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Botswana gilt immer noch als Ausnahme-Reiseziel. Das Binnenland im Südlichen Afrika verspricht Abenteuer und Herausforderung und steht für eines der letzten Wildnisgebiete auf dem afrikanischen Kontinent. Das Okavango-Delta, seit 2014 UNESCO-Weltnaturerbe, zählt zu den grandiosesten Ökosystemen der Erde; Jahr für Jahr lockt die Region immer mehr Reisende an und bietet mit Afrikas größten frei lebenden Wildherden Safari-Erlebnisse der Extraklasse. Afrika-Kenner Michael Iwanowski hat zahlreiche Tipps für Individualreisende sowie für Teilnehmer geführter Touren zusammengestellt. Die Lodges und Camps sind aufgrund ihrer besonderen Lage, ihrer exklusiven Ausstattung und Architektur wichtige Bestandteile des Reisegenusses und werden daher ausführlich beschrieben. In Botswana kann der Urlauber sowohl in luxuriösen Öko-Lodges mitten in privaten Wildschutzgebieten nächtigen als auch im Dachzelt auf seinem Allradfahrzeug authentisches Safari-Feeling erleben. Eine Übersicht mit drei Routenvorschlägen für drei bis sechs Wochen gibt Auskunft über die Streckenqualität, die Entfernung und das nötige Zeitbudget. Ausflüge zu den weltberühmten Victoriafällen zwischen Sambia und Simbabwe sowie in die Sambesi-Region im Norden Namibias vervollständigen den Band. Auszeichnung: ITB-BuchAward 2017 Mit Tierlexikon & Safaritipps Mit Reisekarte & Karten-Download Für sein Buch "Botswana – Okavango und Victoriafälle" erhielt Michael Iwanowski den ITB-BuchAward 2017 in der Kategorie DestinationAward Botswana – Individualreiseführer. Die Begründung der Jury lautet: "Der Iwanowski's Individual-Reiseführer 'Botswana' gilt traditionell als das umfassende und verlässliche Standardwerk. Er sollte im Reisegepäck nicht fehlen."
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Seitenzahl: 640
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Michael Iwanowski
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Michael Iwanowski
Botswana – Okavango & Victoriafälle
8. Auflage 2026
ISBN: 978-3-86457-535-8 epub
© Reisebuchverlag Iwanowski GmbH
Salm-Reifferscheidt-Allee 37 • 41540 Dormagen
Telefon 0 21 33/26 03 11 • Fax 0 21 33/26 03 34
[email protected] | www.iwanowski.de
Titelfoto: Luftaufnahme Khwai Leadwood und Elefantenherde © African Bush Camps
Alle anderen Farbabbildungen: s. Bildnachweis S. 420
Lektorat: Katja Schmelzer
Layout: José Krohn – Krohnicles Design, Köln
Karten und Reisekarte: Astrid Fischer-Leitl, München
Karten-Überarbeitung: Klaus-Peter Lawall, Unterensingen
Titelgestaltung: Point of Media, www.pom-online.de
Redaktionelles Copyright, Konzeption und deren ständige Überarbeitung: Michael Iwanowski
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Druck: Hunter Books GmbH, Mainaschaff
Printed in Germany
EINLEITUNG
1.
LAND UND LEUTE
Botswana auf einen Blick
Historischer Überblick
Vorkoloniale Zeit
Die Wanderung der Bantus
•
Die Zulu-Kriege (Difaqane)
Kolonialzeit
Die ersten Missionare
•
Einmarsch der Buren
•
„Schutz“ durch England
•
Die Afrika-Konferenz in Berlin
•
Auseinandersetzungen zwischen Briten und Buren und Gründung des British Protectorate Bechuanaland
•
Cecil Rhodes und die British South Africa Company
•
Burenkrieg und der Anspruch der Südafrikanischen Union auf Botswana
Der Weg in die Unabhängigkeit
Nach 1966: Demokratie und Diamanten
Aktuelle Entwicklungen
•
Das Wappen als Symbol des Staates
Zeittafel
Geografischer Überblick
Großlandschaften und geologische Entwicklung
Klima
Gewässer und Wasserwirtschaft
Wasserversorgung und Ökologie
Wirtschaftlicher Überblick
Aktuelle Wirtschaftsdaten
Diamanten
•
Weitere Bodenschätze
Landwirtschaft
Viehzucht
•
Ackerbau
Tourismus
Beschäftigung
Die Southern African Development Community (SADC)
Probleme und Zukunftsaussichten
Gesellschaftlicher und kultureller Überblick
Die Bevölkerung Botswanas: Struktur
Sprachpolitik
Bantusprachen
•
Khoisansprachen
Religion
Bildungswesen
Medien
Gesundheit
Die wichtigsten Völker Botswanas
Die Ostbantu sprechenden Völker
•
Die Westbantu sprechenden Völker
•
Khoi und San
Die europäisch-stämmigen Botswaner
Frauen in Botswana
Kunst und Kultur
Felsmalereien
•
Kunsthandwerk
•
Literatur und Film
•
Musik
2.
BOTSWANA ALS REISELAND
Die Gelben Seiten: Allgemeine Reisetipps von A bis Z
Die Grünen Seiten: Das kostet Sie Botswana
3.
ROUTENVORSCHLÄGE UND ANREISEMÖGLICHKEITEN
Übersicht
Routenvorschläge
Anreise über Windhoek/Namibia
Windhoek
Über Gobabis und Buitepos
Gobabis – Grenzposten im Osten
Durch Namibias Nordosten
Abstecher zum Waterberg Plateau
•
Weiterreisemöglichkeiten
•
Variante 1: Von Grootfontein über Tsumkwe nach Dobe (Grenzübergang)
•
Nyae Nyae Pans
•
Abstecher in den Khaudum National Park
•
Variante 2: Von Grootfontein nach Rundu und durch den Caprivi
Über Mata Mata/Kgalagadi Transfrontier Park
Streckenhinweise zum Kgalagadi Transfrontier Park
Anreise über Johannesburg/Südafrika
Johannesburg
Durch die North West Province nach Gaborone
Variante 1: Abstecher nach Sun City und zum Pilanesberg National Park
•
Variante 2: Auf der R49 über das Madikwe Game Reserve nach Gaborone
Durch die Limpopo Province über Polokwane und den Mapungubwe National Park nach Tuli Block
Polokwane
•
Mapungubwe National Park
4.
DAS OKAVANGO-DELTA MIT MOREMI GAME RESERVE
Maun
Sehenswertes
Okavango-Delta
Überblick
Tier- und Pflanzenwelt
•
Geschichte und Bevölkerung
•
Tourismus
•
Geologie
•
Delta-Regionen
•
Klima und Reisezeit
•
Ökologische Probleme
Moremi Game Reserve
Überblick
•
Geografie
•
Zur Strecke: Maun – Moremi Game Reserve: Third Bridge – Xakanaxa – Khwai/North Gate
•
Pirschfahrten in Moremi
5.
CHOBE NATIONAL PARK UND KASANE
Überblick
Gebiete des Chobe National Park
Chobe Riverfront (Hauptgebiet, westlich von Kasane)
•
Gebiet südlich des Chobe
•
Westteil bei Savute
•
Savute-Region (Chobe National Park)
Zur Strecke: Vom Khwai/North Gate (Moremi) über das Mababe Gate nach Savute
Abstecher von Savute zum Linyanti
Weiterfahrt
•
Savute – Kasane
•
Zur Strecke
Alternativ-Strecke nach Kasane: Über Nogatsaa
Kasane
–
Tor zum Chobe National Park
6.
ABSTECHER ZU DEN VICTORIA FALLS
Der Ort Victoria Falls (Simbabwe)
Victoria Falls National Park
Geologie
•
Rundgang
•
White Water Rafting – eine Erfahrung besonderer Art
•
Weitere Aktivitäten
Livingstone (Sambia)
Mosi-oa-Tunya National Park
7.
IN DEN NORDEN: OKAVANGO-PANHANDLE UND SAMBESI-REGION
Von Maun in den Panhandle und nach Shakawe
Abstecher Drotsky’s Caves – Aha Hills
Zur Strecke
•
Drotsky’s Caves (Gcwihaba Caverns)
•
Aha Hills
Weiterfahrt Richtung Norden
Gumar
•
Etsha
•
Sepupa
•
Nxamaseri
Abstecher zu den Tsodilo Hills
Shakawe
Abstecher nach Seronga – mit Mokoro-Tour
Durch die Sambesi-Region (Caprivi)
Informationen zur Strecke: Der Trans-Caprivi-Highway
•
Mögliche Abstecher unterwegs
Von Shakawe durch das Mahango Game Reserve zu den Popa Falls
Mahango Game Reserve
•
Popa Falls
Von Popa Falls nach Katima Mulilo
Von Kongola zu den Nationalparks Mudumu und Mamili/Route D 3511 – C 49
•
Mudumu National Park
•
Nkasa Lupala (ehem. Mamili) National Park
Katima Mulilo
Ausflug zu den Ngonye Falls in Sambia
•
Weiterfahrt von Katima Mulilo zum Chobe National Park
8.
NXAI PANS UND MAKGADIKGADI PANS NATIONAL PARK
Überblick
Geschichte und Natur der Nxai und Makgadikgadi Pans
Zur Strecke: Kasane – Nxai Pan National Park
Nata
Nata Bird Sanctuary
Gweta
Nxai Pan National Park
Bushman Pits
•
Zur Strecke
•
Reisezeit
•
Makgadikgadi Pans National Park sowie die Makgadikgadi Pans (Ntwetwe und Sowa Pan)
•
Zur Strecke
•
Kubu Island/Sowa Pan
•
Mmakhama Ruins/Sowa Pan
•
Kokonje Island
•
Green’s Baobab und Chapman’s Baobab/Ntwetwe Pan
•
Weiterfahrt
•
Anreise von Süden: über Letlhakane und Rakops
9.
ZENTRAL- UND WEST-BOTSWANA: IN DIE KALAHARI
Der Westen
Ghanzi – Wildweststadt inmitten des „Rinderlandes”
Zentral-Botswana: Central Kalahari Game Reserve und Khutse Game Reserve
Zur Strecke
Anfahrtsmöglichkeiten
•
Streckenbeschaffenheit
•
Tierwelt
•
Deception Valley – das Tal der Owens
Khutse Game Reserve
Anfahrt zum Khutse Gate
Der Südwesten: Kgalagadi Transfrontier Park
Zur Strecke
Zusammenschluss zum Kgalagadi Transfrontier Park
Botswanische Seite
•
Südafrikanische Seite
10.
DER OSTEN
Francistown – Gaborone
Francistown
Selebi-Phikwe
•
Palapye
•
Serowe – Stadt der Bangwato
•
Khama Rhino Sanctuary
Abstecher zum Tuli Block/Mashatu Game Reserve
Mashatu Game Reserve
Die Hauptstadt Gaborone
Orientierung
Sehenswertes
•
Gaborone Game Reserve
Umgebung von Gaborone
Kanye
•
Jwaneng
11.
ANHANG
Tierlexikon und Tipps zur Tierbeobachtung
Häufige Tiere in Botswanas Nationalparks
Tipps zur Tierbeobachtung und Sicherheit im Gelände
Literatur
Reiseführer und Kartenmaterial
•
Spezielle Literatur zur Naturbeobachtung
•
Fiktionale Literatur und Bildbände
Verzeichnis der Unterkünfte
Stichwortverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Weiterführende Informationen zu folgenden Themen:
David Livingstone in BotswanaSir Seretse Khama – erster Präsident der Republik BotswanaInformationen über DiamantenZum Problem der VeterinärzäuneRegenmachenStreit ums Land: die San im Central Kalahari Game ReserveBuschrezepteTipps zum FotografierenCommunity Based TourismDer Trans-Kalahari-HighwayDer Okavango – Lebensader im Grenzgebiet zu AngolaVorsichtsmaßnahmen trotz verbesserter SicherheitslageAuf Safari mit dem MokoroPapyrus – das malerische Schilf vom OkavangoWie gefährlich ist die Tsetsefliege für Menschen?Private Safari-LodgesElefanten in ÜberzahlInformationen für Selbstfahrer im Chobe National ParkDie Flusssysteme Kwando, Linyanti, Chobe und SavutInformationen über Affenbrotbäume (Baobabs)Simbabwe im Zeichen der KriseLake NgamiTigerfischeDie großen Salzpfannen im Norden der KalahariThomas Baines – Forscher und MalerInformationen über die KalahariDie Kalahari-Jahre von Mark und Delia OwensBedrohte Jäger: Leoparden- und Löwenprojekte in der KalahariDas Domboshaba Festival of Culture and HistoryKarten und Grafiken:
KolonialkarteVegetationszonen und WirtschaftsstrukturGebiete, in denen ein GPS-Gerät empfehlenswert istMaun ZentrumMaun UmgebungMoremi Game ReserveChobe National ParkSavute-RegionFlusssystemMoremi Game Reserve – Savute – KasaneChobe RiverfrontKasane und KazungulaVictoria FallsKasane – LivingstoneShakawe – Tsodilo Hills – Drotsky’s CavesDrotsky’s Caves – GrundrissTsodilo HillsCaprivi-StreifenNxai Pan National ParkMakgadikgadi PansCentral Kalahari Game ReserveKgalagadi Transfrontier ParkDer Osten von BotswanaGaborone und UmgebungGaborone Innenstadtvordere Umschlagklappe: Botswana
hintere Umschlagklappe: Okavango-Delta
Alle Karten zum Gratis-Download – so funktioniert's
In diesem Reisehandbuch sind alle Detailpläne mit sogenannten QR-Codes versehen, die vor der Reise per Smartphone oder Tablet-PC gescannt und bei einer bestehenden Internet-Verbindung auf das eigene Gerät geladen werden können. Alle Karten sind im PDF-Format angelegt, das nahezu jedes Gerät darstellen kann. Für den Stadtbummel oder die Besichtigung unterwegs hat man so die Karte mit besuchenswerten Zielen und Restaurants auf dem Telefon, Tablet-PC, Reader oder als praktischen DIN-A-4-Ausdruck dabei.
Mit anderen Worten – der Reiseführer kann im Auto oder im Hotel bleiben und die Basis-Infos sind immer und überall ohne Roaming-Gebühren abrufbar. Sollten wider Erwarten Probleme beim Karten-Download auftreten, wenden Sie sich bitte direkt an den Verlag. Unter [email protected] erhalten Sie die entsprechende Linkliste zum Herunterladen der Karten.
Noch immer ist Botswana ein Ausnahme-Reiseziel, noch immer klingt es in den Ohren von Reiselustigen nach Abenteuer und Herausforderung. Dieses Land im südlichen Afrika, das keinen Zugang zu den Weltmeeren hat, ist auch heute noch in weiten Teilen unberührt von menschlichen Eingriffen in die Natur. Zwischen der Kalahari im Westen und dem Limpopo-Fluss im Osten gelegen, leben auf der 1 1/2-fachen Fläche von Deutschland nur etwa 2,5 Millionen Menschen. Einige San in den Weiten der Kalahari können ihren tradierten – wenn auch veränderten – Lebensweisen folgen, während der überwiegende Teil der Bevölkerung in den großen Siedlungen des Ostens einen westlich geprägten Lebenstil pflegt.
Botswana begeistert mit seiner Weite, seiner Unberührtheit und seiner reichen Tierwelt. Die interessantesten Landschaften liegen im Westen, im Zentrum sowie im Okavango-Delta. In Botswana kann man die größten freilebenden Wildherden Afrikas beobachten, deren Lebenswelt sich aus dem Gegensatz von Sand, Savanne und Wasser definiert. Das Okavango-Delta, seit 2014 UNESCO-Welterbe, ist eines der faszinierendsten Ökosysteme und zugleich größtes Binnendelta der Welt.
Botswana ist das Land für Naturliebhaber. Eine insgesamt relativ immer bessere touristische Infrastruktur und ein verbessertes Straßen- und Wegenetz schaffen gute Voraussetzungen für Selbstfahrer. Es empfiehlt sich vor der Reise eine GPS-App runter zu laden. (maps.ne ist kostenlos oder laden Sie sich GPS-Karten im shop.zebrapunkte.com runter, diese sind kostenpflichtig). Mit Kleinflugzeugen und Motorbooten lassen sich – meistens von Maun aus – einsam gelegene Camps erreichen. Mitten in der Wildnis bieten einladende Lodges nicht nur Unterkunft und ausgezeichnete Verpflegung, sondern unter sachkundiger Führung von Rangern auch atemberaubende Naturerlebnisse. Hier lebt man als „Gast in der Welt der Tiere“ auf teilweise kleinen Inseln, die vom Land aus nicht erreichbar sind. Es heißt also die Augen offenzuhalten, denn leicht kann es zu überraschenden Begegnungen mit Tieren kommen … Erfahrene Guides begleiten Besucher deshalb mit Booten auf verschlungenen Wasserwegen, in offenen Geländefahrzeugen oder zu Fuß, um das Wild aufzuspüren. Solche Momente in der Natur lassen das Herz höher schlagen und machen den Reiz einer Botswana-Reise aus. Mit Allradfahrzeug und Dachzelt gelangt man in abgelegene Gegenden und kann seinen Traum vom großen Abenteuer in der Natur Wirklichkeit werden lassen.
Dieser Reiseführer legt den Schwerpunkt auf das Okavango-Delta, den Westen und das Zentrum des Landes sowie auf benachbarte Gebiete. Abstecher zu weiteren Highlights in der Region, wie den Victoria Falls in Sambia/Simbabwe oder dem sog. Caprivi-Streifen im Nordosten Namibias, werden ebenso beschrieben wie die immer besser werdenden Anfahrtswege aus Windhoek/Namibia und Johannesburg/Südafrika. Beachtenswert sind auch die Gebiete im Grenzbereich Namibia/Botswana: Eine Fahrt entlang des Kwando-Flusses zum Nkasa Lupala (Mamili) National Park ist etwas ganz Besonderes, und auf einem Abstecher von Katima Mulilo in den Westen Sambias zu den Ngonye Falls des Sambesi genießt man das pure, ursprüngliche Afrika. Ob als Selbstfahrer oder in einer kleinen geführten Gruppe – unvergessliche Erlebnisse sind auf einer Botswana-Reise garantiert.
Fläche/Einwohner
581.730 km2/ca. 2,5 Millionen Einwohner
Staatssprachen
Setswana und Englisch
Flagge
schwarz-weiß-hellblau gestreift
Unabhängigkeit
30.9.1966 (Nationalfeiertag)
Staats- und Regierungsform
Republik mit Präsidialverfassung. Das Parlament verfügt über 61 Sitze, daneben gibt es das „House of Chiefs“ mit beratender Funktion, hier sitzen u. a. die Anführer der acht wichtigsten ethnischen Gruppen.
Staatsoberhaupt und Regierungschef
Duma Boko (Umbrella for Democratic Change, UDC), seit Nov. 2024
Städte
Gaborone (Hauptstadt, 246.300 Einwohner), Francistown (103.400), Molepolole (74.700), Maun (85.300), Mogoditshane (88.000), Serowe (55.400), Mochudi (50.300), Kanye (48.000), Mahalapye (48.400), Selebi-Phikwe (42.500), Lobatse (29.700)
Klima
allgemein trocken-warm/heiß. Die Trockenzeit liegt zwischen Mai und September. Der meiste Regen fällt z. T. als heftige Schauer zwischen Oktober und April. Am heißesten ist der Januar, am kühlsten der Juli (Nachttemperaturen oft unter 0 °C), im Oktober ist die Hitze sehr drückend.
Bevölkerung
v. a. Tswana, die sich in verschiedene Untergruppen teilen (u. a. Bamangwato, Bakwena) 79%, Kalanga 11 %, San 3 %, Weiße und andere Minderheiten 7 %
Jährl. Bevölkerungswachstum
ca. 1,6 %
Religion
86,5 % Christen, 7,1 % Religionslose, 4,6 % Anhänger von Naturreligionen, Minderheit von Muslimen, Hindus und Animisten
Alphabetisierungsrate
ca.87 %
Durchschnittliche Lebenserwartung
ca. 69 Jahre
AIDS/HIV-Rate
ca. 22 % der Bevölkerung
Zugang zu sauberem Trinkwasser
ca. 96 % der Bevölkerung
Währung
Pula (ein Pula entspricht 100 Thebe)
Inflation
ca. 2,5 % (2025)
Ausfuhr
v. a. Diamanten (80 %), Kupfer und Nickel, Textilien, Fleisch, Salz, Sodaasche etc.
Handelspartner
vor allem Südafrika, die EU, die USA, Kanada, Indien und Großbritannien
Landwirtschaft
vor allem Rinderzucht, Maisanbau, Bohnen, Melonen etc.
Pro-Kopf-BIP
ca. 7.800 US$
BIP
ca. 19 Mrd. US$ (2025)
Zeitzone
MEZ (+ 1 Stunde in der mitteleuropäischen Winterzeit)
Wirtschaftswachstum
1 % (2025)
Wirtschaftszweige
Dienstleistungen (63,5 %, davon ca. 12 % Tourismus), Bergbau (ca. 29 % des BIP), Landwirtschaft (ca. 1,7 % des BIP)
Internetkennung
co.bw
Bereits in urgeschichtlichen Zeiten bewohnten Menschen und ihre Vorfahren das südliche Afrika. Vor etwa 70.000 Jahren tauchte hier der „Homo sapiens“ auf. Seine Werkzeuge, die man ebenfalls in Höhlen fand, zeigen schon eine Vielfalt von Anwendungsmöglichkeiten. Felsmalereien an Eingangswänden oder markanten Felsüberhängen stehen teilweise in einem engen Zusammenhang mit den einzelnen Artefakten.
Verarbeitung von Erzen
Ältere Schmelzstätten deuten ferner darauf hin, dass bereits am Ende der Jungsteinzeit oberflächennahe Erze verarbeitet wurden, mit denen man bessere Waffen und Werkzeuge herstellen konnte. Man benutzte sie vermutlich nicht nur zum Kampf oder zur Jagd, sondern auch zu einer einfachen Bodenbearbeitung (Getreideanbau) und zur Viehhaltung. Verzierte Töpfe dienten als Vorratsbehälter für Fleisch, Getränke und Früchte. Diese Fundstücke werden der frühen Eisenzeit zugerechnet (200–900 n. Chr.). Besonders viele Funde von altem Steinwerkzeug gab es am Ufer der Makgadikgadi-Pfanne, die in prähistorischer Zeit ein See war.
Wenn die San auch als die älteste heute noch in Botswana und Namibia präsente Bevölkerungsgruppe gelten, gehören sie doch nicht zur Urbevölkerung dieser Länder. Dies konnten Archäologen aufgrund der erwähnten Funde nachweisen. Vielmehr wird angenommen, dass die San aus dem östlichen Afrika zunächst in die feuchteren Regionen Südafrikas abgedrängt wurden, als Hirten- und Bauernvölker ihnen den Lebensraum in den ostafrikanischen Savannen nahmen. Den bald nachwandernden Bantu-Völkern mussten sie wiederum weichen und sich in die Trockengebiete des Landesinneren (Kalahari) bis in das heutige Staatsgebiet von Botswana und Namibia zurückziehen. Diese Regionen waren unattraktiv für den Ackerbau und die Großviehhaltung sowohl der Bantu als auch der später von Südwesten vorstoßenden weißen Farmer. Es begannen regionale Auseinandersetzungen der Bantu mit einzelnen San-Gruppen.
Völkerwanderungen
Diese historische Entwicklung, insbesondere die Wanderbewegungen der einzelnen Bantu-Völker, der in Kleingruppen lebenden San und der verwandten Nama sowie die spätere Einwanderung der Europäer (ab 1652 von Kapstadt aus), liefert einen ersten Erklärungsansatz für die heutige Bevölkerungsverteilung.
Die San (für weitere Infos s. S. 61) leben schätzungsweise seit mehr als 15.000 Jahren im südlichen Afrika. Bevor sie ihrer Lebensräume beraubt wurden, wanderten sie durch fruchtbares Land. Als Jäger und Sammler durchstreiften sie die heutigen Gebiete von Südafrika, Namibia, Simbabwe, Angola und Botswana. Überall dort finden sich ihre Spuren in den steinzeitlichen Felszeichnungen, so z. B. in den Tsodilo Hills (s. S. 283). Die San sind eine Ethnie bisher ungeklärter Herkunft. Manche vermuten einen nordafrikanischen oder auch asiatischen Ursprung.
Bereits ca. 250 n. Chr. begann die Einwanderung der bantusprachigen Völker (s. S. 57) aus dem Nordwesten und Osten des Kontinents in die Gegend des heutigen Botswana. Im Gegensatz zu den Jägern und Sammlern der San kannten sie die Vieh- und Feldwirtschaft und brachten Kenntnisse der Eisenverarbeitung sowie des Töpferns mit.
Später kam das Volk der Zhizo aus dem heutigen Simbabwe, verdrängt durch ein Leopard’s Kopje genanntes Volk, bis an den nördlichen Rand der Kalahari, und sie brachten weiteren Fortschritt mit. Etwa 1000 n. Chr. soll eine zweite Gruppe eingewandert sein, die man Toutswe nennt. Sie herrschten bis ca. 1300 über das größte Reich jener Zeit. Wahrscheinlich durch Überweidung und Dürre löste sich das Reich auf. Weitere Völker, unter anderem die Shona aus Simbabwe, rückten nach. Die meisten assimilierten sich später mit den Tswana.
Die Bakalagadi aus Südafrika ließen sich im Osten des heutigen Botswana nieder und waren die erste größere Tswana-Gruppe Botswanas. In späteren Jahren kamen weitere Gruppen hinzu. Mehrfach spalteten sich die Gemeinschaften in kleinere Gruppen auf, so gelangten Angehörige der Tswana in immer weitere Teile des Landes. So glaubt man, dass etwa um 1400 ein Stammesführer der Tswana, Malope, am Boteti-Fluss regierte. Seine drei Söhne Kwena, Ngwato und Ngaketse waren mit ihren Anhängern abgezogen. Sie sollen durch Neuansiedlung der Gefolgschaft den Grundstein für die drei botswanischen Hauptgruppen gelegt haben: Kwena Bakwena in Mochudi, Ngwato Bamangwato in Serowe, Ngwaketse Bangwaketse in Kanye. Als sich beim Bamangwato-Stamm 1795 die Brüder Khama I. und Tawana um die Nachfolge als Anführer stritten, entfernte sich letzterer mit seinen Leuten zum Lake Ngami und nach Maun (Batawana in Maun) (s. auch S.57).
Die Nachfahren der ersten Bewohner Botswanas müssen heute um ihren Lebensraum kämpfen
Heute sind in der Verfassung acht Hauptgruppen der Tswana genannt: Bakgatla, Bakwena, Bamalate, Bangwaketse, Bangwato, Barolong, Barawana und Batloka.
Zulu-Kriege
Die früheren Wanderungen waren vergleichsweise unbedeutend, bis Shaka-Zulu im Jahre 1816 und Mzilikazi 1825 an die Macht ihrer Zulu-Stämme kamen. Sie brauchten mehr Platz für die wachsende Bevölkerung und wollten Macht und Reichtum mehren. Das Wort difaqane (oder mfecane in Zulu) bezeichnet eine Periode der Zerstörung und des Krieges im südlichen Afrika in den Jahren von 1815 bis etwa 1840. Mit organisierten Kampfverbänden drangen Shaka und sein General Mzilikazi, mit dem er sich später zerstritt, vom Südosten in Natal durch Transvaal bis nach Simbabwe und Botswana vor. Es waren die gleichen Zulu und Matabele, die den südafrikanischen Buren auf dem „Großen Treck” (1835) den Krieg erklärten, um deren ungezügelte Landnahme zu verhindern.
Die Zulu überrannten die Tswana-Siedlungen, und trotz einigen Widerstandes konnten sich die Bewohner Botswanas erst Jahrzehnte später von diesen Attacken erholen. Die Ethnie der Tswana ging aus der anschließenden Neuorganisation als stärkste Gruppe hervor und bestimmte im Wesentlichen die Geschicke des Landes.
In der Zeit dieser Auseinandersetzungen und Beute-Streifzüge kamen die ersten Europäer ins heutige Botswana. Die London Missionary Society (LMS) sandte den Prediger W. Edwards. Er erreichte Kanye im Jahre 1808 und endete später als eifriger Elfenbeinhändler und Farmer. Dann kam für die LMS John Campbell. 1817 erschienen der Missionar Robert Moffat auf der Bildfläche sowie weitere Jäger und Missionare. Nicht zuletzt kam 1841 der berühmte Missionar, Forscher und Arzt David Livingstone im heutigen Botswana an (s. a. S. 17). Frisch aus England angereist besuchte er Robert Moffat, heiratete dessen Setswana sprechende Tochter Mary und zog mit ihr ins Landesinnere weiter. Seine Expedition führte ihn von Kolobeng zum Ngami-See, den er als einer der ersten Europäer 1849 sah. Von dort gelangte er zum Chobe-Fluss, folgte dem Sambesi und erreichte die Victoria-Fälle.
Die Bantu-Bevölkerung war misstrauisch gegenüber Missionaren, denn diese predigten eine Abkehr von den traditionellen Riten, Bräuchen und Gewohnheiten. So wollten sie den Brautkauf, Rituale zum Regenmachen, die Polygamie, verschiedene Initiations-Rituale sowie das Biertrinken abschaffen. Hauptgegner der Missionare waren die Stammeszauberer, sie fürchteten, ihren Einfluss auf die Stammesoberen zu verlieren.
Die Missionare gründeten Schulen, die vor allem das Ziel verfolgten, die einheimische Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Die Kinder sowie die Erwachsenen sollten lesen lernen, um in der Bibel lesen können. James Read begann um 1831 mit der Übersetzung der Bibel in Setswana, Moffat führte diese Arbeit weiter. Aber nicht nur die LMS wirkte im Betschuanaland, wie man die Region bis zur Unabhängigkeit nannte (von engl. Bechuana, die man heute Batswana oder Tswana schreibt); es kamen die Methodisten, die Lutheraner, die Niederländisch-Reformierte Kirche und die Hermannsburger als deutsches Kontingent. Heinrich Schulenburg lehrte 1860 bei den Bangwato. Unter seinen ersten Schülern waren die Söhne der mächtigen Familie Khama in Serowe.
→ EXTRA: David Livingstone in Botswana
Der schottische Arzt, Missionar, Entdecker und Afrika-Forscher Dr. David Livingstone (1813–73) gilt als einer der größten Helden des viktorianischen Englands. Doch lange bevor er berühmt wurde, bereiste er Botswana, wanderte, ritt und paddelte durch die ausgetrockneten Flussbetten, Salzpfannen und Überschwemmungsgebiete.
Noch heute können Besucher Botswanas seinen Spuren folgen – Orte, an denen Livingstones Reisen die Karten und Missionsrouten des südlichen Afrikas prägten. Von den staubigen Makgadikgadi-Salzpfannen bis zu den Wasserwegen des Grenzflusses Sambesi – Botswana nahm in seinen frühen Reisen einen zentralen Platz ein.
Doch warum hielt sich Dr. Livingstone überhaupt in Botswana auf? Bevor er als „Afrika-Entdecker“ bekannt wurde, war er Missionar. 1841 von der Londoner Missionsgesellschaft entsandt, erreichte er die südafrikanische Kapkolonie und reiste nordwärts auf der Suche nach Missionsstandorten jenseits der europäischen Siedlungen. Schon bald richtete sich sein Blick auf das Gebiet des heutigen Botswana, dessen Landesinneres Europäern damals weitgehend unbekannt war. Livingstones Reisen dorthin zählten zu den ersten europäischen Versuchen, diese Regionen zu verstehen und zu dokumentieren – nicht als Kolonialherren, sondern aus religiösem Interesse, humanitärem Idealismus und geografischer Neugier. Livingstones Ziel war es, das Christentum zu fördern und damit moralisch dem Sklavenhandel entgegenzuwirken. Dabei kartierte und dokumentierte er nebenbei die weiten, sich ständig verändernden Landschaften der Kalahari und des Okavango-Deltas. Livingstones erste Missionsstation in Botswana befand sich in Kolobeng, westlich des heutigen Gaborone. Hier arbeitete er unter Kgosi Sechele I. mit dem Volk der Bakwena zusammen, lernte Setswana und passte seine Lehren den lokalen Gegebenheiten an.
Von Kolobeng aus unternahm er mehrere beschwerliche Reisen nach Norden und Westen, oft in Begleitung seiner Frau Mary und seiner Kinder. 1849 durchquerte er die Kalahari und trotzte Dürre, Sandstürmen und ausgetrockneten Wasserstellen. Diese Expedition führte ihn bis zum Ngami-See, nahe dem heutigen Maun – eine der ersten Sichtungen des Sees durch Europäer. Der vom Okavango-Delta gespeiste Ngami-See war für Livingstone ein wichtiger Anlaufpunkt. Seine Aufzeichnungen und Skizzen des Sees wurden in britischen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht und lösten in Europa großes Interesse an der Region aus.
Es ist auch bekannt, dass er in der Nähe des Flusses Boteti reiste, der heute zeitweise zwischen dem Makgadikgadi-Pans-Nationalpark und dem Moremi Game Reserve fließt. Touristen, die auf diesem Wasserweg paddeln oder Mokorofahrtenunternehmen, folgen buchstäblich denselben Spuren, die Livingstone einst nahm. Er beschrieb die Makgadikgadi Pans als „riesig, schimmernd und blendend hell“ und hob ihre Bedeutung für die Tierwelt und die einheimische Bevölkerunghervor. Heute sind diese Salzpfannen Teil der touristischen Safari-Routen, mit Angeboten wie Wüstencamping, Flamingo- und Sternenhimmelbeobachtungen. Doch sie stellen auch ein gewaltiges Naturdenkmal dar, dessen Durchquerung und Dokumentation ihn einst mehrmals fast das Leben kostete.
Später kehrte Livingstone in den Norden Botswanas zurück. Er durchquerte die Region des Flusses Chobe und erreichte den Fluss Sambesi zwischen Botswana und Sambia, dem er auf mehreren Expeditionen flussauf- und flussabwärts folgte. 1855 führte ihn diese Route schließlich zum „Donnernden Rauch“, den Victoriafällen. Obwohl die gigantischen Wasserfälle außerhalb der heutigen Landesgrenzen liegen, bieten viele in Botswana ansässige Reiseveranstalter und mobile Safaris grenzüberschreitende Ausflüge dorthin an, sodass Besucher die letzte Etappe von Livingstones berühmtester Reise absolvieren können.
Man kann Livingstones Spuren also an mehreren Orten folgen: Beginnend bei den Ruinen der Kolobeng-Mission, etwa 25 km westlich der Hauptstadt Gaborone gelegen, Livingstones erstem Zuhause in Botswana, erzählen Informationstafeln die Geschichte seiner Zeit. Eine weitere Station ist die Ngami-See-Region nahe Maun. Reisende auf dem Weg vom Okavango-Delta Richtung Süden können hier Halt machen, um danach Livingstones Reise durch die Kalahari zu den großen Salzpfannen nachzuvollziehen. Das Campen in Nxai- oder Makgadikgadi-Nationalpark vermittelt dasselbe Gefühl von totaler Abgeschiedenheit und Weite, welches Livingstone einst beschrieb. Eine weitere Region ist das Boteti-Tal, was Teil von Livingstones Reisen zwischen dem Ngami-See und dem Sambesi-Becken war. Mehrere Lodges bieten hier Wander- und Kanusafaris auf jenen alten Pfaden an, die Livingstone einst fand. Eine weitere klassische Livingstone-Route führt durch Savuti und Chobe und endet in Kasane/Kazalunga. Von dort aus kann man entweder in die Stadt Livingstone in Sambia übersetzen oder weiter zu den Victoriafällen fahren.
Livingstones Zeit in Botswana war zwar relativ kurz, aber grundlegend. Die Freundschaften, die er mit den Häuptlingen der Tswana schloss, seine Übersetzungen religiöser Texte ins Setswana und seine geografischen Entdeckungen hinterließen ein Erbe, das weit über sein Leben hinaus Bestand hat. Für heutige Besucher bieten seine Reiserouten und -orte mehr als nur landschaftliche Highlights. Livingstones Vermächtnis regt dazu an, darüber nachzudenken, wie diese Landschaften wahrgenommen, erinnert und respektiert werden sollten.
Um sich von der drückenden englischen Oberherrschaft in Südafrika zu befreien, verließen die Buren 1835 die Kap-Kolonie. Sie schlugen auf dem Weg nach Norden die Matabele unter ihrem Anführer Mzilikazi und begannen, den Stammesführern von Betschuanaland einzureden, dass sie deren Feinde vernichtet hätten und deshalb das Land bis zum Lake Ngami für sich beanspruchen könnten. Diese lehnten die Forderung ab und die Buren drohten immer wieder mit Überfällen. Die Engländer beschwichtigten die Buren und vereinbarten 1852 am Sand River ein Stillhalteabkommen. Dabei erhielten die Buren das Gebiet von Transvaal zugesprochen und die Zusicherung, dass England keine Verbündeten nördlich des Vaal-Flusses unterstützen würde. Ferner wurde abgemacht, dass die Engländer die Waffenkäufe mit dazugehöriger Munition an die einheimische Bevölkerung unter Kontrolle halten wollten; hingegen dürften die Buren davon so viel erwerben, wie sie wollten. Die Engländer hatten sich mit den Buren verbündet und das Pokern um die Oberherrschaft im Land ging weiter.
Verteidigungspakt gegen die Buren
Die Buren riefen eine Versammlung der Chiefs ein und behaupteten, dass Betschuanaland nun unter dem „Schutz“ der Buren-Regierung von Transvaal stünde. Sechele I. wehrte sich, die kriegerische Auseinandersetzung fand 1852 bei Dimawe statt. Gleichzeitig bat Sechele die Verwaltung der britischen Kap-Kolonie um Schutz gegen die vordringenden Buren. Doch England hatte an dem armen Land wenig Interesse und lehnte das Gesuch ab. Die Einheimischen griffen zur Selbsthilfe und schlossen einen Verteidigungspakt gegen weitere zu erwartende Angriffe der Buren. Unter dem Druck von außen fanden die Barolong, Bakwena, Bangmaketse, Bangwato und später noch die Bakgatla und Batawana zusammen. Als 1870 einige Buren mit der eigenen Transvaal-Regierung nicht einverstanden waren, spannten sie die Ochsen vor die Wagen und überschritten die Grenze zum Betschuanaland. Khama ließ die Buren durch sein Land ziehen, verbot ihnen aber zu siedeln. Die meisten Teilnehmer dieses Trecks verdursteten in der wasserlosen Kalahari. Die Überlebenden zogen in Richtung Norden nach Angola.
1876 bat Chief Khama III. der Bangwato erneut den englischen Gouverneur Sir Henry Barkly um Schutz. Das Gesuch wurde wieder abgelehnt.
Strategische Bedeutung
Einen Verbündeten fanden die Tswana im Missionar John Mackenzie. Er betrieb die englische Schirmherrschaft, weil er von den Buren ungestört seine Missionsarbeit betreiben wollte. Auch aus wirtschaftlichen Gründen wollte Mackenzie die Konkurrenz burischer Händler ausschalten. Er erhoffte sich eine bessere Entwicklung, wenn das Gebiet unter britischen „Schutz“ käme. Nach den Zurückweisungen der vorausgegangenen Jahre erklärte England – für viele überraschend – 1885 das Land zum Protektorat, dem British Bechuanaland Protectorate (BP). Aber nicht die Beweggründe des Missionars Mackenzie hatten den Wandel herbeigeführt – das Land im Norden war strategisch und wirtschaftlich wichtig geworden.
Der europäische Konkurrenzkampf um afrikanische Kolonien zwischen England, Frankreich, Belgien und Deutschland sowie das ständige Drängen der Buren hatte die Gesamtlage verändert. Außerdem waren die Buren durch die Goldfunde bei Johannesburg plötzlich sehr reich geworden. Sie gründeten neue Republiken und griffen immer wieder die Tswana an. Als Christopher Bethell, ein Verwandter von General Sir Charles Warren, 1884 von Buren im Kampf getötet wurde, hatten die Engländer endlich eine Handhabe, den Buren Unruhestiftung und Landraub vorzuwerfen.
Die vom deutschen Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck einberufene Afrika- oder Kongo-Konferenz in Berlin im Jahr 1884 ist in diesem Zusammenhang von geschichtlicher Bedeutung. Es ging den europäischen Nationen um die Verteilung der Länder in Afrika. Die dort gefundenen oder abgebauten Rohstoffe sowie die gleichzeitig entstehenden Absatzmärkte für fabrikerzeugte Massenprodukte versprachen große Gewinne. Damals fiel auch Südwestafrika (Namibia) an das deutsche Kaiserreich. Mit Argwohn sahen die Engländer die Annäherung der Deutschen an die Burenrepublik Transvaal unter ihrem Präsidenten (Ohm) Paul Kruger. Man wollte sie von den Deutschen in Südwestafrika getrennt halten, und deshalb wurde die Gegend des heutigen Botswana letztendlich so wichtig für englische Machtinteressen.
Wie die Deutschen noch unter dem Nachfolger Bismarcks, dem Grafen Caprivi, die Vorstellung hatten, eine Landverbindung von Südwest zur Kolonie Tanganjika (Tansania) in Ostafrika herzustellen, so wollten die Engländer den ganzen Kontinent vom „Kap nach Kairo” regieren. Der sog. Caprivi-Zipfel zeugt noch heute von dem Versuch, einen Schienenweg oder eine Wasserverbindung über Batawana- und Balozi-Land zum Sambesi zu legen. Der merkwürdige, 450 km lange Streifen wurde zusammen mit Helgoland gegen etwaige Ansprüche auf Sansibar getauscht. Aus Sicht der Engländer galt: Wollte man die Deutschen von den Buren trennen und ungestört in die Besitzungen des Nordens, z. B. Sambia, reisen können, so musste man die „Missionary Road” durch Betschuanaland offenhalten.
Durch die neu gegründeten Buren-Republiken Stella-Land und Goshen hatten sich die Buren genau auf die Straße nach Norden gesetzt, die die Engländer freihalten wollten. John Mackenzie bekam als Diplomat den Auftrag, die Farmer von Stella-Land und Goshen wieder in die östliche Transvaal-Republik abzuschieben. Da ihm das nicht gelang, wurde er durch den einflussreichen, skrupellosen Cecil Rhodes ersetzt. Kurze Zeit später entsandten die Engländer 4.000 erstklassig ausgerüstete Soldaten unter General Sir Charles Warren. Die Buren wurden mit Waffengewalt zur Aufgabe der Staatsgründungen gezwungen.
Teilung des Protektorats
Im März 1885 informierten die Engländer die deutsche Regierung, dass sie ihr „Schutzgebiet“ über den Fluss Molopo bis zum 22. südlichen Breitengrad ausgeweitet hätten. Das Land der Bakwena, Bangwaketse und Bangwato wäre nun unter dem Namen British Protectorate Bechuanaland eingenommen. 1890 und 1894 wurden weiteres Bangwato-Land und auch Ngami-Land einbezogen. England beabsichtigte, das gesamte Protektorat der Kap-Kolonie einzugliedern, scheiterte aber an den Politikern in Kapstadt. Also teilte man am 30. September 1885 das Protektorat in zwei Teile (s. Karte S. 19).
Das fruchtbare Land südlich des Molopo wurde erst eine Kronkolonie mit der Hauptstadt Vryburg und – nach Beruhigung der Lage – 1895 von der Kap-Kolonie übernommen. Das Protektorat nördlich des Molopo erhielt als Hauptstadt und Sitz des High Commissioner die Stadt Mafeking (das heutige Mahikeng). Dieser Ort lag merkwürdigerweise ca. 25 km weit außerhalb der Landesgrenzen im späteren Südafrika. Dies ist wiederum ein Beispiel für die Willkür der Kolonialherren in jener Zeit. Nach der Unterzeichnung des Schutzvertrages vom 27. Januar 1885 stellte Khama Land für britische Farmer zur Verfügung. Sie sollten mit ihrem Eigentum einen Puffer am Limpopo zwischen den Bantu aus Rhodesien und den Buren aus Transvaal bilden. An den Flüssen Shashe und Motloutse sperrte man das Grenzland mit Farmen gegen die Matabele. 1898 erhielten 37 weiße Farmer Land bei Ghanzi, um einen Schutzstreifen gegen die Deutschen in Namibia zu bilden.
Selbstverwaltung der Stämme
Die Regierungsgeschäfte wurden in den Stämmen weiter von ihren traditionellen Oberhäuptern erledigt. Nur die richterliche Gewalt über Weiße behielt sich der High Commissioner vor. Die „Schutzvereinbarung“ hatte neben allen negativen Implikationen folgende Resultate: Sicherheit des Betschuanalandes vor Buren, Deutschen und Matabele; Frieden im Innern zwischen den Stämmen; Erhalt der Stammesstruktur mit Selbstverwaltung.
Schon nach einigen Jahren Ruhe sahen sich die Tswana einer neuen Gefahr ausgesetzt. Cecil Rhodes, der seinen Reichtum mit den Diamantenminen in Kimberley erworben hatte, wollte das Betschuanaland als „Suezkanal zum Norden” für seine eigene British South Africa Company (BSAC) übernehmen. Die britische Verwaltung überließ gern starken Privatfirmen die Kolonisation. Mit Recht befürchteten die Menschen in Botswana, entmachtet und übervorteilt zu werden. Diese Erfahrung musste Lobengula, König der Matabele (AmaNdebele), im benachbarten Rhodesien bereits 1888 machen. Dort wurde das Land dieses Volkes nach blutigen Auseinandersetzungen zwischen 1889 und 1893 kolonisiert. Jenes Schicksal vor Augen, begannen sich die Tswana gegen die Übergabe an die Firma BSAC zu wehren.
Reise nach London
Cecil Rhodes betrieb den Eisenbahnbau vom Kap der Guten Hoffnung nach Bulawayo durch Betschuanaland. Bei den Landeignern stieß er auf geschlossenen Widerstand. Der einzige Weg, diesen zu brechen und gleichzeitig alle Schürfrechte für Rohstoffe zu erhalten, war die Übernahme des Protektorates durch seine Firma. Die größte Schwierigkeit lag in der Umgehung von Rechtsansprüchen auf Suche und Ausbeutung von Bodenschätzen, die bereits früher an andere Firmengruppen vergeben worden waren. Der problemlosere Bau der Bahnlinie wurde einfach ohne Wissen der Tswana im Jahre 1892 beschlossen. Als der High Commissioner Sir Henry Loch gegen weitere Willkürmaßnahmen seinen Einspruch erhob, ersetzte man ihn durch einen Freund von Cecil Rhodes.
Cecil Rhodes
Doch da einigten sich die Stammesführer und sandten eine Beschwerde an den Minister der Kolonialverwaltung in London, Joseph Chamberlain. Wegen der Goldvorkommen im Tati zwischen den Flüssen Shashe und Motloutse hatte es mit Rhodes schon Streit gegeben. Khama legte auch wegen dieses Streites mit Cecil Rhodes Protest bei seiner Kolonialmacht ein. Als Briefe nichts nutzten, entschlossen sich Khama III., Bathoen und Sebele, die lange Reise zu Lande und Wasser nach England anzutreten. Cecil Rhodes versuchte noch in Kapstadt, den Dolmetscher und Missionar W. C. Willoughby zu überreden, mit seinen drei Landesfürsten in die Kalahari zurückzukehren. Das gelang ihm jedoch nicht.
In England 1894 angekommen, legte die Delegation folgende Anträge vor:
Betschuanaland sollte wie bisher ein Protektorat unter dem
Schutz
von Queen Victoria bleiben.
Ihre
Unabhängigkeit
von Cecil Rhodes’ British South Africa Company sollte zugesichert werden.
Ihr Land dürfte
nicht verkauft
werden.
In Betschuanaland sollte das
Alkoholverbot
bestehen bleiben.
Chamberlain versuchte zu beschwichtigen, lehnte aber eine Einmischung gegen Rhodes ab. Daraufhin starteten die drei Landesvertreter eine Protestaktion in England. Hilfe fanden sie bei der London Missionary Society. Die unterrichtete Öffentlichkeit stellte sich auf die Seite der Gäste aus Afrika. Der mehrmonatige Druck auf die Regierung und die Befürchtungen, wieder in kriegerische Auseinandersetzungen zu geraten, führten am 7. November 1895 in London zu einer Vertragsunterzeichnung: Danach durfte die Eisenbahnlinie von der BSAC auf dem Gelände der verschiedenen Stämme in Richtung Rhodesien gebaut werden und das Protektorat sollte – wie 1885 ins Leben gerufen – bestehen bleiben. Auch die Stammesgebiete unter Eigenverwaltung der Einheimischen wurden bestätigt.
Die drei Stammesführer in London. Von links nach rechts Chief Sebele, Chief Bathoen und Chief Khama III., Rev. W.C. Willoughby
Die Stammesoberen hatten die diplomatische Schlacht gegen die überlegen scheinende englische Kolonialverwaltung durch ihre Reise, den Protest und die Öffentlichkeitsarbeit gewonnen. Cecil Rhodes musste seine erste Niederlage einstecken. Doch es kam für ihn noch schlimmer: Als Premier der Kap-Kolonie startete er mit seinem Vertrauten Dr. Jameson einen bewaffneten Überfall auf die burische Transvaal-Republik. Er wollte unter unzufriedenen Siedlern einen Bürgerkrieg auslösen. Als Folge wurde aus gesamtpolitischen Erwägungen Cecil Rhodes das Vertrauen von der Kolonialverwaltung und der Protektoratsadministration entzogen. Seine Ansprüche wurden bis auf den nützlichen Bau der Eisenbahn und eine Konzession im Tuli-Block ersatzlos gestrichen. Mit dem Überfall, dem sog. „Jameson Raid”, dem er seinem Mitstreiter Jameson als Alleintäter in die Schuhe schieben wollte, hatte sich Rhodes selbst erledigt.
Krieg zwischen Buren und Engländern
Die Diamantenprofite von Kimberley und die Goldindustrie im Gebiet der Buren ließen britischen Geschäftsleuten – wie Cecil Rhodes – keine Ruhe. Die Regierung in Kapstadt schlug den Buren eine Vereinigung der Kap-Kolonie und Natals mit den Republiken Transvaal und Oranje Freistaat vor. Ziel sollte angeblich eine wirtschaftliche/militärische Stärkung gegen die Bantu-Stämme sein. Die Buren wollten ihre Unabhängigkeit jedoch nicht verlieren. Sie zogen gegen die Engländer in den Krieg. Die Kämpfe von 1899 bis 1902 gingen als Burenkriege in die Geschichte ein.
Die Tswana unterstützten die Engländer bei der Befreiung der besetzten Hauptstadt Mafeking im Jahre 1900. Sie hatten unter der britischen Verwaltung größere Freiheiten erlangt, als sie bei einer Dominanz der Buren zukünftig erwarten konnten. Sie wehrten sich gegen Angriffe im Raum von Palapye und Serowe, Gaborone, Lobatse sowie Mochudi. Der Krieg endete mit dem Friedensvertrag von Vereeniging. Nach einer Übergangsregelung von mehreren Jahren bildete sich 1910 die Union of South Africa als britische Kolonie. Das hat deshalb einen Einfluss auf die südafrikanischen Protektorate Betschuanaland, Basutuland und Swaziland, weil in den Vertragswerken der Union auch die Einverleibung dieser drei Gebiete – einschließlich Rhodesiens – festgeschrieben war. Allerdings wird in dem Vertrag auch erwähnt, dass eine vorherige Befragung der Einwohner dieser Länder vorgenommen werden sollte.
Anspruch der Südafrikanischen Union
Und wieder zog für die Chiefs der Tswana die Gefahr des kompletten Landverlustes auf. Die Engländer wollten das ertraglose Land zur Abrundung an die Südafrikanische Union geben. Das kam den Weißen in Südafrika sehr gelegen, denn sie wollten Farmland gewinnen und die großzügigere Politik der Engländer durch die burische Apartheid ersetzen. Es bestand ferner Interesse an billigen Arbeitskräften, die man schon lange in Botswana und Rhodesien für die Minen rekrutierte.
Khama III. war inzwischen ein Experte zur Verhinderung unbefugter Landnahme geworden. Er legte Protestnoten bei König Georg V. in England vor. Die Eingliederungsabsichten blieben dadurch in der Schwebe. Der Druck auf die Kolonialverwaltung wuchs zwischen 1922 und 1924. Die Union forderte die Übergabe von Betschuanaland und Rhodesien an die Union. Tshekedi Khama und Batheon II. wehrten sich in London so energisch gegen dieses Vorhaben, dass man dort die kriegerische Mobilisierung der Stämme befürchtete.
Die englische Verwaltung regierte schließlich bis zur Unabhängigkeit das Betschuanaland durch die Stammesführer und deren Gefolgsleute im kgotla (dem Versammlungsplatz). Diese indirekte Art der Herrschaftsausübung war wegen des geringen Verwaltungsaufwands äußerst günstig für England. Für die Einhaltung der Gesetze sorgte die kleine berittene „Bechuanaland Border Police”, die aus Bantu-Soldaten und englischen Offizieren bestand.
Positive Entwicklung
In einer friedlichen Volksabstimmung im März 1965 entschieden sich die Bewohner des British Protectorat Bechuanaland zur Verfolgung des Zieles einer unabhängigen Republik Botswana mit der neuen Hauptstadt Gaborone. Am 30. September 1966 startete man als eines der 20 ärmsten Länder der Welt einen demokratischen Versuch. Zu diesem Zeitpunkt verfügte Botswana über 5 km Teerstraße und nur 10 Hochschulabsolventen. Der zukünftige Staat sollte alle Bevölkerungsgruppen in „Recht und Freiheit” zu „Frieden und Wohlstand” führen. Was kein damaliger Beobachter für möglich gehalten hatte, ist zumindest weitgehend Wirklichkeit geworden und gilt bis heute: Die Demokratie in Botswana funktioniert (mit kleineren Abstrichen). Die Verfassung von 1965 führte zu einer selbstständigen Verwaltung innerer Angelegenheiten. 1966 wurde vom ersten gewählten Präsidenten – Seretse Khama – ein Kabinett mit einem Stellvertreter und sechs Ministern bestellt.
Aus den Wahlen war die Botswana Democratic Party (BDP) von Seretse Khama mit 28 von 31 Sitzen der Gesetzgebenden Versammlung (Parlament, Unterhaus) als Sieger hervorgegangen. Das zweite Haus ist das House of Chiefs (Oberhaus, Ntlo ya Dikgosi auf Tswana) und versammelt u. a. die Oberen der acht wichtigsten Stämme des Landes. Hinzu kommen weitere Stammesführer, die auf verschiedene Weise gewählt werden. Das House of Chiefs hat beratende Funktion in Stammesangelegenheiten. Es nimmt Einfluss auf die Gesetzesvorlagen des Parlaments.
→ EXTRA: Sir Seretse Khama – erster Präsident der Republik Botswana
Seretse Khama wurde 1921 als Enkel des Königs Khama III. und Sohn des Fürsten Sekgoma geboren. Nach dem Tod seines Vaters, der lange im Exil gelebt hatte, übernahm aufgrund Seretses jungen Alters zunächst sein Onkel Tshekedi Khama die Regentschaft der Bangwato. Zur juristischen Ausbildung nach Südafrika und später London und Oxford gesandt, lernte Seretse Khama die junge Engländerin Ruth Williams kennen und lieben. Sie arbeitete nach einer vierjährigen Dienstzeit bei der britischen Luftwaffe als Chefsekretärin in London.
Weder Onkel Tshekedi Khama als Vertreter der Bangwato noch die Südafrikaner, die gerade die Apartheid einführten und auf Mitspracherecht im benachbarten Protektorat pochten, waren von der jungen Liebe begeistert. Tshekedi war ein Autokrat und führte den Stamm mit straffer Hand. Er stellte sich gegen den Heiratswunsch und versuchte, durch die englische Regierung und die London Missionary Society Druck auf seinen Neffen auszuüben. Seine Bemühungen führten jedoch nur dazu, dass die anglikanische Kirche eine christliche Trauung versagte. Seretse ließ sich daraufhin im September 1948 standesamtlich trauen. Zur Strafe wurde er des Heimatlandes verwiesen. Er lebte in England im Exil, während zu Hause die Frage seiner Nachfolge ausgefochten wurde. Zweifellos übten auch südafrikanische Kräfte einen großen Einfluss auf die englische Entscheidung aus, denn sie drohten mit einer Blockade des Protektorates. Nach dieser Hochzeit wurde in Südafrika der „Immorality Act” geschaffen. Dieser stellte den Geschlechtsverkehr zwischen Weißen und Schwarzen als Verbrechen unter Strafe.
Sir Seretse Khama mit seiner Frau Ruth 1965
Im kgotla, dem Versammlungsplatz der Banhwato, kam es bei Diskussionen über dieses Thema zu Schlägereien, bei denen es sogar Tote und Verletzte gab. In einem Urteil hieß es dann, dass weder Seretse Khama noch seine Kinder zukünftig zu Stammesoberen aufsteigen dürften. Die Konservative Partei in London stimmte diesem Stammesbeschluss zu. Nach dem Tod von Tshekedi änderten sich die Verhältnisse. Seretse lebte mit seiner Frau, seinen drei Söhnen und seiner Tochter in Serowe. Als erfolgreicher Viehzüchter konnte er sich ohne Stammesverpflichtungen erfolgreich auf die überregionale Politik in der Democratic Party konzentrieren.
Seine Bildung, seine Herkunft und die Ehe mit einer Engländerin machten ihn am 31.4.1965 für alle Bevölkerungsschichten als ersten Präsidenten wählbar. Sowohl der englischen Verwaltung als auch den weißen Farmern war seine Kandidatur genehm. Viele Gesprächspartner betonten in diesen Tagen vor der Wahl: „Seretse ist ein feiner Kerl, und mit seiner Frau wird er uns bei Aufhebung der Ungleichheit zwischen den Bevölkerungsgruppen auf lange Sicht den nötigen Fortschritt bringen.“
Seretse blieb bis zu seinem Tod am 13. Juli 1980 Präsident. Während seiner Regierungszeit war Botswana dank der Diamantenfunde das am schnellsten wachsende Land der Welt und gilt bis heute als Musterland der Demokratie im subsaharischen Afrika. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst von Seretse Khama.
Das – passend zum 50. Jahrestag der Gründung Botswanas – 2016 erschienene britische Kinodrama „A United Kingdom“ der Regisseurin Amma Asante beruht auf dem 2006 geschriebenen Buch „Colour Bar“ von Susan Williams. Es erzählt die besondere Liebes- und Lebensgeschichte von Sir Seretse Khama und Ruth Williams (s. a. S. 70).
Botswana ist nach der Unabhängigkeit der erfolgreiche Übergang in eine friedliche Demokratie gelungen, die seit 1965 bis heute als durchaus stabil zu bezeichnen ist, was nur wenige, vor allem nur wenige rohstoffreiche afrikanische Länder nach der Unabhängigkeit geschafft haben. Es hat nie einen Militärputsch gegeben, keine politischen Gefangenen und regelmäßige Wahlen. Die Entwicklung der stabilen Demokratie wurde dabei nicht unwesentlich durch das rasante Wirtschaftswachstum gestützt, das allerdings nicht allen Bewohnern zugutekam und kommt.
Keine formelle Kolonie
Diese positive Entwicklung hat verschiedene Gründe. Zum einen war Botswana nie formelle Kolonie Englands, sondern ein Protektorat, das mit einem Minimum an Aufwand verwaltet wurde. Dadurch konnten sich die internen, traditionellen Strukturen der Tswana weitgehend erhalten. Zudem brach durch den Wegfall der Fremdherrschaft keine alte Feindschaft mit benachbarten Staaten auf oder ein Bürgerkrieg im Land aus, was auch auf die dominante Stellung der Tswana im Verhältnis zu den anderen Ethnien zurückzuführen ist. Zudem wurde das Land unter Seretse Khama in die Unabhängigkeit geführt, der bereits vorher das Vertrauen und die Unterstützung der Bevölkerung besessen hatte. Es war nicht, wie z. B. in Namibia mit der SWAPO, eine radikalisierte Befreiungsorganisation im Spiel, es gab weder revolutionäre Ideologien noch Hasstiraden oder gewaltsame Auseinandersetzungen oder Anschläge gegen die Engländer. Ein weiterer Vorteil war sicher, dass die großen Diamantenvorkommen erst nach der Unabhängigkeit entdeckt wurden und sich somit keine externen Kräfte mehr in den Verteilungsprozess einmischen konnten. Zudem war nun genug Geld vorhanden, den Modernisierungsprozess des Landes voranzutreiben.
Keine Revolution
Der erste Präsident wusste die günstigen Voraussetzungen zu nutzen und bemühte sich um die Modernisierung seines Landes, ohne die Traditionen außer Acht zu lassen. So band er z. B. die traditionellen Ratsversammlungen der Dörfer (kgotla) in manche von der Regierung getroffenen Entscheidungen mit ein bzw. fragte um Rat. Diese Versammlungen, bei denen jeder seine Meinung sagen durfte, ließen sich gut mit dem westlichen Demokratieverständnis verbinden.
Rohstoffreich
Schon kurz nach der Unabhängigkeit gab die De Beers Botswana Company reiche Diamantenfunde bei Orapa und später noch bei Letlhakane sowie Jwaneng bekannt (s. S. 39f.). An den Gewinnen ist der Staat mit 50 % beteiligt. Die Gewinnung von Kupfer, Kobalt und Nickelkonzentraten entwickelte sich in Selebi-Phikwe bei Francistown. Der Kohleabbau wurde bei Morupule von der Anglo American Company aufgenommen. Die Soda-Herstellung aus natürlichen Salzen der Sua-Pan arbeitete auf der Grundlage eines Firmenverbunds zwischen der British Petroleum (BP) und der Botswana-Regierung. Staatliche Zusammenarbeit mit Firmen, die das Know-how haben, war ein Geheimnis des wirtschaftlichen Aufschwungs.
Anfang der 1990er-Jahre geriet Präsident Masire, 1980 zum Nachfolger von Seretse Khama gewählt, zunehmend unter Druck. Bei den Wahlen 1994 erlitt die Botswana Democratic Party – im Kontext einer Wirtschaftskrise – Wahlverluste zugunsten der Botswana National Front, der einzigen nennenswerten Opposition. Die Kritik an Dr. Masire gipfelte im April 1998 in dessen Rückzug aus der Politik.
Auch in einem der stabilsten Länder Afrikas schaut der Nachwuchs in eine unsichere Zukunft
Nachfolger wurde Festus Mogae, in dessen Amtszeit weitere zehn politisch stabile und von Wirtschaftswachstum geprägte Jahre folgten. 2008 wurde dem „Vorzeigedemokraten“ der Mo-Ibrahim-Preis im Wert von fünf Millionen Dollar verliehen. Es handelt sich um den höchstdotierten individuellen Preis der Welt. Die Auszeichnung ist benannt nach ihrem Sponsor, einem sudanesisch-britischen Mobilfunk-Unternehmer, der einen Beitrag zur Befreiung Afrikas von korrupten Herrschern leisten möchte. Damit sollte die erfolgreiche Regierungszeit als Beispiel für good governance gewürdigt werden, zudem sein Kampf gegen AIDS. Botswana war eines der ersten Länder, in denen antiretrovirale Medikamente landesweit frei erhältlich wurden. Nach Mogaes verfassungsgemäßem Rücktritt nach zehn Jahren im April 2008 übernahm Ian Khama, Militär-Pilot, ehemaliger Generalleutnant, Vize-Präsident und Sohn von Seretse Khama, das Amt. Der Amtswechsel sorgte innenpolitisch für Aufruhr, auch weil Khama einige Militärs in hochrangige Regierungspositionen beförderte – in dem friedlichen Land eine weithin kritisierte Entscheidung.
Sieg für die Botswana Democratic Party
Khama kündigte an, die Politik Mogaes fortführen zu wollen und betonte sein Bekenntnis zur Demokratie. Als einer von wenigen afrikanischen Staatschefs kritisierte er den ehemaligen Präsidenten Simbabwes, Robert Mugabe, für sein jahrzentelanges Festklammern an der Macht. Die Wahlen im Oktober 2009 brachten Khama trotz der Diamantenkrise und innerparteilicher Querelen 52 % der Stimmen und eine 2/3-Mehrheit der BDP im Parlament. Die Oppositionsparteien erhielten für insgesamt 46 % der Stimmen nur zwölf Sitze. Das bis heute geltende Mehrheitswahlrecht benachteiligte die aus vielen kleinen Parteien bestehende Opposition.
Bei den Wahlen 2014 kam es daher zu Bündnisbildungen unter den kleineren Parteien, was insgesamt zu einer Stärkung der Opposition führte. Im Verhältnis zur Regierung und zum Präsidenten verfügt das Parlament jedoch nur über eine sehr eingeschränkte Gestaltungskraft.
Nach Khamas verfassungsmäßigem Rücktritt nach zehnjähriger Amtszeit wurde Mokgweetsi Masisi im April 2018 als neuer Staatschef vereidigt. In der Folgezeit gab es schwere Unstimmigkeiten zwischen Masisi und Ex-Präsident Khama, die 2019 mit Khamas Austritt aus der BDP endeten. Khama unterstützte bei der Parlamentswahl 2019 die Opposition. Die BDP konnte die Wahl dennoch mit 52,6 % der Stimmen gewinnen und Masisi wurde im Amt bestätigt.
„Dachverband für demokratischen Wandel“
Die Parlamentswahlen vom 30. Oktober 2024 beendeten die fast sechs Jahrzehnte währende Vorherrschaft der BDP. Seit dem 1. November 2024 ist Duma Boko (geb. 1969 in Mahalapye), Jurist und Mitbegründer des oppositionellen Parteienbündisses Umbrella for Democratic Change (UDC), das u. a. aus der vormaligen Partei Botswana National Front (BNF) hervorging, der 6. Staatspräsident Botswanas. Im Wahlkampf hatte Boko den Schwerpunkt auf wirtschafts- und sozialpolitische Themen gesetzt. Er versprach u. a. innerhalb seiner Amtszeit 400.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen und den Mindestlohn zu verdoppeln. Zudem strebt Boko die Ausweitung der landesweiten Gesundheitsversorgung sowie die Diversifizierung der aus seiner Sicht zu stark diamantenabhängigen Wirtschaft an.
Das Staatswappen gibt einige Schlüsselinformationen über das Land. Die drei Wellen im Schild deuten die Notwendigkeit von Wasser an. Drei Zahnräder sind ein Zeichen für die Industrie, die man aufzubauen und zu stärken versucht. Der Ochsenkopf steht für Rinderzucht und Fleischproduktion. Ein flankierendes Zebra hält einen Elefantenzahn, um auf den Wildreichtum aufmerksam zu machen, und das zweite Zebra hat vor sich eine Hirseähre als Symbol des Ackerbaus.
Pula als geschriebenes Motto im unterlegten Spruchband bedeutet Regen. Dieses Wort ist neben der Bezeichnung der Landeswährung im übertragenen Sinn auch ein Grußwort zwischen den Menschen, nämlich „Willkommen mit Regen”!
(alle Daten n. Chr.)
250 Siedler der frühen Eisenzeit in Transvaal
400 Siedler der Eisenzeit am Shashe- und Limpopo-Fluss
700 Siedler der frühen Eisenzeit in Südost-Botswana; Vorfahren der Tswana siedeln in Transvaal.
750 Siedler der Eisenzeit am Toutswemogala, Boteti, bei Tsodilo, Kasane und Lobatse
1400 Kgalagadi siedeln in Botswana.
1500 Rolong siedeln bei Molopo.
1550 Kwena stoßen auf Kgwatlheng, die am Molepolole siedeln.
1813 John Campbell, erster Missionar der Londoner Missionsgesellschaft, besucht die Tswana.
1817 Gründung der Kuruman Missionsstation
1835 Der Große Treck gelangt nach Transvaal; Khama III. der Ngwato vermutlich geboren.
1837 Die Ndebele ziehen nördlich von Mosega.
1841 Livingstone erreicht die Tswana.
1871 Kgatla ziehen von Transvaal nach Mochudi.
1872 Khama III. wird Stammesfürst der Ngwato.
1885 Verkündigung des Protektorates, das sich von der nördlichen Grenze der Kap-Kolonie bis zum 22. Grad südlicher Breite ausdehnt.
1895 Besuch der drei Stammesoberen in England, um bei Königin Victoria gegen die Übernahme der Verwaltung des Protektorates durch die British South Africa Company zu protestieren. Der Teil des Protektorates südlich des Molopo-Flusses wird der Kap-Kolonie einverleibt.
1897 Vollendung der Mafeking-Bulawayo-Eisenbahnlinie
1921 Seretse Khama wird in Serowe geboren.
1923 Am 21. Februar stirbt Khama III.
1936 Das System der lokalen Regierungen wird legalisiert.
1938 Stammes-Schatzhäuser werden errichtet.
1950 Errichtung eines gemeinsamen Beratungsgremiums mit schwarzen und weißen Mitgliedern
1961 Das Protektorat erhält eine neue Verfassung mit Exekutive und Legislative.
1965 Im Februar Verlegung des Hauptquartiers des Protektorates von Mafeking nach Gaborone; am 1. März finden allgemeine Wahlen statt; die interne Selbstverwaltung beginnt.
1966 Am 30. September Proklamation der unabhängigen Republik von Botswana; Sir Seretse Khama wird erster Präsident.
1967 Entdeckung der zweitgrößten Diamantenvorkommen der Welt bei Orapa
1971 Die Orapa-Mine nimmt ihre industrielle Produktion auf.
1975 Botswana führt die eigene Währung, den „Pula”, ein.
1980 Am 13. Juli stirbt Botswanas erster Präsident Sir Seretse Khama; am 18. Juli wird Dr. Quett Masire Präsident der Republik Botswana.
1982 Das Land wird von der schlimmsten Trockenheit seit 20 Jahren bedroht. Bis zu 75 % der Mais- und Hirseernte werden durch die Dürre vernichtet.
1984 Bei den Parlamentswahlen vom 8. September erringt die regierende Democratic Party von Präsident Dr. Quett Masire einen überragenden Sieg (28 von 34 Sitzen); auf die linksorientierte Botswana National Front entfallen 4 und auf die Botswana People’s Party 2 Mandate.
1985 Kommandoeinheiten der südafrikanischen Armee überfallen und zerstören am 14. Juni in der Hauptstadt Gaborone angebliche Stützpunkte der damals als militant eingestuften Anti-Apartheidsorganisation ANC (African National Congress). Mindestens 11 Menschen kommen ums Leben. Die Kommandoaktion, die von der botswanischen Regierung aufs Schärfste verurteilt wird, ist der erste derartige Überfall auf Botswana. Am 22. Juni verurteilt der UNO-Sicherheitsrat einstimmig die Militäraktion.
1989 Die BDP gewinnt die Parlamentswahlen und Dr. Masire bleibt im Amt.
1994 Die Botswana Democratic Party gewinnt zum 6. Mal die Wahlen.
1998 Festus Mogae löst Dr. Masire als Präsident ab.
1999/2004 In beiden Jahren wird gewählt. Die BDP geht jeweils als Sieger hervor und Präsident Mogae bleibt im Amt.
2008 Mogae gibt das Amt des Präsidenten nach erfolgreicher zehnjähriger Amtszeit an seinen Nachfolger Ian Khama ab.
2009 Die schwere Wirtschaftskrise stürzt Botswanas Diamantenindustrie in ein Tief, Tausende Arbeiter werden entlassen. Dennoch wird die BDP mit Khama bei den Wahlen im November bestätigt.
2011 Das höchste botswanische Gericht entscheidet im Streit um die Landnutzung im Central Kalahari Game Reserve zugunsten der San (s. S. 63f.).
2014 Aus den Parlamentswahlen geht die Opposition durch Bündnisbildung gestärkt hervor. Dennoch bleibt die BDP mit Khama weiterhin unangefochten die stärkste Kraft im Land.
2018 Ian Khama gibt nach zehnjähriger Regierungszeit seinen Rücktritt bekannt. Nachfolger wird Mokgweetsi Masisi.
2019 Ex-Präsident Ian Khama verlässt nach Auseinandersetzungen mit Masisi die BDP und unterstützt bei der Parlamentswahl im Oktober die Opposition. Dennoch gewinnt die BDP mit 52,6 % und Präsident Masisi wird im Amt bestätigt.
2020 Die Reise- und Handelseinschränkungen im Zuge der Covid-19-Pandemie treffen sowohl den Tourismus als auch den Bergbausektor Botswanas schwer.
2023 Seit Anfang 2023 steigen die Besucherzahlen wieder deutlich an, und die Tourismusbranche wird weiter konsequent ausgebaut. Zudem werden die Jagdquoten erhöht – 336 Elefanten, und erstmalig auch 75 Leoparden, sind zur Jagd freigegeben.
2024 Bei den Parlamentswahlen am 30. Oktober siegt der Jurist und langjährige Oppositionspolitiker Duma Boko mit seinem Parteienbündnis Umbrella for Democratic Change (UDC). Er ist seit dem 1. November der 6. Präsident Botswanas. Seine Amtseinführung findet am 8. November im Nationalstadion von Gaborone statt.
2025 Im August ruft die Regierung den öffentlichen Gesundheitsnotstand aus. Präsident Boko erklärt, die Lieferkette für Medikamente sei zusammengebrochen und kündigt Notfallmittel für die Medikamentenbeschaffung an; die Verteilung wird dem Militär übertragen. Die seit einigen Jahren stetig sinkende Diamantenproduktion aufgrund der weltweit schwächelnden Nachfrage wirkt sich weiterhin negativ auf die Wirtschaftskraft aus und verschärft den fiskalischen und außenpolitischen Druck auf das Land.
s. auch Karte S. 41
Binnenland
Botswana bedeckt 581.730 km2 (Deutschland 357.042 km2). Die nächste Entfernung zum Meer (Indischer Ozean) beträgt 500 km Luftlinie. Zweidrittel der Landesgrenzen werden von Flüssen gebildet, wovon jedoch nur ein Teil zur Regenzeit fließt. Das Land ist im Wesentlichen eine flache, zu zweidritteln sandbedeckte Fläche mit einer durchschnittlichen Höhe von 1.000 m über NN. Zum Osten hin wird dieses Becken von niedrigen Gebirgsketten umsäumt. Die gesamte Fläche ist mit der Makgadikgadi-Pfanne verbunden, die den tiefsten Teil der Gesamtlandschaft ausmacht. Das Land steigt Richtung Westen, also nach Namibia hin, langsam an. Zweidrittel der Fläche werden von Kalahari-Sanden bedeckt. Die Kalahari besteht aus weiten, aufgewehten Sandfeldern, die von einer Trockensavannen-Vegetation festgehalten werden. Übriggebliebene Inselberge gehören dabei zu den markanten landschaftlichen Erscheinungen.
Der Bergrücken der Aha Hills und über den Drotsky’s Caves besteht aus Kalk- und Dolomitgestein
Verzweigtes Flusssystem
Der Okavango, der dem angolanischen Bergland entstammt, ist der drittgrößte Fluss im südlichen Afrika (neben Oranje und Sambesi). Ebenfalls aus Angola fließt der Kwando ein. Sobald diese Flüsse Botswana erreichen, fächern sie sich auf und bilden Sumpfsysteme, die von Seen und Kanälen beherrscht werden. Der Norden des Landes ist von ihnen gekennzeichnet. Der Kwando, der südwärts fließt, bildet in seinem Endverlauf ein dem Okavango-System zugehöriges Delta. An den Popa-Stromschnellen bildet der Okavango einen „Pfannenstiel”, bevor er sich zu seinem Delta ausbreitet, das insgesamt 15.000 km2 bedeckt. Nach Osten hin ist dieses System mit den Makgadikgadi Pans durch den Boteti verbunden.
Etwa 95 % des Okavango-Wassers verdunsten. Einst hat das Makgadikgadi-Okavango-System vermutlich einen großen See gebildet. Das war vor vielleicht ca. 20.000 Jahren der Fall, als die Pluvialzeiten (Regenzeiten, als Gegenstück zu den europäischen Eiszeiten) für viel Wasser sorgten. Das Delta selbst dürfte eine Verlängerung des östlichen und zentralen afrikanischen Grabensystems darstellen. Es handelt sich hierbei um tiefe Risse im afrikanischen Festlandsockel. Ein Beweis für die früher größeren Wassermassen dürften alte Uferlinien im Makgadikgadi-System sein. Man vermutet, dass die Wassertiefe bis zu 25 m betragen hat. Doch Klimaschwankungen sowie tektonische Bewegungen haben den See zum Austrocknen gebracht.
Gesteinsformation
Der größte Teil Botswanas ist von Kalahari-Sanden verweht, die Landesmitte ist flach. Unter dem Sand begraben liegen ältere Gesteinsformationen, besonders entlang der östlichen Landesgrenze. Vereinzelt herausragende Berge („Inselberge”) kommen im Westen und Nordwesten vor. Das Grundgebirge des östlichen Botswana besteht aus gefalteten und metamorphisierten Gesteinen (also Gesteinen, die durch Hitze und Druck gebildet wurden). Darauf liegen jüngere Sedimentgesteine. Auffallend sind die Felsen der Ghanzi-Gebirgskette. Diese bestehen aus Sandstein. In der Gegend der Aha-Hügel gibt es Dolomit und Quarzit, da-rüber sind Granitgesteine gelagert. Das Alter dieser Formationen dürfte 450 Millionen Jahre betragen. Unter den Kalahari-Sanden liegen Karoo-Sedimente und Lava unbekannter Mächtigkeit. Die Kalahari-Sande sind die jüngsten geologischen Sedimente und erreichen eine Mächtigkeit von 5.200 m Dicke.
Das Klima Botswanas wird verallgemeinernd als „arid” bezeichnet, was bedeutet, dass der Niederschlag geringer als die Verdunstung ist. Deshalb ist das Land trocken und verfügt über keine eigenen Dauerflüsse. Die nach Botswana einfließenden Gewässer entspringen stets in Regionen, die wesentlich niederschlagsreicher sind (z. B. der aus dem angolanischen Bergland stammende Okavango). Neben den Niederschlagsmengen spielt aber eine wesentliche Rolle der Unsicherheitsfaktor, mit denen die Niederschläge tatsächlich eintreffen.
Regen- und Trockenzeit
Natürlich kennt Botswana auch Jahreszeiten, die aber als „Winter” und „Sommer” deklariert eine andere Bedeutung haben als in Europa. Die Jahreszeiten sind auf der Südhalbkugel umgekehrt. Verallgemeinernd bedeutet Winter hier Trockenzeit, während die Sommermonate als Regenzeit bezeichnet werden. Die Trockenzeit beginnt im Ende April/Anfang Mai und dauert bis Ende August an. In dieser Periode fällt in der Regel kein Regen, der Himmel ist strahlend blau. Die Temperaturen können je nach Region nachts unter null Grad fallen, während es tagsüber angenehm warm wird.
Der Sommer kündigt sich mit steigenden Temperaturen und ersten Regenfällen im September an. Die intensivsten Regenfälle sind zwischen Dezember und März zu beobachten, oft von heftigen Gewittern begleitet. Nicht selten fallen dann innerhalb weniger Stunden 10–20 mm Niederschlag. Über 60 % des Niederschlags fallen in kurzen, heftigen Schauern. Von Ende November/Dezember an ist die Vegetation grün, ab April trocknen das Land und die Pflanzenwelt allmählich aus. Ab Juni ist Botswanas Vegetation gelb, im September fallen die Blätter von den Bäumen, sodass der Schatten spärlich wird und die Sonne unbarmherzig brennt. Nach den ersten Regenfällen sprießt sofort die junge Vegetation, das Land ergrünt, und der beschriebene Jahreszyklus setzt sich fort.
Die Niederschlagsmenge und -sicherheit nimmt von Norden nach Süden ab. Eine kleine Tabelle vermittelt einen Überblick:
Region
Durchschnittlicher Niederschlag/Jahr
Niederschlagssicherheit
Nord-Botswana
650 mm
+- 25 %
Ost-Botswana
500 mm
+- 30 %
Südwest-Botswana
250 mm
+- 80 %
Problem der Überweidung
Seit etwa 50 Jahren findet in Botswana eine regelmäßige Wettermessung statt, seit etwa 100 Jahren in der angrenzenden nördlichen Kapprovinz von Südafrika. Deshalb konnte man Klimaveränderungen nachweisen. Man registrierte, dass in vielen Gebieten aufgrund von Überweidung und durch die globale Klimaerwärmung die Durchschnittstemperatur bereits deutlich angestiegen ist. Parallel dazu sanken die Tiefsttemperaturen. Für die Vegetation ergibt sich daraus die Schwierigkeit, sich an eine größere Mittagshitze sowie Nachtkälte anzupassen. Dort, wo die Grasnarbe durch Überweidung stark zerstört wurde und offene Sandflächen entstanden sind, haben sich die Differenztemperaturen zwischen Tag und Nacht um etwa 7 Grad erhöht. Und mit dem Verschwinden einer schützenden Vegetationsdecke kommt es dazu, dass Regen kaum mehr versickert, sondern vermehrt schnell abfließt.
Beste Reisezeit für einen Besuch Botswanas ist die Zeit vom Mai bis zum späten September. In dieser Zeit ist das Wild auf permanente Wasserstellen konzentriert. Kühle Nachttemperaturen, erträgliche Wärme tagsüber sowie wenig Regen machen das Klima angenehm. Ab Oktober sind auch die Nächte warm, die Tage heiß und drückend (viel trinken!). In dieser Zeit kann man auch gute Wildbeobachtungen machen, denn große Herden konzentrieren sich auf die Dauerflüsse. In der Regenzeit dagegen sind große Herden nur in entlegenen Gebieten zu beobachten.
Angelparadise Okavango-Delta und Chobe
Angeln ist nur im Norden möglich, hier insbesondere im Okavango-Delta, wo für Touristen an zahlreichen Orten ein- bis mehrtägige Angel-Safaris (buchbar über Veranstalter wie z.B. africanwaters.net oder www.okavangohouseboats.com/fishing, aber auch vor Ort in Lodges und Camps) angeboten werden. Am Fluss Chobe kann ebenfalls das ganze Jahr über geangelt werden. Im Okavango-Delta und im Chobe trifft man vorwiegend auf Tigerbarsche, Brassen und Barben, wobei die Tigerbarsche im tiefen Okavango River (im Bereich Panhandle) für ihre enorme Größe und ihre deutlich sichtbaren, tigerähnlich geformten scharfen Zähne bekannt sind. Allgemein wird nach dem Motto „catch and release“ geangelt: Nach dem Fangen, Wiegen und Abmessen werden die Fische wieder ins Wasser entlassen, zumeist kann aber ein Exemplar für den Verzehr einbehalten werden. Die günstigste Zeit zum Angeln ist zwischen Mitte April und Mitte November sowie in September und Oktober. Im Osten Botswanas befinden sich Fischgründe fast ausschließlich in Privathand.
Ein Besuch der Kalahari
