Bridget's "secret" Männer - Manou Walters - E-Book

Bridget's "secret" Männer E-Book

Manou Walters

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Beschreibung

Nach langen sexlosen Jahren kommt Bridget wieder in den Genuß von Höhepunkten, findet ihre Libido wieder und erfährt, daß man auch im reifen Alter von fünfzig Hochgefühle haben kann.

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Seitenzahl: 358

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Drei lange graue Monate liegen hinter mir, seit Mitte Oktober nur nebelgrau, wolkig und feucht; zwar nicht sehr kalt (niemals Minus-Grade), aber doch leicht deprimierend.

Ich beklage mich aber nicht, und versuche auch nicht, zu jammern `wieso bin ich nicht schon in Florida, wie all die Jahre – zwölf, um genau zu sein – davor!`

Nein, es macht mir nicht viel aus, weil ich ja seit dem lezten mürrischen Anruf meines Florida-Ehemannes mich schon total auf Wien-Wetter und mehr oder weniger freudig-fröhliches Hier-Bleiben eingestellt habe.

Außerdem arbeite ich seit November aushilfsweise an zwei Tagen in der Woche nachmittags in einem kleinen Geschenkeladen, was mir viel Spaß macht, mich zwingt, auch bei schlechtem Wetter aus der Wohnung zu gehen – ansonsten würd ich wahrscheinlich nur herumhocken und lesen – und mir finanziell hilft. Auch Kleinvieh macht Mist – falls das überhaupt die richtige Redensart für diese Gelegenheit ist...

Aber wie heißt es so schön `der Mensch denkt und Gott lenkt` - oder in diesem Fall `Gitti denkt und hubby lenkt` -

bekomme ich doch neulich wieder einen Anruf meines beleibten Florida-hubbys...

Er spricht – welche Überraschung, das erstemal seit 7 Monaten - in normalem Tonfall, vernünftig und zusammenhängend. Wahrscheinlich geht das Geschäft wieder gut.

Und fragt mich, ob ich nicht das Geld für den Hinflug auslegen könnte und im Februar kommen.

Aus langjähriger Erfahrung weiß ich, daß er tatsächlich jedesmal, wenn ich von „meinem“ Geld irgendwelche Rechnungen bezahlen mußte, sehr korrekt und anständig mir alles zurückgegeben hat.

Der letzte Stand der Dinge war ja, daß sein Lieferwagen den Geist aufgegeben hat, er daher einen neuen braucht und natürlich wieder kein Geld für mein Flugticket da ist.

Wieso, fragst du jetzt, habe ich in Florida einen Ehemann? Aha, daran sehe ich, daß du mein erstes Buch nicht gelesen hast!

Also auf in den nächsten bookstore!

Okay, kleiner Scherz, ich erzähl` es dir kurz nochmal:

Ich,  meine Wenigkeit, war die letzten 10 Jahre  jeweils von November bis März in Florida, sodaß man sagen könnte, ich habe meine Familie (Mutter, Sohn, Schwiegertochter – alle im selben Haus wohnend) vernachlässigt....hm,...

Und warum, wirst du fragen, warum tauschte die Gitti Schnee und Gatsch und Kälte in Wien für die Florida Sonne ein? Und verläßt ihre kleine Familie ausgerechnet für das schönste, kitschigste Fest des Jahres?

Ich war immer schon  ein Amerika-Freak, der die naive Freundlichkeit/Höflichkeit/Offenheit der Amerikaner (besonders der Südstaatler) und das Land an sich  toll fand, darum hatte ich mich mit dem eigentlich auch schon sehr reifen Alter von 43 entschlossen, meinen Traum vom Längere-Zeit-Drüben-Bleiben/Drüben leben, wahrzumachen.

Warum aber gerade Florida? Dieser von alten Pensionisten bevölkerte Staat, dessen Wirtschaft total ungesund ist, - 4 Monate im Jahr (Jänner bis April) boomen die Geschäfte wie verrückt, die Straßen sind verstopft, die Restaurants und malls sind voll und die restlichen 8 Monate ist alles wie leergefegt und you can starve to death.

Warum also gerade dieser entlegene Zipfel der USA?

Weil ich dort vor einigen Jahren Urlaub gemacht hatte – auf Basis „home-exchange“ – und das Meer, die Strände, die Straßen, die Leute total sauber und herzlich waren; im Gegensatz zu Kalifornien, wo ich das Jahr davor Urlaub machte und recht enttäuscht war:

Wow, sollte man meinen, California! Weiße Strände, gut gebaute schöne Menschen, ...  pah, humbug.

Was ich sah, war dreckiger Sand, voll mit gatschigen Algen, die keiner wegräumte, der Straßenrand gesäumt mit leeren Bierdosen und Plastikabfall, und am Strand dicke Frauen mit Lockenwicklern im Haar und ebenso dicken, lauten Kindern.

Also gab ich auf Anraten eines guten Freundes, dem mein Gewinsel über das graue Wien und die Unzufriedenheit mit meinem Job auf die Nerven ging, ein Inserat in einer Orlando-Zeitung auf.

Mein Postkasten war wochenlang vollgestopft mit Antwortbriefen; wer hätte geglaubt, daß europäische Frauen so beliebt sind...

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch schon herausgefunden, daß außer Heirat keine Möglichkeit bestand, eine green card zu bekommen.

Lange Schreibe, wenig Sinn – wham bam boom, ich fuhr hinüber – oder besser gesagt, ich nahm das Flugzeug nach Florida –

heiratete den dicken Obsthändler, der in seinen Briefen schon eine Heirat angedeutet hatte,  arbeitete halbtags als Verkäuferin in einem großen Kaufhaus, was mir nach Jahrzehnten im Büro viel Spaß machte, genoß die Sonne, die Leute, das Meer, hatte neben meinem Fatty noch ein paar Verhältnisse mit gleichaltrigen oder sogar älteren Männern (sehr seltsam für mich, weil in Wien, je älter ich wurde, meine Affären immer jünger wurden) und bekam eigenartigerweise nach 4 Jahren Heimweh.

Außer sentimentalem Heimweh – nach Schnee und Gatsch und Mutti, - auch praktisches Heimweh – nach Sicherheit, von Krankenkassen bezahltem Arztbesuch und, man höre und staune, nach Pension.

Immerhin war ich nun schon fast fünfzig und mein besorgter Hausverstand klickte und tickte eindringlich ; „Pensionsjahre erfüllen, Vorsorge treffen...“

Auch war mein Dickerchen nicht das Gelbe vom Ei (vor allem finanziell nicht), was mich anfangs nicht störte, dann aber immer unangenehmer wurde.

Wie dem auch sei, ich haute ab, nicht bei Nacht und Nebel, nein, bei wunderbarem Sonnenschein, um im nicht so freundlich-sonnenscheinigen Wien meine restlichen Arbeitsjahre bis zur Pension (gottseidank noch möglich mit 55) herunterzuklopfen.

In diesen Jahren blieb aber der Kontakt zu Florida, will heißen mit meinem hubby und mit einer sehr guten Freundin, aufrecht; Briefe gingen hin und her, und jedes Jahr verbrachte ich 3 Wochen meines Urlaubs bei Dickerchen. Warum hat er sich in dieser Zeit keine andere gefunden, fragst du? 

Hmm, mal sehen: er schaut nicht besonders aus, hat nicht gerade ein sonniges Gemüt, hat keine Kranken- oder sonstige Versicherung und lebt finanziell von einem Tag auf den anderen, keine Ersparnisse, keine Vorsorge.

Na klar, außer mir ruhigem geduldigen Charakter (Sternzeichen Stier!) hält es keine mit ihm aus.

In der Zwischenzeit in Wien lief alles gut und wie gehabt: nette Verhältnisse mit jüngeren Männern (alle im Alter meines Sohnes, wie gewohnt, haha), Sex gut und befriedigend, ich sah immer noch gut aus, wenig Falten, kein Doppelkinn, schlank und rank, keine gesundheitlichen Beschwerden.

Kaum war ich 55 und in Pension, fühlte ich mich aber moralisch verpflichtet, doch wieder für längere Zeit meinem Dickerchen zur Seite zu stehen (er war zwischenzeitlich immerhin 70!), ihm das Haus sauber zu halten und am Obststand mitzuhelfen, und beschloß, wenigstens in der kalten Zeit von November bis März (geschäftliche Hochsaison in Florida) Wien den Rücken zu kehren.

Ausschlaggebend war natürlich auch, daß ich in diesen Monaten relativ gutes Geld machte – ein Zubrot zu meiner geringen Pension -;  als Aushilfe beim Obststand zahlte mir mein „Ehemann“ ein nettes Gehalt und mir machte Verkaufen und Plaudern mit Kunden Spaß.

Traurig dabei war nur, daß ich eben für Weihnachten nicht bei meiner kleinen Familie sein konnte. Aber alle hatten sich damit abgefunden, so war es eben.

Trotzdem hatte ich,  wenn ich dann von April bis November wieder in Wien war, ein schlechtes Gewissen – „hast deine elterlichen Pflichten vernachlässigt (obwohl „Kind“ bereits an die 40) und nicht genügend Zeit für deine alte Mutter aufgebracht  (obwohl Mutter noch gut beinand und rüstig und nicht allein im Haus!), bist unverschämt nur auf  dich bedacht gewesen usw, blabla“...-

Bemerkenswert, wie sich eine katholische strenge Erziehung auf das restliche Leben auswirkt. Oder wurde mir Verantwortungsbewußtsein bereits in die Wiege, in die Gene, gelegt?!

Und dieses schlechte Gewissen, oder nennen wir es Verantwortungsbewußtsein, trieb mich natürlich Tag für Tag zu Muttern – Gartenpflege sowieso, weil Mutti nicht mehr rüstig genug dafür, mein Sohn leicht interesselos für Gartenarbeit, und Schwiegertochter müde vom langen Arbeitstag. Außerdem verlangte es meiner Mutter nach menschlicher Aus- und Ansprache, die sie bei meiner Schwiegertochter und meinem Sohn leider in zu geringem Ausmaß bekam.

Ich plauderte viel mit ihr, wir machten kleine Ausflüge (Kahlenberg, Spaziergang an der Alten Donau, Jause bei McDonald´s), ich genoß auch den Garten mit Sonne liegen und im aufblasbaren Pool ein paar Tempi schwimmen – ca. 4-5 gingen sich schon aus – und plantschen.

Mein social life spielte sich nur zwischen Haus/Garten und Wohnung ab, ich traf mich kaum mit Freundinnen, von Männern war gar keine Rede.

Auch war mein sex-drive auf dem Nullpunkt, ich hatte kein Verlangen, ich war nicht horny, ich hatte mich bereits damit abgefunden, ruhig und geschlechtslos  bis zum Ende meiner Tage dahinzuwandeln.

Come to think of it, wenn ich recht überlege, konnte ich trotz der unzähligen Affairen in meinem Leben (und es waren wirklich viele,viele) meine Orgasmen an den Fingern beider Hände abzählen.

Ich  habe den starken Verdacht, daß ich promiscuous by nature bin,  also dachte ich, nach diesen vielen Erlebnissen, was will ich in meinem gereiften Alter nun noch immer herumvögeln? Sex ist wahrscheinlich sowieso overrated.

So vergingen halt die Jahre – 10 lange Jahre, um genau zu sein, -  und plötzlich war ich nicht mal mehr „nur“ 50, sondern 60, echt alt, mit Falten um Mund und Augen und mit einem Körper, der immer mehr der Schwerkraft nachzugeben schien. Mein überkritisches Auge zischelte Blitze in mein Gehirn, mein Gehirn reagierte sofort „jetzt brauchst dir schon überhaupt keine Hoffnung mehr zu machen auf Sex, jetzt hast du dich zu genieren, wenn jemand dich genauer anschaut, und auf jüngere Männer brauchst schon gar kein Auge werfen...“

Aber wie sagte ich bereits „der Mensch denkt und Gott lenkt“ – ich will damit nicht andeuten, daß der liebe Gott mir mein Sexualverlangen wiedergegeben hat, oder gewollt hat, daß ich mich wieder mit jungen Männern vergnügen darf  -aber nix Genaues weiß man halt nicht....ER wird schon wissen, was er tut..

Dieses neue Verlangen und die Freiheit und Zeit, es auszuleben kam durch das Dahingehen meiner Mutti im letzten März zustande.

Das klingt jetzt herzlos und hart, Tatsache aber ist, daß nach Monaten der Trauer, der Selbstvorwürfe, der Schuldgefühle - die ärgste Schlafstörungen mit sich brachten - ich ab Juli mich aufrappelte  und beschloß, den Sommer zu genießen und mich total abzulenken, mit Dingen, die ich in den letzten zehn Jahren nicht beachtet hatte – Männer und Sex.

Und außer diesen oberflächlichen Ablenkungen hatte ich nun Zeit, wieder zu schreiben, was ich in den Jahren der Kindererziehung und dem Kampf um`s Überleben nach meiner (laaaange zurückliegenden) Scheidung total vernachlässigt hatte.

Schon in der Volksschule - kaum konnte ich lesen und schreiben -, flossen kleine Gedichte für jede passende Gelegenheit (Weihnachten, Ostern, Frühlingsbeginn, Winterzeit) und auch unpassende Gelegenheit (Geschichtlein über Wald und Wiese, Zwerge und Feen) aus mir heraus.

Während meiner Internatszeit in der BEA (ja, meine Eltern steckten mich von zehn bis vierzehn Jahren ins Gymnasium/Internat, weil das laut meiner Volksschullehrerin für ein so intelligentes Kind wie ich eins war, eine wunderbare, intellektuelle Entwicklung sei), hatte ich trotz dauerndem Heimweh lustige Phasen:

Regenwürmer krauchen leise,

nach der altbekannten Weise, in den Wald hinein.

Doch wie steht sie, und wie geht sie,

diese altbekannte Weise?

Die Regenwürmer kennen sie,

die hübsche, kleine Melodie,

und kriechen weiter.

Jetzt lachst du dich kaputt, was? Oder doch nicht? Naja, hier vielleicht noch ein kleines Beispiel (ein paar Jahre später – da besuchte ich schon die Hak, war stark pubertär und kam mir recht zotig vor):

...denn leere büchsen schießen besser, und volle hosen scheißen besser,

und schwarzbraun sind die menschenfresser.

wollten sie mir einreden, aber ich weiß selbst, daß eine ausgehaarte katze nicht mehr viele mäuse jagt..

Nun ja, das war, was ich damals unter dadaistisch verstand. Alles natürlich in Kleinschreibe.

Bevor dir jetzt aus Langeweile total die Augen zufallen, muß ich dir unbedingt noch zwei kleine Vierzeiler unterjubeln, die ich sehr süß finde:

Leise rauschte die nacht,

und die sterne am himmel

zitterten fahl

vor staunen und bangen

kirschenbäume stehen weiß und duftend in der sammetstillen nacht,

strömen süße eintracht aus bizarren blütenzweigen,

von der mauer leuchtet fahlgrün eine ranke nieder,

und hinter gelben blüten steht der mond.

die ampel leuchtet unbarmherzig rot,

ein heimatloser wind streicht durch die blätter,

die schwarzen wolkenfetzen scheinen

fast bis zum pflaster durchzuhängen,

und in den nassen lachen

glänzt der mond.

Entschuldige, I got carried away, die Erinnerung hat mich fortgerissen, das war jetzt mehr, als ich von mir preisgeben wollte. Ich hoffe, es stehen dir nicht die Haare zu Berg!

Selten, dafür aber umso öfter, geht jeder Mann dorthin, wo er nicht soll.

Neigend sein Haupt, um zu grüßen, fällt dem Zwerg sein Hütlein vom Haupt. Hebend die Hand, das Hütlein vermissend, geht er in die Knie, beugend sein Gelenk, streckend die Hand und hebt`s auf.

Hast du jetzt einen Kopf wie ein Ballon? Rollst du die Augen gen Himmel und greifst dir an die Stirn? Nochmals: Entschuldige, weder wollt ich dich langweilen noch dich an deinem Verstand zweifeln lassen.

Letzteres war halt alles Mitte der 60er Jahre, die Zeit des Irrsinns, des Umbruchs und die Zeit von TWEN. Kannst du dich noch an diese in schwarz-weiß gehaltene, große, dicke, Zeitschrift erinnern? War total hipp, sie zu lesen und ich bin mir absolut intellektuell und meiner Zeit und all den Spießbürgern voraus vorgekommen.

Well, well, I totally digress....ich schweife viel zu sehr ab,

laß mich zur Gegenwart zurückkehren (ist auch schon Zeit! wirst du seufzen..)

Okay, wir waren also beim letzten Sommer, nach dem Dahingehen meiner Mutti:

Mein Sohn wurde in diesem Jahr zum zweitenmal geschieden, wohnte nun also allein in Mutter`s Haus und wollte das Muttersöhnchen-Image abwerfen, will heißen, er verbat sich meine Hilfe in Haus und Garten, sodaß ich plötzlich ganz allein dastand, niemand meiner Hilfestellungen mehr bedurfte und ich mit meiner Zeit tun konnte, was mir grade einfiel.

Demzufolge war also mein letzter Sommer an der Alten Donau und auf der Donauinsel recht ereignisreich und Florida in weite Ferne gerückt.

Im Sommer schlittert hubby`s Obstgeschäft in Florida sowieso am Rande des Ruins entlang, er hält sich finanziell mühsam über Wasser und ich wäre nur ein Klotz am Bein, den er auch noch erhalten müßte.

Außerdem weiß ich schon seit langem, daß bei Dickerchen nix fix ist, man keine Pläne machen und nichts als gegeben nehmen kann, weil immer unvorhergesehene Dinge passieren, die alles durcheinanderwirbeln.

Vor allem deswegen, weil er keine Geldreserven hat (nie hatte und nie haben wird), weil er sein Leben lang von einem Tag auf den anderen lebte, den Herrgott einen guten Mann sein ließ und es hielt mit der Bibelstelle „Gott ernährt die Vögel unter dem Himmel, also wird er`s auch für dich tun“ oder so in der Art.

So kann man freilich eine ganze Zeitlang fröhlich dahinwurschteln, eng wird`s dann aber, wenn man älter wird und nicht mehr so emsig arbeiten kann.

Okay, Besitz belastet, aber unbelastet mit Hemd und Hose auf der Parkbank schlafen ist im reifen Alter nicht mehr so lustig.

Also, der point dieser meiner kleinen Abhandlung ist der, daß bei seinem nächsten Anruf die Sachlage schon wieder eine andere ist.

Der  gebrauchte Lieferwagen, den er billig von einem Bekannten kaufte, hatte zuerst mal einen Reifenplatzer und dann gab der alternator (Lichtmaschine) den Geist auf.

All diese Reparaturen kosten natürlich viel Geld, sodaß für mein Flugticket wieder nichts da ist. Ganz zu schweigen von meinen Erhaltungskosten, denn ich muß ja schließlich auch in Florida essen, rauchen (jaha! Ich rauche und schäme mich nicht mal dafür) und Benzin in mein Auto füllen.

Gerne würd ich mich auf einen Punkt konzentrieren können, sprich, auf ein Datum, an dem ich fliege und vielleicht sogar schon auf ein Rückflugdatum, damit ich irgendwie planen kann.

Andrerseits hab ich vor langer Zeit schon aufgegeben, Pläne zu machen, weil immer alles anders kam als ich es mir vorgestellt hatte. Ich spreche von „Lebensplänen“, von Zukunft planen oder Karriere planen – aber so Kleinigkeiten wie der Zeitpunkt für einen Urlaub oder einen Kino/Theater/Restaurant-Besuch, - das sollte schon möglich sein.

Jedenfalls hänge ich, wie so oft, in der Luft und werde halt wieder mal jeden Tag nehmen, wie er grade daherkommt.

FLORI

Genau an diesem Sonntag, an dem mein hubby (am Festnetz) anruft, läutet gleichzeitig mein Handy. Ich hebe ab, ohne auf die Nummer zu achten, - wer ist`s!? Der perverse Flori, mein kleiner Anal-Obsessionist, eine Donauinsel-Bekanntschaft, die über den Winter gehalten hat, mit Besuchen seinerseits bei mir und zwei Besuchen ich zu ihm (ins Nirgendwohin, irgendwo in der Nähe von Krems, inmitten von Feldern und Wäldern).

Nach vier Wochen rührt er sich wieder, fällt ihm ein, daß es mich noch gibt!?

Das letzte Telefonat war am 24. Dezember, Heiligabend, als er mir sagte, daß er  Weihnachten und Neujahr zu seiner Familie nach Rumänien fahren und wahrscheinlich drei Wochen bleiben wird. Okay, ich hab also gewußt, daß er weit, weit weg ist, aber trotzdem hätte ich mich über einen kleinen Anruf gefreut, wenigstens `hallo, wie geht`s, tschüs`..

Andrerseits muß ich zugeben, daß ich in diesen Wochen kaum an ihn gedacht habe, wir haben ja schließlich kein verliebtes Verhältnis. (was für ein Verhältnis haben wir eigentlich? Keine Ahnung, eine entfernte; unverbindliche Sex-Freundschaft...?)

Auch meine Libido ist ja wieder auf dem Nullpunkt, weggeweht mit dem Sommerwind, also geht er mir auch in dieser Hinsicht nicht ab.

Ich bin nicht gerade begeistert, als ich höre, daß er in Wien ist, sage aber doch ja, als er fragt, ob er zu mir kommen darf.

Er ist mit dem Zug nach Wien gefahren (weil er weiß, daß er relativ viel trinken wird) und war wieder mal in der „Männersauna“.

Tja, das törnt mich nicht gerade an, daß er vom heißen Kammerl, in dem er sich vielleicht (wahrscheinlich?) einen großen Schwanz in seinen kleinen Popo stecken läßt, zu mir hüpft.

Oder sollte ich mich geschmeichelt fühlen, daß er seinen kostbaren Stengel nur in meine Blüte tupfen will und von den Lustknaben in der Sauna sich nur bedienen läßt und seinen eigenen Schwanz schont  (hat er bei früheren Gelegenheiten immer wieder betont, daß er es sich hie und da gerne machen „läßt“, aber sich graust, es bei einem anderen zu machen).

Er läutet an meiner Tür um genau zwölf Uhr mittags –high noon – tata! – und tut freudig erregt, daß er mich endlich wieder sieht; und küßt und drückt mich an sich, daß es eine Freude ist!

Erst gestern hab ich einen Artikel gelesen, in dem die Wichtigkeit der Umarmung und des Sich-Aneinander-Drückens hervorgehoben wurde. Also, auch wenn ich kein Prickeln in der Magengegend spüre und nicht den Hauch von Geilheit, wenigstens tue ich etwas für meine Gesundheit.

Flori redet normal, schaut unerhört fesch aus, wie immer, ich sehe aber an seinen hellen, blauen Augen, daß er sicherlich noch Rest-Alkohol im Blut herumschwappen hat. Was soll`s, solange er nicht lallt und schwankt wie ein Rohr im Wind, bin ich nicht ärgerlich.

Während er seine drei Pullover über den Kopf zieht – er friert so leicht! – und die Hose auf den Boden wirft, versuche ich krampfhaft, mich in erregte Stimmung zu versetzen; gelingt mir nicht so richtig.

Er setzt sich auf das Sofa im (ehemaligen) Kinderzimmer, sein in die Höhe ragendes bestes Stück und er schauen mich erwartungsvoll an. Na gut, in der Hoffnung, daß er die Wahrheit gesagt hat und sein kleiner Freund wirklich in keinem anderen Loch drinnen war, nehme ich ihn in den Mund – sauber und adrett ist er ja.

Dann setze ich mich mit gespreizten Beinen quer über seinen Schoß und erwarte mir, wie schon einmal im Dezember, ein wundervolles Gefühl in dieser Stellung, habe aber nicht bedacht, daß Flori damals auf dem Sofa im Wohnzimmer saß und nicht lag. In dieser liegenden Position ist anscheinend der Einfallswinkel nicht so ganz richtig.

Anstatt aufzuhören und ihn ins Wohnzimmer zu schleppen, quäle ich mich durch bis zum Ende und hab natürlich am nächsten Tag einen dementsprechenden Muskelkater im linken Ober- und Unterschenkel.

Das hat sich gelohnt, denk ich mir, und nicht mal in die Nähe eines Orgasmus´ gekommen...

Flori ist müde nach seiner durchzechten Nacht und schläft eine Stunde vor dem Fernseher ein. Wenn er so weitermacht mit seinen exzessiven Wochenenden wird er nicht mehr lange so unschuldig-süß ausschauen wie jetzt beim Schlafen auf dem Sofa, denk ich mir. Naja, das soll wohl meine Sorge nicht sein.

Ich begleite ihn dann noch zu Fuß bis zur U-Bahn, damit ich an diesem Sonntag  wenigstens eine halbe Stunde an der frischen Luft bin. Ob es viel Sinn macht, diese Freundschaft aufrecht zu halten, frag ich mich?

Gar nicht nötig, mir darüber Gedanken zu machen, wie`s kommt, so kommt`s – eine zwingende Logik

.

ADI und ERZENGEL Und schon wieder FLORI

Am Montag darauf leiste ich mir wieder mal ein billiges Frühstück bei McDonald`s und fahre danach, wie so oft, zur großen Caritas-Halle im 21.Bezirk, um zu sehen, was es dort Neues gibt.

Beim Plaudern mit einer Angestellten erfahre ich, daß im ersten Stock eine ganze Wand voll mit englischen Büchern steht. Ich wußte nicht mal, daß es einen ersten Stock gibt!

Ich erklimme die Stufen und – juchu - hier ist ein Riesenraum, vollgestopft mit Büchern, sogar ein Tischchen und zwei bequeme Fauteuils, zum gemütlich Hineinknautschen, gibt es, und wirklich! – eine Wand von oben bis unten voll mit englischen Büchern, billiger als bei e-bay-Amazon-whatever!I think I`ve died and gone to heaven!

Du lachst mich wahrscheinlich aus, weil ich mich darüber derart begeistern kann, aber du mußt wissen, daß ich sehr viel (und schnell) lese, - jeden Abend im Bett vor dem Einschlafen mindestens eine Stunde (besser wäre wahrscheinlich Sex zum befriedigt einschlafen!?),  - hauptsächlich eben amerikanische Autoren in Originalfassung, und ich daher dauernd auf der Suche nach billigen Büchern bin.

Nach zehn Minuten hab ich ein paar passende Bücher gefunden, gehe die Stufen wieder hinunter, - wer steht plötzlich vor mir? Der liebe Herr Adi, eine Bekanntschaft von McDonald`s, mit dem ich ein paarmal aus war, den ich aber aufgrund seiner hektischen Art (oder weswegen auch immer) nie wirklich angenehm empfunden habe.

Er hat mir dann auch die „Freundschaft“ aufgekündigt und nicht mehr angerufen, wahrscheinlich weil ich seine sexuellen Avancen lächelnd abgetan habe.

Sind halt leicht beleidigt, die älteren Herren (er ist 63), wenn`s um ihr Sexleben geht.

Es überrascht mich daher, daß er mich lächelnd grüßt, mir zwar einen abwartenden Blick zuwirft, wie ich reagiere, aber ich grüße ebenso lächelnd zurück. Ist mir doch egal, ob er angerufen hat oder nicht.

Er nimmt das dann gleich als Zustimmung zum Abbusseln und mich-an-ihn-drücken, was mir, wie schon früher, gar nicht gefällt, aber ich lass` ihm die Freude.

Tut mir ja nicht weh, bloß daß er mir mit der Nase fast das Auge ausdrückt, als er hektisch meinen Mund zu treffen versucht

Wir plaudern belanglos dahin, er fragt, ob ich einen Kaffee vom Automaten haben will und läßt mich dann die 50 cent aus meiner eigenen Geldbörse einwerfen. Seine Großzügigkeit ist grenzenlos. Der arme Mensch hat ja nur 1800 euro Pension. Andrerseits muß ich mich wegen 50 cent wenigstens nicht verpflichtet fühlen...

Beim Verabschieden sagt er „wir sehen uns ja sicher wieder, hier oder bei McDonald`s ...“  - nicht wenn ich es verhindern kann... denk ich – „ja, freilich“ sag ich. Baba, und fall nicht.

Bin ich garschtig oder was?!

Anrufen ist dem Herrn Adi sowieso zu mühsam und mir ist die ganze Angelegenheit zu mühsam. Also hat eh jeder, was er will.

Flori-Schatzi rührt sich die ganze Woche nicht, was mir auch nichts ausmacht; meine Vagina ist anscheinend auf Winterschlaf eingestellt.

Trotzdem sage ich ja, als am Sonntag ein Anruf von meinem uncharmanten Erzengel Michael kommt, der fragt, ob er auf einen „Sprung“ vorbeikommen soll. Sprung ist gut, er meint natürlich Fick.

Er war an der Alten Donau spazieren, allein, - aha, er hat also noch keine neue fixe Freundin (er wurde letztes Jahr im Juli geschieden) und kommt bei diesem Spaziergang direkt bei meinem Wohnblock vorbei.

Michael ist eine Alte-Donau-Bekanntschaft vom Sommer, der mir sehr angenehme Gefühle beschert hat, und ich hoffe, dieses Wohlgefühl läßt sich wiederholen.

Wieso sag ich eigentlich immer wieder Erzengel zu ihm? frag ich mich, während ich rasend schnell ein bißl Puder-Makeup auf mein winterbleiches Gesicht stäube und mir Lidstriche male; bei seinem Anruf war er nämlich schon fast vor meiner Haustür.

Erstens mal hätte er früher anrufen können, um mir etwas mehr Zeit zu geben, mich vorzubereiten, aber zweitens ist es ganz egal, wie ich ausschau; er

hat sowieso nur das Eine im Sinn, da ist es völlig wurscht, ob ich attraktiv bin oder nicht.

Außerdem hab ich nasse Haare, weil: gerade Kopf gewaschen, aber auch das ist natürlich egal, was stören die nassen Haare oben, wenn er unten rein will...

Gottseidank hab ich naturally curly hair, sodaß sie trotz Nässe nicht am Kopf ankleben und ich ausschau wie eine gebadete Ratte.

Als er bei der Türe reinkommt, schau ich ihn mir genau an – irgendwie hat er was von einem Engel, er ist ein sehr heller Typ, lichtblondes kurzes Haar, lichtblonde, fast unsichtbare Augenbrauen, hellblaue Augen  – ein großer, schwerer, muskulöser Engel halt.

Er zieht sofort sehr brav die Schuhe aus, drückt mich an sich und zieht mein T-Shirt hoch, damit er meine Brüste streicheln kann.

Not even pretending, - gibt nicht mal vor, einen Kaffee, Kakao, ein Glas Wasser oder sonstwas zu wollen, nein, wir kommen gleich zur Sache.Na  gut.

Auch sagt er heute nichts von einer Massage, was früher bei ihm immer ein Vorwand zum Angreifen und Ausziehen war, und scheint sehr aufgekratzt und geil zu sein –

wahrscheinlich ist er plötzlich beim Anblick meines Wohnblocks in Erinnerung an unseren letzten Bums total erregt geworden und mußte anrufen.

(du erinnerst dich vielleicht, das letztemal - wham bam boom und alles war vorbei, weil er nach seiner Scheidung zölibatär lebt und ihm dann alles sehr schnell kommt).

Heute bemüht er sich zwar, „es“ zu verlängern, streichelt meinen ganzen Körper, küßt meine Brüste und läßt auch mich seinen Schwanz streicheln – aber nicht in den Mund nehmen.... komisch, das wollte er noch nie.

Anscheinend einer der wenigen Männer, die Oralsex nicht mögen.

Er führt mich zum Sofa, ich setze mich und er kniet vor mir. Eine recht angenehme Position, die mir damals im Sommer ein tolles Wohlbehagen bereitet hat. Heute aber geht gar nichts, ich bin nicht feucht, er steckt ihn zu schnell hinein, seine Stöße sind zu schnell und, obwohl es länger gedauert hat als sonst, ist es zu schnell vorbei.

Tja, ob das jemals noch was wird mit ihm?  Aber wahrscheinlich ist es meine „Schuld“, liegt es an mir, daß meine Libido eben Winterschlaf hält.

Wie ich schon das letztemal zu ihm sagte, witzig, wie ich bin  „mußt halt öfters kommen, damit du nicht so schnell kommst“.

Er entschuldigt sich wieder so halb und halb, naja, und hat dann beim Anziehen (er ist sofort danach in die Dusche gehüpft) wenigstens die Höflichkeit, zu fragen „es macht dir wirklich nichts aus, wenn ich immer nur so auf die Schnelle vorbeikomme?“

„nein, nein,“ sag ich, „komm nur und benütz mich!“ das meine ich aber nicht mal sarkastisch, das mein ich ernst! Je öfter er kommt, (er wohnt ja in der Nähe) desto länger und besser wird`s vielleicht.

Auch wenn ich nicht unbedingt horny bin, ist es doch möglicherweise gut für meine Gesundheit/Hormone/Wohlbefinden... hoffe ich!

Von Florida-Dickerchen hab ich die letzten zwei Wochen nichts gehört. Ich beginne schon zu überlegen, ob ich mein Konto noch weiter überziehen, einfach ein one-way-ticket kaufen und überraschend an seiner Tür läuten soll.

Dem kalten Wetter hier entfleuchen und Geld sparen, weil ich dann in Wien nichts brauche und in Bonita (so heißt das Kaff in Florida) meinem hubby auf der Tasche liege, ist ein verlockender Gedanke.

Aber noch ist es nicht soweit, ich muß noch ein paarmal in der Geschenke-Boutique stehen (Termine mit den Kolleginnen schon vereinbart), einen Zahnarzttermin wahrnehmen und meine offenen Rechnungen koordinieren.

Doch siehe da, auch diese Überlegungen erweisen sich als null und nichtig, weil hubby plötzlich an einem Sonntag wieder anruft, ironischerweise als gerade Flori wieder zu Besuch ist... er spricht nett und fröhlich, sagt, er wird mir Montag Geld überweisen und ich soll ein Flug-Datum Ende Feber wählen.

Aber schön der Reihe nach:

Erstmal quälte mich der Flori-Bub nach einer Woche Sendepause drei Tage hintereinander mit Bitten und Vorschlägen für einen Besuch bei ihm.

Ich bin nicht begeistert, weil in Wien seit einer Woche die totale Kälte herrscht  – der Winter hat sich endlich ermannt und schickt uns jeden Tag zwischen 14 und 8 Grad minus

Flori versucht, mir den Besuch schönzureden:

Er hat es so mollig warm im Haus, ich soll über Nacht bleiben, er wird mich bekochen und ganz lieb sein, er hat sich seit unserem letzten Zusammensein  für mich aufgespart und platzt schon fast vor Begierde, ich soll mich doch in den Zug setzen, da hab ich`s warm und gemütlich.

Ja, und bis ich endlich im Zug sitze, ist mir schon alles abgefroren! Er stellt sich das so leicht vor!

Nein, ich bin nicht bereit, für einen möglichen eventuellen Orgasmus mich durch Eiseskälte durchzuquälen und eine schlaflose Nacht bei ihm zu verbringen. Ich schlafe seit 20 Jahren in einem großen Bett sehr gemütlich allein und will mich nicht mit Schnarchern, Herumwälzern und Deckenwegziehern ärgern.

Mit vielen Hin- und Her-Telefonaten beschließen wir dann, daß er zu mir kommt, mit Auto.

Samstag nachmittag steht er also vor meiner Tür, mit seinem Rollkofferl, in dem wahrscheinlich seine Sex-Spielzeuge drinnen sind, und einer Tasche, die Kochutensilien, Wurst und Fleisch und, mich wundert`s gar nicht, zwei Flaschen Wein enthält.

Er ist zwar nüchtern, weil er ja Auto gefahren ist, aber das wird sich im Laufe des Abends schon ändern.

Ich bin in etwas zwiespältiger Stimmung – einerseits graut mir, wenn ich dran denke, daß er wieder meine Faust oder den großen schwarzen Gummischwanz, den er dabei hat, in  seinem Popo haben will, andrerseits bin ich guter Hoffnung, weil er gleich zu Anfang erwähnt, daß er diesmal keine muskelentspannenden Öle gekauft hat und überhaupt ein bißl Abstand zu diesen Praktiken gewinnen will.

So haben wir also erstmal Sex auf dem Wohnzimmer-Boden (Decken und Handtücher aufgebreitet), mit viel Streicheln und oralem Vorspiel.

Im Gegensatz zum letztenmal bin ich heute total feucht, fühle das Kribbeln in der unteren Magengegend und bin begeistert.

Ist es einfach Tagesverfassung, daß man nicht immer gleich empfindet? Wahrscheinlich.

Und schon wieder faselt er was von schwanger-werden und ob ich noch die Regel hab.........

Nun ja, wie schon vor langem erwähnt, nachdem ich mir nicht schmeichle, auszusehen wie vierzig, muß er definitiv Schatten vor den Augen haben. Was soll`s, ich lächle nur und sage nichts.

Ich binde sicher niemandem freiwillig auf die Nase, wie alt ich bin.

Achja, seinen Riesen-Laptop hat er natürlich auch dabei. Ohne Internet (Musikvideos und Porno) geht er nicht aus dem Haus. Wie heißt`s so schön in der Kreditkarten-Werbung: don`t leave home without it.

Als er draufkommt, daß sein Internet-Zugang, aus welchen Gründen immer, ihm verschlossen bleibt, sitzt er 2 Stunden lang verzweifelt vor seinem Gerät und drückt – in meinen Augen sinnlos – irgendwelche Tasten, - der Erfolg ist gleich null.

Aber halt, er hat ja auf seinem Handy hunderte Fotos und kurze Porno-Videos gespeichert, die er nun überspielen wird, sodaß er sie groß am Screen des laptop sehen kann!

Na, was bin ich froh – nun bin ich in der glücklichen Lage, mit ihm stundenlang Fotos schauen zu können. Zum Beispiel vom Begräbnis seines Vaters – offener Sarg, wie das anscheinend so üblich ist in Rumänien, trauernde Verwandtschaft – ungefähr 1000 Leute (so kommt`s mir vor – immerhin hat Flori sechs Geschwister! Von denen jedes, außer ihm, wieder zwei bis vier Kinder hat! Ha! unvorstellbar für mich, die ich ein Einzelkind bin!

Und dann als Krönung dieses Bilderabends hunderte Fotos von seiner Ex-Freundin, der hübschen rumänischen Zigeunerin, vom Hausbau und von seinem Hund, bei dessen Anblick er sofort in Tränen ausbricht.

Mittlerweile hat er auch schon drei Viertel Rotwein intus und ist noch rührseliger-sentimentaler als sonst.

Das veranlaßt ihn auch zu Bemerkungen wie: eine große Familie ist was Schönes; Tradition, Zusammengehörigkeit, Zusammenhalt ist einfach wunderbar.

Na gut, wo ist der Zusammenhalt, wenn die Familie in alle Winde zerstreut ist und der Clan einmal im Jahr – oder in zwei Jahren – zusammenkommt!?

Aber: was weiß ich schon, ich bin nur ein armes Einzelkind und hab selber nur einen Sohn.

Ich bin ein sehr geduldiger Mensch und lasse mich auch auf keine Diskussionen ein mit jemandem, der eine total feststehende, absolute Meinung von etwas hat; als er dann aber wehmütig herumfaselt „alles hab ich gehabt, einen Hund, eine schöne Freundin, ein schönes Haus, einen schönen Garten - (den er jetzt verkommen läßt)- , was hab ich nun, was ist das für ein Leben... arbeiten und am Abend allein im Haus sitzen...“ –(das ist ein kleiner Seitenhieb auf mich, weil ich absolut nicht einmal versuchshalber mal eine Woche bei ihm bleiben will, wie er schon oft vorgeschlagen hat) –

nachdem er also so in der Vergangenheit wühlt, krieg ich einen kleinen Zornesanfall, nein, das ist zuviel gesagt, ich bin nur grantig, richtig zornig bin ich eigentlich nie.

Ich stehe auf, hole mir eine Zigarette aus der Küche, schenke mir ein Glas Wein ein, trinke es auf einen Zug aus und fuchtel` mit den Händen in der Luft (natürlich erst, nachdem ich das Glas auf den Tisch gestellt hab).

„Jetzt langt`s mir aber“ sag ich in harschem Tonfall (schreien tu ich nie!) „immer dieses blöde Gefasel, was gewesen ist – das ist vorbei, erledigt, kommt nicht wieder, jetzt ist die Gegenwart, jetzt muß man das Beste draus machen; so ein Schwachsinn, dem Vergangenen nachzuwinseln!...“

Apropos: es gibt keine Zukunft und keine Gegenwart, nur die Vergangenheit, die sich immer wieder wiederholt..! haha,

Flori schaut mich verblüfft an, so verblüfft, wie es seine bereits leicht verschwimmende Sehkraft zuläßt – so hat er mich noch nicht erlebt, ich bin immer beherrscht und gelassen-ruhig.

Er lächelt, das findet er erheiternd, „komm her“ sagt er, er sitzt auf dem Boden, und klopft mit der Hand auf  den Polster neben sich „komm her, setz dich zu mir“. Ich nähere mich, er lächelt noch immer „wieso bist du so sexy?!“

Ich hab eine Stretchhose an, wahrscheinlich bemerkt er erst jetzt, nachdem er nicht mehr auf die Fotos starrt, meinen (noch immer relativ strammen) Arsch.

„wieso bist du so sexy?“ wiederholt er. Weil du drei Viertel in dir hast, will ich sagen, tu`s aber nicht.

Wir beginnen – endlich wieder! wofür lass ich ihn denn sonst herkommen! – herumzuschmusen, zu küssen und zu streicheln.

Erst auf dem Boden, dann auf dem Sofa, in ganz normaler Missionarsstellung, -und warum auch immer, - ist`s das Glas Wein, von mir in einem Schwung ausgetrunken, sodaß ich leicht beduselt bin, ist`s die Stellung – leicht seitlich, meine Beine hoch an der Sofalehne, oder einfach, wie schon gesagt, Tagesverfassung, -

es ist ein unbeschreiblich wunderbares Gefühl, unglaubliche Ströme von wohligen Schauern schwellen in mir auf und ab, wieder ertappe ich mich dabei, daß ich ihm kleine geile Albernheiten ins Ohr stammle, - sehr ungewöhnlich für mich, - aber ich kann nicht anders. Es ist einfach sa-gen-haft!

Wenn ich nicht plötzlich einen leichten Waden-und Zehenkrampf im rechten Bein verspüren würde, der mich in Blitzesschnelle wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringt, könnte es meinetwegen noch eine halbe Stunde so weitergehen.. – aber leider...

Ich bin dann so müde, von dem Ansturm der wunderbaren (!) Fotos in mein Gehirn, von dem vielen Sex und vom Zurückdrängen des Krampfes im Bein, daß ich grad noch mir das Gesicht wasche, die Zähne putze und ins Bett falle.

Flori macht dasselbe und nimmt natürlich zwei Drittel des Bettes in Anspruch.

Na gut, im Hinblick auf die Befriedigung, die er mir gegeben hat, ringle ich mich zusammen und komm mit viel Mühe und erkämpfter Muskelentspannung auf ca. 4 Stunden Schlaf.

Zehn nach fünf  beginnt, wie jeden Tag, mein Radiowecker zu spielen, den ich vergessen habe abzudrehen.

Ich bring ihn zum Schweigen – ausnahmsweise mal will ich nicht zeitig aufstehn - und dreh mich wieder um.

Flori ist zwar nicht voll aufgewacht, aber doch irgendwie in seinen Träumen gestört, kuschelt sich von hinten an mich und steckt mir in dieser Stellung, - wie er das ohne viel Anstrengung oder Herumgefummle schafft – ich weiß es nicht -, seinen Schwanz rein.

Mir bleibt momentan der Atem weg, so schön ist es, und ich erinnere mich, daß ich diese Stellung vor urlanger Zeit mit einem Freund, der bei mir wohnte, des öfteren praktiziert habe, weil es eben fürchterlich angenehm war.

Daß ich das nochmal erleben darf, juchei, ich beweg mich gar nicht viel und genieße einfach seine langsamen Stöße .

Unglaublich, welch angenehme Gefühle mir dieser Mensch  vermitteln kann. Das mag ich gar nicht, - soweit kommt`s noch, daß ich auf einen einzelnen, einzigen Mann abfahre und Sex mit ihm vermisse! Das darf und kann nicht sein.

Wird`s auch nicht sein, weil auf der Minus-Seite (du weißt schon, man soll immer eine Liste aufstellen – Plus/Minus – was überwiegt?!),

also auf der Minus-Seite gibt es viele Punkte, die ein längeres Zusammensein mit ihm völlig ausgeschlossen machen.

Nun, jedenfalls döse ich nach dieser angenehmen Erfahrung noch eine Stunde, dann mach ich mir Frühstück.

Aus vorhergehenden Besuchen weiß ich, daß Flori kaum jemals Kaffee trinkt oder frühstückt, drum genieße ich ohne schlechtes Gewissen, daß ich ihn nicht aufwecke, in Ruhe mein Butterbrot mit Spiegelei.

Als er endlich um 9 Uhr aufsteht, ist er sofort hellwach – wie machen manche Menschen das?

Ich bin zwar eine Frühaufsteherin, brauch aber mindestens eine Stunde, bis ich endlich voll da bin. Ich wackle herum, mache meine Lockerungsübungen, gähne und strecke mich zwanzigmal, muß erstmal von den Zehen bis zum Nacken meine Arthritis/Rheumacreme über mich schmieren und meinen Kopf von Schlafwolken säubern.

Flori jedenfalls steht sofort stramm in der Küche und beginnt zu kochen. Er hat ja, wie gesagt, Fleisch, Gewürze, Wurst und Gemüse mitgebracht, weil er weiß, daß ich nicht kochen kann und auch nicht will.

So essen wir dann eine sehr gute Champignoncremesuppe und – wieder mal – eine Art Gulasch mit Biofleisch vom Bauernhof seines Bruders, das Flori anpreist wie Manna.

Bio hin oder her, für mich riecht es unangenehm und ist viel zu fettig. Vielleicht kommt`s vom Lamm, was ich gar nicht mag,  – ich trau mich nicht zu fragen, so genau will ich es gar nicht wissen.

Bevor Flori sich zum Geschirrwaschen in die Küche begibt, plaudern wir noch ein paar Minuten –

nicht so einfach, weil er, wie so viele ausländische Freunde, obwohl seit 20 Jahren in Österreich, nie richtig Deutsch gelernt hat

Er spricht zwar schnell und flüssig, aber recht unzusammenhängend und benützt manche Wörter falsch.

Aufgrund des schlechten Redens ist es auch schwer, den Intelligenzgrad eines Menschen auszumachen – ich gehe trotzdem mal davon aus, daß seiner nicht sehr hoch ist, einfach weil seine Interessen recht seicht sind.

Auch mit Humor hat man`s schwer bei ihm, Ironie oder Sarkasmus (nicht bös, sondern lustig gemeint) entgleitet ihm; sofort ist er beleidigt.

Na wenn schon, ich will ihn ja nicht heiraten.

Er kommt auf den Tag unseres Kennenlernens zu sprechen:

ein heißer Sonntag im September auf der Donauinsel: Menschenmassen, bratend in der Sonne, hübsche junge Frauen, die meisten mit rasierter Muschi, allein liegend. Ich alte Urschel mit Käppi überm Gesicht, als er mich anspricht.

Angeblich hat ihn mein Körper so total angemacht und er hat gedacht `in diesen (leicht behaarten) Wonnehügel will ich hinein ` ...

Ich hab noch nie gefragt, aber heute interessiert`s mich „wieso hast du MICH angelabert, wenn so viele fesche junge Frauen dort waren!?“

Da hab ich aber eine Türe aufgestossen: sofort ereifert er sich, wie doof und selbstherrlich und egoistisch die jungen Wienerinnen sind, -

na, von Egoismus braucht der gute Flori nix reden – er ist einer der größten Egoisten überhaupt, zumindest in bezug auf mich: alles, was er an diesen Wochenenden, an denen wir uns sehen, machen will, muß gemacht werden; ansonsten ist er beleidigt und legt alles falsch aus.

Völlig empört reagiert er dann, als ich frage, wieso ihn die rasierten Muschis auf der Donauinsel nicht angetörnt haben (das ist doch anscheinend jetzt das große IN) – und endlich weiß auch ich die Erklärung, warum manche Männer das nicht mögen –

„da glaub ich ja, ich fick ein Kind, das ist ja direkt abstoßend, ich bin doch nicht pädophil“ sagt Flori, peinlich berührt.

Ich erzähle das ein paar Tage später meiner Freundin Eli, die mich aufklärt, daß es darüber sogar schon Abhandlungen, Spekulationen und Berichte in Zeitschriften gegeben hat (analysiert wahrscheinlich von der schönen Frau Gerti S.).

Und alles wäre darauf hinausgelaufen, daß Männer, die glattrasierte Frauen begehren, im Innersten unsicher sind, macho im negativen Sinne und schwache, junge, kindliche Gemüter bevorzugen, die ihnen nicht gleichwertig sind, die sie beherrschen und dominieren können.

Und alles das lesen sie aus einem glattrasierten Venushügel! Hmhm....

Außerdem fragt mich Eli, warum ich alles mitmache, was Flori so aufbereitet an einem Wochenende bei mir..., ob mir nicht schade ist, meine Stunden so zu verplempern – mit Fotos schauen, die mich nicht interessieren, Musik hören, die mir nicht gefällt, all diese Einschränkungen nur wegen ein bißl Sex?! Fragt sie mich...!

Well,well, what can I say – erstens mal ist es nicht ein bißl Sex, sondern wunderschön – Menschen tun oft noch viel mehr für viermal orgiastisch Vögeln in 24 Stunden, und zweitens kommt hier mein geduldiges Naturell (Sternzeichen Stier) zum Tragen.

Natürlich erstreckt sich diese meine Geduld nur über ein Wochenende, ja, nicht mal das – von Samstag drei Uhr nachmittags bis Sonntag drei Uhr nachmittags. Also da kann ich es schon ertragen, ein paar blöde Fotos zu schauen und blöde Musik zu hören, um den lieben Flori glücklich zu machen.

Jedenfalls wäscht Flori dann das Geschirr ab – sehr komfortabel für mich -, legt sich wieder auf`s Ohr und schläft sofort ein, und gerade als auch ich die Augen zumache und noch eine Stunde Schlaf erhaschen will, läutet das Telefon.

Wie schon erwähnt, ist`s mein Florida-Moppelchen, der gleich beim ersten Satz stöhnt, wie heiß und schwül es in Bonita ist, sehr lustig für mich, die ich hier bei minus 14 Grad sitze.

Dann sagt er, daß er morgen, Montag, das Geld für`s Flugticket überweisen wird und ich wenn möglich einen Samstag-Flug  (25.Feber) nehmen soll.

Trotz der klirrenden Kälte hier in Wien bin ich nicht ganz so begeistert wie ich sein sollte, von der Aussicht auf  warmes Florida-Wetter.

Ich fürchte mich schon vor dem langen Flug, vor dem staubigen, dreckigen Haus (Dickerchen putzt ja nicht), vor der verwahrlosten Küche, die ich wieder endlos lange säubern muß und überhaupt .... was soll`s, ich bin in Wien jetzt wieder so eingewöhnt, daß ich momentan gar nicht mehr weg will...

Außerdem hat sich meine Erst-Euphorie über all die Jahre, die ich in Florida gelebt habe, stark gemildert und ich sehe die negtiven Punkte -  in Florida im speziellen und in Amerika im allgemeinen – viel klarer.

Es ist gut und schön für 3 Wochen Urlaub – Sonne, Meer, Strand, Hotel,..alles ist aber anders, wenn man tatsächlich dort lebt, arbeitet, eventuell krank wird und keinen Millionär geheiratet hatte!

Ich versuche mir also vorzusagen, daß es mir in Bonita zwei Monate lang (länger als Ende April will ich absolut nicht bleiben!) unerhört gut gehen wird (ich werd`s mir halt gut gehen lassen) -  ich kann in der Sonne liegen, im Pool schwimmen, vielleicht sogar mit Freundin Barbara hie und da zum Strand fahren.

Das Strand-fahren war immer recht mühsam, weil um diese Jahreszeit kaum Parkplätze zu finden sind (die Yankee-snow-birds verstopfen alles!) und der Strand überhaupt im Laufe der letzten Jahre immer schmuddeliger und kleiner wurde, will heißen, schmäler; frag mich nicht, wieso – wahrscheinlich wandert das Meer weiter herein und will die Häuser, die immer näher zur Böschung gebaut werden, irgendwann mal überschwemmen.