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Lange Zeit galt die Annahme, dass sportliche Betätigung in der Schwangerschaft für die werdende Mutter und ihr ungeborenes Kind negative Auswirkungen haben könnte. Heute weiß man, dass diese Frage nicht so pauschal beantwortet werden kann. Die Wissenschaft ist sich einig, dass ein moderates Training bei Einhaltung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen zur Erhaltung der physischen und psychischen Fitness während der Schwangerschaft sogar wünschenswert ist. Art und Ausmaß dieses Trainings sind jedoch von entscheidender Bedeutung. Dieses Buch bietet dazu entscheidende Hilfestellungen. Franziska Piel ist studierte Sportökonomin und berichtet aus ihrer eigenen Erfahrung, wie Frauen trotz fortschreitender Schwangerschaft nicht auf ihre Leidenschaft Sport verzichten müssen.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 172
Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Impressum 3
Vorwort 4
Ein paar Worte zu mir – und die Verbindung zu dir! 7
Sport und Schwangerschaft – passt das zusammen? 13
Veränderungen und Verzicht in der Schwangerschaft 16
Was habe ich aus meinem bisherigen Leben mit Beginn meiner Schwangerschaft aufgegeben? 23
Der Umgang mit Terminen und Events 26
Mein persönlicher Terminkalender 30
Die körperlichen Symptome im Verlauf deiner Schwangerschaft – Ignorieren, trainieren oder tagesformabhängig modifizieren? 32
Das erste Trimester 33
Das zweite Trimester 39
Das dritte Trimester 41
Es zwickt und zwackt! Ist das normal? 47
Wie beeinflusst der Hormonhaushalt dein körperliches „Tun“? 54
Die Veränderungen des aktiven und passiven Bewegungsapparates in der Schwangerschaft 61
Trainingsmaßnahmen während und nach der Schwangerschaft 67
Deine Trainingsintensität in der Schwangerschaft 71
Allgemeine Hinweise für ein moderates Training 72
Geburt und Wochenbett 77
Mein Trainingsprogramm während der Schwangerschaft 79
(Sport-) Ernährung in der Schwangerschaft 87
Die Hauptnährstoffe (Makronährstoffe) 91
Proteine 97
Fette 99
Mikronährstoffe 103
Folsäure 105
Alkohol und Rauchen 111
Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke in der Schwangerschaft 112
Der Wasserhaushalt in der Schwangerschaft 112
Zwischen Appetitlosigkeit und Heißhungerattacken 116
Stillen oder Fläschchen – Vor- und Nachteile für Sportlerinnen 119
Stillen – Vom ursprünglichen Wunsch zum wachsenden Stressor 126
Wochenbett und Rückbildungsphase 129
Dein Wiedereinstieg ins Training 132
Zurück zu meiner Wunschform 136
Life Hacks für Sportlerinnen in und nach der Schwangerschaft 140
Das Wichtigste zum Schluss! Ein Leben mit Kind – Ist wirklich alles immer „happy life“? 149
Die Worte anderer sportlichen Mamas 152
Danksagung 157
Literaturverzeichnis 159
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2022 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99131-546-9
ISBN e-book: 978-3-99131-547-6
Lektorat: Leon Haußmann
Umschlagfoto: Franziska Piel
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
Innenabbildungen:
Bilder 1-3, 5-7: © Franziska Piel,
Bild 4: © Peter Tetzlaff | Dreamstime.com
Bilder 8-11: siehe Bildunterschriften
www.novumverlag.com
Vorwort
Es freut mich,dass du soeben dieses Buch zur Hand genommen hast! Da dich vermutlich der Titel, das Thema oder eine Empfehlung hierhergebracht hat, gehe ich davon aus, dass du dich nun selbst zu den werdenden Müttern zählst, dir wünscht, demnächst schwanger zu werden oder zum Umfeld einer großartigen Frau gehörst, die schon bald Nachwuchs erwartet. Jedenfalls möchte ich dich daher persönlich begrüßen und dich gerne auf diese besondere Reise mitnehmen.
Die Schwangerschaft ist für jede Frau, jeden Partner und auch das engere Umfeld eine neue und einzigartige Lebensphase. Ein neuer Mensch entsteht und die Entwicklung dieses kleinen Lebewesens gleicht einem Wunder. Selbstverständlich kommt es zu einigen Veränderungen, an die man sich zunächst gewöhnen muss. Dennoch seid ihr es allein, die die Verantwortung tragen und entscheiden werdet, welchen der unendlichen Wege ihr einschlagen werdet.
Dieses Buch habe ich speziell für Sportlerinnen geschrieben, die sich nun auf einen dieser neuen Wege machen, was keinesfalls bedeutet, dass ich die weniger sportbegeisterten Menschen ausschließen möchte. Auch ihr seid hier herzlich willkommen. Der Unterschied zwischen Sportlerinnen und Nicht-Sportlerinnen besteht jedoch darin, dass Sportlerinnen in der Regel stärker um ihren Körper besorgt sind, es häufig schwieriger für sie ist, die Kontrolle über den kurzfristigen natürlichen Lauf der Dinge in Bezug auf ihren Körper abzugeben und angeborene oder angeeignete Charaktereigenschaften zur Zielerreichung wie Disziplin, Ehrgeiz und Fleiß plötzlich an Wirksamkeit verlieren. Sportlerinnen, die zumindest ambitionierter oder sogar leistungsorientiert Sport treiben, haben in der Regel einen streng getakteten Tagesablauf, um Training, Job und soziale Kontakte unter einen Hut zu bekommen und sie handeln erfolgsorientiert. Damit verbunden gleichen sie sich oftmals in ihren Glaubenssätzen, Einstellungen und Interessen.
An dieser Stelle möchte ich nochmal betonen, dass ich sportliche Frauen nicht über weniger sportliche Frauen stelle. Sie sind nicht besser, erfolgreicher oder intelligenter. Sie folgen lediglich einer anderen Lebensphilosophie, in der ich sie als langjährige ambitionierte Sportlerin abholen und auf diesem neuen Weg begleiten möchte.
Der Sport ist für uns nicht nur das Ausüben verschiedener Sportarten, sondern auch alles drumherum, was dazugehört, um sportlich erfolgreich zu sein. Das Wissen über die Sportart selbst, das Training, die Aneignung spezieller Fähigkeiten und Fertigkeiten, um „immer besser zu werden“, ein starkes Mindset und auch ein passendes Verhalten abseits von Training und Wettkampf, wie z. B. eine angepasste Ernährung, ausreichend Schlaf und andere Regenerationsmaßnahmen, Zeitplanung und nicht zuletzt auch das eigene körperliche Erscheinungsbild. Auf der einen Seite haben Sportlerinnen häufig eine hohe Belastungs- und Schmerzgrenze, nehmen auf der anderen Seite ihren Körper jedoch viel sensibler und teilweise ängstlicher wahr, was wiederum zu einigen Besonderheiten in der Schwangerschaft führt.
Dieses Buch ist durch meinen eigenen Wunsch entstanden, die Achterbahnfahrt meiner eigenen Schwangerschaft mit dir zu teilen, meine Erfahrungen weiterzugeben, aber auch durch ein großartiges Netzwerk aus Experten, welches ich mir vor und während der Schwangerschaft aufgebaut habe, um das Wissen aus verschiedensten (Fach-) Bereichen zu kumulieren und eine ganzheitlichere Sicht auf alles zu haben, was eine Schwangerschaft so mit sich bringt.
Es gibt nicht die eine Wahrheit, die alle anderen Behauptungen und Empfehlungen unter den Tisch fallen lässt. Jeder Weg, jede Schwangerschaft und jede Frau sind individuell und daher wünsche ich mir, dass du dieses Buch als Inspiration siehst. Es ist ein großer Blumenstrauß, aus dem du dir das herausziehen darfst, was zu dir passt. Hinterfrage ruhig kritisch, ob du die Erkenntnisse und Ansätze teilst und höre in dich hinein, ob sich der Vorschlag wirklich gut für dich anfühlt. Es ist die subjektive Wahrnehmung meiner Person, im Austausch mit vielen anderen sportlichen Müttern und kombiniert mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen. Kurz: Es ist meine Geschichte! Und daher freue ich mich umso mehr, dass du bereit bist, sie zu lesen und wir uns hier treffen.
Mein Ziel mit diesem Buch ist, dir als Sportlerin, gleich welcher Sportart, Mut zu geben, trotz Kind auch weiterhin sportlich erfolgreich zu sein. Dir außerdem einige Fragen zu beantworten, die Menschen mit wenig sportlicher Betätigung nicht gut nachvollziehen können und dir aus meiner Erfahrung heraus die Chancen zu verbildlichen, die eine Schwangerschaft auch mit sich bringen kann. Der Aufbau dieses Buches soll den aktuellen Stand der Wissenschaft und Forschung mit persönlichen Erzählungen und Erfahrungen zusammenbringen. Die Kapitel sind nach dem Verlauf einer Schwangerschaft geordnet, beginnen mit einfach erklärten Fakten und sind gefolgt von meiner persönlichen Einschätzung als Frau, Mutter und Personal Coach. Somit lade ich dich dazu ein, dieses Werk zu nutzen, um das übliche „Hören und Sagen“ durch fundiertes Wissen besser einordnen zu können und darüber hinaus dein Vertrauen in deinen Körper und zu deinem Kind weiter aufzubauen.
Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!
Franziska Piel
Ein paar Worte zu mir – und die Verbindung zu dir!
Niemals habe ich daran gezweifelt, einmal Mutter zu sein. Es gab für mich keine Alternative. Ich selbst war gerne Kind, hatte Eltern, die mich liebevoll großzogen und mich dabei auch wirklich haben Kind sein lassen. Heute, durch den Einfluss der Medien, frühzeitige Reifeprozesse und fragwürdige Vorbilder, ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, einfach nur Kind sein zu dürfen. Ich spielte damals mit meinen Puppen, als wären sie meine eigenen Kinder und malte mir aus, wie meine Kinder wohl später einmal heißen würden. Ich hatte ein paar wenige Freundinnen, die bei der Frage nach Nachwuchs fast schon angewidert die Nase rümpften und eine Grimasse zogen. Mir ging es nicht so. Ganz im Gegenteil, wenn mich andere Menschen fragten, wie es mit Kindern aussähe, zuckte ich lächelnd die Schultern und entgegnete: „Bestimmt, irgendwann einmal!“
Und genau hier fängt es an: „Irgendwann einmal.“ Doch wann ist das denn? Ist das ein bestimmter Zeitpunkt, ein Gefühl, das mir sagen wird: „Jetzt! Jetzt ist es so weit?“ Diese Frage nach dem „Wann?“ drängte sich mit zunehmendem Alter mehr und mehr auf.
Doch nochmal ein paar Jahre zurück. Geboren bin ich 1987 in Frankfurt am Main als erste und einzige Tochter meiner damals Mitte 30-jährigen Eltern. Aus Erzählungen meiner Familie weiß ich, dass ich ein unkompliziertes Kind war. Als Baby schlief ich viel, beobachtete die Welt um mich herum und muckste nur kurz auf, wenn ich Hunger hatte. Ich lächelte viel und konnte mich auch über einen gewissen Zeitraum gut allein beschäftigen. Meine Eltern nahmen mich überall mit hin, achteten nur stets darauf, dass ich meinen Essens- und Schlafrhythmus beibehielt. Sie fuhren weiterhin in den Urlaub, sportelten und unternahmen generell viel – ich war eben einfach mit dabei. Ebenso reibungslos verlief meine Kindheit. Noch im Kindergartenalter begann ich mit verschiedenen Sportarten, liebte es, mich zu bewegen und entwickelte aufgrund frühzeitiger sportlicher Erfolge recht schnell eine ausgeprägte Leistungsbereitschaft.
Den ersten sportlichen Tiefpunkt erlebte ich mit 17 Jahren, als ich mir während eines Handballspiels meine Schulter stark verletzte, sodass ich nach einem sofortigen operativen Eingriff und einer langen Rehabilitationsphase nicht wieder spielen konnte. Das war damals der erste wirkliche harte Schlag. Eine Sportart aufgeben zu müssen, die ich so sehr liebte.
Ich brauchte also etwas Neues, wobei ich durch Wettkämpfe meine Leistung messen konnte, eine Sportart, die ich trotz Schultereinschränkungen ausführen und gleichzeitig lieben würde. Der Zeitpunkt kam, als ich mit meinen Eltern 2005 nach Hawaii flog, da sich mein Vater für die Ironman Championships qualifiziert hatte. Es war ein Spektakel. Dieser exotische Lifestyle, so viele Extremsportler auf einmal und die Wirkung dieses Zusammenhalts in der Triathlon-Szene faszinierten mich. Das wollte ich auch! Ich bekam ein Rennrad, lernte richtig zu schwimmen und gewöhnte mich daran, mehr als 10 km am Stück zu laufen. Anfänglich war es neu und daher interessant. Ich glaubte wirklich, eine neue Leidenschaft entdeckt zu haben. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann kann es meist nicht schnell genug gehen. Und so war es auch mit dem Triathlon. Ich meldete mich für die ersten Rennen an, damals olympische Distanz, heute Sprintdistanz, und sammelte Erfahrungen mit Trainingsbedarf, „Pacing“ und Durchhaltevermögen. Allerdings strengte mich im Triathlon subjektiv betrachtet alles an, vor allem das Radfahren. Schnell verlor ich die anfängliche Freude daran, fand es cool, einen ambitionierten Trainingsplan zu verfolgen, doch jede längere Radeinheit auf dem Plan bereitete mir Tage zuvor schon Bauchschmerzen. Leider waren meine Leistungen nur Mittelmaß. Nicht schlecht, aber eben auch nicht gut. Doch ich kannte dieses Mittelmaß nicht. Bislang war ich immer in allem gut! Warum auf einmal nicht mehr? Ich lernte andere Sportlerinnen in meinem Alter kennen, die sich trotz Ermüdung auf jede einzelne Trainingseinheit freuten und dann auch noch außerordentliche Platzierungen in den Rennen einfuhren. Wie war das möglich? Ich trainierte doch auch hart. So schwanden nach und nach der Spaß, die Freude und die Motivation am Triathlon. Doch auch das wollte ich nicht einsehen und trainierte weiter. Über meine Grenzen hinaus, ohne Rücksicht auf Verluste. Durch meine Anmeldung zum Ironman Frankfurt 2009 wollte ich es nicht nur mir selbst, sondern allen anderen beweisen, was für eine gute Sportlerin ich doch war. Wie schon erwähnt, mein Selbstwertgefühl war nicht besonders groß und ich musste mir Anerkennung und Wertschätzung von außen holen. Zumindest meiner heutigen Reflektion nach zu urteilen. Am Wettkampftag des Ironman Frankfurts kam es dann zum zweiten Tiefpunkt. Wie erwartet und, wie man unter Triathleten so schön sagt, sollte es ein Tag werden, den ich nie vergessen würde. Dieser Tag war es definitiv. Schon nach gut der Hälfte der Radstrecke war ich körperlich am Limit. Mir taten die Beine weh, der Bauch krampfte und ich verspürte eine latente Übelkeit. Im Grunde befahl mir damals mein Körper, auf ihn zu hören und den Wettkampf zu beenden. Doch „aufgeben“ gab es weder in meinem Vokabular noch in meinen Gedanken. Es ging weiter. Den Marathonlauf durchstand ich in einer Art Trance und erreichte schließlich die Ziellinie. Ich durfte mich offiziell zu den Finishern zählen. Leider konnte ich das erlösende Gefühl über das Ende einer langen zehrenden Zeit nicht genießen. Nach einer Woche unter Schmerzen und völliger Erschöpfung kollabierte ich während einer Vorlesung. Es passierte einfach so. Plötzlich hatte ich das Gefühl, die Kontrolle über mich und meinen Körper zu verlieren. Als würden sich Wattebällchen in meinem Kopf ausbreiten und meine Beine nicht mehr zu mir gehören. Nach zwei aufregenden Tagen in der Klinik wurde ich ohne Befund wieder entlassen. Diese „Attacken“ blieben jedoch. Sie kamen, wann sie wollten, von einer Sekunde auf die andere. Für mich war das so schlimm, dass ich mich schon gar nicht mehr traute, irgendwo hinzugehen oder allein zu trainieren. Ich hatte das Gefühl, meinen Körper nicht mehr kontrollieren zu können und dazu eine wahnsinnige Angst. Angst vor der Ohnmacht, dem Zusammenbruch, der Aussichtslosigkeit, der Zukunft, der Leere, Angst vor dem Tod. Selbst heute, beim Schreiben dieser Worte klingen sie in meinen Ohren krass und übertrieben. Doch genau so waren die Gefühle und Gedanken. Unrealistisch, unnachvollziehbar und abwegig.
Es folgten Arztbesuche hier und da, Entspannungsrituale, Bücher, die ich las, weil ich dachte, damit sei mir geholfen. Dem war nicht so. Erst über die Zeit hinweg lernte ich, mit diesen Angstattacken umzugehen, mich in andere Zustände zu versetzen und genauer in mich hineinzuhören.
Überwunden habe ich diesen Tiefpunkt nur mit der Zeit, durch Hilfe und durch den Versuch, mich selbst kennenzulernen. Dabei spielte der Sport immer eine der größten Rollen, aus Liebe zur Bewegung, dem Körpergefühl und meinem Wettkampfcharakter. So schloss ich mein Studium der Sportökonomie ab, erwarb eine Vielzahl an Trainerlizenzen und fand eine Sportart für mich selbst, die mir wirklich Spaß machte, die mich bis heute im positiven Sinne herausfordert und bei der ich endlich auch aus tiefstem Herzen heraus sagen kann, dass mir jede einzelne Trainingseinheit Spaß und Freude bereitet. Es ist eine Sportart, die schon im Namen selbst zwei Komponenten vereint, mit denen ich mich identifizieren kann: „Cross“ für die Vielfältigkeit der Bewegungsarten und Trainingsformen und „Fit“ für die körperliche und mentale Fitness. CrossFit und daraus abgewandelte Wettkampfsportarten geben mir bis heute die Möglichkeit, frei, flexibel und unterschiedlich intensiv zu trainieren und Wettkämpfe zu bestreiten, an denen ich mich mit mir selbst und anderen messen kann. Das treibt mich an und motiviert mich! Darüber hinaus habe ich angefangen, regelmäßig zu meditieren und meine Atmung zu kontrollieren, habe einige Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung besucht, selbst eine Coachingausbildung gemacht und über die Jahre meine Leidenschaft zum Beruf werden lassen. Als Group Fitness, Fitnesscoach und Personal Trainerin kann ich nun die Erfahrung aus meiner eigenen sportlichen Karriere, kombiniert mit meinem sport- theoretischen Wissen, an andere Menschen weitergeben. Im Jahre 2015 habe ich mein eigenes Unternehmen „Heldentraining“ gegründet und begleite Menschen in den Bereichen Körper, Biochemie und Psyche auf ihrem Weg zum Erfolg. Heute kann ich sagen, dass ich glücklich mit meinem Werdegang bin und alles, was ich tue, gerne tue. Es war ein längerer und holpriger Weg, doch rückblickend möchte ich keine Phase oder keinen Moment dieses Weges missen. Alles, was geschehen ist und alle Entscheidungen, die ich getroffen habe, haben mich hierhergeführt, wo wir uns gerade begegnen und mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin. Und genau dieser Mensch hat dieses Buch geschrieben, mit einer Note persönlicher Einstellung und Erfahrung, gepaart mit wissenschaftlichen und medizinischen Fakten, sodass ich mir wünsche, dich an mancher Stelle motivieren, inspirieren und vorbereiten zu können, dich aber auch bitte, nie zu vergessen, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, sondern viele verschiedene, mit noch mehreren Abzweigungen. Und so darfst du alle Inhalte beliebig (ver-)werten.
Aber was hat nun meine Geschichte mit dem eigentlichen Thema dieses Buches zu tun? Nämlich der Herausforderung und Besonderheit einer Sportlerin in der Schwangerschaft?
Auf den ersten Blick sicherlich nichts, und doch verspreche ich dir, es hat viel damit zu tun, denn alles dreht sich um „uns“. Wie wir als Sportlerinnen mit dem Thema Schwangerschaft umgehen, was uns unter Druck setzt, welche mentalen Hürden wir nehmen müssen, auf was wir gegebenenfalls verzichten sollten, wie wir uns dabei selbst treu bleiben und vor allem unsere Sportroutine und Ambitionen beibehalten, sowohl für den Kopf als auch den Körper.
Daher lass uns doch ganz von vorne beginnen und ein paar typische Situation vor, während und nach der Schwangerschaft, gemeinsam betrachten.
Sport und Schwangerschaft – passt das zusammen?
Sport und Schwangerschaft sind zwei große Themenbereiche, die auf den ersten Blick nicht gut zusammenpassen. Dicker Bauch, Trägheit, physische und psychische Veränderungen auf der einen Seite – Motivation, Disziplin und Lernbereitschaft für körperliche Anstrengungen auf der anderen Seite – widerspricht sich das nicht? Vermutlich widmest du dich genau deshalb diesem Buch, um für dich eine taugliche Lösung zu finden, diese zwei Bereiche erfolgreich zusammenzubringen. Obwohl wir gleich viel weiter vorne anfangen, bevor wir dann später zu den genaueren Trainingsmethoden und Sportarten kommen, möchte ich gerne eine kurze Zusammenfassung vorwegnehmen.
Die Ausübung von Sport in der Schwangerschaft führt immer wieder zu Verunsicherungen und Fragen, wie „Was kann ich? Was darf ich? Was soll ich?“ Lange Zeit war man der Ansicht, dass sportliche Betätigung in der Schwangerschaft für die Schwangere und deren Ungeborenes negative Auswirkungen haben könnte. Diese Ansicht hat sich jedoch in den letzten Jahren deutlich geändert.
Frauen, wie vielleicht auch du, die bereits vor der Schwangerschaft regelmäßig trainiert haben, möchten ihre körperliche Fitness und ihren sportlich geprägten Lebensstil während der Schwangerschaft nicht verlieren. Vor allem Leistungssportlerinnen wollen ihr Training möglichst lange fortführen, um die sportliche und berufliche Karriere auch nach der Schwangerschaft fortsetzen zu können. Aber auch bisher weniger sportliche Frauen entwickeln vermehrt in der Schwangerschaft ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein mit dem Wunsch, sich gesund zu ernähren und sportlich zu betätigen.
Oftmals lauten die Empfehlungen seitens der Ärzte, der Hebammen oder anderen Experten: „Mach alles, was dir gut tut.“ Diese Aussage ist jedoch sehr pauschal und gleichzeitig kritisch zu betrachten, denn auf der einen Seite gibt es Frauen, die vor der Schwangerschaft sehr ambitioniert Sport betrieben haben, hohe Belastungen gewohnt sind und viel aushalten, was bei unveränderter Fortführung durchaus zu Überlastungen und langfristigen Schäden beim Kind führen könnte und auf der anderen Seite Frauen, die den Sport rein aus Vernunftgründen betreiben und nach dem Minimalprinzip leben, was wiederum für eine Aufrechterhaltung der Gesundheit während der Schwangerschaft zu wenig sein könnte. So stellt sich die Frage, welche Sportarten oder Disziplinen mit welcher Intensität und Häufigkeit betrieben werden können, ohne sich selbst sowie die Entwicklung des Kindes zu gefährden.
Sicher ist, die Schwangerschaft als besondere Lebensphase bewirkt verschiedene Umstellungen im weiblichen Organismus. Es kommt zu Veränderungen am kardiovaskulären und respiratorischen, hormonellen System, Umstellungen des Stoffwechsels sowie Anpassungen am Muskel-Skelettsystem. Nicht zu unterschätzen sind außerdem die emotionalen und psychischen Adaptionen, die sich auf dein Sportverhalten und deinen Körper auswirken können.
Um dich jetzt nicht allzu lange auf die Folter zu spannen und die wichtigste Frage vorab zu beantworten, möchte ich vorwegnehmen, dass trotz aller Diskussionen und Fragezeichen aus medizinischer und wissenschaftlicher Sicht ein moderates Training zum Erhalt physischer und psychischer Fitness unter Berücksichtigung allgemeiner Trainingshinweise, Vorsichtsmaßnahmen und Kontraindikationen wünschenswert ist. Durch ein regelmäßiges modifiziertes Training kann schwangerschaftsbedingten Erkrankungen wie Gestationsdiabetes, Übergewicht, Hypertonie, Thrombosen, Ödemen, o. ä. vorgebeugt werden.
Sportlerinnen orientieren sich gerne an Zahlen, Daten und Fakten. Gemeint sind damit konkrete Hinweise zu quantifizierbaren Parametern wie Pulsbereiche, Blutdruck, Atemfrequenz, Körpertemperatur, Zeit, Häufigkeit und Umfang – belegt durch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfolgsberichte. Doch neben diesen „Hardfacts“ beeinflussen noch andere Dinge deine Leistungsfähigkeit in der Schwangerschaft. Emotionale Vorgänge, körperliche Veränderungen, Schmerzen und Symptome im weitesten Sinne und andere Einschränkungen, die vielleicht durch externe Bestimmungen gegeben sind. Daher geht es in den folgenden Kapiteln nicht nur um den Sport selbst, sondern eben auch um die „Softfacts“, die gegebenenfalls zu einer sportlichen Stagnation, im besten Fall zu einer Vermeidung dieser Stagnation führen können – kurzum, es geht um deinen Erfolgsweg.
Und dieser Weg beginnt nicht erst mit bereits wachsendem Babybauch, sondern schon lang vorher, bei der Überlegung, ob und wann du Kinder bekommen möchtest.
Veränderungen und Verzicht in der Schwangerschaft
„Was musst du aus deinem bisherigen Leben aufgeben, wenn du schwanger bist?“ Allein die Frage klingt dramatisch, fast schon wie ein Schicksalsschlag. Jedoch habe ich diese Frage bewusst gestellt, denn im Dialog mit unserem eigenen Ich sind wir selten gnädig und nehmen kein Blatt vor den Mund. Vor allem mit dem eigenen Körper gehen Frauen hart ins Gericht, denn der vermeintliche Standard der weiblichen Schönheit ist sehr hoch. So geben wir uns selten zufrieden mit dem, was wir haben. Hin und wieder neigen wir dazu, zu dramatisieren und die Realität schlechter zu reden, als sie ist. Die Perspektive richten wir dabei auf uns selbst, im Kontext zu unserer Umgebung. Klingt egoistisch? Ist es auch, doch wer behauptet, dass Egoismus etwas Negatives ist?
