Blutmond - Christian Böttrich - E-Book

Blutmond E-Book

Christian Böttrich

4,5

Beschreibung

"Wohin mit den Tränen, wenn kein Platz dafür ist? Wohin mit den Gefühlen, wenn kein Platz dafür ist? Wohin mit den Ängsten, wenn kein Platz dafür ist?" Wer kennt nicht das beflügelnde Kribbeln des Verliebtseins, die unaushaltbare Sehnsucht der Liebe, den tiefen Schmerz der Entzweiung und den alles vernichtenden, todbringenden Hass der blinden Wut? In melancholischen Gedichten und Kurzgeschichten findet sich vor allem die niedergeschriebene Essenz aus Begegnungen und Erlebnissen des Autors. Zum Teil verpackt in den kreativ- kindlichen Stil von Reimen. Stilbruch? Provokation? Unbedingt!

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Seitenzahl: 54

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

LABYRINTH DER GEDANKEN

MORGENRÖTE

BLUTMOND

KURZGESCHICHTEN

KURZWEILIGES

ALPHABETISCHES VERZEICHNIS

ÜBER DEN AUTOR

LABYRINTH DER GEDANKEN

1940

Ein großes Land,

darin eine Stadt,

darin ein Haus,

darin ein Mensch,

darin - Angst.

Plötzlich ein Pfeifen -

dann ein Knall.

Die Angst ist weg.

Der Mensch ist verbrannt.

Das Haus ist zersprengt.

Die Stadt ist zerstört.

Das Land - nicht mehr Land.

Lagerfeste

Schwarzgerußte Schornsteinwolken

ziehen träge durch das Dickicht des Waldes.

Geruch verbrannter Eiweißzellen,

frisst sich in die Hirne kahlgeschorener Köpfe.

Knochen,

von lederner Haut bezogen,

bewegen vollbeladene Karren in Richtung Wald.

Doch kein Laub füllt die hölzernen Wagen.

Blutverkrustete Gebeine,

drängen sich um einen guten Platz.

Abgekippt an einer Böschung,

kämpfen sie mit gefräßigen Parasiten.

Gestank der Verwesung verbreitet sich.

Der Verstand drängt zum Wahnsinn.

Hängende Beine an blutigen Galgen,

tanzen einen frohen Tanz.

Angst in den Köpfen.

Angst in den Leibern.

Angst vorm Tod,

der doch befreiend wirkt.

Winteropfer

Es ist Winter.

Monderhellte Nächte,

lassen der Kälte freien Lauf.

Diese greift wahllos ihre Opfer.

Auch in dieser Nacht wird sie das Ihre finden.

An den Fenstern wachsen weiße Blumen.

Der Fluss, welcher die Brücke unterläuft,

ist von einer festen Haut überzogen.

Flammen spiegeln sich auf dem Eis,

strahlen Wärme aus - Leben.

Doch die Kälte kriecht langsam

aus dem Fluss in Richtung Mensch.

Sie umklammert die blauschwarzen Füße,

beißt sich gemächlich bis zum Kopf.

Die Flammen schlagen höher.

Das Feuer ist erloschen.

Die leblose Hülle mit Eis überzogen.

Der Tod gesättigt -

Es ist Winter.

Monderhellte Nächte . . .

Ursache und Wirkung

Fließende Gedanken,

einem Gewässer gleich,

in meinem Kopf.

Realität und Illusionen.

Ängste und Freuden.

Wellen schlagen an das Ufer.

Endlose Schlacht um . . .

Wer kann das sagen?

Sinnlose Kriege überall.

Siege für Tod und Verderben.

Feuer und Wasser.

Luft und Erde.

Plus und Minus.

Gut und Böse.

Jeder gegen Jeden.

Natur im Traumland

Das Summen einer flauschigen Hummel,

welche durch die Luft schwebt

und Nektar sammelt,

macht mich schläfrig.

Eine träumerische Stille,

in einer träumerischen Landschaft,

in einem träumerischen Traumland,

in dem träumerisch Frieden und Liebe regieren.

Träumend liege ich im weichen Moos.

Uralte Buchen um mich herum.

Kleine Naturklangkünstler geben ein Konzert,

welches kaum schöner sein kann.

Frieden und Liebe - selbst in den Menschen.

Keine Habgier wuchert in den Köpfen.

Der Hass ist verstorben.

Der Krieg längst verboten.

Erschrocken reiße ich die Augen auf.

Ein erboster Förster steht neben mir.

Bedrohlich bewegt er seinen Zeigefinger:

„Das verlassen der Wege ist verboten!“

Tele - Vision

Flimmernde Bilder,

bunt und schön.

Möchte immer

vor’m Fernseher steh’n

Tele – Vision

mir gefällt.

Flimmerkasten

meine Welt.

Bin süchtig nach

der Droge der Serie.

Lass mich berieseln -

Wahrheit oder Lüge?

Tele – Vision

mir gefällt.

Flimmerkasten

meine Welt.

Medienriesen

erschaffen neu die Welt.

Vision des Tele

am Ziel vorbeigeschnellt.

Tele – Vision

mir gefällt.

Flimmerkasten

meine Welt.

Lebend gefangen

Lebend g.e.f.a.n.g.e.n

im Käfig Gesellschaft

Selbstbestimmung

weit entfernt

Freiheit nur Illusion

Widerstand wird i.n.h.a.f.t.i.e.r.t

M.a.s.c.h.i.n.e.n.l.e.b.e.n zukunftsweisend

automatisch und mechanisch

Kunst als Ausweg

Freitod als Chance

Manifestationen

Der Morgen und der Abend,

der Tag und die Nacht,

der Wunschtraum und der Alptraum,

das Gute und das Böse,

das Licht und die Finsternis,

und doch auch - Dämmerung.

Der Sommer und der Winter,

der Frühling und der Herbst,

die Flaute und der Sturm,

die Dürre und die Flut,

die Kälte und die Hitze,

und doch auch - Lauwarm.

Stark oder schwach,

groß oder klein,

arm oder reich,

geliebt oder gehasst,

rot oder braun,

und doch auch - Mensch.

Sommertag

Goldig gelb strahlt die Sonne der Erde entgegen.

Vögel singen ihr Begrüßungslied,

heißen den Feuerball willkommen.

Blumen weinen Tau vor Freude,

denn ein neuer Tag beginnt.

Majestätisch marschiert die Sonne

auf dem azurblauen Teppich.

Ihr lebloses Licht wird vom Tau

mit bunten Malereien geschmückt.

Für Süßigkeiten gehalten,

von zwerghaften Lebewesen verschlungen.

Doch trügerisch die Szene scheint.

Keine Wolke befleckt den Himmel.

Blau, der Sonne Teppich bleibt.

Verheerend die Wirkung ihrer Todesstrahlen.

Und doch die Sonne weiterzieht.

Vergessen ist der taufrische Morgen,

doch jedes Wesen sich nach ihm sehnt.

Braun das Grün der Wälder und Wiesen.

Tod alles Leben auf Mutter Erde.

Verbrannt von ihrem ärgsten Feind.

Das Kloster

Schwere Noten in Moll

drängen in mein Gehirn.

Salzige Bäche in müden Augen,

vom Mond hell erleuchtet.

Hell erleuchtet auch die Turmuhr

im Kloster am anderen Ufer des Flusses.

Die hohen Fenster herausgerissen.

Das Dach durch ein Gerüst gestützt.

Seelen von vergangenen Generationen

prasseln auf mich hernieder.

Erzählungen vom Tod und der Qual,

verkünden sie mir.

Das Ende des Klosters ist mir offenbar.

Doch noch brennt Licht im Kasten der Turmuhr.

Noch schlägt das Herz des uralten Gemäuers.

Rhythmisch verschmelzen wir miteinander.

Im Takt der Uhr bewege ich nun meine Glieder.

Schreite in Sekundenschritten zum Kloster hin.

Je näher ich ihm komme,

desto höher wächst die Schwermut in mir.

Langsam löse ich mich auf.

Finde mich um Jahrhunderte versetzt.

Das Kloster voller Leben.

Mein junges Herz schlägt glücklich in die Nacht.

Geschwindigkeit

Pferdestärken treiben

mein Auto voran.

Bäume rasen

an mir vorüber.

Musik hämmert

in meinen Ohren.

Wind streicht

durch mein Haar.

Gedanken jagen

durch mein Gehirn.

Bäume stehen

in meiner Bahn.

Splitter zerschneiden

mir mein Gesicht.

Körper zerquetscht,

mein Leben erlischt.

Der Selbstmord

Es ist späte Nacht.

Wasser schlägt periodisch gegen das Ufer.

Aus der Dunkelheit sind Schritte wahrnehmbar.

Sie verstummen auf der Brücke.

Umrisse eines Körpers werden sichtbar.

Der Tod gesellt sich zu dem Mann.

Sie grüßen sich ernst.

Halbgesichtig schaut der Mond herab.

Nun bewegt sich der Mann

mit des Schwarzkuttigen Hilfe auf das Geländer.

Es ist morsch und rutschig.

Der Mann ist bald allein.

Plötzlich gibt das Geländer nach.

Der Sturz ist tief,

der Aufprall hart.

Der Körper versinkt im nassen Element.

Der Lebenskampf beginnt . . .

Der Lebenskampf

Die Maschine Mensch,

die auf den Befehl des Lebens programmiert ist,

bewegt die Extremitäten in wilder Panik.

In der Schaltzentrale brennen die Kabel durch.

Die Orientierung ist verloren.

Im Vorführraum der Erinnerung,

wird der Lebensfilm uraufgeführt.

Frauen, Kinder, Freunde als Hauptdarsteller.

Die Maschine verliert Augenflüssigkeit.

Der Fluss reißt den Körper weiter mit sich.

Der Mann wehrt sich mit aller Kraft.

Aber er ist schon zu schwach.

Die Lebensgeister sind ihm entzogen.

Immer und immer wieder

versinkt der Körper im atemraubenden Nass.

Doch jedes mal taucht er wieder auf.

Ein Rauschen wird lauter.

Der Schlund des Todes nähert sich schnell.

Das Bewusstsein des Mannes ist ausgeschaltet.

Er rast auf den Abgrund zu.