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Dieser Lesestoff ist NICHT geeignet: Für unter 40-jährige, Beamte/ Staatliche Angestellte Bildungsbürgertum so wie Jugendliche und Kinder! -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------A
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2023
IMPRESSUM Claude von Hagen c/o Block Services
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Ausgabe: Juli 2023
Alle Rechte vorbehalten © Layout/ Fotos/ Texte by Claude von Hagen/Lizenzen
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Vom Ersten bis zum letzten Lächeln
»Bitte das Spiel zu machen ...«
Band III
Vaddern denkt mit Grausen an die Zeit zurück, als er mit Paul die Millionen von der Landesbank in Delmenhorst abholte. Das war damals kein Banküberfall. Sondern lediglich die Auszahlung der Kaufsumme, die Kautz für die GmbH-Anteile meines Vaters gezahlt hatte. Nachdem Vaddern bereits zwei mal im Krankenhaus gelandet war, entschloss er sich, seinerzeit, kürzer zu treten und verkaufte seine Firmenanteile. Der Passant, der damals Teile des Gespräches zwischen unserem Vater und Paul aufgeschnappt hatte, war es, der die Polizei gerufen hatte. Der Bankfilialleiter klärte die Situation im Nachhinein auf und alles war wieder in Ordnung. Die dunkel gekleideten Männer im Zug hatten einen Fahrgast ohne Ticket erwischt und gingen an Vaddern und Paul schnurstracks vorbei; den Schwarzfahrer im Schlepptau.
Vater und Paul fuhren damals nach Bremen und am nächsten Tag weiter nach den Niederlanden. Dort kaufte sich unser Vater einen günstigen Bungalow und machte einige Tage Urlaub. Paul fuhr derweil nach Bremen zurück.
Vaddern langweilte sich mittlerweile und bestieg sein Auto um seine ehemalige Familie, also uns, zu besuchen. Auf der Fahrt verspürte er Durst und beschloss, in Bad Zwischenwahn, von der Autobahn abzufahren. Er machte Rast im Jagdhaus Leiden, wenige Kilometer von der BAB entfernt. Als er seinen Kaffee trank sah er im Foyer, Menschen hinter einer Schwingtür verschwinden. Das wäre allein noch nicht beachtenswert gewesen, wenn nicht – diese nach einiger Zeit mit grießgrämigem Gesichtsausdruck das Restaurant verlassen hätten.
Die Neugier unseres Vaters war geweckt. Was passierte mit diesen Menschen hinter jener Tür? Er durschritt, nachdem er seinen Kaffee bezahlt und sich an einer Rezeption auswies, die ominöse Schwingtür. Viele Männer und einige wenige Frauen standen um große, grüne Tische herum. Das war es also; ein CASINO.
Vaddern wollte spontan die Räumlichkeiten verlassen. Das sah wohl ein Angestellter des Hauses und sprach ihn an: »Guten Tag der Herr. Sie sind neu bei uns; ja? Möchten Sie die Spielregeln erklärt haben?«
»Warum eigentlich nicht, wenn ich schon mal da bin.«
Der Saalchef erklärte mir das Spiel. Es schien leicht zu erlernen und ist sehr verführerisch. Ich setzte ein paar Mark und gewann sofort. Das begann mir Spaß zu machen und so legte ich größere Summen auf das Tableau. Gewann ich am Anfang, so verließ mich das Anfängerglück sehr schnell. Nach einer knappen Stunde war mein Verlust auf 10.000 DM gestiegen. Voller Frust verlies ich das Casino und schwor mir, am nächsten Tag das verlorene Geld zurückzuholen.
Das gelang mir aber nicht und so türmten sich weitere 50. 000 DM an Verlusten auf. Wütend fuhr ich nach Hause (Zum Bungalow in NL) und holte 100.000 DM Nachschub, die ich in nur 2 Stunden verlor. Nachdem größere Summen dort verspielt hatte, besuchte ich ab sofort nur noch das Casino in Bremen, das ich recherchiert hatte.
Nur ein Spiel ...
Ich drückte ungeduldig auf den Knopf und wartete. Es dauerte eine Weile, dann hörte ich eine weibliche Stimme aus der Gegensprechanlage fragen: »Wer ist da?«
»Guten Abend«, sagte ich und drehte dabei mein Gesicht etwas nach rechts oben, um in die an der Hauswand angebrachte Überwachungskamera zu blicken.
»Guten Abend, Herr Schmidt, tut mir leid, ich habe Sie nicht sofort erkennen können. Einen kleinen Moment bitte noch. Ich schicke Ihnen gleich einen Pagen, der Ihnen das Tor aufschließt.«
Mit einem Knacken verstummte die Gegensprechanlage, und um mich herum war wieder Stille. Die Ruhe einer Seitenstraße um Mitternacht in einer Großstadt. An einem Wochentag im Herbst, irgendwann vor einigen Jahren. Ich stand wieder einmal vor dem Hintereingang der Bremer Spielbank, dem staatlich konzessionierten Spielcasino der Bremer Landesbank. Ich wartete darauf, dass ein Page das Eisentor öffnete.
Das Tor, welches zu dem Parkplatz des Bremer Senats führte, der nach Dienstschluss vom Casino als Parkgelegenheit für besondere Gäste genutzt wurde. Na, und ein besonderer Gast war ich schon. Der Attraktivste seit Jahren, zumindest was das bisher verspielte Geld betraf.
Schritte hallten über den nächtlichen Hinterhof, das war der Page mit dem Schlüssel: »Guten Abend, Herr Schmidt, begrüßte er mich devot.«
»Guten Abend, wie geht’s Ihrer Frau. Sind Sie schon Vater geworden?«, fragte ich ihn, denn wohlwissend, dass seine Gattin kurz vor der Entbindung stand. Wie ich überhaupt einiges Private von den Angestellten des Casinos durch meine häufige Anwesenheit erfahren hatte. Da wurde dann doch so manches Wort gewechselt, man kannte sich und hatte Vertrauen zueinander.
Das war aber nicht üblich, denn es gab die Anweisung der Casinodirektion, dass jeder persönliche oder gar vertrauliche Kontakt zu den Gästen strengstens untersagt war. Man fürchtete wohl, dass Angestellte mit Spielern gemeinsame Sache und das Casino betrügen könnten. Bei mir lagen die Dinge scheinbar etwas anders. Nicht nur der Direktor höchstpersönlich kümmerte sich rührend um mich und somit auch um meine finanziellen Mittel, auf dass diese nicht in der Kasse von Spielcasinos der Konkurrenz landeten. Ebenso brachte mir sein Stellvertreter größten Respekt entgegen. Obwohl er sicherlich nicht froh darüber war, sein Apartment im Casinonebengebäude für mich räumen zu müssen. Weil ich in Bremen übernachten wollte, da es wieder mal bis früh in den Morgen dauerte; mit meiner Spielerei.
Dieses Übernachtungsangebot hatte mir sein Chef mit folgenden Worten gemacht: »Herr Schmidt, Sie sind zur ›Maritimen Woche‹ in Bremerhaven im Sommer herzlich willkommen. Das Casino hat einen Großsegler für eine Tagesreise in die Außenweser gechartert, zu der ich sie hiermit einladen möchte. Es kommen nur handverlesene Gäste, Sie werden sich wohlfühlen. Und übernachten können Sie dann die Tage in unserem eigenen Apartment, das zum Casino gehört. Das wird zwar zurzeit von meinem neuen Stellvertreter bewohnt. Den quartieren wir während Ihres Besuches aus. Dann haben Sie es bequemer und müssen nicht im Hotel schlafen.«
Der Direktor wusste, dass ich in Luxemburg lebte und keine Wohnung in Bremen besaß. Allerdings hielt ich mich oft in meinem Bungalow in Holland auf, und von dort waren es kaum mehr als zwei Stunden Autofahrt bis nach Bremen zum Casino. Das wusste der Direktor natürlich auch. Die Spielbankbetreiber wussten überhaupt sehr viel über meine privaten Verhältnisse.
Man kam oft zwanglos an der Bar ins Plaudern, und nach anstrengenden, meist erfolglosen Stunden am Roulettetisch geschah es, dass mich der diensthabende Saalchef zu einem Drink einlud. Einerseits wollte ich kein Spiel am Tisch verpassen. Meistens war ich, wenn ein Saalchef mich ansprach, aber bereits pleite, hatte alles mitgebrachte Geld verspielt.
Da war dann das Gespräch an der Bar mit Angestellten der Spielbankgeschäftsführung eine willkommene Ablenkung vom finanziellen Desaster. Oftmals auch Trost, wenn man so rührend um mein Wohlbefinden besorgt war. Ja, man bedauerte mich ob meiner Verluste, litt mit mir und beklagte das große Pech. Manchmal musste ich über ihr Mitgefühl einfach nur lächeln. So wurde mir aber auch Mut und Erfolg für den nächsten Besuch gewünscht. Da taten sich besonders die Saalchefs hervor.
»Nein, meine Frau hat noch nicht Kind bekommen, bald in zwei Wochen, wir warten schon«, radebrechte der Page und schloss dabei das große Eisentor auf.
