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Rezept für eine schmackhafte Buchstabensuppe Man nehme: Zwei Pfund alltäglichen Wahnsinn, eine isländische Elfe, 40 cm eines schriftstellernden Lesezeichens, eine tote Sekretärin sowie einen sehr lebendigen Hufschmied. Auf kleiner Flamme mehrere Stunden leise köcheln lassen. Zum Schluss mit einer Prise Fantasie und einem Hauch Mordlust abschmecken.
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Seitenzahl: 163
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Vom alltäglichen Wahnsinn, isländischen Elfen, schriftstellernden Lesezeichen, toten Sekretärinnen und sehr lebendigen Hufschmieden
Vorwort
Der alltägliche Wahnsinn
Der Mann und die Küchenphysik
Wie sich vorfreudiger Speichelfluss in entgeistertstaubtrockenes Schlucken verwandeln kann
Pechsträhne
Computer-Maus
Eisheilige im Pumakäfig oder: Die nyktophobische Heizung
„Populärmusik aus Vittula“
Alle zwei Jahre zum TÜV
Winterblühendes Veilchen oder: Wie man sich selbst K.O. schlägt.
Phantastisches
Pump it up
Traum(a)Travel
Prinzenrolle
Prinzenrolle to go
Kriminelles
Schmitz & Schmitz
Schadenverhütung
Thors Hammer
Danke!
Gestatten: Andrea Schilken-Raulf, von Beruf Buchstabensuppenköchin, sowohl im Hauptjob als auch in der Freizeit. Ja, sogar nach Feierabend schwappen unendlich viele Buchstaben in meinem Hirn herum, die aufgeschrieben werden wollen. Diesem Wunsch komme ich natürlich liebend gerne nach!
Mittlerweile tummeln sich zig Geschichten in meiner analogen und auch der digitalen Schublade und ich suche mir jedes Mal einen Wolf, wenn ich eine ganz bestimmte nochmal lesen möchte.
Irgendwann war ich’s einfach leid.
Da ich zu den Menschen gehöre, die nur deshalb Ordnung halten, weil sie zum Suchen zu faul sind, habe ich nun dieses Buch zusammengestellt. Es hat sogar ein Inhaltsverzeichnis und ich kann endlich aufhören mit der Sucherei!
Euch wünsche ich viel Spaß beim Lesen.
Wer kennt ihn nicht, den alltäglichen Wahnsinn, der leise kichernd hinter der nächste Ecke lauert, immer bereit, dich in der nächsten Sekunde anzuspringen und deinen sorgfältig geplanten Tag völlig über den Haufen zu werfen?
In diesem Kapitel hat sich reichlich täglicher Wahnsinn der letzten Jahren angesammelt – aber lest selbst.
Diese Geschichte entstand im Jahr 2015, als wir beschlossen hatten, von „0815-Futter/Tiefkühlpizza“ auf „Gesund und lecker“ umzusteigen. Natürlich braucht man da auch das eine oder andere neue Werkzeug in der Küche.
Im Zuge unserer Ernährungsumstellung neulich habe ich mir endlich mal (trotz mit allem möglichem Kram vollgestopfter Küchenschränke ...) eine Salatschleuder gekauft. Weil: Es gibt jetzt relativ oft Fleisch (zur Freude meines fleischfressenden Westfalen), aber mindestens so oft auch Salat (zu meiner Freude).
Die Salatschleuder wohnt jetzt wegen Platzmangels oben auf dem Kühlschrank. Aber das nur so nebenbei.
Ein typischer Abend vor ein paar Wochen:
Es gibt Steak mit Salat. Da der Göttergatte in der Zubereitung des toten Tieres deutlich talentierter ist als ich, habe ich also erst einmal den Salat vorbereitet (Sößchen rühren, Salat schneiden, waschen und ab damit in die funkelnagelneue Salatschleuder) und dann unsere Mini-Küche verlassen, damit der Herr des Hauses sich voll und ganz dem tierischen Gebrutzel widmen kann.
Dass die Küche danach aussieht, als hätte er mit dem Stier erst noch gekämpft und ihn nach langem Ringen mit eigenen Händen erlegt, sei nur so nebenbei erwähnt.
Ich weiß nicht, ob er meine Anweisung: „Wenn Du so weit bist, sag’ Bescheid, dann baue ich den Salat zusammen!”, nicht gehört hat oder nicht hören wollte – jedenfalls drangen aus der Küche plötzlich surrende Drehgeräusche, die abrupt mit einem hektischen „Flapflapflapflapflap!” endeten.
Danach: Stille.
Dann: „Verdammt, wieso sagt mir denn keiner, dass man den Salatschleuderdeckel erst abnehmen darf, wenn das Drecksding zu Ende geschleudert hat?!”
Merke: Jungs sind in Physik nicht besser als Mädchen! Aber das nur so nebenbei.
P. S.: Ich habe noch Wochen später Salatschnipsel hinter dem Wasserkocher, dem Messerblock und dem Brotkasten gefunden.
2016 war’s, als wir wieder einmal in der Eifel waren. Die Gegend gefällt uns wirklich gut und ein dort lebender Freund hatte uns dieses Hotel von Herzen empfohlen – Wellnessbereich und Steakhaus inbegriffen. Klang wirklich gut! Aber diese Geschichte wäre nicht geschrieben worden, hätte der Freund recht behalten.
Da irgendwie alle anderen Urlaubspläne in diesem Jahr gründlich in die Buxe gegangen waren, hatten wir beschlossen, es am Ende des Jahres doch nochmal so richtig krachen zu lassen: vier Tage Eifel, mit allem Schnickschnack – Wellnesstempel, Massagen, jeden Abend ein 3-Gänge-Menü. Das Ganze kostete ein Schweinegeld, aber die vier Tage mussten ja schließlich die in diesem Jahr ansonsten ausgefallenen Urlaubswochen komplett ersetzen.
Das letztlich gebuchte Hotel wurde uns wärmstens empfohlen, weil es ein soooo tolles Restaurant hat, das die hauseigenen Rinder zu Dry-Aged-Beef, Steaks von Shakespeare-Sonett-verdächtiger Güte und Burgern verarbeitet, die den Gast in nicht enden wollendes kulinarisches Entzücken versetzen. Die Hotel-Website verspricht Ähnliches, reichlich mit kunstvollen Bildern versehen, die zu spontanem Sabbern anregen. In diesem Tempel des Hochgenusses sollen die abendlichen Menüs stattfinden? DAS entschädigt doch für alle entgangenen Urlaubsfreuden des Jahres!
Freitags reisten wir also an, bekamen unseren Schlüssel ausgehändigt und den Weg zum Zimmer gewiesen. Auf unsere Frage nach der Möglichkeit einer Terminvereinbarung für die gebuchten Massagen erhielten wir ein flüchtiges Winken mit der Rezeptionistinnenhand – quer über den durch eine Baustelle zerklüfteten Parkplatz: „Da hinten ist der Wellnessbereich, gehen Sie einfach mal gucken.“ Ok, wir gingen. Gucken. Mehr aber auch nicht, weil: Da war niemand. Nun gut, wir hinterließen eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter und auf vorbereiteten Zettelchen. Zumindest bekamen wir aber schon mal eine kostenlose Fuß-Schlammpackung auf dem Weg zurück ins Hotel, quer durch die matschige Baustelle.
Auf dem Zimmer entzückte uns die in der Hotelwerbung versprochene Senseo-Kaffeemaschine – mitsamt zweier einsamer Kaffeepads. Und zwei noch einsameren Tütchen Milchpulver. Sowie zwei von allen Göttern dieser Welt verlassenen Tütchen Zucker. Hm. Hat das Zimmermädchen vergessen, die Kaffeebar aufzufüllen? Genauso, wie sie vergessen hat, die gebuchten Sauna-Bademäntel aufs Bett/ins Bad/in den Schrank/ in das Kommodenschublädchen/auf den Balkon/unter die Bibel zu legen?
Wie sich herausstellte: Die Bademäntel hatte sie tatsächlich vergessen – die Kaffeepads nicht. Davon gab es wahrhaftig nur zwei pro Tag. Man scheint dort das Wohl des Gastes in Form niedrigen Blutdrucks sehr hoch zu schätzen.
Während wir uns im Zimmer häuslich einrichteten, rückte der Zeiger der Uhr in Richtung Abendessen. Aaaaah, endlich den versprochenen Genuss auf dem Teller sehen, schmecken, bei einem trockenen Roten wonniglich leise rülpsen!
1. Gang: Steinpilzcremesuppe
Nun ja, der Steinpilz (mehr als einer konnte es wirklich nicht sein!) war herauszuschmecken, aber wir hätten diese Suppe eher „Kartoffelsüppchen mit Steinpilzaroma an Essigschaum“ getauft. In der Karte steht das „Eifeler Steinpilzsüppchen“ übrigens mit gebackener Riesengarnele und Speck, die aus unerfindlichen Gründen beide nicht den Weg in unsere Suppenteller gefunden hatten.
Schwamm drüber, war ja nur eine Suppe, weiter zum
2. Gang: Geschnetzeltes mit Kartoffelpü
Wie jetzt – wir sitzen im angesagtesten Steak-Restaurant der Vulkaneifel und es gibt Geschnetzeltes?
Das Löblichste, was ich über diesen Gang sagen kann, ist, dass das Pü eher ein Stampf und somit kein fieser schleimiger Tapetenkleister war, wie er leider heute en vogue ist.
Ansonsten fehlte diesem Gericht alles Mögliche, vor allem eins: Geschmack. Das Geschnetzelte hätte von meiner Ruhrpott-Omma sein können, die außer Salz und Pfeffer keine anderen Gewürze kannte. Und die darüber hinaus noch sehr sparsam war – auch mit den Gewürzen. Genauso das Pü: Kartoffel mit Wasser-Milch und einer mehr als dezenten Ahnung von Salz. Eine Muskatnuss durfte dieses arme Pü in seinem kurzen, freudlosen Leben nicht mal von Weitem sehen.
Wie es in solch feinen Restaurants üblich ist, kam im Laufe unseres entgeisterten Kauens eine Kellnerin vorbei und fragte die übliche Frage: „Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit?“ – Öhm … nein. Ganz und gar nicht! Dass die Eifel früher ein bitterarmer Landstrich war, ist zwar bekannt, aber dieses Beharren auf alten Traditionen ist doch ein klitzekleines bisschen übertrieben, fanden wir. – Der armen Kellnerin entgleiste das Gesicht und sie holte flugs die Geschäftsführerin, die detailliert wissen wollte, was uns nicht schmeckte. Diesem Wunsch haben wir ausführlichst entsprochen – auf meinen Hinweis, dass es sich doch um ein sehr „farbloses“ Gericht handele, meinte sie: „Aber ein Geschnetzeltes ist nun mal braun und nicht bunt!“ – Oh Herr, schmeiß Hirn vom Himmel! Oder Steine! Aber triff!!
Flugs verschwand Madame sodann höchstselbst in die Küche, um vom geschmähten Geschnetzelten zu kosten und kam eine Minute später zurück, um zu verkünden, dass mit diesem Gericht alles seine Ordnung habe. – Ja klar, wenn man dem Hotelgast für „kleine“ Preise 3-Gänge-Menüs verkauft, kann doch eben dieser Gast nicht verlangen, dass es die tollsten Spezialitäten gibt! Nein, das verlangten wir ja auch nicht, aber ein Hauch Thymian oder ein Krümelchen Muskatnuss würde doch niemandem weh tun, oder? Dieser Meinung war die Chefin allerdings nicht und entschwand schnaubend um die Ecke. (Übrigens hat sie uns für den Rest unseres Aufenthaltes keines Blickes mehr gewürdigt und ist immer auffallend fix verschwunden, sobald wir auf der Bildfläche erschienen.)
Offensichtlich gibt es die Köstlichkeiten, mit denen dieses Restaurant sich brüstet, nur für reichlich zahlende externe Gäste, der gemeine Halbpensionist hat sich wie ein lästiges Stiefkind am Katzentisch mit den Resten zu begnügen.
Irgendein guter Geist hatte offensichtlich Mitleid mit uns und so gab es statt der angekündigten Rotwein-Creme zum
3. Gang: Lavabombe
Zugegeben: das teuerste Dessert auf der Karte. Und eine tolle Show: Eine Kugel aus weißer Schokolade wird mit heißen Himbeeren zum Schmelzen gebracht und gibt drei Kugeln Vanilleeis frei. Ziemlich spektakulär, aber geschmacklich genau wie der Rest des Menüs: fade. Ok, weiße Schokolade war noch nie meins, das konnte dort niemand wissen, aber auch das Vanilleeis war nix Besonderes und die Himbeeren eher ein knallroter Zuckermatsch.
Aber der Rotwein von der Ahr war lecker.
Am nächsten Morgen freuten wir uns auf ein „reichhaltiges Frühstücksbuffet mit regionalen Produkten“ (Zitat Website). Etwas bange wurde mir ja bei der morgendlichen Zigarette auf dem Balkon, als ich beobachten konnte, wie gerade der „Bofrost“-Lieferwagen den Hof verließ …
Und tatsächlich: Die Stachelbeermarmelade könnte vielleicht wirklich von Tante Erna gekocht worden sein, ansonsten gab es Wurst und Käse vom Discounter. Vom regionalen, vermutlich.
Zur Ehrenrettung des Hauses muss allerdings festgehalten werden, dass die folgenden zwei Abendessen wirklich gut waren: Steak und Burger – geht doch! Ob das alle Menü-Hotelgäste gekriegt haben oder nur wir ollen Querulanten, haben wir leider nicht herausgekriegt.
Tiere sind auch immer für eine Überraschung gut, an diesem Sonntag war es unsere alte Hündin, die ein gänzlich anderes Sonntagsprogramm für mich vorgesehen hatte als ich selbst.
Morgen geh ich zum Frisör und lass‘ mir meine Pechsträhne blond färben!
Sonntag. Tag der Entspannung. Den Göttergatten im Krankenhaus besuchen, danach Füße hochlegen und den Bauch kraulen (den der Katze natürlich!). Nach der letzten Woche voller Pleiten, Pech und Pannen hab‘ ich das dringend nötig, finde ich. Und heute mach ich mal NIX.
Soweit der Plan.
Bis Punkt 1 hat das auch geklappt.
Als ich vom Krankenbesuch wieder nach Hause kam, lag unsere alte Hundedame wild hechelnd in der Ecke, um sie herum zahllose Haarbüschel, dass man hätte denken können, sie hätte zum Mittagessen ein Karnickel unterm Couchtisch verspeist. Während ich noch krampfhaft überlegte, WIE um alles in der Welt ein Karnickel sich in unser Wohnzimmer verirren konnte, wurde mir klar, dass die Haarbüschel vom Hund selbst waren: Sie knabberte und juckte und zupfte sich am Hinterteil, dass die Haare nur so flogen. Eine Kontrolle am Hundeauspuff ergab: total verklebte Haare und ein seltsam weißliches Sekret. – Nee, ne?!
Gottseidank haben unsere Tierärztinnen sonntags Notfallsprechstunde. Leider weiß das nicht nur ich, sondern auch der Rest von Velbert. Nach einer guten Stunde Wartezeit konnten wir das alte Mädchen dann endlich auf den Behandlungstisch wuchten – wenn 33,5 kg das partout nicht wollen, kann das schon mal etwas abenteuerlich werden und drei gestandene Frauleut erfordern.
Nach gründlicher Untersuchung inklusive Intimrasur (beim Hund!) stellte sich heraus, dass des Hundchens Analdrüsen dermaßen voll und verstopft waren, dass die arme Maus wohl so lange daran herumgeleckt hat, bis sich gleich daneben ein Abszess gebildet hatte. Und den hatte sie sich heute Mittag erfolgreich aufgeknabbert. Leider nur den Abszess, nicht die Analdrüsen ... Die durfte dann die freundliche Tierärztin entleeren – mit dem Ergebnis, dass die Ärmste danach aussah, wie weiland Michael Schumacher nach einer Champagner-Dusche. Allerdings in Braun. Und nicht ganz so wohlriechend. (Wer einen Hund hat, weiß, was ich meine ...) Der Rest der Behandlung fand dann bei WEIT geöffnetem Fenster statt, gefolgt von Frau Doktors „duftender“ Flucht quer durchs Wartezimmer mitsamt eines „Moment, ich komme gleich wieder!!“ in Richtung der restlichen Wartenden.
Während ich noch am Tresen stand und bezahlte, tauchte Frau Doc wieder auf, mit nassen Haaren, jetzt auch für Menschennasen wohlriechend und gewandet in einen sauberen und frisch gebügelten Behandlungskittel. Ich hätte nie gedacht, dass man SO schnell duschen und sich umziehen kann!
Nach anfänglichem Gezeter hatte sich endlich auch das Hundchen in sein Schicksal ergeben, dass es eine Woche lang eine Halskrause tragen muss. Vielleicht hat es ja geholfen, dass ich ihr erklärt habe, dass gerade Karneval ist und jeder Hund, der was auf sich hält, verkleidet ist. Bis Aschermittwoch.
Auch kleinere Tierchen können dem Alltag eine ganz besondere Note von Wahnsinn geben.
„Die Maus ist ein Eingabegerät (Befehlsgeber) bei Computern.“
Sagt Wikipedia. Und hat damit SO recht! Vor allem mit dem „Befehlsgeber“.
Letzte Woche versagte mein Internet den Dienst. Komplett und umfassend und nicht zur Wiederaufnahme der Arbeit zu überreden. Da half kein Neustart, kein Wackeln an Steckverbindungen, kein Reset des Routers; auch wildeste Flüche und Verwünschungen blieben ohne Wirkung. Der Göttergatte fand fix heraus, dass offensichtlich eine Maus das Datenkabel angefressen hatte – die Isolierung war sauber abgenagt, die Kupferdrähte zumindest testgegessen worden und hingen nur noch am seidenen Faden.
Man sollte vorab wissen, dass unsere „Technikzentrale“ sich im Keller befindet. Mein Büro aber liegt in der 1. Etage. Weil WLAN in unserer Hütte über mehrere Etagen reichlich schwächelt, gibt es also besagtes Kabel, das sich vom Router im Keller durch ein Loch in der Hauswand an ebendieser hinaufringelt wie eine Kletterschlange, um durch ein Loch in meiner Bürowand letztendlich an meinem Rechner anzudocken.
Zwar haben wir jetzt auf jeder Etage einen WLAN-Repeater hängen, aber das Kabel tut‘s doch ganz prima, keine Geschwindigkeitsverluste, kein Ruckeln und Stolpern, alles bestens.
Solange es keine hungrigen Mäuse gibt.
„Durch Betätigung […] der Maus kann der Nutzer verschiedene Aktionen […] durchführen.“
Stimmt. Zum Beispiel am heiligen Sonntag das halbe Büro ausräumen, um an das vermaledeite Wandloch zu kommen. Mit einer dicken Stricknadel, Nadelstärke 9 (ein dreifach Hoch auf dieses wunderbare Hobby!), unterm Schreibtisch knieend/ liegend im Loch rumprökeln, um diverse Mauergeröllbrocken nach draußen zu schubsen, damit der dämliche Stecker durchs Loch passt. Oder im strömenden Regen zirkusreife Verrenkungen ausführen, um ebendiesen Stecker durch das nächste unwillige Wandloch in den Keller zu versenken.
Wer mich kennt, kann sich ausmalen, dass sich mein Wortschatz bezüglich Schimpfwörter und nicht jugendfreier Flüche immens erweitert hat an diesem Sonntag.
Nach weiteren, Yoga-Meisterschafts-verdächtigen Turnübungen im Keller-Technik-Wandschrank war dann endlich das Kabel an den Router angeschlossen: Yeah, ich hab‘ wieder Internet! Den ganzen lieben Sonntagabend lang!
Ja. War schon schön.
Bis Montagmorgen.
Wie immer gegen kurz vor 8 schalte ich den Rechner an, trinke einen Schluck Kaffee, drehe mir eine Zigarette und warte darauf, dass sich alle Computer-Synapsen und Schaltkreise zurechtruckeln. Tun sie auch. Bis auf die Internetverbindung.
WHAT THE F***????????
Der Rechner sagt: „Machma dat Kabel rein!“ Ist doch drin, Mensch! Jedenfalls hier oben im Büro. Zwei Etagen runter, da mal nachgucken: Unten im Router ist es auch drin und der funktioniert ganz brav, auf allen Kanälen. Sicherheitshalber trotzdem mal das Kabel rausziehen und wieder reinstecken, man weiß ja nie. Und das Reset nicht vergessen, vorsichtshalber. Zwei Etagen wieder rauf – Internet ist immer noch tot. Mein Rechner beglückt mich mit der Aufforderung: „Machma dat Kabel rein!“ – Wie gut, dass ich gestern noch neue Schimpfwörter gelernt habe.
Aber gut, wieder auf Knien unter den Schreibtisch krabbeln, Kabel prüfen. Im Büro selber bis zum Wandloch ist alles in Ordnung. Raus in den strömenden Regen (jaja, ich hab‘ ja vorhin erst geduscht …): Auch die drölfzig Meter die Wand runter ist das Kabel heile. Pitschnass ab in den Keller, Frühsport im Wandschrank: Einen Meter vom Router entfernt halte ich nur noch ein abgenagtes und ausgefranstes Kabelstrippenende in der Hand. Absolute Fassungslosigkeit macht sich bei mir breit. Gefolgt von totaler Sprachlosigkeit (sic!).
Lassen wir stattdessen noch mal Wikipedia sprechen:
„Seit Anfang der 1990er-Jahre bildet die Maus somit […] eine der wichtigsten Mensch-Maschine-Schnittstellen.“
Ich hab‘ mir jetzt einen WLAN-Stick bestellt.
Nachtrag:
Snickers ist ein prima Mause-Köder. Vorhin konnte ich das kleine Mistviech mitsamt Lebendfalle aus dem Technikschrank befreien und in den Wald schubsen. Hoffentlich findet es den Rückweg nicht.
Und eigentlich könnte ich ja jetzt ein neues Kabel in den nun mausefreien Wandschrank legen …
Im Keller leben nicht nur Mäuse und Router, sondern auch Heizungen. Ja, richtig gelesen: Sie leben.
Wir brauchen eine neue Heizung. Schon lange zickt die alte rum wie GNTM-Kandidatinnen, wenn sie kein Foto von Mama Heidi kriegen. Nach langem Suchen ist nun auch die Entscheidung gefallen: DIE soll’s sein! Und eingebaut werden soll sie, wenn wir Urlaub haben.
Also jetzt.
Weil: Jetzt ist Mai und es ist warm genug, dass man nicht mehr heizen muss (mit soooo eiskalten Eisheiligen hatten wir nicht gerechnet!). Und auf eine heiße Dusche kann man auch ein paar Tage lang verzichten. Zur Not müssen wir halt mal im Bademantel, mit Adiletten an den Füßen und ‘nem Handtuch über der Schulter durch die Vorgärten zu Nachbars latschen, um dort gastzuduschen. Das erfreut unsere Wasserrechnung und auch die restlichen Nachbarn hier in der Straße.
Vor drei Tagen haben die Jungs nun damit angefangen, das alte Heizungsmöhrchen zu demontieren und aus dem Keller zu wuchten, auf dass es der Schrotthändler zu Grabe tragen möge. Dass das ziemlich viel Dreck macht, war mir ja klar, aber wenn die Katze von ihrem Futterplatz im Keller wieder hochkommt und überall im Haus schwarze Pfotenabdrücke hinterlässt, ist das nicht so schön.
Vor zwei Tagen wuchteten dann die Herren das neue Modell in den Keller runter und fingen mit den Montagearbeiten an. Von morgens halb 8 bis nachmittags um 4. Wir konnten nicht einmal der Katze die schwarzen Beine abwaschen, denn dass: „Wir stellen nur mal kurz das Wasser ab!”, gleichbedeutend mit „Für den ganzen Tag!”, ist, war mir auch neu. Aber gut, was nimmt man nicht alles in Kauf, damit der Herr des Hauses seine Abende wieder mit der Gattin und nicht mehr mit der Heizungszicke verbringen darf.
Nach anderthalb Tagen ohne Dusche fingen wir allmählich an, ein wenig nach Pumakäfig zu duften ... Aber das Ende war ja schon in Sicht.
Am Freitag dann war ich alleine mit den Heizungsherren, der hauseigene Wikinger verkrümelte sich aufs erste Lager der Saison. Ich hatte ja die leise Hoffnung, dass die fix fertig würden, der gemeine Handwerker entschwindet ja freitagmittags ins Wochenende. Pustekuchen: Um 17:30 Uhr (!) erst waren die Jungs durch die Tür. Ok, es hätte schon eine Stunde früher sein können, aber bekanntlich sitzt der Teufel ja im Detail: Die Zirkulationspumpe in der Warmwasserbereitung hatte ‘ne Macke. Also nochmal rüber ins Nachbardorf zum Lager, provisorisches Ersatzteil holen (der Großhändler ist schlauer, der hat tatsächlich freitags schon ab Mittag zu), kaputtes Teil aus- und neues einbauen.
Aber dann waren sie endlich weg und ließen mich und die funktionierende Heizung alleine. Halleluja! Katze füttern, Spitzkohl schnibbeln, Hack anbraten, Kohl dazukippen, Deckel drauf – duschen gehen! Der Moment, auf den ich mich seit drei Tagen gefreut habe wie Bolle!
Und dann stehste da im Evakostüm schnatternd im Badezimmer, drehst die Dusche auf, fühlst nach der Wassertemperatur – hm, noch kalt. Ok, noch einen Moment laufen lassen, da müssen ja auch erstmal Luft und kaltes Wasser raus. 30 Sekunden später nochmal fühlen – immer noch kalt. Boa ey, das DAUERT! Nach weiteren 30 Sekunden wieder fühlen – kälter als kalt. Quasi kurz vor Eiswürfel.
Das darf doch nicht wahr sein!
Wieder anziehen, Not-Nummer vom Heizungsklempner suchen, anrufen. „Lieber
