Blackfeather (Legende der Schwingen 2) - K.T. Meadows - E-Book

Blackfeather (Legende der Schwingen 2) E-Book

K.T. Meadows

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Beschreibung

**Nichts auf der Welt ist nur schwarz-weiß** Endlich hat Liz ihren Platz in der Gemeinschaft der Feather gefunden. Doch obwohl ein Leben mit ihrer großen Liebe nun möglich zu sein scheint, legt ihnen das Schicksal immer wieder neue Steine in den Weg. Denn in der Stadt der Whitefeather kommt es zu mysteriösen Vorfällen, denen Liz auf den Grund gehen will. Dabei stößt sie auf ein Geheimnis, das auf einmal alles ändert … Engel-Fantasy mit Suchtfaktor Eine magische Himmelswelt, zwei Jugendliche, die sich entgegen jeder Vernunft zueinander hingezogen fühlen, und eine folgenschwere Entscheidung. Spannend und romantisch bis zur letzten Seite. //Dies ist der zweite Band der himmlisch-dramatischen Buchserie »Legende der Schwingen«. Alle Romane der Fantasy-Liebesgeschichte: -- Whitefeather (Legende der Schwingen 1) -- Blackfeather (Legende der Schwingen 2)// Diese Reihe ist abgeschlossen. 

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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K.T. Meadows

Blackfeather (Legende der Schwingen 2)

**Nichts auf der Welt ist nur schwarz-weiß**Endlich hat Liz ihren Platz in der Gemeinschaft der Feather gefunden. Doch obwohl ein Leben mit ihrer großen Liebe nun möglich zu sein scheint, legt ihnen das Schicksal immer wieder neue Steine in den Weg. Denn in der Stadt der Whitefeather kommt es zu mysteriösen Vorfällen, denen Liz auf den Grund gehen will. Dabei stößt sie auf ein Geheimnis, das auf einmal alles ändert …

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Vita

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© Tanja Malek

K.T. Meadows wurde 1979 in Niedersachsen, genauer im Herzen Ostfrieslands, geboren. Bereits in ihrer Kindheit begann sie zu schreiben, doch erst mit 31 Jahren schrieb sie ihren ersten Roman. Seither lässt die Welt zwischen den Zeilen sie nicht mehr los. Dabei fühlt sie sich vor allem im Romantic-Fantasy Genre zu Hause.Heute lebt die erfolgreiche Autorin mit ihrem Mann und ihren Kindern in Baden-Württemberg am südlichen Oberrhein.

Kapitel 1

Die Luft flimmerte. Ein irisierender Tunnel öffnete sich direkt über der Arena und spuckte ein Dutzend nachtschwarzer Feather aus, die in rasantem Tempo über die Schaulustigen hinwegflogen. Hatte die Wandlung meiner Schwingen von weiß zu schwarz schon einen Tumult ausgelöst, so brach mit dem Erscheinen der Blackfeather regelrecht Panik aus. Schreie erklangen von den Rängen der Whitefeather. Sie flohen überstürzt von ihren Plätzen und suchten das Weite, obwohl sie eben noch der Hinrichtung von Fab und mir hatten beiwohnen wollen.

»Das ist Oz.« Fab, der wie alle anderen von meinem offenkundigen Bekenntnis zu den Nachtseraphen und dem Farbwechsel meiner Flügel überwältigt worden war, packte entschlossen meine Hand und legte das abgebrochene Stück Silent hinein, das uns erst ermöglicht hatte, gegen die Vollstreckung des Todesurteils aufzubegehren. Sein Gesicht spiegelte so viel Willensstärke, dass es mir den Atem raubte.

»Kämpfe, Blackfeather! Stell dir vor, es wäre der Absprung«, beschwor er mich und ich verstand. Er fasste neuen Mut. »Hinter dieser Klippe wartet Sorothez auf uns.« Wir hatten geglaubt sterben zu müssen, doch nun erwuchs neue Kraft in meinem Inneren. Süße Rachsucht, bittere Entschlossenheit – der rebellische Funke war entfacht. Ich spreizte drohend meine glanzvollen schwarzen Schwingen. Sollten sie nur kommen.

Angestachelt durch die Wendung des Geschehens, mit Verbündeten im Rücken, die von Fabs bestem Freund angeführt zur Hilfe geeilt waren, schien für uns plötzlich alles möglich.

Ein Silent schlug zu unseren Füßen in den Boden des Podests. Dann ein zweiter. Oz ließ uns die Wurfsterne zukommen, mit denen wir uns verteidigen konnten. Ich sah ihn im Flug irritiert den Kopf in unsere Richtung wenden, beinahe stieß er mit einem der anderen Neuntöter zusammen. Mein Anblick schien ihn regelrecht aus der Bahn zu werfen. Vielleicht fragte er sich gerade, warum ich in Tirithan meine Schwingen mit Asche färbte, obwohl meine Kleider doch weiß schimmerten. Was würde er erst sagen, wenn er erfuhr, dass sie echt waren?

Fab rupfte die Silents aus dem Boden und gab mir einen. »Zustechen, nicht werfen«, erinnerte er mich. Ich schloss meine Hand um die Waffe und hatte nicht vor mich davon zu trennen. Die abgebrochene Klinge ließ ich achtlos fallen. Sie hatte einer Whitefeather gehört, die sich vor den Söhnen Sorothez’ in Acht nehmen sollte. Nun wollte ich auf genau diese vertrauen. Entschlossen stiegen wir mit kräftigen Flügelschlägen auf. Die Wachen hatten ihren Kreis um uns nicht mehr enger gezogen, seit meine Schwingen sich gewandelt hatten. Entweder waren sie zu überrumpelt oder zu ehrfürchtig gewesen, um weiter gegen uns vorzugehen. Daran hatte auch der Präfekt nichts ändern können, der hinter ihren Rücken Befehle gebrüllt und, was mir nicht entgangen war, geblutet hatte. Jetzt schien er verschwunden zu sein und das Durcheinander auf den Rängen forderte die Aufmerksamkeit der Wachen und löste ihre Reihen auf. Vereinzelte tapfere Whitefeather stiegen auf und versuchten den Widerstand niederzuschlagen, gerieten jedoch unversehens ins Kreuzfeuer der wenig zimperlichen Neuntöter. Brachial fegten diese die Glanzvollen vom Himmel. Staunend betrachtete ich das Chaos, das meine Flügel und ein Haufen Blackfeather ausgelöst hatten, immer in Erwartung, dass es mich ins Kampfgeschehen hineinziehen würde. Ein Whitefeather nach dem anderen erlag den von wahrer Flugkunst gezeichneten Angriffen der Blackfeather. Kein Wunder, dass sie sie fürchteten. Das Orakel, die gefallene Whitefeather im Schoße der nächtlichen Stadt, sollte recht behalten. Die Söhne und Töchter Tirithans hatten dem kriegerischen Geschick der anderen Seite nichts entgegenzusetzen.

Fab brüllte etwas, das ich nicht verstand, schob zwei Finger zwischen die Lippen und pfiff schneidend. Sofort sammelte sich die Rotte in einer Formation und drehte eine Runde über den bereits halb leeren Rängen, auf denen immer noch kopflos Whitefeather zu den Treppen stürzten. Er beschwor in der Luft stehend einen Tunnel, in den das kämpferische Dutzend tauchte, bevor wir beide folgten. Ich warf keinen Blick zurück. Wir verließen Tirithan. Am besten für immer.

Der Flug dauerte nicht lang. Binnen weniger Atemzüge erhob sich Sorothez vor unseren Augen, gewohnt unheilvoll und bedrohlich anmutend inmitten von düsteren Wolken. Auch Tageslicht vermochte den unglaublichen Anblick nicht zu schmälern. Dieses Mal würde Fabs Zuhause für mich der sichere Hafen sein.

Sobald wir auf einer der unzähligen Planken der nächtlichen Stadt absetzten, wandte ich mich atemlos an Fab. »Er ist ein Blackfeather!« Ich konnte meine Vermutung keine Sekunde länger zurückhalten. Mit dem abgebrochenen Stück Silent hatte ich den Präfekten verletzen können, um mich anschließend aus dem stählernen Griff der Wachen zu befreien. Und er hatte deutlich mehr geblutet, als ein Whitefeather sollte.

»Spätzchen, wir alle sind das«, stichelte einer der Neuntöter, der neben mir auf dem breiten Steg landete, und zupfte amüsiert grinsend an meiner Schwinge. »Du auch, falls dir das entgangen sein sollte.«

»Nein, ich meine …« Herrgott, der intrigante Stadthalter war von meinem Angriff sichtlich überrumpelt gewesen, hatte jedoch seltsamerweise mit einem Blick auf seine Schwingen reagiert, bevor er sich hinter den breitschultrigen Wachmännern geradezu verschanzt hatte.

»Hey, lass die Kleine. Sie hat zuvor der falschen Seite angehört und muss erst einmal den Schock verdauen, eine echte Blackfeather zu sein. Ich im Übrigen auch …«, nahm Oz mich in Schutz. Die Tatsache, dass der Flug die Farbe meiner Schwingen nicht zurück in strahlendes Weiß verwandelt hatte, musste ihm wohl meine Zugehörigkeit zu ihnen bestätigt haben. Wäre es ein Aschetrick gewesen, hätte diese falsche Maskerade sich längst verflüchtigt. Aber davon wussten ohnehin nur wir drei, die diese Täuschung im Salvation genutzt hatten. Oz sah mich gespielt inniglich an. »Sie darf nun endlich ungestraft in meiner Nähe sein. Sicher kann sie ihr Glück kaum fassen.« Raues Gelächter.

»Das wird Savanna nicht gefallen«, spottete ein anderer und ließ sich einfach in den Sitz plumpsen. Die Planke vibrierte.

»Wusste gar nicht, dass so was möglich ist.«

»Ist es auch nicht. Sicher war ihre Bestimmung ein Fehler. Ich meine, die können einen schon verrückt machen vor dem rituellen Sprung.« Jetzt überschlugen sich die Stimmen der Neuntöter. Die einen klopften sich gegenseitig auf die Schulter, weil sie die Glanzvollen ein wenig aufgemischt hatten; andere diskutierten, ob eine Änderung der Flügelfarbe mein Schicksal beeinflusste oder andersherum. Keiner kam auf den Gedanken, mich zu verurteilen oder mir das Schwarz abzusprechen. Die Neuntöter, die ich bisher nur wenige Male während ihrer Pflichtausübung gesehen hatte, stellten sich mir als ausgelassener Haufen rauer Männlichkeit dar. Sie wirkten genauso aufgeschlossen wie Fab und Oz und schienen tatsächlich bereits akzeptiert zu haben, dass ich ab sofort nach Sorothez gehörte. Ich musste unwillkürlich lächeln und liebte diese wilde Truppe jetzt schon.

In all dem Durcheinander ruhte Fabs Blick auf mir. Er musterte mich mit einer Intensität, die mir weiche Knie bescherte. Scheinbar durchdachte auch er den Grund für meine Wandlung und zog den einzig richtigen Schluss. Ich liebte ihn, bis tief in die Grundfesten meiner Seele. Er hatte mir gezeigt, wohin ich gehörte, an wessen Seite ich stehen und kämpfen wollte. Mein wahres Ich hatte sich erhoben und den trügerischen Glanz abgelegt, gegen Tapferkeit und echte Verbundenheit getauscht. Ich war eine Blackfeather, eine Tochter Sorothez’.

Nun, in Wahrheit war ich vermutlich sogar irgendwie beides. Wie Fab und ich annahmen, ruhte nach all den Jahrtausenden der Samen beider Seiten in uns. Wer wusste schon, wie oft die Regeln von Liebenden gebrochen worden waren? Von der Faszination für das jeweils andere Lager konnte sich wohl keiner wirklich freisprechen. Diese Vermutung ergab in meinen Augen jedenfalls mehr Sinn als das, was man uns in der Engelssiedlung gelehrt hatte. Nämlich, dass die Seiten sich niemals gekreuzt hätten. Nein, es brauchte gewiss die Anlagen der ersten Seraphen – weiß, schwarz oder beide –, die uns als eine Art Erbe dienten und unsere Fähigkeiten bestimmten. Die innere Gewissheit, wer man war, gab offenbar den letzten Ausschlag und verlieh uns die entsprechenden Flügel. Und ich war unbeabsichtigt einen Schritt weiter gegangen und hatte die Farbe gewechselt. Dass Wandlungen überhaupt möglich waren, hatte Lijan uns unmissverständlich und leider auf niederträchtige Weise gelehrt. Sein Versuch, Fab zu töten, und die damit einhergehende Überzeugung, sich nur auf die richtige Seite stellen zu müssen, um seinen Status zu verdienen, hatten ihm weiße Flügel beschert. Weiße statt graue, die es offiziell nicht geben sollte. Ein Dilemma, dem sich meines Erachtens künftig niemand weiter verschließen durfte. Lijan, den miesen Verräter, würde das dann aber nicht mehr direkt betreffen. Er saß als nun Glanzvoller sicher in Tirithans Schoß.

Fab trat dicht vor mich. Sein Mundwinkel zuckte schelmisch, während er eine Strähne aus meiner Stirn strich. »Wir sollten dich schleunigst aus diesen Kleidern herausholen. Das Weiß steht dir nicht länger.« Seine raue Stimme entfachte ein Feuer in meinem Bauch. Auch wenn sein Angebot in dieser Situation wohl nicht ganz ernst gemeint war, klang es verlockend.

»Ich muss erst mit dir über den Präfekten reden«, drängte ich, bevor wir uns als Nächstes sicher der Frage widmen würden, wie es mit mir als Blackfeather weiterging. Mit Unbehagen erinnerte ich mich an den ersten Tag in Tirithan, als mein verspätetes Erscheinen Deklans Nerven strapaziert hatte.

Fab beugte sich vor. »Ich weiß, worauf du anspielst«, flüsterte er neben meinem Ohr. »Bestimmt hast du ihn bluten sehen, nachdem du ihn verletzt hast.«

Mein Puls beschleunigte sich. »Als Whitefeather hätte sich seine Wunde schließen müssen«, flüsterte ich aufgeregt zurück. »Das hat sie aber nicht.«

»Nein, obwohl seine Schwingen weiß strahlten.« Fab richtete sich auf und seufzte tief. »Dennoch hat er geblutet wie ein Blackfeather.«

»Dann kann das Weiß nicht echt gewesen sein. Er hat seine Schwingen mit Asche gefärbt. Er ist ein Blackfeather.« Fab legte seine Hand an mein Gesicht.

»Ist er. Trotzdem sollten wir das vorerst für uns behalten. Zumindest bis ich mehr herausgefunden habe. Wir wissen nicht, wie weit seine Machenschaften reichen. Immerhin hat er Jahre, vielleicht Jahrzehnte die Geschicke Tirithans beeinflusst und dabei nicht nur im Verborgenen Jagd auf Greyfeather machen lassen, sondern es auch geschafft, uns vor seinen Karren zu spannen, um Beweise für die Existenz der Grauen aus Sorothez zu stehlen. Danach wollte er uns ungerührt beseitigen lassen. Und dir wird nicht entgangen sein, dass er die Hinrichtung inszeniert hat. Von den Ältesten habe ich keinen auf dem Podest in der Arena gesehen«, fasste er aufgebracht, aber mit gedämpfter Stimme zusammen. »Es wäre nicht klug, die Blackfeather gegen einen der ihren aufzuwiegeln, solange wir nicht wissen, wie sehr er weiterhin mit den eigenen Feather verbunden ist. Vor allem wäre es ungünstig, solch einen Skandal jetzt zu entfesseln, weil Sorothez dich noch nicht anerkannt hat.«

Meine Schultern versteiften sich merklich. Sah Fab etwa Schwierigkeiten auf mich zukommen? Dann war das Ringen um meinen Platz in den Himmelsstädten nicht beendet. Sicher lag er mit seiner Sorge richtig. Ich brauchte ja nur an die unterschiedlichen Sichtweisen der Whitefeather zu denken. Diejenigen mit ihrer hochmütigen Arroganz wie Deklan oder jene, die wie Mila –. Unversehens stockte mein Herz. Mila. Du meine Güte. Ich würde meine glanzvolle, aufmüpfige Freundin vielleicht nie wiedersehen. Dabei hatte ich ihr so viel zu verdanken. Wenigstens konnte der Präfekt ihr nichts anhaben, beruhigte ich mich. Wir hatten sie wegen der Greyfeather nie ins Vertrauen gezogen. Und sie würde die Lüge, dass Fab und ich Lijan als einen Sohn Tirithans gefangen gehalten hatten, um unsere heimliche Beziehung zu schützen, sicher nicht glauben. Oder doch? Meine Gedanken überwarfen sich, als ich mir vorzustellen versuchte, wie all das für Mila ausgesehen haben musste. Sie hatte mir damals dabei geholfen, mich aus der glanzvollen Stadt zu schleichen, um verbotenerweise Sorothez zu besuchen. Als ich zurückgekehrt war, hatte man mich des Mordes an Ibe beschuldigt, meinem Ziehvater. Schließlich war ich aus Tirithan geflohen und der Präfekt hatte die Rotte auf mich angesetzt. Ich seufzte. Im Grunde konnte ich also nicht wissen, was der miese Intrigant ihr erzählt hatte. Einzig Milas Auftauchen bei Lijan im Wald und ihr Bestreben, uns zu helfen, ließen mich hoffen, dass sie nicht schlecht von mir dachte.

Mehrere leichte Stöße erschütterten die Planke. Ich drehte mich herum. Offenbar hatten sich Sorothez’ Stadtwachen zu uns gesellt. Drei an der Zahl. Oz schob sich an Fab und mir vorbei, um vor uns Stellung zu beziehen. Verwirrt blickte ich vom breiten Kreuz unseres Freundes zu den ernsten Gesichtern der bis an die Zähne bewaffneten Blackfeather. Wäre es nicht eigentlich Fabs Aufgabe zu vermitteln? Nicht zum ersten Mal fiel mir auf, wie ebenbürtig die beiden agierten.

»Flug bei Tageslicht«, sprach der älteste Blackfeather, ein breitnasiger Kerl mit schütterem Haar, und wies mit seinem Kurzspeer auf mich. »Und warum trägt sie glanzvolle Kleidung? Erklärt euch!«

Fab suchte meine Hand und entwand mir wie beiläufig den Silent, den ich immer noch hielt, um ihn hinter seinem Rücken am Bund zu verstauen.

Oz stöhnte vernehmlich. »Muss dieses Theater sein? Ruf einfach Savanna. Sie soll die Turmkronen einberufen. Das hier wird ihnen ohnehin nicht gefallen.«

Die Pike des Speers deutete mahnend auf Oz’ makelloses Gesicht. »Du kennst doch die Abläufe. Lass mich meinen Job machen«, rügte die Wache ihn. Der freundschaftlich stichelnde Unterton entging mir dennoch nicht.

Oz schlug den Speer beiseite und stieß den Blackfeather mit der Schulter an. »Würde mir nicht im Traum einfallen, dir zu sagen, was du tun sollst. Und jetzt hol Savanna. Ich führe die anderen ins Verlies.« Er sprang von der Planke ab, ohne abzuwarten. Ein Pfiff gellte und ein Neuntöter nach dem anderen schloss sich ihm an. Erschrocken huschte mein Blick zu Fab.

»Ins Verlies?«

Sein Mund bildete eine gerade Linie. »Schon okay. Es ist kein echtes. Glaub mir, Sorothez macht keine Gefangenen.« Diese Aussage sollte mich beruhigen? Wenn ich seine Worte richtig deutete, besagten sie doch nur, dass Urteile sofort vollstreckt wurden.

»Ich habe wohl keine Wahl«, erkannte ich.

»Nein, haben wir nicht.« Fab legte die Hand auf meine Schulter. »Folg mir einfach. Es wird gut gehen. Ich bin bei dir.« Mein Herz zog sich kurz zusammen. Fab würde nicht von meiner Seite weichen, bis wir das hier durchgestanden hatten, daran zweifelte ich keine Sekunde.

Er sprang ab und fiel. Ich folgte in knappem Abstand. Wolkenfetzen tanzten um uns herum. Fab drehte sich in einem eleganten Rückwärtssalto, öffnete seine Schwingen eng anliegend zum Sinkflug und schoss in wahnwitzigem Tempo davon. Ich schluckte und versuchte mich an ähnlichen Bewegungen. Nicht halb so geschmeidig und sicher einer Blackfeather nicht würdig sauste ich auf den höhlenartigen Einlass zu, auf dessen Vorsprung Fab mit kräftigen Flügelschlägen absetzte. Der Platz war knapp bemessen. Ich drosselte das Tempo besser schon frühzeitig. Die drei Wachen holten mich ein, setzten gekonnt ab und traten zur Seite, während ich fürchtete für meine Schwingen nicht genügend Raum zu finden. Gott, kam ich mir unbeholfen vor. Unsanft landete ich, strauchelte und schrammte mein Knie auf. Der schwache Schmerz verebbte umgehend. Die oberflächlichen Kratzer verschlossen sich ebenso schnell wie der helle Stoff darüber. Als sei nichts passiert.

Binnen Sekunden hatten zwei der Wachen meine Oberarme gepackt, mich ins Gewölbe gezerrt und eine Speerspitze unter meinem Kinn platziert.

»Lasst sie los! Sie ist eine von uns«, herrschte Fab die beiden an.

»Ist sie nicht! Was immer das für ein Trick ist mit ihren schwarzen Flügeln, sie trägt die Kluft der Whitefeather und sie heilt sich.«

»Weil sie noch Quiryll im Körper hat, du Hornochse. Wir kommen gerade aus der glanzvollen Stadt.« Fab packte den Speer und zwang ihn nach unten. »Von mir aus geht an ihrer Seite, aber spart euch den rauen Umgang. Das hier ist zu wichtig, also lasst uns endlich vor die Turmkronen treten.«

Die Wachen tauschten Blicke. Der Älteste von ihnen nickte grimmig. Zögerlich ließen sie meine Arme los. Ich rieb über die kribbelnden Stellen, unter denen sich wahrscheinlich gerade Blutergüsse zurückbildeten. Quiryll im Körper … Ob Fab wusste, wovon er da sprach? Vielleicht stimmte mit mir ja etwas nicht. Saß ich jetzt zwischen den Stühlen? Schwarze Flügel und Whitefeathermagie? Würden sie eine solche Mischform dulden? Ein mieses Gefühl beschlich mich.

»Fab …«, flüsterte ich alarmiert, während eine der Wachen vor dem Einlass Stellung bezog und die anderen beiden voranstolzierten und mich scheinbar seiner Verantwortung überließen. Meine Nerven waren zu angespannt, um eine neuerliche Anklage zu überstehen. Wie naiv von mir zu denken, ich würde mit Sorothez einen sicheren Hafen erreichen.

»Hier!« Fab drückte mir einen Silent und ein Tuch in die Hände, die er von seinem Hosenbund befreit hatte. »Tut mir leid, aber es wird nicht anders gehen. Sie wären zurecht misstrauisch, wenn du dich weiterhin heilen könntest.«

»Was soll ich damit tun?« Meine Stimme klang panisch. Würden wir auch aus Sorothez fliehen müssen? Erneut kämpfen?

»Schneide dich. Nur so tief, wie du es aushältst. Du musst das Quiryll in dir ausschöpfen. Mit dem Tuch fängst du das Blut ab, falls überhaupt welches hervortritt.« Offensichtlich meinte er Schnitte in meine Hand.

»Aber … bist du sicher?«

»Nein«, knurrte er unzufrieden, »wie sollte ich. Das Einzige, was mich daran glauben lässt, ist die Tatsache, dass Whitefeather außerhalb Tirithans schwächer werden. Möglicherweise, weil es dort kein Quiryll gibt. Ihre Körper scheinen das Zeug also zu verbrauchen. Das ist deine einzige Chance, Liz. Du musst dir kleine Verletzungen zufügen, bis deine Magie versiegt. Hör erst auf, wenn die Wunde sich nicht mehr selbständig schließt«, wies er mich an und schien Unbehagen zu empfinden. »Ich hoffe, die Zeit, bis wir zum Verlies gelangen, wird ausreichen.«

Mein Blick ruhte einen Moment auf ihm und richtete sich dann ins Nichts. Ausreichen? Wie oft musste ich mich denn verletzen, damit das Quiryll aufgab? Ich erinnerte mich an die vom Sumpf verdreckte Kleidung, als wir uns auf der Suche nach Lijan befunden hatten, und schloss die Hand um den Silent. Es zermürbte mich, wie viel das Schicksal uns aufbürdete. »Wenn ich das tun muss, um euch meine Loyalität zu beweisen.« Ich hatte in den vergangenen Stunden Schlimmeres durchlebt.

Fab holte Luft, um zu widersprechen, doch ich ließ ihm keine Gelegenheit. Mit selbstbestimmter Kraft hieb ich die Zacke des Sterns in meinen Oberschenkel und zog sie heraus, ohne einen klagenden Laut von mir zu geben. Das sollte die Sache abkürzen.

»Tief genug?«

Fabs Blick hielt meinem stand, er versuchte offenbar sich zu sammeln, bevor er schließlich zu meinem Bein hinabsah. Auch ich schaute hinunter. Das Quiryll der Whitefeatherkleidung tat seinen Dienst und reparierte den Riss über meinem zitternden Oberschenkel. Darunter jedoch schien es weiter zu bluten. Immer wieder blühte eine rote Blume auf meinem Hosenbein auf und wurde unversehens vom göttlichen Stoff getilgt. Bis nichts weiter blieb als reines Weiß. Ich suchte Fabs Blick. Er bezwang mit Mühe seinen aufgewühlten Atem.

Ich hob erneut den Arm, ohne ihn aus den Augen zu lassen, doch diesmal stoppte er mich, indem er mein Handgelenk packte. Er entwand mir den Silent, nahm meine Hand herunter und führte sie zwischen uns.

»Auch wenn es sich für dich so anfühlen mag, du bist nicht allein und das hier nicht verloren«, beschwor er mich und führte den Stern so sacht über die Spitze meines Ringfingers, dass ich den Schnitt kaum spürte. Ein Blutstropfen zeigte sich. Er nahm das Tuch und wischte ihn fort. Makellose Haut. »Sie werden sehen, was ich sehe. Dass du eine wahre Tochter Sorothez’ bist.« Der Silent glitt über die nächste Fingerkuppe. Fab verrieb das Blut. Keine Blessur darunter. »Deine Schwingen haben anfangs, direkt nach deiner Wandlung, geglitzert. Aber bereits im Flug hast du den Glanz Tirithans hinter dir gelassen.« Er schnitt in meinen Daumen und ich verzog erschrocken das Gesicht. Wissend musterte er mich und wischte den hervorgequollenen rubinroten Tropfen in seine schwarze Kluft. »Blackfeather sind tapfer. Stell dich bloß nicht so mädchenhaft an wie Oz beizeiten«, neckte er mich und zeigte mir den winzigen Schnitt, der sich nicht mehr gänzlich schloss.

Um Fassung ringend starrte ich die unscheinbare Verletzung an. Hätte ich mir den Silent erneut ins Bein gestochen, würden wir jetzt wohl um mein Leben kämpfen. Mut und Leichtsinn lagen wahrlich dicht an dicht, wenn einen die eigenen Gefühle übermannten. Ich sollte meinem überreizten Nervenkostüm schnellstens eine Pause gönnen.

»Bringen wir die Sache hinter uns«, rang ich heiser hervor. Nicht dass ich diesen Satz in den vergangenen Tagen nicht ein Dutzend Mal gedacht hätte. Ich war müde und überließ mich Fabs Führung. Er nahm meine Hand und schloss zu den Wachen auf, die in einiger Entfernung gewartet hatten. Gemeinsam durchquerten wir Sorothez’ dunkle Gänge und betraten schließlich durch hohe geflügelte Pforten einen mächtigen Saal.

Die Rotte hatte sich bereits aufgestellt. Oz spähte über die Schulter zu uns. Sein grimmiges Kopfschütteln zeugte von Ungeduld, vielleicht auch Nervosität. Er wandte sich wieder nach vorn und straffte seine Haltung. Ich schaute mich um. Ein Halbrund von Reihen hintereinander aufsteigender Bänke säumte zwei Drittel des ovalen Saals. Ränge wie in der Arena, nur überschaubarer und ohne Beisitzer. Sechs Thronstühle standen am Boden davor, einer gerade voraus, drei rechts, zwei links. Sie waren von Frauen in hübschen Gewändern besetzt, die beiden äußeren jedoch leer. Außerdem gab es sechs weitere Plätze, oberhalb der aufsteigenden Reihen auf schmalen verhangenen Türmen. Diese Logen erreichte man offenbar nur über separate Eingänge. Wer dort über uns zu Gericht saß, war nicht zu erkennen. Weite schwarze Roben mit tief sitzenden Kapuzen schützten die, wie ich vermutete, Obersten der Blackfeather.

Angespannt bezog ich neben Fab und den Neuntötern Stellung. Fremde Augen würden mich beurteilen wie einst beim Einweihungsritual. Unablässig kratzte mein Fingernagel über den verletzten Daumen, um mich zu vergewissern, dass ich zu ihnen gehörte. Tirithans Glanz wohnte nicht länger in mir. Aber würden sie mich deshalb aufnehmen?

Kapitel 2

Fab erzählte die Geschichte meiner Wandlung, unserer Flucht aus der Arena und schilderte einige vorangegangene Ereignisse, die zu meiner Verhaftung geführt hatten. Er orientierte sich dabei an Tirithans Vorwurf, dass ich mich auf die Seite einiger Blackfeather geschlagen hätte. Die übrigen Anklagepunkte ließ er unerwähnt. Offenbar wusste man in Sorothez nur von dem Zwischenfall im Wald, bei dem Aiden auf grausame Weise zu Tode gekommen war, stritt jedoch jede Beteiligung an dem Übergriff ab. Wenig tröstlich für den gefallenen Neuntöter, der im Pfeilhagel sein Leben gelassen hatte. Ich erinnerte mich mit Schaudern daran. Die im Dickicht verborgenen Bogenschützen hatten uns binnen Sekunden auf den Boden gezwungen und die plötzlich von allen Seiten durch die Luft schneidenden Silents Oz und mich beim Versuch zu entkommen schwer verletzt. Der hünenhafte Blackfeather mischte sich an dieser Stelle der Erzählung ein und bekundete, dass ich ihn in dieser ausweglosen Situation mit meiner Whitefeathermagie gerettet hätte. Dass er meine Selbstlosigkeit dabei in den Vordergrund stellte, rührte mich. Fab erläuterte, dass er uns kurz nach dem Angriff gefunden habe, aber selbst übermannt worden sei, bevor Oz richtig zu sich kommen konnte. Man hatte Fab und mich also zeitgleich nach Tirithan verschleppt und Oz hatte sich allein und mit letzter Kraft in die nächtliche Stadt retten müssen, um dort versorgt zu werden. Ihre Schilderungen bestürzten mich. Nicht auszudenken, wie knapp alles gewesen war. Mir lag auf der Zunge zu fragen, weshalb Fab so kurz nachdem er uns auf der Lichtung verlassen hatte, schon wieder zurückgekommen war. Ich wagte jedoch nicht ihn vor den Obersten Sorothez’ zur Rede zu stellen.

»Was ihr vortragt, wirft kein gutes Licht auf Tirithan«, hob eine der von Fab so betitelten Thronfrauen an, als er schließlich geendet hatte. Sie besetzte den Thronstuhl am Kopf der Runde und trug ihr braunes Haar in einem streng geflochtenen Zopf, der über die Schulter ihres violetten Kleides nach vorn verlief. »Andererseits war Sorothez bereits geraume Zeit vor kippenden Verhältnissen gewarnt, nicht wahr?« Sie bedachte Fab mit einem durchdringenden Blick, den er nicht erwiderte. »Wie dem auch sei. Neue Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Heute aber geht es um die Frage, ob du«, sie richtete ihr Augenmerk auf mich, »eine Tochter der nächtlichen Stadt sein kannst.«

Die Blackfeatherwache, die mir auf dem Gang den Kurzspeer an den Hals gedrückt hatte, trat vor, wurde von ihr mit einem wohlwollenden Nicken näher herangewunken und flüsterte Worte neben ihrem Ohr. Oh, wie ich sie hasste, die ewigen Deklans dieser Welt. Nichts überließen sie dem Zufall, jeder wurde denunziert. Die Thronfrau, die mit ihren leicht arroganten Zügen und den eng stehenden grünen Augen wenig sympathisch auf mich wirkte, befahl ihn mit einer zarten Geste auf Abstand und rückte interessiert an die Kante der Sitzfläche. Das elegante Spiel ihrer Augenbrauen verriet Vorfreude.

»Tritt vor, Feather«, bat sie mich höflich. Ich tat, wie mir geheißen. Nun stand ich mitten zwischen den vier Frauen, zu meiner Linken glaubte ich Oz’ Bettgespielin zu erkennen. Savanna war wohl ihr Name. Ihre Wangen erröteten leicht, als sie meinen etwas längeren Blick bemerkte.

»Schwingen«, forderte die Rädelsführerin schroff. Ich gehorchte und entfaltete sie gänzlich, damit man das Schwarz beurteilen konnte. Der Schimmer, der direkt nach der Wandlung noch auf ihnen gelegen hatte, war ja gottlob verschwunden und würde mir keinen Ärger einhandeln.

»Was ist mit deiner Kleidung?«, fragte sie nüchtern.

»Nicht mehr von Wert für mich. Wollt Ihr sie?« Ich hörte einen Laut hinter mir, der verdächtig nach Oz klang. Offenbar zwang ihn ein unkontrollierter Anflug von Erheiterung erst zu einem Lachen und dann zu einem weit weniger verfänglichen Hustenanfall. Die Throndame hob mahnend das Kinn und rückte sich zurecht.

»Zeigt es mir«, wies sie die Wache an. Jetzt sollte er wohl den Beweis erbringen, dass mit mir etwas nicht stimmte. Ich wandte ihm unbeeindruckt das Gesicht zu, während er eine Klinge zog und meine Hand forderte.

»Lasst mich helfen«, mischte Fab sich unerwartet ein und trat schneller von hinten an mich heran, als die Wache reagieren konnte. Ehe ich mich’s versah, rann ein warmer Tropfen seitlich an meinem Hals hinab. Verwirrt huschte mein Blick über die Schulter zu Fab. Er hatte mich geschnitten. Ich hatte die Klinge des Silents nicht einmal bemerkt. Jetzt jedoch brannte die winzige Wunde.

»Danke«, richtete die Thronfrau sich unterkühlt an Fab, um dann mit mir fortzufahren. »Lass es mich sehen.«

Ich drehte den Kopf in die andere Richtung und zeigte der Frau, die mir so offenkundig misstraute, bereitwillig, was Fab mir zugefügt hatte.

»Braucht Ihr noch mehr Beweise?«, fragte er aufgebracht. »Sie ist eine Blackfeather, nehmt sie auf.«

»Ich spreche mich dafür aus. Dieses Mädchen kann nichts für den Irrweg, der hinter ihr liegt«, kam uns Oz’ Freundin zu Hilfe. »Besser, sie stellt sich jetzt auf die richtige Seite als niemals. War nicht auch der junge Krieger Sorothez einst auf der Suche, bevor er in den Himmel aufgestiegen ist?« Redegewandt war sie, das musste ich ihr lassen. Nicht zuletzt ein liebreizender Anblick. Ich konnte gut nachvollziehen, dass Oz Gefallen an der hübschen Blackfeather fand. Ihre grünen Augen musterten mich, während sie verspielt eine blonde Locke um den Finger wickelte.

»Dieses Mädchen wurde nach ihrem Absprung offiziell in Tirithan aufgenommen. Sie hat dort eine Rune gezogen«, wandte die erste Thronfrau ein. So ein störrisches Biest. Diese verflixten Runen konnten mir doch nicht wieder zum Verhängnis werden.

»Dann lasst sie erneut eine ziehen«, forderte Fab. »Eine schwarze Rune diesmal.«

O verflucht. Mein Verstand arbeitete aber auch wirklich langsam heute. »Ich habe eine!«, kam ich einer Antwort der Thronfrauen zuvor und nestelte am Hosenbund meiner glanzvollen Kluft. »Eine schwarze Rune. Ich habe sie in Tirithan aus dem heiligen Gefäß gezogen.«

Jetzt lehnte Savanna sich neugierig vor und betrachtete mich noch eingehender als zuvor. »Du hast beim Einweihungsritus der Whitefeather eine schwarze statt einer weißen Rune gezogen?«, fragte sie fasziniert.

»Ja, ich … glaubt mir, die Ratsmitglieder Tirithans waren nicht begeistert.« Verflixt noch mal, ich musste sie hier irgendwo bei mir tragen. Der Einfachheit halber stülpte ich den Bund um. Das Klickern des Kiesels erklang, als er über den glänzenden schiefergrauen Boden sprang und zu Füßen einer anderen Thronfrau zu meiner Rechten liegen blieb. Sie streckte ihre üppig beringten Finger nach dem Stein aus und hob ihn behutsam auf. Ihr Daumen glitt ehrfurchtsvoll über die eingeritzte Rune. Jetzt würden sie sehen, dass ich die Brücke war. Das musste sie doch von der Richtigkeit meines Weges überzeugen.

Ich drehte mich der in Grün gewandeten Dame mit dem leicht ergrauten Haar zu und suchte gleichzeitig Fab, der immer noch drei Schritte hinter mir stand, und dessen Blick mich zu fragen schien, was zur Hölle hier vor sich ging. Ich zuckte leicht mit den Schultern und drückte mein Bedauern aus. Wenn nicht alles derart kompliziert gewesen wäre, hätte ich ihm sicher längst von der Blackfeatherrune erzählt. Aber es hatte sich einfach nicht ergeben.

»Eine Erste«, hauchte die Thronfrau verwirrt und ergriffen. Mein Blick schnellte zu ihr zurück.

»Was? … Nein, ich …« Mein Herz stockte, als ich den Runenstein in ihrer Handfläche sah. Das war nicht das Zeichen der Brücke. Wo war denn dieser fremde … Heilige –! Jetzt fiel es mir wieder ein. Das Salvation. Fab hatte mir den Brief und die Feder in die Hand gedrückt. Auf der Flucht hatte ich sie in meinen Ausschnitt gestopft und später, als ich in Fabs Beisein die Kleider gewechselt hatte, war dieser schwarze Stein hervorgepurzelt. Er musste versehentlich mit zwischen die Sachen geraten sein. Große Güte, und nun dachten sie …

Savanna und die anderen beiden Frauen stoben hoch und verlangten die Rune zu sehen, die aus einem einfachen Strich bestand. Ganz anders als das breite verzweigte Zeichen der Brücke. Aber was sollte ich tun? Der Runenstein wanderte durch ihre Hände. Ihre ehrfürchtigen Gesichter bezeugten, dass diese Auszeichnung ein gewisses Gewicht besaß. Würde es mir helfen, wenn ich jetzt eine zweite Rune hervorzauberte und gestehen musste, dass diese hier einem Diebstahl geschuldet war? Sicher nicht.

Mir blieb nichts übrig, als atemlos dem schwelenden Stimmengewirr der Thronfrauen zu lauschen, die sich darüber uneinig schienen, wie ich in die glanzvolle Stadt hatte geraten können oder ob das nicht vielleicht sogar ein zu begrüßender Umstand wäre. Ich sah über die Schulter zu Fab, dessen Augen ungläubig auf mir ruhten. Die Bestürzung war ihm geradezu ins Gesicht geschrieben. Ich schluckte. Dies hier war also auch wieder nichts Gutes? Herrgott! Versammlungen und ich – was war das nur für eine unglückselige Sache. Ich sollte künftig allen Sälen und Arenen fernbleiben.

»Du kommst mit mir, das hier hat sich für dich erledigt.« Es war Savanna, die entschlossen mein Handgelenk packte und mich ohne jeden Protest der übrigen Frauen abführte. Sanft, aber bestimmt bugsierte sie mich aus der Mitte des Geschehens an Fab und der Rotte vorbei zum Ausgang. Oz hielt seinen Kopf gesenkt.

»Wartet! Ich werde Euch sicheres Geleit geben.« Fab schloss auf, ehe wir den Saal verließen. Sein Anliegen wirkte auf nervöse Art bemüht.

Savanna stoppte und fuhr herum. Ihre hübschen Augen verengten sich zu Schlitzen. »Du bist ein Krieger Sorothez’. Wenn ich deine Hilfe benötige, lasse ich nach dir rufen«, kanzelte sie ihn ab.

Fab verharrte in seine Schranken gewiesen und ließ Savanna mich mitnehmen, während er zurückblieb. Er schien keine Wahl zu haben. Was geschah hier bloß?

»Hat man dir damals in Tirithan erklärt, was die Rune der Ersten bedeutet?«, fragte sie kühl. Ich konnte kaum ihren flinken Schritten folgen. Wir ließen den Saal hinter uns und tauchten in die Gänge der nächtlichen Stadt.

»Nein …«, antwortete ich beklommen. Die Rune gehörte mir ja gar nicht.

»Wundert mich nicht. Was allerdings Rätsel aufgibt, ist, dass du noch am Leben bist. Aber wie wir ja jetzt wissen, hat es nicht an mangelnden Versuchen gelegen.«

Ich stoppte sie, indem ich stehen blieb, und entriss ihr meine Hand. »Wohin bringst du mich? Was bedeutet diese Rune?« Es lief mir kalt den Rücken hinab. Wie viele – und jetzt auch noch fremde – Bürden hatte ich in meinem Leben zu tragen?

Savanna, die sich zu mir umgedreht hatte, öffnete beschwichtigend die Hände und bedachte mich mit einem mitfühlenden Blick. »Hab keine Angst. Dir geschieht nichts Schlimmes. Ganz im Gegenteil.«

»Im Gegenteil?« Ich lachte auf und brach dann unvermittelt und wie aus dem Nichts in Tränen aus. »Du hast keine Ahnung, was ich hinter mir habe. Sag mir jetzt, was dieses beschissene Zeichen bedeutet.« Ihre Brauen schnellten erstaunt in die Höhe.

»Tirithan spricht wirklich nicht aus dir, glanzvolle Blackfeather.« Mein loses Mundwerk schien sie zu amüsieren oder vielleicht rang es ihr auch Respekt ab, dass ich mich wehrhaft zeigte.

»Liz«, stellte ich mich ihr vor.

Sie lächelte. »In Ordnung, Liz. Freut mich, erneut deine Bekanntschaft zu machen.« Gemessen an ihren vorhin so rosigen Wangen hatte sie sich wohl auch daran erinnert, wie Fab und ich ins Zimmer gestürmt waren, als sie mit Oz in den Laken gelegen hatte. »Besonders, da du eine von uns werden wirst.«

»Ich dachte, das wäre ich schon. Eine von euch.« Ich schniefte und versuchte mich zusammenzureißen.

Savanna verschränkte die Arme über ihrem reizvollen Dekolleté. »Das stimmt. Du hast zur Genüge bewiesen, dass du eine Tochter Sorothez’ bist. Ich meine auch etwas anderes. Die Rune offenbart nämlich weitaus mehr. Sie weist großes Potenzial in dir aus. Dir steht eine ansehnliche Laufbahn bevor, wenn du dich dafür entscheidest, dem Wohl der nächtlichen Stadt zu dienen.«

Ich schwieg verdutzt. Was denn für Potenzial? Eine ansehnliche Laufbahn? Verstand ich richtig? Ich hatte mich soeben mit fremden Federn geschmückt und steuerte jetzt unverdient auf einen höheren Posten zu? Du liebe Güte … Ich wusste nichts zu erwidern. Außer ungläubigem Kopfschütteln brachte ich nichts zuwege, während Savanna ihre Haltung löste, schmunzelnd meinen Oberarm fasste und mich weiter den Gang entlangschob.

»Mach dir keine Sorgen. Ich habe einst auch die Rune der Ersten gezogen. Du befindest dich in bester Gesellschaft. Und dass du weitreichende Entscheidungen fällen und mit den Konsequenzen leben kannst, hast du doch bereits bewiesen«, zog sie mich auf. »Rhaga wird sich schon beruhigen. Ihr seid bald gleichgestellt.«

»Die störrische Ziege?«, vermutete ich.

Savanna lachte ein helles fröhliches Lachen, das mir allmählich die Furcht nahm, während wir jetzt wie Vertraute nebeneinander hergingen. Wir stiegen eine breite Treppe hinauf, die uns in einen auf einer Seite von offenen Rundbögen gesäumten Flur führte. »O du fabelhaftes Geschöpf. Wo hast du nur die letzten Monate gesteckt? Es wird Zeit, dass ich eine Verbündete im Verlies habe.«

»Warum nennt ihr den Saal eigentlich so? Mit dem ursprünglichen Begriff hat er doch nicht das Geringste zu tun. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.« Unser Weg leitete uns an reich verzierten dunkelgrauen Säulen vorbei.

»Weil Sorothez eine ausführende Gewalt ist. Wir machen keine Gefangenen, wir richten sofort. Manchmal auf Befehl Tirithans. Das heißt natürlich nicht, dass wir kopflos handeln«, beteuerte sie. »Unsere Wege sind lediglich kürzer als ihre, unsere Urteile gnadenloser.« Sie blickte mich aus den Augenwinkeln an. »Oder gnadenvoller – das darfst du bald selbst entscheiden. Folgen oder fallen. Es mag bei uns weniger Regeln als in der glanzvollen Stadt geben, die wenigen sind uns jedoch wichtig.«

»Welche sind das?« Konnte nicht schaden, mir die Grenzen aufzeigen zu lassen, ehe ich mich unversehens jenseits von diesen wiederfand. Ich warf einen Blick durch die Rundbögen nach draußen. Auf der gegenüberliegenden Seite erkannte ich die nicht ganz so kunstvoll gestalteten verschachtelten Bauten, von denen diesmal keine Planken herüber verliefen. Befanden wir uns etwa im Trakt der Höhergestellten?

»Töte nur auf Befehl, niemals aus eigenen niederen Beweggründen. Verteidige dich, wenn du angegriffen wirst«, zählte sie auf. »Beschütze, was in der Ordnung über dir steht. Beschlafe nicht, was weit außerhalb deines Ranges liegt. Und vor allem … lass die Finger von Oz.«

Ich sah sie an und schmunzelte. »Warum? Ist er ein Schürzenjäger?«

»Nein. Aber sein Prachtkörper gehört allein mir.« Sie zwinkerte. Dann wandte sie sich zur linken Seite, lehnte sich mit der Schulter gegen eine Tür und schubste sie mit einem ansehnlichen Hüftschwung auf. Dahinter lag ein größeres und offenbar privates Zimmer. Na ja, Gemach traf es wohl eher. Wir traten ein. Sofort begann mein Blick zu wandern. Hohe Decken und mit durchsichtigen blauen Seidenschals verhangene Fenster. Ein riesiges Lager aus unterschiedlichen kunstvoll bestickten Kissen. Silbertabletts. Zierliche Tische auf noch zierlicheren Beinchen. Pomp und Schmuck.

»Und ich dachte, Sorothez sei nicht glanzvoll«, scherzte ich beim Anblick dieses Luxus. Savanna pickte sich eine dunkelrote Beere aus einer Schale voller Früchte, die neben dem Kissenlager stand, und ließ sie sich genüsslich schmecken.

»Ist es auch nicht. Aber wie ich finde ein durchaus lustvoller Ort. Genuss ist bei uns nicht verpönt, sondern wird gelebt.« Sie warf sich rücklings auf den Kissenberg und streckte rekelnd die Arme aus. »Du wirst viel Spaß haben.«

Verlegen rieb ich mir den Oberarm. »Mit neuen Kleidern und etwas Schlaf würde ich mich vorerst begnügen. Ich fühl mich etwas fehl am Platz durch mein schimmernd weißes Äußeres.«

Sie schnalzte mit der Zunge. »Klar. Irgendwo müssen wir ja anfangen. Ich besorge dir ein paar angemessenere Sachen und du ruhst dich ein bisschen aus. Verkriech dich ruhig hier bei mir«, sie wies mit unbestimmter Geste um sich. »Keiner hat Zutritt zu meinen Gemächern, außer ich gestatte es. Vorteil einer Ersten. Du wirst deine Ruhe haben. Schlaf dich aus. Leg deinen alten Rhythmus ab. Sorothez wartet, bis du so weit bist.« Sie erhob sich und spazierte mit grazilen Schritten an den schwingenden Seidenschals vorbei zur Tür.

»Savanna?«, hielt ich sie zurück. Sie drehte sich noch einmal um.

»Ja?«

»Man sagte mir, Blackfeather tragen ihre Schwingen immer offen zur Schau …«, prüfte ich sie.

»Nicht alle. Nur die mittleren und niederen Ränge, zu denen wir Thronfrauen, als Runenerste, nicht gehören«, bestätigte sie, was ich kaum glauben wollte. Und solch eine Laufbahn stand mir tatsächlich bevor, nur aufgrund einer Rune? Ich musterte die attraktive Blondine, die mit ihrer stolzen Haltung das Wort Status geradezu verkörperte. Fab hatte einst angedeutet, dass sie die Frau eines Höhergestellten war, dabei besetzte sie selbst einen hohen Posten.

»Und welchen Rang bekleidet Oz?«

Sie lächelte wissend und durchschaute, nach wem ich eigentlich fragte. »Sie sind Neuntöter, Schätzchen.« Mit einem Zwinkern ließ sie mich allein zurück.

Ich sank auf die weichen Kissen nieder, die mich sanft umschmeichelten und verheißungsvoll in den Schlaf locken wollten. Meine Augenlider wurden bereits schwer. Kein Wunder nach all den aufreibenden Ereignissen. Erschöpft legte mich auf die Seite, schmiegte meine Wange in den samtigen Stoff und schloss müde blinzelnd die Welt aus, in der ich das erste Mal seit Längerem endlich wieder in Sicherheit zu sein schien. Hatte Savanna eben tatsächlich angedeutet, dass Fab und Oz acht Ränge unter uns standen? Oder wollte sie mich nur davor warnen, welchen gefährlichen Aufgaben sie sich stellen mussten? Ehe ich eine Antwort darauf finden konnte, glitt ich bereits in einen tiefen Schlaf.

***

Fab

Über der nächtlichen Stadt kreisend versuchte Fab einen klaren Gedanken zu fassen. Der kalte Luftzug um die Nase tat gut. Er hatte freiwillig die Nachtwache übernommen, um den Kopf freizukriegen. Zu viel war passiert. An den Präfekten von Tirithan, der als Blackfeather die glanzvolle Stadt unterwanderte und sie eiskalt hätte hinrichten lassen, wollte er dabei gar nicht denken. Der miese Verräter. Nur durch Andeutungen des Orakels war Fab überhaupt darauf gekommen, dass er der Vater von Liz oder ihm sein könnte. Zuerst hatte er geglaubt, dass sie und der Stadthalter Blutsbande teilen würden, weil der Präfekt sich ihr gegenüber so gönnerhaft verhalten hatte. Dass es purer Eigennutz gewesen war, um Lijan ausfindig zu machen, traute er dem gewissenlosen Lügner durchaus zu. Letztlich war es Fab ein Trost, dass die unselige familiäre Verbindung nicht ihr Schicksal war, sondern seines. Tragisch, wenn eigenes Blut verlangt, dass man sich gegen Freunde stellt. So oder so ähnlich hatte sich das Orakel bei einer Unterredung mit ihm allein ausgedrückt. Fab hatte sofort begriffen, was sie andeuten wollte. Und jetzt, nach allem, was hinter ihnen lag, bestand für ihn kein Zweifel mehr, dass es der Präfekt gewesen war, der ihm auf der Lichtung den Auftrag erteilt hatte, Lijan unschädlich zu machen. Fabs Sinne hatten sich damals nicht getäuscht – die Ausdrucksweise und das Gebaren eines Whitefeathers. Weil der Präfekt seit Jahren unter ihnen lebte. Lediglich die schwarzen Schwingen hatten Fab auf die falsche Fährte gelockt.

Er flog knapp über die Dächer hinweg und touchierte mit seiner Fußspitze eine von Sorothez’ wehenden Fahnen. Sein Herz wog schwer. Die quälende Erkenntnis bohrte darin, dass Liz so sehr bei ihm sein wollte, dass sie dafür ihre Bestimmung aufgegeben hatte. Herrgott, sie begriff noch gar nicht, dass eine gemeinsame Zukunft unmöglich geworden war. Er schnaufte verbittert. Sie waren vom Regen in die Traufe geraten. Diese verfluchte Rune. Liz hatte sie aus Tirithans heiligem Gefäß gezogen? Er bereute sie nie danach gefragt zu haben. Vorhin im Saal mit den Thronfrauen war er zu überrumpelt gewesen, um besser darauf reagieren zu können. Wäre ihm doch bloß etwas Plausibles eingefallen. Jetzt fühlte er nichts als Zerrissenheit. Die Rune der Ersten war Segen und Unheil zugleich. Ersteres, weil Liz in Sorothez’ Mauern kaum geschützter sein könnte. Als eine der Thronfrauen war sie unantastbar. Letzteres jedoch, weil er den Aufnahmeritus der Obersten kannte. Die Stadt allem voran, lautete die Pflicht, der man dienen musste. Und Liz war eine ehemalige Tochter Tirithans. Sie würden ihre Loyalität prüfen. Und wie könnte das eindrucksvoller geschehen, als sie einen Nahestehenden ans Messer liefern zu lassen. Bald würden die Obersten eine Entscheidung von ihr verlangen, eine Entscheidung, die klar und deutlich zeigte, dass sie an nichts und niemandem mehr festhielt. Keine Frage, Liz musste sich gegen ihn wenden, um in die Gemeinschaft Sorothez’ aufgenommen zu werden. Und er musste es ihr leicht machen, indem er sich auf ihre unterschiedlichen Ränge berief, die ihnen zusätzlich Steine in den Weg legten.

Kapitel 3

Todbringende Bilder im Sekundentakt. Der Dämon stach Fab den Dorn in die Seite, Lijan zog den Silent aus Fabs zusammensackendem Körper, Ibes eröffneter Hals, mein Finger glitt über die Klinge des Wurfsterns, ein Blutstropfen benetzte Tirithans glanzvollen Boden, die Whitefeatherwache trat Fab in den Leib, der Präfekt lächelte. Eine graue Feder löste sich aus meiner Hand und segelte hinab. Und plötzlich wankte ich auf Sorothez’ Planken und fiel.

Ich schreckte so heftig hoch, dass mein Fuß gegen einen der Beistelltische schlug. Die Schale mit den Früchten fiel zu Boden und verteilte ihren Inhalt. Das Scheppern war ohrenbetäubend und jagte spitze Nadeln über meine Haut. Meine Schwingen brachen unmittelbar hervor und mein Herz hämmerte in der Brust.

Es kostete mich alle Mühe, mich zu beruhigen. Ich war in Sicherheit. Hier trachtete niemand nach Fabs oder meinem Leben. Ich sah über die Schulter an meinen schwarzen Schwingen hinauf, als müsse ich mich ihrer Farbe vergewissern. Alles hatte sich zum Guten gekehrt. … Jedenfalls wollte ich das nur zu gerne glauben. Savannas wunderschön ausstaffiertes Gemach unterstrich die friedvolle Stille, die so gar nicht zu meinem inneren Aufruhr passte. Ich stand auf.

Neben dem Lager auf dem Boden erwarteten mich schwarze Kleider, ordentlich aufgestapelt. Eine Auswahl an Gewändern, vermutete ich. Mein Blick wanderte weiter durch den Raum. Himmel, das Zimmer war so groß wie die Gemeinschaftshütte in Silver Crevice. Säulen unterteilten es in einen großen Bereich und zwei kleinere Abteile. Ich ging einige Schritte und entdeckte hinter hauchdünnen durchscheinenden Seidenschals einen kurzen Flur, der in einer Tür mündete. Vielleicht eine Kleiderkammer? Wundern sollte es mich nicht. Als eine Erste lebte man offensichtlich auf gehobenem Niveau. Ich drückte die Tür mit beiden Händen auf, die halb geöffnet plötzlich durch einen Widerstand gestoppt wurde und dann mittels fremder Hilfe aufschwang. Erschrocken blickte ich in das Antlitz eines bis an die Zähne bewaffneten Blackfeathers. Silents wohin man sah. Der Kurzspeer in seiner Hand richtete sich auf meine weiche Mitte. Er neigte den Kopf und beäugte meine für ihn fremde Kleidung. Hätte ich mich nur erst umgezogen. Ich hob beschwichtigend die Hände und trat hinter die durchsichtigen Seidenschals zurück in den Raum. Zu meinem Erstaunen folgte er mir nicht, sondern ließ einfach die Tür zwischen uns zufallen. Ich atmete durch und schüttelte die Kälte ab, die meine Arme bis zum Nacken hinauf überzogen hatte. Bewachte er Savannas Gemach? Oder mich? Jedenfalls war er mit deutlich mehr Waffen bestückt als die Neuntöter. Ich sollte Fab von all den Möglichkeiten berichten, wie die Silents am Körper anzubringen waren. Er schöpfte nicht die Hälfte davon aus.

»Fürchtet Euch nicht vor dem grimmigen Koloss dort draußen. Er bewacht den Aufgang zum Turm.« Eine freundliche Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und musterte den recht klein gewachsenen Mann in reich verzierter wallender Robe, der mit gefalteten Händen neben dem Kissenberg stand. Er war das Gegenteil des Hünen vor der Tür, nicht kriegerischer, sondern eher feingeistiger Natur.

»Wieso? Was befindet sich dort?«, fragte ich verwirrt. Gaben sie vielleicht acht, dass niemand von hier aus ungesehen über den Ausstieg des Turmes verschwand?

»Die Turmkronen, die Anführer unserer Stadt«, sagte er, als verstünde er meine Frage nicht so ganz. »Wenn Ihr Euch neue Gewänder wählen und ankleiden wollt, zeige ich Euch Sorothez.« Er stieß eine verirrte Beere mit dem Fuß an. Sie kullerte gegen den umgestoßenen Tisch.

»Wer seid Ihr eigentlich?« Wenn ich endlich Orientierung erlangen wollte, sollte ich mehr Fragen stellen.

»Verzeiht mir, ich dachte, Savanna hätte Euch in Kenntnis gesetzt. Ich bin Wallace, die linke Hand der Ersten. Zu Euren Diensten.«

Zu meinen … Ich runzelte die Stirn. »Heißt es nicht eigentlich rechte Hand?«

Er lächelte galant. »Nicht in meinem Fall, nein. Ich bin weder eigenständig handelnd noch sonderlich wichtig. Meine Aufgaben fallen eher in … andere Bereiche«, sagte er mit gesenktem Kinn und eingeschworenem Blick, als würde das etwas erklären. Ich senkte ebenfalls das Kinn, betrachtete ihn aber mit Argwohn.

»Andere Bereiche …«, wiederholte ich und hoffte, er würde Licht ins Dunkel bringen. Als er nur abwägend die fein geschwungenen Lippen schürzte, setzte ich nach. »Wie Ihr sicher erfahren habt, war ich bisher eine Tochter Tirithans. Ihr werdet mir in solchen Dingen auf die Sprünge helfen müssen. Keine falsche Scheu.«

Jetzt seufzte er beinahe erleichtert, seine blauen Augen hellten sich auf. »Genau das wollte ich eben ergründen. Savanna sagte schon, Ihr würdet mich überraschen. Positiv, wie ich feststellen darf.« Es klang wie ein Lob, zeugte aber wohl auch davon, dass er umgängliches Verhalten nicht zwingend von mir erwartet hatte. »Meine Rune wies mich dem zweiten Rang zu«, fuhr er fort. »Nah an den Obersten, dennoch dienend. Vor meinem Absprung war ich Kämmerer. Eine Aufgabe, die mir liegt. Die Ladys sind oft einsam am Fuße der Turmkronen, müsst Ihr wissen. Ich sorge dafür, dass sie sich nicht zu sehr langweilen.«

Wie bitte? Ich musterte das etwas kurz geratene Exemplar eines zugegeben stattlichen Mannes. Sein Antlitz war unbestritten ansprechend. »Ihr liegt bei ihnen?«

Seine Miene erstarrte für den Bruchteil einer Sekunde. Dann brach ein Lächeln hervor. »O nein, das tue ich gewiss nicht. Ich bin keine männliche Hure, falls das Euer Eindruck sein sollte.« Meine Wangen fingen Feuer. Verlegen räusperte ich mich.

»Nun, dann müsst Ihr etwas konkreter ausführen, was Eure Pflichten sind.« Sein Schmunzeln ließ mich erahnen, dass er es faustdick hinter den Ohren hatte.

»Das ist kompliziert oder auch wiederum nicht … Wo eine rechte Hand pflichttreu dient, gewissenhaft ausführt, Verantwortung trägt und die Bürde einer Herrschaft mit ihrem Handeln stützt, leiste ich nichts dergleichen«, bekundete er ungeniert. »Deshalb linke Hand, mein Mauerblümchen. Ich umgarne, arrangiere, verschweige, verschwöre und stachele an. Ich bin der geheimnisbewahrende Freund. Die Augen und Ohren. Doch sehe ich meist weg und überhöre Dinge, wenn Ihr versteht.«

Ich nickte. »Verstehe. Dann habt Ihr doch etwas von einer Hure«, forderte ich ihn heraus, um zu sehen, wie es um seine Geduld bestellt war. »Oder vielleicht eher einer Amme?«

»Beides, würde ich sagen. Jedenfalls wenn Ihr darauf anspielt, dass ich Träger großer Geheimnisse bin, ohne sie selbst ausspielen zu wollen, und meine Zöglinge gut umsorgt wissen will«, bot er mir souverän die Stirn. Meine Stichelei brachte ihn keineswegs aus der Ruhe.

»Ihr seid clever«, räumte ich ein.

»Ebenso wie Ihr. Und beide umrunden wir erst unseren Gegner, bevor wir das Schwert schwingen, wie es scheint.«

»Darauf könnt Ihr wetten.« Seit der Präfekt meine Gutherzigkeit und Naivität niederträchtig für sein intrigantes Spiel ausgenutzt hatte, war ich ein gebranntes Kind. Nie wieder wollte ich mich derart hinters Licht führen lassen. Ich spazierte zum Kissenlager, schnappte mir den Stapel Kleider vom Boden, hielt eins nach dem anderen zur Beurteilung in die Höhe und entschied mich für die nicht so freizügige Variante eines Kleides, wie Savanna es getragen hatte. »Also, Wallace … Zeigt mir die nächtliche Stadt. Ich habe eine Menge zu lernen.« Ich stellte mich kurzerhand hinter eine der breiten Säulen und streifte Tirithans Glanz ein für alle Mal ab.

»Nichts täte ich lieber«, schmeichelte er. »Wir werden die Lücken schon zu schließen wissen.« Oh, daran hatte ich keinen Zweifel. Sein Auftreten troff geradezu vor gefährlichem Charme. Er schloss sicherlich eine Menge Lücken, wenn auch nach eigenem Belieben.

Mit angelegten Schwingen marschierten wir kurze Zeit später die Gänge entlang. Wallace hatte mir geraten, sie noch eine Weile demonstrativ zu zeigen, um mich selbst als eine Tochter Sorothez’ zu akzeptieren. Was meiner Meinung nach unnötig war, aber ich wollte mich nicht gleich sträuben. Offenbar hatte ich die komplette Nacht verschlafen. Jetzt war es taghell und somit recht still. So viel zum Ablegen des gewohnten Rhythmus. Nur wenige begegneten uns auf unserem Spaziergang. Die meisten Blackfeather ruhten. Savanna, vermutete ich, in den Armen eines breitschultrigen Neuntöters.

Wir befanden uns unverkennbar in den oberen Etagen der Stadt. Viele lichtdurchflutete Flure. Die sonst dunkel anmutenden Gänge wiesen hier wiederkehrende Aussparungen in der Decke auf. Deshalb waren, zumindest tagsüber, keine Fackeln oder Laternen notwendig.

Wallace, der die ganze Zeit stramm voranmarschierte, hatte mich noch nicht zu meiner Geschichte befragt. Was bedeuten mochte, dass er bereits alles Nötige erfahren hatte. Oder es interessierte ihn schlicht nicht. So ganz konnte ich mir keinen Reim auf ihn machen. War er einer der Guten? Zweifellos nützlich. Aber auch loyal? Ich entschied mich ihm vorerst nicht zu trauen.

»Warum sind zwei der Thronstühle unbesetzt gewesen?«, trieb mich die Neugier um.

»Nun, einen davon werdet Ihr ja nun bald besetzen. Es herrscht ein relativer Mangel an weiblichen Feather in Sorothez. Ein Umstand, dem die Whitefeather sich gewiss nicht zu stellen brauchen. Ihre Grundsätze üben scheinbar größere Anziehungskraft auf Anwärter des zarten Geschlechts aus. Hier zieht sich das Fehlen weiblicher Kräfte jedenfalls durch alle Schichten.«

»Sorothez setzt mehr auf hierarchische Strukturen als Tirithan?«

»Die Whitefeather mögen den Grundsatz Ordnung für sich in Anspruch nehmen, aber wir sind dennoch dazu ermächtigt, einer eigenen zu folgen«, belehrte Wallace mich. Na von mir aus.

»Wo essen die Blackfeather?«, wechselte ich das Thema.

»Sorothez verfügt über eine ganze Reihe größerer und kleinerer Wirtschaften«, antwortete er weiterhin über die Schulter und führte mich auf einen offenen Balkon hinaus, der im Gegensatz zu den unzähligen Absprungmöglichkeiten von einer kniehohen Mauer eingefasst war. Wallace streckte seinen Arm aus. »Dort das Salvation, da drüben das Dark Jewel. Weiter Richtung Grundfesten liegen die Mistel und Collins. Das Wound solltet Ihr zwingend meiden. Da verkehrt nur Bodensatz.«

Ich hob skeptisch die Brauen. »Die Blackfeather hegen eine Vorliebe für aussagekräftige Namen, oder?«

»Vielleicht nicht so glamourös, wie Ihr es gewohnt seid, aber unmissverständlich und ehrlich«, entgegnete er und entlockte mir damit ein vages Lächeln.

»Dann bin ich hier richtig.«

»Woran Eure Schwingen nicht den geringsten Zweifel lassen.« Er wandte sich mir zu, verschränkte erwartungsvoll die Arme und musterte mich aus tiefblauen Augen. »Ich nehme an, Ihr ahnt noch gar nicht, was Eure Wandlung für einen Aufschrei verursacht hat?«

Entgeistert erwiderte ich seinen Blick. »Was genau meint Ihr damit? Weil eine der Thronfrauen« – wie hieß die Störrische noch mal? – »am liebsten meine Aufnahme verweigert hätte?«

»Dass Euch erst einmal Misstrauen entgegenschlägt, ist kaum verwunderlich. Die Seiten zu wechseln ist nicht gerade vorgesehen«, sagte er, runzelte die Stirn und schaute mit ernster Miene raus auf die Stadt. »Ich kann mir nicht vorstellen, welche Kräfte in Euch gerungen haben müssen, um solches zu vollziehen. Aber nein, ich spreche von den verstörenden Nachrichten aus Tirithan.«

»Welche Nachrichten? Was ist denn passiert?« Jetzt war ich alarmiert. Hatten meine Wandlung und der Überfall der Rotte weitere Unruhen nach sich gezogen oder meinte er die Sache mit dem Präfekten?

Wallace löste seine Haltung und spähte unschlüssig Richtung Gang. »Nichts als Geflüster, meine glanzvolle Schönheit«, schwächte er seine eigenen Worte ab und verfiel scheinbar lieber wieder in Schmeicheleien.

»Hört auf, mich mit süßen Worten einwickeln zu wollen. Ich bin nicht eines Eurer Mädchen.«

Amüsiert kräuselte sich sein Mundwinkel, als er mich von unten herauf ansah. »Seid Ihr denn irgendjemandes Mädchen?«

Ich neigte den Kopf. »Sollte ein Mann in Eurer speziellen Position das nicht bereits in Erfahrung gebracht haben?« Das Getänzel um Worte verärgerte mich.

Er nickte anerkennend. »Ich bewundere Eure Art zu antworten, ohne wirklich etwas zu sagen. Ich sehe schon, Euch muss ich in der Hinsicht nichts mehr beibringen. Wollt Ihr ihn sehen?«, spielte er offenkundig auf Fab an und schien mehr zu wissen, als er preisgab.

»Wenn ich es wollte, würde das Eurem Talent, Dinge zu arrangieren, wohl gefällig sein«, hielt ich mich bedeckt.

Ein wissendes Lächeln zierte seinen Mund. »Ihr liebt ihn doch nicht etwa, diesen schwarz geflügelten Bastard?« Meine Brauen zuckten überrascht. Warum nannte er ihn so? Wusste er etwa um die Bedeutung seines Namenskürzels?

»Würdet Ihr mich vor solch törichten Empfindungen warnen?«

»Durchaus.«

»Was zeichnet in Euren Augen einen Bastard aus?«

»Nun, bezogen auf unsere Gesetze sind sie Sprösslinge aus unerwünschten Verbindungen.« War Wallace vielleicht mit den Absprachen zur Beseitigung solcher Kinder vertraut? Ich schloss meine Hand zur Faust.

»Was sagt es Euch, dass ich weiße Flügel getragen habe, um Tirithan Ehre zu machen, und jetzt schwarze besitze?«, prüfte ich ihn weiter.

Er seufzte. »Dass wir im Grunde alle Bastarde sind.« Meine Hand entspannte sich wieder. Sein Gemüt schien eine Menge dunkle Geheimnisse mit unverkennbar stoischer Gelassenheit zu verkraften.

»Was für verstörende Nachrichten haben Euch aus Tirithan erreicht?«, wandte ich mich wieder der drängenderen Frage zu. Auch wenn Wallace mir vermutlich keine verbindliche Antwort geben würde. Diese Marotte durchschaute ich allmählich.

»Da sich jegliche Korrespondenz zwischen den Städten meiner Kenntnis entzieht, wären es sicher nichts als Gerüchte, die mir zu Ohren gekommen sind. Bezogen auf die kürzlich erfolgten Wandlungen und die allseits bekannte Arroganz der Whitefeather sicher ein Aufschrei moralischer Entrüstung.«

»Worin allerdings nichts wirklich Überraschendes oder Verstörendes läge. Wenn die Whitefeather mehr nach Sorothez’ Maßstäben handeln –«

»Dann, meine clevere Hoheit, würden die Aufschreie wohl aus den Kehlen gerichteter Feather emporsteigen.«

Mein Atem stockte. Ich starrte Wallace an, der keine Anstalten machte, mir mehr preiszugeben. Hatte er eben tatsächlich angedeutet, dass es in Tirithan Hinrichtungen gegeben hatte? Mehrere? Und er hatte sie mit meiner Wandlung in Zusammenhang gebracht. Meine Gedanken überschlugen sich. Warum hatte er von Feather gesprochen? Das sagte man nur, wenn man gleichermaßen beide Lager meinte. Aber außer uns, Oz und der Rotte war niemand mit schwarzen Schwingen in Tirithan gewesen. Und wir hatten alle gemeinsam den irisierenden Tunnel durchflogen. Auch den miesen Präfekten konnte er nicht meinen, oder doch? Er hatte durch meinen Hieb geblutet. Vielleicht sich dadurch verraten. Sprach er von der Hinrichtung des Präfekten? Das würde Sorothez allerdings verstören.

»Bringt mich zu Savanna. Bitte.« Ich musste sofort mit ihr sprechen.

»Aber natürlich.« Er gebot mir mit ausladendem Arm, ihm vom Balkon zurück in den Gang zu folgen. Ich eilte ihm flinken Schrittes hinterher. Mein Herz pochte, während mein Verstand versuchte die Schlüsse so lange zu unterdrücken, bis ich mehr wusste. Plötzlich schien die Luft um uns zu flimmern. Ich blinzelte irritiert und fand mich zu meinem Erstaunen unversehens an einem völlig anderen, dunkleren Ort wieder.

»Was zur Hölle …? Wie habt Ihr das gemacht?«, fragte ich verwirrt und drehte mich herum. Hinter mir erhob sich eine starre Wand, belagert von allerlei aufgestapeltem Kram – Kisten, Stühle, Decken –, vor uns ein langer, von wenigen Laternen erhellter Gang.

»Ein anderes Mal«, vertröstete er mich. »Jetzt bringe ich Euch erst einmal, wie Ihr gewünscht habt, zur dritten Thronfrau.«

Kapitel 4

Als ich den abgedunkelten Raum betrat, der mit seinem Kamin und den noblen Stühlen wie ein Ort für Versammlungen anmutete, bemerkte ich als Erstes Fab. Eindringlich schien er Savanna zu beschwören, bevor sein Blick mich erfasste und augenblicklich betreten zu Boden wanderte. Mit stockendem Atem betrat ich das Zimmer. Wallace beugte sich nur kurz durch die Tür herein, nickte ergeben, als liefere er mich wie bestellt ab, und verschwand.

»Liz …«, die reizende Oberste Blackfeather drehte sich in meine Richtung und öffnete ihre Arme, um mich willkommen zu heißen. »Du siehst wunderbar aus in den neuen Gewändern. Ich hatte Wallace gebeten, dir einige zu bringen.« Ich durchschaute sofort, dass sie ihre Unterhaltung mit Fab meinetwegen hatte enden lassen.

»Das war nett von dir. Wallace hat mich ein wenig herumgeführt«, stimmte ich in ihre unverfängliche Art mit ein und konnte die Augen nicht von Fab abwenden, der mich ignorierte.

»Du hast sicher viele Fragen.« Und ob ich die hatte. Allem voran wollte ich endlich wissen, was in Tirithan los gewesen war, nachdem sich meine Schwingen schwarz gefärbt hatten.