Blamiere Dich täglich - Jürgen (Dissy) Disselhoff - E-Book

Blamiere Dich täglich E-Book

Jürgen (Dissy) Disselhoff

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Beschreibung

Kurzgeschichten zum Schmunzeln wie jeder sie schon mal erlebt haben könnte. Ideal als Bettlektüre, jede Geschichte ist eine abgeschlossene Einheit. Sehr gut zum Vorlesen geeignet

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Seitenzahl: 83

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Alter Bekannter

Alexa ist noch nicht perfekt

Die rote Krawatte

Die Müllabfuhr kommt

Frau Aldi backt am Besten

Sauna auf schwedische Art

Bada bastu

Holz vor der Hütte

Meine neue PIN

Chefarztbehandlung

Gummistiefel – Größe 46 ½

Erwin ist pingelig

Erinnerung an Oskar

Samstag war alles anders

Was gibt´s Neues

Befehl ist Befehl

Der schwarze Mantel

Wie geht´s – alles klar?

Fitness mit Katze

Nur zur Übung

Kölner Karneval

Sturmtief „Hildegard“

Martinstag

Stammtisch

Alarm in London

Anruf von „keine Ahnung“

Trödelmarkt

Hühnerfrikassee

Die Hotline

Die Steuererklärung

Der Traktorspezialist

Nicht mein Tag

Unerwarteter Applaus

Pfifferlinge

Angeln ist schön

Vorwort

Jeder hat sie schon erlebt, die „kleinen Geschichten, die das Leben schreibt.“

Manchmal peinlich, manchmal amüsant und alle haben etwas gemeinsam, sie sind es wert erzählt zu werden. Bisweilen geraten sie in Vergessenheit und dann plötzlich, in irgendeiner Situation fällt dir wieder ein: Da war doch was? Das habe ich doch schonmal erlebt und wie war es ausgegangen? Oft ist der Ausgang der Geschichte recht unspektakulär, aber manchmal endet es auch im Chaos. Ob es für andere auch lustig oder amüsant ist, kann man zunächst nicht eindeutig beantworten. Aus diesem Grund begann ich die kleinen Anekdoten aufzuschreiben und dem Freundes- und Bekanntenkreis zu präsentieren.

Und? – siehe da, die Resonanz war durchweg positiv und ich konnte dem oder der Ein oder anderen etwas Sonne in den Tag zaubern.

Nicht jede Geschichte ist auch für jeden lustig. Manchmal reicht es für ein Schmunzeln und manchmal lacht man Tränen. Beides ist erwünscht und lässt uns etwas fröhlicher durch den Tag kommen.

Sich auch mal zu blamieren, dass gehört einfach zum Leben dazu. Auch wenn wir selbst nicht darüber lachen können, amüsiert es vielleicht andere umso mehr. Geschichten und Ereignisse geraten schnell in Vergessenheit, das haben sie (meistens) nicht verdient…!

Alter Bekannter

Vor ein paar Jahren, als ich noch des Öfteren mit dem Zug unterwegs war, schlenderte ich durch die Bahnhofsvorhalle in Bad Kreuznach. Keine Eile, es war ja noch gut eine halbe Stunde Zeit, bis mein Zug kommen sollte.

Eine Zeitung wäre jetzt nicht schlecht, dachte ich so bei mir und ging auf den Zeitschriftenshop zu. Mein Blick fiel auf einen groß gewachsenen Mann, etwa in meinem Alter, der genau entgegengesetzt unterwegs war. Irgendwie kommt der mir bekannt vor, dachte ich.

Etwa zwei Meter bevor wir uns begegneten trafen sich unsere Blicke und wir lächelten beide.

„Und wie geht’s?“, fragte ich, weil ich den Eindruck hatte, dass er mich gerade ansprechen wollte.

„Och, ganz ok und selbst?“, antwortete er und lächelte zurück.

„Was soll man machen, es muss immer weiter gehen…!“, antwortete ich und weil ich immer noch nicht wusste mit wem ich es zu tun hatte fragte ich neugierig: „Und daheim? Alles in Ordnung?“ Jetzt würde ich bestimmt einige Informationen bekommen, die vielleicht meine Gedächtnislücken schließen konnten.

„Ja, alles beim Alten…“ antwortete er und: „was soll sich schon ändern.“ Jetzt war es an der Zeit die Bekanntschaft zumindest örtlich einzuschränken und ich konterte mit:

„Wohnst Du eigentlich noch in… (extra lange Pause)“ und nochmal: „in…, hilf mir mal!“

„Wallertheim!“, sagte er und ich war enttäuscht. _Wallertheim war ja wohl genau die falsche Richtung. Irgendein Ort in der Nähe meines Heimatortes hätte unendlich Gesprächsstoff gebracht, aber Wallertheim? Du mein lieber Gott, wer wohnt denn dort…?

Das half mir jetzt überhaupt nicht weiter. Aber er setzte nach: „und Du in…?“

„Monzingen!!“, sagte ich selbstbewusst und man hörte förmlich die Ausrufezeichen.

Ich dachte, das muss er jetzt erst einmal verkraften. Ich hatte so eine Ahnung, dass es ihm ähnlich wie mir ging und er auch nicht so genau wusste, woher wir uns kannten.

Bis zu diesem Zeitpunkt war unser Gespräch etwa zwei Minuten alt und wir waren beide keinen Schritt weitergekommen.

Jetzt hieß es Attacke!!! Und ich sagte mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen: „Jetzt hilf mir mal…, ich überlege die ganze Zeit woher wir uns kennen?“

Er lächelte genauso zurück und meinte trocken: „Ich auch!“

Wir verbrachten noch etwa 10 Minuten damit unseren gesamten Werdegang miteinander abzugleichen. Bundeswehr, Schule, Verwandtschaft, Bekanntschaft, Hobbys, alles, was möglicherweise eine Verbindung bedeuten könnte.

Nichts, aber auch rein gar nichts, wies daraufhin, dass wir uns jemals begegnet waren und doch wusste jetzt jeder vom anderen mehr, als man von einem guten Bekannten normalerweise weiß.

Wir gaben einander die Hand, lächelten und verabschiedeten uns und werden uns, wenn es der Zufall nicht anders will, wahrscheinlich nie mehr wiedersehen.

Schade, war eigentlich ein ganz Netter, der Friedhelm aus Wallertheim.

Alexa ist noch nicht perfekt

Moderne Kommunikationsmittel wie Alexa haben mittlerweile eine fast perfekte Sprachsteuerung. Voraussetzung ist aber eine klare und deutliche Aussprache, damit Alexa die gewünschten Anordnungen auch ausführen kann.

Meine Frau spricht sehr gut Deutsch und kennt die Grammatikregeln in der Theorie aus dem Stehgreif. Dennoch hat sie einen unverkennbaren leichten schwedischen Akzent, den ich schon immer an ihr liebe.

Darüber ist auch schon der ein oder andere Witz gemacht worden. Ich erinnere mich an den Monzinger Weihnachtsmarkt, als mich ein Bekannter fragte: „Deine Frau hat so eine nette Aussprache, wo kommt die denn her?“ Mit meiner Antwort: „vom Glühweinstand!“, war er nicht unbedingt zufrieden, aber durchaus amüsiert.

Ich muss auch zugeben, dass ich den ein oder anderen kleinen grammatikalischen Fehler auszunutzen weiß.

Wenn wir zum Beispiel mal eine Meinungsverschiedenheit haben (ich will es nicht Streit nennen) und ich sie dann, wenn sie richtig in Fahrt ist, ins „richtige Deutsch“ korrigiere, hebt das unser Gespräch auf ein ganz neues Niveau.

Es amüsiert mich auch, wenn sie mit Alexa kommuniziert und Alexa dann etwas ganz anderes wiederholt. Wir nutzen zum Beispiel die Funktion „Einkaufsliste erstellen“ sehr gerne. Ihr glaubt gar nicht, was schon alles bei uns auf der Einkaufsliste stand, wenn meine Frau sie diktiert hatte. Wenn ich dann die gleichen Artikel wiederhole, zudem noch kauend und mit vollem Mund und Alexa ohne zu widersprechen alles korrekt ausführt, dann versteht sie die Welt nicht mehr. Dabei spricht sie wirklich ein ausgezeichnetes, nahezu fehlerfreies Deutsch. Es kann sich also nur um eine Fehlfunktion bei Alexa handeln.

PS: Die letzten beiden Sätze musste ich schreiben, weil sie gerade hinter mir stand!

Die rote Krawatte

Meine Laune an diesem Morgen war ausgezeichnet. Mein Terminplan ließ mir ausreichend Zeit, um auf der Fahrt zu meinem ersten Kunden eine kurze Rast einzulegen. Mein dunkler Anzug saß wie angegossen und als Farbtupfer hatte ich eine rote Krawatte gewählt.

Es gibt ja die Theorie, dass die farbliche Gestaltung der eigenen Kleidung beim Gegenüber bestimmte Emotionen auslöst.

Rot bewirkt gute Laune, glaube ich…!

Ich stoppte auf dem Parkplatz einer Raststätte an der Autobahn A 6 in Richtung Nürnberg. Beim Öffnen der Fahrertür fiel mein Blick auf einige Papierchen, die im Seitenfach lagen, die ich kurzerhand mitnahm, um sie in einem Mülleimer zu entsorgen.

Es waren nur wenige Meter zum großen Müllkübel, den man aufschieben musste. Fast alle großen Müllkübel sind mit einer Sperre ausgestattet, so dass man sie nur 30 cm öffnen kann. Das ist auch gut so, sonst kommen einige besonders Schlaue auf die Idee, ihren Sperrmüll an der Autobahnraststätte zu entsorgen.

Ich schob den Deckel auf und warf meinen Papiermüll hinein. Im selben Augenblick stockte mir der Atem.

Ich hatte zusammen mit dem Papier meinen Autoschlüssel in den Kübel geworfen!! Sofort schob ich den Deckel erneut zurück und versuchte meinen Schlüssel zu entdecken. Der Müllkübel war ungefähr halb voll und roch nach – Müll. Brusthoch ist so ein Behälter und silbergrau.

Nichts zu sehen von meinem Autoschlüssel – so eine verdammte Scheiße!!! Ich stand vor dem Müllkübel und schüttelte den Kopf, warum passiert mir so was? Warum werde ich immer mit solchen Ereignissen bestraft? Der Tag hatte eigentlich so gut angefangen!

Ich schob erneut den Deckel nach hinten, soweit es ging und glaubte zwischen

Dosen, Flaschen und irgendwelchen Essensresten meinen Autoschlüssel zu sehen. Er blinkte in einer Lücke zwischen einer Bananenschale und einer Würstchendose, aber so tief unten, dass ich keine Chance hatte dran zu kommen. Ich musste das irgendwie schaffen.

Ich stütze mich mit beiden Armen an der Kübelkante ab und stemmte mich hoch, dabei schloss sich die Kübelklappe und klemmte meine Finger ein. Ich hatte Tränen in den Augen. Nicht wegen der Schmerzen, sondern wegen meiner Wut auf die Situation.

Als ich es endlich geschafft hatte, mit beiden Beinen im Müllkübel zu stehen, tauchte ich vorsichtig unter die Schiebeklappe ab und versuchte

zwischen Würstchendose und Bananenschale meinen Autoschlüssel zu greifen. Ja, ich hatte ihn!!! In diesem Moment schob jemand die Kübelklappe nach hinten und ich streckte den Kopf durch die Lücke und schaute in die erschrockenen Gesichter eines älteren asiatischen Ehepaares. Ich lächelte und sie lächelten zurück.

Da ist was dran, dass eine rote Krawatte – gute Laune bewirkt – glaube ich!

Die Müllabfuhr kommt!

Gewöhnlich kommt die Müllabfuhr bei uns montags, manchmal auch dienstags, wenn montags Feiertag ist oder es aus anderen Gründen nicht geht. Wer ist zuständig, den Mülleimer rauszustellen? Ich! Gewöhnlich erledige ich das am Abend vorher, denn man weiß nie, wie früh die Jungs kommen.

Aber, wie das mit zunehmendem Alter so ist, vergisst man schon mal was. Lange Rede, kurzer Sinn – ich hatte es vergessen.

Als ich mir gerade einen Kaffee machen wollte hörte ich das typische Müllwagengeräusch – schnelles Anfahren – Bremsen, schnelles Anfahren – Bremsen.

Verdammt, der Mülleimer! Ich in Unterhose, barfuß mit blauem TuS Monzingen Shirt raus an die Mülltonnen, ein kurzer Blick in die Nachbarschaft – welche Tonne? Blau hatten meine Nachbarn entschieden. Die Papiertonne - ausgerechnet die, da hatte ich vorgestern noch die halbe Bibliothek ausgemistet und Zeitschriften und Bücher sind schwer!

Gerade noch rechtzeitig kam ich an den Straßenrand und übergab die Tonne dem lächelnden Müllmann, mit Boxershorts, barfuß bei geschätzten ein Grad Celsius. Der Müllmann hatte vermutlich gedacht, der kann nicht ganz klar im Kopf sein. Hatte sich jedoch aus Zeitmangel jede Bemerkung verkniffen.