Blaze (Die Elite 3) - Vivien Summer - E-Book

Blaze (Die Elite 3) E-Book

Vivien Summer

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Beschreibung

**Auch die Liebe kann dich verbrennen** Die Lage in New America hat sich grundlegend verändert. Standen die Träger außergewöhnlicher Fähigkeiten bis eben noch an der Spitze der Gesellschaft, werden sie nun vom Staat selbst verfolgt. Dass Malia unter ihnen zusätzlich eine Besonderheit darstellt, scheint sich wie ein Fluch auf sie zu legen. Wieder einmal ist es ihr ehemaliger Mentor Chris, der sie vor dem Schlimmsten bewahrt, aber seine Nähe entfacht ein Feuer in ihr, das nichts mehr mit ihrem Element zu tun hat. Nach seinem erneuten Verrat wäre es an der Zeit, ihm ein für alle Mal den Rücken zu kehren, aber Malia kann nicht anders, als dem attraktiven Bad Boy eine letzte Chance zu geben und ihm ihr Leben anzuvertrauen… //Alle Bände von Vivien Summers bittersüßen Dystopie-Welt: -- Spark (Die Elite 1)  -- Fire (Die Elite 2)  -- Blaze (Die Elite 3)  -- Dust (Die Elite 4)  -- Die Elite-E-Box (E-Book-Gesamtausgabe) -- Flood (Elite-Spin-off)//

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Vivien Summer

Blaze (Die Elite 3)

**Auch die Liebe kann dich verbrennen** Die Lage in New America hat sich grundlegend verändert. Standen die Träger außergewöhnlicher Fähigkeiten bis eben noch an der Spitze der Gesellschaft, werden sie nun vom Staat selbst verfolgt. Dass Malia unter ihnen zusätzlich eine Besonderheit darstellt, scheint sich wie ein Fluch auf sie zu legen. Wieder einmal ist es ihr ehemaliger Mentor Chris, der sie vor dem Schlimmsten bewahrt, aber seine Nähe entfacht ein Feuer in ihr, das nichts mehr mit ihrem Element zu tun hat. Nach seinem erneuten Verrat wäre es an der Zeit, ihm ein für alle Mal den Rücken zu kehren, aber Malia kann nicht anders, als dem attraktiven Bad Boy eine letzte Chance zu geben und ihm ihr Leben anzuvertrauen …

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Vita

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© privat

Vivien Summer wurde 1994 in einer Kleinstadt im Süden Niedersachsens geboren. Lange wollte sie mit Büchern nichts am Hut haben, doch schließlich entdeckte auch sie ihre Liebe dafür und verfasste während eines Freiwilligen Sozialen Jahres ihre erste Trilogie. Für die Ausbildung zog sie schließlich nach Hannover, nahm ihre vielen Ideen aber mit und arbeitet nun jede freie Minute daran, ihr Kopfkino zu Papier zu bringen.

War dir denn nicht bewusst, dass ich dir wehtun werde?

Dass ich der Albtraum bin, der dich nicht schlafen lässt?

Wir alle wollen etwas Besseres sein, als wir sind,

aber sie haben mich zu einem Monster gemacht.

Prolog

Sie drückte sich an die Wand und beobachtete über den Parkplatz vorm Krankenhaus, wie Christopher darin verschwand. Auch wenn er sich dabei mehrmals umsah, entdeckte er sie nicht. Er bemerkte auch die Waffe nicht, die sie in den Händen hielt, um der ganzen Sache ein Ende zu setzen, wie sie es schon von Anfang an hätte tun sollen.

Lauernd wartete sie im Schatten darauf, dass seine Begleiter ihm ins Krankenhaus folgten.

Sie waren zu dritt: zwei Mädchen, eins davon war Malia, das andere kannte sie nicht, und ein Junge, den sie ebenfalls noch nie gesehen hatte.

Ihr Herz ging in freudiger Erwartung auf. Das wurde ja immer besser! Jetzt musste sie sich nur überlegen, wem von den beiden sie zuerst das Hirn aus dem Schädel pustete. Dem, der sie und jede andere in dieser Stadt immer nur verarscht hatte, oder dem Mädchen, das ihr Chris endgültig weggenommen hatte?

Ach, wen interessiert's, wenn sowieso beide draufgehen? Der, der ihr eben zuerst in die Arme lief, würde dafür die Rechnung kassieren.

Sie warte sicherheitshalber noch zehn Minuten, ehe sie der Rebellengruppe und Chris ins Innere des Krankenhauses folgen und sich so leise wie möglich verhalten würde. Sie hatte nämlich keine Lust darauf, als Erste entdeckt und möglicherweise an ihren Plänen gehindert zu werden – jetzt, wo sie so nah am Ziel war!

Innerlich kicherte sie, während sie über die Flure schlich und sich vorstellte, sämtliches Leben aus Malia und Chris auszuhauchen. Einfach nur, weil sie sich rächen wollte. Einfach nur, weil diese beiden Menschen ihr Leben zerstört hatten. Jetzt würden sie büßen und dafür bezahlen.

Es dauerte eine Weile, bis sie etwas hören konnte, doch sie kostete jede Sekunde des Nervenkitzels bis aufs Äußerste aus und wartete darauf, wer sich ihr zuerst zeigte.

Fast hätte sie darüber laut lachen müssen, als sie doch tatsächlich eine Bewegung am Rande ihres Blickfelds ausmachte und etwas Rotes aufblitzen sah.

Malia, die ihr den Rücken zudrehte. Malia, die blind in ihren Tod tappte. Malia, die sich in diesem Moment so sehr in Sicherheit wähnte, dass es ihr gleich leidtun würde. Von wegen Soldatin! Malia hatte es überhaupt nicht verdient diesen Titel zu tragen, genauso wenig wie das Leben.

Bevor noch einer der anderen hier aufkreuzen würde, hob sie schnell ihre Pistole und richtete sie auf Malia. Sie berührte schon den Abzug, als Chris am Ende des Flures aus einem Krankenzimmer herauskam, die Waffe auf Malia gerichtet.

Für den Hauch einer Sekunde wartete sie darauf, dass er abdrückte, um die Sache noch lustiger zu machen, aber er zögerte – also nutzte sie Malias Starre aus und betätigte den Abzug ihrer eigenen Pistole.

Rasende Freude suchte ihre Adern heim, rauschte durch ihren Körper, als hätte die den Jackpot gewonnen. Vor lauter Adrenalin spürte sie ein Zittern in Armen und Beinen und ein Grinsen schlich sich auf ihre Lippen.

So was nennt sich Karma!, fuhr es ihr durch den Kopf, als sie sah, wie Malia die Hände hob, um ihre Brust abzutasten. In ihren Augen hatte dieses Miststück nichts anderes als den Tod verdient und Christopher Collins allemal. Für jedes Herz, das er gebrochen hatte, sollte er eine Kugel in seines gefeuert bekommen.

Leider war er der deutlich bessere Soldat und erkannte sie als Angreiferin sofort. Er zielte auf sie, drückte so oft ab, dass sie sich schon Sorgen machte, er könnte tatsächlich treffen – ha! Anscheinend hatte Malias Verletzung seine brillanten Fähigkeiten abgeschaltet, sodass sie mühelos fliehen konnte.

Dabei erwiderte sie die Schüsse und hoffte im Eifer des Gefechts auch noch ihn zu treffen. Doch als er die Waffe wegschleuderte und sie das vertraute Glühen des Feuers erkannte, war sie froh die Abbiegung auf dem Flur erreicht zu haben. Ihn würde sie auch noch irgendwann anders erwischen, es eilte nicht.

1

Ich war in meiner eigenen Unendlichkeit gefangen. Ich rannte gehetzt und schwer atmend vor etwas davon, aber ich wusste weder, was es war, noch entkam ich dem.

Umgeben von einer Schwärze, die mir höllische Angst einjagte, lief ich einfach weiter. Kälte und Bewegung machten mich müde. Ich zitterte am ganzen Körper, streckte aber immer wieder die Hand nach dem kleinsten Lichtfunken aus, den ich greifen konnte. Als ich einen erwischte, spürte ich eine Wärme, die sich Sekunde um Sekunde in meinem Körper ausbreitete.

Erst dann war mein Verstand so weit zu verstehen, dass es nicht das Feuer der Hölle gewesen war, das meinen Körper wie eine Würgeschlange umarmte, sondern der Schmerz: der brennende, schreckliche, verdammte Schmerz, der ein Loch in mein Herz gerissen hatte.

Ich kniff die Augen zusammen, um die Tränen zurückzuhalten und den aufkommenden Schrei in ein erbärmliches Keuchen zu verwandeln. Es fühlte sich an, als würde mein Herz versuchen die Wunde wieder zusammenzunähen. Bei jedem Stich – und es brauchte viele – zuckte ich zusammen und hoffte, dass es schnell vorbei sein würde.

Ich versuchte zwar mich abzulenken, mit Chris, mit meiner Familie, aber das war leichter geplant, als es tatsächlich war. Selbst einen einzigen klaren Gedanken zu fassen kostete mich so viel Anstrengung, dass die Nähte in meinem Herz langsam wieder aufrissen. Dann ging alles von vorne los.

Also zwang ich mich ruhig liegen zu bleiben. Der Schmerz drückte mich förmlich auf den harten, kalten Boden, wo ich wie ein Embryo zusammengerollt lag.

Tränen brannten mir in den Augen, als ich langsam, aber sicher die Kontrolle zurückerlangte. Ich öffnete sie, blinzelte einmal, blinzelte zweimal, bis ich wieder etwas erkennen konnte.

Wenn ich ehrlich war, hatte ich das nicht erwartet. Ich dachte, ich würde sterben, dachte, ich würde niemals wieder die Augen öffnen und sehen können, wie zerstört das Leben war und dass ich auf einer noch kaputteren Welt lebte. Ich dachte, ich würde mich nicht mehr daran erinnern können, was passiert und dass ich erschossen worden war. Und das von jemandem, dessen Gesicht ich nicht mal gesehen hatte.

Aber am wenigsten hatte ich erwartet, dass ich alleine aufwachen würde.

***

Als das Zittern langsam aufhörte, wusste ich, dass meine Heilung bald vollendet war.

Meine Haut fühlte sich nicht mehr so taub an, obwohl sich meine Finger immer noch krampfhaft in meine Uniform krallten, als wäre das alles hier nicht real. Ich löste sie vorsichtig und knetete sie, um den Krampf zu lösen und sie zu wärmen. Mit genügend Kraft hätte ich mich bestimmt mit meinem eigenen Feuer wärmen können – aber ich spürte, dass der Heilungsprozess noch nicht abgeschlossen war. Besser war es, wenn ich kein Risiko einging.

Mit großer Mühe und unter Zuhilfenahme der Wand hinter mir schaffte ich es schließlich mich aufzusetzen. Auch wenn meine Lunge sich dabei anfühlte, als ob dünnes Glas zerspränge, hielt ich tapfer durch und wartete so lange, bis die stechende Spannung verschwunden war.

Das Gefühl der Wärme, als mein Blut wieder durch meinen Körper gepumpt wurde, brachte mich zum Schmunzeln.

Ich konnte es immer noch nicht glauben. Hatte ich wirklich überlebt, oder wollte man mir im Jenseits einen Streich spielen? Einer, der definitiv nicht lustig war, denn ich spürte schlagartig die Hoffnung in mir aufkeimen, dass mein Leben weitergehen und ich meine Familie immer noch wiedersehen würde.

Es würde zwar noch ein paar Minuten, maximal eine Stunde dauern, bis ich wieder voll funktionsfähig war, aber die Zeit war es wert. Wenn ich eines gelernt hatte, dann, dass sich das Warten lohnte.

Da mein Kopf auch wieder klarer wurde, stellte ich bald fest, dass es beunruhigend still war. Ich konnte nur meinen erstickten Atem hören, wenn mich das Stechen in der Brust mal wieder daran erinnerte, dass jemand versucht hatte mich zu töten. Und das auch noch von hinten, als hätte derjenige Angst, dass ich sein Gesicht sehen könnte.

Zuerst hatte ich geglaubt, Chris hätte den Schuss abgegeben, da er auf den Flur getreten und im selben Moment seine Waffe auf mich gerichtet hatte. Aber irgendwer hatte mir in den Rücken geschossen und Chris hatte nur auf den Angriff reagiert. Als dann sein schmerzverzerrtes Gesicht vor meinem inneren Auge auftauchte, schlich sich ein kleines Lächeln auf meine Lippen.

Es war wunderschön zu sehen, wie schockiert, verletzt und unfassbar wütend er gewesen war. Die Erinnerung daran half mir dabei die nächsten zwanzig Minuten zu überstehen, ohne vor Schmerzen ohnmächtig zu werden.

Eine ganze Weile lang versuchte ich mir zu erklären, warum ich allein war, fand aber keine. Es konnte alles Mögliche passiert sein, während ich bewusstlos gewesen war. Vielleicht hatte Chris wirklich geglaubt, dass ich tot wäre, und musste mich zurücklassen, weil er durch das Feuer auf dem Korridor zu viel Aufmerksamkeit erregt hatte. Man musste es durch die Fenster auch von draußen gesehen haben.

Wie dem auch sei – ich musste hier weg.

Ich hatte mich an dem Schrank neben mir hochgezogen und kurz gewartet, bevor ich mich in Bewegung setzte. Meine Beine fühlten sich an wie zwei Strohhalme, die bei zu viel Gewicht einfach wegknicken könnten. Ein Kribbeln durchströmte sie, als würden sie gerade erst selbst wieder aufwachen; in den Füßen war es am schlimmsten. Zu stehen war unangenehm, daher machte ich ein paar Dehnübungen.

Während ich an dem Schrank Halt suchte, damit ich nicht gleich wieder hinfallen würde, schleppte ich mich bis zur verschlossenen Tür. Mit einem in der Tür eingebauten Mechanismus öffnete ich sie so leise wie möglich.

Mir war immer noch schwindelig, als ich auf den Flur lugte und versuchte irgendetwas oder irgendjemanden zu erkennen. Da mein Herz immer noch wehtat, ermahnte ich mich Ruhe zu bewahren. Erst, als ich mir wirklich sicher war, dass der Flur leer war, verließ ich den Raum.

Ich wusste nicht, wie lange ich bewusstlos gewesen war. Für mich fühlte es sich so an, als wären es nur ein paar Minuten gewesen, doch der leere Flur bewies etwas anderes. Nur die verbrannten Stellen an den Wänden waren überhaupt ein Beweis, dass hier ein Kampf stattgefunden hatte.

Ein Schauer durchfuhr mich bei der Erinnerung, die mich bei diesem Anblick heimsuchte. Ich hörte es knallen, als Chris schon die Waffe auf mich gerichtet hatte, und das Reißen in meiner Brust war so spürbar, als würde sich das Geschehene noch einmal wiederholen.

Mein Herz prallte mir anklagend gegen die Rippen und bestrafte mich für diesen Gedanken. Trotzdem konnte ich nicht anders und musste das Überbleibsel meines Shirts, das Chris halb zerrissen hatte, um die Schusswunde abzudrücken, hochziehen und nachsehen.

Im diffusen Licht der kalten und flackernden Lampen, die den Flur in ein angsteinflößendes Grün tauchten, wirkte meine Haut grau. Ich starrte verblüfft auf die kleine rote Narbe direkt über dem Herzen. Das getrocknete Blut darum, das im Licht des Flurs eine merkwürdige violette Färbung annahm, bildete ein groteskes Muster. Ich wollte es so schnell wie möglich von mir waschen, um die Beweise der schrecklichsten – einigten wir uns auf – Stunden meines Lebens zu beseitigen.

Abrupt ließ ich das einmal weiß gewesene T-Shirt wieder fallen, als ich erneut einen, diesmal leisen Knall wahrnahm. Es hörte sich an, als wäre am anderen Ende des Krankenhauses eine Tür ins Schloss gefallen und als würde sich das Echo einen langsamen Weg zu mir bahnen.

Erschrocken sah ich in die Richtung, aus der ich glaubte den Knall gehört zu haben, und griff im nächsten Atemzug nach meinen Waffen – aber meine Hände tasteten ins Leere. Ich brauchte nicht mal hinzusehen, um zu wissen, dass sie nicht da war. Weder die Pistole noch das Messer.

Ich verharrte eine Weile und überlegte krampfhaft, was ich jetzt tun sollte. Natürlich könnte ich einfach hierbleiben und darauf warten, dass mich jemand holen kam, aber … Seitdem ich mit Chris' Hilfe einmal aus der Stadt und einmal aus dem Gefängnis geflohen war, wusste ich, dass ich mich schon irgendwie durchboxen konnte. Ich hatte es sogar geschafft einen Kampf gegen drei Soldaten zu überleben. Gut, da hatte ich auch noch meine Waffen gehabt.

Die Chance, hier eine Waffe zu finden, war geringer, als dass ein plötzlicher Schneefall eintreten würde. Wir waren hier schließlich in einem Krankenhaus, verflucht noch mal. Ich könnte vielleicht Operationsinstrumente benutzen, aber den richtigen Raum dafür zu finden würde mehr Zeit beanspruchen, als meine Flucht dauern würde.

Ich hoffte nur, dass mein verletztes Herz die Anstrengung durchhalten und ich es bis zu den Städtern schaffen würde. Noch durfte ich mich schließlich nicht in Sicherheit wiegen – stolz, den Tod schachmatt gesetzt zu haben, war ich aber trotzdem.

Ein Schauer durchfuhr mich, als ich mich in Richtung Treppe wandte, die mich zum Haupteingang führen würde. Dabei hatte ich das Gefühl, als würde ein Monster in unmittelbarer Nähe lauern und nur darauf warten, mir zum zweiten Mal eine Kugel durch den Körper zu jagen. Ich erwischte mich dabei, wie ich mich des Öfteren mit flachem Atem umdrehte und nachsah, ob ich verfolgt wurde. Aber hinter mir war nichts. Ich hörte auch keine Geräusche mehr, kein Türschlagen. Vielleicht hatte ich es mir nur eingebildet?

Bei der Treppe angekommen, zögerte ich einen Moment, wusste aber nicht mal, wieso. Ich machte mir nichts vor: Ganz klar, ich konnte überall abgeknallt werden. Da war es nun wirklich egal, ob es hier oben oder unten im Erdgeschoss passieren würde. Ich selbst schien mir nicht gut genug zu sein mich heil hier herausbringen zu wollen.

Nein, tatsächlich hoffte ich darauf ein vertrautes Gesicht zu entdecken, das mich hier rausholen würde. Vorzugsweise ein männliches mit dunkelbraunen, brennenden Augen.

Die Erinnerung an Chris tat weh. Obwohl ich glücklich gewesen war, weil er bei mir gewesen war, weil er mich hinter seine Maske hatte sehen lassen, rissen mir die Emotionen, die ich hinter ihr hatte erkennen können, den Boden unter den Füßen weg.

Auch wenn er ein Lügner war, was er oft genug bewiesen und auch zugegeben hatte, bezweifelte ich, dass der Schmerz in seinen Augen nur vorgespielt war. Als ich dort auf dem Boden gelegen hatte, blutete und kurz davor war auf die andere Seite gezogen zu werden, war irgendetwas mit ihm passiert, das unsere Beziehung auf eine vollkommen andere Ebene hob.

Zum ersten Mal glaubte ich ihm, dass ich ihm etwas bedeutete.

Zu gerne hätte ich mich davon aufhalten lassen, aber meine Beine trieben mich protestierend weiter, bis ich am Fuße der Treppe ankam und direkt auf die gläserne Tür zuging. Sie wurde schwach von außen beleuchtet, weshalb ich langsamer ging, je näher ich ihr kam. Aber ein kurzer, prüfender Blick genügte und ich stellte fest, dass der Eingangsbereich ebenso verlassen war wie der Rest des Gebäudes.

Ich wusste nicht mal, welcher Teufel mich gerade ritt, als ich einfach und ohne nachzudenken, gegen die Tür drückte – und mit ihr zusammenprallte.

»Au!«, rutschte es mir raus, wofür ich mich im selben Moment verfluchte. Schnell wandte ich mich um, weil ich nachsehen wollte, ob jemand hinter mir war. Dabei knallte ich prompt mit dem Ellbogen gegen die Klinke und verursachte noch mehr Lärm.

Verdammt, was war denn los mit mir?

Ich hätte besser im Krankenzimmer bleiben und warten sollen, dass mich jemand hier sicher rausholte und ich mich nicht selbst noch umbrachte.

Die Tür war also verschlossen. Super Sache. Ich wusste nämlich nicht, wie ich sonst hier herauskommen sollte, ohne doch noch Aufmerksamkeit zu erregen. Die Fenster waren doppelt verglast und besaßen keinen Griff; Frischluft wurde hier ausschließlich über Maschinen ins Gebäude gelassen. Durch meine häufigen Besuche hier wusste ich, dass es mehrere Fluchttüren gab, aber die waren mit einem Alarmsystem verbunden, das die Sirenen einschaltete, sobald sich einer der Ausgänge öffnete. Und das wollte ich eigentlich nicht riskieren.

Aber was hatte ich schon für eine Wahl? Schließlich konnte ich auch nicht einfach die Tür oder ein Fenster einschlagen.

Ich schloss für einen Moment die Augen und dachte nach. Ich durfte einfach nicht daran scheitern. Vielleicht wäre es wirklich besser, wenn ich mir hier ein Versteck suchen und warten würde, bis Chris oder ein anderer Städter mich holen kam. War das nicht die sicherste Variante?

Bevor ich mich dazu hatte entschließen können, tastete ich erneut nach der Klinke, drückte sie herunter und versuchte die Tür zu öffnen. Erfolglos. Ohne nachzudenken, griff ich auch nach der zweiten für den anderen Flügel – und zog sie ohne Probleme auf.

Zählte die Ausrede noch, dass ich gerade von den Toten wiederauferstanden war? Ich hoffte, dass wenigstens das meine Dummheit und Tollpatschigkeit rechtfertigte. Wenn nicht … auch egal. Es war ja schließlich niemand hier, der mich dafür verurteilen konnte.

Plötzlich hörte ich hinter mir wieder dieses Knallen und war mir auf einmal nicht mehr so sicher, dass es wirklich eine Tür gewesen war.

Auch wenn ich mir einredete, klar denken zu können, wurde mir jetzt bewusst, wie wenig das stimmte. Blindlinks riss ich die Tür auf, sodass sie gegen die Wand schlug und ein metallisches Klirren von sich gab, und rannte nach draußen. Es fiel mir schwer meine Füße zu heben, weshalb ich mehr über den Boden schliff, als wirklich lief, aber es war besser als nichts.

Da vor dem Krankenhaus ein großer Parkplatz lag, begab ich mich gedankenlos auf den Präsentierteller und betete nicht noch einmal einen tödlichen Schuss spüren zu müssen. Dieser Gedanke versetzte mich in die Angst, die ich vorhin vermisst hatte, als ich noch dachte, die Geräusche wären nur eine Einbildung gewesen.

Aber das waren sie nicht. Selbst als ich schon einige Meter von dem Eingang entfernt war, hörte ich das Knallen immer noch.

Verfolgte es mich? Höchstwahrscheinlich.

Ich lief weiter; so schnell ich konnte überquerte ich den Parkplatz, während die Geräusche zunahmen. Aber jetzt war es kein Knall mehr. Erst dachte ich, es könnte ein Motor sein, dessen Rattern an mein Ohr drang, aber als ich instinktiv nach oben sah, wurde ich von einem grellen Licht geblendet, das direkt auf mich gerichtet wurde.

Ich spürte, wie mindestens ein Nadelstich in meinem Herzen umsonst gewesen war, denn der Faden platzte plötzlich auf. Ich stand da, als hätte mich der Scheinwerfer in eine Schockstarre versetzt, während mein Herz wieder zu bluten begann. Wie benommen starrte ich nach oben in den pechschwarzen Himmel, der nur von einem gelblich weißen Punkt, so groß wie der Mond, erhellt wurde.

Beinahe krampfhaft musste ich mich von dem Anblick losreißen und den ohrenbetäubenden Lärm ausblenden, der mich schlagartig aus meiner Starre hinauskatapultierte. Ich wusste nicht, wie ich das Geräusch zuordnen sollte, aber es hörte sich an, als würde jemand mit dem Wind kämpfen.

»Feuer einstellen! Wir brauchen sie lebend!«, schrie jemand von weiter weg – und ich lief wieder los.

Egal, wie sehr mein Herz dabei wehtat und egal, wie sehr ich hoffte in die entgegengesetzte Richtung des Rufes zu laufen.

Ich konnte nichts mehr sehen. Das Licht hatte mich so geblendet, dass sekundenlang nur noch ein schwarzer Fleck auf meinen Augen lag und ich nicht bemerkte, wohin ich überhaupt rannte.

»Los, los, los!«

Das Licht verfolgte mich. Zuerst dachte ich groteskerweise, dass es mir den Weg zeigen würde, bis ich schließlich begriff, dass es keine Hilfe für mich war. Natürlich nicht.

Sie wollten mich einfangen. Schon wieder.

New Asia war vor ein paar Wochen in unser Land gekommen, um die Gentherapien aufzuhalten und somit unser Regierungssystem zu stürzen. Bei dem ersten Angriff hatten sie bereits viele Elementsoldaten und –rekruten gefangen genommen oder gleich getötet. Ich hatte es noch aus der Stadt rausgeschafft, bin dort aber schließlich auch gefangen genommen worden.

Christopher hatte ich es zu verdanken, dass ich nicht wie alle anderen exekutiert worden war, sondern immer noch lebte.

Ein weiteres Mal wollte ich nicht durch diese Hölle gehen. Nie wieder. Also ignorierte ich mein rasendes Herz, das sich unter Höllenqualen anstrengte mich zu heilen, und biss die letzten Meter bis zur ersten Hauswand die Zähne zusammen. Obwohl sich meine Augen wieder erholten und ich meine Umgebung zunehmend besser erkennen konnte, knallte ich mit der Schulter gegen die Ecke und bremste mich dadurch selbst aus.

Ich hörte, wie der Stoff meiner Jacke knirschend, aber nur oberflächlich beschädigt wurde. Vielmehr war es der Zusammenprall mit der harten Mauer, der mich für einen Moment aus der Bahn warf und mir die Luft zum Atmen raubte.

Und dieser Moment fehlte mir, um zu reagieren.

Jemand packte mich am schmerzenden Arm, riss mich herum und drückte mich so heftig mit dem Gesicht gegen die Wand, dass ich eine Sekunde lang nichts anderes als Sterne sehen konnte. Ich stöhnte gequält auf. Ein Ellbogen bohrte sich schmerzhaft zwischen meine Schulterblätter, machte mich aber noch nicht bewegungsunfähig.

2

Mit seiner Waffe an meinem Hinterkopf drehte ich mich dennoch um und sah ihm in die Augen.

Christopher reagierte nicht. Er hielt mir immer noch die Waffe an den Kopf, inzwischen auf meine Stirn gerichtet, und starrte mich fassungslos an. Sein Unterarm lag quer über meiner Brust, presste mich weiterhin gegen die Mauer und machte es mir somit unmöglich, mich zu befreien.

Der Moment verlor an Geschwindigkeit. Damit hatte ich Gelegenheit, ihn zu mustern– obwohl ich wusste, dass ich immer noch verfolgt wurde. Am Rande meines Blickfeldes sah ich das Licht der Scheinwerfer wieder aufblitzen, als es beinahe unser Versteck entlarvt hätte.

Mein Herz raste wild bei der Vorstellung, sie könnten uns schnappen, aber noch wilder bei der Hoffnung, wie er auf mich reagieren würde. Würde er mich küssen oder anschreien? Umarmen oder aus Pflichtbewusstsein beschützen?

Ich wusste, dass Chris ein Kämpfer war. Schließlich war er der vielversprechendste Rekrut unserer Regierung. Einer, der sich gegen sein eigenes Land gestellt und dem feindlichen Osten geholfen hatte, nein, eigentlich sogar angeführt hatte, New America einzunehmen. Inzwischen wusste ich, dass es alles nur Mittel zum Zweck gewesen war, weil er das Serum zerstören und eine Botschaft senden wollte. Zwar hatte er dafür in Kauf genommen, dass unschuldige Menschen starben, aber daran versuchte ich im Augenblick nicht zu denken.

Was gar nicht so schwer war, in Anbetracht der Tatsache, dass er mich immer noch anstarrte, als hätte er einen Geist gesehen. Ich nahm es ihm nicht übel; schließlich starb man nicht jeden Tag fast an einer Schussverletzung im Herzen und tat dann so, als wäre nichts dergleichen geschehen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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