Blutige Rache in den Dünen - Angelika Friedemann - E-Book

Blutige Rache in den Dünen E-Book

Angelika Friedemann

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Beschreibung

Es ist das Eigentümliche, das gegen einen ehrlichen, von Streben, Lauterkeit und unbefangener Selbstwürdigkeit erfüllten Charakter, kurz gegen innerlich wahre Menschen die raffinierteste Arglist und Ränkesucht hämischer und selbstsüchtiger Naturen auf die Dauer nichts vermag. Albert Emil Brachvogel Es ist ein Morgen, an dem die Luft wie Champagner prickelt. Sören Svendsen freut sich auf einen schönen, geruhsamen Sonntag, den er mit seinem Sohn verbringen möchte. Ein Anruf zerstört seine Vorfreude. Ein Toter wurde in den Dünen nahe bei Kampen gefunden. Ein Stripper und Callboy. Eine Woche darauf legt ein heftiger Sturm, der über die Insel fegte, einen Leichnam frei. Schnell steht fest, die beiden Opfer wurden fast zur gleichen Zeit attackiert. Zu all dem Stress von Sören gesellt sich noch seine ehemalige Geliebte. Er beginnt erneut mit ihr eine heisse Affäre.

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Prolog
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Angelika Friedemann

Blutige Rache in den Dünen

Impressum

Copyright: © 2021. Alle Rechte am Werk liegen beim Autor: Angelika Friedemann, Herrengasse 20, Meinisberg/ch [email protected]

Das Werk einschließlich aller Inhalte ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder Reproduktion (auch auszugsweise) in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder anderes Verfahren) sowie die Einspeicherung, Verarbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung mithilfe elektronischer Systeme jeglicher Art, gesamt oder auszugsweise, ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung untersagt. Alle Übersetzungsrechte vorbehalten.

Picture – Fotograf: Kevin Friedemann

ISBN: 9783754374467

Prolog

Sie schaltete die Stereoanlage an, suchte eine CD und schmunzelte zufrieden vor sich hin, während sie die glänzende Platte einlegte. Sie öffnete die Flasche Champagner mit einem lauten Plop, goss ein und drehte sich einmal um die eigene Achse. Sie fühlte sich so aufgewühlt, wach, aufgekratzt. Der Ärger, ihre Wut und die Enttäuschung über den völlig verkorksten Abend, das Desinteresse an ihr, ihren Gemälden, wegen der fehlenden Gäste, wurden inzwischen mit reichlich Schampus fortgespült. Sie wippte mit den Hüften zur Musik, trank. Ihre Gedanken schweiften zu diesem Adonis. Wenigsten Tschüss hätte er sagen können. Quatsch, er war ein Stripper und kein Typ, der dich angebaggert hat. Dafür wurde er bezahlt, und wenn die Show vorbei war, ging er. Trotzdem! Sie war schließlich nicht irgendwer.

Sie sah ihn vor sich, wie er tanzte - nur für sie, kam es ihr selbst jetzt noch vor. Als er sich langsam die Hose auszog, sie dabei anschaute, war ihr das wie eine Verheißung für so viel mehr danach vorgekommen. Sofort verspürte sie wieder das Kribbeln in ihrem Körper, besonders zwischen den Beinen, wie sich die Hitze in ihr ausbreitete. Sie wäre vorhin am liebsten aufgesprungen, um ihn den String auszuziehen, ihn zu berühren, bis er vor Lust stöhnte. Ein Seufzer erklang und hastig kippte sie den Rest hinter. Verdammt, warum war er so fix verschwunden, ließ sie mit ihren Wünschen, Sehnsüchten, ihrer Gier, zahllosen Erotikfantasien allein?

Plötzlich blieb sie stehen, da sie eine Regung in ihrem Rücken wahrnahm. Sie stellte ihr Glas ab, spürte, wie sich ihr Pulsschlag beschleunigte, griff nach der Pulle, drehte sich flugs um, erstarrte mitten in der Bewegung, ohne zu bemerken, dass die Flüssigkeit auf den Boden lief.

Ruwen nahm ihr rasch die Flasche aus der Hand, erheitert, dass sie damit zuschlagen wollte.

„Was ... was machen Sie hier?“ Sie schaute ihn perplex an. „Ich hatte doch abgeschlossen.“

„Auf dich warten“, klang es belustigt aus seinem Mund.

„Sie sind wohl verrückt!“ Schnell fasste sie sich wieder, obwohl sie etwas benebelt war. „Gehen Sie bitte. Sofort!“, meckerte sie, gleichwohl in ihr alles nach ihm girrte.

„Ja? Jetzt gibt es eine Privatvorstellung, nur für dich.“

„Ach, ist das im Preis inbegriffen?“ Sie zog die Augenbrauen hoch, lächelte spöttisch, hoffte, dass es unbeteiligt, überheblich geklungen hatte. „Bitte lassen Sie mich allein. Es war ein anstrengender Abend. Freuen Sie sich, haben Sie heute früher Schluss“, mimte sie ihre Rolle, als noble, leicht arrogante, reiche Lady. Sie wünschte zwar genau das Gegenteil, dessen ungeachtet sollte dieser Adonis zappeln, sie anflehen, bei ihr bleiben zu dürfen.

„Gute Nacht“, erwiderte er völlig teilnahmslos, führte eine halbe Drehbewegung aus, schlenderte Richtung Tür.

Erschrocken blickte sie ihm nach, eilte den Flur entlang, erwischte ihn an der Wohnungstür, die er aufschloss. „Warte! Wir können ja ein Glas Schampus zum Abschluss trinken“, sprudelte sie hastig hervor.

„Es war ein langer Tag!“

„Bitte bleib“, flehte sie, hielt ihn am Oberarm fest. Alles in ihr schrie förmlich nach ihm, seinem Körper, nach Sex mit ihm.

Er drehte sich gemächlich um, musterte sie gelangweilt, wie es aussah, bevor er die Eingangstür zuwarf.

Ruwen war belustigt von dieser Frau. Sie spielte ein Spiel, das sie nur verlieren konnte. Er überlegte kurz, zu gehen, aber ihm war nach Sex und sie sah passabel aus. Er machte zwei Schritte auf sie zu, fasste sie an den Armen, drängte sie rückwärts bis zu der Couch.

„Bitte, tanze für mich“, hauchte sie.

Er legte ihr einen Finger auf den Mund. „Pssst!“

Er begann mit langsamen Bewegungen. Wie schon vor Stunden verfolgte sie begeistert seine geschmeidigen Aktivitäten. Ein aufregendes Kribbeln in ihrem Inneren breitete sich aus, die Feuchtigkeit sammelte sich in ihrem Slip. Nach einigen Minuten warf er das Hemd weg und zog sie hoch.

Endlich! Er hatte sie völlig in seinen Bann gezogen. In ihr war alles in Aufruhr. Die Schmetterlinge in ihrem Bauch flatterten aufgeregt.

Er lachte ihr leise ins Ohr, streichelte ihre Wirbelsäule entlang, während die andere Hand ihren Nacken kraulte. Er schob ihre Haare etwas beiseite, dann gewahrte sie seinen warmen Atem an ihrem Hals, kühle Lippen, die sie zart berührten. Sie zitterte leicht, wollte sich von ihm lösen, um es ihm nicht so einfach zu machen. Sie war schließlich eine Dame der oberen Gesellschaftsschicht.

„Ich habe Hunger auf dich, möchte dich mit Haut und Haar verschlingen“, flüsterte er ihr zu. „Ich weiß, dass es dir genauso geht. Dein Blick verrät dich, an deinem Körper fühlt man es.“

„Oh ja“, stöhnte sie voll Verlangen nach ihm.

Seine Finger, wie rot glühendes Eisen, schienen sie zu verbrennen. Sein Mund wanderte von ihrem Hals zu ihrem Dekolleté. Sie hörte auf zu denken, ließ sich fallen, gab sich nur noch den Gefühlen, Empfindungen hin. Eine körperliche Intimität machte sich in ihr breit, damit einhergehende angenehme Sinnesreize.

Seine Hände hatte er auf Entdeckungsreise geschickt. Die erreichten ihre fülligen Brüste, die sich so fest anfühlten. Er knabberte an ihren Ohrläppchen, knetete ihren Busen und sie spürte, wie sich ihre Nippel verhärteten. Sie verdrängte alles Weitere, ihren Mann. Sie fieberte ihrem Adonis, ihrem Mister Wonderful wild entgegen.

Langsam löste er sich von ihr, griff nach ihren Händen, legte sie auf seinen nackten Oberkörper, ließ sie dabei nicht aus den Augen. Wiederkehrend ließ er seine Finger seitlich zu ihrer Taille herabgleiten, schob ihr Oberteil höher, bearbeiteten ihren Busen, drückte seinen Mund darauf, ließ seine Zunge die Brustwarzen liebkosen, reizen.

Ein Zittern lief durch ihren Rumpf. Ihre Haut schien unter seinen Berührungen zu lodern.

Er streifte ihr das seidene Shirt über den Kopf, schaute sie an. Seine Finger berührten ihre Wange, ganz behutsam, kaum spürbar. Er zog sie an sich, betastete ihren Hals mit seinen Lippen, dann fühlte er ihre Handflächen zaghaft, auf seinem Rücken. Jetzt wusste er, dass er sie bekam und umgehend baute sich eine Erregung auf. Er ließ seine Fingerspitzen abwärts wandern, öffnete den Reißverschluss ihres Rockes, der kurz darauf herunterfiel. Seine Finger walkten ihren Po, dass seidige Etwas spürend, welche sie noch bekleidete. Er rieb sich an ihr.

Sie gewahrte seinen festen Körper, registrierte seine Hände, welche sie zu verbrennen schienen. Alles Denken setzte aus. Es gab nur noch ihn, ihre Gefühle, ihre Gier nach mehr.

Nach einiger Zeit löste er sich von ihr, blickte an ihr hinab, taxierte ihren Körper, bevor er sich hinhockte. Gemächlich schob er ihren Slip hinunter. Sanft kratzten seine Fingernägel ihre Beine aufwärts und an der Innenseite wieder abwärts. Ihr Körper begann zu erschaudern, die Knie wurden weich. Sie fasste rückwärts nach der Lehne, suchte Halt.

„Spreize deine Beine mehr“, ordnete er an.

Sie folgte sofort. Zwei Finger drangen tief in sie ein, malten Kreise, bewegten sich hin und her, kitzelten sie an ihrem Lustpunkt. Es war so intensiv. Sie merkte, wie ihre Lust immer stärker wurde, und stöhnte kaum hörbar. Sein Daumen massierte ihre Klitoris, während er einen Finger in sie rein stieß. Seine Vorgänge erfolgten heftiger, ihr Stöhnen erklang lauter, vermischte sich mit ihrem keuchenden Atmen. Sie bewegte sich instinktiv, ohne dass sie es wahrnahm, rhythmisch mit, drückte sich an ihn. Sie spürte, wie sie einem Orgasmus entgegentrieb.

Er hielt inne, ließ seine Hände langsam an ihrem Körper hoch gleiten. Verdammt, warum hörte er jetzt auf! Ihre Gier, die Wollust in ihr wollte endlich befriedigt werden.

„Ich möchte nicht, dass du schon kommst“, raunte er in ihr Ohr, als wenn er ahnte, was in ihr vorging. „Ich werde dich lange genießen.“

Sein warmer Atem kitzelte sie, versetzte sie in Schwingungen. Er drehte sie, packte sie mit beiden Händen an den Hüften, bewegte sie so, dass ihr Po immer wieder gegen seinen Schoß rieb. Sie genoss die sinnlichen, von ihm gesteuerten Bewegungen, passte sich ihnen an. Ekstase überflutete sie. Sie wusste, er hatte recht. Nur das simpelste Streicheln, die sanfteste Berührung von ihm, dort, wo ihre Lust am explosivsten klopfte, wären genug, um ihr die Erlösung zu bringen. Sie lehnte sich sacht zurück, spürte seine Erektion an ihrem Steiß. Seine Hand glitt erneut über ihren Körper zwischen ihre Schenkel. Sein Mittelfinger drang in sie ein. Sie keuchte.

„Warte noch“, flüsterte er ihr zu. Sein Mund glitt über ihren Hals höher, knabberte spielend an ihren Ohren.

„Noch nicht! Beuge dich vor und spreize deine Beine.“

Er reizte sie weiter und sie warf ihren Kopf leicht nach hinten. Noch nie hatte sie so etwas Elementares, Atemberaubendes erlebt. So dicht an diesem wunderbaren Mann geschmiegt, seine sanften, doch fordernden Hände auf ihrer heißen Haut, sein warmer Atem an ihrem Hals. Sie hätte vor Geilheit aufschreien mögen, aber sie war zu atemlos. Sie nahm wahr, wie er sich von ihr löste, seine Hose öffnete, ihre Taille umfasste, sie an die Couch presste.

„Oh ja. Endlich!“, keuchte sie. „Los, schieb ihn rein!“

Er ließ sie von ihr ab.

„Mach weiter!“, knurrte sie wütend, schaute sich dabei um, sah, wie er gerade ein Kondom aus einer Packung entfernte.

„Brauchst du nicht! Komm endlich! Ich will nicht mehr warten.“

Er lachte: „Bestimmt nicht! Ich möchte mir doch keine Krankheit zuziehen“, antwortete er brüsk, schob den geschickt auf seinen Penis.

„Spinnst …“

„Sei ruhig! Stütz dich ab“, hörte sie seine raue Stimme, fühlte, wie er sie kräftig nach vorn drückte.

„Mach die Beine breiter und gehe einen Schritt zurück“, erklang sein Kommando. Sie folgte ihm, wollte ihn nur in sich fühlen.

Nun umfasste er ihre Hüfte. Kraftvoll drang er in sie ein. Bei jedem seiner schnellen und leidenschaftlichen Stöße erbebte sie. Hitze stieg in ihr auf. Die Gefühle, die sie durchfluteten, kamen ihr einzigartig vor. Ein Band der Ekstase wand sich um ihren Leib, zog sich enger um sie.

Er pausierte kurz, um infolge noch fester zuzustoßen, steigerte dabei das Tempo. Seine Hand auf ihrem Bauch glitt tiefer, liebkoste, rieb, massierte sie. Laut ertönte ihr Stöhnen. Sie wurde von einer Welle erfasst, die sie wegtragen wollte. Abermals hielt er inne und sie hätte am liebsten vor Enttäuschung geschrien. Dann war er wieder in ihr und sie fühlte den nahenden Höhepunkt.

„Jetzt komm“, hörte sie seine Stimme. Er stieß immer heftiger zu, stimulierte sie. Rasant trieb er sie weiter. Dann überflutete er sie mit einer ihr unbekannten Gewalt, die sie schrill aufschreien ließ. Alles zuckte in ihr und sie fühlte sich weit entrückt.

Nur der Entschluss, nicht früher kommen zu wollen als sie, hielt ihn von einem sofortigen Orgasmus ab. Er versuchte, seine Gedanken zu sammeln, schloss dabei die Augenlider. Als sie mit einem ohrenbetäubenden, schrillen Aufstöhnen kam, das ihren ganzen Körper erzittern ließ, löste er alles aus seinem Kopf, ließ sich wegtragen und er stöhnte ebenfalls lustvoll, wenn auch leiser, während er sich an ihre Hüften krallte und den Gipfel der Lust erklomm. Die Fluten der Leidenschaft schlugen über ihnen zusammen. Mehrmals stieß er zu, bis sein letztes Zucken verschwand.

Noch einige Sekunden blieb er in ihr, lehnte sich leicht an ihren Rücken und genoss dieses Gefühl seiner Erleichterung, der allmählich abflauenden Erregung.

Er löste sich von ihr, zog seine Hose empor.

Sie fiel völlig erschöpft auf die Couch, grinste ihn an. „Du bist nicht schlecht.“

„Wenn du meinst“, verließ er den Raum, indes sie hastig ein Glas des köstlich kühlen Getränkes runterkippte. Gemächlich kam sie wieder zu Atem. Sie lehnte sich zurück, schloss die Lider, unterdessen sie phlegmatisch auf die Erde zurückkehrte. Sie wollte in seinen Armen liegen, nicht hier allein sein.

Ruwen nahm ihr die Sektflöte ab, trank, schenkte neu ein. Er zog sie auf, nahm sie wie eine Feder auf den Arm. „Ich möchte noch mehr von dir“, raunte er ihr zu, legte sie auf das Bett, setzte sich daneben. Seine Finger fuhren über ihre Wange, währenddessen er sie anblickte. Behutsam zeichnete er die Konturen ihres Gesichtes nach. Er ergriff eine Strähne ihrer mittellangen hellbraunen Haare, drehte diese um seinen Finger, zupfte leicht daran.

Sie umschlang seinen Oberkörper, streichelte seinen Rücken, kraulte in seinen Nackenhaaren. Die unzähligen Schmetterlinge begannen erneut, in ihr zu flattern, als seine Hand langsam auf Wanderschaft ging. Sie rekelte sich, streckte sich ihm entgegen, während Hitze in ihr aufwallte. Sie drückte sich enger an ihn, wollte ihn küssen, aber er drehte das Gesicht weg. „Los, küss mich!“, forderte sie.

„Du bist für einige Stunden eine Sexgespielin, nicht meine Freundin“, erwiderte er, blickte sie dabei kalt an.

Ihr Zorn verflog sofort, als er ihren Busen knetete. Immer wieder ächzte sie leise, da er Gefühle in ihr freisetzte, die sie so intensiv nie zuvor gespürt hatte. Heiße Schauer liefen durch ihren Leib. Er verwöhnte sie mit Zärtlichkeit, zeigte ihr so, seine Liebe. Nur sie wollte endlich mehr, musste ihn in sich spüren. „Komm, ich will dich ganz“, seufzte sie.

„Wir haben Zeit, viel Zeit. Du scheinst es eilig zu haben. Genieße es und freue dich auf das, was später kommt.“

Ihre Augen, die vor Entzücken halb geschlossen waren, folgten jeder seiner Bewegungen und saugten die erotischen Bilder in sich auf. Ihr Blut wurde hochgepeitscht, als sie seinen kühlen Atem fühlte, der ihre Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen wegzupusten schien. Seine linke Hand massierte ihren Po, während die andere oberflächlich über sie streichelte, bevor er fester gegen ihr gieriges Fleisch drückte. Sie fühlte sich auf dem Gipfel ihrer Lust, ließ ihr Becken leicht kreisen, hob sich ihm entgegen, rieb sich an seiner Hand. Leise seufzend krallte sie ihre Finger in seine Haare, ließ ihre Zunge über die Lippen gleiten, die sich so trocken anfühlten.

Schließlich fiel sie in einen tiefen, prickelnden, unglaublich erlösenden Orgasmus, der sie aufschreien ließ. Das Kribbeln dieses Lustfeuerwerks wärmte ihre Haut, ihre Brustwarzen reckten sich keck in die Höhe. Es war wie ein Feuer, welches sie zu verbrennen schien. Ein Feuer der Leidenschaft. Er ließ jedoch nicht von ihr ab, schickte seine Finger auf Erkundung. Auf irgendeine Art wurde sie in eine Sphäre getragen, die sie nicht kannte, bevor sie abermals von ihrer Erregung weit fort katapultiert wurde. Sie bäumte sich auf und brachte nur ein Krächzen hervor. Ihr gesamter Leib zitterte und vibrierte. Sie versuchte, heftig nach Luft zu gieren. Nochmals erklang ihr lautstarkes Stöhnen, dann lag sie erschöpft da.

Ruwen hingegen stand auf, holte im Wohnzimmer ein sauberes Glas, suchte nach Mineralwasser, trank, schlenderte langsam mit dem Glas in der Hand zurück. Ihn ließen solche Ekstasen kalt. Zu oft schon erlebt, zu oft gehört. Er hatte sie einfallsreicher eingeschätzt, war nur deswegen geblieben. Ein bedauerlicher Irrtum!

Irgendwie war es ihr peinlich, dass sie dermaßen ekstatisch auf ihn reagierte, kaum dass er sie anfasste.

Er setzte sich auf die Bettkante, trank. Sie rückte näher, rieb sich an ihm. Als keinerlei Reaktion erfolgte, tätschelte sie über seine Hose zu seinem Schritt. Eine Weile rieb sie hin und her, spürte seine ansteigende Härte. Ja, genau darauf hatte sie Appetit. Sie wollte ihn spüren, tief in sich, wo er sie ganz ausfüllte.

Ruwen guckte sie an. Da war er wieder, dieser wissende, leicht überhebliche Blick, der sie verwirrte und gleichzeitig aufgeilte. Sie schaute an seinem muskulösen Körper hinunter, während ihre Hand seinen Brustkorb herab wanderte. Alles Denken war weg. Es gab keine Scheu oder Scham mehr. Sie wollte nur von ihm geliebt werden. Ihr Mund berührte seinen Oberkörper, schob sein Shirt hoch, wollte seine nackte Haut berühren, dann glitt sie abwärts. Sie versuchte, seine Hose zu öffnen, nestelte daran herum, bis er ihr half, die Augenbrauen dabei leicht hochzog. Sie lächelte ihn an, aber er erwiderte das nicht. Sie befreite seinen Penis, der sich sofort zu seiner vollen Größe entfaltete.

„Warte!“ Er zog sich aus, beugte sich über den Rand des Bettes, fischte aus der Hosentasche ein Kondom, reichte es ihr. „Jetzt mach!“

Sie riss die Packung auf, wusste nicht, wie man damit umging. Mit verzogener Miene griff er unwirsch zu, zog ihn über. „Ganz einfach! Kann jeder! Nun fang an!“

„Wir haben viel Zeit“, säuselte sie, da sie ihm seinen Unmut ansah. Sie massierte sein bestes Stück mit der Hand, da hielt er die fest.

„Dafür benötige ich keine Frau, da ich das besser kann. Nimm ihn in den Mund.“

Sie rückte sich zurecht, hielt seinen Schaft fest, bevor sie sich darüber beugte, langsam ihre Zunge mit seiner Eichel spielen ließ. Mit der anderen Hand streichelte sie ihn zwischen den Beinen. Sein leichtes Seufzen zeigte ihr, wie sehr er ihre Künste genoss.

Sie fühlte seine Hand in ihren Haaren, ihren Nacken, und wie er ihren Rhythmus ändern wollte, aber das wollte sie nicht. Irgendwie genoss sie es, dass sie in diesem Moment eine gewisse Macht über ihn hatte. Sie hatte es in der Hand, ihn zu erlösen oder ihn noch zappeln zu lassen. Das wollte und würde sie auskosten. Mit der Hand drückte sie sein Becken, das sich ihr entgegen hob, auf die Matratze. Sie ließ kurz von ihm ab, ließ ihre Lippen zu seinem Bauch gleiten, bemerkte an seinem Brustkorb, dass er heftiger atmete.

„Mach weiter“, ordnete er an. Seiner Stimme hörte man die Erregung an. Geruhsam arbeitete sich ihr Mund wieder tiefer, zupfte sie mit den Zähnen leicht an seinen dunklen Haaren, bevor ihre Zunge die Spitze berührte. Nur ganz wenig, aber sie hörte ihn seufzen, wollte ihn jedoch noch lange nicht erlösen. Nein, sie wollte mit ihm spielen, ihn warten lassen, bevor sie ihn schneller befriedigte.

Ruwen richtete sich auf, blickte sie an, zog sie an sich. Er ließ seine Hand an ihren Körper hinab gleiten. Sie seufzte sofort verzückt auf.

„Komm, dreh dich. Mal sehen, wer es länger aushält“, schaute er sie an, während seine Finger sie rieben.

Er grätschte ihre Beine weiter auseinander, dann kühlte sein Atem sie, als wenn er die Nässe fortpusten wollte. Sie schwebte. Sie beugte sich über seinen wartenden Phallus, leckte daran, während sie seine Finger in sich spürte, gleichzeitig den Daumen, der sie massierte. Nach einer Weile begann ihr Körper zu zittern, zu beben. Sie ließ von ihm ab, um nur ihre Erregung zu genießen, Luft zu bekommen.

Plötzlich ließ er von ihr ab, fluchte leise, kniete sich hin, drehte sie auf den Bauch. „Jetzt möchte ich auch etwas davon haben“, zog er sie näher zu sich. Sie stöhnte laut, als er mit einem harten Stoß in ihr war. „Beweg dich mal.“

Nach kurzer Zeit ließ er von ihr ab, drehte sie eher unsanft auf den Rücken. Noch näher zerrte er sie zu sich, spreizte ihre Beine weit, um noch tiefer in sie einzudringen. Sie bog sich ihm entgegen, und als sie zusätzlich seine Finger fühlte, die ihre Klitoris bearbeiteten, hielt sie es nicht mehr aus, konnte sie die Schreie, deren Lautstärke sie nicht mehr kontrollieren konnte, nicht zurückhalten. Sie spürte die Wellen, die sich rasant in ihr ausbreiteten, da ließ er ein wenig von ihr ab.

„Warum ... bitte, Ruwen ... nicht ...“

„Ich sagte dir, dass ich dich richtig lange will.“

Sie wollte nach ihm greifen, seinen Penis tiefer in sich reinschieben, aber er hielt sie fest, knabberte an ihren harten Brustspitzen und er schaukelte sie damit höher. Träge glitt sein Mund abwärts.

„Oh ja, leck mich, bring mich auf hundert. Mach mich so geil, wie ich noch nie war“, keuchte sie.

Er stieß fest zu. Gierig schob sie sich ihm entgegen, wollte endlich erlöst werden, aber wiederum hatte Ruwen das anders geplant. Als er merkte, dass ihr Körper, ihr Inneres zu vibrieren, beben begann, ließ er von ihr ab, obwohl er jetzt sich schon selbst dazu zwingen musste. Jahrelange Übungen halfen ihm jedoch dabei.

„Nein“, hechelte sie aufgebracht, was ihn nur zu einem spöttischen Grinsen animierte.

„Ganz langsam oder hast du es eilig?“

Pure Lust durchzog ihren gesamten Leib. Sie griff nach ihm, doch sie hatte keine Chance. Er kniete sich hin, stützte ihren Po auf seinen Oberschenkeln ab, dann stieß er wieder in sie rein und sie japste. Mit den Fingern begann er zusätzlich, die Klitoris zu stimulieren. Sie spürte seinen harten, großen Schwanz, der immer wieder rein und raus stieß. Ihr Mister Wonderful brachte sie um den Verstand. Tief drang er bis zum Anschlag in sie ein und stieß ein paar Mal kräftig zu. Ihr Stöhnen wurde immer lauter und er verlangsamte das Tempo. Jeder Millimeter ihrer Haut stand in Flammen. Sie schaute ihn an, erblickte das grüne Feuer in seinen Augen. Es schien zu glimmen.

„Dein Blut kocht. Ich kann es spüren“, säuselte er spöttisch.

Sie zwang sich dazu, seinem Blick auszuweichen, wollte ihm nicht zeigen, wie sehr sie ihn begehrte, wie gierig sie nach ihm war. Alles in ihr vibrierte, sie wollte endlich die Erlösung.

Seine Hand streichelte ihren Körper, umkreisten ihre harten Brustwarzen. Sie drückte sich tiefer in die Matratze, als sie jetzt seine Finger zwischen ihren Beinen fühlte. Noch nie hatte sie so etwas Elementares erlebt, nie dermaßen nach dem Orgasmus gegiert. Seine kühlen Hände auf ihrer Haut, sein kühler Atem auf ihrem Hals. Er ließ von ihr ab und stützte sich rechts und links auf, dann stieß er kraftvoll in sie hinein, dass sie schrie. Wiederholt stieß er hart zu, wieder und immer wieder, voller Lust. Nach wenigen Stößen, merkte sie, wie sie kam und auch er überließ sich den erregenden Gefühlen.

Sie klammerte sich an ihn, biss ihm in die Schulter, um nicht laut zu schreien. Beide stöhnten zusammen, während er mehrmals fest in sie hineinstieß, dabei zuckte.

Er rollte sich an die Seite, atmete schneller.

Sie schmiegte sich an ihn, gewahrte das heftige Heben und Senken seines Brustkorbes.

„Lass mich! Mir ist warm“, schob er sie beiseite, entfernte das Kondom, welches er achtlos neben dem Bett auf den Boden warf.

Beide schliefen kurz ein.

Als er erwachte, wollte er sich erheben, aber sie hielt ihn fest, drückte sich eng an ihn. „Lieb mich“, flüsterte sie.

„Bring mich in Stimmung“, vernahm sie seine eher kalte Stimme. „Dieses Mal richtig, nicht nur so ein dröges halbherziges Gelecke. Ich möchte bis zum Anschlag von dir verschlungen werden.“ Nochmals zog er über seinen Penis ein Kondom. „Massiere ihn mit dem Mund bis zum Ende. Ich möchte auch meinen Spaß haben, nicht nur du. Oder schaffst du das nicht?“

Empört guckte sie ihn an. „Du wirst merken, wie perfekt ich bin.“

„Bisher nichts davon mitgekriegt. Du legst dich hin und Mann soll dich befriedigen. Langweilig! Fang an!“

Langsam glitt sie an seinem Körper entlang, eine feuchte Spur ihrer Zunge zurücklassend.

Nach einigen Minuten schob er sie von sich. „War nett“, schwang er die Beine aus dem Bett. „Das ist mir zu blöd. Befriedige ich mich selbst, habe ich mehr davon.“

„Bitte! Bleib! Wir haben das ganze Wochenende Zeit.“

„Nein. Ich habe mittags eine Verabredung in Kampen. Keine Zeit, da ich Geld verdienen muss. Andere Frauen reißen sich darum, dass, was du eben hattest, zu erleben, zahlen für die drei Stunden 6.000 Euro, da deine Leistung eher mittelmäßig war“, schlüpfte er in seine enge Lederhose. „Wenigstens sind sie so gut, dass ich es ebenfalls genießen kann.“

Sie richtete sich auf. „Du bist nicht nur ein Stripper, sondern ein Callboy?“, kreischte sie, war von seinen Gemeinheiten geschockt. Er liebte sie doch.

Er sah sie spöttisch an, während er das Shirt überstreifte. Sein Kopf schaute hervor. „Spiel nicht prüde Dame. Vergessen? Du hast gerade ausdrucksstark, wie eine läufige Hündin, deinen Mann betrogen, den Sex mit einem Callboy genossen. Wer hat mich den festgehalten, weil ich bleiben sollte? Ich hielt dich für aufgeschlossener“, griff er nach seiner Jacke. „Erst geilen Sex kreischend fordern, dann bieder spielen? Du bist weder eine feine Dame noch eine passable Malerin oder gar eine gute Gespielin. Passt alles nicht zu dir“, erklärte er brüsk, kalt.

Sie sprang aus dem Bett, klammerte sich an ihn. „Bleib! Bitte Ruwen, bleib hier!“ Ihre Hand glitt abwärts, bis sie die Wölbung fand. „Komm ins Bett zurück“, säuselte sie. „Ich besorge es dir Französisch, wie du es noch nie erlebt hast. Dein Schwanz gehört nur mir, braucht nie wieder eine andere Frau.“

„Nein. Das war alles, mehr wirst du nie von mir bekommen. Wir werden uns garantiert nicht mehr treffen. Der Spaß für dich ist vorbei, jetzt wird es nur langweilig für mich. Du zählst zu der Sorte Frauen, die Mann einmal mitnimmt und danach umgehend vergisst, weil du eine Niete im Bett bist. Da wünscht niemand eine Wiederholung.“

„Bitte bleib hier“, flehte sie. „Ich mache alles, was du dir wünschst. Wir lieben uns doch.“

„Schaffst du nur nicht, weil du eine lausige Sexgespielin bist. Du kannst nichts, außer angeben. Viele Prominente erscheinen? Nur einige Freunde von dir kamen. Sei froh, dass du einen reichen Ehemann ergattern konntest.“ Er schob sie von sich, eilte den Flur entlang.

„Du bleibst hier, verdammt!“ Als keine Reaktion von ihm erfolgte, schrie sie. „Verdammt, du bleibst! Ich will von dir gevögelt werden. Du kannst mich nicht so abschieben. Ich bestimme, wann du gehst.“

„Leb wohl“, fiel die Wohnungstür hinter ihm zu.

Sie riss die Eingangstür auf, kreischte völlig hysterisch. „Komm zurück! Ich will sofort von dir gevögelt werden. Dein Schwanz gehört nur mir. Verdammt! Komm her! Ich bringe dich Mistkerl um, wenn du mich nicht sofort vögelst. Verdammt, ich will deinen Schwanz lecken, will …“

Ihr Nachbar öffnete die Tür. „Ruhe! Sind Sie verrückt?“, herrschte er sie an. Andere Leute tauchten hinter ihm auf, glotzten sie an. „Interessant, was Ihr Mann zu diesem Auftritt sagt? Gehen Sie rein, da es nur peinlich ist, Sie nackt zu sehen. Es ist skandalös, welche Person hier wohnt.“

Erst jetzt bemerkte sie, dass sie nackt war. Sie drehte sich um, knallte die Tür zu und stürmte ins Schlafzimmer, kippte den Champagner hinunter.

Voller Wut warf sie die Champagnerflasche folgend die Gläser gegen die Wand, schimpfte, tobte, bis sie weinend auf das Bett fiel. Er sollte doch bei ihr bleiben, sie lieben, ihren Körper verwöhnen.

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Es ist ein Sonntagmorgen, an dem die Luft wie Champagner prickelt, da eine leichte Brise über das Land wehte, es trotz allem herrlich warm war. Warum er gerade jetzt an den Spruch seines Opas dachte, wusste er nicht. Er verdrängte rasch, was er immer weiter dazu sagte. Das war seit Jahren generell kein Thema in seiner Ehe. Heute würde er sich ganz seinem Sohn widmen, nachher mit ihm zur Nordsee spazieren, mit ihm im Wasser spielen, toben.

Er frühstückte gemütlich mit seiner Frau und dem kleinen zweijährigen Sohn, als das Telefon störte.

„Moin, Peter. Was gibt es?“ „Oh, nein.“ „Kommen wir hin. Sperrt alles ab, egal wie die Leute meckern. Denk an die Fotos.“ Er wählte neu. „Moin, Rainer. In 20 Minuten treffen wir uns in Kampen, Parkplatz Lister Straße oberhalb La Grande Plage. Da haben sie einen Toten gefunden. Also beeil dich.“

„Papa, will mit?“

„Torben, das geht leider nicht. Du darfst mit Max, Ole und Klaas spielen und im Wasser planschen. Mama lässt euch Wasser rein.“

Wasser war auch heute das Zauberwort. Hörte er Wasser, war alles andere unwichtig, selbst seine zweite Lieblingsbeschäftigung essen stand weit dahinter.

„Einen Toten?“, fragte Britta.

Er schluckte hinunter. „Oberhalb des Kliffs sagte Peter. Sie haben alle Hände voll zu tun.“ Er biss in das Brötchen, lächelte Torben zu, der die Wurst von dem Brötchen wegaß, nach einer neuen Scheibe griff.

„Das Wochenende kann ich ergo streichen. Sören, ich werde mir einen Liebhaber mit viel Zeit suchen.“

Er schaute sie verdutzt an, lachte. „Ein dusseliger Scherz! Pech für dich, ich bin ein Unikat und so etwas liebes, zärtliches Mannsbild gibt es nur einmal. Du hast generell seit Jahren nie Lust, nicht ich“, stellte er richtig. „Ich muss mich anziehen, sonst warten Rainer und der Tote auf mich. Heute Abend habe ich ganz viel Zeit für dich.“

Er trank den Kaffee, schmierte die zweite Brötchenhälfte für seinen Sohn, legte zwei Scheiben Wurst darauf. „Torben, möchtest du noch Milch?“

„Wurst“, nuschelte der mit vollem Mund.

„Da bin ich von der Gartenarbeit müde.“

„Welcher Gartenarbeit? Der Gärtner hat am Freitag alles in Ordnung gebracht, dafür 300 Euro kassiert. Egal! Ich weiß! So wie vorhin, da warst du vom Schlafen müde. Höre ich seit drei Jahren. Vielleicht fällt mir ja etwas ein, wie ich dich wenigstens einmal im halben Jahr wach bekomme“, scherzte er, jedoch sein Gesichtsausdruck blieb ernst dabei. Es würde doch wie jedes Mal enden: Ich will jetzt nicht.

Sören Svendsen parkte den Wagen auf dem offiziellen Parkplatz. „Moin, Rainer.“ Kurz musterte er die sieben Autos, die dort parkten. Noch saßen die Urlauber an den Frühstückstischen, daher war der Parkplatz nur wenig besetzt. „Fahren wir näher heran.“

Er parkte sein Auto hinter dem Polizeiwagen an die Seite, kurz vor der Dünenkette.

„Rainer, penn nicht ein. Hol den Koffer aus meinem Wagen.“

Rainer nahm den Koffer heraus und über den Holzsteg liefen sie Richtung Nordsee. Peter saß an der Seite im Sand, rauchte eine Zigarette.

„Moin. Da bist du ja endlich.“

„Hättest ja einen Heli schicken können. Wo liegt er?“ Er blickte zu den vier Zigarettenkippen zu Peters Füssen, der sich jetzt langsam erhob. „Gerd, Bernd und Jochen mussten los. Ein Verkehrsunfall mit vier Fahrzeugen.“ Er reichte Sören sein Handy. „Das ist er. Sie haben ihn bereits ins Krankenhaus gebracht.“

„Super! Hätte ich auch in Ruhe zu Ende frühstücken können. Hat er einen Namen?“

„Nichts! Ungefähr um die 1,85, 30 Jahre alt, braune Haare, schlank, sieht gut aus. Sein Körper war mit Sand bedeckt, besonders sein Gesicht.“

„Sende mir die Fotos auf mein Handy. Wann?“

„Muss schon länger liegen. Vielleicht gestern Abend oder so.“

„Hat er nur die eine Wunde am Kopf?“

„Sah so aus. Er lag ja auf dem Rücken und die Stelle ist am Hinterkopf. Konnten wir nicht so genau sehen. Als sie ihn auf die Trage packten, habe ich kurz geknipst. Hättest du schneller kommen müssen, nicht erst nach“, er schaute auf die Uhr „37 Minuten.“

Sören seufzte. „Wer hat ihn gedreht?“

„Wurde vermutlich so abgelegt.“

„Habt ihr die Tatwaffe gefunden?“

„Nichts.“

„Habt ihr gebuddelt?“

„Sören, wie lange sollen wir da suchen?“

„Bis ihr etwas findet. Zeig uns die Stelle. Wo ist euer Fotoapparat?“

„Im Auto. Habe ja mit dem Handy geknipst.“

„Seid ihr nur dusselig? Wo sind die Leute, die ihn entdeckten?“

Er reichte ihm einen Zettel. „Das sind sie. War Zufall, da sie spazieren gegangen sind. Sie dachten erst, er schläft seinen Rausch aus.“

„Haben sie ihn angefasst?“

„Keine Ahnung. Sie sagten Nein.“

„Wo wohnen sie?“

„Steht doch da - Mönchengladbach.“

„Peter, ich meine auf Sylt? Ich wollte jetzt nicht ins Ruhrgebiet fahren.“

„Haben wir nicht gefragt. Sie wissen ja nichts.“

„Dussel“, murmelte der erste Hauptkommissar Svendsen, blickte Oberkommissar Rainer Bosse an, der mit dem Kopf schüttelte, dabei die Stirn krauszog. „Peter, sammle bitte deine Kippen ein. Seit wann wirft man seinen Müll in der Gegend rum?“

„Kannst du ja machen“, erwiderte der frech, grinste zu Rainer.

Sie liefen zu der Absperrung, wo einige Leute neugierig guckten. Sören sprang mit einem Satz darüber, ging zu den Leuten. „Sie geben meinem Kollegen bitte Ihre Personalien, und wenn Sie sachdienliche Hinweise haben, melden Sie die. Danke.“

„Aber wir wissen doch gar nicht, was hier passiert ist“, empörte sich eine Frau.

„Warum gaffen Sie dann?“, drehte sich Sören um. „Peter, nimm bitte von allen die Personalien auf, dann sollen sie verschwinden.“

Er ging zu der Stelle, wo man Blut erkannte, dazu die Abdrücke, wie der Mann gelegen hatte. Ringsherum sah man, dass dort Leute gelaufen waren. Er schaute die Fotos an, aber da erblickte er nur den Mann, nicht was nebenan für Spuren waren. Schiet!

„Wir haben Glück, das nur eine leichte Brise weht“, stellte Rainer fest.

„Erspare mir deine blöden Sprüche. Knipse ich, danach nehmen wir etwas von dem roten Sand mit. Guck dich um, ob du Spuren siehst, falls nicht alles zertrampelt wurde.“

Er holte den Fotoapparat heraus und schoss Bild um Bild. Nur das brachte nicht mehr viel. Das war eine einzige Schlamperei, was hier abgelaufen war, wütete es in ihm. Doktor Hansen würde toben, alles ihm in die Schuhe schieben.

„Sören, komm her“, rief ihm Rainer eine halbe Stunde später zu.

Er schaute nach oben, sah den Kollegen jedoch nicht. „Etwas gefunden?“

„Bring einen Beutel mit.“

Er zog Handschuhe an, steckte mehrere Beutel in die Hosentasche und stieg die Düne empor. Der weiche Sand geriet sofort ins Rutschen.

„Verdammt, kannst du nicht vorher denken und Beutel einstecken?“, meckerte er auf dem Weg nach oben.

„Guck an der Distel, da hängt etwas Blaues.“

„Sieht wie ein Stück Stoff aus. Sacke ich ein. Von ihm kann es nicht sein, da er nur beige und weiß trug.“

„Hatte er keine Schuhe an?“

Er steckte die Distel samt dem kleinen Fetzen in den Plastikbeutel. „Schlaft ihr heute alle noch? Natürlich fehlen die. Spuren sind hier keine zu sehen“, reichte er ihm die Tüte. „Bring die zu meinem Koffer.“

„Muss ich überhört haben.“

„Hier hast du Tüten, falls du noch etwas findest. Ich suche Tatwaffe, Schuhe, seine Dinge aus der Hosentasche. Penn nicht ein, Dösbaddel!“

Peter wartete auf ihn. „Ich muss los. Eine Scheune brennt.“

„Na toll. Habt ihr Schuhe von dem Opfer gefunden?“

„Wieso hatte er keine an?“

„Auf den Bildern ist er barfuß.“

„Ist uns nicht aufgefallen.“

„Ihr seid nur breesig. Du musst schnellstens alle Kennzeichen vom Parkplatz überprüfen.“

„Soll ich die aufschreiben?“

„Peter, nerv mich nicht. Ja natürlich. Hättest du gleich erledigen müssen, anstatt zu qualmen. Gib mir die Adressen der Gaffer, bevor du Trottel, die noch verlierst.“

„Ich muss erst …“

„Ja, ja, bewerkstelligen wir. Der Tote muss ja irgendwie hergekommen sein oder er wohnte in Kampen.“

„Glaube ich nicht, da hätte man ihn gesehen.“

„Eventuell ist er Urlauber? Wo sind seine Sachen? Habt ihr unten in dem Abfallbehälter nachgesehen?“

„Nein. Da war nichts weiter. Die Taschen waren völlig leer. Nur Uhr und Kette hatte er um. Sören, der lebte noch, ist nicht tot. Ich muss.“

„Sage das noch mal.“

„Na ja, wir dachten es erst, aber der Sani sagte, er lebt. Tschüss!“

„Seid ihr nur dusselig, oder was?“, brüllte Sören ihm nach, steckte den Zettel ein, schaute kopfschüttelnd dem Kollegen hinterher. Er griff zum Handy, rief in Klinik Westerland an. Die Frau wusste nichts, nur dass der Mann in einem der OP-Räume liege und behandelt würde.

Nun schritt er das Gebiet ab, fand außer einer zerbeulten Coladose nichts. Mit einem Klappspaten schob er die oberste Schicht Sand beiseite, als Rainer kam.

„Da oben haben sich welche im Sand ausgetobt, wenn ich die Spuren richtig deute. Ich knipse das vorsichtshalber und Schaufel Sand in die Tüte, für eine DNA.“

„Erst Sex und danach haut sie ihm dermaßen heftig auf den Kopf?“

„War eine langweilige Nummer“, grinste Rainer.

„Dann ist sie dusselig, wenn sie ihn nicht zu mehr animieren kann. Los, beeil dich.“

„Für die zweite Aktivität hat es bei ihm nicht mehr gereicht. Eventuell war er schwul und sein Lover hat zugeschlagen.“

„Er ist doch keine achtzig. Gehe fotografieren“, Sören genervt. „Peter ist eingefallen, dass der Mann lebt. Hat ihnen die Sanitäter mitgeteilt. Gut, dass sie ihn nicht gleich beerdigt haben.“

„Du scherzt, oder?“

„Sehe ich so aus, Dösbaddel? Er liegt in einem Operationssaal, wird behandelt. Mehr konnten sie mir in der Klinik noch nicht sagen. Wie auch immer, ermitteln müssen wir so oder so.“

Eine Stunde später schlenderten sie Richtung La Grande, einer kleinen Bar, von der man einen herrlichen Blick über die Nordsee hatte.

Sie bestellten zwei Colas. Als die serviert wurden, zog Sören seinen Ausweis aus der Hosentasche, zeigte ihn der Frau und anschließend die Aufnahme des Toten. „Kennen Sie diesen Mann?“

„Ich glaube nicht. Wissen Sie, wie viele Gäste wir hier täglich haben? Warum suchen Sie ihn?“

„Haben Sie es noch nicht gehört, dass man nur wenige Meter von hier entfernt einen Mann gefunden hat?“

„Das stimmt wirklich? Ein Toter?“

„Nein, sind Märchen!“

„Hast du heute miese Laune?“, erkundigte sich Rainer, grinste dabei so sehr, dass sich seine Wangen zu dicken Klößen formten.

„So kann man es nennen. Eigentlich wollte ich den Tag mit meinem Sohn gemütlich genießen, mit ihm baden gehen. Hier funktioniert nichts. Nur unfähige Leute sind an meiner Seite. Weder das er keine Schuhe trug, ist jemand aufgefallen, noch haben sie die Autokennzeichen notiert. Der Unbekannte ist tot, aber lebt. Keine richtigen Fotos, sondern nur welche mit dem Handy sind vorhanden. Von der Umgebung nichts. Sie wissen nicht ungefähr wann, noch welche Wunde er genau hat. Er blutete am Kopf. Wie ein paar Laien. Die Leute, die ihn entdeckt haben, lassen sie laufen. Wenigstens haben sie die Personalien aufgeschrieben, aber nicht, wo sie hier wohnen.“

„Gib mir dein Handy, frage ich die Leute. Willst du die drei Fruunslüüd selber befragen? Die starren dich die ganze Zeit an.“

„Rainer, noch so ein blöder Spruch, ich fahre nach Hause und du darfst das allein bearbeiten. Morgen kriegst du einen Akteneintrag. Vergessen, ich bin dein Chef.“

„Na und? Mensch, fahr“, ließ der ihn sitzen.

Sören taxierte seinen drei Jahre älteren Kollegen, der gemächlich zu den Frauen schlenderte. Rainer war kleiner als er, untersetzt. Die kurzen aschblonden Haare trug er immer stark gegelt nach oben gestylt. Seiner Meinung nach passte das überhaupt nicht zu dem eher rundlichen Gesicht. Heute schien er seinen charmanten Tag zu haben, da er die Frauen anlächelte, auf die Nordsee zeigte, bevor er seinen Ausweis herausholte. Er beobachtete interessiert die Reaktion der Urlauberinnen. Die fand er merkwürdig, zwei der Frauen blickten entsetzt, rissen die Augen weit auf, schauten sich an, bevor sie den Kopf schüttelten. Rainer bedankte sich, ging zum nächsten Tisch, wo ein älteres Ehepaar saß.

Er stand auf, grüßte, nannte seinen Namen, zeigte den Ausweis. „Kann ich bitte die Personalausweise sehen? Wo wohnen Sie auf Sylt?“

„Wir sind nur Tagesgäste“, antwortete eine der beiden Frauen, die so entsetzt geguckt hatte, sehr rasch. Zu fix.

Rainer kam zurück. „Sie lügen, kennen ihn angeblich nicht“, raunte er ihm zu.

„Die Ausweise bitte. Mein Kollege wird Ihre Personalien notieren. Mit welchem Zug sind Sie gekommen?“

„Rita, was soll das? Wir sind am Freitagnachmittag angekommen, wohnen in Kampen im Haus von meinem Mann und mir“, stellte die dritte Frau richtig, reichte Rainer den Ausweis.

„Danke. Sie leben immer auf Sylt?“

„Nein, in Hamburg. Mein Mann und ich verfügen hier über einen Zweitwohnsitz.“

„Warum wurde da erst gelogen?“, sprach er die andere Frau an, die Rainer ebenfalls den Ausweis hinhielt. „Sie kennen demzufolge den Mann. Wer ist er?“

„Nur flüchtig.“

„Wie heißt er?“, Sören nun bereits ungehalten. „Ich möchte heute noch nach Hause, mich nicht stundenlang bei Ihnen aufhalten. Den Namen!“

„Wir kennen ihn nicht namentlich, sondern nur vom Sehen.“

„Wo haben Sie ihn gesehen? Geht das etwas Flüssiger?“

„Sie sind unfreundlich“, empörte sich die einzige Blondine am Tisch. Sie hatte kurze Haare, dafür baumelten an den Ohren voluminöse Ohrgehänge. Generell trug sie extrem viel Schmuck. Behangen wie ein Weihnachtsbaum, geisterte es ihm durch den Kopf.

„So bin ich generell, wenn man uns belügt. Nun erzählen Sie bitte, woher Sie diesen Herrn kennen.“

„Wir waren abends bei Freunden eingeladen, da strippte er. Unsere Männer fanden es deplatziert, da sie mehr etwas Weibliches in dieser Position erwarteten.“

„Aha, Sie haben sich das Gesicht so genau gemerkt? War wohl Festbeleuchtung. Nun die nächste Geschichte. Weil Sie ihn einmal strippen sahen, reagiert niemand dermaßen erschrocken.“

„So war es aber.“

„Gut, Sie kommen am Montag ins Präsidium, tätigen Ihre Aussage und unterschreiben diese. Fragen wir Ihre Männer, was sie über den Herrn wissen. Sind sie ebenfalls hier?“

Die zwei Frauen blickten sich entsetzt an.

„Ja, sie müssten alle drei in etwa einer halben Stunde kommen. Sie wollten nur ein wenig spazieren gehen“, antwortete Marie Helmer unwirsch, blickte die beiden Begleiterinnen aufgebracht an.

„Danke, Frau Helmer. Wenigstens eine Dame, die nicht lügt. Wir kommen gleich nochmals zu Ihnen, wenn die Herren eintreffen. Bitte nicht vorher verschwinden, sonst gibt es Ärger.“

Rainer reichte die Ausweise zurück, ließ sich die Sylter Adresse mit Telefonnummer geben.

„Herr Svendsen, warten Sie“, rief ihm Karin Becker, die Blondine, nach. Langsam drehte er sich um. „Ist Ihnen doch noch eine neue Episode eingefallen? Ja, Sie hatten es vergessen, wir waren ohne unsere Ehemänner dort. Bei welcher Bekannten diese Veranstaltung stattfand, wissen Sie ebenfalls nicht mehr. Ich spreche mit den Herren.“

„Was veranstaltet ihr hier? Kennt ihr den jungen Mann? Warum sagt ihr es nicht?“, Marie Helmer ungehalten. „Er wurde anscheinend ermordet.“

„Wir waren in einer Bar, da trat er als Stripper auf.“

„Wissen Sie, Frau …“ er schaute Rainer an, der „Becker“, murmelte. „Frau Becker, unsere Zeit ist uns für diese Art von Märchenstunde zu schade. Solchen Mist würde ich niemand auftischen, nicht einmal meinem kleinen Sohn. Ich überlege gerade, ob ich Sie und Ihre Freundin für eine Nacht in Gewahrsam nehme, weil Sie nur lügen, meine Zeit missbrauchen und Ermittlungen behindern. Es reicht!“, nun mit einer gewissen Härte in der tiefen Stimme. „Warte ich damit, bis Ihre Ehemänner da sind. Jetzt lassen Sie mich in Ruhe. Fragen wir die anderen Herrschaften“, wandte er sich an Rainer.

Er hörte seinen Namen rufen, aber sie gingen zu einem Tisch, fragten die beiden Ehepaare, die das verneinten.

An dem fünften Tisch standen drei Personen. „Er ist gestern Morgen vor uns auf den Zug gefahren“, sagte die Frau sofort.

„Stimmt. Der Mann mit dem 911.“

„Mit welchem Zug?“

„9.17 Uhr ab Niebüll. Er stand direkt vor uns. Da noch nicht verladen wurde, stieg er aus, holte hinten auf der Beifahrerseite eine Flasche Mineralwasser und einige Zeitschriften heraus.“

„Was trug er?“

„Weißes Shirt, hellbeige Hose und weiße Turnschuhe. Eine Sonnenbrille hatte er auf die Haare geschoben.“

„Wissen Sie zufällig das Kennzeichen?“

„HH AA 8182“, antworte die Frau sofort.

Die beiden Männer lachten. „Sie merkt sich selbst auf der Autobahn Kennzeichen von Autos, die mich überholen“, erklärte ihr Mann.

Rainer notierte auch bei ihnen die Adressen, wo sie auf Sylt wohnten. Sonst war ihnen nichts aufgefallen.

Sie bedankten sich. „Rainer, als wir ankamen, stand da ein blauer 911 mit Hamburger Kennzeichen, oder?“

„Ja, Hamburger Nummer.“

„Ruf an, wir wollen wissen, wie der Halter heißt. Ich frage drinnen nach, ob ihn jemand gesehen hat. Du Dösbaddel, lass dich nicht immer von jedem Menschen belügen. Die Bräute denken, ich wäre auch so dusselig wie du. Es ist nur peinlich, dass ich da einschreiten musste. Wie ich sage, nur Dussel um mich.“

Rainer ließ ihn stehen.

„Moin, Uwe.“

„Moin, Sören. Ich habe etwas für euch. Heute Morgen hat jemand eine Geldbörse abgegeben.“

„Schau diese Bilder an, kennst du den Mann?“

„Ruwen“, sagte er gleich bei dem ersten Foto. „Ist er der Tote?“

„Allerdings. Wie heißt er weiter?“

„Keine Ahnung. Er war einige Male hier. Ist wohl Gärtner und arbeitete zuweilen bei einigen Leutchen auf der Insel. Kommt aus Hamburg. Mehr kann ich dir nicht sagen. In Begleitung war er nie, traf hier allerdings zuweilen eine Frau, seine Auftraggeber wohl.“

„Ein Gärtner mit einem Porsche, der strippte? Merkwürdige Kombination.“

„Er strippte?“, grinste der Mann ihn an.

„Angeblich ja. Vermutlich besaß er eine goldene Heckenschere. Schreibe mir bitte auf, mit wem er sich traf. War er gestern hier?“

„Das letzte Mal vor vier, fünf Wochen. Da war er mit einer süßen Blondine hier.“

„Wie sah sie aus?“

„Nüddelich! Lange echte blonde Haare, ungeschminkt, wunderschön. Etwa 1,78, blaue Augen, Größe 36 mit den richtigen Kurven, Busen C, langen, schlanken Beinen, knackigen Po. Alter Mitte zwanzig. Wenn er Gärtner war, sattle ich um. Die Klamotten, die er trug, keine Ware von H & M. Die Turnschuhe so um die 250 Euro. Die Sonnenbrille Porsche und das war alles kein Chinaschrott. Sie dito.“

Sören musste schmunzeln. „Seine Freundin?“

„Nein“, antwortete der sofort. „Sie gingen zwar sehr vertraut miteinander um, aber mehr wie Geschwister, die auf der gleichen Wellenlänge schwimmen. Er, großer liebevoller Bruder; sie, die ihn anhimmelt, stolz auf ihn ist. Findest du sie, gib ihr meine Adresse. Ich lade sie zum Essen ein.“

Sören lachte. „Du bist ein Filou.“

„Sie sah nach mehr aus, als für eine Nacht.“

„Hast du ihn gestern gesehen?“

„Nein. Ich bin ich erst gegen 18.00 Uhr gekommen, da Piet jetzt eine Woche Urlaub hat.“

„Wieso kennt eure Angestellte ihn nicht?“

„Hat sie das gesagt? Vermutlich nicht erkannt, sonst hätte sie mir das gleich gesagt. Sie ist ein heimlicher Schwarm von ihm. Er hat mit ihr zwar geflirtet, aber nie mehr. Gut sieht … sah er ja aus. Wie hat man ihn umgebracht?“

„Erschlagen vermutlich. Das Portemonnaie gehört nicht zufällig ihm?“

„Nein, einer Frau. Jutta Windfelder. Kenne ich nicht.“

Sören nahm den Zettel und das Fundstück mit, zeigte den drei Angestellten das Foto. Zwei kannten ihn vom Sehen, wussten nicht einmal seinen Namen. Er verabschiedete sich. Draußen guckte er in die Geldbörse. Bankkarten, Amex, zig andere dieser Kundenkarten. 225 Euro, sonst nichts.

„Na, endlich zurück“, blaffte er Rainer an, der angeschlendert kam.

„Er heißt Ruwen Büchner, wohnhaft in Hamburg, 30 Jahre alt, Innenarchitekt, ledig, keine Kinder, Sohn von Harald Büchner. Sein Vater hat zwei Antiquitätenläden in Hamburg. Es liegt nichts gegen ihn vor.“

„Er ist Innenarchitekt, arbeitet auf Sylt als Gärtner und strippt in irgendwelchen Bars? Der Mann ist vielseitig. Hast du die Hamburger Kollegen verständigt?“

„Erledigt. Sie fahren gleich nach Blankenese. Der Wagen steht wirklich unten. Habe nachgesehen. Er ist verschlossen. Er hat helle Sitze. Nichts von Blut zu sehen.“

„Hat der Täter ihn ergo hier niedergeschlagen, seine Taschen geleert und alles mitgenommen. Da muss er mit einem anderen Wagen gekommen sein oder er wohnt in Kampen. Ruf die Kollegen an, sie sollen so fix wie möglich hier antanzen. Wir müssen nach der Tatwaffe, den fehlenden Sachen suchen.“

„Die drei Herren kommen“, deutete Rainer nach vorn.

„Das wurde abgegeben“, reichte er ihm die Börse. „Die Frau müssen wir nachher überprüfen. Gehen wir zu den Männern. Nun wird es lustig“, amüsierte er sich.

„Du bist zuweilen ein Biest“, grinste Rainer.

„Hätten ja nicht lügen müssen, die blöden Bräute.“

Er stellte sich nochmals vor, zeigte den drei Männern die Aufnahmen. Es erfolgte bei keinem der Herren eine Reaktion. Sie verneinten sofort.

„Herr Helmer, beschäftigen Sie einen Gärtner?“

„Das erledigt das Ehepaar Steffens für uns. Sie passen auf, wenn wir nicht da sind, erledigen die Gartenarbeit, schalten im Winter die Heizung an, schauen nach dem Rechten.“

„Und sie backt dir den besten Apfelkuchen der Welt“, lächelte seine Frau.

„Korrekt! Das kann keiner so wie Tilda. War er Gärtner?“

„Nein. Frau Becker und Frau Schwarz kennen Herrn Büchner als Stripper. Nicht wahr?“

„Als Stripper? Woher kennst du solche Männer?“, fragte Herbert Becker seine Frau verblüfft.

„Sagten Sie Büchner? Ruwen Büchner?“

„Ja, kennen Sie den Mann, Herr Helmer?“

„Nein. Meine Schwester hat gerade ihr Haus teilweise neu einrichten lassen. Der Innenarchitekt heißt Ruwen Büchner. Seine Eltern besitzen exquisite Antiquitätenläden, in den der Sohn zeitweise mitarbeitet. Er restauriert dort alte Möbel.“

„Genau daher kennen wir ihn“, Rita Schwarz sofort.

„Nun kommt die vierte Geschichte. Zunächst waren Sie nur Tagesgäste, die heute Morgen angereist sind, vergaßen, dass Sie seit Freitagabend bei dem Ehepaar Helmer wohnen. Nun folgte, Sie kannten den Mann vom Sehen, da er bei einer Feier, wo Sie mit Ihrem Mann waren, strippte, obwohl Ihr Mann lieber eine Frau in der Position gesehen hätte. Als ich sagte, frage ich Ihren Mann, ob er ihn kennt, hieß es, ach, es war in einer Bar ohne meinen Mann. Als wir gingen, riefen Sie uns nach, damit wir uns das nächste Märchen anhören sollten. Er hat also in dem Antiquitätenladen gestrippt?“

„Rita, was soll das? Was war mit dem Mann?“

„Nichts weiter! Was soll diese Äußerung, Marie?“

Sören schaute sie an, schmunzelte. „Frau Schwarz, ich rufe die Hamburger Kollegen an und sie werden in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus die Spuren aufnehmen. Sie belügen uns nur. Bei Frau Becker dito. Bis heute Abend wissen wir, ob sich Herr Büchner in diesen Räumlichkeiten aufgehalten hat.“

„Das können Sie nicht, da man dazu einen Beschluss oder so braucht.“

„Den erhalte ich bei diesem Lügengebilde spielend. Haben Sie oder Frau Becker etwas mit der Tötung des Mannes zu tun oder warum diese Lügen? Sie scheinen es nicht zu begreifen. Wir suchen einen oder mehrere Täter. Sie beide gehören gerade zu den ersten Tatverdächtigen.“

„Ich kapiere nichts. Was soll das heißen, Karin? Du merkst dir kein Gesicht, zumal du ständig ohne Brille herumläufst. Da strippt eine männliche Person fünf, zehn Minuten und du erkennst ihn wieder? Absurd!“

„Wo war das, Rita?“, erkundigte sich der andere Mann.

„Eventuell nur eine Ähnlichkeit. Wenn er Innenarchitekt ist, kann er es ja nicht gewesen sein.“

„Abermals gelogen. Sie erblickten das Bild, reagierten entsetzt, schauten zu Frau Schwarz, die nicht minder fassungslos guckte. Ersparen Sie uns daher die Story, er sah jemand wie aus dem Gesicht geschnitten aus.“

„Na gut! Ich beauftragte ihn, damit er unser Esszimmer verändert. Er sollte mir entsprechende Entwürfe zusenden. Es sollte eine Überraschung für meinen Gatten werden.“

„Dumm Tüch! Eben hieß es, es war in dem Antiquitätenladen. Frau Becker, deswegen belügen Sie die Polizei, erfinden die Storys von einem Stripper? Frau Schwarz wollte ebenfalls das Esszimmer neu gestalten lassen?“

„Nein. Sie war an dem Tag zufällig bei mir, als er erschien. Wir sahen uns gemeinsam die Entwürfe an, betrachteten die Räumlichkeiten.“

„Werden wir mit Leichtigkeit in seinen Auftragsbüchern überprüfen können. Wann wollte er das nun vollenden? Vermutlich hatten Sie sich jedoch noch nicht entschieden“, grinste er, aber die blauen Augen blickten die beiden Frauen kalt an. „Wo waren Sie letzte Nacht?“

„Wir waren im Bett, schliefen.“

„Kann Ihr Mann bezeugen, da beide die ganze Nacht wach waren, auf den Partner aufpasste.“

„Ins Bett sind wir gegen 23.00 Uhr gegangen, allerdings bin ich sofort eingeschlafen“, erwiderte er nun.

„Frau Becker, Frau Schwarz, Sie erscheinen am Dienstagmorgen um 10.00 Uhr im Präsidium. Denken Sie sich eine neue Geschichte bis dahin aus. Kommen Sie nicht, ergeht ein Haftbefehl, da Sie unter Mordverdacht stehen.“

„Wir wollten nachher zurückfahren.“

„Sie hören anscheinend nicht zu. Ich sagte es, kommen Sie nicht, flimmern über alle Sender Ihre Konterfeis, da wir Sie wegen Mordes suchen lassen“, übertrieb Sören bewusst. „Schönen Sonntag“, verabschiedete er sich, nickte Rainer zu. „Se lecht Kraaben ap uun’e Loch“, stellte Sören fest, Rainer lachte.