2,99 €
"Ich werde nicht den Rest meines Lebens als Kirmespferd im Kreis laufen", da ist sich die kleine Stute Bonnie ganz sicher. Sie spürt in ihrem Herzen, dass eine andere Zukunft auf sie wartet. Tag für Tag zieht sie mit dem alten Schausteller Kurt und seinen Pferden auf Jahrmärkten umher. Eines Tages bietet sich ihr eine Gelegenheit zur Flucht. Aber so einfach wie Bonnie geglaubt hat, ist die Suche nach einem besseren Leben nicht. Einsam wandert sie durch Regen und Herbststürme auf der Suche nach dem Fohlen, von dem sie nachts immer wieder träumt. Ist dieses Fohlen der Schlüssel zu ihrer Zukunft? Wird der alte, jähzornige Kurt sie finden? In diesem spannenden Abenteuer muss Bonnie viele Gefahren überstehen. Kraft und Hilfe findet sie im Glauben. Sie erkennt, dass Gott sie liebt und auf ihrem Weg begleitet und so eröffnet sich ihr eine völlig neue Welt. Bonnie findet ihr Glück.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 72
Veröffentlichungsjahr: 2016
Karin Krose-Knopp
gibt nicht auf
© 2016 Karin Krose-Knopp
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
Quelle Fotos: Fotolia
ISBN
Paperback:
978-3-7345-5549-7
Hardcover:
978-3-7345-5550-3
e-Book:
978-3-7345-5551-0
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Für Sigrid
Auszug aus der Schöpfungsgeschichte
(1. Buch Moses, Kapitel 1)
„Am sechsten Tag aber sprach Gott: „Auf der Erde sollen auch Tiere leben!" Und er schuf Tiere jeglicher Art. Wilde, zahme, große, kleine, Käfer, Spinnen und Schlangen ....".
..... und Pferde.
„Gott sah auf alles, was er gemacht hatte und siehe es war gut."
Aus den Lautsprechern ertönt Kindermusik. Ein alter Mann mit brauner, faltiger Haut und einer Peitsche in der Hand steht in der Mitte eines runden Platzes. Auf diesem laufen acht Pferde und Ponys im Kreis. Der Mann heißt Kurt und ist Schausteller. Er zieht schon seit über 40 Jahren mit seinen Pferden über die Jahrmärkte. Auf den Rücken der Tiere sitzen Kinder mit leuchtenden Augen und winken ihren Eltern zu. Die Pferde laufen immer im Kreis.
„Autsch, pass doch auf!“, beschwert sich eines der Pferde und schüttelt genervt seinen Schweif. „Tschuldigung“ hört man ein leises Murmeln direkt hinter ihm. Es kommt von einer kleinen, weiß-grau gefleckten Stute, die als letztes in der Reihe läuft. Sie hat schon mehrfach verpasst, rechtzeitig anzuhalten. Ihr Schopf hängt zottelig über den großen braunen Augen und sie schnauft unwillig.
Ich muss mich einfach besser konzentrieren und den Schritt halten“, denkt sie, sonst bekomme ich wieder Ärger mit dem alten Kurt. Der kann ganz schön wütend werden, wenn man sich nicht so verhält, wie er das will. Die kleine Schimmelstute wird von allen immer nur Bonnie genannt. Solange sie sich erinnern kann, reist sie mit dem alten Kurt und seiner Frau Elvira von Kirmes zu Kirmes. Mit dabei sind 15 weitere Pferde und Ponys unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Größe. Die Aufgabe der Tiere ist es, in einer Art Manege im Kreis zu laufen und Kinder auf ihrem Rücken reiten zu lassen. Alle vier Stunden werden sie ausgewechselt. Dann können sie sich in einem großen Transporter ausruhen.
Bonnie wartet sehnlichst auf die Pause. Auf dieser Kirmes ist es besonders unangenehm für sie. Direkt gegenüber von ihrem Stand steht eine alte Berg- und Talbahn.
Die Musik ist viel zu laut und ständig blitzen grelle, bunte Lichter auf. Am liebsten würde sie davonlaufen.
Eine kleine Kinderhand streichelt zärtlich Bonnies Hals. „Du bist lieb“, sagt ein kleines Mädchen mit lustigen Zöpfen. „Danke, dass du mich getragen hast“.
Das Kind läuft freudig zu seiner Mutter und die Familie zieht weiter. Traurig schaut Bonnie dem Mädchen hinterher. Wie gerne würde sie auch einfach weiterziehen, irgendwohin wo man sie lieb hat. Die Peitsche des alten Kurt lässt das Pferd aus seinen Gedanken aufschrecken. „Pause“, ruft er. Die Tiere werden von dem Schausteller zu dem angrenzenden Schotterplatz geführt, auf dem die Wohnwagen, Tiertransporter und Tiergehege der Schausteller aufgebaut sind. Bonnie reckt ihren schmerzenden Rücken und wirft ihren Kopf von rechts nach links. Endlich sind die lästigen Ausbinder ab und sie kann ihren Kopf wieder frei hin und her bewegen.
Elvira bringt die anderen Pferde, die bisher Pause hatten, zum Kirmesplatz. Als der alte Carlos, ein schwarzes, stolzes Dartmoor-Pony an ihr vorbei geführt wird, zwinkert er Bonnie aufmunternd zu. Carlos ist Bonnies bester Freund und fast wie ein Vater für die junge Stute. Mit seiner zähen und bodenständigen Art ist er der ruhende Pol in der Herde.
„So, nun ruht euch aus“, ruft der alte Kurt und schließt die Tür des großen Pferdetransporters von außen. Für die Tiere stehen frisches Wasser und Kraftfutter bereit. Das Stroh ist frisch und verströmt einen wunderbaren Duft. Bonnie legt sich satt und müde in ihre Lieblingsecke. Sie schnauft. Kurt und Elvira behandeln sie eigentlich gut. Sie achten auf regelmäßige Pausen und mehrere Wochen im Jahr leben die Pferde auf einer Weide an einem festen Ort. Wenn nur die Wutanfälle des Alten nicht wären. Er kann richtig gemein werden. Dann schlägt er die Tiere mit der Peitsche oder er zieht an der Mähne und schreit. Nein, die kleine Stute möchte bestimmt nicht ihr ganzes Leben als Kirmespferd verbringen. Da muss es doch noch mehr geben, als Tag für Tag im Kreis zu laufen! Wieder fällt ihr der Traum ein, den sie regelmäßig nachts träumt. Sie schließt die Augen, erinnert sich und ist bald darauf fest eingeschlafen.
Die Sonne scheint warm vom Himmel herab. Die Bäume haben ihre Äste in frisches, helles Grün getaucht. Schmetterlinge fliegen über die Blumenwiesen und es summt und brummt zwischen den Grashalmen. Es duftet nach Frühling.
„Nicht so schnell Bonella“, hört man eine mütterliche Stimme rufen. Ein kleines Fohlen läuft über die Weide und macht seine ersten Sprungversuche über einen alten Baumstamm. „Keine Angst Mama, ich bin doch schon groß“, hört man die Antwort des übermütigen Jungpferdes.
Es läuft wieder und wieder seine Runden am Weidezaun entlang. Der Zaun ist aus flachen Holzbrettern. Im obersten Brett ist in der Mitte ein umschnörkeltes „H“ eingebrannt.
Plötzlich ein lauter Knall und alles wird schwarz.
Bonnie schreckt hoch. Da war er wieder. Immer dieser Traum. Aber wer ist Bonella? Und was habe ich damit zu tun, fragt sich die kleine Schimmelstute. Sie legt ihren Kopf im Heu ab und lässt ihren Gedanken freien Lauf: Ach, könnte ich doch auch so frei sein wie diese Bonella. Wie schön, wenn da jemand wäre, der mich so liebt wie eine Mutter ihr Kind. Wer sind eigentlich meine Eltern? Wo komme ich her? Was ist das für ein Knall? Muss ich wirklich den Rest meines Lebens im Kreis laufen? Sie will so viel, so viel mehr von der Welt erfahren. Sie hat schon oft über das Leben der anderen Kirmespferde nachgedacht. Es scheint, als seien alle mit ihrem Leben zufrieden. Hin und wieder jammern sie wegen der Lautstärke oder weil ihnen der Rücken weh tut. Aber den Wunsch nach Freiheit oder Liebe scheint keiner von ihnen zu kennen, noch nicht einmal Carlos. Er gehörte früher dem Sohn eines reichen Mannes. Er sollte sein Gefährte sein. Doch er wurde dort nicht gut behandelt. Dem Jungen machte es Spaß, das Pferd zu quälen und die Versorgung war mehr als mangelhaft. Carlos war froh, als er an Kurt verkauft wurde. Hier wird er gut versorgt und Elvira und Kurt achten sehr darauf, dass die Kinder freundlich mit den Tieren umgehen.
Aber haben die anderen Pferde denn wirklich keine Träume?
Die Tür des Transporters öffnet sich und Kurt führt einen Teil der anderen Gruppe herein. Feierabend. Nun fahren sie zu ihrem Nachtquartier. Dort angekommen dürfen die Tiere noch eine Weile auf der Weide grasen. Bonnie trabt zu Carlos und erzählt ihm traurig, dass sie wieder diesen Traum hatte.
„Ach, Carlos", schluchzt sie, „ich hätte so gerne jemanden der mich beschützt und behütet wie eine Mutter ihr Kind. Ich wünsche mir jemand, an den ich mich anlehnen kann und der mich liebt. Außerdem kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass dieses Leben als Kirmespferd alles sein soll. Da muss es doch noch mehr geben. Freiheit, Liebe, Dinge die einen Sinn machen ... Ich will nicht als Kirmespferd enden. Dieser Traum muss doch irgendetwas bedeuten. Am liebsten würde ich von hier weglaufen...." Carlos hört ihr schweigend und mit ernstem Blick zu. Dann tut er etwas für ihn sehr ungewöhnliches. Er schaut sie lange ernst an.
„Ich will dir meine Geschichte erzählen“, sagt er.
Bonnie seufzt: „Die kenne ich doch schon.“
Sie glaubt, dass nun wieder seine üblichen Ermahnungen an die Vernunft kommen. „Nein, hör zu“, sagt er und beginnt zu sprechen:
