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Der über Jahre erfolgreiche "Champion" steht vor dem Kampf seines Lebens...nochmals zurück an die Welt-Spitze des Boxens. In Mexiko bereitet er sich in einem Trainingskampf auf seinen Kampf des Jahrhunderts vor.
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Seitenzahl: 139
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Michael Wintlinger
Boxer sterben nicht
Kampf ums Überleben
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1.Jeden Kampf
2.Vor der Halle
3.In der Nacht
4.Morgendämmerung
5.Schlaflosigkeit
6.Fuck
7. Nachts
8.Am Morgen
9.Sugar Hernandez
10.Ein mieser Tag
11.Auf dem Markt
12.Wenn die Sterne vom Himmel regneten
13.Die Mädchen
14.Am Morgen
15.Rigley
16.Im Ring
17.In der Nacht
18.Der Masseur
19.Der Argentinier
20.Nach dem Training
21.Der Stierkämpfer
22.Ausgelutscht
23.Bandage
24.Ich bin Carlos
25.Der Junge
26.Nach dem Training
27.Besoffen wie tausend Russen
28.Mexikanische Nächte
29.Auf dem Markt
30.Stretching
31.Orange
32.Dollarnoten
33.Der Kampf rückte näher
34.Vierzig Grad
35.White Hair
36.Die Halle war totenstill
37.Banco de Mexico
38.Deal ist deal
39.Die Koffer gepackt
40.Unterwegs in Ajiic
41.Im Nachtklub
Glossar - Schlag-Varianten beim Boxen
Glossar - La Cucaracha
Impressum neobooks
Das war ein mieser Tag. Er sah alles wie durch eine Nebelwand. Verschwommen. Bilder von den alten glorreichen Zeiten blitzten vor seinen Augen auf. Er kam sich vor wie in einem Traum.
Er stolperte unbeweglich und steif durch den Ring. Die alte Schnelligkeit war verschwunden. Die frühere Leichtigkeit war wie weggeblasen.
Das Katzenhafte war weg. Die Geschmeidigkeit. Und das Auge fehlte. Die Wachheit. Die Alarmglocke bei Angriffen des Gegners schien nicht zu funktionieren.
Seine Reaktion hatte nachgelassen. Er schien neben sich zu stehen und wirkte wie gelähmt.
„Nimm die Hände hoch“, schrie Mike.
Er war nur noch ein Abklatsch früherer Tage. Sein Atem ging schwer.
Mann, der Schwarze vermöbelte ihn nach Strich und Faden.
Wieder ein Treffer. Ein harter Schlag gegen den Körper traf ihn mit voller Wucht in Höhe der Leber. Er flog auf den Hosenboden.
Er erhob sich, stütze sich mit den Händen ab, spuckte in den Eimer in der Ring-Ecke und hielt sich an den Seilen fest. Scheiße. Er krümmte sich vor Schmerzen.
Mike, sein Trainer, beendete das Training. Wenn sich sein Schützling in der Vorbereitung für den großen Kampf verletzte, dann war die ganze Chose umsonst.
Jep stieg mit weichen Knien aus dem Ring und ging in den Umkleideraum. Er war ausgepowert. Konnte er einen Zwölf-Runden-Kampf durchhalten?
Er legte sich auf die Massagebank. Willy, sein Masseur, knetete ihn durch. War er nicht mehr der Alte?
„Blöder Tag! Er hat mir die Fresse poliert“, raunte er.
„Du hast noch acht Wochen Zeit“, sagte Willy.
„Ich bin außer Form!“
„Du wirst bald fit sein wie früher.“
„Er hat mich zweimal niedergeschlagen.“
„Das war Pech! Lucky Punch! Das kann passieren!“
Jep schossen Gedanken durch den Kopf, die sich nicht zu Sätzen formten. Er war ein bulliger muskulös untersetzter Boxer. Sein Körper und sein Geist waren ausgelaugt. Zweifel beschlichen sein Wesen.
Die Hände des Masseurs flogen wieselflink über Körper und Haut des Boxers.
Der Zauber seiner Finger berührte Haut und Seele, alle Schmerzen waren weg, die ihm das Leben und andere Menschen zugefügt hatten. Die unsichtbaren Treffer. Die Giftpfeile der Lügner und Verräter.
Jeder Muskel schmerzte.
Jep schloss die Augen.
Die alten guten Kämpfe, die Siege waren aus seiner Erinnerung gelöscht, wie die Festplatte eines aussortierten Computers, und verdammt, wenn er gegen Sugar gewann, war er wieder im Geschäft. Ein Moskito landete auf seiner Stirn. Der Masseur klopfte ihm auf die Schulter.
„Dreh dich um, Champ!“, weckte Willy ihn.
„Sie sagen, they never come back“, raunte der Boxer
„Du bist bald wieder fit, Junge“, warf Mike ein.
„Ich kann die Natur nicht überlisten“, sagte Jep.
Willy sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an: „Mann, du wirst es schaffen!“
„Wenn die Batterie leer ist, tickt die Uhr nicht mehr“, antwortete Jep.
“Das sind Sprüche. Was die Leute so reden. Klischees! Du hast bald dein früheres Kampfgewicht. Die Wahrheit zeigt sich im Ring“, säuselte Mike.
Der Trainer war eine Frohnatur.
„Du bist doch kein alter Opa!“
Jep blinzelte: „Bin ich nicht langsamer als früher?“
„Wir müssen noch ein paar Kilo abkochen“, sagte Mike.
„Ich bin langsam wie eine Schnecke.“
„Komm, daran darfst du nicht denken! Die Psyche ist das A und O! Du kannst einen Haufen Geld verdienen.“
Geld nur immer Geld. Nicht anderes kam aus dem Mund von seinem Manager.
Jep war zornig, wie der Himmel bei einem Gewitter. Er blieb ruhig.
Nach der Massage duschte er.
Willy und Mike steckten die Köpfe zusammen. Der Masseur machte sich Sorgen.
„Ich hab Angst, dass er Schaden nimmt gegen Sugar“, sagte er.
„Wieso?“, fragte Mike.
„Hast du nicht gesehen, wie der Schwarze ihm auf den Kopf schlug. Eines Tages wird seine Birne weich sein. Wie pürierter Spinat. Wie bei Cassius Clay“
„Mann! Boxen besteht aus Fresse polieren!“, raunte Mike.
Willy war ein kleiner gedrungener Typ. Er war ein Mittelgewicht. Seine Nase war platt geschlagen.
Er hatte im Leben viel auf die Schnauze bekommen. Er wohnte in Brooklyn New York, wo er auch aufgewachsen war.
Mike fuhr über seine Glatze. Er war hager, drahtig, mit tiefen Falten im Nacken. Die kleinen braunen Flecken auf der Stirn und unter den Augen waren von der Sonne verursacht. Da er in Miami South Beach lebte, war sein Gesicht braun gebrannt. Er überlegte kurz und sagte: „Ich muss seine Deckung verbessern. Im Nahkampf darf er die Fäuste nicht fallen lassen. Er ist nicht aggressiv genug.“
„Als er jünger war, war das kein Problem.“
„Was willst du damit sagen?“
„Er sollte zurücktreten, Mike. Schau dir seine Reflexe an. Soll er im Rollstuhl enden?“
„Mensch halt die Klappe. Der Kampf gegen Sugar ist seine letzte Chance. Er sagte, dass er den Kampf will. Wenn er gewinnt macht er richtig Schotter.“
„Ein großer Boxer muss zur rechten Zeit aufhören.“
„Er muss clever kämpfen. Aus einer sicheren Deckung heraus muss er geduldig auf seine Chance warten und Sugar mit Körperschlägen zermürben. Schlag um Schlag. Dann wird der Bohnenfresser Fehler machen.“
„Sie haben ihn früher das Gespenst genannt. Keiner konnte ihn erwischen. Und er überfiel sie mit einem Feuer aus verschieden Haken überfallartig im Nahkampf. Und jetzt? Schau in seine Augen. Das Feuer ist erloschen.“
„Mann, du Pessimist. Er ist die einzige weiße Hoffnung.“
Nach der Dusche lockerte sich Jep mit Dehnungen. Er arbeite eine Weile am Pendel. Um langsam aus dem harten Rhythmus des Trainings zu kommen. Er führte ein Zwiegespräch, während er auf den Ball einschlug. Beiße dich durch, Jep. Noch bist du kein alter Mann. Träumen war erlaubt. Aufgeben würde er erst, wenn er in der Kiste lag. Er legte den Bademantel ab, zog seine Kleidung an, Jeans und ein kariertes offenes Hemd. Er setzte seinen Stetson Hut auf und ging.
Vor der Halle peitschte ihn die Sonne. Es roch nach Tintenfisch. Ein Straßenhändler hantierte an seinem Grill. Jep kaufte ein geeistes Limonen Getränk.
In dem kleinem malerischen mexikanischen Ort Ajiic fühlte er sich wohl. Er lag auf einem Hochplateau am See Chapala, dem größte Binnensee des Landes.
Es war nicht weit nach Guadalajara, wo der Kampf stattfand. Er schlenderte über den Markt. Ein Händler empfahl seine Avocados.
„Vier Stück bitte! Und die Grapefruit. Ein Kilo Tomaten!“
Der Händler packte alles in eine Tüte. Jep bezahlte.
An einem Stand gab es Lamm- Fleisch, auf dem Fliegen saßen. Ein junge Frau bot DVDs an. Jep durchsuchte die vollen Kisten.
Amerikanische Touristen störten ihn: „Hallo, Champ! Haben Sie Zeit für ein Autogramm?“
„Klaro!“
Schwungvoll unterschrieb er Fotokarten und verteilte diese.
„Thanks, Leute, ihr seid großartig.“
„Ich setze all mein Geld auf dich“, rief einer.
Jep ging zur Plaza.
Ein Junge sprach den Boxer an: “Hola. Gewinnst du gegen Sugar?“
„Ich weiß nicht. Ich werde alles geben.“
„Sugar ist schnell. Er hat die größere Reichweite.“
„Er ist ein guter Boxer.“
„Kaufst du mir ein Eis?“
Jep blieb stehen, sah ihn blinzelnd an: „Wie heißt du?“
„Juan. Ich werde für dich beten.“
Jep ging zum Eisverkäufer. Er kaufte zwei Tüten Eis. Er setzte sich mit dem Jungen auf eine Bank. Die Sonne brannte wie loderndes Feuer. Es war ein heißer Tag. Die Hitze war trocken. Sie saßen vor der Kathedrale. Ein Losverkäufer kam. Er baute sich vor dem Boxer auf: „Señor, heute ist ihr Glückstag, im Jackpot sind 12 Millionen.“
Jep nahm ihm ein Los ab. Er gab es Juan.
„Wer ist dein Favorit?“
Über sein junges unschuldiges Gesicht huschte ein breites Lachen : „Sollte ich nicht ich zu Sugar halten?“
„Warum?“
„Er ist wie ich Mexikaner. Wir halten zusammen.“
„Sugar ist ein guter Boxer.“
„Er ist jung, Señor!“
„Du hältst mich für zu alt, oder?“
„Mein Vater sagte, ab einem gewissen Alter wird aus dem Leben eine Niederlage.“
„Ich muss vorsichtig boxen. Aus einer guten Deckung heraus. Werde ich wie ein Stierkämpfer vorgehen. Sobald er einen Fehler macht. Kurze Stiche. Mehrere Haken. Kurze Überfälle. Auf den Körper. Trommelfeuer. Angreifen und sofort zurückweichen. Ihn windelweich schlagen. Bis ihm die Luft fehlt. Ich muss wieselflink sein.“
„Er ist schnell, wie eine Antilope. Er hat lange Arme wie Degen, Champ.“
„Die Jugend triumphiert eines Tages. Ich werde nicht jünger.“
„Du darfst nicht aufgeben.“
„Klaro! Amigo!“, sagte der Boxer.
Er streichelte das Gesicht des Jungen und ging weiter.
In der Nacht wachte der Boxer auf. Das Schlafmittel wirkte nicht. Im Moment hatte er einen Hass auf sich selbst. Er ging zum Bad, wusch sein Gesicht und sah in den Spiegel. Er blickte in die müden Augen, fetten Tränensäcke, schlaffen Mundwinkel und der graue Dreitagebart, all dies war ernüchternd. Wo war die Jugend geblieben?
Sie war abgestorben wie eine Blume, die kein Wasser bekommen hatte. Er sah sich an wie einen Fremden.
Erinnerungen bedrängten ihn. Er war auf Jagd mit dem Vater. Sie hatten den Hirsch erledigt. Bum. Ein Blattschuss. In den Rockys. Colorado. Woody Creek. Oben auf dem Gebirge. Adler sah er nun, die flügelschlagend am blauen Himmel klebten. Die alte Unbekümmertheit würde nicht mehr zurückkehren.
Er schlug nach einem Moskito, als wolle er das ganze Leben wegwischen. Mit einem Ruck. Das Insekt schwirrte um seine Nase herum.
Ameisen flitzten über die roten Fliesen. Und eine schwarze Spinne.
Er bestellte ein Taxi, das ihn zum Hurenhaus brachte.
Es war ein düsteres Lokal mit billiger Einrichtung, die aus Gartenmöbeln aus Plastik bestand. Rechts war eine Theke. Hinten eine Bühne mit Stange. Eine Frau tanzte. Sie war dürftig begleitet. Geile Männer starrten sie gierig an.
Die Frauen trugen schäbige Dessous. Und alles war in schmieriges tief rotes Licht getaucht. Nachdem der Tanz der Stripperin beendet war, spielte ein Alleinunterhalter La Paloma, ein altes spanisches Lied.
Er setzte sich. Ein Kellner kam an den Tisch.
„Hola, Señor.“
„Una Cafésito. Por favor.“
“No Cafésito.”
“Una cerveza!”
Er nickte, ging zum Tresen.
Eine Frau tauchte am Tisch auf. Sie brachte das Bier. Es war kühl.
Sie setzte sich zu ihm. Er musterte sie. Sie war jung. Hatte pralle Brüste. Weibliche Formen. Schönes schwarzes Pferdehaar. Blaue Augen, die in Mexiko nicht so oft zu sehen waren. Auf blaue Augen war er oft reingefallen.
Als er Champ war, hatte er an jeder Hand fünf. Jeden Tag ‘ne andere. Und er bereute keinen Fick. Und die drei Scheidungen. Und Kinder. Er war kein guter Vater. Er starrte sie an. Er kämpfte mit seinen Erinnerungen. Den alten Geschichten. Storys. Sie dachte ans Geschäft. Sie war ungeduldig.
„Du, Amigo, ich muss Geld verdienen.“
„Verstehe.“
„Ich bin Tänzerin. Wenn du nicht bezahlst muss ich auf die Bühne oder Kunden anmachen. Willst du einen Privattanz?“
„Bin noch nicht soweit. Brauch noch was intus, Baby.“
Er schob ihr 20 Dollar über den Tisch. Sie steckte das Geld in den BH.
Durch sein Gehirn schwammen Sätze: Das ist die Welt. Sex sells.
Es geht um Kohle. Sie verkauft ihren Körper. Sie ist Ware. Und das klingt alles nicht poetisch in diesem Puff. Es war eine graue schmutzige Welt.
Sein Gehirn spinnt Fäden. Gedanken. Brüche. Worte. Fetzen.
Sie sieht gut aus. Das ist der Trumpf in ihrer Hand.
Blöde Erfahrungen gemacht. Diese Bordelle und Klubs basierten auf Illusionen. Er schwankte. Sollte er sich mit ihr einlassen?
Er war der Ex Champ, den jeder kannte. Sein Kopf lärmte. Er fluchte.
Ihn hatte das Leben abgeschliffen. Bin Realist geworden. War er das wirklich? Fiel er nicht früher auf leichte Mädchen herein?
Sie legte ihre linke Hand auf seinen Oberschenkel. Mit der rechten umarmte sie ihn. Es war ein angenehmes Gefühl in die Augen einer Frau zu schauen. Und ihre Hände zu spüren.
Du dachtest, nicht allein auf der Welt zu sein. Und es gäbe Gemeinsamkeiten. Ne Philosophie. Ziele. Diese Illusion zerstoben mit der Zeit. Und wenn du es begreifst, tut es weh. Die Illusion war süßer als die Realität, sodass sich Menschen an Träume klammerten. Sie waren der Zuckerguss, der den grauen Alltag überzog.
Das Leben betrachtete er jetzt nüchtern. Seine kalten Gedanken ließen ihn erstarren. Er sah sie an und knurrte: „Nein, Darling, wir sind nicht wie Schwester und Bruder, es geht ums Geschäft. Ich gebe dir Geld und ich darf deinen Körper anfassen. Nach einer Stunde geh ich in die kalte Nacht. Wie ein einsamer Hund.“
„Mit wem redest du?“
„Mit ‘nem Kojote.“
„Ich lass dich alles machen, Gringo. Von hinten, von oben. Ich reite auf dir. Ich blase. Wie du es willst.“
Er schwieg. Er hatte Zeit. Für sie war Zeit Geld. Er konnte nur verlieren.
„I love you, Amigo. I love you very much.“
Er lächelte verschmitzt. Falten zeichneten seine Augen und Gesicht weich. Je nachdem wie er sich bewegte, veränderte sich die Mimik. Aus Fältchen wurden Kerben und Risse. Sie waren wie Spuren im tiefen Lehm einer Straße. Sie erzählten Geschichten.
Sie drückte seine Hoden: „Cowboy, hast du eine Ranch?“
Er nickte.
„Wo?“
„In Colorado in den Bergen. Bei Woody Creek.“
„Würdest du mich heiraten?“
Er schwieg. Er erzählte nicht, dass er bankrott war. Sein Haus hatte die Bank gepfändet. Er trank das Bier leer. Ein Kellner mit Sombrero kam. Er trug einen Eimer, der mit Eis und Schnapsflaschen gefüllt war. Er fragte lächelnd: „Tequila, Sir? Das ist Medizin. Gut für ihr Wesen und ihre Seele.“
„Scheiß Kerl. Komm gebe einen aus“, sagte die Kleine.
Jep nickte.
Der Typ schenkte ein. Er hatte Schnapsgläser parat.
„Noch ein Bier!“, bellte Jep.
Sofort stand eine Flasche Corona vor ihm.
Er bezahlte. Der Kellner schwirrte ab.
Sie prosteten sich zu, kippten den Alkohol in sich hinein.
Er schüttelte sich. Der Schnaps lief durch die Venen und Organe. Er legte das weiße Cord-Sakko ab. Sie spielte an seinen Muskeln herum.
Nach dem dritten Mescal nahm er sie am Arm. Sie gingen die Treppe hoch. Sie betraten eine öde Bude; auf dem Boden lag ein Matratze. Auf einem Tisch stand eine Heiligenfigur. Sie zündete Kerzen an. Er kam sich vor wie in der Kirche. Er hatte keine Lust auf Sex in dieser billigen Umgebung. Er sah sie melancholisch an und fragte: „Warum kommst du nicht zu mir nach Hause? Hier will ich nicht!“
„Ich weiß nicht, Amigo. Rico sieht es nicht gerne. Wenn wir Frauen uns privat mit Männern treffen. Wenn ich heute mit dir weggehen würde, merkt er das.“
„Ich warte.“
„Gib mir Geld. Ich muss auf jeden Fall Rico bezahlen.“
„Soll ich warten?“
„Si, Señor.“
„Bin ich nicht zu alt für dich?“
„Nein.“
„Wie alt bist du?“
„Ich darf nicht darüber reden.“
„Ich will nicht in den Knast.“
„Mach dir keine Sorgen. In Mexiko kümmert sich kein Schwanz um uns. Den Polizisten ist das egal.“
„Gut. Ich warte.“
Er gab ihr fünfzig Dollar. Er ging.
Er wartete draußen. Ein Macker kam auf ihn zu. Er hatte schwarzes pomadiges Haar, das nach hinten gekämmt war. Sein Oberlippenbart war wie mit dem Lineal gezogen. Seine grauen Augen waren kalt. Er kniff diese zusammen und fragte: „Was machst du hier?“
„Ich warte auf den Bus.“
„Um diese Zeit fährt kein Bus, Gringo.“
„Ich warte auf einen Kumpel. Hab ihn angerufen.“
„Du bist kein guter Lügner. Lass die Finger von der Kleinen. Okay?“
„Ist sie dein Besitz?“
„Wenn du so willst, sie gehört mir.“
„Ich kauf sie dir ab.“
„Unverkäuflich. Also verschwinde.“
„Bist du Rico?“
Er nickte. Er ging in den Klub.
Der Boxer stolperte über die Straße. Er beobachtete die Tür der Bar. An einem Fenster hing eine Neonleuchte: Young chicks, cool beers. Das Licht flackerte.
Jep zündete eine kleine Zigarre an. Er paffte. Es beruhigte ihn. Er wischte über den Lederkragen seiner Jacke. Es begann zu regnen. Er stellte den Kragen hoch. Seine Blase drückte. Er sah sich um. Nein, an die Hauswand pissen wollte er nicht.
Endlich. Der Himmel lichtete sich. Mondlicht schimmerte durch die Wolken, die wie ein Strom dahin schwebten. Sterne blitzten auf. Hinten waren die Berge. Graue Riesen. Das Gebirge. Die Gipfel. Ein Taxi hielt. Der Fahrer kurbelte die Scheibe herunter:
„Amigo, can I help you?“
„No.“
Er brauste davon.
