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Nach dem Tod ihres Vaters, dem König der Hadubarden, wird Iljana gegen den starken Willen der Krieger Königin. Weil die Frauen in ihrem Volk keine Rechte haben, verlangt das Gesetz, die Königin zu verheiraten. Nur so würden die Hadubarden wieder einen König haben, der weiß, wie man ein Volk anführt. Brandolf, ein kampferfahrener und mutiger Krieger, wirbt um die Königin. Was Iljana aber nicht weiß ist, dass er ein dunkles Geheimnis hat. Ein Roman über Machtkampf und Liebe.
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Nach dem Tod ihres Vaters, dem König der Hadubarden, wird Iljana gegen den starken Willen der Krieger Königin. Weil die Frauen in ihrem Volk keine Rechte haben, verlangt das Gesetz, die Königin zu verheiraten. Nur so würden die Hadubarden wieder einen König haben, der weiß, wie man ein Volk anführt.
Brandolf, ein kampferfahrener und mutiger Krieger, wirbt um die Königin. Was Iljana aber nicht weiß ist, dass er ein dunkles Geheimnis hat.
Ein Roman über Machtkampf und Liebe.
Dominika Walz
Brautjagd
Iljana
Die Königin der Barbaren
Es geschah an einem kalten Herbsttag, Krieger kamen auf Pferden geritten aus einem nahegelegenen Wald und brachten auf einer Trage, gezogen von einem Pferd, einen Verletzten mit. Kinder, die am Dorfrand spielten, sahen sie zuerst kommen. Sie erkannten sofort, dass etwas passiert war und verbreiteten rufend die schlechte Nachricht. Besorgte Ehefrauen, Mütter und Väter eilten zu den Kriegern. Unter ihnen auch die Prinzessin jenes Volkes. Hadubarden, wie sich das Volk nannte. Die Dorfbewohner umkreisten den Verletzten, mit der Hoffnung, dass es nicht ihr Angehöriger war. Prinzessin Iljana durchbrach den Kreis. Als sie ihren eigenen Vater auf der Trage erkannte, brach sie in Tränen aus und stürzte sich auf ihn. Umschlang seinen Hals und weinte bitterlich. Denn seine graue Gesichtsfarbe verriet jedem, der ihn nur ansah, dass er längst tot war.
Mit traurigen Gesichtern standen die Krieger bei ihren Pferden. Der Dorfpriester, Walram, ging zu Brandolf, einem jungen Krieger, der die anderen wieder zurück ins Dorf geführt hatte.
„Wie ist das passiert?“, wollte er wissen. Denn dieser Tote war sein Bruder und König.
„Er ist vom Pferd gefallen.“
Walram sah den Krieger mit einer zweifelnden Miene an.
„Der König war ein ausgezeichneter Reiter.“ Thorbrand war einer der Besten.
Mit verengten Augen sah der Priester den Krieger an. Brandolf konnte Zweifel an seinem Gesichtsausdruck erkennen. Er widerstand dem durchbohrenden Blick.
„Selbst dem besten Reiter kann solch ein Unglück passieren.“
„Natürlich“, wusste der Priester nicht mehr darauf zu sagen. Dann drehte er sich herum und ging wieder zurück zu seiner Nichte. Sie stand neben der Trage, hielt die Hände vor das Gesicht und weinte. Alle sahen mit verklemmten Blicken auf den Toten. Walram unterdrückte den Schmerz, den er bei dem Verlust seines Bruders spürte. Und wandte sich an die Dorfbewohner: „Der König ist tot. Feindliche Stämme lagern in unserer Nähe. Ohne einen Anführer haben wir keine Überlebenschance.“
Alle wussten, wovon er sprach. Denn erst vor wenigen Tagen wurden sie von einem Wandervolk überfallen.
„Ein neuer König muss schnell her“, setzte Walram seine Rede fort. „So lasst uns den Toten schnell und gemäß bestatten und sofort einen neuen König wählen.“
Die Krieger schlugen mit ihren Speeren auf den Boden, zum Zeichen des Einverständnisses. Und die freien Männer schlugen mit der Faust drei Mal nach oben in die Luft.
Prinzessin Iljana wischte mit der Hand die Tränen weg und sah zu den Männern auf. Sie starrte sie an, war taub für ihre Rufe und blind für das, was in jenem Moment vor ihr geschah. Erwachte erst aus ihrer Starre, als jemand sie am Arm erfasste und mit einem leichten Ziehen zu ihr sagte: „Komm mit mir.“
Es war die freundliche Stimme ihrer Tante Heidrun mütterlicherseits. Und Iljana folgte ihr. Zu wem sonst sollte sie noch gehen?
*~*~*
Wenige Stunden später standen alle Hadubarden samt ihrer Sklaven, Knechten und Mägden, am Ufer eines Sees, der das ganze Dorf mit sauberem Wasser versorgte. Hieraus wurde Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen entnommen. Prinzessin Iljana stand mit ihrer Tante nahe dem Totenschiff und hielt in ihrer zitternden Hand einen Strauß Vergissmeinnicht. Ein Abschiedsgeschenk an ihren Vater. Nachdem der Priester die reichen Beigaben, wie kostbaren Schmuck, Gefäße, Werkzeuge, Schwerter und andere Waffen um den Toten gelegt hatte, durfte auch Iljana nach vorne treten und ihr Geschenk dazulegen. Mit tränenüberströmtem Gesicht legte sie den Blumenstrauß auf die Kopfseite, küsste ihre Hand und drückte den Kuss auf seine kalte Wange. Dann öffnete Walram den Mund des Toten und legte eine goldene Münze hinein, damit der König im Jenseits seine Seele freikaufen konnte. Dann nahm er eine brennende Fackel und zündete damit das Stroh von allen Seiten an, auf dem der tote König lag. Dabei fiel sein Blick auf einen kleinen, dunklen Fleck. Er schob die Weste aus rotem Fuchsfell zur Seite und erblickte einen faustgroßen Blutfleck auf dem dunkelblauen Hemd seines Bruders. Etwas Metallenes steckte in seiner Brust. Eine abgebrochene Klinge, erkannte Walram. Seine Augen verengten sich. Es war also kein Reitunfall, sondern Mord. Wer konnte das getan haben? Schmerz und Verwirrung zeichneten sein Gesicht. Schnell brachte er seine Gesichtszüge wieder unter Kontrolle und entfernte sich der Grabstätte und gab winkend drei Kriegern ein Zeichen, dass sie das Totenschiff jetzt ins Wasser schieben können. Die einzelnen Flammen wuchsen und verschmolzen miteinander zu einem großen Feuer. Rauch stieg in die Luft. Je höher der Rauch stieg, desto näher kam die Seele des Toten der Himmelspforte. Gebannt sahen alle gen Himmel.
Heidrun erfasste die Hand ihrer Nichte und hielt sie stillschweigend fest. Mit dieser Geste suchten die beiden Frauen sich gegenseitig zu trösten.
*~*~*
Es wurde langsam Abend. Heidrun und Prinzessin Iljana saßen am großen Tisch und versuchten etwas zu essen. Heidrun bekam wenigstens einige Bissen hinunter, ihre Nichte gab aber schnell auf. Sie schob den Holzteller von sich. Heidrun verstand ihren Schmerz, konnte ihr nachempfinden, aber das Leben war schon immer hart. Jeder konnte von einem Moment auf den anderen sterben.
„Du darfst nicht aufgeben! Hörst du?“
Iljana sah mit Tränen in den Augen zu ihr.
„Das Leben ist ein täglicher Kampf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dein Vater gewollt hätte, dass du den Kampf aufgibst.“
Auch in Heidruns Augen glitzerten Tränen. Aber das Leben ging weiter, auch ohne Thorbrand.
„Deshalb nimm deinen Teller und versuche jetzt zu essen. Wenn nicht für dich, dann für deinen Vater.“
Iljana senkte ihren Blick. Schien einen Moment nachzudenken. Aber dann nahm sie doch die Hälfte eines geschnittenen Apfels und biss hinein.
Heidrun lächelte zufrieden. Danach stand sie auf und gab einer Magd die Anweisung, den großen Tisch, der nur für sie und die Prinzessin gedeckt war, abzudecken. Eine Haussklavin brachte Säcke. Heidrun suchte Iljanas Sachen zusammen und die Haussklavin legte sie sorgfältig und geordnet in die Säcke. Sobald heute Abend ein neuer König gewählt war, musste die Prinzessin das große, königliche Haus verlassen haben. Ab da verlor sie ihren Prinzessinnentitel und wurde zu einer gewöhnlichen Bäuerin. Weil Heidrun schon sehr früh ihren Mann bei einem Überfall verloren hatte und daher keine Kinder hatte, wollte sie ihre Nichte zu sich nehmen. Sie wollte Iljana ein Zuhause geben. Vielleicht dürfte sie dann auch, wenn auch nur für eine kurze Zeit, die Mutter sein, die sie früher einmal für ihre Kinder sein wollte.
„Deine Sachen sind nun fertig gepackt. Sieh dich noch einmal im Haus um, vielleicht gibt es noch etwas, was du mitnehmen möchtest. Vielleicht etwas, was dich an deinen Vater erinnert.“
Die Prinzessin stand langsam auf. Nachdenklich sah sie sich im großen und einzigen Raum um. Da war doch dieses eine Armband aus purem Gold. Ihr Vater hatte es einmal selbst gefertigt. Er hatte es nie getragen, sondern es wie einen Schatz gehütet. Iljana ging zu seiner Schlafstätte. Es war ein Bett mit einer Strohmatratze. Sie durchsuchte das Stroh und fand ein Kästchen. Darin lag das Armband. Sie holte es heraus und streifte es sich über das Handgelenk.
Heidrun und die Haussklavin standen in der Tür. Sie sahen, wie die Krieger und freien Männer auf das königliche Haus zukamen.
„Iljana, beeil dich! Die Männer kommen schon“, rief ihre Tante.
Schnell nahm die Prinzessin ihren Mantel aus Hasenfell und verließ das große Haus, in dem die Königswahl jetzt stattfinden würde. Und mit einem seltsamen Gefühl, so als ob sie etwas Bedeutungsvolles verloren hätte, ging sie neben ihrer Tante her.
*~*~*
Die freien Männer und die Krieger versammelten sich im langen, großen Haus. Es war das größte in diesem Dorf. Hier lebte die königliche Familie. Und hier feierten auch der König und seine Krieger Siegesfeste.
Die Haussklaven hatten zuvor die Tische zur Seite gestellt, sodass die Männer sich ungehindert in der Mitte des Raumes versammeln konnten. Sie umkreisten den Priester. Walram spürte, wie er immer nervöser wurde.
Die meisten Krieger waren so alt wie er selbst. 28 Jahre alt und auch etwas jünger. Sie waren starke, mutige Männer. Trugen Bärte, hatten lange Haare mit dünnen Zöpfen und strahlten Selbstsicherheit aus.
Walram bat die versammelten Männer um Ruhe.
„Ich weiß, ihr erwartet jetzt von mir, dass ich euch den Namen nenne, den unser König als seinen Nachfolger bestimmt hatte, ...“ Weil der König selbst keinen Sohn als Thronerben hatte. „Aber da muss ich euch enttäuschen. Er hat mir keinen Namen genannt. Deshalb...“
„Dann lasst uns einen aussuchen“, rief einer dazwischen. Dieser drängte sich an den anderen vorbei und zog seinen Sohn nach sich. Beide traten in die Kreismitte. „Mein Sohn, Brandolf, ist mutig und stark. Seht auf sein Gesicht.“ Der Vater zeigte mit dem Finger auf die lange Narbe seines Sohnes, die über die ganze rechte Wange verlief. „Diese Narbe zeugt von einer Schlacht, in der er gekämpft und sie überlebt hatte. Und zu dieser Zeit war er gerademal 16 Sommer alt.“
Denn vor 10 Jahren kämpften die hadubardischen Krieger mit ihren Verbündeten gegen ein feindliches Volksstamm, welches den Verbündeten ihr Land wegnehmen wollte. Und tatsächlich war Brandolf der einzige von den jungen Kriegern, der zwar leicht verletzt, aber lebend wieder nach Hause kehrte.
„Mein Sohn ist kampferfahren. Nur er weiß am besten, wie er ein Volk zu führen und zu beschützen hat.“
Der Priester trat hinter den Vater, der die Männer versuchte von seinem Sohn zu überzeugen, und legte eine Hand auf seine Schulter. Sofort drehte sich der Vater zu Walram herum.
„Ihr seid doch auch der Meinung?“ Der Vater verzog seine Lippen zu einem unsicheren Lächeln. Walram konnte in seinen dunklen Augen Angst erkennen. Dieser Blick verwirrte ihn. Doch er ließ sich nichts anmerken. Seine Gesichtszüge blieben nach wie vor ernst und undurchschaubar.
„Gewiss, du kannst stolz auf deinen Sohn sein. Aber, da der König niemanden als seinen Nachfolger bestimmt hatte, müssen wir die Geister fragen. Sie halten unser Schicksal in der Hand“, antwortete der Priester und holte aus seiner Kuttentasche einen handgroßen Spiegel. In der anderen Hand hielt er eine kleine Holzschüssel mit klarem Wasser und hielt den Spiegel über dem Wasser. Dann sah er auf die Wasseroberfläche und versuchte darin ein Gesicht zu erkennen. Das Gesicht eines Kriegers. Denn nur Krieger durften in diesem Volksstamm als Könige herrschen und kein anderer kam in Frage, weil die Krieger über Kampferfahrung und strategisches Denken verfügten. Doch Walram sah nichts auf der Wasseroberfläche. Trotzdem musste er ihnen einen Namen nennen, sonst, so fürchtete er, würden sie aus Ungeduld Brandolf tatsächlich noch zum König wählen. Denn sein Vater hatte nicht unrecht. Brandolf wäre tatsächlich die beste Wahl. Aber Walram zögerte. Solange er nicht wusste, wer der Königsmörder war, hatte er Angst einen Kriegernamen fallen zu lassen.
Gib ihnen einen Namen!, drängte eine innere Stimme ihn.
„Iljana.“
„Was?“, hörte plötzlich Walram Brandolf mit Entsetzen fragen.
Erst jetzt begriff Walram, welchen Namen er den anderen genannt hatte. Aber... wieso auch nicht?! Gerade jetzt wäre Iljana die klügste Wahl, wenn er so im Nachhinein überlegte.
„Du hast richtig gehört. Die Geister haben Iljana auserwählt“, log er.
„Ein Weib soll über uns herrschen?“ Brandolf lachte verächtlich.
Viele der versammelten Männer stimmten in sein Lachen mit ein. So erkannte der Priester, dass es keinen Sinn hatte mit den Männern zu diskutieren, sie versuchen davon zu überzeugen, dass Iljana eine gute Königin abgeben würde. Deshalb stellte er die kleine Schüssel mit Wasser zurück auf den Tisch, drängte sich an den Männern vorbei und ging nach draußen. Draußen im Hof standen schon die Frauen mit leuchtenden Fackeln und warteten, bis ihre Männer aus dem königlichen Haus wieder heraus kamen.
Heidrun und Iljana standen in der ersten Reihe, sodass der Priester die beiden sofort sah.
„Hört alle her!“, unterbrach Walram mit erhobenen Händen das Durcheinanderreden der Frauen.
Die versammelten Männer kamen aus dem Haus heraus. Eine tiefe Unzufriedenheit lag auf ihren Gesichtern. Doch der Priester ignorierte das.
„Die Geister haben gesprochen.“ Er holte aus seiner Kuttentasche einen goldenen Halsreif. Ging mit erhobenem Haupt und gleichmäßigen Schritten auf Iljana zu.
