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Yaris zog vor drei Jahren mit seinen Eltern und seinem Bruder in die Schweiz, da sein Vater ein Jobangebot erhalten hatte. Er wuchs auf der Jekyll Island, Amerika auf. Dort durfte er eine schöne Kindheit verbringen. Der Umzug in die Schweiz schlägt ihm noch immer aufs Herzen. Doch in der Schweiz standen ihm noch viele Erlebnisse bevor, mit denen er nicht gerechnet hatte.
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Seitenzahl: 119
Veröffentlichungsjahr: 2021
Josianne von Däniken
Blätterteigtaschen
© 2021 Josianne von Däniken
Umschlag, Illustration: Nina Roth
Verlag und Druck:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Hardcover:
978-3-347-35758-7
e-Book:
978-3-347-38205-3
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Blätterteigtaschen
Von Josianne von Däniken
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Der Todesfall
Unfall oder Mord
Das Verhör
Das Basketballspiel
Tobias Geschichte
Ein Spiel mit schweren Folgen
Spiegelbildlich
Gefängnisbesuch
Reinen Tisch
Blätterteigtaschen
Besuch aus Amerika
Friede, Freude und?
Träume erfüllen
Fliegen oder fallen
Wasserkraft
Abschied nehmen
Magnolientränen
«Blätterteigtaschen» ist das Produkt einer Maturaarbeit. Es ist eine Erstpublikation. Um das Buch erstellen zu können, musste ich mich zuerst ausführlich über das Schreiben informieren. Um ans Ziel zu gelangen, brauchte es viel Geduld, Arbeit und Unterstützung. Danke an alle, die mich während des Schreibens unterstützt und ihre Ideen beigetragen haben.
Vorwort
Ich heisse Yaris Robinson, bin 16 Jahre alt und wohne seit 3 Jahren in der Schweiz. Meine Mutter, mein Vater, mein Bruder und ich wohnten in Georgia, Amerika. Wir sind eine afroamerikanische Familie und lebten in einem wunderschönen Haus nahe dem Quicksand-Beach. Mein Leben war unbeschwerlich und ich hatte meine Kindheit am Strand genossen. Ich konnte jeden Tag mit meinem grossen Bruder Angabluu und meiner damaligen Freundin Malaika im Meer baden und Sandburgen bauen. Ich vermisse diese Zeit mit Malaika. Wenn sie da war, hatte ich immer gute Laune. Ich bewundere sie für ihren authentischen Charakter und ihre liebevolle Art, die perfekt zu ihrem Namen passt. Er ist afrikanisch und bedeutet Engel. Wir wollten gemeinsam die High School meistern, doch als ich mit meiner Familie in die Schweiz zog, musste ich von Malaika Abschied nehmen. Seitdem habe ich sie nie wiedergesehen. Zu Beginn vermisste ich sie schrecklich, doch nun wurde dieses Gefühl zum Alltag. Mein Leben hat sich hier mitten in der Stadt Zürich für mich komplett verändert und ich habe meistens keinen Spass mehr daran. Hier in der Schweiz bin ich nur mit einer Person befreundet, Marie. Sie ist die einzige Person im Gymnasium, die mich akzeptiert. Sie verkörpert das komplette Gegenteil von mir. Ihre blonden, strubbeligen Haare passen zu ihrem ungeduldigen, aufgeweckten, beinahe enthusiastischen Charakter. Später möchte sie um die Welt reisen und die verschiedenen Kulturen entdecken. Wie man erahnen kann, ist sie eine sehr realitätsferne Person mit einer blühenden Fantasie. Und genau deshalb mag ich sie. Sie erzählt mir die schönsten Geschichten, damit ich für ein paar Minuten lachen kann, ohne an meinen Einzug in die Schweiz denken zu müssen. Meine Familie kam in die Schweiz, da mein Vater ein Jobangebot als Ingenieur erhalten hatte. Warum er dieses Angebot angenommen hatte, verstand ich bis heute nicht, denn wir lebten gut in unserem grossartigen Haus auf der Jekyll Island. Wahrscheinlich wollte er mehr verdienen. Er ist sehr zielstrebig und eigenbrötlerisch, wodurch er oft Entscheidungen trifft, ohne auf die Empfindungen anderer zu achten. Hier in Zürich besitzen wir eine richtige Villa, aber mein geliebter Quicksand-Beach ist fast 8'000 Kilometer von hier entfernt.
Der Todesfall
Die Badehosen anziehen und zehn Minuten zum Strand fahren, um Baden zu gehen, davon konnte ich nur noch träumen. Stattdessen sass ich im Tram und fuhr zum HawkingGymnasium, einer englischen Mittelschule im Zentrum von Zürich. Deutsch hatte ich schon in meinem ersten halben Jahr in der Schweiz gelernt. Da mir Englisch aber wichtiger war, konnte ich mich für ein englisches Gymnasium bewerben, wo ich Marie kennengelernt hatte, die mich soeben aus meinen Gedanken schüttelte: «Yaris? Schon wieder in Gedanken versunken?» Sie drehte sich auf dem Sitz um und schaute mir ins Gesicht. «Kopf hoch. Wenn wir das Gymnasium abgeschlossen haben, fliegen wir gemeinsam nach Amerika zu deinem Heimatort.» Ich wollte ihr sagen, dass dies nicht so einfach war, da meine Eltern die Reise nicht finanzieren würden, stattdessen erwiderte ich nur: «Wir werden sehen.» Das Tram hielt plötzlich an, obwohl das Gymnasium noch ausser Sichtweite war. Marie wurde nervös und zeigte auf die Strasse: «Schau mal, da draussen ist aber ordentlich was los!» Ein Polizeiauto, ein Krankenwagen und ein Notarzt hielten vor unserem Tram und versperrten die Abzweigung zum Hawking-Gymnasium. «Da liegt eine Person am Boden!», schrie Marie, als auch ich wenige Sekunden später einen Jungen am Boden entdeckte, welcher von einer Polizistin zugedeckt wurde. Auf der Strasse war Blut zu sehen. «Das sieht nicht gut aus», deutete ich bedrückt auf den Jungen hin. Der Tramfahrer bat alle Fahrgäste auszusteigen, denn es gab keine Möglichkeit dem Unfall auszuweichen. Mit zitternden Knien stand ich auf und ging mit Marie nach draussen. Wir mussten die Strasse überqueren, um zur Schule zu gelangen. Dabei entdeckte ich hinter dem Polizeiauto einen grossen Jungen mit kräftigem Oberkörper, langen schwarzen Locken und den altbekannten gelben Sneakers. Kein Zweifel mein Bruder Angabluu, der völlig durcheinander der Polizei zu helfen versuchte. Ich fragte mich, was er hier machte, denn eigentlich hatte er doch heute auch Unterricht. Er ging die letzten zwei Jahre auch ins Gymnasium. Dies hatte er nun hinter sich und studierte Sportwissenschaften. Ausserdem kämpfte er mit psychischen Problemen, die ihn oft in den Wahnsinn trieben. Trotzdem kam ich schon immer gut mit ihm aus. Wenn er keine Nervenzusammenbrüche durchlebte, dann verhielt er sich sehr liebenswürdig, verständnisvoll und hilfsbereit. Deshalb verwunderte es mich nicht, dass er tatkräftig versuchte, den Polizisten zu helfen, welche seine Hilfe aber nicht wirklich akzeptieren wollten. «Kommst du Yaris, wir kommen noch zu spät zur Schule.», sagte mir Marie und tänzelte ungeduldig von einem Bein auf das andere. «Geh schonmal los, ich möchte noch mit Angabluu sprechen.» Ich winkte meinem Bruder zu, welcher sofort über die Strasse zu mir rannte. «Was machst du hier, Angabluu?» Ausser Atem antwortete er mir: «Ich sagte doch gestern, dass ich heute Morgen keinen Unterricht habe.» Ohne mich anzuschauen, da er nicht wollte, dass ich seine verweinten Augen sah, erklärte er die Lage noch genauer: «Ich hatte vorhin einen Nervenzusammenbruch, so dachte ich mir ich könnte ein wenig spazieren gehen und dann sah ich plötzlich, wie jemand auf dem Fahrrad genau vor mir von einem Auto angefahren wurde. Das Auto fuhr einfach weiter und ich rannte sofort zum verunfallten Jungen. Er war am Kopf verletzt und ich versuchte die Blutung zu stillen, aber es war unmöglich…», er seufzte und beendete den Satz zutiefst betrübt: «Er verstarb noch bevor der Krankenwagen angekommen war.» Angabluu zitterte ängstlich am ganzen Körper. «Ich wusste nicht, was ich falsch gemacht hatte, wenn sich doch nur die Blutung beruhigt hätte.» Ich versuchte meinen Bruder zu beruhigen: «Du hast alles richtig gemacht. Die Verletzung war wahrscheinlich zu schwer, da hätte auch eine Fachperson nichts mehr ändern können. Soll ich dich nach Hause begleiten?» «Nein, die Polizei will mir noch ein paar Fragen stellen. Geh in die Schule, du kommst sonst zu spät.» Noch während er die Worte sagte, ging er langsam zum Unfall zurück. Ich wartete bis Angabluu beim Unfallort angekommen war und rannte dann so schnell ich konnte in die Schule. Als ich das Klassenzimmer erreicht hatte, klingelte es. Hastig setzte ich meinen Rucksack ab und liess mich neben Marie auf meinen Stuhl nieder. Frau Geiser, unsere Mathematiklehrerin, kam herein, begrüsste die Klasse und setzte sich auf den viel zu grossen Bürostuhl. Sie war eine dünne, kleine, unscheinbare, alte Dame. Sie beherrschte Englisch nicht so gut und sprach deshalb die meiste Zeit Deutsch. Ich fragte mich manchmal, wie sie überhaupt die Stelle erhalten hatte, aber ich fand sie grundsätzlich eine nette, verständnisvolle Lehrerin. Ausserdem konnten alle in unserer Klasse Deutsch, was das Ganze einfacher machte. Frau Geiser erklärte uns eine schwierige Wahrscheinlichkeitsaufgabe, doch ich bekam nur am Rande etwas davon mit, da ich mit meinen Gedanken beim Unfall war. Mir schwirrten unzählige Fragen im Kopf herum: Hatte es Angabluu inzwischen nach Hause geschafft? Hätte es der Junge vielleicht doch überlebt, wenn Angabluu schneller gewesen wäre? Wer war die Person, die den Jungen angefahren hatte? Ich machte mir Sorgen um Angabluu. Ich hoffte, dass er sich nicht selbst etwas antat. Warum musste ausgerechnet er an einen solchen Unfall geraten? Angabluu, der so zerbrechlich und selbstkritisch war. Er sollte zuerst mit sich selbst zurechtkommen, bevor er anderen das Leben retten musste. Wieder wurde ich aus meinen Gedanken gerüttelt, diesmal von der Klingel. Alle stürmten sofort aus dem Schulzimmer heraus. Nur Marie und Ich packten gemütlich unsere Schulsachen zusammen und gingen langsam nach draussen, so konnte niemand auf die Idee kommen mich beim Hinausgehen zu schubsen. Bei jeder Gelegenheit versuchten Noah und seine Clique dies. Wenn es nur das Schubsen wäre, dann würde ich es aushalten können, aber sie ärgerten mich ständig mit blöden Sprüchen oder schlugen mich. Ich hatte ihnen jedoch nichts zu Leide getan. Noah versperrte mir gerade den Weg ins Physikzimmer, doch Marie wusste mir zum Glück zu helfen und schubste ihn zur Seite. Diesen Mut hätte ich nie. Ich könnte nicht einfach jemanden rempeln und schon gar nicht Noah, der beliebteste Gymnasiast und starke Eishockeyspieler. Nie würde ich ihn schon nur mit dem kleinen Finger berühren. Obwohl er zu Beginn einen guten Eindruck machte, wurde er mir immer mehr zum Verhängnis. Seine zuvorkommende Art verblasste mit der Zeit und nun war er mir mit seiner dominanten, ruppigen Art schon gar nicht mehr sympathisch. Komischerweise fielen nur mir diese Charakterzüge auf. Alle anderen der Schule verschmachteten schon nur an seinem Aussehen. Er war gross und hatte schulterlange, schwarze Locken. Wenn ich Noah beschreiben müsste, würde ich ihn als kratzbürstig bezeichnen. Dies könnte auch daran liegen, dass er mir das Leben noch schwerer machte, als dass es eigentlich schon ist. Doch, obwohl er unglaublich hochnäsig war, wollte ich wissen, was hinter seiner Fassade steckte. Denn ich glaubte, dass er eigentlich ganz nett war. Auf jeden Fall verheimlichte er irgendetwas.
Nach den Fächern Physik und Sport war der anstrengende Morgen endlich vorüber. Marie und ich standen in einer langen Warteschlange in der Kantine, um unser Mittagessen zu holen. Zuvorderst an der Schlange stand Noah, wie immer. Nach mindestens zehn Minuten hatten Marie und ich es schliesslich auch an unsere Plätze geschafft. «Hat dir Angabluu noch mehr vom Unfall erzählt?», fragte mich Marie neugierig. Ich wollte ihr nicht erzählen, dass jemand gestorben war, aber ich wollte sie auch nicht anlügen. So erzählte ich dann doch alles was mir Angabluu berichtet hatte. Daraufhin war Marie ganz ausser sich und völlig entsetzt: «Das darf doch nicht wahr sein, denkst du Angabluu kann dieses Erlebnis verarbeiten?» «Womöglich schon irgendwann, aber es wird bestimmt eine Weile dauern, bis er wieder einen freien Kopf hat.» Da kam Marie auf eine Idee: «Ich könnte dich nach der Schule besuchen kommen, dann können wir mit Angabluu Basketball spielen, so wie wir es letzten Sommer immer getan haben. Dies würde uns alle ein wenig ablenken.» Eigentlich hätte ich mich darüber freuen sollen, doch nach diesem speziellen Tag hatte ich nicht mehr Lust darauf, Spass zu haben. Trotzdem konnte ich nicht Nein sagen, also sagte ich einfach: «Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er schon genug Kraft dazu hat, aber ich frage ihn. Grundsätzlich finde ich es eine gute Idee.»
Unfall oder Mord
Wie ich es erahnt hatte, wollte sich Angabluu ein wenig erholen. Dies konnte ich sehr gut verstehen. Marie kam aber trotzdem zu mir. Wir versuchten uns mit Basketball spielen vom vergangenen Tag abzulenken. Ohne Angabluu machte dies aber keinen Spass. So entschieden wir uns dafür, in dem kleinen Wäldchen neben unserem Haus, spazieren zu gehen. «Ich kann einfach nicht aufhören, an diesen Unfall zu denken», gestand ich Marie. «Das kann ich verstehen, aber komm lass das Ganze für ein paar Stunden in Vergessenheit geraten. Da vorne ist eine Lichtung, lass uns dort ein paar Fotos machen.» Ich wollte ihr eigentlich sagen, dass ich lieber wieder nach Hause gehen würde, aber vielleicht würde es mich von meinen Gedanken ablenken, also sagte ich: «Na gut, schiessen wir ein paar Fotos.» Wie zu erwarten, hatte Marie natürlich ihre Kamera dabei. Sie nahm sie überall mit, damit sie jeden schönen Augenblick fotografieren konnte und zu jeder ihrer Erinnerungen ein Foto hatte. Manchmal übertrieb sie eindeutig, aber dies machte ihren Charakter aus. «Dreh dich noch ein wenig nach rechts!», rief Marie mir zu und wollte gerade ein Foto von mir machen, als ich eine Stimme hörte: «Warum ausgerechnet er!» «Was war denn das?», wendete ich mich verwundert an Marie. «Keine Ahnung, lass uns nachschauen. Die Stimme kommt mir bekannt vor.» Wir schlichen ganz langsam in die Richtung, wo das Geschluchzte herkam. «Da vorne wohnt doch Noah?», flüsterte ich Marie zu. «Ja natürlich das war Noah, der gejammert hatte», erwiderte Marie. «Komm, gehen wir besser wieder zurück. Ich will nicht, dass er mich auf seinem Grundstück sieht, sonst werde ich noch verprügelt.» «Es hörte sich aber so an als hätte er wirklich ein Problem, Yaris. Vielleicht können wir ihm helfen.» Ich war nicht damit einverstanden, aber es war fies ihn einfach zu ignorieren: «Also gut, aber du fragst ihn, was nicht in Ordnung ist. Auf dich ist er besser zu sprechen.» «Zuerst müssen wir ihn finden», entgegnete Marie. Wir gingen noch ein Stück weiter, als ich auf einmal eine schwarze Locke hinter einer alten Eiche hervorspähen sah. «Marie, da vorne bei der Eiche sitzt er. Geh du voran.» Marie ging langsam auf die Eiche zu. «Noah, bist du das?» «Haut ab. Ich will allein sein. Ausserdem habt ihr hier nichts zu suchen!» Ich machte schon wieder Anstalten zu gehen, doch Marie machte sich anscheinend Sorgen: «Wir wollen dir doch nur helfen. Ist etwas passiert?» Noah weinte, aber versuchte seine Tränen zu vertuschen. «Und ob etwas passiert ist. Der verunfallte Junge war ein guter Freund von mir, Tobias. Wir spielten in demselben Eishockeyclub. Die Polizei vermutet, dass er ermordet wurde.» Ich war erstaunt. Bevor ich mir es anders überlegen konnte, wendete ich ein: « Aber das ist doch unmöglich. Mein Bruder sah, wie es passierte. Tobias wurde von einem Auto angefahren.» Mein Einwand gefiel Noah gar nicht. «Dein Bruder lügt! Wahrscheinlich hat er
