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Kreaturen der Dunkelheit suchen die Stadt Fjiondar heim. Der junge Baríth verfolgt sie auf einer gefährlichen Reise. Dabei trifft er auf Verbündete und begreift, dass die Angriffe auf seine Heimat nur ein Teil der dunklen Entwicklungen sind, die das Land in größte Gefahr bringen. Unterdessen entdeckt der rachsüchtige Ugryòr neue Kräfte. Sie erlauben ihm, ungeahnte Macht zu erlangen. Er begreift zu spät, was der Ursprung dieser Kräfte ist.
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Seitenzahl: 719
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Carolin Rades wurde 1995 geboren und lebt heute in Herborn, Deutschland. Sie hat einen Bachelorabschluss in Umweltmanagement und studiert nun Umweltwissenschaften in Gießen.
Maximilian Honig wurde 1994 geboren und lebt heute in Ehringshausen, Deutschland. Er hat einen Bachelorabschluss in Umweltmanagement und studiert nun Betriebswirtschaftslehre in Gießen.
Boten der Schatten ist ihr erstes Buch.
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Epilog
Ein tiefes Schnaufen drang durch den düsteren Wald und vertrieb die lauernde Stille. Aus der dunklen Nacht erschien der große Umriss eines Wesens, das zwischen den knorrigen Bäumen mit verzweifelt im schlammigen Untergrund festgeklammerten Wurzeln herbeistapfte.
Sein Atem wurde zu weißem Nebel, der seine breite Schnauze zögerlich umschlang und sich unaufhörlich ins Nichts auflöste. Der Schattenhund streifte durch die dichte Uferböschung, suchte schnuppernd das eiskalte Wasser des leise plätschernden Ausläufers des reißenden und tobenden Râszhas. Die dicken Wolken gaben die Sicht für wenige Wimpernschläge frei auf das furchterregende Geschöpf. Seine Tatzen waren so breit wie die Felsbrocken im Fluss, die Krallen lang und scharf. Sein muskulöser Körper fiel nach hinten ab, die Hinterläufe waren kürzer als die vorderen und sahen trotz ihrer Stärke im Verhältnis schon fast schmächtig aus. Sein Hals war dick und undurchdringbar, sein Fell kurz und schwarz. Widerlich schleckend trank er, doch kürzer als er wollte. Ein innerer Trieb drängte ihn weiter.
Die Schnauze hob sich schnuppernd in die feuchtkalte Luft, sie witterte etwas. Die weiße Sichel in seinen schwarzen Augen bewegte sich auf ein Gebüsch jenseits des Wasserlaufs zu. Ein lautes Knacken zerschnitt wie ein Knall die Ruhe, gefolgt von zartem Hufgetrappel, verlaufend in der Ferne.
Er wollte ihm folgen, er war so hungrig, so ausgezehrt. Doch seinen Geist zog etwas zurück in den Wald. Er musste weiter nach Osten, tiefer in den Sumpf, die Stimme verlangte es und er konnte sich nicht wehren. Düster war sie, kaum fassbar, doch gewaltig genug, um ihn Mond um Mond weiter von seinem Rudel fortzutreiben. Seine breiten Pfoten schmerzten wie von Pfeilen durchbohrt.
Er wand sich zurück durch das hohe Gestrüpp und suchte weiter den Weg zu der verfallenen Stadt im höchsten Norden des Landes. Er sollte jagen, das sagte die Stimme ihm immer wieder, wie ein unaufhörliches Flüstern. Er musste töten.
Baríth saß unbekümmert auf einem moosigen Stein und ließ die Beine im seichten, warmen Wasser baumeln. Eine sanfte Brise trieb kleine Wellen ans nicht weit entfernte Ufer und strich ihm kühl über die kurze Schnauze, während die Blätter des nahegelegenen Waldes leise rauschten. In der Luft lag der Geruch von frischem Gras. Die Sonne schien Baríth wohlig auf den dichten Pelz, als er im Spiegelbild des kleinen Sees das langsame Wiegen der Äste der umliegenden Bäume betrachtete. Der Casísto war noch jung, doch schon fast erwachsen. Sein Fell schimmerte dunkelgrau, wo seine Kleidung es nicht verdeckte. Er war klein für seine Art, doch die katzenartigen Wesen des Nordens gehörten zu den größten Völkern des weiten Landes Muaëra. Seine Augen glitzerten silberblau und wurden gespalten durch die schmale Pupille, im Licht nicht mehr als ein schwarzer Schlitz. Seine braune Hose endete an seinen Knien und sein dünnes Hemd war schmutzig weiß und oben mit Schnüren zusammengehalten. Baríth war nun schon fast eingedöst, als ein Knacken die Baumwipfel durchzog. Kurz darauf erblickte er im Wasser das verschwommene Abbild eines großen Vogels aus dem Wald fliegen – keines im eigentlichen Sinne. Er besaß den Unterkörper eines Löwen und den Oberkörper eines Adlers. Der Greif kreiste über die Lichtung und landete weich wie eine Feder auf der Wiese hinter Baríth, wo auch der Rest des Rudels stand. Der Casísto drehte leicht die spitzen Stehohren, wandte sich um und erkannte Arbaró. Die Federn seiner großen Schwingen leuchteten golden wie die Sonne. Er reckte seinen großen, schwarz glänzenden Schnabel empor, schüttelte sich und sah sich nach einem sonnigen Plätzchen um.
Baríth entspannte sich und wollte es sich schon wieder auf seinem Stein gemütlich machen, als sich auf einmal das Rudel am Waldrand rasch in die Luft erhob. Diesmal erschrak er wirklich. So etwas taten die Greife sonst nie. Hektisch blickte er sich um und versuchte, die Ursache für die Panik der Tiere herauszufinden, die nun schon alle in Richtung seiner Heimatstadt Fjiondar flogen – alle bis auf ein kleines Junges, das noch nicht fliegen konnte und den anderen verzweifelt hinterher jammerte. Es wurde immer panischer und stampfte mit seinen kleinen Vorderklauen auf den Boden. Doch so sehr es sich auch bemühte, die anderen ließen es zurück. Sie hatten zu große Angst. Das Junge wollte ihnen unbedingt folgen und so rannte und stolperte es in den Wald. Baríth, der nach einem Raubtier Ausschau gehalten hatte, bemerkte den flüchtenden Greif erst jetzt und rief ihm hinterher. Aber dieser hörte ihn schon nicht mehr und floh weiter. Also rannte Baríth ihm nach, er konnte das Kleine unmöglich allein lassen. Das Rudel zu hüten war eine große Ehre und nur wenigen vorbehalten, außerhalb der Ferien und Wochenenden übernahmen es nur die wichtigsten Mitglieder der Stadt.
Obwohl der junge Greif noch recht unsicher auf seinen Beinen war, legte er, panisch wie er war, ein unglaubliches Tempo vor, sodass Baríth ihm kaum folgen konnte. Immer weiter rannte er, quer durch den Wald. Das Unterholz knackte laut, als er hindurch stürmte. Den großen und mittleren Bäumen wich er aus, kleine rannte er einfach um oder sprang darüber. In seiner Panik wechselte er einige Male die Richtung und hatte schließlich keine Ahnung mehr, wo die Stadt und damit die Rettung lag. Aber er wollte weiter, immer weiter, bloß nicht stehenbleiben.
Baríth war schon ganz außer Atem und verlor das Tier irgendwann aus den Augen. Er lehnte sich an einen Baumstamm, um kurz zu verschnaufen. Dann ging er weiter, er wollte dem Kleinen unbedingt helfen und wenn er ohne es zurückkehrte, würde er von den anderen für sein Verschwinden verantwortlich gemacht werden. Zum Glück hinterließ es eine nicht zu übersehende Spur, der Baríth nun leicht folgen konnte.
Er drehte sich immer wieder nervös zu allen Seiten um, falls das, was die Greife in Angst versetzt hatte, nun auf ihn Jagd machen könnte. Die umgeknickten Bäume führten ihn aus dem Wald hinaus auf eine Wiese, Baríth blieb abrupt stehen. Er erblickte einen Zaun aus dicken, modrigen Holzstämmen, bestückt mit Pfählen, Dornenranken und uralten Drachenzähnen. Dahinter erstreckte sich eine unendlich erscheinende Sumpflandschaft. Dunkle Laubbäume waren ineinander verwachsen, umgestürzt oder abgebrannt. Baríths Rückenfell richtete sich auf, er wollte schnell umkehren, zurück in den sicheren Wald, doch dann hörte er das leise Rufen des Jungtiers. Es kam vom Sumpf, hergetragen vom Wind.
Baríth huschte über das Gras und blieb vor einem vergilbten Drachenzahn stehen. Er zögerte. Die alten Geschichten surrten ihm durch den Kopf, Geschichten von Tod, von Unglück. Er kletterte behutsam hinauf, drei dicke Baumstämme hoch und sprang in den Matsch dahinter. Seine Hände waren zerkratzt, an seinem Arm fehlte ein Stück Fell und er sah besorgt auf ein schmal fließendes Rinnsal Blut.
Sein scharfer Blick zuckte von Baum zu Baum, kalter Nebel sammelte sich tiefer im Sumpf und versperrte die Sicht in die Ferne. Baríth sah den jungen Greif, er war halb versunken, seine Flügel verfangen in Dornenranken des Schutzwalls. Baríth ging vorsichtig auf ihn zu, er spürte das schnelle Pochen seines Herzens. Ein Schwarm Vögel löste sich von den knorrigen Ästen und verschwand mit lautem Krächzen in die Lüfte. Er durfte nicht hier sein. Wenn die anderen es erfahren würden … Das erneute Kreischen des Greifs riss ihn aus den Gedanken. Er ging langsam auf ihn zu, es schien Baríth so, als würden sich Arme um seine Pfoten schlingen und festhalten, er hatte nicht gedacht, dass der Sumpf schon so nah an der Wiese begann.
Als er sich weit genug durchgekämpft hatte, erkannte er den jungen Greif: »Hey, Parúh! Ganz ruhig, ich bin's, Baríth. Dein Freund! Du musst jetzt keine Angst mehr haben. Ich bin da, ich werd' dir helfen, gleich bist du wieder frei …«
Während er auf das Jungtier einredete, kam er näher, streckte langsam die Hand aus und strich ihm über den fedrigen Hals. Es sah ihn mit großen blauen Augen an, dann schlug es heftig mit den Flügeln und verfing sich so nur noch mehr in den Ranken. Baríth drückte sie behutsam an seinen grauen Körper zurück und wartete, bis der Greif endgültig zur Ruhe gekommen war. Er löste den Griff langsam und zupfte sanft die Dornen aus den Schwingen. Sie hatten die Farbe von Feuer an ihren Spitzen und Ansätzen. Dazwischen waren die Federn gelb und orange durchzogen.
Anschließend stellte er sich auf einen umgestürzten Baum und zog mit aller Kraft das Jungtier aus dem Schlick. Als der Greif bemerkte, dass er schon fast frei war, schlug er ruckartig mit den Flügeln, warf sich auf den Baumstamm und rappelte sich hoch, nur um, ungläubig über die Rettung, in Richtung Wall zurück zu stolpern.
Baríth verlor das Gleichgewicht und fiel mit dem Kopf auf die Wurzeln einer alten Eiche. Alles drehte sich, seine Stirn pochte. Verschwommen sah er die Äste und Blätter über ihm, sie schienen immer näher zu kommen. Er schloss die Augen und hielt sich die Stirn. Der Wind rauschte durch die hohen Baumkronen. Ein Knacken ließ ihn wieder zu Sinnen kommen, er öffnete seine Lider. Um ihn herum waren lauter neue kleine Bäume aufgetaucht. Er schaute ein zweites Mal um sich, da warfen sich die Ästlinge schon auf ihn. Die kleinen Wächter der Bäume tarnten sich als Pflanzen, hatten winzige runde Augen und scharfe kurze Krallen. Eigentlich waren sie harmlos, nur wenn man ihrem Heimatbaum zu nahe kam, griffen sie in Massen an. Baríth schlug wild um sich, sie krallten sich in seine Haut und bissen sich im Fell fest. Er versuchte sich aufzurichten und sie abzuschütteln, doch es waren zu viele, sie drückten ihn zurück in den zähen Schlamm. Er wälzte sich hin und her, bis er, sich auf den Händen abstützend, knien konnte. Er keuchte auf den Boden, ein Ästling schlang sich um seinen Hals und schnürte ihm die Luft ab, da bemerkte er einen riesigen Schatten über den Boden wandern. Er verfolgte ihn mit seinem Blick und sah ein gewaltiges Monster aus dem Sprung neben ihm landen. Das schwarze Fell war verklebt von der Jagd durch den Sumpf, auf vier Pfoten preschte es zum Wall – und sprang.
Er spürte den Boden beben von der Landung auf der anderen Seite. Dann bemerkte er, wie ihm langsam schwarz vor Augen wurde, er riss sich das Baumwesen vom Hals und atmete ruckartig ein und aus … ein und aus.
Die Baumwächter raschelten mit den winzigen Baumkronen auf ihren Köpfen, hielten kurz still und rauschten dann gehetzt davon ins Unterholz einer besonders ausladenden Hainbuche, wo ihre Augen prüfend über Wurzeln und Geäst lugten. Dort verharrten sie und beugten sich im Rhythmus eines nicht vorhandenen Windstoßes.
Baríth, das Fell voller Schlamm, Bisswunden und Kratzer, wandte den Blick zurück zum Wall. Er wagte nicht sich zu bewegen oder zu atmen.
Dann traf es ihn wie ein Schlag: Die anderen!, dachte er und sah seine Freunde vor Augen. Ich muss sie warnen!
Die Kreatur hatte einen fiesen Geruch nach nassem Fell hinterlassen, genau wie riesige Abdrücke.
Es wird sie finden, rauschte wie eine bittere Gewissheit durch seinen Kopf.
Stille durchzog die wilde Welt jenseits des Schutzwalls. Baríth richtete sich auf und ging zurück, so schnell der zähe Untergrund ihn ließ. Als er schon auf dem letzten Baumstamm stand, wurden seine silberblauen Katzenaugen groß. Aus dem Wald preschte das Monster. Seine Augen waren schwarz wie die Nacht, nur eine weiße Sichel war kalt auf ihn gerichtet. Weit außerhalb von Baríths Reichweite sprang es zurück in den Sumpf. Baríth wollte nach hinten ausweichen und stolperte über einen Pfahl. Die Sonne war schon fast untergegangen, als das Wesen verschwand. Er starrte bewegungslos auf die Stelle, an der er es über den Wall gehechtet war.
Was war das in seinem Maul?, fragte er sich schaudernd. Der Casísto hatte nur ein blutverschmiertes braunes Fellbündel erkannt. Er spürte sein Herz bis zum Hals schlagen. Baríth rannte über die Wiese, in den Wald, zur Stadt.
Er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Seine Umgebung war eine dunkle grüne Masse, ohne Belang. Er wollte nur wissen, was es in den Sumpf verschleppte. Er wollte wissen, ob es ein Casísto war, wie er mit Schrecken ahnte.
Er stolperte durch die Wiesen, die direkt nach dem Wald begannen. Waren sie anfangs noch undurchdringlich und wild, so wurden sie immer kürzer und gepflegter, je weiter Baríth kam. Nach einiger Zeit fand er den Weg zur Stadt, an dessen Rand vereinzelt prall gefüllte Obstbäume standen.
Erste Vaca-Herden kamen in Sicht und auch die Wiesen wichen allmählich Trintikofeldern, von denen die meisten in ein paar Wochen bereit zur Ernte sein würden. Die untergehende Sonne ließ die typische rostige Farbe des Getreides regelrecht leuchten. Die Vacas nahe dem Weg hatten ihre Seitenstacheln zu voller Länge aufgerichtet, während sie immer wieder nervös mit dem dunkelbraunen Schwanz um sich schlugen.
Doch Baríth bekam von alldem nichts mit. Er war viel zu geschockt und vor allem besorgt. Er schleppte sich nun über die sanften Hügel kurz vor der Stadt. Er überschritt gerade den letzten, welcher etwas höher war als die anderen, da tauchte Fjiondar vor ihm auf, angefangen mit den wenigen, aber dennoch ordentlichen und früher einmal prachtvollen Türmen, die man schon von weitem sehen konnte. Zwei gehörten zum Hauptversammlungs- und gleichzeitig Rathaus, sechs zur Stadtmauer, wo sie die Tore – je eines im Westen und Osten und ein großes Haupttor im Süden am Hafen – flankierten. Der letzte stand etwas außerhalb im Südosten. Es war der einzige der alten Wachtürme, der keine Schäden aufwies. Alle Türme hatten ein spitzes blaues Dach mit einer kleinen goldenen Kappe an der Spitze, Überbleibsel alter Zeiten. Davon war aber ansonsten nicht mehr viel übrig. Ehemals eine mächtige und prunkvolle Handelsstadt war Fjiondar nun kaum mehr als ein etwas größeres Dorf. Die hellgraue Stadtmauer war, von den Bereichen um die Tore herum abgesehen, bröckelig und es fehlten einzelne Steine an nicht wenigen Stellen. Baríth erreichte das Westtor. Mit sorgenvollem Gesicht sah er, dass die Wachen verdoppelt worden waren und in der Stadt große Unruhe herrschte. Viele Leute liefen hektisch durcheinander, ein paar riefen laut nach Freunden und Familienangehörigen. An einigen Stellen lagen umgekippte Karren im Dreck und Fenster waren zerbrochen. Auf dem Boden lagen hier und da kleine Fellknäuel. Baríth hatte Fjiondar so noch nie erlebt. Verwundete wurden zum einzigen Heiler der Stadt gebracht, teilweise auf provisorischen Tragen. Es war ein ungeheures Chaos. Baríth ahnte Schreckliches und eilte die Hauptstraße entlang zum Hauptversammlungshaus, in dem auch seine Familie wohnte – sein Vater war seit vielen Jahren der Stadtherr. Eine aufgebrachte Menge Casísto hatte sich vorm Eingang gebildet, in der Erwartung weiterer Befehle und einer Erklärung. Er versuchte sich einen Weg hindurch zu bahnen, doch es war aussichtslos. Es waren einfach zu viele. Auch bemerkte ihn niemand so richtig, trotz seiner deutlich sichtbaren Verletzungen, so aufgeregt waren alle. Also drehte Baríth um und bog in die Seitengasse links neben dem Haus ein, um von dort zum Hintereingang zu gelangen. Er war kaum um die Hausecke herum, da kam ihm ein Trupp Soldaten in voller Montur entgegen gestürmt. Gerade konnte er noch zur Seite springen, sonst hätten sie ihn in ihrer Eile überrannt. Noch gut ein Dutzend Meter, dann um die nächste Ecke und er war da. Doch anstelle der kurzen Treppe mit der kleinen Tür am Ende sah er sich zwei Wachen gegenüber.
Als sie Baríth kommen sahen, gingen sie nahezu augenblicklich zur Seite, um ihn durchzulassen. Aus den Augenwinkeln durchbohrten sie ihn mit finsteren und auch ein Stück weit ängstlichen Blicken. Kaum war die Tür hinter ihm geschlossen, vernahm er schon das hektische Gemurmel aus dem Arbeitszimmer seines Vaters. Das flackernde Kaminfeuer, die vielen Kerzen an den Wänden und die unruhig umher laufenden Personen darin warfen wüste Schatten auf den Flur.
Baríth trat unter dem Türbogen hindurch in die Mitte des Raums. Der Schreibtisch war von fünf Casísto verdeckt, die ihm den Rücken zuwandten. Er erkannte die beiden wichtigsten Berater des Stadtherrn: Bandarh und Thòrz. Bandarh leitete die Akademie, die Baríth besuchte, und Thòrz war der Jagdmeister der Stadt. Beide hatten durch ihr fortgeschrittenes Alter bereits graues Fell. Links sprach Fajiah eindringlich auf die anderen ein. Sie war die Frau des Heilers, hatte hellbraunes langes Fell und leuchtend blaue Augen. Ganz rechts stand Gleddyf, der Hüter der Vaca-Herden, mit kurzem braunen Fell und dunklen Augen. Hinter allen ging Vhal'dor, der Oberbefehlshaber des Militärs, nachdenklich auf und ab. Seine Augen waren fast schwarz wie sein Fell und er überragte alle Anwesenden. Seine linke Gesichtshälfte war übersät mit kleinen weißen Flecken, was ihn wild und ungestüm aussehen ließ. Fajiah berichtete gerade von drei schwer verletzten Wachen, die das Haupttor verteidigt hatten, als der dunkle Holzboden unter Baríths wunden Pfoten plötzlich knarzte. Das Gespräch brach ab und alle drehten sich zu ihm um. Hinter den Beratern wurde der Blick frei auf den Schreibtisch, hinter dem ein Casísto mittleren Alters saß. Er hatte kurzes dunkelgraues Fell und intelligente, hellblaue Augen. Einige quälend lange Sekunden herrschte vollkommene Stille, bis schließlich Nérutaz, Baríths Vater und Statthalter von Fjiondar, hinter seinem Schreibtisch aufstand und fragte: »Baríth? Wo kommst du denn her? Wie siehst du denn aus, was ist passiert?«
Baríth zögerte kurz, dann fing er leise an zu sprechen: »Ich war bei den Greifen. Dann wurden sie von irgendwas aufgeschreckt und flogen sofort Richtung Fjiondar. Der kleine Parúh kam nicht hinterher und rannte panisch in den Wald. Dabei verfing er sich im Gestrüpp, aber ich konnte ihn befreien. Auf dem Rückweg wurde ich dann von Ästlingen angegriffen. Ich –«
»Ästlinge? Die greifen doch normalerweise niemanden an. Und außerdem leben die doch fast nur am Rand des Sumpfes!«
»Naja, Parúh war ziemlich weit hineingerannt …«
»Hinter den Wall?«
»Nein.«
Baríth schaute beschämt zu Boden. Die anderen warfen sich bedeutungsvolle und ärgerliche Blicke zu.
Sein Vater konnte nicht verhindern, dass sich eine Spur seiner Aufregung in seine Stimme schlich, als er fragte: »Und sonst? Passierte sonst noch etwas, hast du etwas bemerkt?«
»Ja, ein schwarzes Wesen. Es kam vom Sumpf. Als es zurückkam, hatte es etwas im Maul, wer –?«
»Sialan!«, schimpfte Vhal'dor und schlug mit der Faust auf den Tisch, »Wie konntest du nur? Du hast uns alle in Gefahr gebracht!«
Es entstand ein großer Tumult, alle riefen laut durcheinander. Nérutaz brüllte mehrmals »Ruhe!«, bis es langsam wieder still wurde.
Er wandte sich erneut Baríth zu: »Du weißt doch ganz genau, dass es streng verboten ist in den Sumpf zu gehen.«
Fajiah warf ein: »Ich habe es euch schon als Kinder so oft gesagt, hast du denn nichts gelernt?«
Aufgebracht ging Gleddyf einen Schritt auf Baríth zu. »Ganz genau! Du bist schuld.«
Nérutaz brummte voller Wut: »Du hast uns alle gedankenlos verraten. Khamjie wurde verschleppt. Ich will gar nicht wissen, was es mit ihr macht. Geh jetzt und lass deine Wunden verarzten.«
Verletzt bahnte sich Baríth durch die drängelnde Masse vor dem Haus. Von allen Seiten wurde er gefragt, was drinnen vorging und ob er wisse, warum sie angegriffen worden waren, doch er antwortete niemandem. Stumm wanderte er über den großen Marktplatz zu dem kleinen weißen Gebäude gegenüber. Die Verwüstung um ihn herum schmerzte ihn. Ich wollte das doch nicht, dachte er verzweifelt. Als er die knarrende Flügeltür aufschob, sah er neun belegte Betten. In vier davon lagen Casísto mit Aufschürfungen, Prellungen und Schnittwunden vom Angriff des Ungetüms. In den vordersten erkannte er die Torwachen. Ihre Rüstungen lagen blutbeschmiert auf dem Boden, sie selbst wurden von Tânselm, dem Heiler, und ein paar Freiwilligen versorgt, die teilweise hastig hin und her liefen.
Baríth wollte sich auf eines der hinteren noch freien Betten setzen und warten, bis sie mit den schlimmeren Verletzungen der anderen fertig waren, doch auf halbem Weg erblickte er Khamjies Bruder im Bett hinter den Wachen liegen. Er presste seinen stark angeschwollenen linken Arm an seine Brust. Man sah noch schwarze Haare an der Stelle kleben, wo er gebrochen war. Rasch tappte Baríth weiter zu dem Bett, das am weitesten entfernt war. Es dauerte fast zwei Stunden, bis Tânselm zu ihm kam. Mit gerunzelter Stirn reinigte und verband er seine tiefen Schnitte, auch schmierte er eine grünliche Paste auf die Wunden, damit sie sich nicht entzündeten. Bevor er ging, packte der Heiler mit dem altershellen Gesicht Baríth an der Schulter. Seine braunen Augen blickten väterlich auf ihn herab.
»Du bist nicht schuld an diesem Angriff. Die Geschichten über den Sumpf sind reiner Aberglaube. Wir hatten schlichtweg Pech. Die Schwarze Nacht hat all dies getan, nicht du, vergiss das nicht.«
Doch als Tânselm ging, fühlte Baríth sich genauso schuldbewusst wie zuvor. Er konnte den starren Blick von Khamjies Bruder nicht vergessen. Baríth sah aus dem Fenster direkt neben ihm. Draußen war es nun ganz dunkel. Die Schwarze Nacht, der Name schwirrte ihm noch Tage durch den Kopf.
Nach wenigen Stunden durfte er sein Bett verlassen. Baríth schlenderte bedrückt zurück zu seinem Haus. Er wandte seinen Kopf nach oben und erblickte einen mondlosen Sternenhimmel.
* * *
Mûtavéh stand vor einer großen, roten Flügeltür. Er war ein Numjaír mit spitzen Ohren und einer langen Schnauze. Sein rotbraunes glänzendes Fell hatte nur am Rücken ein paar schwarze Muster. Ein schimmernder roter Umhang hing ihm locker über der rechten Schulter. Eine goldene Kette hielt ihn zusammen. Darunter trug er edle dunkle Kleidung und ein Schwert, das er noch nie benutzen musste. Seine Hand schwebte zitternd über der Türklinke. Schritte aus dem angrenzenden Flur ließen ihn die Tür kraftvoll aufschieben. Ein runder Tisch stand in der Mitte des großen Saales, der bis auf die rückwärtige Glasfront rundherummit Holz getäfelt war. Rote Banner hingen in regelmäßigen Abständen an den Wänden und wechselten sich mit goldenen, verschnörkelten Fackelständern ab, in denen aber kein Feuer brannte. Mûtavéh setze sich auf seinen raffiniert verzierten schwarzen Stuhl und schenkte dem Ratsmitglied ihm gegenüber einen kalten Blick.
Er verunsicherte ihn, Ràksûl, ein riesiger Hæríquon mit blutroter Haut, abgesehen von seinem schwarzen Kopf, war Vertreter Træths, der größten Inselstadt Muaëras und Hauptexporteur des wertvollen Xyjiums, einem schwarzen Gestein, aus dem die meisten Waffen, Werkzeuge und Maschinen Muaëras bestanden.
Die Tür öffnete sich erneut und drei weitere Ratsmitglieder begaben sich zu ihren Plätzen. Mûtavéh spürte ihre prüfenden Blicke und starrte über sie hinweg auf einen Vogel, der hinter den bodentiefen Fenstern am Himmel kreiste und sich plötzlich Richtung Erdboden stürzte.
Aus dem Thronsaal marschierte König Verbero, der seinen Kopf zu einem Boten neigte, welcher ihmeindringlich etwas berichtete. Alle erhoben sich. Ein eisiger Schauder lief Mûtavéh den Rücken herunter, als der König näher kam. Sein Körper war versteckt unter einem roten Umhang, der hinter ihmüber den hellen Boden schleifte. Seine Miene war unlesbar. Der dunkle Rauch, der sein schemenhaftes Gesicht formte, zeigte keine Gefühle. Als er sich setzte, setzten sich die anderen auch. Seine grünen Augen trafen die Mûtavéhs.
»Mûtavéh, schön, dass Ihr ohne Probleme hierher reisen konntet. Gefallen Euch Eure Gemächer? Sie haben einen traumhaften Blick auf den Sungaji, nicht?«
Seine freundliche Stimme ließ Mûtavéh seinen ungewöhnlichen und, wie er zugeben musste, auch furchteinflößenden Körper vergessen und ein Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen.
»Ja, danke, sie haben ihre Vorzüge gegenüber meinen bisherigen in Koruma.«
»Das freut mich zu hören! Meine Herren, meine Dame, darf ich Ihnen Mûtavéh vorstellen? Er wurde jüngst als neuestes Ratsmitglied gewählt und löst somit seinen Vorgänger, Vheízst, ab.«
Höflich nickte der Numjaír den anderen zu, die ihn ihrerseits freundlich anlächelten, mit Ausnahme von Ràksûl.
»Ich denke, die anderen sind Euch alle bekannt?«
»Ja, wir sind bei der letzten Hauptversammlung … ins Gespräch gekommen.«
»Sehr gut, dann können wir beginnen. Fina'ijr! Berichte uns von den Vorkommnissen der letzten Woche.«
Ein untersetzter Trampianer trat hinter der hohen, goldenen Lehne von Verberos Stuhl hervor, nervös flatterte er mit seinen viel zu vielen insektenartigen Flügeln. Sein sandfarbenes Gesicht war faltig, seine Augen strahlten jedoch wach, während er erzählte. Zuerst berichtete er von einem schwachen Beben am Rande der Kàbadian-Wüste, welches Schäden in den Dörfern um Dezerto, sowie ein paar aufgeschreckte Drachen zur Folge hatte, danach von dem Tod des Stadtherrn von Õudus und dem Streit um den Zeitpunkt der Wahlen für einen Nachfolger. Schließlich räusperte er sich und warf dem König einen unsicheren Blick zu.
»Und dann gab es noch einen … Zwischenfall hier in Âretoà. Ein junger Casísto soll versucht haben, Stadtherr Gan'dâhil zu bestehlen, also zumindest –«
»Natürlich mal wieder eines dieser Tiere!«, rief Ràksûl, »Warum versuchen sie es immer wieder? Jeder im Land weiß von ihren diebischen Machenschaften. Lasst ihn auf dem Marktplatz auspeitschen und steckt ihn ins Verlies!«
»Eigentlich wollte ich keine große Sache daraus machen, nur drängte mich Gan'dâhil, es hier vorzutragen. Es gibt keine Beweise oder sonst etwas, das –«
»Wozu auch? Die Casísto waren schon früher immer in solche Dinge verwickelt.«
»Das stimmt schon, aber wenn es keine Beweise gibt …«, warf Fráco dazwischen. Er war ein dunkler Trampianer in seinen Fünfzigern mit senffarbenen runden Augen. Als Ratsmitglied vertrat er die Stadt Marbordo im Süden des Landes.
Doch Ràksûl brachte ihn mit einer schnellen Bewegung seiner Hand zum Schweigen.
»Der Stadtherr hatte Recht, dir dies aufzutragen. Die Casísto sind eine Plage. Für uns alle«, sagte der Hæríquon.
Je mehr er sich in Rage redete, desto mehr wuchsen Zweifel in Mûtavéh und er kam nicht umhin zu fragen: »Was sagt denn der Casísto dazu? Ist man sicher, dass er wirklich stehlen wollte?«
Urplötzlich herrschte Stille und der Vertreter Træths drehte langsam seinen Kopf zu ihm und funkelte ihn zornig an. Zum ersten Mal kamen Mûtavéh die spitzen, gewundenen Hörner auf seinem pechschwarzen Kopf bedrohlich vor.
»Was sagst du da? Unserem edlen Stadtherrn ist ja wohl eher zu glauben als diesem arglistigen Wilden! Was erlaubst du dir eigentlich!?«
Ràksûl konnte sehr überzeugend sein, wenn er sich einer Sache sicher war.
Nâyakà, die Vertreterin der nördlichen Stadt Èlnyomas' an der Prajía-Bucht, warf mit ruhiger Stimme ein: »Mûtavéh, du bist noch neu hier in der Stadt, aber selbst du müsstest doch wissen, dass Gan'dâhil ein sehr weiser und wachsamer Gelehrter ist, da gibt es keine Missverständnisse. Der Casísto muss seine gerechte Strafe erhalten.« Nâyakà war eine große, edle Vázak-Frau mit kurzembraun-orangen Fell. An ihrer kurzen Schnauze entlang zog sich eine schwarze Linie hoch zu ihren blassgrünen Augen. Ihre spitzen Ohren mit schwarzer Spitze waren wachsam aufgestellt. Alle Ratsmitglieder trugen die gleiche Kleidung wie Mûtavéh, nur Nâyakà trug ein rotes Kleid mit goldener Stickerei.
»Da bin ich ganz Eurer Meinung«, sprach der König, »Verzeiht unserem neuen Mitglied, er ist noch sehr jung für sein großes Amt. Nun zu dem Beben, dort gibt es sicherlich einiges zu tun …«
Missmutig schlug Mûtavéh die Tür seines Zimmers hinter sich zu, trat wütend gegen das Bein seines Schreibtischs und dachte: Trottel, halt das nächste Mal einfach deinen Mund und versuche nicht unbedingt gegen diesen Xyjiumfanatiker zu gewinnen. Die werden schon wissen, was sie tun. Frustriert ließ er sich auf seinen Schreibtischstuhl sinken.
Später am Tag schlenderte Mûtavéh durch eine von Âretoàs breiten Straßen. Hohe Häuser befanden sich auf beiden Seiten, prunkvoll verziert, jedoch nicht überheblich protzig. Es gab immer wieder abzweigende Gassen oder kleine Gärten zwischen ihnen, damit die Fronten nicht erdrückend wirkten. Alles war aufgelockert und wirkte ungezwungen. Ganz im Gegensatz zur Atmosphäre im Rat. Mûtavéh kam an zahlreichen, nobel aussehenden Geschäften vorbei. Viele gut gekleidete Leute gingen ein und aus. An manche Läden ging er näher heran und war beeindruckt, was man hier alles kaufen konnte. Von ›einfachen‹ Kleidern über Waffen und Werkzeuge aller Art bis hin zu mehr oder minder nützlichen Accessoires wie Schwanzspitzenschonern, faltbaren Dolchen oder nach Gold riechenden Duftwassern war für jeden Geschmack etwas dabei – sofern man es sich leisten konnte. Âretoà war eine sehr wohlhabende Stadt.
Mûtavéh erreichte das Ende der Straße. Vor ihm eröffnete sich ein ausladender runder Platz. Im Zentrum befand sich ein großer Springbrunnen mit einer Statue König Verberos in der Mitte. Unzählige Marktstände waren über die gesamte Fläche verteilt und es herrschte angeregtes Chaos. Wesen aller Art liefen durcheinander und Rufe in sämtlichen Dialekten dieses Landes hallten zu seinen spitzen Ohren und für einen Moment blieb er wie angewurzelt stehen, erschlagen von den ganzen Eindrücken. Langsam ging er weiter, immer noch vollkommen fasziniert. Nach einer Weile sah er einige Meter vor sich einen Stand, an dem Aufruhr herrschte. Er kam näher und sah, dass der Stand Casísto-Frauen gehörte, die sich mit einem großen Palháco stritten. Er hatte weißgrau getüpfeltes zotteliges Fell und eine breite Schnauze. Seine Ohren waren so klein und rund, dass sie fast im Fell des kantigen Kopfes verschwanden. Seine Kleidung war abgenutzt und ließ vermuten, dass der Träger ein Handwerker war.
»Diese Larinjas sind höchstens 30 Barato wert, keinen einzigen mehr!«
»Sie sind genau so viel wert, wie es auf dem Schild steht! Und wenn es Ihnen nicht passt, können Sie sie ja woanders kaufen. Niemand zwingt sie, hier zu bleiben!«
»Ich will sie aber hier kaufen.«
»Dann zahlen Sie auch den Preis dafür.«
»Nur ist er leider viel zu hoch.«
»Ist er nicht. Und entweder Sie zahlen ihn jetzt oder gehen.«
Der Palháco drehte sich zur Menge um, die sich mittlerweile um sie versammelt hatte und rief laut: »Hört ihr das? Jetzt wollen sie mich schon wegschicken! Wo ich doch nur etwas kaufen wollte …«
»Es geht nicht darum, dass Sie etwas kaufen wollen, es geht darum, dass Sie nicht den vollen Preis bezahlen wollen.«
»Ich zahle nur angemessene Preise, ich –«
»Hören Sie, ich glaube, es ist besser, wenn Sie einfach gehen.«
»Ich denke auch. Auf Respekt kann man bei einem Pack wie euch wohl vergeblich warten.«
Er spuckte in die Auslage, steckte sich die Larinja in den Mund und ging davon, während einige der Umstehenden anfingen die Casísto zu beschimpfen.
Mûtavéh runzelte seine Stirn, verwundert über den Hass, der den Casísto entgegenschlug. Er wandte sich nachdenklich ab und bahnte sich einen Weg durch die Menge, weg von den verärgerten Muaësi. Er hatte mit so etwas nicht gerechnet. Um sich abzulenken, beschloss er, hinunter zum Hafen zu spazieren. Dieser war angeblich sehr eindrucksvoll und davon mochte er sich nun selbst überzeugen. Er bog in die große Straße nach Westen ein, auf der auch noch einige Stände und Buden des riesigen Marktes standen. Er hatte die letzten fast hinter sich gelassen, da kam ein Sángûil auf ihn zu.Mûtavéh hatte noch nie zuvor einen gesehen, wusste jedoch aus Geschichtsbüchern, dass die Sángûil ein einsames Volk waren, das in weit entfernten Ländern hinter dem Meer lebte, von denen niemand so recht wusste, wo sich diese eigentlich befanden. Die meisten von ihnen verdienten sich ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf exotischer Waren und nicht wenige von ihnen wurden dadurch sehr reich. Dieser hier hatte das offenbar noch nicht geschafft, zumindest waren seine Gewänder dreckig und zerschlissen. Er hatte am Straßenrand einen kleinen Karren stehen, aus dem unten immer wieder ein bisschen Wasser tropfte und so eine stetig wachsende Pfütze bildeten. Der Sángûil ging merkwürdig schwankend auf Mûtavéh zu, seine grünliche Haut war schleimig und stank widerlich.
Er kam ihm unangenehm nahe und sprach ihn laut an, jedes ›S‹ langgezogen wie das Zwischen einer Schlange: »He, du! Du siehst aus, als könntest du eine … Erfrischung gebrauchen.«
Mûtavéh zögerte.
»Nein, eigentlich nicht, danke.«
»Nein, warte! Es ist keine gewöhnliche Erfrischung, weißt du? Es ist etwas ganz Besonderes, etwas, das du noch nie gesehen hast!«
»Woher wollen Sie das wissen?«, fragte Mûtavéh und ging angewidert einen Schritt zurück.
»Weil wir es erfunden haben, die Sángûil. Also meine Familie …genauer gesagt, ich!«
»Nun gut. Und was ist es?«
»Kann ich nicht sagen – Geheimnis. Aber es schmeckt gut … und ist schön cremig. Und kalt! Die perfekte Erfrischung, mein Freund!«
Mûtavéh war sich nicht sicher, was er davon halten sollte.
»Für 60 Barato kannst du es probieren! Ich würde mir eine solche Chance nicht entgehen lassen, mein Freund, nirgendwo sonst wirst du so etwas finden, das kannst du mir glauben!«, zischelte der Sángûil, seine schwarzen Stummelzähne zeigend.
»In Ordnung, einverstanden.«
Er wollte den schmierigen Verkäufer endlich loswerden, aber er musste sich auch eingestehen, dass er ein wenig neugierig geworden war.
»Welche Sorte willst du haben? Du siehst aus, als würdest du Larinja mögen, stimmt's?«
»Äh, nein, lieber nicht.«
Von dieser Frucht hatte er für heute genug.
»Soso …wie wär's dann mit Ceréja?«
»Ja, Ceréja ist gut.«
Der Sángûil öffnete eine Klappe oben auf seinem Wagen und holte einen billig aussehenden Becher heraus, der aber gut in der Hand lag. Dann langte er mit einem großen Löffel in das Innere seines Wagens und klatschte eine bläuliche Masse in Kugelform in den Becher hinein.
»Hier, nimm. Du wirst es nicht bereuen!«
Skeptisch aber auch sehr gespannt nahm Mûtavéh den Becher entgegen, gab ihm die 60 Barato und ging von dannen. Er schlenderte neben den großen und kleinen Schiffen entlang und schob sich mit dem extra aus Vaca-Horn geschnitzten Löffel die cremige blaue Masse in den Mund.
Kein Wunder, dass der es noch zu nichts gebracht hat, wenn der schnitzt anstatt zu verkaufen … schmeckt aber gar nicht so schlecht, dachte er, während ihm ein warmer Wind durch das rotbraune Fell strich.
Er schloss die Augen und genoss die Kühle auf seiner Zunge. Am Ende des Hafens fand er ein wackliges Boot, das an mehreren Stellen riesige Löcher im Holz hatte. Im letzten Moment duckte er sich, bevor ein riesiges Brett ihm den Kopf abgeschlagen hätte. Sein leckeres Eis fiel ihm auf den dreckigen Steinboden.
»Oh, 'tschuldigung! Hier ist aber auch kein Platz für Touristen, wir müssen hier schließlich –«
»Lanhji?«, fragte Mûtavéh.
»Ähm, kennen wir uns? Halt, bist du nicht …?«
»Mûtavéh!«
Der Numjaír lachte und warf sich seinem alten Freund in die Arme, kaum fassend, ihn hier zu treffen. Lanhji war ebenfalls ein Numjaír, doch etwas älter und mit breiteren Schultern. Er trug eine abgenutzte weiße Kapitänsuniform und sprach langsam, aber mit rauem Ton.
»Was machst du denn in Âretoà? Ich dachte, du wärst in Síma, hast du die Himmelsfälle schon gefunden?«
»Ja, hab' einige Männer verloren beim Versuch den Grund zu finden. Hab's aufgegeben, dadurch in die Geschichte einzugehen – vorerst«, antwortete Lanhji.
»Und was machst du jetzt in der Hauptstadt? Warum bist du nicht einfach zurückgegangen nach Koruma?«
»Na wegen des Goldes! Einen Schatzsucher kannst du nicht an ein Haus binden, Mûtavéh. Nein, mir haben ein paar Männer aus Õudus von einem Schatz in den Thalej' Bergen erzählt, wir wurden dann aber … angegriffen.«
Lanhji warf ihm einen vielsagenden Blick zu.
»Und was schlägt dich hierher? Und was soll der Umhang? Es sei denn …?«
»Ja, die Flohschleuder hat den alten Vheízst endlich zurück zu seinen geliebten Büchern geschickt.«
Lanhji grinste Mûtavéh breit an, wuchtete das Brett wieder auf seine Schultern und rief seinen Männern euphorisch zu: »Auf geht's, die drei Löcher noch zunageln, dann fahren wir nach Síma!«
Die Seeleute sahen sich an, als würden sie in den sicheren Tod fahren.
Sie riefen: »Aye, aye, Kapitän.« – und arbeiteten noch langsamer als zuvor.
»Aber was ist mit dem Schatz in den Thalej' Bergen? Du hast doch gesagt, du hast Síma aufgegeben?!«
»Erinnerst du dich nicht mehr an unser Versprechen, alter Freund? Dass du Mitglied im Hohen Rat wirst und ich Muànda finde? Ich denke, ich hatte es vergessen, aber mit meiner starken, motivierten Crew ist doch nichts unmöglich, nicht wahr?«
Mûtavéh lachte, klopfte ihm auf die Schulter und drehte sich um. Er fing sich finstere Blicke der Mannschaft ein und ging schnellen Schrittes zurück zum Palast.
Das Gebäude hatte unendlich viele Gänge, sodass Mûtavéh sich verlief. Und alle sahen gleich aus: Rote Banner an den weißen Wänden aus kostbarem Stein, schwarze Böden aus Xyjium, auf denen ein ewig langer, raffinierter Teppich die Hauptwege anzeigte und eine von den besten Künstlern des Landes bemalte hohe Decke. Die Bilder zeigten die Geschichte Muaëras, der Beginn befand sich in der riesigen Eingangshalle. Tausende Drachen säumten dort Decken und Säulen und in der Mitte war eine Bergspitze zu sehen, die Feuerbälle in alle Richtungen warf. Mûtavéh stand hilflos in einem kalten Treppenhaus, als ihm endlich jemand über den Weg lief. Der Diener beschrieb ihm gelangweilt den Weg zu seinen Zimmern. Nach endlos langen Fluren fand er endlich den Westflügel, dessen Decken von dem großen Beben erzählten, das einst den Rijéva spaltete und eine riesige Felswand entstehen ließ.
Auf seinem Schreibtisch lag ein Brief, verschlossen vom roten Siegel der Stadtherrin von Koruma. Mûtavéh war ihr direkter Vertreter, als er den Brief in die Hände nahm, erschien sie vor seinem geistigen Auge: Genau wie er war sie eine Numjaír, nur war ihr Fell schon von grauen Haaren durchzogen und stumpf vom hohen Alter. Tâmínar hatte große Stehohren, eine spitze, lange Schnauze und grüne Augen. Die beiden hatten große Ähnlichkeit mit den Schakalen der Kàbadian-Wüste im Süden.
Mûtavéh öffnete den Brief und informierte sich über die neuesten Ereignisse: Tâmínar hatte fünfzig Mann nach Dezerto geschickt, um der Stadt beim Wiederaufbau zu helfen und die Verletzen zu versorgen. Das Beben hatte in Koruma selbst nur Risse an ein paar wenigen Gebäuden zur Folge gehabt, befürchtete Drachenangriffe blieben aus. Ein starkes Gewitter hatte ein Stück Wald auf der Hochebene am Floyo in Brand gesetzt. Ein Dorf musste vorsichtshalber evakuiert werden, die Bewohner wurden vorübergehend in Ganar-Ánimas untergebracht. Der südliche Damm des Píntô-Sees, der den Rijéva speiste, hatte einen Riss bekommen, Tâmínar wollte nun selbst dort hinreisen und die Muaësi beruhigen, die schon in Scharen nach Koruma flüchteten. Ihr Sohn übernahm deshalb vorübergehend ihre Pflichten, schlussendlich wurden noch Càthryten im Rieka gefunden, einige Schatzsucher vermuteten deshalb eine Quelle des seltenen Gesteins im Tunnelsystem, aus dem der große Wasserfall fließt. Der erste Numjaír hatte deshalb schon sein Leben in den Fluten verloren.
Im letzten Absatz forderte sie ihn auf, die Problematik des Dammes im Rat vorzutragen und Überschwemmungsnotfallpläne auszuarbeiten.
Mûtavéh stöhnte unter der Last des vielen Papierkrams, der auf ihn zukam. Außerdem hatte er keine Lust, sich morgen Abend wieder in den Vordergrund zu drängen. Er hatte sich eigentlich vorgenommen bei den nächsten Sitzungen still zuzuhören, damit er sich an seine neue Position gewöhnen und das Verfahren des Rats erlernen konnte.
Bis tief in die Nacht hinein schrieb er im Kerzenschein, bis er mit dem Kopf auf dem Arbeitstisch einschlief.
Seit dem ersten Angriff der Schwarzen Nacht war nun weit mehr als ein Monat vergangen und in Fjiondar war wieder halbwegs der Alltag eingekehrt. Doch blieb immer eine gewisse Unruhe in den Köpfen der Casísto, die von den bisherigen gescheiterten Rettungsversuchen Khamjies und einem erneuten Angriff entsprechend geschürt worden war. Beim letzten Mal war zwar niemand verschleppt worden, doch hatten drei Männer ihr Leben verloren. Auch an diesem Tag war die Nervosität wieder größer, denn morgen würde wieder Neumond sein, der Tag, an dem das Monster die Stadt aller Wahrscheinlichkeit nach erneut heimsuchen würde. Entsprechende Vorbereitungen wurden getroffen und die Unruhe schlug mit der Zeit in Angst und damit verbundene Hektik in der ganzen Stadt um. Baríth suchte daher ein wenig Zerstreuung draußen in den Feldern. Dort wurde er wenigstens nicht mehr ständig böse angestarrt von denen, die sich jetzt wieder erinnerten, wer in ihren Augen für das alles verantwortlich war. Mit seiner Hand strich er über die Spitzen der Trintiko-Ähren am rechten Wegesrand, als die ersten Vaca-Herden in Sicht kamen. Vacas waren große Tiere mit zotteligem braunem Fell. Sie hatten einen etwas länglichen aber dennoch nicht unproportionierten Kopf mit einer dicken Schnauze. An den Ecken des breiten Kinns besaßen sie je ein leicht nach außen gekrümmtes kleines Horn, genau wie an der Stirn, doch dieses war erheblich größer. Über ihren Rücken zog sich eine Reihe nach hinten geneigter Stacheln. An den Seiten besaßen sie ebenfalls welche, aber diese waren normalerweise tief unter ihrem dicken Fell verborgen. Nur bei Gefahr stellten sie sie auf, aber im Moment tat dies keines von ihnen. Baríth wollte gerade zu ihnen hingehen, um sie etwas zu füttern, da ließ ihn ein Ruf herumfahren:
»Barrij! Hey, Barrij!«
Nâruhté, die Tochter des Heilers, kam vom Wald her auf ihn zu gelaufen. Ihr Fell hatte einen matten, dunklen Beigeton, während ihre Augen ein auffallend kräftiges Blau zierte. Sie trug eine graue Bluse mit brauner, knielanger Hose. Vor Anstrengung schnaufend erreichte sie ihn.
»Was bin ich froh, dich hier zu treffen! Weißt du schon was Neues von Khamjie?«
»Nein… leider nicht.«
Baríth sagte das nicht gern, erst recht, weil Nâruhté eine gute Freundin von Khamjie war.
»Wir wissen nur die ungefähre Richtung, in die das Monster sie wohl verschleppt hat, aber sonst nichts. Von den zwei bisherigen Suchtrupps ist ja auch nicht viel übrig geblieben … Hoffentlich hat der Dritte mehr Erfolg … und Überlebende.«
»Ja, ich hoffe es auch.«
Sie zögerte kurz und sah ihm prüfend in die Augen. »Baríth, ich… denke nicht, dass sie die Schwarze Nacht verfolgen können.«
Er sah sie fragend an.
»Wieso? Die werden schon einen Weg durch den Sumpf finden und wenn nicht, dann müssen sie sie eben hier besiegen. Das sind ausgebildete Soldaten.«
»Das waren die der ersten beiden Trupps auch. Einer von ihnen unterhielt sich heute Morgen mit meiner Mutter, ich hörte sie reden hinter der Tür, er erwähnte etwas von einer Höhle, dort –«
Ein leises Rufen unterbrach sie.
Nâruhté drehte sich um und sie sahen am Waldrand einen Soldaten, der sie verzweifelt zu sich winkte. Sie sahen sich besorgt an und rannten los. Sie waren schon fast dort, da brach der Soldat zusammen und verschwand aus ihrem Blickfeld.
Baríth stoppte.
»Renn' zur Stadt zurück und hol deinen Vater, ich versuch' euch mit ihm entgegenzukommen, schnell!«
Nâruhté nickte und raste die Straße entlang. Baríth beeilte sich noch mehr und als er die Stelle erreichte, wo eben noch der Soldat gestanden hatte, bot sich ihm ein schauderhafter Anblick. Der Soldat lag regungslos am Boden, hatte schwere Bisswunden und neben und unter ihm war bereits eine kleine, jedoch unaufhaltsam wachsende Blutlache. Einer seiner Kameraden, ebenfalls schwer verletzt, beugte sich über ihn und versuchte die Blutungen zu stoppen und ihn gleichzeitig wieder aufzuwecken. Hinter ihnen lag ein weiterer Mann. Er war von oben bis unten blutbesudelt und sein rechter Arm war an mehreren Stellen gebrochen, an einer Stelle ragte ein zersplittertes Knochenstück aus dem Fell heraus. Über sein Gesicht zogen sich vier parallel verlaufende, tiefe Schnitte. Jedoch konnte man auf seinem toten Gesicht noch seine schmerzverzerrte Miene erkennen. Als der Soldat, der sich um den Zusammengebrochenen kümmerte, Baríth bemerkte, blickte er verwirrt auf, doch dann klärte sich ein wenig sein Blick und er stammelte leise: »Tot, alle tot … es hat uns überrascht! Die Höhle … wir –«
Ein Hustenanfall überkam ihn, bei dem er sich schmerzerfüllt die Seite hielt.
»Das Mädchen … Kha … Khamjie …sie ist verloren …«
Beim letzten Wort verließen ihn seine Kräfte und er fiel schlaff zu Boden neben seinen Kameraden.
»Nérutaz, beeil' dich, sie warten schon draußen auf dich!«
»Jaja, Fajiah, ich muss nur noch schnell diesen Brief an die Stadtherrin von Èlnyomas zu Ende schreiben.«
Er raste mit der Feder über das Papier, blickte nicht einmal auf, als er sprach.
»Wenn Zhëolé da wäre, könnte sie das schnell für mich fertig machen.«
Gestresst tunkte er die goldene Feder in die Tinte und kleckerte großzügig über den Tisch.
»Aber sie kommt erst in einer Woche wieder, du wirst es so lange schon noch ohne deine Frau aushalten, beeil' dich jetzt!«
Sie ging aus dem Haus und richtete Worte der Geduld an die wartenden Casísto vor der Tür.
Baríth kam langsam die Treppe hinunter.
»Vater, hast du kurz Zeit? Der … der Soldat hatte da noch was gesagt, bevor er ohnmächtig wurde. Er… Vater? Hörst du zu?«
»Baríth, bitte stör' mich jetzt nicht, ich hab' noch zu tun. Siehst du das denn nicht?!«
Der junge Casísto nickte verwundert und schob sich an Fajiah vorbei, um Nâruhté zu suchen.
Sie weiß etwas, schwirrte ihm durch den Kopf. Doch bevor er die ersten besorgten Muaësi erreicht hatte, erschien sein Vater in der Tür. Er begrüßte die Menge mit einer ausholenden Bewegung seiner Arme.
»Mitbürgerinnen und Mitbürger. Wie ihr alle sicher schon erfahren habt, war auch die dritte Suche nach Khamjie nicht erfolgreich. Wir haben viele ehrbare Männer verloren – deutlich zu viele. Die Gefahren, die die Verfolgung der Schwarzen Nacht durch den Sumpf mit sich bringt, übersteigen unsere Möglichkeiten bei weitem. Es handelt sich dabei um eine Macht, der wir nicht gewachsen sind. Deswegen haben wir einstimmig entschieden die Verfolgung aufzugeben – zum Wohle aller, so leid es uns auch für die Familie unserer guten Freundin tut.«
Rufe und Gemurmel ertönten. Die meisten waren glücklich, dass sie nun keine Angst mehr um ihre Männer, Väter, Söhne und Freunde haben mussten, während andere Casísto, in erster Linie Angehörige Khamjies, nicht glauben konnten, dass man sie einfach aufgab und ihrer Wut darüber lautstark Ausdruck verliehen.
Nérutaz beruhigte sie: »Wir müssen uns nun auf die Verteidigung unserer Stadt konzentrieren, damit nicht noch mehr Leben sinnlos vergeudet werden. Jeder von uns trägt dafür Verantwortung, dass die Schwarze Nacht hier nicht noch einmal zuschlagen kann.« Er machte eine kurze Pause. »Alle müssen vorbereitet und innerhalb der Mauern sein, bis morgen die Abendsonne den Horizont erreicht hat.«
Dunkle Wolken säumten den Himmel, als Baríth die Tür des Heilers knarzend aufschob. Er tapste leise zum Bett des Soldaten, der ihn warnen wollte. Seine Augen waren geschlossen, bewegten sich aber. Er schien im Traum die bereits verlorene Schlacht in der Höhle zu führen. Baríth fasste ihn an der Schulter, um ihn von seinem Albtraum zu befreien, doch da kamen Nâruhté und ihr Vater im Gespräch vertieft die Treppe hinunter. Er ging schnell einen Schritt vom Krankenbett weg und den beiden entgegen.
»Wie geht es ihm?«
Sie stockten auf den Stufen, verwundert über den Besuch. Der Heiler drückte seiner Tochter das Tablett mit einigen Heilsalben sowie etwas Wasser und Brot in die Hand.
»Schlecht, er ist noch nicht aufgewacht und ehrlich gesagt bezweifle ich auch, dass er das jemals nochmal tun wird. Seine Wunden sind tief und er hat immer noch Blutungen, seinen Kameraden haben wir schon vor über einer Stunde verloren.« Mit seinem Arm bedeutete Tânselm den beiden zu dem Soldaten zu gehen. Er zog die Decke zurück, und nahm den Verband ab, während er die Wunden mit der knalligen gelben Salbe einschmierte. Er erzählte etwas, aber Baríth hörte nicht zu. Er sah Nâruhté fragend in die Augen und blickte vielsagend zur Tür. Sie schüttelte ganz leicht den Kopf und biss sich auf die Unterlippe. Baríth verstand nichts mehr.AmMorgen wollte sie ihm noch unbedingt von dieser Höhle erzählen und plötzlich tat sie so, als ob die Schwarze Nacht sie holen würde, wenn sie darüber redete. Der Heiler zog die Decke wieder hoch.
»… aber vielleicht haben wir ja doch noch Glück und er kann uns seine Geschichte erzählen.«
Baríth bemerkte, dass er aufgehört hatte zu reden und murmelte: »Ja. Das hoffe ich auch, Tânselm.«
Nâruhtés Vater ging zurück zur Treppe.
»Nâra, kommst du? Ich denke, Baríth möchte jetzt allein sein.«
Sie nickte und ging ihm nach, jedoch nicht ohne sich umzudrehen und mit der Schnauze »Tut mir leid« zu formen.
Verärgert stapfte Baríth nach draußen, doch er konnte sich keine großen Gedanken machen, denn schon wurde er eingespannt, zusammen mit vielen anderen kaputte Wagen, große Steine oder andere Dinge zu den Stellen zu schleppen, wo große Löcher in der Stadtmauer waren.
Es ist unmöglich, bis morgen die Stadt zu sichern, die Mauer ist an zu vielen Stellen eingestürzt und die Türen und Fenster der Häuser sind nur mit ein paar Brettern zugenagelt, wenn überhaupt, dachte er. Jeder wusste es, aber niemand traute sich etwas zu sagen, sie hatten schließlich auch keine Wahl. Stattdessen arbeiteten sie bis tief in die Nacht hinein.
Am nächsten Morgen erwachte Baríth in seinem warmen Bett, doch als er aufstehen wollte, taten ihm alle Muskeln weh. Er kämpfte sich aus den Decken und ging behutsam die Treppe hinunter. Nérutaz war schon draußen und nagelte Türen und Fenster zu, das Haus war schon ganz dunkel. Baríth zündete ein paar Kerzen an und frühstückte kurz, bevor er durch die Hintertür ging und seinen Kopf in einen Eimer kalten Wassers tauchte. Danach ging er durch eines der vielen großen Löcher der Stadtmauer, die noch vollkommen unberührt waren, zu den Greifen, die es sich auf einer Obstwiese gemütlich gemacht hatten. Arbaró sah er sofort, doch Parúh war nirgends zu entdecken. Er war in letzter Zeit oft weg, seine Mutter versorgte ihn nicht mehr und Arbaró verjagte ihn immer wieder. Baríth setze sich an den Fuß eines Aígabaumes und aß die süßen Früchte. Die schwarze Schale war leicht zu öffnen, wenn man den grünen Stiel einmal umdrehte. Innen fand man das knallrote Fruchtfleisch sowie einen dunkelbraunen großen Kern, den er den Greifen zuwarf, die ihn laut knackend öffneten, um an das kostbare Innere zu kommen. Von weitem sah er Nâruhté mit einem Korb und ein paar Freundinnen in Richtung Wald gehen, Baríth vermutete, dass sie die Arhgoniabeeren suchen wollten. Sie waren lila, schimmerten in der Sonne metallisch blau und hingen von den Bäumen, gehörten jedoch zu einer Kletterpflanze, die sich an diesen hochschlang. Sie waren selten und konnten bei der Wundheilung helfen. Tânselm glaubt also auch nicht, dass wir das Monster abhalten können, stellte er ernüchtert fest. Kopfschüttelnd ging er zu den Dorfbewohnern zurück und half trotz der schmerzenden Muskeln weiter bei der Reparatur der Stadtmauer mit.
Es verblieb keine Stunde mehr, bis es dämmrig werden würde und sechs Löcher waren noch übrig. Nérutaz verkündete, dass die engen Wege zwischen den Häusern verbarrikadiert werden sollten und tatsächlich schafften sie es dadurch, einen direkten Weg zu den Casísto unmöglich zu machen. Trotzdem liefen kurz vor Sonnenuntergang alle hektisch zurück in ihre Häuser und schoben Möbel vor die vernagelten Fenster und Türen. Baríth ging erschöpft nach Hause und sah Fajiah mit wehendem Haar aus der Tür die kurze Treppe hinunter über den Platz stürmen. Verwundert suchte er seinen Vater in seinem Arbeitszimmer auf, der gestresst auf und ab lief.
»Ich bin wieder da, es sind alle Wege für die Schwarze Nacht versperrt, die meisten sind schon in ihren Häusern und bereiten sich vor. Was ist denn mit Fajiah los?«, fragte Baríth.
»Ich weiß, ich weiß! Das heißt aber nicht, dass dieses verfluchte Biest nicht doch einen Weg findet! Bei den ganzen Arbeiten an der Stadtmauer hatten wir keine Zeit, der Schwarzen Nacht eine Falle zu stellen, was heißt, dass sie nächsten Monat wiederkommt. Ich kann es nicht abwarten, dass das Vieh endlich tot ist.«
Er setzte sich auf seinen Stuhl und vergrub die Hände in dem dunklen Fell an seinem Kopf, stand wieder auf und schob einen Schrank vor die Tür, Baríths Angebot zu helfen wimmelte er lästig ab. Als er fertig war, setzte er sich ungewöhnlich ruhig zurück auf seinen Platz.
»Und Fajiah?«
Nérutaz sah ihm prüfend ihn die Augen und zögerte kurz. »Nichts, nichts! Das wird sich morgen schon noch alles aufklären, mach dir keine Gedanken …«
Baríth wollte schon protestieren, doch sein Vater unterbrach ihn.
»Ich bin müde und sollte jetzt schlafen gehen, genau wie du, wir können morgen reden.«
»Aber –«
»Nein, morgen, Baríth.«
Er ging bestimmt aus dem Zimmer und ließ Baríth mit seinen aufgewühlten Gedanken allein.
Als er hörte, wie oben die Tür ins Schloss fiel, ging Baríth in die Küche, schnitt sich eine Scheibe Brot ab und ließ sie dann doch liegen. Er war wütend, aber zu müde, um sich lange zu ärgern. Er setzte sich an den Tisch, auf dem eine halb abgebrannte Kerze stand. Lange starrte er in die Flamme, die vergnügt tanzte, und horchte auf ein Geräusch der Schwarzen Nacht. Doch es kam keines. Er hatte schon seinen Kopf auf seine Arme gelegt und war fast eingeschlafen, als das Licht flackernd erlosch. Vollkommen erschöpft schleppte er sich durch das dunkle Haus in sein Zimmer, zu schwach, um sich Gedanken über das Monster zu machen. Nérutaz ging im Zimmer gegenüber hin und her. Man hörte, wie er sich auf das leicht quietschende Bett setze, nur um sich sofort wieder in Bewegung zu setzen.
Müde, natürlich …, dachte Baríth ärgerlich. Der junge Casísto runzelte die Stirn, drehte sich auf die andere Seite und schlief sofort ein.
* * *
Âretoà kam als Hauptstadt Muaëras auch abends für gewöhnlich nicht zur Ruhe. Doch war es heute nicht das übliche geschäftige Treiben, das einfach kein Ende fand, die Ursache war das Muàndafest. Es fand nur alle sieben Jahre statt und sollte der Vereinigung Muaëras nach den Großen Kriegen gedenken. Die Insel Hilâl war damals ein Vulkan gewesen, besiedelt von Drachen. Als der Vulkan explodiert war, flogen die Drachen ans Festland und brachten allen Bewohnern Jugárs, wie das Land früher noch hieß, großes Leid, ebenso wie die Zeit der Schwarzen Sonne, die durch die Unmengen an Rauch am Himmel in Folge des Ausbruchs ausgelöst worden war. Lange und bitter bekämpften sich die Júga um die letzten verbliebenen Nahrungsmittel, vereinten sich jedoch letztlich gegen die Drachen, gründeten den neuen Staat Muaëra und vertrieben die fliegenden Feinde ins Fervôr–Gebirge. Heute war wieder ein Jahrestag dieses Bündnisses. Der Marktplatz war proppenvoll. Der zentrale Brunnen und die Häuser rundherum waren bunt geschmückt. Girlanden umringten den Platz hoch über den Köpfen der Muaësi und weitere waren von der Krone der Statue König Verberos in der Mitte des Brunnens ringsum auf gleicher Höhe nach außen gespannt. An ihnen und vielen extra für das Fest aufgestellten Pfählen baumelten kunstvolle, meist orange– rote Laternen, die einen wunderschönen Kontrast zum tiefblauen, sternenklaren Nachthimmel boten, der lediglich am Horizont noch rötlich von der gerade untergegangenen Sonne schimmerte. Auf dem Marktplatz befanden sich einige Stände voller Leckereien und erheiternden Getränken, ebenso etliche Gaukler, die mit Feuerakrobatik und allerlei anderen Kunststücken für Unterhaltung sorgten und auch der ein oder andere Händler, der sich keine Gelegenheit eines guten Geschäfts entgehen lassen konnte. Viele hatten sich aber freigenommen und die wenigen, die da waren, zogen zur Feier des Tages ausnahmsweise einmal niemanden über den Tisch, sondern feierten fröhlich mit und manch einer ließ sich sogar zu einem kleinen Rabatt überreden. In der Mitte, nahe dem Brunnen, befand sich eine schmuckvolle Bühne, auf der Musiker das Szenario mit angenehmen, unaufdringlichen Klängen untermalten. Mûtavéh schlenderte mit einer Tüte Migdalos – köstlich kandierten Nüssen – in den Händen gerade daran vorbei und steuerte bereits eine Gruppe von zwei Pelúdos und einem Trampianer an. Pelúdos waren etwa eineinhalb Meter groß und hatten braunes dichtes Fell, das bei manchen recht kurz war, bei anderen zottelig herunterhing. Ihre kleinen Ohren waren genauso rundlich wie ihr Kopf, ihre Schnauze war gedrungen und nicht allzu lang. Obwohl sie alles in allem recht pummelig waren, besaßen sie jedoch nicht zu unterschätzende Kräfte. Einer der beiden machte einen Pfotenstand, während der andere oben auf seinen Füßen stand. Der Trampianer stütze sich Kopfüber auf die Pfoten des oberen Pelúdo. Er war bunt bemalt und versuchte mit Hilfe seiner Füße mit Fackeln zu jonglieren. Da er aber offensichtlich Probleme mit dem Gleichgewicht hatte, wackelte er dort oben nur wild hin und her, bekleckste alles rundherum mit der noch nicht getrockneten Farbe auf seinem Körper und verlor eine Fackel nach der anderen. Ein noch sehr junger Casísto, der auch noch zu ihnen gehörte, stand unten und warf sie ihm immer wieder eilig hoch, was das Ganze zu einem eindrucksvollen Schauspiel machte. Doch Mûtavéh hatte kaum Gelegenheit, es sich richtig anzusehen, denn noch bevor er dort ankam, zog ihn jemand zur Seite.
»He, Ihr!«
»Wer s-? Ah, Gan'dâhil. Es ist mir eine Ehre, den Stadtherren unserer Hauptstadt heute Abend persönlich zu treffen.«
Gan'dâhil war ein um die Bauchmitte herum fülliger Vázak in einem wallenden silbernen Umhang. Darunter trug er edle schwarze Kleidung und das schmuckvollste und gleichzeitig unbrauchbarste Schwert, das Mûtavéh je gesehen hatte. Seine Augen waren kalt und grau.
»Die Ehre ist ganz meinerseits. Ein so junges Mitglied des Rates… Wir brauchen Leute wie Euch.«
»Danke. Ich tue mein Bestes.«
»Da bin ich sicher. Und ich gehe davon aus, dass ihr noch viel leisten werdet – wenn Ihr Euch erst mal ein wenig mit allem vertraut gemacht habt.«
»Ich danke Euch. Und ja, Ihr habt Recht, Vieles ist noch neu für mich.«
»Das verstehe ich. Als ich Stadtherr dieser wundervollen Stadt wurde, erging es mir nicht anders. Auch ich musste mich erst an die ganzen Abläufe und Vorgehensweisen gewöhnen.« Gan'dâhil zögerte kurz. »Und daran, dass im Rat das Prinzip der Mehrheit gilt.«
»Verzeihung?«
»Ratsherr Mûtavéh, wir beide haben etwas gemeinsam. Auch ich war einmal voller Ideale, voller Prinzipien. Ich wollte jedem in meiner Stadt ein gutes Leben bieten, Leid und Ungerechtigkeit bekämpfen. Doch schon bald merkte ich, dass das nicht geht. All die Ideale und Vorstellungen einer besseren Welt … sie verflogen angesichts des großen Unrechts, das überall herrschte. Ich begriff, dass sie wertlos sind, da es einfach zu viele Leute gibt, die mit ihren niederträchtigen Absichten Unheil sähen und das ganze Land vergiften.« Sein Gesicht hatte sich verdunkelt und er machte eine kurze Pause. »Wir versuchen jedem zu helfen und Gerechtigkeit zu verschaffen. Doch weil wir das nicht können, weil das niemand kann, wollen wir doch zumindest den meisten Muaësi ein gutes Dasein ermöglichen, der Mehrheit. Wir beschließen für diese Mehrheit der Bevölkerung mit einer Mehrheit im Rat. Und es ist unklug, sich gegen diese Mehrheit zu stellen.«
»Aber … was ist, wenn die Mehrheit falsch liegt, vielleicht einer Lüge aufsitzt? Niemand, selbst die hohen Mitglieder des Rates, sind sicher davor gefeit. Wäre es nicht klüger, andere Meinungen zumindest anzuhören und darüber nachzude–«
»Mein lieber Freund«, unterbrach ihn Gan'dâhil mit sanfter Stimme, während er Mûtavéh einen Arm um die Schultern legte, »der Rat besteht aus den fähigsten, erfahrensten und weisesten Mitgliedern unserer Gesellschaft. Ihr könnt Euch sicher sein, dass sie wissen, was das Richtige und Beste für alle ist.«
Er sah ihn nun mit verständnisvoller Miene an. »Ihr macht Euch Sorgen wegen der Casísto, nicht wahr? Lasst mich Euch etwas aus der Geschichte Muaëras erzählen. Wie Ihr wahrscheinlich wisst, waren die Casísto früher ein stolzes Volk von Händlern, ihre Hauptstadt Fjiondar eine blühende und prächtige Metropole. Täglich kamen und gingen dort mehrere Dutzend Schiffe, hunderte Handelskutschen und tausende Händler zu Tier oder Fuß. Die Casísto hatten im ganzen Reich ein hohes Ansehen, jeder respektierte sie. Sie waren ehrbare Leute, die sich ihren Reichtum durch ehrliche Arbeit verdient hatten. Doch eines Tages, unter König Xárbos, wurde ein Staudamm flussaufwärts von Fjiondar gebaut. Er wollte der Region um Ganar-Ánimas mit dem See zu mehr Bewohnern und mehr Wohlstand verhelfen. Zudem sollte dadurch der Râszha beherrschbarer gemacht werden. Seine alljährlichen Fluten nach dem Winter hatten von den Bergen vor der Küste bis hin zu seinem Delta regelmäßig für schwere Überschwemmungen mit vielen Opfern geführt, deren Zahl damals rapide angestiegen war. Außerdem führten sie zu großen Ernteausfällen und somit zu Hunger und Elend. Für die Muaësi war der Fluss eine tödliche Gefahr, es musste etwas getan werden. Und so entschied man sich für das Wohl der Mehrheit. Die Casísto litten leider sehr darunter, da von Fjiondar aus nun kein Weg übers Wasser mehr ins Landesinnere führte, was der Stadt nahezu jegliche Bedeutung und den Casísto ihre Hauptlebensgrundlage unter den Pfoten wegriss. Bald waren ihre Goldreserven aufgebraucht, ihr Wohlstand Vergangenheit – und damit ihr Anstand. Viele Casísto wollten dieses Schicksal nicht akzeptierten und zogen durch die Lande, um sich zu holen, was ihnen gehört, wie sie zu sagen pflegten. Sie wurden zu einem Volk von Schwindlern, Heuchlern und Betrügern. Sie nutzten das Jahrhunderte alte Vertrauen der Leute damals schamlos aus, brachten sie in Scharen um Hab und Gut. Einige wurden sogar zu Wegelagerern und Banditen. Es dauerte nicht lange und sie waren im Volk verhasst, was sich bis heute nicht groß geändert hat. Und das hat seinen Grund, denn obwohl dies alles schon fast zweihundert Jahre her ist und es nicht wenige Casísto den Kopf gekostet hat, sind viele von ihnen noch genau wie früher. Sie sind hinterhältig und ziehen jeden über den Tisch, wo sie nur können, noch immer in dem Bestreben, den alten Reichtum wiederherzustellen. Selbst wenn sie noch so vertrauenerweckend auftreten, insgeheim planen sie schon, wie sie dich noch um den letzten Barato bringen können,
