimatum des Königs.

Wo waren die Werwölfe, wenn man sie mal brauchte?

„Was ist, wenn du es mit Teslar nicht hinbekommst und der König mich zu fassen bekommt? Was dann, Mum?“ fragte ich sie zerknirscht. „So weit wird es nicht kommen!“ stellte sie sachlich fest. „Dein Optimismus hätte ich gerne“, kommentierte ich sarkastisch. „Vertrau mir, Rose“, bat sie mich, aber ich konnte nur eine Augenbraue heben. „Sorry, aber bei Teslar vertraue ich niemandem!“ ich stand auf und ging, denn diese Diskussion hatte keinen Sinn.

Am nächsten Tag war ich so groggy. Ich hatte schlecht geschlafen, der Tod meines Vaters hatte mich verfolgt. Der Traum wechselte zwischen meinen Erinnerungen daran und diesem finsteren Blick des Königs, verschwommen im Hintergrund zeigte sich Teslars Brücke. Am liebsten würde ich die Decke über den Kopf ziehen und mich nicht mehr bewegen, aber das würde meine Mutter nicht zulassen. Also warf ich meine Decke zurück und schwang meine Beine aus dem Bett. Ich schlurfte ins Bad und wusch mich, mit der Hoffnung, dass mich das beleben würde. Ich entschied mich für ein schwarzes Top und schwarze Jeans, sowie Stiefel bis zu den Knien. Das passte zu meiner Stimmung. Die Absätze waren flach, falls ich mich zu Fuß, ohne Auto, fortbewegen musste. Ich war eben gerne auf alles vorbereitet und wer sagte mir, dass der König sich an das Ultimatum hält?

Ich schnappte mir meine Tasche und machte mich auf dem Weg in die Küche, nachdem ich meine Mutter gestern habe sitzen lassen, hatte ich ein schlechtes Gewissen, aber ich ärgerte mich über ihre Sturheit

Wie sollte es auch anders sein, sie wartete mit Kaffee auf mich, an meinen Lieblingsplatz am Terrassenfenster. „Wie geht es dir, Rose?“ frage meine Mutter ehrlich. „Ich fühle mich, wie durch den Fleischwolf gedreht!“ gab ich zu. Meine Mutter schenkte mir einen kurzen Augenblick etwas von ihrem Mitgefühl. Ich Glückliche!

„Wenn du von der Schule kommst, dann trainieren wir. Du gehst heute nicht jagen!“ wies meine Mutter mich an.

Ich war voll und ganz einverstanden und freute mich schon darauf. Ich konnte Zeit mit meiner Mutter verbringen und auch noch Dampf ablassen. „Super Mum, ich freue mich!“ strahlte ich über das ganze Gesicht. „Freue dich nicht zu früh, Sternchen!“ zwinkerte sie mir schelmisch zu. „Ich muss los“, erklärte ich leise. „Okay, pass auf dich auf und sei fleißig!“ verabschiedete sich meine Mutter und gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Natürlich, wie immer.“

Es war ein schwüler, heißer Tag und nach kurzer Zeit war meine Haut von einem Schweißfilm bedeckt. Ja, Vampire konnten schwitzen. Ich saß in meinem Auto, hatte die Fenster geöffnet und versuchte durch den Fahrtwind etwas Abkühlung zubekommen. Um diese Uhrzeit war zum Glück nichts los und ich konnte auf direktem Weg zur Schule fahren. Eine kleine Anhöhe führte zu dem monströsen Kubus der Schule genannte wurde. Ein großer Würfel mit vielen Fenstern und einer Tür. Die Schulte hatte nur ein Geschoß, da es nicht viele Kinder oder Jugendliche, im Sinne von Vampirjahren gab.

Ich parkte mein Auto auf dem kleinen Parkplatz, der an den Kubus angrenzte. Ich hatte Daniel gestern nicht mehr zurückgerufen, ich wappnete mich innerlich auf das Donnerwetter, das mich erwartete. Das war eigentlich nicht meine Art, aber gestern schwirrten mir definitiv andere Sachen im Kopf herum und ich wollte nicht mit jemanden darüber sprechen. Heute würde ich allerdings nicht darum herumkommen. Ich stieg aus und ging zur Eingangstür. Meine Freundin Livia passte mich ab: „Du hast ein groooooßes Problem, Rose!“ warnte sie mich, untermalt mit einer entsprechenden Geste ihre Worte. Ich schnaubte nur zustimmend. „Hey“, frage sie vorsichtig, „was ist los?“

Ich schüttelte nur den Kopf und fuhr mit der Hand über die Stirn. „Ich erzähle es gleich in unserer Runde.“

Unsere Runde hieß: Daniel, Marcus, Selina, Brian, Dominik, Connor, Constantin und Livia.

„Ich habe nämlich tatsächlich ein großes Problem.“ Verkündete ich grollend. Livia legte den Arm um meine Schulter und ging mit mir durch die große Holztür.

In dem Aufenthaltshof mit einer Wiese und mehreren Sitzgruppen aus Holz, stießen Livia und ich auf unsere Freunde. Daniel funkelte mich schon an und Livia versuchte zu schlichten in dem sie die Hände hob: „Ich denke Rose hat echt Schwierigkeiten.“

Daniel knurrte verärgert, „kein Grund mich gestern nicht zurückzurufen!“

„Hase, es tut mir leid, ich konnte gestern mit niemanden reden.“ Entschuldigte ich mich. „Dann erzähl endlich was los ist!“ forderte Daniel ungeduldig.

Daniel war mein bester Freund. Wir kannten uns seit der Unterstufe und hatten sofort zu einander gefunden. Er war schwul, dass wussten wir alle, auch seine Eltern, die wollten das aber nicht akzeptieren. Sie ließen keine Gelegenheit aus ihn mit einer Frau zu verkuppeln. Er hatte schwarzes, kurzes Haar, grau-grüne Augen und war 1,80 m groß. Er trug immer einen Hut, er liebte Hüte einfach. Er kleidete sich immer etwas ausgefallen. Jemand anderes würde darin lächerlich aussehen, aber nicht Daniel. Frauen hätte Daniel haben können, wie Sand am Meer, aber er wollte Männer und naja, schwule Männer in der Welt der Vampire waren nun mal sehr rar. Er tat mir leid, auch wenn er es auf die leichte Schulter nehmen wollte. Er machte Witze darüber, dass er und ich auf einander bestimmt werden. Ich fand es ehrlich gesagt nicht so komisch. Er würde einmal das Haus Dagobar übernehmen. Das Haus war mit den gesellschaftlichen Events betraut. Party, Empfänge jeglicher Art. Der „Job“ passte zu ihm, er war immer gut gelaunt und konnte aus so wenig, ein richtig gutes Event machen. Er war definitiv unserer Party – Planer. So verärgert wie jetzt war er sehr selten, daher entschied ich mich, es nicht länger auf die lange Bank zu schieben.

Ich erzählte ihnen alles. Die kurze Begegnung mit Victor, den Disput mit meiner Mutter und meinen Fragen die in meinem Kopf geisterten.

Unsere Runde bestand aus den zukünftigen Hausbesitzern von Sanvaldor, sie wussten was das erzählte zu bedeuten hat. Es herrschte Stille denn auch jeder wusste wie das Verhältnis zu Teslar war. „Ist deiner Mutter nicht klar, dass sie da auf verlorenem Posten steht. Mit dem König ist nicht zu spaßen.“ Marcus erzählte mir nichts Neues. „Tja, meine Mutter ist aber davon überzeugt, dass sie das geregelt bekommt!“ Auf diese Aussage hin erntete ich nur Kopfschütteln. Das verstand ich durchaus. In diesem Moment ertönte das Signal zur ersten Stunde. „Den Rest besprechen wir wohl nachher in der Pause.“ stellte Brian fest. Ich stand auf und schleppte mich in den Klassenraum.

Die Klassenräume waren so aufgebaut, dass sie in Stufen nach oben führten, zu links und rechts konnten immer jeweils 4 Schüler sitzen, es führen 4 Treppen nach oben. Vorne war eine große Tafel mit einem großen Pult für die Lehrer. Je nach Unterricht waren noch entsprechende Utensilien aufgebaut.

Der Unterricht war in die Fächer Mathematik, Geographie, Vampir – Geschichte, Menschen – Geschichten, Anatomie, Kriegsführen & Verteidigung und Sprache unterteilt. Jedes halbe Jahr gab es ein Überlebenstraining. Die Fächer wurden in 3 Stufen unterrichtet und wurden von Stufe zu Stufe anspruchsvoller. Unsere Lehrer blieben in den drei Stufen immer identisch, das mag natürlich daran liegen, dass wir nicht wirklich viele Lehrer hatten. In meinem Block, so nenne ich es mal, waren die Lehrer Mr. Finley, Mrs. Trettler, Mr. Sunder und Mrs. Landsburry.

Wir waren in unserem letzten Jahr in der Hochstufe. Drei Monate bis zu unserem Abschluss, dann würden meine Freunde sich der Aufgabe ihrer Häuser widmen und sie ein Jahr später übernehmen, vielleicht sogar schon früher. Der Plan war diese drei Monate so gut es ging zu genießen, aber der König machte mir wohl einen Strich durch die Rechnung.

Nach gefühlten fünf Stunden (es waren tatsächlich nur 2) klingelte es zur Pause. Ich hatte so einen Hunger und eilte in die Kantine, um mich zu sättigen. Es wurden Spagetti und Bolognese angeboten, den Salat ignorierte ich. Ich schaufelte mir eine gute Portion auf den Teller und ging zu unserem Stammtisch auf der Fensterseite. Ich schlang regelrecht die ersten bissen hinunter.

„Da hat aber jemand Hunger!“ neckte Selina mich. Sie kam mit Brian Hand in Hand zu unserem Tisch. Sie waren schon lange zusammen. Sie waren für einander *bestimmt*. Das ist das Beste was einem Vampir passieren kann. Eine Bestimmte oder einen Bestimmten zu haben. Ich war hin und wieder etwas neidisch.

Selina war groß und schlank, sie hatte blaue Augen und hellbraunes Haar, dass ihr in langen Wellen über die Schulter fiel. Sie trug fast immer ein Kostüm oder Hosenanzug. Sie bevorzugte die Farben Schwarz und grau, dazu kombinierte sie meistens ein Oberteil in einer knalligen Farbe. Brian hatte einen identischen Stil, bis auf die knallige Farbe. Seine Haare waren dunkelbraun und seine Augen auch. Er war auch 1,80 m und drahtig. Sie passten perfekt zusammen und würden das Haus Navaris nach der Schule übernehmen.

Nach und nach füllte sich unser Tisch und wir aßen in Ruhe zu Mittag. Wir hatte eine Stunde Zeit, um uns zu stärken und auszutauschen. „Diesem Mr. Finley müsste man mal seinen Stock aus dem Arsch holen!“ zischte Connor. Livia tätschelte liebevoll seinen Rücken. Die beiden waren erst seit kurzem zusammen, aber sie waren auch für einander bestimmt, also spielte es keine Rolle wie lange sie schon zusammen waren, es würde ewig halten. „Wir haben wichtigeres zu besprechen, wie diese Spaßbremse Finley!“ erinnerte Daniel uns und ich war froh eigentlich meinem Hirn eine kleine Verschnaufpause zu gönnen. „Was gibt es da groß zu besprechen? Meine Mutter wird Donnerstag nach Teslar gehen, um sich deren Segen zu holen, damit Dragas teil des Königreichs wird. Das wird nicht funktionieren und am Sonntag läuft das Ultimatum ab. Wenn mich mein Gefühl nicht trügt, dann werde ich bei den weiteren Maßnahmen die Hauptrolle spielen!“ erklärte ich meinen Freunden meine bisherigen Erkenntnisse mit.

Sie starrten mich an, als ob mir Hörner gewachsen wären. Ich zuckte mit den Schultern und nahm noch einen Schluck Kaffee. „Du musst was tun“, flüsterte Livia sorgenvoll. „Und was genau soll ich deiner Meinung nachtun?“ zischte ich sie an. Ich wollte sie nicht angehen, aber diese Situation machte mich irre.

„Hey, ruhig Blut. Die Situation ist scheiße, aber auch nicht so scheiße das du den Kopf in den Sand stecken müsstest!“ versuchte Dominik zu beschwichtigen.

„Also was schlagt ihr denn vor?“ versuchte ich es noch einmal ruhiger.

Schweigen. Das war so klar! Dachte ich bitter. „Du musst deine Mutter zur Vernunft bringen.“ sagte Brian einfach. Ich schüttelte den Kopf. „Habe ich schon versucht, das wird nichts!“ resignierte ich. „Versuch es weiter!“ sagte er eindringlich. „Ich weiß nicht mehr weiter.“ Gestand ich leise. „Ich habe alle Argumente verbrauch.“

Daniel, der neben mir saß, legte mir einen Arm um die Schultern. „Rose, dann versuch nicht sie abzuhalten, dann lass sie nach Teslar fahren. Lass sie erfolglos zurückkommen und dann versuchst du sie dazu zubringen den Ring zu küssen!“ sagte Daniel ruhig und sanft. Das war bisher das Beste was ich zu hören bekam. Was mir nicht behagt war, dass ich tatenlos zusah, wenn meine Mutter nach Teslar fuhr. Ich wollte das einfach nicht.

„Dann machen wir das jetzt so!“ sagte Constantin trocken. Constantin war der ruhigste von uns. Er war ein stiller Beobachter, wenn man so will, aber im richtigen Moment schaltete er sich ein. Immer. Er hatte schulterlanges blondes Haar, es sah nicht ungepflegt aus es stand ihm. Er war nicht sehr groß, vielleicht 1,70 m, hatte eine eher rundliche Statur, was ihn wie ein Teddybär wirken ließ, die haselnussbraunen Augen unterstrichen das, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Es heißt ja bekanntlich stille Wasser sind tief.

Er trug immer Jeans, schwarze Turnschuhe und ein weißes oder rotes Hemd, etwas anderes kannte dieser Mann nicht. Wenn man ihn auf der Straße traf, würde man nie auf die Idee kommen das er ein Advokat werden würde.

Marcus und Dominik stimmten ihm nickend zu. Brian rieb sich mit der Hand über die Stirn: „Ich bin damit noch nicht fertig, ich mache mir noch ein paar Gedanken!“ sagte er eher zu sich selbst als zu uns. Diesmal nickte ich zustimmend. „Wenn euch noch irgendetwas einfällt, ihr eine Idee habt, dann sagt es bitte. Dieses Mal werde ich auf jeden Fall zurückrufen!“ bat ich meine Freunde um Hilfe. „Na klar Engel, du kannst auf uns zählen. Naja, und so eine Begegnung mit dem König steckt man nicht einfach so weg!“ damit hatte Daniel meine Entschuldigung angenommen. Er nannte mich immer Engel, obwohl ich mich nicht als Engel sah, allerdings war Daniel anderer Meinung. „Lasst uns noch etwas frische Luft und Sonne tanken bevor es weiter geht!“ trällerte Livia und sprang auf. Sie war etwas kleiner als ich und kurviger. Livia hatte dunkelblondes Haar, das sie zu einem Bob trug. Sie liebte Kleider und trug nur selten Hosen und sie hatte immer Ballerinas an, sie hatte diese kleinen dünnen Schuhe in jeglichen Variationen. Ich verglich sie gerne mit einer Fee. Connor folgte ihr und war ein harter Kontrast zu der zierlichen Livia. Er war ein Brocken, hatte rotes wuscheliges Haar und seine hellblauen Augen stachen aus seinem Gesicht hervor. Connor sah allem im allem wie ein Holzfäller aus. Er trug immer schwarze Kordhosen und immer ein kariertes Hemd, mit einem weißen T-Shirt oder Muskelshirt darunter. Als die beiden nach draußen gingen tuschelten sie über etwas, das ich nicht verstehen konnte. Ich schüttelte kurz den Kopf, als ich mir vorstellte, dass die Beiden nach der Schule das Haus Osany führen würden. „Erde an Rose!“ Marcus wischte mit den Händen vor meinem Gesicht herum. Ich zuckte zusammen und sah in verärgert an und er lächelte süffisant zurück. „Lass gut sein, Marcus.“ Ermahnte ich ihn, denn er flirtete bei jeder Gelegenheit mit mir, nicht so wie Jonathan, nein er machte es auf die charmante Art. Wäre ich vielleicht eine andere gewesen, dann hätte ich mich darauf eingelassen, aber so holte Marcus sich einen Korb nach dem anderen ab.

„Treffen nachher auf dem Parkplatz?“ fragte Selina. Wir nickten nur und standen auf. Ich musste zur Toilette und zu meinem Spind. Da sah ich ihn. Victor!

Draußen auf dem Pausenhof, lässig an einem Baum gelehnt und starrte mich an. Ich konnte nicht anders und starrte zurück, zupfte aber noch an Daniels Ärmel. Er sah mich an und folgte dann meinem Blick. Er erstarrte genauso wie ich kurz zuvorgetan hatte. „Was will er hier?“ flüsterte ich. „Du solltest ihn nicht ignorieren, Rose!“ gab Daniel mir einen gut gemeinten Ratschlag. Wie auf das Stichwort krümmte Victor seinen Zeigefinger und bat mich zu sich oder wohl eher befahl es mir.

Ich schlängelte mich durch die Schüler, die in der Kantine verstreut standen und gingen. Ich trat durch eine der Schiebetüren aus Fensterglas, die nach draußen führten. Ich sah ihn weiter an und versuchte ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Ich hielt an, als ich noch mehr als eine Armlänge von ihm entfernt stand. „Ich war der Meinung, dass wir uns vielleicht unter anderen Umständen kennenlernen sollten!“ fing er an zu erklären. Er hatte eine tiefe, butterweiche Stimme, die so gar nicht zu diesen eisgrauen Augen passte. Er hatte schwarzes Haar, dass ihm in Strähnen in die Stirn viel. Es war mit braunen Strähnen durchzogen. Victor hatte einen Dreitagebart, wobei man doch meinen sollte wenn man der König der Vampire ist, dass man sich jeden Tag rasierte. Seine Kleidung war sehr edel, Eine Anzughose, ein weißes Hemd ohne Krawatte und ein passendes Sakko. Er passte nicht hier hin, was wohl die anderen dachten, warum der König der Vampire auf einmal in der Schule auftaucht und dann auch noch mit mir sprechen wollte. Ich schluckte mehrfach bevor ich auch nur ansatzweise einen Ton rausbekommen konnte: „Unser erstes zusammentreffen war wirklich sehr unglücklich, das gebe ich zu!“ Er grinste schief und legte den Kopf zur Seite. „Sehr diplomatisch ausgedrückt, Rosalie!“

Er nannte mich bei meinem vollen Vornamen, ich bekam Gänsehaut und das ärgerte mich. Nur meine Mutter oder mein Vater, möge der Erste Wächter über ihn wachen, nannten mich so und zwar nur dann, wenn es ernst wurde.

Ich wurde durch meinen Ärger übermütig: „Super, dann einigen wir uns doch darauf das ich zukünftig die Schweiz bin!“ Das grinsen verflog und ein kalter, ernster Gesichtsausdruck kam hervor. Na großartig, das hatte ich von meinem vorlauten Mundwerk. „Das wird wohl nicht möglich sein, so wie die Dinge im Moment stehen.“ Sagte er sehr geschäftsmäßig. Da meine Mutter mir nicht wirklich etwas verraten wollte, versuchte ich es doch einfach an dieser Stelle: „Wie stehen die Dinge denn aktuell?“ erkundigte ich mich und versuchte auch geschäftsmäßig zu klingen. Er schaute mich überrascht an und hob beide Augenbrauen, die Hände hatte er hinter dem Rücken verschränkt. Er war sehr groß, so dass ich meinen Kopf leicht in den Nacken legen musste, um ihn anschauen zu können. Auf seine Überraschung hin zucke ich nur mit den Schultern: „Ein update könnte ja nicht schaden, oder?“ versuchte ich so beiläufig wie möglich zu erklären. Jetzt lachte er in sich hinein, „Deine Mutter hat dir rein gar nichts von meiner Drohung erzählt, nicht war Rosalie.“ Keine Frage eher eine Feststellung. Mist, erwischt! Lügen war nicht mein Ding, daher sagte ich nur: „Ja, richtig, hat sie nicht oder sagen wir nicht wirklich etwas womit ich etwas anfangen könnte. Sie hat etwas angedeutet, mehr aber nicht.“ Victor nickte bedächtig und sah mich dann abschätzend an. „Ich verstehe warum deine Mutter das tut, ich finde es nicht richtig, dass sie dich im Dunkeln lässt, aber sie triff die Entscheidung und ich nehme mir nicht heraus ihre Erziehung oder Führungsstil zu kritisieren oder sie zu boykottieren.“ Sagte er sanft und das machte auch noch Sinn, so ein verdammter Mist. Ich stieß resigniert die Luft aus. Ich würde nie an diese konkreten Infos kommen, was genau der König nach dem Ultimatum vorhat. „Glaub mir einfach, wenn ich dir sage, dass es nichts Schönes ist.“ Erklärte er durch die Blume, so viel wusste ich aber auch schon, dass half mir nicht. Er musste es mir angesehen haben, daher sagte er nur: „Hoffen wir einfach mal das es nicht dazu kommt!“