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Normalerweise geht das doch anders herum, oder?: Die Maschine versucht zu beweisen, dass sie ein Mensch - oder zumindest intelligent - ist. Keine Bange, hier gibt es keine trockene technische Science Fiction, sondern das erste Kapitel einer Romanze: Sie spricht mit seinem Anrufbeantworter.
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Veröffentlichungsjahr: 2016
tüüüüt
- Guten Tag, bei Robert Poll hier.
- Hallo Robert, hier ist Ingrid.
- Sorry, ich bin nur der Anrufbeantworter. Wäre besser, wenn er mich erwähnt hätte, als er seine Nummer genannt hat.
- Robert, machst du jetzt Scherze?
- Seufzt Nein, ich bin wirklich nicht Robert, auch wenn ich seine Stimme habe. Aber das ist doch bei allen Anrufis so.
- Aber Anrufis antworten doch nicht, die piepen und nehmen auf.
- Na ja, piepen ist aber öde. Ich bin ein PR Projekt von Robert, aber noch unverkäuflich. Er hat dir doch erzählt, dass er freier Programmierer ist. Pollprojekt. Blöder Name...
- Ertappt, jetzt hast du “du” gesagt! Robert, ich hab noch gar nicht gefragt, ob du überhaupt ein bisschen Zeit hast...
- Also, ich muss leider deutlich darauf hinweisen, dass ich nur eine Maschine bin. Eine “raffinierte, aber stockdumme Maschine”, wie Robert gerne sagt. Immerhin nennt er mich auch stolz seinen “echten Beantworter”.
Zeit habe ich natürlich unbegrenzt. Genauer gesagt ist noch Speicherplatz für 116435 Minuten! Robert ist übrigens heute Vormittag bei seiner Bank; er hat einen wichtigen Termin.
- Das ist jetzt doch ein wenig unheimlich. Ich wollte ja tatsächlich nur ein wenig plaudern - ich habe gerade meine S-Bahn verpasst, das ist mir noch nie passiert. Jetzt sitze ich hier noch fast eine Stunde fest. Aber du möchtest nicht direkt mit mir reden, und machst auf Anrufi!
- Ingrid, das ist jetzt wichtig: Du musst mir bitte glauben, dass ich nicht “er” bin! Ich bin sicher, er mag dich schon ziemlich. Und er würde sich keine blöden Scherze auf deine Kosten erlauben.
- Ja aber so natürlich kann man doch keinen Anrufi programmieren. Das wäre doch schon fast künstliche Intelligenz... Und warum sollte er schon eingegeben haben, ob er mich mag? Wir haben uns doch gerade erst kennen gelernt? Und er hat noch nicht mal angerufen...
- Am besten verstehst du es, wenn du dran denkst, dass ich ein PR-Projekt für seine Kunden bin. Von denen glauben es übrigens auch längst nicht alle. Er will halt zeigen, dass er überdurchschnittlich kompetent ist. Seine Familie hat sich längst gut an mich gewöhnt. Plaudern ist doch viel netter, als Piep und Monolog auf Band.
