Bloody Eyes - Daniel Daesler - E-Book

Bloody Eyes E-Book

Daniel Daesler

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Beschreibung

In einer nicht näher bekannten Stadt in Deutschland wird im Jahr 2018 ein Germanist ermordet. Timo Wächtler und sein Team übernehmen die Ermittlungen. Währenddessen machen seine Frau Nadia und sein sieben Jahre alter Sohn Moritz Bekanntschaft mit dem introvertierten amerikanischen Maler Andrew Francise, der wegen einer Gastprofessur in die Stadt gekommen ist. Der bekommt wiederum ungebetenen Besuch durch seine Jugendfreundin Amanda Valley und das Chaos ist perfekt. Nadia und Andrew scheinen sich zu kennen, obwohl das nicht sein kann. Zudem ist Andrew nicht in der Lage irgendwelche Gefühle zu zeigen. Schließlich kommt heraus, dass Andrew nicht der ist, der er vorgibt zu sein und eine mächtige Organisation spannt im Verborgenen ihre Flügel aus. Andrew widersetzt sich seinen Befehlen Timo zu ermorden und trifft kurz darauf mit der Amerikanerin Kathrin Fines zusammen. Es kommt zum Kampf zwischen zwei Schwertern…

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Seitenzahl: 738

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhaltsverzeichnis

Der tote Professor

Der Künstler

Der Junge

Begegnung

Schatten

Mutterliebe

Amor animas ligat

Dunkelheit

Blut

Mea Culpa

Licht

Verrat

Freunde

Die Psychologin

Wahrheit

Das Versprechen

Liebe

Narben

Roter Wind

Freiheit

Bloody Girl

Der tote Professor

Der Professor griff nach dem rauschenden Wasserkocher, goss das heiße dampfende Wasser in die Tasse und zog am Beutel. Es färbte sich schwarz. Schwarzer Tee. Ja, er liebte schwarzen Tee. Als der Tee durchgezogen war, entfernte er den Beutel, mischte ihn sich mit zwei Würfeln Zucker und verrührte alles. Ein heißer Tee. Genau den brauchte er jetzt. Es war früh am Abend und die Nacht war noch lang. Er hatte noch einiges zu tun. Mit der Tasse in der Hand verließ er die Küche, ging in das Wohnzimmer, rührte ihn dabei immer weiter um und lächelte zufrieden. Er konnte mit sich zufrieden sein. Der Löffel rieb knirschend in der Tasse. Im schwarzen Wasser spiegelte sich der hell leuchtende Vollmond wieder. Da strich ihm ein stiller Hauch über den Nacken. Nanu; er konnte sich nicht erinnern das Fenster offen gelassen zu haben. Plötzlich stoppte der Löffel. Er riss seine Augen auf, stöhnte und fiel nach vorn. Die Tasse fiel auf den Teppich und verschüttete den Tee. Im Rücken des toten Professors steckte ein schwarzer Messergriff. Eine schwarze Gestalt trat aus einer dunklen Ecke hervor, beugte sich über den toten Körper und zog an dem Messer. Die lange scharfe zweischneidige Klinge blitzte im Mondlicht. Zwei Bluttropfen rannen von der Messerspitze. Ein kalter Wind blies durch den Raum. Die Gestalt war spurlos verschwunden. Nur die Balkontür stand speerangelweit offen und flutete den Raum mit dem kalten Wind der Nacht.

Timo Wächtler riss mitten in der Nacht seine braunen Augen auf, weil sein Phone bimmelte und er dachte sich nur, dass er diesen nervigen Ton unbedingt ändern musste. Irgendein Song, der vor Monaten mal ganz oben war und jetzt immer peinlicher wurde. Er tastete sich durch die Dunkelheit über seinen Nachttisch, immer dem Ton folgend. Da hatte er es. Er nahm an:

»Ja«, flüsterte er leise. »Ist gut. Ich komme.«

Er legte das Phone wieder aus der Hand und schlich vorsichtig aus dem Bett, weil er seine Frau nicht wecken wollte. Immerhin stand auf der Uhr eben drei Uhr morgens. Es war ein früher Morgen im Jahre 2018. Er stand vorsichtig auf und suchte nach dem Stuhl, worauf er noch vor wenigen Stunden seinen Anzug geworfen hatte. Gestern war der Tag lang geworden. Leise streifte er sich sein Hemd über, zog sich die Hose an und schnallte den Gürtel um. Timo zog sich noch schnell die Socken an und fiel dabei fast um. Dann tastete er sich mit seiner Anzugsjacke und seinem blauen Schlips in der Hand zur Tür vor. Geschafft. Er schlich auf Zehenspitzen durch den dunklen Korridor, öffnete die Tür zum Bad, trat ein, schloss leise die Tür und schaltete das Licht an. Endlich Licht. Dort konnte er erst einmal das ganze Elend im Spiegel betrachten. Sah er vielleicht aus. Jetzt musste er sich aber waschen und rasieren. Was sollte man von ihm denken, wenn er so durch die Gegend lief? Er griff nach seinem Rasierer und fuhr sich durch das Gesicht, legte ihn weg, griff nach seinem Aftershave und strich es über sein Kinn. Ja, so sah man mit einunddreißig aus. Er band sich seinen Schlips um, richtete seinen Kragen und kämmte sich seine kurzen naturblonden Haare. Als er schnell damit fertig war, machte er das Licht wieder aus, öffnete die Tür, schlich mit der Jacke über seinem Arm durch den dunklen Korridor und tastete sich die Treppe hinab. Er musste in den Keller. Das war nicht leicht, aber er wollte die beiden nicht wecken. Nicht wie an diesen einen Morgen. Da war er mal die Treppe runtergepurzelt und hatte alles aus dem Bett gerissen. Dafür hatte er von ihr eine furchtbare Standpauke kassiert. Aber das war jetzt egal. Ganz unten angekommen ging er in seinen Hobbyraum. Dort befand sich ein Tresor, der hoch im Regal stand. Er zückte einen Schlüssel aus seiner Hosentasche und schloss ihn auf. Heraus holte er seine P99, die in ihrem Holster steckte, das er sich gleich umschnallte. Nun konnte er sich die Jacke überstreifen und wieder nach oben schleichen. Im Erdgeschoss zog er sich seine Schuhe an, die an der Garderobe standen und seinen knielangen hellen Mantel über. So verließ er sein Haus und ging durch die Dämmerung auf seinen Wagen zu, den er gestern nicht mehr in die Garage fahren wollte, setzte sich ans Steuer und fuhr los.

Es war ein Gewusel von Streifenpolizisten, Sanis und Spurensicherer. Die Wohnung in die Timo eintrat, schien sehr geräumig, aber war für diese Menge an Leuten doch zu klein. Ein etwas dicklicher Mann mit kurzen braunen Haaren, braunen leuchtenden Augen und einem sehr verknitterten Anzug kam auf ihn zu.

»Chef, da sind Sie ja.«

»Rene, ich hab dir doch das Du angeboten.«

Rene Hebler war noch nicht lange dabei, eben etwas schüchtern und überhöflich dazu. Aber Timo war doch vielleicht ein Jahr älter, da siezte man sich doch nicht. Doch das spielte jetzt keine Rolle.

»Du bist also auch schon hier. Wer ist es?«

Hebler zückte einen Notizblock.

»Der Mann heißt, äh, ich meine hieß, Walther Reichenau.«

»Reichenau?«, Timo sah sich um.

»Ja, er war fünfundfünfzig Jahre alt und…«

»Professor für Narration.«

Hebler sah ihn ungläubig an.

»Das stimmt. Aber woher wissen Sie das?«

»Weil der Mann nicht unbekannt war«, ein Mann in Jeans und Lederjacke mit kurzen blond gefärbten Haaren und blauen Augen fasste Timo an die Schulter.

»Ah, Marcel. Wie immer etwas später, aber dafür frischer.«

Marcel grinste über das ganze Gesicht.

»So ist das eben.«

Marcel Wagenbauer. Ein alter Freund von Timo. Die beiden kannten sich schon seit sie bei der Polizei angefangen hatten. Sie näherten sich der Leiche. Reichenau lag mit dem Bauch auf dem Boden seines Wohnzimmers. Seine schwarzgrauen Haare waren zottelig. Er trug seinen Schlafanzug und darüber einen rotweiß gestreiften Bademantel, der an einer Stelle blutrot gefärbt war.

»Wer hat ihn gefunden?«, fragte Timo und wandte sich an Hebler.

»Die Ehefrau, äh…«, Hebler blätterte wieder durch seinen Block,

»Gertrud Reichenau.«

»Ist die Frau vernehmungsfähig?«

»Äh, jein.«

»Jein?«

»Na ja. Die Frau ist gerade bei ihrem Seelsorger und will heute Mittag ihre Aussage machen.«

Timo schlug sich auf die Knie.

»Wunderbar. Und warum sind wir jetzt hier?«

Hebler spielte an seinen Fingern.

»Ich dachte, wir sollten uns selbst ein Bild machen. Von dem Tatort meine ich.«

»Schon klar«, lachte Marcel.

»Na, wo er recht hat, hat er recht«, bestätigte Timo und klopfte Hebler wohlwollend auf die Schulter. »Aber ins Bett brauchen wir uns nicht mehr legen. Bis zum Schichtbeginn ist es ja doch nicht mehr lang.«

Sie wandten sich zur Tür und verließen das Haus des toten Professors. Ein Leichenwagen fuhr gerade vor und entlud hastig einen grauen Metallsarg. Auf der Türschwelle ergriff wieder Timo das Wort.

»Lasst uns zur Wache fahren und einen Kaffee trinken. Und Marcel, den Kaffee kochst diesmal du. Rene kann sich auch mal ausruhen.«

Marcel musste grinsen.

»Du bist der Chef.«

Er saß an seinem Schreibtisch, als das Telefon klingelte. Er schaute noch auf die Uhr bevor er abnahm. Halb acht. Vor ihm stand eine halb ausgetrunkene Tasse Kaffee. Er konnte sich schon denken wer das jetzt war.

»Wächtler. Ah Schatz, du bist es. Natürlich bin ich heute Nacht zuhause gewesen. Ich musste nur sehr früh wieder raus. Ähm, so etwa um eins. Um drei musste ich wieder gehen. Nein, geschlafen habe ich nicht. Ich weiß, du hast recht. Das ist wirklich nicht gut für mich. Na, ob das heute noch was wird weiß ich nicht. Wir haben einen wirklich heißen Fall übertragen bekommen. Klar, grüß den Kleinen von mir. Tschüss.«

Er küsste den Hörer, fing an zu lächeln und streichelte ein Bild, das auf seinem Schreibtisch stand, worauf er mit einer Frau und einem kleinen Jungen abgebildet war. Sie machte sich solche Sorgen um ihn. Sie war so gut. Sie tat so gut. Hebler kam gerade ins Büro und hielt eine Kanne Kaffee in der Hand.

»Noch einen Kaffee Chef? Ich mein, ich habe gerade noch welchen gekocht«, er hatte dicke Ränder unter den Augen.

»Noch eine Kanne gekocht?«, Timo starrte ungläubig in seine noch halbvolle Tasse und trank den lauwarmen Kaffee aus.

»Warum nicht. Aber sag mal… «, Hebler schüttete gerade den Kaffee ein, »Wo ist der restliche Kaffee hin?«

»Den habe ich getrunken.«

Das mussten mehr als vier Tassen sein. Er sah Hebler an und musste in diesem Moment gähnen.

»Ich glaube wir sollten demnächst mehr schlafen. Wie sollen wir denn unseren Job erledigen, wenn wir bald im Stehen einpennen?«

Er hatte Marcel zur Uni geschickt. Er sollte sich dort ein wenig umhören. In der Gerüchteküche kochten immer viele Köche. Timo drehte Däumchen oder auch bald am Rad. Nach zwei Tassen Kaffee, einem oberflächlichen Gespräch mit Hebler und ewigem Warten sollte doch bald endlich die Witwe eintreffen. Das musste doch hier weitergehen. Die Mörder setzten sich doch auch nicht hin, tranken Kaffee und erzählten sich irgendeinen Dusel, während die Polizei ermittelte. Taten sie das nicht? Egal, er musste doch etwas tun können. Dann ging die Tür plötzlich auf und Heblers Kopf zeigte sich im Spalt.

»Chef, sie ist da.«

Er öffnete die Tür und machte einer in die Jahre gekommenen mit dunkel gefärbten Haaren, gut gekleideten Frau Platz, die zögerlich eintrat. Timo stand auf, rückte den Stuhl vor seinem Schreibtisch und bot ihr den Platz an.

»Treten Sie ruhig ein. Nehmen Sie doch Platz Frau Reichenau.«

Jetzt war ihr anzusehen, dass sie nur ein Häuflein Elend war. Sie zitterte etwas und hatte weinerliche Augen. Das Gespräch mit dem Seelsorger hatte wohl nicht ganz gereicht. Sie setzte sich und legte ihre Handtasche auf den Schoß.

»Frau Reichenau. Kann ich Ihnen ein Taschentuch anbieten?«

»Danke«, seufzte sie.

Timo schaute Hebler auffordernd an. Der nickte, verließ den Raum und schloss die Tür hinter sich.

»Darf ich Ihnen zu Beginn mein herzliches Beileid ausdrücken?«

Die Frau verwischte sich den nassen Liedschatten und nickte. Timo nahm ein Dokument im PC auf und begann.

»Zu Ihren Personalien: Sie sind Gertrud Reichenau, geborene…?«

»Ärmeling«, sie hatte etwas Wehleidiges in ihrer Stimme.

»Ihr Alter?«

»Ich bin jetzt vierundfünfzig.«

»Gut, und Ihr Beruf?«

»Ich bin Hausfrau.«

Er versuchte zu lächeln.

»Damit wären wir mit den Personalien durch. Sagen Sie mir doch bitte, was heute Morgen eigentlich vorgefallen ist.«

Sie musste schluchzen.

»Na ja, ich bin um eins wach geworden. Wissen Sie, ich werde manchmal mitten in der Nacht wach, weil ich auf die Toilette muss.«

»Ja.«

»Ich bin also aufgestanden und habe mich gewundert, dass mein Mann nicht im Bett liegt, bin dann in den Flur rein und ganz normal auf der Toilette gewesen. Als ich fertig war, bin ich wieder in den Flur und wollte schauen, ob er vielleicht in seinem Arbeitszimmer eingeschlafen ist.«

Timo tippte aufmerksam in Stichpunkten mit.

»Wissen Sie, mein Mann hatte so seine Angewohnheiten. Er hatte sich immer zu den seltsamsten Zeiten entschlossen zu arbeiten.«

»Auch nachts?«

»Ja, da hat er besonders viel gearbeitet. Er liebte es in seinem warmen Bademantel am Schreibtisch zu sitzen und die Vorlesungen für die nächste Woche vorzubereiten oder ging noch einmal über seine Texte. Manchmal hat er auch einfach nur Literatur verschlungen.«

Timo musste schmunzeln.

»Er war Literaturwissenschaftler. Da hat man dafür wohl eine Leidenschaft.«

»Das kann man wohl sagen. Sie wissen ja wofür mein Mann bekannt geworden ist.«

»Allerdings, auch wenn ich keine Zeit hatte das Werk zu lesen, aber erzählen Sie doch weiter.«

»Ich bin also in das Wohnzimmer. Man muss durch das Wohnzimmer, wenn man in das Arbeitszimmer will, und da habe ich ihn da liegen sehen«, sie faste sich an die Stirn. »Ach war das schrecklich. Mich hat fast der Schlag getroffen. Ich hab sofort den Notarzt gerufen und im Anschluss die Polizei, aber der Notarzt konnte nur noch seinen Tod bestätigen und die Polizei hat damit angefangen meine Wohnung abzumessen.«

Timo lächelte Sie gutmütig an.

»Die Spurensicherung muss ja herausfinden, wie man Ihrem Mann das angetan hat. Glauben Sie mir, wir finden das schon raus.«

Sie wischte sich immer noch die Augen.

»Aber das bringt mir meinen Walther auch nicht mehr zurück.«

»Da haben Sie leider recht.«

Jetzt musste auch Timo etwas trübselig werden. Verhindern konnten sie die Tat nicht, aber den Täter konnten sie fassen. Das Erste wäre immer das Bessere gewesen, aber wann konnte man schon so etwas vorhersehen?

»Ich bin dann, als es mir zu viel wurde zu meinem Pastor gegangen.«

»Sie sind also sehr gläubig?«

»Nicht besonders, der Pastor ist ein alter guter Freund von mir.«

»Ich verstehe. Gut Frau Reichenau. Aber haben Sie wirklich nichts gehört?«

Sie grübelte kurz nach:

»Nein. Ich wollte gern, ich hätte was gehört, aber ich muss sehr tief geschlafen haben.«

Timo stand auf, reichte ihr die Hand und rückte den Stuhl zur Seite.

»Dann danke ich Ihnen Frau Reichenau. Wenn ich noch etwas wissen muss kommen wir wieder auf Sie zu.«

»Ja, danke.«

Er gab ihr noch ein Taschentuch und öffnete ihr die Tür.

Am nächsten Tag sah Timo schon viel frischer aus. Kein Wunder, er hatte mehr oder weniger ausgeschlafen, einen Kaffee getrunken, einen Kuss von seiner Frau bekommen, den Kopf von seinem kleinen Sohn gestreichelt und einen Toast mit Schokocreme gegessen. Konnte man besser in den Tag starten, als mit einem Kaffee und einen Toast mit Schokocreme? Als Hebler in das Büro trat, konnte man sehen, was gesunder Schlaf bewirken konnte. Der Mann hatte seine Haare vernünftig gekämmt, sein Anzug war in Ordnung, sein Schlips saß, seine Augenränder waren weg und das Schönste war, dass er etwas verlegen lächelte.

Das konnte nur etwas Gutes bedeuten.

»Hey Rene! Guten Morgen.«

»Guten Morgen Chef.«

Timo wollte es bald aufgeben.

»Was hast du denn da für mich?«

»Den Bericht der Spurensicherung.«

Timo strahlte. Jetzt musste es ja weitergehen.

»Und was haben die herausgefunden?«

»Nicht viel, also fast gar nichts. Ich mein, die haben nichts gefunden bis auf Einbruchspuren an der Balkontür.«

Das war ja schon mal etwas. Ein Einbruch also.

»Was hältst du davon?«

»Ich?«, Hebler wurde wieder leicht hibbelig, »Die Frau war es nicht. Da ist jemand eingebrochen und hat den Mann ermordet.«

Timo grinste.

»Sauber oder sie hat die Spuren gelegt, um von sich abzulenken.«

»Die Spuren sind von außen festgestellt worden, also, der Täter ist von draußen und nur von draußen rein gekommen. Die Frau hätte auf den Balkon klettern müssen.«

Timo nickte. Hebler war zwar schüchtern und meist unsicher im Auftreten, aber der Kerl achtete auf alles. Ein richtig Heller, der hier genau richtig war. Ohnehin hatte er nicht geglaubt, dass Frau Reichenau die Täterin war. Warum? Ein vernünftiges Motiv fehlte. Jetzt musste sich zeigen, was die Gerüchteküche servierte. Hebler ging wieder zur Tür.

»Wohin geht es?«

»In die Rechtsmedizinische Chef.«

Er verschwand und schloss die Tür hinter sich. Der Mann war wirklich nicht auf den Kopf gefallen. Nach einer Weile trat Marcel mit einem breiten Grinsen im Gesicht in das kleine gelbe Büro.

»Na Herr Kollege!«, er rieb sich die Hände.

»Hey Marcel! Na sag schon, was haben sie gezwitschert?«

»Jede Menge. Jede Menge Mist, aber da war auch eine gute Story dabei.«

Das hörte sich interessant an.

»Der Professor hat wirklich einen richtigen Feind gehabt. Seinen Fachkollegen Professor Dr. Kramer.«

Timo faltete seine Hände zusammen.

»Das ist wirklich interessant. Den müssen wir uns vornehmen, der hat sicher ein Motiv gehabt.«

»Und was für Eins. Der hat dem Prof in aller Öffentlichkeit eine gezimmert und lauthals behauptet er wolle sich den Ruhm alleine einheimsen.«

Timo fasste sich nachdenklich mit der rechten Hand ans Kinn.

»Also Rache. Gut, dann lade doch bitte die Familie Kramer zum Gespräch.«

Das hörte sich doch gut an. Da hatte endlich jemand ein Motiv. Der Fachkollege war neidisch auf den Ruhm seines Kollegen. Oder war da vielleicht noch mehr? Hatte er ihn denn wirklich um den Ruhm gebracht? Dann hätte er aus Hass und Wut gehandelt. Affekt oder geplant? Die Tür war aufgebrochen. Es kam ganz darauf an, was die Rechtsmedizin herausfand. Wurde er erschossen? Unmöglich, so tief hatte Frau Reichenau nicht schlafen können. Die Nachbarn hätten auch was hören müssen. Oder hatte der Täter einen Dämpfer verwendet? Erschlagen wurde er auch nicht. Da war nur der eine rote Punkt an seinem Rücken. Der rote Punkt! Wenn es kein Schuss war, musste er wohl erstochen worden sein. Was wird der Täter wohl für eine Waffe verwendet haben? Da konnte er noch solange grübeln. Er musste warten.

»Ich geh dann mal und ruf die Kramers an.«

»Ist gut Marcel. Mach das.«

Wagenbauer verließ das Büro. Timo starrte vor sich hin. Sein Blick fuhr erst über das Bild seiner Familie, dann über das seines Freundes. Er war glücklich mit ihnen, doch jetzt musste er sich auf den Fall konzentrieren. Worauf musste er sich denn eigentlich konzentrieren? Er wusste doch gar nichts. Rein gar nichts! Wann kam endlich Hebler zurück? So weit war der Weg in die Rechtsmedizin doch nicht. Er schaute sich in seinem Büro um. Es war ein kleiner Raum, wie es sie viele in diesem Gebäude gab. Die Wände waren gelb gestrichen und es wurden einige Aktenschränke aufgestellt, die mittlerweile am überlaufen waren. Wenn er es sich recht überlegte, mussten einige von den Akten dringend in den Archivkeller gebracht werden. Aber dort war auch kein Platz mehr. Das aber auch jedes Ermittlungsverfahren einen solchen Papierkram anhäufte. Sie kämpften gegen die Kriminellen und gegen das Papier, das sie selber ausfüllten. An den Wänden hangen einige Urlaubsfotos. Er war mit seiner Familie immer gerne an die Ostsee gefahren. Dort wälzten sie sich dann im Sand und lachten über das ganze Gesicht. Ansonsten stand da nur noch der weiße neumodische Schreibtisch mit dem Flachbildschirm und einem etwas veralteten Rechner. Er würde bald einen neuen bekommen. Sie stellten bald auf Tablettsystem um. Ob sie dann weniger Papier anhäuften? Wohl kaum. Um den Schreibtisch zu verschönern waren da die Bilder von seiner Familie und Marcel. Ein wirklich sehr guter Freund. Das Fenster, das er im Rücken hatte, hatte anfangs nicht einmal Gardinen. Diese und die Blumen mit ihren blauen Blüten, die auf der Fensterbank standen, hatte er sich selber mitbringen müssen. Eigentlich hatte die seine Frau für ihn besorgt. Er verstand von Blumen ohnehin nichts. Nach einer Weile kam Marcel wieder rein.

»Ich hab den Kramers Bescheid gegeben. Die beiden sind auf dem Weg hierhin.«

»Danke Marcel. Wenn es dir nichts ausmacht, misch dich nochmal unter die Studenten. Vielleicht hat Reichenau noch mehr Feinde, die wir herbestellen können.«

Marcel fing wieder an zu grinsen.

»Ich bin schon weg.«

Marcel ging wieder hinaus und Timo wollte endlich wissen, wo Hebler blieb. Wenn der noch länger machte, würde er bald dumm da stehen. Wenn man nicht mal wusste, wann jemand gestorben war, dann konnte man auch niemanden nach seinem Alibi überprüfen. Sie hatten den Arzt nicht mehr fragen können, der war schon weg und die Rechtsmedizin war erst nach ihnen am Tatort. Wie dumm. Doch dann sah er die erlösende Erscheinung in der Tür stehen mit zwei statt einem Umschlag in der Hand.

»Rene, wo warst du denn noch?«

»Bei der Spursi, die haben den Tee ausgewertet, der noch in der Tasse war.«

»Und?«

»Negativ, der Tee ist in Ordnung. Keine Rückstände von Giften. Das hat auch die Rechtsmedizin gesagt. Es wurden keine Gifte im Körper gefunden. Der soll übrigens ein sehr mildes Aroma haben. Nichts Billiges.«

»Dann ist er nicht vergiftet worden.«

»Aber die haben was rausgefunden.«

Timo war gespannt. Seine Grübeleien waren gleich vorbei.

»Reichenau ist erstochen worden.«

Na endlich! So war es gewesen.

»Jedenfalls haben die eine zehn Zentimeter tiefe Stichwunde gefunden.«

»Der blutige Fleck am Rücken.«

»Richtig, und zwar zischen den Rippen, wie hießen die noch mal?«, Hebler blätterte in den Unterlagen, aber Timo winkte ab.

»Lass gut sein, sag mir lieber wodurch er gestorben ist.«

»Das Messer, also die Klinge, die haben mir gesagt, dass es sich um eine scharfe, zweischneidige Klinge gehandelt haben muss, ist eben zwischen diesen beiden Rippen in die rechte Herzkammer eingedrungen und hat sofort einen Herzstillstand bewirkt, der dann zum Tod geführt hat.«

Das war eine gute Nachricht.

»Das bedeutet Reichenau hat seinen Mörder nie gesehen?«

»Es wurden weder von der Spurensicherung noch von der Rechtsmedizin irgendwelche Kampfspuren gefunden. Es kann keine Affekttat gewesen sein. Das hier war ein geplanter kaltblütiger Mord.«

Er liebte diesen Mann. Der würde noch Karriere machen. Vielleicht schneller, als er glauben wollte. Doch er hatte noch nicht alles gesagt.

»Wann ist der Mann gestorben?«

Hebler blätterte in den Unterlagen.

»Zwischen 21:30 Uhr und 22 Uhr.«

Das war es! Jetzt konnten die Kramers kommen. Doch war es wirklich Kramer? Daran wollte er jetzt noch nicht denken. Er wollte erst sehen wer dieser Kramer überhaupt war. Konnte er vielleicht noch weitere Feinde nennen?

Kramer trat in das Büro ein, während seine Frau draußen Platz nahm. Er machte einen sehr genervten Eindruck und sah den Beamten argwöhnisch in die Augen.

»Schön, dass Sie Zeit finden konnten Herr Kramer.«

Timo reichte ihm die Hand. Der Germanist nahm sie nur widerwillig an.

»Zeit kann man das nicht nennen, aber wenn man des Mordes verdächtigt wird, dann hat man ja keine Wahl, oder?«

Timo bot ihm Platz an und er setzte sich sichtlich gereizt.

»So dürfen Sie das nicht sehen. Wir müssen jeder Spur nachgehen.«

»Spur? Welche Spur denn?«

Timo fühlte sich an die Wand gedrückt.

»Das überlassen Sie bitte uns.«

»Was denn für eine Spur? Weil ein paar kleine Studentinnen Ihrem Blondschopf von Kollegen alles Mögliche an die Birne geschmissen haben, muss ich jetzt hier sitzen und meine Zeit vergeuden?«

Timo war baff.

»Sie haben meinen Kollegen beobachtet?«

»So dürfen Sie das nicht sehen, aber Ihr Kollege hat sich auch nicht gerade unauffällig verhalten.«

Timo wurde wütend, schluckte aber alles runter.

»Sie reden nicht nur von meinem Kollegen, sondern auch Freund.«

»Das tut mir aber leid für Sie.«

Der Kerl war ein ekelhafter Kotzbrocken. Timo musste sich zusammenreißen.

»So, jetzt fangen wir aber mal an. Zu Ihren Personalien: Sie sind Albert Kramer und wie alt?«

»Neunundvierzig.«

»Beruf?«

»Man, ich bin Professor für Neuere Literatur. Das wissen Sie doch!«

»Werden Sie doch nicht laut. Sagen Sie mir lieber, wo Sie vorgestern zwischen 21:30 Uhr und 22 Uhr waren.«

Kramer grinste. Das war aber nicht das herzlichfreche Grinsen von Marcel. Das war ein gehässigböses Grinsen. Der musste ein Ass im Ärmel haben.

»Ich war an diesem Tag den ganzen Abend auf dem Geburtstag einer Freundin. Da haben mich auch jede Menge Leute über die ganze Zeit gesehen und Sie brauchen mich auch nicht fragen. Ich habe die Feier nicht mal zum Pinkeln verlassen.«

Das schlug ein. Damit hatte er ein standfestes Alibi. Doch musste er etwas wissen.

»Haben Sie mir noch etwas zu sagen?«

Kramer stand auf.

»Ist das hier eine Aussage oder ein Verhör?«

»Ich habe Sie nur gefragt, ob Sie noch etwas wissen.«

Jetzt stand auch Timo auf. Kramer starrte ihn an.

»Nein, ich habe auch nicht mehr Zeit für den Unsinn hier. Sie entschuldigen mich.«

Ohne noch groß etwas zu sagen verließ er das Büro. Timo schaute diesen Mann hinterher, der seine Frau hier sitzen ließ und sich davon machte. Der wusste etwas. Das hatte er im Gefühl. Frau Kramer war von dem Verschwinden ihres Mannes wenig beeindruckt. Sie stand auf und ging in das Büro. Timo der schon stand, kam auf sie zu und reichte ihr die Hand. Frau Kramer ähnelte ein wenig Frau Reichenau, aber ihre Haare waren noch naturbraun. Sie setzte sich, ohne aufgefordert zu werden.

»Frau Kramer. Ich möchte Ihnen danken, dass Sie kommen konnten.«

Die Frau lächelte.

»Wenn es helfen kann einen Mord aufzudecken.«

»Ja, da haben Sie recht.«

Er schaute sie genauer an. Sie hatte etwas sehr Soziales an sich. Kaum zu glauben, dass sie die Ehefrau von Albert Kramer war.

»Zu Ihren Personalien: Sie sind Hildegard Kramer geborene?«

»Feldmann«

»Ihr Alter?«

»Ich bin siebenundvierzig.«

»Ihr Beruf?«

»Ich bin ausgebildete Krankenschwester, aber jetzt nur Hausfrau.«

Timo schaute auf.

»Nur Hausfrau? Das ist auch ein Job.«

Sie lächelte.

»Sagen Sie mir bitte, wo Sie vorgestern mit ihrem Mann waren.«

Sie machte ein grübelndes Gesicht.

»Wir waren den ganzen Abend auf der Geburtstagsparty von Conni.«

»Das können auch einige bestätigen?«

»Ja.«

Timo schaute auf sein Dokument. Das war ja klasse. Dann konnte er ja gleich Hebler losschicken.

»Können Sie meinem Kollegen gleich bitte die Namen der anderen Gäste nennen damit er ihr Alibi überprüfen kann?«

»Das mach ich.«

»Warum hatte ihr Mann eine solche Wut auf Reichenau?«

»Das kann ich Ihnen nicht so wirklich sagen. Über seine Arbeit reden mein Mann und ich fast nie, aber ich kann mir denken, dass er ihm etwas Wichtiges genommen hat. Mein Mann wird nur unerträglich, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Sonst ist er ganz anders. Das können Sie mir glauben«

Timo wollte ihr gerne glauben. So konnte man keine Ehe führen.

»Was meinen Sie denn mit etwas Wichtiges?«

»Mein Mann hat nur einmal angedeutet, dass Herr Reichenau ihm etwas Wichtiges genommen hat und damit nicht davon kommen wird.«

Timo schaute sie an.

»Warum sagen Sie so etwas? Sie geben ihrem Mann damit ein Motiv.«

»Aber er kann es nicht gewesen sein, denn er war doch die ganze Zeit bei mir auf der Party.«

Timo schaute auf das Protokoll von Kramer.

»Ja, das hat er mir auch irgendwie zu verstehen gegeben.«

Sie konnte nicht mehr wissen.

»Können Sie mir sonst noch etwas zu dem Verhältnis von Ihrem Mann und Reichenau erzählen?«

Sie legte ihre Hand ans Kinn.

»Er war öfters bei uns. Mein Mann muss mit ihm gearbeitet haben, aber mehr kann ich Ihnen dazu auch nicht sagen.«

Timo stand auf und reichte ihr die Hand.

»Wenn das so ist, bedanke ich mich für Ihre Mitarbeit Frau Kramer.«

Sie schüttelte ebenfalls seine Hand.

»Das habe ich doch gern gemacht, aber jetzt muss ich gehen.«

Sie ging zur Tür hinaus.

»Rene.«

Einige Tage später saß Timo am Steuer seines Fahrzeugs, hielt vor der Wache, schleppte sich die Treppen hoch, drängte sich durch das lästige Gewusel von Streifenpolizisten und Kriminalbeamten, öffnete die Tür zu seinem Büro und ließ sich in seinen unbequemen Stuhl fallen. Was für ein Mist. Er hatte sich nicht einmal die Zeit genommen seinen Mantel auszuziehen und hing einfach nur schlapp im Stuhl und starrte mit einem müden leeren Blick die Decke an. Alle Viere von sich gestreckt, grübelte er über die vergangenen Tage nach. Hebler hatte wirklich alle überprüft. Jeder hatte ausgesagt, dass Kramer auf der Feier war. Damit hatte er ein Alibi, das gut zwanzig Personen stark war. Er konnte es nicht gewesen sein. Marcel hatte auch nichts mehr herausfinden können. Nicht mehr, als beim letzten Mal. Dann waren sie alle zu dritt in die Bibliothek und in das Archiv gegangen und hatten alles über Kramer herausgefischt. Kramer und Reichenau hatten gemeinsam an einer neuen Texttheorie geforscht. Nachdem Reichenau die gemeinsamen Ergebnisse als seine Alleinigen herausgegeben hatte, war Kramer ausgerastet und hatte seinen verhassten Kollegen in der Öffentlichkeit einen heftigen Boxer ins Gesicht verpasst. Dafür musste er Schmerzensgeld zahlen. Dann hatte er dagegen geklagt, dass die Ergebnisse veröffentlicht wurden, aber er kam nicht damit durch, weil Reichenau das Manuskript an sich gerissen hatte und Kramer nicht beweisen konnte, dass einige Passagen der Schrift wirklich von ihm stammen. Was noch schlimmer war, war die Tatsache, dass er in der Folge für die Schrift einen bedeutenden Preis erhielt. Da waren laut mehreren Zeugen Kramer sämtliche Sicherungen durchgebrannt. Er hatte seinen Zorn kaum noch im Griff. Auf Timos Schreibtisch lagen eine Ausgabe des Werks von Reichenau oder auch von Kramer, lauter Zeitungsausschnitte mit Reportagen und Artikel, die über Reichenau verfasst worden waren. Dabei war auch eine von Kramer und zwar da, wo er seinem Kollegen die Faust ins Gesicht rammte. Daneben lagen noch Prozessakten von dem Reichenauprozess, den er ja gewonnen hatte und der Zivilprozess wegen des Boxers. Das alles hier sprach gegen Kramer und doch war er es nicht. Sonst war es niemand. Da Kramer es nicht war, konzentrierte er sich wieder auf die Ursprünge des Falls. Neben den Reichenauakten lagen noch die Berichte von der Spurensicherung und der Rechtsmedizin. Wie war Reichenau umgebracht worden? Reichenau war ein Nachtschwärmer, der lange in die Nacht hinein arbeitete. Dabei muss er Durst bekommen haben. Er ging also durch das Wohnzimmer in die Küche und brühte sich dort einen Tee auf. Er trank abends wohl gerne Tee. Jedenfalls hatte das seine Frau gesagt, als er vorhin noch mal bei ihr war. Als der Tee fertig war, nahm er die Tasse und begab sich durch das Wohnzimmer auf den Rückweg in sein Arbeitszimmer. Auf diesem Weg hatte sein Mörder gelauert. Er musste ihn hinterrücks erstochen haben. Sein Tod hatte nicht lange gedauert und es war auch nicht viel Blut geflossen. Der Täter muss ziemlich genau gewusst haben, wo er zustechen musste. Das war auch wieder nicht unbedingt Kramers Fach. Alle Spuren führten zu ihm und wieder fort.

Die Tatwaffe war unauffindbar und die einzigen Spuren waren die Kratzer an der Balkontür. Es schien so, als würde er wieder übermüdet am Tatort stehen und genauso fühlte er sich auch. Er konnte nicht mehr und schlief ein.

Es war alles in einer tiefschwarzen Dunkelheit gehüllt. Kein Laut und kein Licht. Plötzlich taten sich zwei tiefgrüne Augen auf. Die schwarzen Pupillen der Augen zogen sich klein zusammen. Sie starrten ihn an. Diese kalten grünen Augen mit ihren zusammengezogenen Pupillen starrten ihn an und er war ihnen hilflos ausgeliefert. Er konnte jede einzelne Ader sehen, die anfing zu pulsieren. Aus der Dunkelheit ging unterhalb der Augen auch schon der Mund auf. Ein böses Grinsen mit zusammengebissenen Zähnen. Er wusste, dass er sich nicht bewegen konnte. Gleich würde er sterben. Im nächsten Moment fielen drei laute Schüsse, die schnell aufeinander folgten.

Timo wurde mit Schweiß auf der Stirn wach. Er hatte gehofft dieser Traum würde nicht wiederkehren, doch er holte ihn jetzt fast wieder jede zweite Nacht. Als er sich umsah, stellte er fest, dass er noch in seinem Büro war. Es war mittlerweile tiefe Nacht und der Mond schien in das Zimmer. Er rappelte sich auf und verließ sein Büro. Hier sollte ihn so niemand finden. Er wollte jetzt nur noch nach Hause.

Timo stand am nächsten Tag vor einer Bürotür und klopfte an.

»Herein!«

Er drückte aufgeregt die Klinke runter, trat ein und sah einen Mann mit weißem Hemd, schwarzer Krawatte und Hose am Tisch sitzen. Seinen Mantel und seine Jacke hatte er aufgehängt. Seine Haare waren schwarzgrau und seine braunen Augen schauten durch eine klassischschwarze Brille in Gedanken versunken auf ein Blatt Papier, das er sorgfältig zur Seite legte. An seinem linken Mittelfinger steckte ein silberner Ring auf dem ein Geflügeltes Einhorn abgebildet war. Staatsanwalt Eulenberg hatte schon auf ihn gewartet. Eulenberg legte den Stift zur Seite, erhob sich zur Begrüßung und reichte Timo die Hand. Die Männer schüttelten ihre Hände.

»Timo, wie geht es dir?«

»Es könnte besser laufen. Ich brauch einfach mehr Schlaf.«

Eulenberg schaute genauer hin.

»Ihr müsst auch mal schlafen Kinder. Wie sollt ihr sonst eure

Arbeit machen? Etwa im Schlaf?«

Timo hatte eine Akte in der Hand. Die Männer setzten sich.

»So Timo, was hast du mir mitgebracht?«

Timo legte die Akte auf den Tisch.

»Die Akte Reichenau.«

Eulenberg schaute die Akte an, aber blätterte nicht in ihr.

»So, so. Reichenau. Die Presse hat auch schon an seinem Blut geleckt, widerlich, nicht wahr«

Timo konnte nur nicken. Als der Staatsanwalt eine ältere Zeitung mit einem etwas geschmacklosen Deckblatt vorzeigte.

»Wir kannten uns nur flüchtig. Ich les mir das hier später durch. Sag mir einfach das Wichtigste.«

Timo musste schlucken. Das Wichtigste. Oder besser gar nichts.

»Da gibt es nicht viel zu erzählen Klaus-Dieter. Reichenau ist in dieser Nacht von hinten erstochen worden. Fingerabdrücke sind nur von Personen gefunden worden, die sich vermehrt in der Wohnung aufgehalten haben und ansonsten haben wir nur die Einbruchspuren an der Balkontür.«

Eulenberg faltete die Hände und stützte seine Nase darauf.

»Irgendein Motiv?«

»Die Ehefrau fällt aus. Sie hat kein Motiv und hat ihren Mann einfach nur gefunden. Auch sonst lässt sich einfach kein Tatverdächtiger finden. Aber Raubmord ist es auch nicht gewesen. Es wurde nichts gestohlen.«

Eulenberg öffnete die Akte und begann darin zu blättern.

»Die Frage bleibt also, Affekt oder geplant. Und einen Täter gibt es nicht?«

»Wir haben einen Mann, der äußerst verdächtig ist. Kramer.«

Eulenberg musste schmunzeln.

»Kramer, Albert Kramer. Der Mann kann wirklich grässlich werden.«

Timo hob den Kopf an.

»Du kennst ihn?«

»Wir sind mal aneinander geraten. Aber das ist ewig her. Eigentlich hatten wir ein gleichgültiges Verhältnis zueinander.«

»Es ist aber bekannt, dass Kramer einen unbändigen Hass auf Reichenau hatte, weil er der Meinung war, er hätte seinen Ruhm gestohlen. Alles spricht dafür, dass er es getan hat. Doch er hat ein sehr starkes Alibi.«

Eulenberg fuhr gerade mit seinen Augen über den Bericht der Rechtsmedizin.

»Aber man muss doch irgendwas gefunden haben, was auf den Täter schließen lässt. Wie ist denn jetzt der Stand der Ermittlung?«

Timo ließ den Kopf herabsinken.

»Den Stand der Ermittlung? Der Stand? Verdammt! Wir drehen uns im Kreis. Wir sind gerade da, wo wir angefangen haben. Es gibt keine Verdächtigen, keine vernünftigen Spuren und keine Tatwaffe. Wir wissen nichts und wir haben nichts.«

Eulenberg versank in Gedanken, tastete den Ring ab und seufzte kaum hörbar leise. Timo wurde es unangenehm. So wollte er sich nicht mehr vor ihm zeigen. Er stand auf und wollte gehen, doch Eulenberg legte ihm seine Hand auf die Schulter.

»Die Wahrheit kommt irgendwann immer ans Licht, glaub mir Junge.«

Er schaute ihm traurig in die Augen. Timo verließ ebenfalls mit traurigen Augen das Büro. Ihm wurde wieder schlecht. Aber er wollte keine Pillen mehr schlucken. Damit sollte es endgültig vorbei sein. Erschöpft schleppte er sich den Gang hinunter.

Wochen vergingen und sie hatten immer noch nichts herausgefunden. Dabei hatten sie doch wirklich alles versucht. Timo lag mit seinem Kopf auf dem Schreibtisch und blies Trübsal. Es blieb ihnen bald nichts mehr anderes übrig, Eulenberg mitzuteilen, dass er Anzeige gegen Unbekannt stellen musste. Vielleicht musste der Fall auch auf Eis gelegt werden. Es musste wohl so gewesen sein, dass ein Einbrecher in die Wohnung eingebrochen war und wurde von Reichenau überrascht, aber nicht gesehen. Um nicht entdeckt zu werden, tötete er Reichenau und verschwand. Genau das ergab keinen Sinn. Es hätte nur eine Affekttat sein können und dafür hätte ein Kampf stattfinden müssen. Der Germanist wurde aber von hinten erdolcht. Er wurde also gezielt getötet. Und wieder war er mit seinen Gedanken da, wo er angefangen hatte. Anzeige gegen einen unbekannten kaltblütigen Mörder. Verdammt! Marcel kam mit zwei Tassen Kaffee ins Büro, stellte eine Tasse Timo vor die Nase und setzte seine Tasse an die Lippen.

»Hier, trink mal davon«, er nahm einen kleinen Schluck, »weißt du, ich habe dich so schon lange nicht mehr gesehen.«

Timo lag immer noch mit dem Kopf auf dem Tisch und starrte die Tasse an.

»Mir geht es gut. Ich bin nur etwas übermüdet.«

Marcel setzte sich auf die Tischkante.

»Das letzte Mal, wo ich dich so erlebt habe, haben wir beide gerade bei der Polizei angefangen. Damals auf der Polizeischule.«

»Ich hab doch gesagt: mir geht es gut.«

Marcel schaute ihn verständnisvoll an und lächelte leicht.

»Komm schon Timo. Ich seh‘ doch, wie du dich durch die Gegend schleppst. Ist es dein Traum?«

Timo rappelte sich hoch und sah seinen Freund vorwurfvoll an.

»Das geht dich nichts an! Du bist nicht meine Therapeutin. Wir haben uns da mal auf was geeinigt, oder?«

Marcel nahm noch einen Schluck und versuchte sein Lächeln zu halten.

»Ich weiß, aber…«

Timo ballte seine Fäuste und schlug so auf den Tisch, dass der Kaffee überschwappte.

»Gar nichts weißt du! Sprich mich nie wieder wegen dieser Sache an!«

Marcel stand erschrocken auf und nahm eine abwehrende Haltung ein.

»Hey, hey. Ich mach mir nur Sorgen. Du siehst wirklich nicht gut aus. Überleg dir doch noch mal, ob du deinen Urlaub nicht vorverlegen willst. Ein paar freie Tage…«

Timo schlug noch mal auf den Tisch und wieder schwappte der Kaffee über.

»Ich hab gesagt: mir geht es gut!«

Marcel nahm seine Tasse, ging zur Tür und warf seinem Freund einen traurigen Blick zu.

»Ich geh etwas zum Aufwischen holen.«

Er öffnete die Tür und schloss sie gleich wieder hinter sich. Timo war allein und fühlte sich wohl, doch wollte er sich gar nicht wohl fühlen. Was hatten nur alle? Ihm ging es gut. Er war nur etwas übermüdet, doch er wollte einfach nicht schlafen. Nicht so. Er starrte die Tasse an, um die sich eine kleine Pfütze gebildet hatte.

So ein Mist! Er hatte sich wieder nicht unter Kontrolle. Das durfte nicht nochmal passieren, aber Marcel konnte mit seinem Gelaber nerven. Ja, nerven konnte er. So etwas konnte und wollte er einfach nicht hören. Er nahm die Tasse und trank den heißen Kaffee in einem Zug aus, stellte die Tasse wieder in die Pfütze und dachte sich, dass er noch eine vertragen könnte. In diesem Moment kam Hebler in heller Aufregung in das Büro gestürmt.

»Chef! Das müssen Sie sich hier ansehen. Das ist unglaublich!«

Was hatte der Mann? Etwa den Fall allein gelöst? Er wollte es ihm bald zutrauen. Hebler legte einen Zettel auf den Tisch.

»Das war heute in der Post!«

Timo nahm den Zettel und lass ihn durch. Da stand:

Ich weiß was zum Fall Reichenau.

Kein Absender. Keine Angaben zu der Person. Nur ein Treffpunkt. Na toll. Und trotzdem grinste Timo über das ganze Gesicht. Das war der Lichtblick auf dem er die ganze Zeit über gewartet hatte. Der Zettel musste einfach in den Briefkasten der Zentrale geworfen worden sein. Gut, den Menschen wollte er kennen lernen, egal, wo er sich mit ihm treffen wollte.

»Rene, der Schreiber dieses Zettels will sich mit uns treffen und zwar noch heute Abend.«

»Ich weiß.«

Timo starrte scharf mit einem Grinsen auf das Papier.

»Und wir gehen zu dritt dorthin.«

Der Treffpunkt war ein Café in der Innenstadt. Völlig banal. Sie hatten sich mit ihren Informanten schon an ganz anderen Orten getroffen. Der Geschmack des Informanten in diesem Fall sprach für sich. Der Laden sah ordentlich aus. Hier hatten sie sich auch öfters zusammen einen getrunken. Als sie zu dritt in das Café eintraten, sahen sie sich um. Wer war der Informant? Ein Mann oder eine Frau? Warum diese Geheimnistuerei? Der Schankraum war brechend voll. Hier traf sich eigentlich alles. Männer und Frauen, Männer und Männer, Frauen und Frauen. Schulkollegen, Arbeitskollegen oder einfach nur gute Freunde jeden Alters. Sie sahen sich weiter um. Da winkte ihnen jemand zu. Ein Mann, der alleine saß. Der musste es sein. Der Mann war alltäglich gekleidet, so wie jeder hier. Die Haare waren braun und gepflegt. Er schien Mitte dreißig zu sein. Sie näherten sich.

»Wächtler?«

»Der bin ich.«

Der Mann starrte die anderen beiden an.

»Das sind meine Kollegen.«

Der Mann musste grinsen.

»Sie sind sehr vorsichtig.«

Er bot ihnen Platz an.

»Setzen Sie sich.«

Die Männer nahmen Platz und Hebler griff gleich nach der Karte. Marcel schaute über seine Schulter und las sich das Angebot durch.

»Was für einen Cocktail nehme ich?«

»Einen ohne Alkohol. Wir sind im Dienst«, ermahnte sie Timo.

»Also ich nehmʼ eine Cola«, meinte Hebler.

»Warum nicht gleich ein Glas Milch?«, lachte Marcel.

»Spaß beiseite«, Timo wandte sich an den Mann. »Was wissen Sie und wer sind Sie überhaupt?«

Der Mann blickte ruhig mit seinen blauen Augen in die von Timo.

»Wer ich bin ist nicht wichtig. Ich habe nur Beweismaterial, das Sie umhauen wird.«

»Und wo ist das?«

Die Bedienung kam gerade.

»Was kann ich euch bringen?«

Hebler wollte gerade was sagen, da sagte Timo genervt:

»Drei Cola bitte.«

»OK«, und sie war auch schon wieder weg.

»Was ist nun mit dem Material?«

Der Mann griff in seine Tasche. Aus reiner Gewohnheit griff sich Timo unter den Mantel, tastete seine P99 ab und löste den Knopf vom Holster. Der Mann zog einen USB-Stick hervor und Timo knöpfte den Knopf wieder zu.

»Hier ist eine Audiodatei drauf, die für Sie viele Fragen klären wird.«

Timo starrte den Mann an und klopfte auf den Tisch.

»So mein Freund. Jetzt ist Schluss! Was glaubst du eigentlich, wo du hier bist? Ist das hier ein schlechter Agentenfilm oder was soll das hier werden?«

Der Mann wusste nicht, was er sagen sollte.

»Pass auf, du kommst jetzt gleich, wenn wir unsere Cola ausgetrunken und alle einmal auf dem Klo waren, mit uns auf die Wache und dort erzählst du uns, wer du bist, was du machst und was auf diesem Stick ist, klar?«

Der Mann war wie umgestoßen und konnte nur noch eingeschüchtert nicken. Auch die anderen beiden waren von ihrem Chef ein wenig überrascht. Die Bedienung kam und brachte die drei Cola. Es wurde die Musik gespielt, die gerade an der Spitze der Charts stand.

Sie saßen zu viert im kleinen Büro mit der gelb gestrichenen Wand. Sie hatten extra von draußen noch zwei Stühle reingeholt und vor Timos Schreibtisch gestellt. In der Mitte saß der Mann, links und rechts von ihm saßen Wagenbauer und Hebler. Timo fuhr gerade seinen Rechner hoch. Die Situation war sehr beklemmt, aber es ging nicht anders. Als der Rechner endlich soweit war und Timo ein Protokoll öffnen konnte, brach er das Schweigen.

»Zu Ihren Personalien: Ihr Name?«

Der Mann zögerte. Das nervte Timo schrecklich.

»Hör mal zu, wenn ich deinen Stick als Beweismaterial nutzen will, muss ich wissen wer du bist. Wir brauchen eine klare Aussage von dir. Wir sind hier nicht beim Ordnungsamt.«

»Mein Name ist Philipp Mahn.«

»Alter?«

»Sechsunddreißig.«

»Beruf?«

»Detektiv.«

Timo tippte alles ein. So war das also. Ein Detektiv.

»Und was haben Sie mit dem Fall zu tun?«

Mahn faltete die Hände im Schoß.

»Nicht direkt. Ich wurde von Frau Kramer beauftragt, ihren Mann zu beschatten. Sie wollte wissen, ob er fremdgeht.«

Kramer! Das konnte doch nicht sein.

»Ich habe ihn vorsichtig verfolgt, fotografiert und habe Orte, die er aus Gewohnheit oft aufgesucht hat mit Tonbändern verwanzt, auch sein Büro an der Uni.«

Timos Augen funkelten.

»Auf dem Stick habe ich die Stelle zusammengeschnitten, die mich wirklich selber umgehauen hat.«

Timo fackelte nicht mehr lange und dockte den Stick an seinen Rechner an. Wenige Sekunden später startete er die Audiodatei.

»Dann hören wir uns das mal an«, und er klickte auf Play.

Zuerst war nichts Besonderes zu hören. Jemand schrieb mit dem Kuli auf Papier. Dann wurde etwas auf einer Tastatur getippt.

Kramer war wohl gerade bei der Arbeit. Die Szenerie wurde durch das Rauschen des Mikrophons begleitet. Doch kurz darauf hörte man ein Klopfen an der Tür.

»Herein!«

Das war Kramers Stimme. Das Öffnen und Schließen einer Tür war zu hören. Die Tür zu Kramers Büro. Eine Stimme begann auf Englisch zu sprechen. Sie gehörte einem Mann.

»Herr Kramer.«

»Schön. Sie sind es. Nehmen Sie doch Platz«, lud sie Kramer nun ebenfalls auf Englisch ein.

Eine weitere Stimme meldete sich. Sie gehörte ebenfalls einem Mann.

»Danke.«

Das Rücken von Stühlen war zu hören.

»Ist vor der Tür noch jemand?«

»Nein, Herr Kramer. Wir sind ungestört.«

»Sie wissen warum wir hier sind?«

Eine Schublade ging auf und wieder zu. Papier knitterte.

»Natürlich, ich habe auch alles, wie vereinbart zusammengestellt.«

Papier blätterte, so als ob man sich eine Art Akte durchlas.

»Das ist also die Zielperson. Walther Reichenau.«

»Richtig, ich will diesem Mann nicht mehr über den Weg laufen!«

Kramers Stimme war voller Erregung.

»Sie kennen noch die Spielregeln?«, fragte einer der Männer.

Es war ein Holpern zu hören. Dann klickte ein Koffer.

»Sicher doch, hier, wie vereinbart.«

Der Koffer klickte wieder zu und es holperte wieder.

»Den nehmen wir. Gut Herr Kramer…«, es war wieder ein Stuhlrücken zu vernehmen. »…für uns ist dann alles geklärt. Ihr Anliegen wird bearbeitet.«

Dann wandte sich der Mann wohl an seinen Kollegen.

»Lassen Sie das Kasimir machen. Er soll gerade in der Nähe sein«

Die Tür ging auf

»Und Herr Kramer?«

»Ja?«, Kramer schien nervös.

»Willkommen in unseren Reihen. Sie hören von uns.«

Die Tür fiel zu. Kurz darauf ging der Ton aus.

Die Beamten starrten sprachlos auf den Rechner. Was zum…?

Hebler hatte seinen Mund weit aufgerissen. Timo versuchte wieder klare Worte zu finden.

»Wie lange existiert das Band?«

»Ich habe es kurz nach dem Mord analysiert.«

»Kurz nach dem Mord?«

Es war immer noch schwer gleich die Fassung wieder zu erlangen. Wagenbauer fasste sich an den Kopf und Hebler schaffte es endlich seinen Mund zu schließen. Timo starrte den Detektiv an.

Das war wirklich ein Beweisstück, das einen umhauen konnte.

Damit hatte er nicht gerechnet, oder wie hätte er Kramer so etwas je nachweisen können? Er konnte die ganze Nacht fröhlich feiern und trotzdem sicher sein, dass sein Auftrag ausgeführt wird. Wie kaltblütig.

»Warum kommen Sie jetzt erst auf uns zu?«

Mahn wirkte sehr verlegen.

»Na ja, Frau Kramer wollte das nicht. Erst einmal, weil ihr Mann nichts von meinen Schnüffeleien mitkriegen sollte und dann noch, weil sie ihren Mann wohl schützen wollte.«

Jetzt fasste sich auch Timo an den Kopf.

»Sagen Sie es direkt Mahn. Sie hat Ihnen Schweigegeld gezahlt.«

Er nickte nur, holte einen Umschlag mit Scheinen heraus und legte ihn auf den Tisch.

»Ich habe keinen Einzigen ausgegeben. Das sind ziemlich genau dreitausend Euro. Aber ich will dieses Blutgeld nicht. Das hier ist kein Fremdgehen. Das hier ist Mord auf Bestellung.«

Timo starrte auf den Umschlag und dann wieder auf seinen Bildschirm.

»Nun, Mahn. Sie haben wenigstens ein gutes Gewissen. Man, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie ich Ihnen danken soll.«

Eine Woche später stand Kramer wieder vor Timos Schreibtisch.

Marcel entfernte ihm gerade die Handschellen und setzte ihn auf den Stuhl.

»Hallo Herr Kramer«, Timo starrte den Mann durchbohrend an.

Kramer war mehr als angespannt.

»Wächtler, können Sie mir erklären, was das hier werden soll?«, er blickte in Richtung Marcel, der gerade grinsend die Handschellen wegsteckte.

»Hätten Sie sich nicht so gewehrt, dann wären die Schellen nicht nötig gewesen«, Marcel blieb an der Tür stehen.

»Wächtler! Warum ist ein Haftbefehl gegen mich erhoben worden!«

Timo starrte den Mann immer noch recht gleichgültig an.

»Bleiben Sie mal schön ruhig Kramer. Hören Sie sich doch bitte mal das hier an.«

Timo klickte wieder auf Play und das ganze Band spielte von vorne los. Kramer riss die Augen auf. Als das Band abgespult war blieb ihm die Sprache weg. Für Timo war das Genugtuung genug.

Er hatte Kramer genau da, wo er ihn haben wollte.

»Was ist denn los Herr Kramer? Geht es Ihnen nicht gut? Möchten Sie vielleicht ein Glas Wasser?«

Kramer schaute auf den Boden und versuchte krampfhaft seine Fassung zu bewahren.

»Halten Sie doch einfach die Klappe.«

Timo zückte eine Akte und blätterte in ihr.

»Wir haben natürlich ein wenig nachrecherchiert. Die beiden Männer waren in Anzügen gekleidet und wurden von fünf voneinander unabhängigen Personen mit und ohne Lederkoffer gesehen. Aber was war in dem Koffer wohl drin?«

Kramer konnte nur noch auf den Boden starren. Seine Augen und sein Mund waren weit aufgerissen. Timo blätterte weiter in der Akte.

»Ihre Konten haben wir überprüft. Da wurden keine großen Transaktionen gestartet. Aber auf Ihrem Konto in Lichtenstein fehlte plötzlich eine ansehnliche Summe.«

Kramer riss seine Augen noch weiter auf.

»Die Kollegen der Steuerfandung hatten schon eine Weile ein Auge darauf. Dann ist da noch Ihr Skiurlaub in Tirol, den Sie zu der kleinen Fahrt nach Lichtenstein genutzt haben. Bloß eine Woche bevor dieses Gespräch aufgenommen worden ist.«

Kramer blieb regungslos.

»Sie konnten ihm nicht verzeihen und Sie konnten nicht ertragen, dass er mit seinem Erfolg alleine lebte. Er sollte sterben. Sie sind nicht nur ein Steuerhinterzieher, Kramer, Sie sind auch ein Anstifter zum Mord.«

Kramer fing an zu grinsen.

»Dann ist die Sache für mich vorbei.«

Timo legte die Akte auf den Tisch.

»Haben Sie uns nicht noch etwas zu sagen?«

Kramer fing an zu lachen.

»Was hab ich Ihnen noch zu sagen?«

»Wer waren diese Männer und wer ist Kasimir?«

»Einen Scheiß werde ich Ihnen erzählen.«

Er würde ihnen nicht mehr erzählen. Aber warum? Es war für ihn sowieso vorbei. War da noch mehr?

»Also gut Kramer. Dann werden Sie jetzt dem Haftrichter vorgeführt.«

»Aber ich will erst meinen Anwalt anrufen.«

Timo machte eine gönnerische Geste.

»Das ist Ihr gutes Recht.«

Kramer wurde von Marcel abgeführt, die Tür schloss sich und Timo war wieder allein. Er hatte furchtbare Kopfschmerzen, seine Hände zitterten. Nein, er würde keine Pillen schlucken. Er zog eine Packung aus seiner Jacke. Valium. Sie hatte es ihm wieder verschrieben. Seine Hände fingen immer heftiger an zu zittern. Nein, er wollte keine mehr schlucken. Timo steckte sie weg, stand auf, zog seinen Mantel über, öffnete die Tür und schloss sie wieder hinter sich zu.

Am nächsten Morgen saß Timo wieder im Büro von Eulenberg.

Der las sich gerade die Ermittlungsakte durch. Timo regte sich nicht. Dann schob Eulenberg die Akte zur Ablage. In seinen Augen lag ein seltsames Funkeln.

»Gute Arbeit Timo, wirklich. Also hat Kramer den Tod von Reichenau in Auftrag gegeben.«

Timo nickte zustimmend.

»Die Beweise sind unumstößlich, die Tat ist kalt und lange geplant. Wir werden Kramer lebenslänglich verknacken können.

Die Frage bleibt nur, wer waren die Männer auf dem Band und wer ist Kasimir?«

Timo nickte abermals.

Der Künstler

Ein Mann ging durch ein weißes hölzernes Vorgartentor auf eine Frau in einem roten Hosenanzug und blondierten Haaren zu, die ihn freundlich anlächelte und die Hand reichte. In der anderen hielt sie ein Reisbrett. Er trug eine schwarze Hose und eine helle Jacke. Sie wollte ihn schon auf Englisch begrüßen, doch schon beim ersten Ansatz brach er sie ab.

»Sie können ruhig auf Deutsch mit mir reden.«

Er hatte etwas sehr leblos Monotones in seiner Stimme.

»Mr. Francise, das überrascht mich jetzt aber.«

»Ich habe es auf der Highschool gelernt«, er blickte genervt um sich.

»Sie sprechen es ja fast so gut, wie ein Muttersprachler.«

Er schwieg. Sie versuchte weiter zu lächeln und schloss die Tür von dem großen weißen Haus mit dem Zeltdach auf.

»Jetzt wollen wir aber nicht mehr länger hier herumstehen und uns mal drinnen umsehen.«

Er folgte ihr und schon standen sie im Windfang.

»Wie Sie sehen können befinden wir uns im Windfang.«

Sie sah den Mann fragend an.

»Ich verstehe Sie.«

»Und dort ist auch direkt die Gästetoilette«, sie öffnete eine der drei Türen. »Sehen Sie. Ein Klosett und ein Waschbecken. Wenn man noch einen Tisch darunter stellt, wirkt das Ganze bestimmt sehr einladend. Nun lassen Sie uns aber weitergehen«, sie öffnete eine der zwei anderen Türen. »Hier haben wir das geräumige Wohnzimmer. Mit ein wenig Phantasie lässt es sich hier gut leben. Sie können hier reinstellen, was immer Sie wollen und wie Sie wollen.«

Er nickte nur. An seinem ruhigen, ausdruckslosen, ja leeren Blick änderte sich nichts. Sie setzte weiter ein Lächeln auf.

»Schauen Sie…«, sie zeigte auf eine weitere Tür. »…diese Tür führt direkt in das Kaminzimmer oder auch Bibliothek.«

Sie gingen in einen großen Raum, der fast so groß wie das Wohnzimmer war. Hier war ein großer hölzerner Kamin in die Wand eingelassen.

»Sie können hier natürlich eine Bibliothek einrichten, oder auch nur ein erweitertes Wohnzimmer, ganz wie Sie wollen. Lesen Sie gerne?«

»Das war mal ein Hobby von mir.«

Sie musste fast seufzen, hielt sich aber zurück und führte ihn lieber durch eine zweite Tür einen Raum weiter.

»Und hier kommen wir in das Esszimmer. Sie sehen, dass auch hier direkt die Treppe ist, die nach oben und in den Keller führt.«

Das Zimmer war gerade groß genug um einen großen Tisch aufzustellen und hatte keine andere Funktion.

»Folgen Sie mir doch bitte hierhin.«

Sie führte ihn an der Treppe vorbei in einen kleinen Korridor in dem zwei Türen waren. »Wenn wir jetzt geradeaus weitergehen, sind wir wieder im Windfang«, sie öffnete die andere Tür. »Wenn wir aber diese Tür öffnen, befinden wir uns in einer geräumigen Küche.«

Die Küche war wirklich nicht riesig, aber groß genug, um in ihr zu kochen und einen kleinen Tisch aufzustellen.

»Hier können Sie sich eine schöne Einbauküche einbauen. Und sehen Sie, hier haben Sie auch einen Gasanschluss.«

Er schaute die Treppe hinauf.

»Gut Mr. Francise. Dann lassen Sie uns nach oben gehen.«

Oben waren die Räume genauso hoch wie unten. Sie gingen die alte knarrende Holztreppe hoch und standen in einem zimmerartigen Flur, der erst nach rechts schmaler wurde. Hier waren sogar Fenster angebracht, die das Licht einfallen ließen.

»Ja, hier ist sogar noch Platz für zwei Sessel, wenn Sie das wünschen.«

Er schaute sich um.

»Direkt vor uns…«, sie öffnete die Tür, die sich direkt vor dem Treppenabsatz befand, »…liegt eines der Kinderzimmer. Aber Sie können daraus auch ein Gästezimmer machen.«

Sie zeigte nach rechts in den Flur.

»Geradeaus auf dem Flur sehen Sie die Tür zum Bad. Das können wir uns gleich näher anschauen.«

Sie ging auf die Tür zu, die als Erste im Korridor lag.

»Dieses Zimmer hier rechts…«, sie öffnete die Tür, »…ist auch als Kinderzimmer gedacht.«

Sie ging auf die nächste Tür zu.

»Das Zimmer hier links…«, auch diese Tür öffnete sie, »…ist als Schlafzimmer gedacht.«

Sie wollte schon zur nächsten Tür, doch er trat in den Raum, drehte sich einmal, schaute nach den Fenstern und betrachtete mit einer seltsamen Gelassenheit die Balkontür, die zu einem kleinen Balkon führte.

»Natürlich, schauen Sie sich ruhig um.«

»Das Zimmer ist in Ordnung. Machen Sie ruhig weiter«, meinte er.

»Äh, ja. Und das Zimmer hier rechts…«, sie öffnete auch diese Tür, »…ist als drittes Kinderzimmer gedacht. Wie Sie sehen, haben wir hier noch mal einen kleinen Balkon.«

Er sah nur einmal schnell über ihre Schulter. Sie öffnete schließlich die Tür, die geradeaus zum Korridor lag.

»Und hier ist, wie schon gesagt, das Bad. Hier haben Sie alles, was Sie brauchen.«

Im Badezimmer waren Klosett, Waschbecken, Badewanne und Dusche in einem akzeptablen Abstand und recht guten Zustand angebracht. Sie führte ihn wieder hinunter und war voller Zweifel. Man konnte einfach nicht durchschauen, was er wollte. Wusste der das überhaupt? Als sie wieder im Speisezimmer waren ergriff sie erneut das Wort.

»Nun Mr. Francise, wollen wir uns auch den Garten und Keller ansehen?«

»Das wird nicht nötig sein.«

Sie starrte ihn an.

»Wie?«

»Ich nehme es.«

Die Studenten strömten nur so in den großen Vorlesungssaal.

Viele hatten ihre Kamera dabei und die Phone waren griffbereit.

Wann hatte man schon so eine Gelegenheit? Sie tuschelten sich gegenseitig allerlei Gerüchte zu und freuten sich auf das Bevorstehende. Sie waren alle an der Kunstfakultät eingeschrieben.

Unter ihnen hatten sich auch viele vereinzelte Journalisten und Kunstinteressierte gemischt. Nur wenige Minuten nach Einlass mussten sich die Ersten auf die Treppen setzen oder blieben oben stehen. Aber das war ihnen egal, denn er war heute da. Auf der Bühne, wo ein Podest mit Rednerpult stand, hatten sich einige wichtige Persönlichkeiten der Uni eingefunden. Auch sie lächelten und tuschelten sich gegenseitig etwas zu und fragten sich, was nun kommen möge. Ein Mann Anfang dreißig mit kurzen schwarzen Haaren und grünen Augen kam auf die Bühne und gesellte sich schweigend zu ihnen. Sofort fing die Menge an zu klatschen und es regnete Blitze. Er nahm davon keine Notiz. Der Mann trug einen schwarzen Anzug, ein blaues Hemd und einen roten Schlips. An seiner rechten Hand trug er einen schwarzen Handschuh. Sein Markenzeichen. Das war er also. Der von allen Erwartete. Der Dekan trat an das Mikrofon.

»Meine Damen und Herren, ich darf Ihnen voller Freude die Ankunft von Mr. Francise verkünden.«

Wieder klatschte und heulte die Menge. Er sah gar nicht hin.

»Trotz der tragischen Umstände der letzten Wochen sollten wir in die Zukunft blicken und Mr. Francise als Honorarprofessor für postmoderne Kunst und Malerei an unserer Universität begrüßen dürfen. Er wird diesen Posten für die nächsten zwei Semester einnehmen. Mögen Sie von seinen Anregungen und Ideen inspiriert werden und einen sicheren Weg in die Zukunft finden. Und noch eines, seien Sie unbesorgt. Der Mann spricht fließend Deutsch.«

Der Dekan verließ das Podest und das Mikrofon, machte Francise Andeutungen, dass er nun übernehmen könne und fing selber an mit der Menge zu klatschen und zu jubeln, als Andrew Francise, seines Zeichens Maler und Dr. der modernen Kunst, bekannt für seinen Stil und Konzeptionen, an das Mikrofon trat.

Andrew fühlte sich dabei nur genervt und wollte so schnell es ging wieder nach Hause.

Zügig schritt Andrew über den Campus. Ein kühler Wind umwirbelte ihn. Die Tage waren kälter und windiger geworden. War er vielleicht genervt. Er hatte diese lange und langweilige Rede über postmoderne Kunst gehalten und alle hatten auch noch so getan, als würde es sie wirklich interessieren. Da kamen Erinnerungen aus seiner Studienzeit hoch. So lange war das auch noch nicht her. Er wollte nur noch weg. Gleich nach seinem Vortrag hatte er seine Sachen geschnappt und war auf und davon. Was sollte er da noch? Wo er hinwollte wusste er genau. Er wollte einfach nur auf sein Hotelzimmer und sich aufs Ohr hauen. War er fertig. Schlafen, ja er musste schlafen und das machte ihm Kopfschmerzen und zog seinen Magen zusammen. Er war so schnell aufgebrochen, dass er sich nicht mal die Zeit genommen hatte sich richtig anzuziehen. Er trug seinen hellen Mantel über den linken Arm. Seine braune Aktentasche hielt er in der rechten Hand und steuerte genau auf die Parkplätze zu, wo sein Mietwagen stand. Er musste sich endlich einen eigenen kaufen. Aber was für einen wollte er? Die Marke war ihm egal, aber die Farbe nicht.

Einen blauen oder einen grünen? Er konnte sich nicht entscheiden. Der Mietwagen war gelb.

»Mr. Francise!«

Andrew drehte sich um. Ein junger Mann, der vielleicht Mitte zwanzig war, rannte auf ihn zu. Keuchend stoppte er, beugte sich kurz vor und lächelte Andrew freundlich an. Andrews starre Mimik änderte sich nicht.

»Mr. Francise, was für ein Glück, dass ich Sie noch erwische. Sie sind so schnell verduftet. Man, Sie hätten mal die vielen Gesichter sehen sollen. Die…«

»Ja, wie schade«, meinte Andrew mit seiner monotonen Stimme, drehte sich um und ging weiter.

»Aber Mr. Francise, warten Sie doch«, der Mann hob bittend den rechten Arm und lief ihm hinterher.

Was war das nur wieder für eine Nervensäge? Er wollte allein sein. Warum sollte er auf diesen Spinner warten? Er ging einfach weiter und wurde noch etwas schneller. Der junge Mann hielt mit ihm Schritt.

»Mr. Francise!«, rief er bittend.

Andrew runzelte genervt die Stirn. Was wollte der von ihm? Er blieb stehen.

»Also gut. Was wollen Sie von mir?«

Der Mann wäre fast gegen Andrews Rücken gelaufen, aber konnte noch rechtzeitig abstoppen und lächelte etwas verlegen.

»Ähm, ich bin hier vom Stadtkurier und wollte Sie fragen, ob Sie sich die Zeit nehmen könnten und mit mir ein kleines Gespräch führen.«

So war das also. Der wollte ein Interview. Das wollte er aber nicht. Er seufzte, drehte sich zur Seite und deutete mit seiner linken Hand in den Himmel.

»Oh, sehen Sie mal. Was ist denn das?«

Der Mann drehte sich um.

»Was?«

Da war nichts. Er drehte sich wieder um.

»Aber da…«, er riss verwundert seine Augen auf und schaute suchend um sich. »Mr. Francise? Wo sind Sie?«

Andrew war verschwunden.

Andrew begann damit, sein Haus einzurichten. Die Wände waren alle kalkweiß. Das empfand er grässlich. Er ließ sie alle, und wirklich alle, hellblau streichen. Nicht zu verwechseln mit babyblau; eher einen Ton zwischen diesem und dunkelblau. Die Fenster waren auch alle kahl. Er ließ hellgrüne Vorhänge aufhängen. Im Windfang stellte er eine Kommode und eine Graderobe auf. Im Gäste-WC stellte er wirklich ein weißes Schränkchen unter das Becken. In das Wohnzimmer verlegte er dunkles Laminat. Mitten in das Zimmer stellte er eine schwarze Ledercouchgarnitur auf, sodass sie hufeisenförmig angeordnet war. Dazwischen postierte er noch einen hölzernen Beistelltisch. Ansonsten baute er dem gegenüber eine Wohnwand auf, in der er einen großen Flachbildfernseher stellte. An den noch freien Wänden stellte er Kommoden auf, die farblich zu der Wohnwand und der Garnitur passten.