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In dieser Sammlung aus Märchen und Kurzgeschichten für Groß und Klein dreht sich alles um Wald-, Wiesen- und Gartenblumen. Von Löwenzahn bis Rittersporn, von Osterglocken bis zum Christstern steht eine Blume im Mittelpunkt jeder Geschichte. Mal märchenhaft mit Elfen und Hexen, mal im "echten Leben", wie es früher war, angesiedelt, entführt Sie dieses liebevoll von der Autorin selbst illustrierte Buch in Fantasiewelten und dürfte dennoch bei älteren (Vor-)Lesern Erinnerungen an früher wecken.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Inhaltsverzeichnis
Winterlinge und die Hasenkinder
Blümchen und die Kuhschelle
Die Osterglocke und der Wind
Von Margeriten und Gänseblümchen
Engel Stephan und die Schlüsselblume
Der Christstern
Ingelein und Muttertag
Die Tulpe und das Eichhörnchen
Bambi und das Bluttröpfchen
Die Sonnenblume und der Schmetterling
Bello und der Löwenzahn
Die Kinder und das Stiefmütterchen
Das Vergissmeinnicht und die Erinnerung
Marie und die Wegwarte
Das Findelkind und die Pfingstrose
Die Zigeunerin und die Bauernrose
Die Stunde der Mäuse
Der Riese Balduin und der Fingerhut
Die Seerose und der Wassermann
Die Hexe und die Wiesenblumen
Das Veilchen und die Elfe
Die Kornblume und der Bauernhof
Der Schimmel und der Rittersporn
Der Tagelöhner und die Kaiserkrone
Die Königskerze und die Königstochter
Das Schneeglöckchen und die Schneekönigin
Impressum
Nach einem langen Winter freuen sich Mensch und Tier besonders über die Blumenpracht in den Wäldern.
Da breiten sich weiße Teppiche von Märzenbechern, blaue von Leberblümchen und gelbe von Winterlingen aus.
Nach der langen Zeit, die man im Hause verbringen musste, genießt jeder die wunderbare Luft im Wald ganz besonders.
Deshalb ist am Sonntagmorgen der Wald voller Spaziergänger, die die himmlische Ruhe genießen.
Himmlische Ruhe! Wenn sie sich da nur nicht täuschen.
Kaum sind die letzten Spaziergänger verschwunden, kommen aus Büschen und Hecken, aus Nestern und Höhlen Tierkinder hervor.
Endlich gehört der Wald wieder ihnen!
Reh, Hase und Fuchs, der flinke Dachs und noch andere Tierkinder wollen Verstecken spielen.
Das Eichhörnchen sitzt auf einem Baum und schaut zu. Aber nach einer Weile wird es ihm zu langweilig. „Darf ich auch mitspielen?“, ruft es von oben herunter.
Alle sind einverstanden und das Versteckspiel geht weiter. Aber nicht lange.
„Das ist unfair“, beschwert sich der Hase, „du kannst dich auf den Bäumen verstecken, wo wir dich nicht sehen können.“
Aber das Eichhörnchen protestiert: „Die Mäuse können ja auch in ihren Gängen verschwinden.“
Jedes der Tierkinder meint jetzt, die anderen hätten irgendwelche Vorteile.
In das immer lauter werdende Geschrei klingt die ärgerliche Stimme der Hasenmama. Sie wollte gerade ihren Mittagsschlaf halten, aber der Lärm ist einfach zu groß.
„Alle her zu mir“, ist ihre energische Stimme zu hören. Die Tierkinder kommen mit hängenden Ohren an. Sie wissen genau, dass sie mittags leise sein sollen.
„Jetzt werdet euch erstmal einig, wo ihr euch verstecken dürft“, sagt Mama. „Sucht euch Verstecke aus, die jeder erreichen kann. So habt ihr alle euren Spaß.“
Dabei, denkt sie, kann ich in Ruhe meinen Mittagsschlaf halten.
„Hey“, sagt der Sohn vom roten Fuchs, „das ist doch ganz einfach: alle Verstecke auf dem Boden sind erlaubt, alle Bäume und Höhlen sind aus.“
Der Fuchs muss als erster suchen.
Jetzt haben es die Tierkinder eilig, denn jeder will möglichst lange nicht entdeckt werden.
Die beiden Hasenkinder legen sich ganz flach zwischen die Blaubeersträucher. Das Eichhörnchen hat es nicht einfach, sein Schwanz steht so hoch, also versteckt es sich am besten hinter einem Baum. Der Dachs und die anderen Tiere finden ihre Verstecke hinter Büschen oder bemoosten Steinen.
Die Mäuse meinen sie sind die Allerschlauesten: sie verstecken sich in einem gelben Teppich aus Winterlingen.
Aber an den Blütenstaub haben sie nicht gedacht. Dem Fuchs reicht es jetzt. „Ich komme“, ruft er.
Aber noch bevor er anfängt zu suchen, hört er ein lautes Niesen. Es sind die Mäuse.
Der Blütenstaub der Winterlinge kitzelt in ihren Nasen, länger können sie es nicht mehr zurückhalten.
Sie sind also die nächsten, die suchen müssen.
Aber erst einmal dauert es eine Weile, bis der Fuchs die anderen gefunden hat.
Den Hasenkindern ist das nur recht, so können sie sich an den Eicheln im Gestrüpp gütlich tun.
Endlich sind alle gefunden und das Spiel kann weiter gehen.
Am Abend sind die Tierkinder müde und verschwinden glücklich in ihren Nestern und Höhlen.
Es war einmal, vor langer, langer Zeit.
Auf einer Weide graste eine Herde Kühe.
Sie konnten sich an dem saftigen Gras satt fressen, wann
immer sie wollten.
Der Hirte lag also auf der Wiese, las in einem Buch oder schlief einfach ein Stündchen.
Hirt und Herde waren glücklich und zufrieden mit sich und der Welt.
Während die Herde über die Weide zog, immer dorthin wo das saftigste Gras stand, blieb eine junge Kuh immer weiter zurück.
Die Kinder des Bauern hatten sie Blümchen getauft, weil sie sich am liebsten in einen Blumenteppich legte.
Aber jetzt wurde Blümchen immer langsamer. Sie war trächtig und konnte nicht mehr so schnell laufen. Das Kälbchen in ihrem Bauch wuchs und wuchs und wurde immer schwerer. Irgendwann konnte Blümchen nicht mehr und blieb einfach stehen.
Als es Abend wurde, stand Blümchen ganz alleine da. Von der Herde war nichts mehr zu sehen
Ausgerechnet jetzt wollte das Kälbchen auf die Welt kommen. Aber weil Blümchen ihr allererstes Kälbchen bekam, rannte sie in Panik wie blind über die Weide und verletzte sich am Bein.
Vor Angst fing sie an laut zu muhen, aber keiner hörte sie. Oder doch?
Um Blümchen herum standen Büschel von Blumen mit zartvioletten Blüten, geformt wie Glocken.
Blümchen hatte diese Blumen noch nie bemerkt.
Aber als sie so da lag, voller Angst, meinte sie, ein zartes Läuten zu hören.
Der Wind hatte die Blüten bewegt und den Klang hörten auch die Vögel. Sie flogen hin zu Blümchen.
Als sie die verletzte Kuh sahen und die Angst in ihren Augen, zwitscherten sie so laut, dass der Hirte das Gezwitscher der Vögel und das Läuten der Glöckchen nicht mehr überhören konnte.
Er hatte Blümchen schon gesucht und war froh, sie endlich gefunden zu haben.
So konnte er Blümchen bei der Geburt beistehen.
Blümchen leckte ihr Kälbchen liebevoll ab. Es war ja ganz nass auf die Welt gekommen. Dabei schaute sie dankbar die violetten Glöckchen an, die durch ihr Läuten dem Hirten den Weg gezeigt hatten.
Seit damals heißt die Blume im Volksmund Kuhschelle.
Im Hühnerstall ist endlich Ruhe eingekehrt.
Auch die jungen Hühner sind eingeschlafen.
Da klopft es an der Wand, erst ganz leise, dann immer lauter.
Die Erste, die auf das Klopfen reagiert, ist die alte Henriette.
Das können doch nur die Osterhasen sein, so wie jedes Jahr um diese Zeit.
Die quirligen Hasen haben immer Angst, die Hühner könnten
vergessen, dass bald Ostern ist.
Aber da haben sie sich getäuscht, die ersten Eier liegen schon bereit. Denn mit dem Anmalen haben die Hennen nichts am Hut, das können die Hasen besser.
Henriette lässt die Hasen herein, aber die sind so laut, dass die jungen Hennen aufgeregt durch den Stall fliegen.
Ums Haar wären die Eier dabei zu Bruch gegangen. Aber Henriette setzt sich schnell darauf, so bleiben die Eier heil.
Die Hasenmutter beschwert sich, auch wie jedes Jahr, über die wenigen Eier, aber Henriette beruhigt sie.
„Morgen heben wir dir die doppelte Menge auf. Es sind ja noch acht Tage bis Ostern, du kannst so viele Eier haben, wie du brauchst.“
Jetzt ist die Hasenmutter zufrieden und zieht mit Eiern und Söhnen ab.
Die Tochter des Bauern wundert sich in der kommenden Woche über den Appetit der Hennen. Schon sind die Näpfe wieder leer. Nur Eier findet die Bäuerin fast keine im Nest. Erst wundert sie sich, aber dann fällt ihr etwas ein.
Ist es nicht jedes Jahr das Gleiche?
Immer in der Woche vor Ostern wollen die Hühner nicht legen und seltsamerweise bringt der Osterhase besonders viele schön bemalte Eier.
Ob da wohl ein Zusammenhang besteht?
Die Hühner bekommen also so viele Körner, wie sie brauchen, und jede Nacht holen die Hasen die schönsten Eier ab.
Sie bringen die Eier zu ihrer Unterkunft, die an einem kleinen Teich liegt.
Dort blühen jetzt schon die Osterglocken.
Am Rande des Tümpels wachsen Weiden. Zwischen ihren Wurzeln haben die Osterhasen ihre Gänge und Höhlen gegraben. Alle schön mit Moos ausgepolstert, so müssen die Hasen auch in der Winterzeit nicht frieren.
Aber jetzt herrscht dort Hochbetrieb, die Arbeit ist gut eingeteilt.
Zuerst werden die Eier gewaschen und gekocht.
Das Wichtigste ist natürlich das Färben der Eier.
Woher die Hasen wohl die Farben haben?
Ja, da wissen die alten Hasen gut Bescheid.
Schon im Herbst beginnen sie zu sammeln. Zum Beispiel Nussschalen, damit werden die Eier goldbraun.
Oder getrocknete Holunderbeeren, das gibt schöne blaue Eier.
Mit Zwiebelschalen gekocht werden die Eier strahlend gelb.
Am meisten Arbeit machen die roten Eier. Dafür müssen die Hasen ganz viele Rosenblätter sammeln und trocknen.
Aber die Osterhasen machen das gerne. Sie wissen ja, dass sie an Ostern mit den strahlenden Augen der Kinder belohnt werden. Aber dieses Jahr beinahe wäre daraus nichts geworden.
Am späten Nachmittag des Ostersamstages waren die Hasen endlich fertig.
Alle Eier waren bunt gefärbt und sie warteten nur noch darauf, von den Hasen versteckt zu werden. Nur noch ein bisschen ausruhen, dann konnte es losgehen.
Aber weil sie gar so müde waren, sind alle Hasen eingeschlafen!
Die Sonne hat der Geschäftigkeit der Hasen mit Vergnügen zugesehen.
Aber als sie alle da liegen und schlafen, fragt sie sich, wann sie wohl die Eier verstecken wollen.
Bevor die Sonne untergeht, scheint sie den Hasen noch mal kräftig in die Gesichter. Einige müssen zwar niesen, aber aufwachen tun sie nicht.
Was ist da zu tun? Sie selbst muss jetzt untergehen und ihr Versuch, die Hasen mit ihren Strahlen zu wecken, hat nicht gewirkt.
Da fällt ihr der Wind ein! Ja, der kann sicher helfen.
Sie erzählt ihm, um was es geht.
Die Hasen müssen geweckt werden, egal wie.
Es wäre doch eine Riesenenttäuschung, wenn die Kinder am Ostermorgen ihre Nester leer fänden.
Der Wind weiß genau, was zu tun ist.
Die Hasen liegen zwischen den voll erblühten Osterglocken.
Er holt Luft und bläst mit aller Kraft in die Osterglocken hinein.
Wir Menschen würden wahrscheinlich gar nichts hören, aber die Hasen, die gewohnt sind, auf die Stimmen der Natur zu reagieren, wachen durch das zarte Läuten der Osterglocken auf.
Gerade noch rechtzeitig, um die wunderschön gefärbten Eier zu verstecken.
Deshalb können sich die Kinder wie jedes Jahr über die bunten Eier freuen.
Ein Glück, dass die Osterhasen noch rechtzeitig durch das Läuten der Osterglocken geweckt worden sind.
Die kleine Luise ging mit ihrer Mutter spazieren.
Es war Sommer und die Wiese, an der sie gerade vorbeikamen, war über und über voll mit Blumen.
Sie leuchteten in allen Farben, der rote Mohn, die blaue Kornblume, die weiße Margerite und dazwischen die kleinen süßen Gänseblümchen.
"Welche Blume gefällt dir am besten?" fragte Mama die kleine Luise.
Da musste die Kleine gar nicht lange überlegen: die weiße Margerite, weil sie die allergrößte und schönste ist mit ihren strahlenden weißen Blüten.
Als Luise größer wurde, blieb die Margerite ihr Vorbild.
Auch sie wollte die Größte und Schönste werden. Sie war fleißig und strebsam. Aber auf die anderen, die nicht so begabt waren wie sie selbst, schaute sie herab, genauso wie die Margerite es tat.
Dann eines Tages kam ein furchtbarer Sturm. Er deckte Dächer ab, legte Bäume um, das Wasser kam in Sturzbächen und lief in die Keller.
Als der Sturm vorbei war, hatten die Menschen alle Hände voll zu tun, um die Schäden, die er angerichtet hatte, zu beseitigen.
Luise hatte nur eines im Sinn: was war aus ihren Margeriten geworden?
Sie rannte zur Wiese, aber soviel sie auch schaute, da stand nicht eine einzige ihrer geliebten Margeriten.
Der Sturm hatte sie alle umgeknickt.
Die Tränen liefen Luise über die Wangen. Sie musste sich setzen. Vor lauter Kummer waren ihre Knie weich geworden.
Aber da sah sie durch ihren Tränenschleier, dass auf der Wiese auch kleine Blumen standen.
Es waren Gänseblümchen. Denen hatte der Sturm nichts anhaben können. Sie hatten sich auf die Erde geduckt, so waren sie heil durch das Unwetter gekommen. Und nicht nur das: mit ihren Wurzeln hatten sie auch die Wurzeln der Margeriten festgehalten.
Als Luise das sah, versiegten ihre Tränen.
Dankbar streichelte sie den Gänseblümchen über die Köpfchen.
"Danke", sagte Luise, "ich werde euch in Zukunft nie mehr übersehen.“
Es dauerte nicht lange, da wuchsen die Margeriten zwischen den Gänseblümchen hervor.
Alle Blumen erholten sich bald von dem Sturm.
Da erkannte die nun große Luise, dass nicht nur die großen Blumen es wert waren, bewundert zu werden, sondern auch die vielen kleinen Blumen.
Zusammen lassen sie die Wiese in allen Farben leuchten.
Es regnet und regnet, es will gar nicht aufhören. Barbara und Wolfgang schauen zum Fenster hinaus.
„Mama, warum hört das nicht endlich auf?“, fragt Barbara.
„Na“, meint die Mama, „da spielen die Engel wohl wieder mal Verstecken.“
„Wie kommst du nur auf so eine Idee?“ fragt Wolfgang.
„Ach“, lacht die Mutter, „das hat mir immer meine Mama, also eure Oma erzählt, wenn mich der lange Regen genervt hat.“
Jetzt wollen die beiden auch die Geschichte über die Engel hören.
Und die geht so:
Im Himmel oben gibt es viele Engel, große und kleine, lustige und ernsthafte. Einer der lustigsten ist der kleine Stephan – kein Unsinn, der ihm nicht einfiel. Die harmloseste Idee war, mit seinen kleinen Freunden in den Wolken Verstecken zu spielen.
Es war ja auch lustig sich in den Wolkenbergen zu verstecken. Weil die Wolken dabei hin und her geschoben werden, stoßen sie aneinander. Deshalb regnete es auf der Erde.
Am allermeisten interessierte sich der kleine Engel Stephan für die goldenen Himmelsschlüssel.
Die hätte er zu gerne einmal zum Spielen gehabt.
Doch der große Engel Martin hütete die Himmelsschlüssel gut.
Engel Martin trug die Schlüssel an seinem Gürtel, so konnte der kleine Stephan sie immer sehen und sein Wunsch wurde immer größer.
Einmal nur die goldenen Schlüssel in der Hand haben, einmal nur mit ihnen spielen!
Aber da war nichts zu machen! Oder doch?
Es war Weihnachtszeit, da gab es im Himmel viel zu tun. Alle Engel waren schwer beschäftigt, am meisten der Engel Martin. So kam es, dass er eines Abends völlig erschöpft einschlief. Das nützte der kleine freche Engel Stephan aus – so eine günstige Gelegenheit kam vielleicht nie wieder.
