Flood. (Die Elite) - Vivien Summer - E-Book

Flood. (Die Elite) E-Book

Vivien Summer

0,0
7,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

**Lass dich von der Flut deiner Gefühle mitreißen…** Schon seit ihrer frühesten Kindheit lebt Alyssa in einer Lager-Stadt des verlassenen Kontinents Australien und trainiert zusammen mit anderen Jugendlichen ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten. Wie die anderen um sie herum gehört sie zu den sogenannten »Diamanten«, den besonderen Menschen, die gleich zwei Elemente beherrschen, in ihrem Fall das Wasser und die Luft. An ihre Familie erinnert sie sich nur bruchstückhaft, sie weiß nur, dass sie irgendwo da draußen sind und womöglich immer noch auf ihre Rückkehr warten. Doch eine Flucht scheint undenkbar, bis sie ein unvorhergesehener Fall von einer Klippe wieder mit ihrem ehemals besten Freund Kian zusammenbringt. Dem Jungen, den sie am meisten meidet und der doch der Einzige ist, der ihr helfen kann… //Alle Bände von Vivien Summers bittersüßen Dystopie-Welt: -- Spark (Die Elite 1)  -- Fire (Die Elite 2)  -- Blaze (Die Elite 3) -- Dust (Die Elite 4) -- Die Elite-E-Box (E-Book-Gesamtausgabe) -- Flood (Elite-Spin-off)//

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Vivien Summer

Flood (Die Diamanten 1)

**Lass dich von der Flut deiner Gefühle mitreißen …** Schon seit ihrer frühesten Kindheit lebt Alyssa in einer Lager-Stadt des verlassenen Kontinents Australien und trainiert zusammen mit anderen Jugendlichen ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten. Wie die anderen um sie herum gehört sie zu den sogenannten »Diamanten«, den besonderen Menschen, die gleich zwei Elemente beherrschen, in ihrem Fall das Wasser und die Luft. An ihre Familie erinnert sie sich nur bruchstückhaft, sie weiß nur, dass sie irgendwo da draußen sind und womöglich immer noch auf ihre Rückkehr warten. Doch eine Flucht scheint undenkbar, bis sie ein unvorhergesehener Fall von einer Klippe wieder mit ihrem ehemals besten Freund Kian zusammenbringt. Dem Jungen, den sie am meisten meidet und der doch der Einzige ist, der ihr helfen kann …

Wohin soll es gehen?

Buch lesen

Vita

Das könnte dir auch gefallen

© privat

Vivien Summer wurde 1994 in einer Kleinstadt im Süden Niedersachsens geboren. Lange wollte sie mit Büchern nichts am Hut haben, doch schließlich entdeckte auch sie ihre Liebe dafür und verfasste während eines Freiwilligen Sozialen Jahres ihre erste Trilogie. Für die Ausbildung zog sie schließlich nach Hannover, nahm ihre vielen Ideen aber mit und arbeitet nun jede freie Minute daran, ihr Kopfkino zu Papier zu bringen.

Du sagst, du kannst unter Wasser atmen.

Gehst nicht unter.

Aber siehst du denn nicht,

dass du in deiner eigenen Flut ertrinkst?

Dass du gegen Dämonen kämpfst,

die du selbst erschaffen hast?

Prolog

Jahr 2637

Der Herzalarm war die schönste Melodie, die Julienne je gehört hatte. Jedes Mal, wenn er erklang, flutete Vorfreude ihre Adern und ließ sie für einen Moment vergessen, dass ihr eigenes Kind dort liegen könnte – vorausgesetzt, sie hätte überhaupt eins. Aber da das sowieso nie infrage kommen würde, machte sie sich gar nicht erst die Mühe, Mitleid zu haben.

Weder als sie ins Krankenzimmer stürzte, in ihrem Kittel gekleidet und von Schwestern gefolgt, noch als sie einen Blick auf die besorgten Eltern warf.

»Es tut mir leid, aber Sie müssen das Zimmer verlassen«, sagte sie in einem Ton, den sie sich schon seit Monaten antrainierte. Von Mal zu Mal wurde sie besser und es schien, als kaufte man ihr die Sorge um das Kind ab. Manchmal hätte sie sich dafür selbst auf die Schulter klopfen können.

Die Mutter, eine junge Frau mit rot unterlaufenden Augen, presste sich die Faust gegen den Mund, schluchzte und wehrte sich gegen die Griffe ihres Mannes. Mithilfe einer weiteren Schwester schaffte er es aber, sie nach draußen auf den Flur zu bringen.

Kaum war die Tür verschlossen, die Vorhänge zugezogen, beendeten die Schwestern ihre schauspielerische Glanzleistung und stellten die Notfallmaßnahmen ein. Was auch immer mit dem Mädchen gerade nicht stimmte, helfen könnte man ihr sowieso nur auf eine Weise. Und das war Juliennes Lieblingspart.

»Zugang vorbereiten«, befahl sie der blonden Schwester, die sofort den Schlauch des Infusionsbeutels abdrehte und ihn durch einen neuen ersetzte.

Julienne trat näher an das Bett. Nur das raschelnde Kramen der Schwestern und das Piepen des Monitors, das wie ein letzter Schrei um Hilfe klang, durchbrach die Ruhe im Krankenzimmer.

»Du da, ich brauche ein Update. Und mit ein bisschen mehr Tempo bitte«, verlangte sie mit einem ungeduldigen Schnippen. Heilige. Wieso war diese dumme Gans denn nicht längst dabei, die Akte vorzulesen?

Für den Hauch einer Sekunde warf ihr Julienne einen prüfenden Blick zu und überlegte, ob sie sie schon einmal gesehen hatte oder ob sie neu war. Aber als die Schwester mit dünner Stimme zu sprechen begann, wurde es ihr egal, wer sie war.

»Die Patientin wurde vor acht Tagen mit den typischen Symptomen der Gengrippe eingewiesen. Fieber, Störung der Blutgerinnung, Atemnot, erhöhter Blutdruck, vermindertes Sehvermögen, trockener –«

»Komm auf den Punkt.«

Die Schwester stolperte kurz beim Sprechen, fing sich aber schnell wieder. »Befindet sich seit vier Tagen auf der Intensivstation, keine Besserung. Die Patientin ist sechs Jahre alt und hat Stadium dreizehn erreicht. Sauerstoffsättigung liegt bei fünfundsiebzig Prozent, Herzfrequenz bei dreihundertsechzig Schlägen pro Minute.«

»Kammerflimmern«, bestätigte Julienne das, was sie bereits auf den Bildschirm gesehen hatte. »Es ist perfekt.«

Ihr Blick wanderte über das Mädchen, das gerade sinnlos um ihr Überleben und gegen die Nebenwirkungen kämpfte, die E4 in einigen Fällen auslöste – es war das Serum der Gentherapie. Das Serum, das im besten Fall für die Entstehung von metaphysischen Fähigkeiten verantwortlich war.

Feuer. Wasser. Erde. Luft.

Welches Element hättest du beherrschen können, kleines Mädchen? Welche wirst du beherrschen können?

Vorsichtig, als könnte ihr Gesicht unter dem sanften Druck ihres Fingers wie dünnes Glas splittern, strich sie dem Mädchen eine dunkelblonde Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie wellte sich leicht, war feucht von Schweiß, der auf der kleinen Stirn und den blassen Wangen wie winzige Regentropfen glänzte.

Julienne wartete darauf, dass sie etwas empfand. Dass ihr Herz stach, ihr Magen absackte – aber nichts dergleichen geschah. Der Panzer, der sich schon seit Jahren in ihrem Inneren ausgebreitet hatte, ließ keine Empathie zu. Kein schlechtes Gewissen, kein Mitleid.

Das hier war ihr Job. Der, den sie sich mühselig verdient hatte und sie würde einen Teufel tun und zulassen, dass ihre Rüstung zu rosten anfing. Der Präsident New Americas, Maxwell Longfellow, hatte sie ausgewählt. Sie. Ganz allein sie. Und sie wusste, dass sie perfekt für den Job war und alles tun würde, um ihn zu behalten. Um ihn so gut wie möglich auszuführen.

Entschlossen es auch dieses Mal zu schaffen, trat sie mit einem Blick auf den Bildschirm zurück. Gleich war es so weit. Ihr Herz müsste nur noch ein wenig schneller schlagen – vierhundert Schläge waren das Minimum.

»Alles für den Stent vorbereiten.« Julienne nickte der Schwester zu, die auf der anderen Seite des Bettes stand. Sie holte etwas aus dem Wagen, das in einer silbernen Folie eingeschweißt war – der Stent, der im Grunde nicht das war, was er für gewöhnlich in der Medizin bedeutete. Denn in der versiegelten Verpackung befand sich kein kleines Drahtnetzröhrchen, sondern die Ampulle, die Leben verändern würde. Die das Überleben sichern würde. Demnach hatten beide ja dasselbe Ziel und der Stent sogar den Vorteil, dass Laien den wahren Vorgang nicht verstehen würden.

Während eine weitere Schwester eine Spritze vorbereitete, ging Julienne einmal ums Bett herum und streifte sich Handschuhe über. Schnell und routiniert. So wie sie es schon dutzende Male getan hatte. Nachdem die Schwester ihr die Spritze gereicht hatte, nahm sie die Ampulle und zog das mattgoldene Serum auf.

Wie jedes Mal spürte sie ein aufgeregtes Kribbeln unter den Rippen, das mit dem Piepen des Herzmonitors verstärkt wurde. Die Frequenz lag inzwischen bei dreihundertneunzig.

»Nur noch ein kleines bisschen, Süße. Dann wird alles gut«, flüsterte sie ihr zu, und wenn sie eine Hand freigehabt hätte, hätte sie ihr vielleicht Mut machend das Köpfchen getätschelt. Wie einem Hund, der zum Siegen geboren war, aber auf dem Weg dorthin alles falsch machte.

Und genau dieses Gefühl war es, das Julienne gerade beflügelte. Sie wusste, dass dieses Mädchen große Leistungen erzielen würde. Sie wusste es einfach. Vielleicht, weil sie schon seit vier Tagen kämpfte und die meisten es gerade mal sechsunddreißig Stunden durchhielten.

Als die vierhundert Schläge endlich erreicht waren, durchstach sie das Ende des Schlauchs mit der Spritze und führte das Serum zu. Langsam, um den Körper des Mädchens nicht zu überfordern – auch wenn es Julienne gar nicht schnell genug gehen konnte.

Nachdem die Spritze geleert war, zog sie sie raus und warf sie in den Abfall. Von den hohen unregelmäßigen Tönen des Herzmonitors gebannt, der noch immer sein Leid klagte, überprüfte sie den Schlauch in der Armbeuge der kleinen Patientin. Das flüssige Gold brachte ihre unter der Haus schimmernden Adern zum Leuchten und verteilte sich rasend schnell – als hätte ein Stern geniest und seinen Staub in dem Hauch einer Sekunde auf ihrem ganzen Körper verteilt. Sie zitterte. Der Monitor zeigte an, dass ihre Temperatur stieg, dass sie innerlich brannte und dass das Gold das silberne E4 aus ihrem Kreislauf verdrängte.

»Es funktioniert, Miss McCann. Die Herzfrequenz sinkt wieder«, flüsterte die Schwester zu ihrer Rechten, aber Julienne beachtete sie gar nicht. Schließlich sah sie es selbst.

Trotzdem erwischte sie sich dabei, wie sie die Luft anhielt und auf die Wellen des Herzschlags starrte. Immer wieder schoss die Linie in die Höhe, und wieder in die Tiefe. Hoch. Tief. Hoch. Tief. Zuerst kurze Abstände, die immer größer, immer langsamer wurden.

Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, als die Nulllinie erreicht war und sie alle im Einklang des Mädchens aufhörten zu atmen.

Das war der Moment.

Entweder ihr Herz schlug im Normalrhythmus weiter, oder es würde nie wieder schlagen.

Niemand im Krankenzimmer rührte sich. Alle Blicke waren auf dem Monitor gerichtet, der einen durchgängig hohen Ton von sich gab. Nervtötend, aber immerhin ein Zeichen, dass es funktionieren könnte. Dass sie dieses Mädchen, in dem mehrere Elemente um die Oberhand kämpften, retten konnten.

Feuer. Wasser. Erde. Luft.

Komm schon, Süße. Brenne. Schwimme. Wachse. Atme. Tu’s nicht für mich. Tu es für dich.

Julienne hatte es sich angewöhnt, genauso wie ihre Patienten die Luft anzuhalten und mit ihnen zu kämpfen. Es mit ihnen auszuhalten. Als ihr Sauerstoff allmählich knapp wurde, fing sie an zu zweifeln. Sie wusste, dass wenn sie vor ihnen Luft holen würde, würden sie nicht überleben.

Und dann hörte sie es – das Einatmen, so leise wie ein Flügelschlag, und das wiedereinsetzende Piepen des Monitors.

»Herzfrequenz bei fünfundsiebzig. Sauerstoffsättigung siebenundneunzig Prozent. Körpertemperatur normal«, verkündete eine Schwester fürs Protokoll und sah Julienne auffordernd an.

Sie tat, was ihre Aufgabe war, und trug die Daten mit einem Blick auf die Uhr vor. Anschließend strich sie sich den Kittel glatt, blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und kam sofort ihrer nächsten Aufgabe nach. Sie musste es schnell machen, bevor die Glücksgefühle zu einem strahlenden Lächeln auf ihrem Gesicht führen würden – und das war … gerade wohl ziemlich unangebracht.

Kurz vor der Tür blieb Julienne noch einmal stehen und bereitete ihre Mimik vor. Zusammengeschobene Brauen, leicht aufeinandergepresste Lippen. Und weil sie verdammt gut in ihrem Job war, auch der traurige Schimmer in den Augen.

Julienne betrat den Flur. Die Eltern des Mädchens saßen auf dem Boden, direkt gegenüber der Tür, und sprangen auf, sobald sie Julienne sahen. Die Mutter warf ihr einen messerscharfen Blick zu, der bei allen klaffende Wunden hinterließ – außer bei Julienne –, und schluchzte.

Ja, sie deutete Juliennes Ausdruck genauso, wie sie es sollte.

»Es tut mir so leid …«

Diese geflüsterten Worte reichten und die Knie der jungen Frau gaben nach. Brachen ihr weg, sodass ihr Mann und Julienne sich beeilten, sie aufzufangen.

»Nein«, wimmerte die Frau. »Wie …«

Ihr Mann schaltete sich ein, und obwohl er sichtlich mit den Tränen kämpfte, bewahrte er Haltung. »Was ist passiert?«

»Ihre Tochter hatte Kammerflimmern. Ihr … ihr Herz hat es nicht geschafft.«

Ehe der Vater etwas erwidern konnte, schluchzte die Frau ein weiteres Mal auf. Ihre Stimme zitterte, während sie irgendetwas vor sich hin murmelte, was keiner verstehen konnte. Dabei drückte sie sich ihre Hand auf die Brust, als würde auch ihr Herz zu schlagen aufhören.

Nun … wenn es so gewesen wäre, wäre es Julienne egal gewesen. Sie wollte das hier einfach nur hinter sich bringen.

»Wir haben getan, was wir konnten, aber Ihre Tochter hat den Kampf verloren.«

»Können wir zu ihr?«, wollte der Vater wissen, so wie es jeder Vater und jede Mutter immer hatte wissen wollen.

Julienne schüttelte leicht den Kopf. »Nicht sofort, aber sie können sich bald von ihr verabschieden.« Wenn sie aufgebahrt und mit Medikamenten betäubt in der Pathologie liegt. »Jemand wird Sie so schnell wie möglich benachrichtigen.«

»Ist gut.« Heftig blinzelnd richtete der Mann seinen Blick auf die Tür des Krankenzimmers, hinter dem das Herz seiner Tochter schlug, ohne dass sie es je erfahren würden.

Wäre Julienne nicht die Beste für diesen Job, hätte sie jetzt sofort nachgegeben. Hätte sich entschuldigt, gesagt, dass alles in bester Ordnung und ihre Tochter zu etwas Großem bestimmt sein würde, und sie zu ihnen gelassen. Aber Julienne war nun mal die Beste für diesen Job.

Diejenige, die vor wenigen Augenblicken noch vor den Schwestern am Bett des Mädchens verkündet hatte: »Offizieller Todeszeitpunkt – 5. September 2637, 23:13 Uhr. Offizielle Todesursache – Herzstillstand durch Nebenwirkungen der E4-Gentherapie.«

***

Julienne sollte recht behalten.

Binnen weniger Tage erholte sich das Mädchen; und noch vor ihrem fünfzehnten Geburtstag, an dem im Durchschnitt die Mutationen des normalen E4-Serums einsetzten, prägten sich ihre Elemente aus.

Zu diesem Zeitpunkt war der Krieg zwischen New America und New Asia längst entschieden. Die Gentherapie abgeschafft und die Gesetze geändert. Aber das hielt Julienne nicht davon ab, das fortzuführen, was ihr Longfellow aufgetragen hatte, was sie zusammen erreichen wollten. Sie würde nicht aufgeben. Sie würde für die Perfektion der Elementsoldaten kämpfen, sie würde für ihr Land kämpfen. Sie würde es zur besten Nation der Welt machen – es zu der Weltmacht erklären, die Longfellow sich erträumt hatte.

Und wer weiß, dachte sie weitere drei Jahre später, als die meisten Kinder zu jungen Erwachsenen herangewachsen waren, vielleicht war der Zeitpunkt endlich gekommen.

1

Ich war zu spät.

Weil ich anscheinend nicht dazu in der Lage war, egoistisch zu sein, stand ich jetzt vor einer verschlossenen Metalltür und konnte von oben die jubelnden Rufe der Leute hören. Sie waren genau dort, wo ich gerade auch sein wollte. Und was ich verpasst hatte, nur weil ich mit Jazz nach dem Training geübt hatte, Wasserbälle durch die Luft zu werfen.

»So ein Mist«, fluchte ich und schlug mit der Faust gegen den einzigen Eingang, der noch nicht der Natur zum Opfer gefallen war. Aber natürlich öffnete keiner. Es befand wahrscheinlich auch niemand mehr in der Nähe – schließlich waren sie nicht hier, um Schmiere zu stehen. Sie waren hier, um etwas zu sehen.

Blut.

Brüche.

Schrammen.

Noch mehr Blut.

Mit einem frustrierten Knoten im Magen legte ich den Kopf zurück und sah hinauf. Das Parkhaus, das die besten Tage eindeutig hinter sich hatte, ragte dunkel in die Nacht. Es war wie jedes andere Parkhaus in der Stadt im Rechteck aufgebaut, in dem sich mehrere Etagen wie Tortenböden übereinanderstapelten. Die Fassade war abwechselnd hell und dunkel, aber überall gleichmäßig angegriffen. Risse zogen sich durch den Beton, Farbe blätterte ab und an einigen Stellen baumelte die Verkleidung des offenen Parkdecks nur noch an einer Schraube wie eine steife Flagge im Wind.

Ich seufzte.

Wahrscheinlich wäre es das Beste gewesen, wenn ich einfach wieder umgedreht und zurück ins Bett gegangen wäre – aber ich hatte mich hierauf gefreut.

Seit Wochen hatte kein Credit, kein Kampf um Anerkennung, mehr stattgefunden, nachdem er beim letzten Mal eskaliert war und die Aufseher eingegriffen hatten. Deswegen hatten sie auch dieses Parkhaus ausgewählt, das weit ab von unseren Unterkünften und dem Trainingsbereich lag. Was nicht hieß, dass sie nicht bemerkt werden könnten – dafür war rund um die Uhr gesorgt –, aber solange wir nicht wie beim letzten Mal einen ganzen Block so hinterließen, als wäre ein Komet in die Stadt eingeschlagen, durften wir machen, was wir wollten. Und natürlich, solange die Verletzungen mit einem Erste-Hilfe-Kasten und einem »Guck mal, da fliegt’s!« zu beseitigen waren. Was so viel hieß wie: Bringt euch nicht um.

Weil ich nicht noch länger Zeit verschwenden und sinnlos gegen die Tür hämmern wollte, trat ich einige Schritte zurück. Kleine Steinchen knirschten unter meinen Kampfstiefeln und hätten in anderen Situationen meinen Standort verraten. Allerdings war ich gerade weder auf Mission, noch tat ich etwas Verbotenes. Gesetzt dem Fall, wir kämen alle pünktlich zum ersten Schlag zum Frühstück, durften wir so lange unterwegs sein, wie wir wollten. Sie bezeichneten das als lockere Erziehung – ich als das, was es nun mal war: Mein Leben.

Mit einem Blick auf die fünfte Parkebene, die wie alle anderen halb geöffnet war, schätzte ich mit einem Wimpernschlag die Höhe. Kalkulierte meinen Anlauf. Ohne nachzudenken, nahm ich ihn, rief den Wind zur Hilfe und drückte mich an der Fassade nach oben. Wahrscheinlich hätte ich sogar im Schlaf überall hochklettern können, aber wir hatten gelernt, uns nie vollständig auf unser Element zu verlassen. Es gab zu viele Situationen, in denen es versagen oder manipuliert werden könnte. Wir mussten immer und überall auf jede Möglichkeit vorbereitet sein. Also hielt ich mich eher mit Händen und Füßen an Geländern und Mauern fest, erklomm das Parkhaus zum Großteil aus eigener Kraft.

Erst als ich ein tiefes Grölen und Jubelschreie hörte, die den Beton unter meinen Fingern vibrieren ließen, gab ich mir einen letzten Schubs. Befahl der Luft, mich zu tragen. Mich die letzten fünf Meter mit einem großen Sprung hinaufzubefördern.

Mit Leichtigkeit schwang ich mich übers Geländer und landete auf der Motorhaube eines Autowracks – gerade in dem Moment, in dem eine Feuersäule auf mich zukam und ich mich auf die Seite warf. Obwohl ich mich zwischen zwei Autos zurückgezogen hatte, streifte die Hitze mein Gesicht.

»Kian, Scheiße, wann kapierst du’s endlich?«, schrie irgendwer über die Rufe der Menge hinweg, die sich zwischen Buhen und Jubeln nicht entscheiden konnten.

Was Kian antwortete, verstand ich nicht. In anderen Situationen wäre es mir leichtgefallen, auch die leisesten Geräusche zu hören, aber mein Instinkt wusste, dass diese Situation hier nicht wirklich gefährlich war und meine Konzentration eine Pause machen konnte. Abgesehen davon war ich noch dabei, mich von dem Feuerball zu erholen, der die halbe Seite des Wracks getroffen und immerhin den Außenspiegel mitgerissen hatte.

Und auch ohne hinzuhören wusste ich, warum der Sprecher so wütend war. Nachdem wir beim letzten Credit mit unseren Elementen gekämpft hatten, wie wir es nur selten taten, waren mehrere Gebäude abgebrannt. Eingestürzt. Weggeschwemmt. In die Luft geflogen. Die Möglichkeiten, was wir alles kaputt machen konnten, war verlockend riesig gewesen – und dementsprechend hoch war unsere Bestrafung.

Drei Tage Isolation für jeden Beteiligten.

Zwei Monate keine Credits mehr.

Dafür jeweils eine Stunde mehr Training am Tag, natürlich bis auf weiteres kein Freigang und uns wurde alles weggenommen, was Spaß machte. Messer. Pistolen. Süßigkeiten. So was eben.

Kian hatte also gegen unsere neueste, oberste Regel verstoßen, die Elemente nicht mehr zu verwenden. Zumindest nicht in so einem Ausmaß.

Nachdem ich auf das nächstbeste Auto gestiegen war, um über die Menge hinweg auf die Credit-Area sehen zu können, die heute aus der Straße des Parkhauses zwischen den brüchig wirkenden Betonsäulen bestand, zeigte Kian irgendwem den Mittelfinger. Nett wie immer. Respektvoll wie immer. Und natürlich so regelbefolgend wie immer.

In der Ferne bewegte er die Lippen, ein Mundwinkel blutig, aber bevor ich tricksen und seine Worte zu mir tragen lassen konnte, wackelte die Motorhaube unter meinen Füßen. Ich brauchte den Kopf nicht mal zu wenden, um zu wissen, wer sich gerade zu mir gesellt hatte.

»Sag nichts, Watchdog«, warnte ich ihn schwach. Verschränkte die Arme vor der Brust, damit er gleich wusste, dass seine Moralpredigt keine Wirkung haben würde.

»Du solltest nicht hier sein.«

»Und du solltest kein Spielverderber sein.«

»Das gehört zu meinem Job«, gab Ace mit einem Lachen in der tiefen Stimme zurück, die ohne Probleme über den Lärm der anderen hinweg zu hören war. Kian und sein Gegner gingen gerade wieder aufeinander los und der erste Schlag wurde ausgeteilt. Dass Kian der Angreifer war, war für mich schon lange keine Überraschung mehr.

Ich warf Ace einen finsteren Blick zu – stieß ihn dann aber mit dem Ellbogen in die Rippen und zwinkerte ihm zu. »Genauso wie es zu meinem gehört, deine Nerven zu foltern?«

»So könnte man das ausdrücken. Aber mal im Ernst. Wenn Kian so weitermacht, bist du schneller wieder im Bett, als er ›Ich scheiß auf eure Regeln‹ sagen kann.«

Widerwillig musste ich lachen. Einerseits, weil Ace recht hatte – Kian würde genau so was sagen – und andererseits, weil er sich wie immer nicht so verhielt, wie er es hätte tun müssen.

»Was machst du eigentlich hier? In Quasi-Zivil?«, lenkte ich Ace von dem Ärger ab, der sich in der Area bereits anbahnte, und zeigte auf seine Klamotten. Heute trug er eine helle Jeans und ein olivgrünes T-Shirt, das keinen Zweifel daran ließ, dass er trainierte. Ein Soldat war. Auch wenn er noch lange keinem Schrank Konkurrenz machen konnte, sorgten seine breiten Schultern für so viel Respekt, dass er keine Probleme mit uns hatte. Zumindest, soweit ich wusste. Vielleicht lag es aber auch daran, dass er durch seine rotbraunen Haare, die an den Seiten kürzer rasiert waren, nicht wie fünfundzwanzig, sondern jünger aussah. Wie einer von uns.

Während er an sich hinabblickte, zuckte er mit den Schultern. Obwohl es nur eine kleine Bewegung war, schwankte das Auto leicht unter uns.

»Ich dachte mir, wenn ich in Uniform komme, stachelt euch das nur auf«, erklärte er, ohne dabei den Kampf aus den Augen zu lassen.

Kian war eindeutig in Führung. Obwohl ihm seine braunen Haare in die Augen fielen und Blut und Schrammen ein Drittel seines Gesichts bedeckten, das mit den scharfen Zügen und markanten Linien selbst in dieser Verfassung wie gemalt aussah, wirkte er kein Stück müde. Eher so, als könnte er noch die ganze Nacht weitermachen.

»Gut möglich. Allerdings wird jeder wissen, warum du hier bist, Watchdog«, zog ich ihn auf und grinste in mich hinein.

»Gut so. Das letzte Mal sah es so aus, als hättet ihr mit ’ner Abrissbirne Tennis gespielt.«

»Ich verstehe nicht, wieso euch das so stört. Ich meine, die Ecke war doch sowieso verwahrlost und unbenutzt. Wir haben euch einen Gefallen getan.«

Ace verschränkte die muskulösen Arme vor der Brust. »Du weißt genau, dass das … oh, man. Das ist doch nicht sein Ernst.«

Er warf den Kopf in den Nacken und murmelte etwas so leise vor sich hin, dass es sich nur um ein Gebet handeln konnte. Eines, das ihm erlauben würde, Kian vom Parkhaus zu schubsen. Anders als mich würde ihn die Luft immerhin nicht auffangen.

Als ich mich wieder dem Credit zuwandte, sah ich auch, wieso Ace so reagierte. Zwar war Kian noch nicht zum Angriff übergegangen, aber seine brennende Faust war Aussage und vor allem Warnung genug. Sein Gegner, ein Kerl seiner Statur, circa eins fünfundachtzig, athletisch, muskulös – was an dem fehlenden T-Shirt unschwer zu erkennen war –, wich vor ihm zurück. Damit lag die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass er kein Feuersoldat war.

»Wenn er sich nicht langsam mal zusammenreißt, war’s das mit eurem Spiel. Und bisher ist er der Einzige, der seine Elemente benutzt.«

Ich schob meine Brauen zusammen und sah Ace verständnislos an. »Wieso klingst du so, als müsste ich ihm jetzt sagen, dass er aufhören soll?«

»Weil er so jemanden wie mich zu gern provoziert.«

»Er provoziert jeden, der ihm was verbietet.«

Deswegen schlief er auch mindestens fünf von sieben Tagen die Woche in der Isolationszelle, statt in seinem eigenen Bett. Wobei ich manchmal den Verdacht hatte, dass genau das sein Ziel war. Ich konnte das nicht wirklich nachvollziehen. Zwar hatte ich erst einmal in der Arrestzelle schlafen müssen, aber das hatte mir gereicht. Allein das Essen war Strafe genug gewesen.

Ace beugte sich näher zu mir. »Ich verspreche dir ein ganzes Blech Brownies, wenn du gegen ihn antrittst.«

»Ich soll bitte was dafür tun?« Mein Kopf fuhr zu ihm herum und wenn er nicht schon selbst vom Inhalt seiner eigenen Worte amüsiert gewesen wäre, hätte er spätestens beim Anblick meines Gesichtsausdrucks zu lachen angefangen.

»Bring ihm Manieren bei.«

»Erstens ist es dafür zehn Jahre zu spät. Zweitens wie zur Hölle kommst du darauf, dass ich es mit ihm aufnehmen könnte? Drittens – und das Wichtigste – würde er niemals gegen mich kämpfen.«

Ace presste die Lippen aufeinander, als würde er dadurch das Grinsen wieder in den Griff kriegen. Bekam er aber nicht. Das, was auch immer ihm gerade durch den Kopf ging, brauchte auf jeden Fall keine Worte. Ich wusste auch so, was er ausdrücken wollte, und zögerte nicht, ihn mit einem leichten Schubs von der Motorhaube zu befördern.

Er protestierte zwar, verschonte mich aber. Und als Kian das Feuer in seiner Faust erstickte, entspannte er sich auch wieder ein bisschen.

Es hatte mal eine Zeit gegeben, da hatte ich das faszinierend gefunden – das Feuer. Ich hatte es gemocht, wie die Soldaten damit umgegangen waren und war manchmal sogar neidisch darauf gewesen. Aber durch Kian hatte ich angefangen, es zu verabscheuen.

»Ich glaube schon, dass er gegen dich kämpfen würde«, meinte Ace mit einem amüsierten Grinsen. »Allein, weil eine Verweigerung so aussehen würde, als hätte er Angst vor dir. Und welcher Kerl will denn so aussehen, als hätte er Angst vor einem Mädchen?«

»Welche mit Hirn da oben.« Ich tippte mir gegen die Schläfe, verzichtete aber darauf ihm zu erklären, dass Kian genügend Gründe hatte, einen Bogen um mich zu machen. Nicht, dass ich sie je nachvollziehen oder gar verstehen würde. Oder dass Ace sie nicht selbst kannte.

Nein, ich war nicht hier, um gegen Kian zu kämpfen. Gerade war ich mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt gegen irgendjemanden hier kämpfen wollte … irgendwas an der Art, wie die Luft plötzlich knisterte, raubte mir die Euphorie, mit der ich hierhergekommen war. Es fühlte sich an, als hätte jemand den Stöpsel gezogen und meine ganze Aufregung weggespült.

Vielleicht Kian, der unsere Credits aufs Spiel setzte?

Ace, der mir den ganzen Spaß verderben würde?

Die Mädchen, die bei Kians Sieg wohl vergaßen, dass sie Soldatinnen waren und keine Groupies, die sich für ihr Idol an Ort und Stelle die Klamotten vom Leib reißen würden? In meinen Augen war das nicht nur peinlich für meine Art, sondern auch absolut unnötig. Aber sie waren seinen offensichtlichen Körben gegenüber genauso resistent wie Pinguine nicht fliegen konnten. Sie versuchten es trotzdem immer wieder. Sie lächelten ihn an, er zuckte nicht mal mit den Mundwinkeln. Sie flirteten mit ihm, er rollte nur mit den Augen. Sie betatschten ihn, er wischte ihre Hände weg.

Das war zumindest die Regel und Ausnahmen gab es nur selten. Wenn, dann konnte man sich sicher sein, dass die glücklich Auserwählte genauso war wie er.

Wütend auf die ganze Welt.

Sein eigener grausamer Richter.

Einzelgänger.

Und vor allem inkompatibel.

Als Kians Sieg verkündet wurde, riefen ihm zwei Mädchen vom Rand aus etwas zu. Eigentlich wollte ich mein Element nicht darauf verschwenden, die Schande auch noch zu belauschen, aber ich konnte nicht anders.

Ich schnappte nur einzelne Wörter auf, aber allein Hauptgewinn war zu viel für mich. Für den Kerl, den er im Credit um seine Anerkennung gebracht hatte, wohl auch.

Man könnte jetzt behaupten, es hatte sich angekündigt, aber trotzdem schaffte es kaum einer zu reagieren, als der Verlierer plötzlich auf Kian losging. So schnell, dass er unter anderem ein Luftsoldat sein musste. Nur wir bewegten uns so schnell, dass man einen Angriff kaum vorausschauen konnte.

Keine Ahnung, ob Kian einfach gute Reflexe besaß, oder ob er damit gerechnet hatte, aber er wich rechtzeitig zurück. Ballte die Fäuste. Ließ sie aufflammen.

»So«, verkündete Ace, wobei er seine Knöchel knacken ließ. »Gute Nacht, Lyssa. Hier gehen jetzt gleich die Lichter aus, also …«

»Schon verstanden«, winkte ich ab, konnte aber meinen Blick nicht von der sich anbahnenden Prügelei abwenden. Denn ein fairer Kampf war das jetzt nicht mehr.

Ace verschwand ohne noch etwas zu sagen zwischen den Leuten, die jetzt wieder einer der beiden Seiten zujubelten. Wobei Kians Name eindeutig lauter geschrien wurde. Was ich irgendwie nicht verstand.

Er war nicht die Sorte Einzelgänger, die sich trotzdem mit jedem gut verstand. Er war die Sorte, die jedem aus dem Weg ging und mit niemanden, besonders mit den Kompatiblen unter uns, nichts zu tun haben wollte.

Als das Auto unter mir plötzlich wieder wackelte, wusste ich sofort, dass Ace seine Warnung deutlich machte. Er war ein Elite-Soldat der Erde. Hatte im Krieg gegen New Asia vor fünf Jahren für den Präsidenten gekämpft und gehörte zu den besten Elementsoldaten New Americas. Kaum einer war stark genug, um ganze Erdplatten zu bewegen, und keinem gehorchte der Stein so bedingungslos wie Ace. Er könnte das ganze Parkhaus wahrscheinlich mit einem einzigen Wimpernschlag zu Staub zermalmen, und bevor das passierte, sollte ich am liebsten ganz weit weg sein.

»Schluss jetzt! Sofort!«, blaffte er Kian und den anderen Kerl an, die irgendwo in der Masse untergegangen waren. Ich konnte sie von meinem Standpunkt aus nicht mehr sehen. Auch dann nicht, als die Umstehenden den Aufseher bemerkten und sich langsam zurückzogen.

Ich spielte kurz mit dem Gedanken, Ace irgendwie zu helfen, verwarf ihn aber schnell wieder. Er brauchte meine Unterstützung ganz sicher nicht und würde es auch allein mit den Vollidioten hinbekommen.

***

Mehr als alles andere war mir bewusst, dass ich zurück in meine Unterkunft und in mein Zimmer hätte gehen sollen. Da wartete mein Bett, ein bisschen Schlaf und meine beste Freundin, die vermutlich mit dem Gesicht auf ihrem Tablet ins Land der Träume abgedriftet war, wo sie all ihren geliebten Buchcharakteren begegnete. Ja – ich hätte auf Ace hören, und schlafen gehen sollen.

Aber kaum hatte ich mich an der bebenden Fassade des Parkhauses hinabgehangelt, trugen mich meine Beine an unseren Schlafplätzen vorbei. Damit mich niemand sah, wählte ich eine Seitenstraße, in der keine einzige Laterne brannte, die aber einen perfekten Bogen um die Kaserne machte.

Sie lag im Zentrum der kleinen Halbinsel, die früher mal Teil einer Kleinstadt gewesen sein musste, und war gar nicht so weit vom Parkhaus entfernt. Ich brauchte gerade mal zehn Minuten, und wenn ich den Wind benutzt hätte, wahrscheinlich weniger als zehn Sekunden. Allerdings war ich in der Hinsicht nicht so faul wie die anderen Luftsoldaten. Ich mochte es, zu Fuß zu gehen, die Anstrengung zu spüren, auch wenn wir sie eigentlich gar nicht mehr richtig spüren konnten. Weder Muskelkater noch Erschöpfung. Weder Atemlosigkeit noch Herzrasen. Wenn ich rannte, dann war mein Puls nur minimal erhöht. Wenn Adrenalin durch meine Adern rauschte, spürte ich den Muskel unter meinen Rippen zwar heftig pulsieren, aber ich war nicht leicht außer Atem zu bringen. Warum das so war, wurde mir schon an meinem ersten Tag hier beigebracht.

Zu erfahren, was die Gentherapie war und inwiefern sie uns verändert hatte, gehörte zum Willkommenspaket. Damals, mit gerade mal sechs Jahren, hatte ich nicht besonders viel davon verstanden. Außer, dass ich und meine Gene seit meiner Geburt mit einem Serum namens E4 manipuliert wurden, das im besten Fall zu Mutationen führte.

Das E4 veränderte in erster Linie das Gen A, sodass es zu einer Fehlfunktion der Zellen im Rückenmark kam. Bei Verletzungen würden demnach geringe bis gar keine Schmerzempfindungssignale über das zentrale Nervensystem ans Gehirn weitergeleitet werden. Die Veränderung in Gen B war für eine schnelle Regeneration der Zellen zuständig.

Jip. Das hatte ich alles im Unterricht durchgenommen. Inklusive Referaten und dem ganzen Zeug.

Das Wichtigste fehlte aber noch – in den Zellen spielten sich verschiedene Manipulationen und Mutationen ab, durch die wir metaphysische Fähigkeiten entwickelten. Im Falle der E4-Generation beherrschte man somit eines der vier Elemente. Und na ja, in unserem Fall …

Unbemerkt lief ich durch die dunklen Straßen, froh darüber, dass mir niemand entgegenkam – was gegen Mitternacht ohnehin nie der Fall war. Die meisten von uns verbrachten die Abende zusammen im Lager der Diamanten und beschäftigten sich mit Serien, Kartenspielen, Simulationen. Für unsere Unterhaltung war eigentlich immer gesorgt, manchmal gab es sogar richtige Programme mit klassischen Gruppenspielen, wie Pantomime oder so. Aber seit ein paar Jahren nur noch selten, was vor allem daran lag, dass wir keine Kinder mehr waren.

Wir waren inzwischen voll ausgereifte Diamanten. So nannten sie uns, weil wir etwas Besonderes waren. Ihre Schätze. Lieblinge. Vielleicht nannten sie uns auch nur so, damit wir uns nicht wie Ausgestoßene vorkamen. Kinder, die niemand haben wollte und die auf der anderen Seite der Welt, weit entfernt von zu Hause, auf einem fremden Kontinent namens Australien ihr Dasein fristeten.

Manchmal stellte ich mir vor, dass sie Angst vor uns hätten und uns deshalb nicht in New America haben wollten. Manchmal sogar, wie es wäre, immer noch dort zu leben – aber dann erinnerte ich mich an alles, was uns Julienne McCann, unsere Mentorin und erste Anlaufstelle für alle Begebenheiten, erzählt hatte und wollte nie wieder dorthin zurück. Lieber würde ich in den Norden gehen und unter einer drei Meter hohen Schneeschicht begraben werden.

Die Häuser, an denen ich vorbeipirschte, sahen so aus, als wären sie unter einer Last von Trauer und Zerfall begraben. Einige davon drohten jeden Moment einzustürzen, also war es unsere Aufgabe, sie notdürftig zu stützen. Wie Knochen, die im Alter dünner und schwächer wurden, hatten wir mit Schienen und Balken versucht, das Elend wieder zusammenzuschrauben. Es war unsere Beschäftigungstherapie. Unsere Strafarbeit dafür, dass wir Abrissbirnen-Tennis gespielt hatten, oder dafür, wenn wir im Unterricht lieber geredet, statt gearbeitet hatten. Wenn wir lieber genörgelt, statt den Hintern zusammengekniffen hatten.

Und einige von uns waren richtig gut darin, zu nörgeln und alle fünf Minuten zu sagen, was sie alles am Training hassten. Und mit sie meinte ich eine bestimmte Person. Die Person, die dafür bekannt war, mit wenigen Ausnahmen alles und jeden zu hassen.

Wie immer, wenn er sich in meine Gedanken schlich, hätte ich am liebsten gegen meinen Kopf geschlagen und gehofft, es könnte irgendetwas ändern. Könnte helfen, ihn zu verstehen – aber selbst dafür war mir mein Kopf zu schade.

Als ich endlich den Rand der Stadt erreichte und die Häuser genug Platz ließen, dass sich dazwischen eine ganze Armee von Diamanten niederlassen könnte, atmete ich auf und sog die salzige Luft ein. Jedes Mal, wenn ich nach hier draußen kam, war es, als würde ich für einen kurzen Moment eine andere Welt betreten. Eine, die nur mir gehörte. Meistens, zumindest.

Aber es war nicht nur das. Ich mochte die Ruhe an diesem Ort, das Rauschen des Meeres, das unter mir gegen die Klippen schwappte, als würde es sich am liebsten im Stein verkriechen und nie wieder gehen wollen. Es war selten, dass das Wasser wütend wurde und wenn, dann trug meist ein Diamant die Schuld daran.

Ich hatte das, was man hier mal Zivilisation genannt hatte, längst hinter mir gelassen und war an meinem Ort angekommen. Es war ein kleiner Felsvorsprung, den ich vor einigen Jahren zwischen verwucherten Bäumen, trockenen Sträuchern und einer Menge Geröll gefunden hatte. Es war ein Ort, an dem ich meine Gedanken baumeln und meine Träume wandern lassen konnte, bevor es wieder in die Realität zurückging.

Jetzt kletterte ich über mehrere große Steinbrocken, hangelte mich unter einem umgestürzten Baum durch und klopfte den Dreck von meiner Uniform ab, als ich auf der anderen Seite ankam und vom Meer begrüßt wurde. Wie erwartet war es ruhig, genauso wie der Nachthimmel, der von keiner einzigen Wolke bedeckt und von Millionen von Sternen erhellt war. Wie kleine funkelnde Lampen – und in jeder einzelnen war die Möglichkeit verborgen, ein bisschen Freiheit zu erleben.

In dem Wissen, dass es niemals soweit kommen würde, ließ ich mich im Schneidersitz auf dem rauen Vorsprung nieder und rutschte dichter an einen abgebrochenen Felsen heran. Er ging mir gerade bis zur Schulter und diente unter anderem deswegen als perfekte Liegefläche, um den Kopf darauf abzulegen und in den Himmel zu sehen.

Die Augen zu schließen.

Die Welt zu vergessen.

Der Stille zu lauschen.

Das hier war mein Ort, dem ich noch nie jemanden gezeigt hatte, aus Angst, sie würden ihn mir wegnehmen. Ihn zu etwas machen, was er nicht war. Zu oft hatte ich mir mit Grauen vorgestellt, in welche Situationen ich platzen könnte. Meine Fantasie war nicht gerade begrenzt, aber weil ich einmal von hier aus dabei zugesehen hatte, wie die Sonne vom Meer verschluckt wurde … Nun, seitdem war ich mir der Wirkung dieses Ortes bewusst. Und ich hatte jedes Mal Angst einen Haufen Klamotten vorzufinden, weil irgendein Kerl sein Date hierhergebracht hatte.

Ich dankte den Sternen, dass mir der Anblick bisher erspart geblieben war – und hoffte gleichzeitig, dass einfach niemand diesen Felsen je mit schmutzigen Gedanken besudelt hatte.

Irgendwann musste ich leicht eingeschlafen sein, denn als ein weit entferntes Scheppern an meine Ohren drang, sprangen meine Augen wie Falltüren auf und mein Kopf fuhr hoch. Der Wind tat sein Übriges und binnen eines Pulsschlags stand ich auf beiden Füßen und sah mich um.

Mein Herz donnerte gegen die Rippen. Nur ein einziges Mal, beinahe, als hätte es das Startzeichen gegeben, mich bereit zu machen. Mich zu ducken und die Umgebung abzusuchen. Dabei war es gar nichts Außergewöhnliches, dass von irgendwoher Geräusche ertönten. Dann auch noch so weit weg und nur vom Echo zu mir getragen.

Es hätte alles Mögliche sein können, aber das hielt mich nicht davon ab, näher an den Rand der Klippe zu treten und die Felswand nach der Quelle abzusuchen. Etwa dreißig Meter unter mir verhielt sich das Meer nach wie vor ruhig und es dauerte einen Moment, bis ich die Plattform in der Ferne leuchten sah. Von hier aus wirkte sie wie ein schmaler Holzsteg, der vom Land ins Meer führte.

Es kam eigentlich sehr selten vor, dass die Diamanten dorthin mitgenommen wurden, um irgendeinen Besuch aus New America in Empfang zu nehmen. Diese Ehre wurde der Elite zuteil, weshalb ich jetzt auch wie gebannt auf das eiförmige schwarze Ding starrte und es fasziniert musterte. Ich hatte noch nie einen Hubschrauber aus der Nähe sehen dürfen – wobei ich das hier jetzt auch nicht als nah bezeichnen würde. Die Maschine war immer noch so weit weg, dass es mir schwerfiel, die vier silbernen und in einem Quadrat angeordneten Sterne meiner Nation zu lesen. Dem schwachen Drehen der Propellerflügel nach zu urteilen, musste sie aber gerade erst angekommen sein.

Aber wer genau war da gelandet? Und warum um – ich warf einen Blick auf die Anzeige, die schwach unter meiner Haut auf meinem oberen Handgelenk leuchtete – halb eins in der Nacht?

Etwas juckte mir in den Fingern, kribbelte in meinen Füßen, näher an die Plattform zu kommen. Wenn es sein musste, würde ich mich dafür an der Felswand entlanghangeln, nur damit ich sah, was dort passierte.

Natürlich riss ich mich aber zusammen und rührte mich keinen Zentimeter, sondern befahl nur dem Wind, mir so viel wie möglich zuzutragen. Zu lauschen, ob ich selbst aus dieser Entfernung Worte aufschnappen konnte.

»Ich frage mich«, ertönte eine tiefe und gefährlich amüsierte Stimme hinter mir, weiter kam sie aber nicht.

Ich wirbelte herum, griff nach dem Messer, das ich in dem Holster am Oberschenkel trug, und ging in Kampfstellung. Mein Puls sprang verräterisch in die Höhe.

Ich suchte nach ihm – und fand ihn mit vor der Brust verschränkten Armen gegen einen Baumstamm gelehnt dasitzen. Beinahe, als würde er schon eine Ewigkeit darauf warten, dass ich ihn bemerkte.

Im ersten Moment zuckte sein Mundwinkel, im zweiten hielt er seine Schadenfreude nicht mehr zurück und grinste mich an. Dabei lag ein dunkler Schatten über seinen Zügen, die in der Nacht noch kantiger, noch härter aussahen.

»Ich habe mich gefragt, ob du schreckhaft bist. Aber ich schätze, das ist die Antwort.«

2

Kurz spielte ich mit dem Gedanken, ihn einfach ins Meer zu schmeißen. Die Kraft hätte ich gehabt. Na ja. Mein Element hätte sie gehabt. Aber dann hätte ich mich vermutlich selbst auf dem Grund des Meeres wiedergefunden. Angekettet an einen Betonklotz.

»Ist das dein Ernst?« Ich steckte mein Messer mit einem wütenden Schleifen der Klinge gegen das Holster zurück und warf ihm einen finsteren Blick zu.

Kian schüttelte leise lachend den Kopf und tippte sich mit dem Zeigefinger gegen sein Kinn. »Die Frage sollte doch eher lauten, warum du so schreckhaft bist.«

»Wie lange sitzt du da schon?«

»Wärst du eine gute Soldatin und hättest mich bemerkt, wüsstest du es.«

»Ich war ablenkt«, schnauzte ich, verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust. Verdammt. Wieso hatte ich es überhaupt gesagt?

Weil dich dieser Typ durch seine bloße Existenz zum Raubtier macht. Die Sorte, die gerne solche Scheißkerle zerfleischt und wieder ausspuckt, bevor es sich den Magen verdirbt.

Ohne den Blick von mir abzuwenden, stemmte sich Kian mühelos hoch und richtete seine Uniformjacke. Die Geste hatte etwas Provozierendes, vor allem, weil sie offenstand und er ein enges T-Shirt trug. Blut und Dreck klebte auf dem weißen Stoff, aber das schien ihn nicht im Geringsten zu stören. Vielmehr trug er es wie eine Trophäe.

Dann kam er langsam auf mich zu, und obwohl er einen halben Kopf größer und allein von der Körperkraft her stärker war als ich, wich ich nicht zurück – was nicht nur daran lag, dass ich mich sicher nicht von ihm einschüchtern ließ, sondern auch daran, dass ich nur einen Schritt von der Kante entfernt war und unter mir das Meer rebellierte. Und so wie seine Augen in einem Blauton leuchteten, der an eine türkise Lagune erinnerte, hatte er ganz eindeutig seine Finger im Spiel.

»Du warst abgelenkt«, wiederholte er meine Worte, und auch wenn sein Unterton nichts verriet, machte sein Äußeres nur allzu deutlich, für wie dumm er das hielt. Zu meiner eigenen Schande konnte ich ihm nicht widersprechen.

Es war dumm.

»Ich –«

»Wenn ich dir also ein Messer zwischen die Schulterblätter gerammt hätte«, unterbrach er mich und blieb zwei Schritte vor mir stehen, »hättest du dann auch gesagt: Hey, stopp mal, ich war abgelenkt. Nimm das wieder zurück?«

Ich kniff leicht die Lider zusammen. Ballte die Fäuste, weil er es immer wieder schaffte, den Besserwisser raushängen zu lassen. »Du hättest mir kein Messer zwischen die Schulterblätter gerammt.«

»Ich hätte es nicht«, stimmte er mir gelangweilt zu, ließ seinen Blick schweifen. »Weil ich keine kleinen abgelenkten Mädchen töte. Aber das ändert nichts daran, dass ich die Chance dazu auf dem Silbertablett serviert bekommen habe, Allie.«

Wie immer, wenn er mich so nannte, zuckte ein merkwürdiger Schmerz durch meine Glieder, der sich anfühlte, als hätte mir jemand eine brennende Fackel in den Nacken gedrückt.

Sieh mal, Jelly Baby. Die Stimme in meinem Kopf klang wie eine fehlerhafte Aufnahme. Rauschend und kratzig. Wie etwas, das ich mal gekannt hatte. Wir haben dir deine Lieblingsbären mitgebracht. Extra die roten. Aber nicht vor dem Mittagessen, einverstanden? Du darfst zum Nachtisch welche haben.

Ich schüttelte die Erinnerung so schnell ab, wie sie gekommen war, und blies Kian mit einem Blinzeln drei Schritte rückwärts. Und gleichzeitig näher an die Kante der Klippe.

»Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du mich nicht so nennen sollst?«, knurrte ich und war so kurz davor, ihn ins Meer zu schubsen.

Doch statt Angst vor mir zu haben, funkelte Herausforderung in seinen Augen, die jetzt wieder ihren normalen Farbton angenommen hatten. Im Dunkeln waren sie einfach nur grau, aber ich kannte ihn. Und dummerweise wusste ich, dass seine Iriden mindestens so stürmisch waren wie das Meer, wenn es wütete. Rau. Düster. Unberechenbar.

»Vielleicht kannst du das noch ein paar Mal wiederholen. Und ganz vielleicht interessiert es mich irgendwann.«

»Du bist so ein …« Ich ballte die Fäuste, als sein Grinsen breiter wurde. Genauso wie mein Drang größer, ihm wehzutun.

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund hasste mich Kian. Gut. Wenn man es genau nahm, kannte ich den Grund. Aber dieser war so dämlich wie absolut nicht meine Schuld.

»Jetzt spann mich nicht so auf die Folter, Hurricane. Was bin ich?«

»Nass«, zischte ich, holte ohne mit der Wimper zu zucken aus und rief den Wind. Stieß ihn gegen ihn und beförderte Kian über den Rand der Steinklippe.

Für einen Herzschlag lang fühlte ich mich unglaublich stark, als ihm tatsächlich die Gesichtszüge entglitten und er sie gleich im Meer wieder geraderücken konnte. Ich hatte ihn kalt erwischt – aber dafür erwischte er mich verdammt heiß.

Plötzlich fühlte sich mein Hintern so an, als hätte jemand mit einem Brenneisen sein Siegel draufgedrückt. Und als könnte ich dem Schmerz entkommen, sprang ich nach vorn.

»Au! Was zur –« Mein Kreischen verwandelte sich in ein Keuchen, als er mich plötzlich packte. An sich zog. Lachte.

Wir stürzten die dreißig Meter hohe Klippe mit einer Geschwindigkeit runter, die meinen Magen gegen meine wild durcheinanderwirbelnden Eingeweide drückte. Verdammt!

So schnell ich konnte, kanalisierte ich mein Element und drückte den Wind von unten gegen uns. Allerdings war es etwas anderes, ihn als Sprungkraft statt als Auffangnetz zu benutzen. Trotzdem rief ich ihn, zog ihn an mich und klammerte mich gleichzeitig an Kian fest. Auch wenn alles in mir danach verlangte, mich von ihm los zu strampeln und ihn einfach allein ins Meer krachen zu lassen.

Wind pfiff uns um die Ohren, meine zu einem Dutt gebundenen Haare lösten sich, peitschten mir ins Gesicht, und Kians Lachen wurde lauter – dieser verdammte Mistkerl! Er hatte gewusst, dass ich kein Bock auf ein nächtliches Bad hatte und alles tun würde, um davonzukommen. Beinahe hätten wir dennoch eins genommen.

Ich schaffte es knapp zwei Meter über dem Meeresspiegel genug Wind zu erzeugen, um uns nicht wie einen Kometen einschlagen zu lassen. Wir schwebten. Kian mit dem Rücken zum Wasser, ich halb auf seiner Brust. Ehrlich gesagt war es ziemlich verlockend, dass mein Knie mühelos Schaden zwischen seinen Beinen anrichten könnte, aber ich musste mich konzentrieren.