9,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 9,99 €
Willkommen in Berlins legendärer Konditorei! Berlin, 1896: Emma liebt den herrlichen Duft von Baumkuchen, der die Backstube der Familie erfüllt. Während ihr Vater die herrlichsten Leckereien zaubert, kümmert sich die Mutter um den Verkauf. Niemand bezweifelt, dass Emma und der Lehrjunge Fritz bald heiraten und gemeinsam das Geschäft weiterführen. Doch dann wird Emmas Vater schwer krank und nimmt ein dunkles Geheimnis mit ins Grab, das den Fortbestand des Cafés in Gefahr bringen könnte. Als Emma sich auch noch in den Architekturstudenten Max verliebt, der ihr ganz neue Welten eröffnet, muss sie eine schwere Entscheidung treffen … Das großartige Panorama Berlins um 1900 und der Duft eines köstlichen Klassikers Das Café Buchwald ist eine der ältesten Konditoreien Berlins. Berühmt ist es für seinen Baumkuchen: ein ringförmiges Gebäck, das mit Schokolade oder Zuckerglasur überzogen ist und meist zu Weihnachten gegessen wird. Das amerikanische Online-Magazin Buzzfeed nahm das Café Buchwald in die Liste mit den »25 Bäckereien auf der Welt, die man gesehen haben muss, bevor man stirbt« auf. Neben Touristen gehen dort auch Schauspieler und Politiker ein und aus. Eine echte Institution eben.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2022
Mehr über unsere Autorinnen, Autoren und Bücher:
www.piper.de
Wenn Ihnen dieser Roman gefallen hat, schreiben Sie uns unter Nennung des Titels »Café Buchwald« an [email protected], und wir empfehlen Ihnen gerne vergleichbare Bücher.
© Piper Verlag GmbH, München 2022
Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literaturagentur Dorothee Schmidt, Berlin.
Redaktion: Christine Neumann
Covergestaltung: t. mutzenbach design, München
Covermotiv: akg-images und Shutterstock.com
Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence, München mit abavo vlow, Buchloe
Sämtliche Inhalte dieses E-Books sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken. Die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentliche Wiedergabe ist ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben.
Inhalte fremder Webseiten, auf die in diesem E-Book hingewiesen wird, macht sich der Verlag nicht zu eigen und übernimmt dafür keine Haftung.
Cover & Impressum
Fakt und Fiktion
Vorwort
Sommer 1896
1 – Die Strahlen der …
2 – Drei Mal schlug …
3 – »Kannst du schon …
4 – Max rannte los, …
5 – »Benjiii!« Emma …
6 – Nachdem sie …
7 – »Einen Mokka …
8 – Wie jeden Morgen …
9 – Herrlich war das, …
10 – Fritz besprengte …
11 – Kraftvoll trat …
12 – Da lag er also, …
13 – Die Stimmung im …
14 – Lass den Herrn …
15 – In der Nacht hatte …
16 – Auch am Tag von …
Herbst 1896
17 – Die Oktobersonne …
18 – Fritz schüttelte …
19 – Den Vieruhrzug …
20 – Lotti schwebte …
21 – Felix war puterrot …
22 – »Ab jetzt wirst …
23 – Es war ein gutes …
24 – »Du kannst gehen, …
25 – An jenen ersten …
26 – Zwei Tage später …
27 – Am nächsten …
28 – »Ich hatte doch …
29 – Am folgenden …
30 – Sie waren wie …
31 – Am frühen Morgen, …
32 – Emma löste eine …
33 – »Wie viel wollen …
34 – Vor Weihnachten …
35 – Adele löschte die …
36 – Schon am Tag, …
37 – Wie meistens nach …
38 – Emma winkte, …
39 – Max blieb noch …
Winter 1896/97
40 – In der Villa Kolte …
41 – Wieder einmal …
42 – Die Feiertage …
43 – Unmengen an …
44 – Adele nahm Fritz’ …
45 – Emma war ob …
46 – Adele verbrachte …
47 – Nach einem langen …
48 – »Frida also …« …
49 – »Lottiii!«, schrie …
50 – »Es freut mich, …
51 – Hinten auf der …
52 – Nach stundenlanger …
53 – Nachdem er mit …
54 – Im Zimmer ange…
55 – »Wer is da?«, rief …
56 – Anfang März …
57 – Am nächsten Tag …
58 – Am Abend, beim …
59 – Fürs Schloss gab’s …
60 – Der Gastraum …
61 – Nachdem endlich …
62 – In jenem Moment, …
63 – Nachdem alle …
64 – Nachdem sie …
65 – Adele atmete …
Frühling 1897
66 – Endlich schien …
67 – Die Dependance …
68 – Ein paar Stunden …
69 – Nachdem Emma …
70 – Im strömenden …
71 – Gertrud nahm …
72 – »Bedauerlicherweise …
73 – Mit feuchten Augen …
74 – Nachdem sie …
75 – Emma schlug …
76 – Als Emma sich …
77 – Adele blickte …
78 – Emma hörte …
79 – Der Handschlag …
80 – Roswitha hatte …
81 – Max rasierte sich …
82 – Ein paar Wochen …
83 – Die Café-Konditorei …
84 – Drei Stunden vor …
85 – Träume schlagen …
86 – Lieber Gustl!, …
87 – Zwei Wochen …
Chronologie
Glossar
Nachwort
Inhaltsübersicht
Cover
Textanfang
Impressum
Literaturverzeichnis
Das traditionsreiche Café Buchwald befindet sich in einem Haus in Berlin, an der Moabiter Brücke, das um 1900 im Zuge der Entwicklung des Hansaviertels erbaut wurde. Noch immer backen Nachfahren des Gründers dort ihre Baumkuchenspezialitäten. Die historisch belegten Daten des Cafés (siehe Chronologie) sowie die Lebensdaten von Gustav Buchwald Vater und Sohn sind Eckpfeiler in diesem Roman. Das ist jedoch kein realhistorischer Bericht, ebenso wenig wie ein Geschichtsbuch als Roman zu lesen wäre. Alles »Drumherum«, also Handlung und Charaktere, sind reine Fiktion.
Maria Wachter
Herbst 1882
»Glaubst du, wir werden eine Prinzessin sehen?«, fragte Emma hoffnungsvoll.
»Eher nicht«, lachte Vater. »Wir liefern nur unseren Baumkuchen. Aber Lakaien in schönen Uniformen werden wir begegnen, auch Soldaten, Dienern und hohen Herrschaften in eleganten Kleidern … Vielleicht erhaschen wir sogar einen Blick auf unseren Auftraggeber, Prinz Friedrich Leopold von Preußen.«
Enttäuscht lehnte sich Emma in die Bank im Wartebereich des Cottbusser Bahnhofs zurück. Lakaien … hohe Herrschaften … vielleicht Prinz Friedrich Leopold … Viel lieber wäre sie einer echten Prinzessin über den Weg gelaufen. Ob die ständig ein Krönchen auf dem Kopf trugen, wie es einem das Märchen vom Froschkönig weismachen wollte? Erneut schaute sie zum Horizont, wo demnächst die Eisenbahn aus Görlitz kommend auftauchen und sie nach Berlin bringen sollte. Ein wenig unheimlich war ihr der Gedanke, in so ein schwarzes, dampfendes Ungetüm zu steigen.
Sie baumelte mit den Füßen und betrachtete dabei die frisch geputzten Schuhe. Seit Vater zum Königlichen Hoflieferanten ernannt worden war, war vieles anders. Ständig kamen Kunden und Bekannte im Café vorbei und gratulierten. Ein edles Dekret mit dem königlichen Wappen hing nun eingerahmt an der Wand hinter der Theke. Neue Etiketten mit dem Schriftzug »Hoflieferant« klebten auf den Spanschachteln, und auf jedem Papierwerk prangte das königliche Wappen, sogar auf dem Rechnungsblock. In der Konditorei gingen die Baumkuchenspitzen weg wie nie zuvor, weil alle das Gleiche essen wollten wie die Königlichen Hoheiten in der Reichshauptstadt. Und obwohl heute ein Schultag war wie jeder andere, hatte Vater endlich beschlossen, sie ins Schloss mitzunehmen. Lange genug hatte sie darauf gedrängt, doch wenn’s gerade jetzt nach ihr ginge, könnte sich die Eisenbahn ruhig noch mehr Zeit lassen.
Als sie schon gar nicht mehr an die Eisenbahn dachte, näherte sich auf einmal ein Stampfen und Zischen, eingehüllt in eine stinkende Rauchwolke.
»Zurücktreten von der Bahnsteigkante!«, brüllte ein Schaffner, eine Frau hielt ihren Hut fest.
»Na endlich!« Vater packte die zwei großen Spanholzschachteln. Das Kreischen der Bremsen war ohrenbetäubend. Dann kamen die Waggons genau da, wo Emma auf der Bank saß, zum Stillstand. Türen wurden geöffnet, und einige Passagiere entstiegen.
»Komm, mein Mädchen!« Vater erklomm die steile Stufe als Erster. Oben legte er die Spanschachteln ab. Jetzt war Emma dran, doch ihr war mulmig zumute. Fast hüfthoch war die erste Stufe! Wie sollte sie da rauf, ohne das schöne Kleid zu beschmutzen? Und die frisch geputzten Schuhe?
Lächelnd hielt Vater ihr die Hand hin. »Du wirst dich doch nicht fürchten?!«
Sie schluckte. Doch dann dachte sie ans Schloss und an die Prinzessinnen, die dort lebten. Schließlich warf sie die Zöpfe in den Nacken und ergriff Vaters Hand. Er zog sie hoch, in den eisernen, schwarzen Waggon hinein.
Wider Erwarten sah’s drinnen ganz angenehm aus: Lauter Bänke, Haltegriffe und Klapptischchen vor den Fenstern gab es dort, und sie fanden gleich freie Plätze mit Ausblick. Der Schaffner blies in seine Trillerpfeife. Dann fuhr der Zug an, mit Zischen, Stampfen und Dröhnen, genauso laut, wie er gekommen war. Angespannt saß Emma in der Ecke und starrte aus dem Fenster, wo die Menschen auf dem Gleis immer kleiner wurden, doch nach und nach fügte sie sich in das gleichförmige Gestampfe ein. Sie blickte hinaus, wo die Häuser von Cottbus wie Spielblöcke vorbeiglitten, immer schneller. Vater hatte recht: Es war lustig, mit der Eisenbahn zu fahren. Noch großartiger fand sie jetzt, dass er Hoflieferant war und sie heute gar keine Pflichten hatte! Und vielleicht würde ihr ja doch noch eine Prinzessin über den Weg laufen …
Die Strahlen der aufgehenden Sonne fielen flach über die Dächer von Cottbus, drangen durch die Kellerluken in die Backstube und tauchten sie in goldenes Licht. Bis in die hintersten Winkel leuchteten sie und ließen die frisch geputzten Fliesen am Fußboden, den Marmor des Arbeitstisches wie die kupfernen Kuchenformen an den Wänden sanft glänzen. Vom Vortag hing noch der süßliche Duft von gebackener Butter und gebranntem Zucker in den Mauern und verbreitete wohlige Behaglichkeit. Später, wenn Gesellen, Lehrlinge, Spülfrauen und Mägde ihren Pflichten nachgingen, würde er sich weiter aus den Backöfen nähren, langsam hinauf ins Erdgeschoss ziehen, gegen Mittag bis ins zweite Obergeschoss wabern, zuletzt gar bis unters Dach, und würde nicht nur Wohlbefinden, sondern auch Hektik ins Haus bringen. Nur morgens herrschte noch friedliche, süße Ruhe.
»Da kommt ja mein Augenstern!«, rief Vater gut gelaunt und krempelte die Hemdsärmel hoch. Jeden Morgen begrüßte er Emma so, wenn sie sein Reich betrat. Oder so ähnlich. »Mein liebes Kind«, rief er manchmal, oder: »Mein Mädchen.« Jedenfalls bekundete er jahrein, jahraus seine Freude, sie als Erste von allen zu sehen, und es waren diese zärtlichen Worte, die sie Tag für Tag fröhlich stimmten. Emma drückte einen dicken Kuss auf seine Wange. Wie immer fühlte sie sich warm und füllig an, und sie schmeckte Kakaostaub in seinen Bartstoppeln.
»Alles Gute zu deinem Geburtstag, vor allem Gesundheit und viel Lebensfreude!«
»Ich danke dir.« Sie drückte Vater so fest an sich, dass sie das Mehl in seinem Konditorenhemd roch. Sein Bemühen, diesen besonderen Tag noch heiterer für sie beginnen zu lassen als alle anderen, rührte sie. Wie eine Glocke stülpte er unerschütterliche Liebe über sie.
»Ich habe mir morgen freigenommen und mir etwas Besonderes für dich ausgedacht. Aber mehr verrate ich nicht.«
»Kannst du mir nicht einen kleinen Hinweis geben?«
»Nix da!« Grinsend streifte er mit der Spachtel noch ein Butterstück in eine Kupferschüssel. »Das bleibt meine Überraschung.«
Vater und seine Überraschungen. Meist konnte er sie nicht lange für sich behalten. Emma überlegte, wie sie ihm doch eine Andeutung entlocken könnte.
»Morg’n!« Die Tür flog auf. »Auch von mir das Allerbeste!« Geräuschvoll deponierte Fritz einen Korb mit Eiern auf dem Arbeitstisch. »Du altes Haus!«
»Selber altes Haus«, knurrte Emma zurück, lachte aber dabei. Vaters bester Geselle war genauso alt wie sie, deshalb durfte er sich die Fopperei erlauben, wenngleich er einen wunden Punkt traf.
»Schluss jetzt mit den guten Wünschen. Morgen nach der Kirche werden wir ausgiebiger feiern. Jetzt müssen wir ran an die Arbeit. Wir haben Bestellungen für drei große Baumkuchen, und zum Kaffee am Nachmittag wollen wir selbst auch ein paar ordentliche Schnitten haben. Tempo also, ihr zwei!« Vater wandte sich wieder der Kupferschüssel zu. »Sobald der Frühstücksplunder im Ofen ist, werde ich mich den Baumkuchen widmen. Fang du schon mal mit dem Eiertrennen an, mein Mädchen.«
Emma kannte jeden Handgriff. Auch wenn die Eltern deshalb manchmal aneinandergerieten, hatte Vater sie immer ermuntert, überall anzupacken, und ihr das Handwerk genauso beigebracht wie ihrem ein Jahr jüngeren Bruder Gustl und den Lehrlingen. Sie holte drei Behältnisse, stellte zwei davon neben den Eierkorb, eins vor sich auf den Boden, und gab sich eine Weile den Geräuschen hin, die sie verursachte: dem Klacken der Eierschale am blechernen Schüsselrand, dem Glitsch des Eiweißes in die eine, dem Platsch des Dotters in die andere Schüssel und dem Knacks der leeren Schalen, die sie in das Behältnis auf dem Boden warf. Glitsch, Platsch, Knacks … rhythmisch untermalte es die morgendliche Idylle. Dreißig Eier mussten für einen Baumkuchen getrennt werden. Dabei warf Emma immer wieder einen Blick zur Stiege, wo bald die Lehrlinge und Mägde auftauchen würden. Dicht an dicht kneteten und walkten sie dann mit großem Getratsche am Arbeitstisch, fachten das Feuer in den Backöfen an, wischten den Boden und spülten am Waschtisch. Bis zur Mittagszeit war schließlich so viel zu tun, dass einen das Mehl in der Nase kitzelte und einem manchmal sogar die Sicht raubte, noch aber herrschte diese ruhige, konzentrierte Betriebsamkeit der frühen Morgenstunden, die sie liebte.
Eiweiß triefte von ihren Fingern. Glitsch, Platsch, Knacks … Nur langsam wurde der Eierberg kleiner. Endlich konnte sie die vollen Schüsseln beiseiteschieben.
»Mhm, die sind schon recht braun«, murmelte Vater nach einem Blick in den Ofen vor sich hin, nahm Plunder für Plunder vom Blech und legte sie auf einen Rost. Die Prozedur gäbe ihnen Luft zum Atmen und mache sie knusprig, erklärte er oft.
»So spann mich doch nicht auf die Folter«, versuchte Emma es doch noch einmal, während sie die klebrigen Finger abspülte.
»Kommt nicht infrage.« Er schüttelte den Kopf. »Kein Wort.«
Im Moment war da nichts zu machen, Emma gab’s auf.
»Dann geh ich jetzt frühstücken. Die kann wer anderer schlagen.« Mit einem koketten Achselzucken schob sie ihm die Schüssel mit den dreißig Eiweißen zu. »Aber das Plundergebäck nehm ich mit rauf.«
Oben roch es nach Schmierseife und frisch gemahlenen Kaffeebohnen.
»Guten Morgen!«
»Morg’n.« Mutter, die hinter der Theke Kaffee braute, sah kaum auf. Benji hing noch verschlafen an deren Rockzipfel. »Auch dir, Bruderherzchen!«
Das Tablett mit den Plunderstücken balancierend, wich Emma Lotti aus, die wie jeden Morgen die schwarz-weißen Bodenfliesen schrubbte. Sie setzte es auf der Theke ab und half Frida, in Schokolade getunkte Baumkuchenspitzen und Nussschiffchen in die Serviertassen zu schichten.
»Nimm dir, was du möchtest.« Mutter klang geschäftig, wie immer.
Emma ging zum Herd. Aus einem bereitstehenden Topf goss sie heiße Schokolade in eine Tasse, nahm eins der Plunderstücke und setzte sich damit an ihren gewohnten Platz, einen runden Marmortisch in der Ecke des Gastraums. Es war ein Frühstück für Prinzessinnen: Das ofenfrische Gebäck knusperte bei jedem Bissen, die Schokolade dampfte süß, und das Beste war, dass es beides tagtäglich für sie gab, nicht nur zum Geburtstag. Es war ihr Privileg als Tochter des Hauses Buchwald, und sie wusste es zu schätzen.
Als sie aufblickte, stand Mutter vor dem Tisch. Wie immer war sie von Ehrfurcht gebietender Strenge umgeben. Das Haar trug sie straff im Nacken zusammengebunden, das Kleid war schwarz und hochgeschlossenen. Seit Emma denken konnte, trug Mutter Schwarz, im Sommer wie im Winter, aufgelockert nur durch weiße Krägen, die Frida oder Lotti penibel plätteten und stärkten. Der heutige war mit zarter Spitze umrandet.
»Alles Gute wünsche ich dir«, sagte Mutter in ihrer trockenen, hölzernen Art und legte etwas ungelenk ihre Hand auf Emmas Schulter. »Ich wünsche dir viel Glück und gute Gesundheit. Mögen alle Wünsche, die du ans Leben hast, in Erfüllung gehen.«
Emma, unangenehm berührt, ließ das Gebäck sinken. Mutter war nie besonders herzlich. Zärtliche Gesten, Umarmungen oder Küsse, wie sie es von Vater gewohnt war, waren nicht ihre Umgangsformen, und ihre Hand auf der Schulter fühlte sich befremdlich, ja irgendwie peinlich an.
»Danke«, sagte sie und meinte es ehrlich. In der Hoffnung, Mutters Hand unauffällig wieder loszuwerden, rutschte sie auf dem Stuhl ein wenig zur Seite. »Für alles.« Sie war natürlich dankbar, obwohl Mutter und sie oft aneinandergerieten.
Anstatt Benji zu packen und kehrtzumachen, zog Mutter jetzt auch noch den zweiten Stuhl zu sich und setzte sich an den Tisch. Steif und mit schmalen Lippen saß sie ihr gegenüber. Das Prinzessinnenfrühstück würde wohl noch eine Weile warten müssen, dachte Emma, legte das Gebäck zurück auf den Teller und wischte einen Krümel aus dem Mundwinkel.
Indes fummelte Mutter in ihren Röcken. Umständlich griff sie mit jener Hand, die nicht von Benji in Beschlag genommen war, in die Tasche, langte weiter darin herum und holte schließlich ein Schächtelchen hervor. Es war alt und abgegriffen, mit dunkelblauer Atlasseide überzogen und sah aus, als würde es etwas Kostbares enthalten.
»Das wollte ich dir schenken … zu deinem zweiundzwanzigsten Geburtstag.« Wieder klang sie seltsam, beinahe verlegen, als wäre ihr dieser Moment der Nähe unangenehm.
Emma hatte noch nie etwas Wertvolles von Mutter zum Geburtstag geschenkt bekommen. Wenn es überhaupt ein Präsent gegeben hatte, waren es kleine, nützliche Dinge gewesen, so wie personalisierte Taschentücher oder eine schöne Haarspange. Aber ein Teil, das in einem seidenen Schächtelchen aufbewahrt wurde? Womöglich gar ein Schmuckstück?!
»Du kannst es ruhig öffnen.« Mutter hörte sich an, als würde sie etwas preisgeben, das sie eigentlich lieber für sich behalten hätte.
Zaghaft nahm Emma das Schächtelchen auf und drückte mit dem Daumen gegen den Verschluss. Der Deckel sprang auf, und eingebettet in dunkelblauen Samt kam tatsächlich ein goldener, reich verzierter Anhänger an einer zarten Gliederkette zum Vorschein.
»Ich habe ihn als junge Frau getragen«, sagte Mutter leise, fast verschämt.
»Er ist wunderschön …«
»Es freut mich, dass er dir gefällt. Es ist ein Medaillon, man kann es öffnen. Ich habe Vaters und mein Hochzeitsfoto hineingesteckt.«
Der Anhänger glänzte kostbar in Emmas hohler Hand, die zarten Verzierungen glitzerten im Sonnenlicht. Sie schluckte.
»Hat Vater es dir geschenkt?«
»Nein.« Mutter räusperte sich. »Ich hatte das Medaillon schon länger. Es stammt aus meiner Familie, meine Mutter hat es mir gegeben. Als dein Vater und ich heirateten, war ich genauso alt wie du heute. Das Medaillon erinnert mich an diesen Lebensabschnitt, deshalb wollte ich es dir heute schenken.«
Sie ließ Emma Zeit, die Kette anzulegen, im Nacken zu schließen, und rückte das Medaillon in der Grube beim Halsansatz zurecht. Sie betrachtete ihr Werk und setzte mit rauer Stimme nach:
»Du wirst über deine Zukunft nachdenken müssen, Emma. Du bist jetzt schon zweiundzwanzig Jahre alt.«
Nein, nicht schon wieder! Der Moment der Eintracht war vorbei. Schlagartig und so plötzlich, wie er gekommen war. Emma wollte nichts mehr hören, heute überhaupt nicht.
Obwohl sie Emmas Zusammenzucken bemerkt haben musste, fuhr Mutter unbeirrt fort: »Natürlich haben wir dich gern bei uns, Vater und ich. Du bist uns auch eine große Hilfe. Aber in deinem Alter musst du entscheiden, was du möchtest im Leben, und dafür die Weichen stellen. Du willst doch nicht als alte Jungfer enden, oder?!«
Emma starrte auf das leere Futteral, griff sich an den Hals und spürte die Rillen im Medaillon zwischen den Fingern. Mutter hatte recht, sie wusste es. Ihr Leben, auch wenn sie alles genau so liebte, wie es war, konnte nicht ewig gleich weitergehen. Für eine Veränderung brauchte sie aber einen Mann. Und da lag das Problem: Woher einen geeigneten nehmen, einen, den sie mochte? Der Mutters Ansprüchen gerecht wurde und noch dazu ihr Faible für die Backstube teilte?
»Lass mich!«, erwiderte sie schroffer als beabsichtigt. »Es ist mein Leben, nicht deins.«
Sie schob das letzte Stück Plunder in den Mund und erhob sich, obwohl das furchtbar ungezogen war, weil Mutter ja noch saß, und brachte Tasse und Teller zur Spüle. Ohne sich umzusehen, ging sie zur Stiege und zurück in die Backstube, zu Vater und Fritz, wo sie ihre Ruhe hatte. Den Gedanken, dass andere junge Frauen in ihrem Alter schon längst einen eigenen Haushalt führten, während in ihrem Leben noch nicht einmal im Entferntesten ein geeigneter Heiratskandidat aufgetaucht war, schob sie beiseite. Damit wollte sie sich nicht belasten, schon gar nicht an ihrem Geburtstag.
Drei Mal schlug die Glocke der nahen Sankt-Nikolai-Kirche durch die Mittagshitze, metallen und hell. Wie jeden ersten Samstag im Monat verließ Fritz die Café-Konditorei im schmucken Bürgerhaus mit dem hohen Dach und den kleinen Fenstern durch die Seitentür und machte sich auf den Weg in Richtung Bahnhof, um nach Berlin zu fahren.
Nachdem alle Schüsseln, Töpfe, Spachteln, Schneebesen und anderen Utensilien gesäubert und weggeräumt waren und die Lehrlinge und Hilfskräfte die Backstube für das Wochenende verlassen hatten, hatte er sich am Brunnen gewaschen, rasiert und geschniegelt, dann den Sonntagsrock angelegt, den er penibel sauber hielt. Nun war er auf dem Weg zu Muttchen und den Brüdern. Auch zu Vater – falls der da war. Die Hälfte des Gesellenlohns, den er am Vortag ausbezahlt bekommen hatte, trug er im Hosensack, die andere Hälfte, die er für seine eigenen, alltäglichen Notwendigkeiten zurückbehielt, lag versteckt unter der Matratze in der Schlafkammer.
In der Rückentrage waren zwei große Baumkuchen für Buchwalds Dependance, die der Meister letztes Jahr in der Nähe des Schlosses Bellevue einer alten Bäckerwitwe ohne Nachkommen abgekauft hatte. Vielleicht wollte er den Hauptsitz einmal dorthin verlegen, vielleicht einfach eine Zweigstelle betreiben, Fritz wusste es nicht. Unter den Angestellten munkelte man, dass der Meister einen hohen Kredit dafür aufgenommen hätte. Große Pläne habe er in Berlin, sagten alle, aber keiner kannte sie, nur, dass einmal die Woche Baumkuchen aus der Cottbusser Backstube an der Sandower Straße in die Dependance gebracht wurde. Das Tagesgebäck, Kuchen und einfache Torten produzierten sie selbst in der lokalen Backstube, doch die Spezialitäten kamen aus Cottbus – so hatte Meister Buchwald es nach der Übernahme des Hauses eingeführt, um die Qualität des dortigen Betriebs hochzuhalten. Auf derselben Fahrt belieferten sie auch das königliche Stadtschloss auf der Spreeinsel, wie ohnehin schon seit Jahren. Buchwalds Baumkuchen waren eine begehrte Spezialität, sogar in der Großstadt. Meist war es der Meister selbst, der die zweistündige Zugfahrt für die Lieferungen auf sich nahm, nur wenn Fritz heimfuhr, bat er ihn darum.
Fritz querte den Marktplatz. Mittwochs, wenn Wochenmarkt war, war der Platz mit dem großen Brunnen in der Mitte mit Buden zugepflastert. Oft stand auch er hier an einem der langen Markttische zwischen den zuckerbunten Häusern mit Schweifgiebeln, adretten Blumenkästen und schmiedeeisernen Türschildern und verkaufte Buchwalds Leckereien. Jetzt war der Platz menschenleer. Nur eine Postkutsche wartete beim Brunnen, wo der Fuhrmann seine Pferde wässerte und währenddessen den Wagen polierte. Er sah auf, und Fritz nickte ihm zu, da sie sich oft begegneten.
In der gepflegten Grünanlage vor dem Bahnhof begann Fritz, leise vor sich hin zu summen. Es war eine Melodie, die jeder in Berlin kannte. Der neueste Gassenhauer, und er ging auch ihm nicht aus dem Kopf: Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion. Er passierte das Stadttheater, immer noch summend. Endlich erreichte er den Bahnhof – die Lebensader, die das Städtchen, in das es ihn vor Jahren als Lehrling verschlagen hatte, mit der Berliner Metropole verband. Die meisten Menschen zogen in die Großstadt – ihn hat es jedoch aus Berlin hinaus verschlagen. Das hatte auch damit zu tun, dass man vom Görlitzer Bahnhof, wo er als Kind oft herumstrawanzt war, bequem herkam. Am Schalter kaufte er eine Fahrkarte und erreichte den Bahnsteig gerade, als der Zug aus Görlitz einfuhr, schnaufend und quietschend. Dampf vernebelte die Luft.
»Einsteigen, bitte!«, brüllte der Schaffner und blies so energisch in seine Trillerpfeife, dass einem die Ohren wehtaten. Fritz zog sich am Eisengriff hoch, schneidig schwang er sich über die Stufe in den Waggon. Nach einigem Suchen ließ er sich auf einen freien Fensterplatz der Holzbank sinken, die Rückentrage mit den Baumkuchen stellte er neben sich auf den Bretterboden. Schwerfällig fuhr der Zug wieder an.
Fritz lehnte sich in die Ecke und streckte die Beine von sich. Zwei Stunden Zugfahrt lagen vor ihm. Zwei Stunden Zugfahrt hin, und morgen zwei Stunden wieder retour – das waren die Zeiten, die ihm ganz allein gehörten; Zeiten, in denen ihm keiner was anschaffte, niemand was von ihm wollte. Es waren die besten Stunden im ganzen Monat. Ganz besonders, wenn die Sonne schien, so wie heute.
Felder, Wälder und die Hütten von Tagelöhnern flitzten vorbei. Wie armselig sie waren im Gegensatz zu den imposanten Villen an den großen Avenuen Berlins. Der schäbige Hinterhof eines Gehöfts reichte bis zur Bahntrasse, trist, verkommen und verdreckt. So mochte er nicht mehr leben. Wie gut, dass er als Lehrling im Café Buchwald in Cottbus gelandet war, dachte Fritz. Muttchens Bleibe war ja nicht viel besser. Seine Gedanken wanderten weiter und landeten bei den nagelneuen Villen in den feinen Gegenden Berlins. Aufgereiht wie Perlen an einer Kette lagen sie an den mit Steinquadern oder Kopfsteinen gepflasterten Straßen. Grandiose Anblicke waren das, diese monumentalen Gebäude mit und ohne Vorgärten, frisch lackierten Eingangstoren, sauberen Fassaden und schweren Vorhängen hinter den hohen Fenstern. Wie Festungen wirkten sie, undurchdringlich waren sie für Menschen wie ihn. Höchstens betretbar durch den Lieferanteneingang, den es unweigerlich irgendwo seitlich gab. Wie es wohl war, in so einem Haus zu wohnen? In Gedanken sah er sich im eleganten Anzug mit steifem Zylinder durch einen Vorgarten schreiten, Treppen zur Eingangstür hochsteigen, einen glänzenden Türknauf betätigen. Ein Hausmädchen mit weißem Spitzenhäubchen im Haar öffnete die Tür für ihn …
Er schreckte auf und schaute um sich. Das war nur ein Traum. Ein Luftschloss. Ein Hirngespinst. Wolkenkuckucksheim. Sein Traum. Er blickte aus dem Fenster. Jetzt passierten sie riesige Fabrikgebäude mit rauchenden Schloten, und schließlich fuhr der Zug in den Görlitzer Bahnhof ein. Fritz schulterte die Trage, querte den Bahnsteig und ging ein paar Schritte zum Schlesischen Bahnhof, wo er in die Stadtbahn stieg. Der Zug zuckelte durch Berlin, und er träumte weiter vom Leben in einer Villa als reicher Mann. Träumen durfte man ja in dieser Zeit im Zug, die einem ganz allein gehörte. Bis er die Station Bellevue erreichte, wo ihn mit dem schrillen Pfiff des Schaffners das echte Leben wiederhatte.
Am Weg, den er einschlug, standen vereinzelt solche herrschaftlichen Villen und feinen Wohnhäuser mit gepflegten Vorgärten, die ihm soeben vorgeschwebt waren. Er ging weiter, querte die Spree über die neue Bärenbrücke und bog in eine schmale Straße mit alten Häusern wie dem Bäckerhaus, das Buchwald kürzlich gekauft hatte. Die Stufen zu den Hauseingängen waren brüchig und eng, Türen und Fenster Hexenhäuschen-klein, die Fassaden verwittert.
Vor der Dependance angekommen spähte er durch eins der kleinen Fenster zwischen den Spitzenvorhängen hindurch. Im Gastraum war fast jeder Tisch mit Pärchen oder Damenrunden besetzt, überall standen Kuchenteller und Kaffeetassen herum. Das Mobiliar hat auch schon bessere Tage gesehen, dachte er, aber wenn das Gemäuer und die Einrichtung aufpoliert wären, könnte die Konditorei wohl nicht nur für Ausflügler, die den Schlosspark besuchten, interessant sein, sondern ein eigenes Ziel werden. Vielleicht war das ja Meister Buchwalds Vision.
Fritz öffnete die knarrende Tür, das Glöckchen bimmelte, die Dielen, sicherlich Jahrzehnte alt, knarrten bei jedem zweiten Schritt. Herr Quandt, Buchwalds Geschäftsführer, kam ihm entgegen.
»Gut, dass du da bist! Wir haben schon auf die Lieferung gewartet.« Er nahm die Baumkuchen entgegen.
»Gern geschehen.« Fritz tippte sich an die Kappe. »Gibt’s noch besondere Aufträge für nächste Woche?«
»Nee, alles wie immer. Grüße an den Herrn Patron.« Herr Quandt machte auf dem Absatz kehrt, und Fritz war so schnell wieder draußen, wie er hereingekommen war.
Jetzt ab nach Hause zu Muttchen. Der Himmel war noch immer strahlend blau, die Sonne schien. Er könnte die Stadtbahn nehmen, die zwischen Bellevue und Spandauer Damm pendelte, entschied dann aber, ein Stück durch den Tiergarten zu Fuß zu gehen. So sparte er die Münzen, von denen Muttchen jede einzelne benötigte, zudem genoss er den Fußmarsch. Aber er musste achtsam sein, Pferdeäpfel verschmutzten alle naselang die Straße, obwohl der Kehrjunge mit seinem Leiterwagen sich bemühte, sie zügig aufzulesen. Herren in feinen Anzügen und Damen in gerüschten Sommerkleidern passierten ihn, auch Reiter und Kutschen mit hohen Leuten. Wie ein wuselndes Wespennest kam Fritz das Leben hier vor, verglichen mit dem ruhigen Dasein in Cottbus.
Eine Pferdestraßenbahn ratterte vorbei, hielt gerade an, und ein Schaffner gemahnte zum geordneten Einsteigen. Bis zum Kottbusser Tor war’s noch ziemlich weit, einen Teil des Fußmarsches wollte er sich nun doch ersparen, wenigstens bis ans Ende des Tiergartens. Also stieg er ein und bezahlte zwei Münzen. Hufgeklapper hallte in den Ohren, ebenso das Geschwätz der anderen Passagiere. Der Schweißgeruch des Kerls neben ihm stieg ihm in die Nase, vergeblich versuchte er abzurücken. Bäume und gepflegte grüne Wiesen zogen vorbei, der große Park war beeindruckend.
Beim Brandenburger Tor sprang er wieder ab, denn der Boulevard Unter den Linden zog ihn jedes Mal magisch an. Wie erhebend war es, inmitten all der feinen Herren und eleganten Damen mit Hüten und Sonnenschirmen dort entlangzuspazieren. Deshalb trug er auch das Sonntagsjackett, um in der noblen Umgebung möglichst nicht aufzufallen. Die luftige Weite, das saubere Straßenpflaster, die Ehrfurcht gebietende Ruhe, durchbrochen nur vom Hufgeklapper der Pferde, die edle Kutschen zogen – all das zu sehen war schon eine Verzögerung seines Heimwegs wert. Die vornehmen Häuser, das monumentale Hotel und die schönen Geschäfte ließen ihn wieder fantasieren, über die Erreichbarkeit der Damen wagte er gar nicht nachzudenken. Er bummelte unter den Schatten spendenden Bäumen entlang, die Augen auf den edlen Gebäuden, hie und da einen verstohlenen Blick zu den Fräuleins, und pfiff leise wieder den Gassenhauer vor sich hin.
Hinter der Brücke erhob sich das königliche Schloss. Ein wahrlich prächtiger Anblick war das: majestätisch, monumental und ordentlich. Der Kaiser residierte hier. Viel würde Fritz geben, wenn er einmal nur ein Auge auf ihn hoch zu Ross oder in einer vorbeifahrenden Droschke werfen könnte. Ein Infanterieregiment übte für eine Parade, die Soldaten in dunkelblauen Waffenröcken, schwarzen Hosen und Pickelhauben stelzten im Stechschritt, ihre Hacken hallten über den Vorplatz. Wie eindrucksvoll sie aussahen. Er hatte den Wehrdienst schon abgeleistet, mit siebzehn war er eingerückt. Zwei Jahre hatte er in der Stube gewohnt, den Offizieren die Knobelbecher geputzt, ihnen den Kaffee serviert und manchmal auch davon geträumt, einer der ihren zu sein – auch das waren Hirngespinste gewesen.
Nach dem Werderschen Markt war es mit dem sanften Rauschen der Lindenblätter vorbei. Ab hier wurde es rauer. Fritz bog in eine Seitenstraße ein, wo die Häuser desolat und die Gesichter der Vorbeigehenden fahl waren. Von stämmigen Gäulen gezogene Transportwagen rumpelten über das Kopfsteinpflaster, der Gestank von Pferdepisse stieg ihm in die Nase.
»Platz da! Haste keene Oogen inne Omme, du Flitzpiepe?!«
Erschrocken sprang er zur Seite und machte den Weg für den Fuhrmann frei, benommen von der Hektik um ihn herum. Er dachte ans gastliche Haus der Konditorei Buchwald in Cottbus, und Dankbarkeit erfüllte ihn für alle Zufälle, die ihn als jungen Burschen vor einer gewöhnlichen Bäckerlehre in Berlin bewahrt und zu Meister Buchwald geführt hatten. Süßwarenbäckerei war kunstvoller und edler als normales Brotbacken, wo man nur stupide Mehl, Wasser und Sauerteig zusammenwarf und womöglich schon dafür gelobt wurde, keine Mäusekacke mitgebacken zu haben. Außerdem war Buchwald grundanständig und fähig. Bei ihm hatte er gesehen, dass das Leben auch anders sein konnte, als er es von zu Hause gewohnt war.
Nun ja, eine Villa mit Vorgarten oder eine Wohnung in einem der Häuser beim Tiergarten oder gar Unter den Linden lag natürlich völlig außer Reichweite für ihn. Aber so wie Buchwald irgendwo die eigene Backstube zu betreiben – das könnte auch für ihn möglich sein, überlegte Fritz voller Zuversicht. Wo er doch das Handwerk gut gelernt hatte und ihm die Zuckerbäckerei Freude machte. Seit Jahren war er Buchwalds wichtigster Mitarbeiter. Die Meisterprüfung sollte nur mehr eine Formalität sein, Buchwald würde sie ihm sicher nicht verwehren. Danach wäre er berechtigt, eine eigene Konditorei zu eröffnen.
Ein verwegener Gedanke drängte sich ihm auf: Vielleicht könnte er es ja wie andere machen und einfach die Tochter des Meisters heiraten?! Ein Lacher entwich ihm. Nein, das war absurd. Auch wenn er Emma gut leiden konnte: Die Patronin würde nie zustimmen, sie hatte Besseres für ihre Tochter im Sinn. Von Emma selbst ganz zu schweigen. Die sah einen guten Kameraden, aber keinesfalls einen Mann zum Heiraten in ihm. Oder vielleicht doch? In letzter Zeit meinte er manchmal, dass sie ihn beobachtete und dabei eigentümlich ansah. Oder bildete er sich das ein? Und dann gab’s ja auch noch Buchwalds großen Sohn Gustl, der zwar bei Verwandten in Breslau das Handwerk lernte, aber sicherlich eines Tages wiederkommen würde.
Jetzt war er schon fast beim Kottbusser Tor. Am Straßenrand tat sich eine riesiges Erdloch auf – wieder eine neue Baugrube anstelle wuchernden Gestrüpps. In seiner Kindheit hatten hier überall Baracken gestanden, mittlerweile waren sie nach und nach endlosen Zinshäuserfluchten gewichen. Ganze Häuserblocks waren anstelle der Baracken aus dem Boden gestampft worden: Mietskasernen für Wohnungssuchende, unerschwinglich für die Bewohner der Hütten. Fritz pfiff wieder die Grunewald-Melodie, wenn auch inzwischen einen Tick freudloser.
Die Gassen wurden enger. Kein Wagen kam mehr vorbei, kein Pferd – nur Leute zu Fuß, wie er. Fummeltrinen und Homolulus, wie man sie augenzwinkernd nannte, hingen vor halb verfallenen Mauern und schiefen Eingangstüren mit rosa Schriftzügen darüber. Arme Teufel waren das, die sich im Viertel versteckten, wo sich kein Polizist hertraute. Nur schnell durch, dachte Fritz. Die musternden Blicke dieser Leute waren ihm unangenehm.
Lieber nicht nach den Sternen greifen, mahnte er sich, während er sich zwischen stinkenden Müllbergen, hängenden Dachrinnen und versteckten Kellerkneipen mit Besoffenen davor seinen Weg bahnte, und alle Zuversicht war wieder dahin. Besser, sich mit dem zufriedengeben, was er hatte. Die Backstube in Cottbus war sauber und ordentlich, zudem durfte er die Kammer im Nebengebäude neben dem Pferdestall in Logis bewohnen. Verglichen mit dem finsteren Loch, wo Muttchen und die Brüder ihr Dasein fristeten, war seine Kammer eigentlich ein Schloss.
Er bog in die nächste Seitengasse ein. Ab hier war endgültig alles ganz anders als in Cottbus oder gar in den feinen Stadtteilen Berlins: Die Männer hemdsärmelig und unrasiert, die Frauen in dreckigen Schürzen, die Kinder bloßfüßig. Ein Bettler kauerte im Eck, im Rinnstein verrotteten Küchenabfälle, Ratten huschten von einem Spalt im Kanal zum anderen, davor stauten sich Müll und Unrat. Gülleartiger Gestank waberte durch die Abendluft, heute ganz besonders, wahrscheinlich wegen der Hitze.
Muttchen und die Brüder – und Vater, wenn er mal auftauchte – lebten im hintersten Teil des Viertels, wo noch letzte Baracken standen. Hier wusste Fritz immer ganz sicher, dass alles, von dem er träumte, nichts als ein Wunschtraum war. Die eigene Konditorei würde niemals Wirklichkeit werden. Das unüberwindbare, banale Hindernis war ihm gerade wieder eingefallen: Ihm fehlte das Geld, einen eigenen Betrieb zu kaufen. In Wahrheit besaß er nicht einmal genug, um eine eigene Rührschüssel zu erwerben. Längst schon hätte er sparen müssen, und wenn er nicht sehr, sehr bald, praktisch sofort damit begann, würde er sein Leben lang Buchwalds Geselle bleiben. Aber Muttchen war von seinem Lohn abhängig, sie bezahlte damit das Holz oder die Kohlen für den Ofen im feuchten Loch, in dem sie wohnte.
Ein scharfer Pfiff ließ ihn aufhorchen.
»Na, findet der feine Pinkel ooch mal wieder nach Hause?« Es war Willy, der Mittlere von ihnen. Mit seinem markanten Hüftknick lehnte er an der bröckelnden Hauswand eines der wenigen geziegelten Häuser, die Zigarette im Mundwinkel, die Schirmkappe schief in die Stirn gezogen.
»Wie jeden ersten Sonnabend im Monat.« Fritz verlangsamte seine Schritte. »Alles jut bei dir?«
»Jeht so.« Willy zeigte sein schönstes Lächeln und sog an seiner Zigarette. »Jibt’s wieder Penunse vom Fatzke?«
»Nee.« Wer weiß, auf welche Ideen der Bruder käme, wenn er von ihm was bekäme. »Bestimmt nich für dich.«
Willy war schon immer anders gewesen. Niemand wusste, wo er seine Tage und Nächte verbrachte und mit welchem Geld er seine Zigaretten kaufte, auch Fritz nicht. Hin und wieder tauchte er bei Muttchen auf, rein zufällig meist sonntags, wenn Fritz auch da war, oft zur Mittagszeit, wenn es was zu essen gab. Muttchen steckte ihm dann wohl noch was zu. Er war seit jeher ihr Liebkind gewesen.
Einmal hatte Fritz ihn unbemerkt in der Gasse mit den Kneipen für die Fummeltrinen gesehen, und da war ihm ein Licht aufgegangen. Mit einem Mal hatte er alles verstanden: Willys Versteckspiel, seine Unsicherheit, die Schwierigkeit, eine Stelle in einer Fabrik oder auf einer Baustelle zu halten. Seit dieser unglückseligen Entdeckung machte er sich trotz allem Riesensorgen um den Bruder. Denn die Polizei führte Listen. »Rosa Listen« hießen die. Sie fassten lange Gefängnisstrafen aus für solche wie Willy, für ihre Perversitäten, wie das Gesetz sagte. Vor wenigen Jahren noch wäre er hingerichtet worden dafür. Ob Muttchen Willys Veranlagung ahnte? Ob sie ihm deshalb alles nachsah? Hielt er sich von ihr fern, damit ihn die Polizei bei ihr nicht schnappte? Um Muttchen nicht in Verruf zu bringen? Viele Fragen schwebten über Willy, und Fritz hütete sich, das Thema mit ihm anzuschneiden.
Dritte Bude links vor einer neuen Baustelle. Der Eingang zur elterlichen Hütte lag nur mehr wenige Schritte entfernt. Vater hatte sie noch aus den Brettern der alten Hütte gebaut, während ihre Siedlung, die sie »Barrackia« genannt hatten, für richtige Häuser plattgemacht wurde. Eine feste, selbstbestimmte Gemeinschaft mit den anderen Bewohnern hatten sie in ihrem kleinen »Staat« gehabt. Diese paar Hütten hier waren nur mehr elend. Irgendwo hämmerte jemand, vielleicht ein Schuster, und es roch nach verbranntem Kohl. Die Hitze war unerträglich, dass die Sonne schien, mutete gänzlich unmöglich an, so düster, wie es drinnen gleich sein würde.
Fritz öffnete die klapprige Tür, krachend fiel sie hinter ihm zu. Angespannt blickte er in den Raum, seine Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen.
Schließlich entdeckte er Muttchen an der gewohnten Stelle, wo von draußen getrübtes Licht durch das blinde Fenster einfiel. Sie mühte sich mit einem Tischtuch ab. Seit er denken konnte, holte sie Weißwäsche von einer Wäscherin zum Flicken. Wenn sie nicht gerade kochte oder fegte, saß sie vornübergebeugt auf ihrem hölzernen Stuhl, hielt den Stopfpilz in der einen und webte mit der anderen knochigen Hand weißes Garn so fein über durchgescheuerte Stellen, dass man sie schließlich kaum mehr erkennen konnte. So fand Fritz sie auch jetzt vor. War sie noch ein wenig buckliger als sonst?
Er ging zu ihr. »Tag, Muttchen.«
Seltsam, dass sie nicht antwortete. Sie umklammerte nur weiter den Stopfpilz. Dann blickte sie doch von unten auf, ohne den Kopf zu heben. Und da erschrak er. Ihr Gesicht sah so schief aus, wie entstellt.
»Was ist mit dir?!«
Jetzt bemerkte er auch, dass die Hand, die das Tischtuch hielt, seltsam kraftlos an ihr herabhing.
»Ist dir nich jut, Muttchen?«
»Ick werd alt«, nuschelte sie kaum verständlich, noch immer in sich gesunken. »Wenn ick die Wäsche bis morjen nich fertig hab, jibt’s keen Jeld.« Ihre Augen füllten sich mit Tränen. »Vadda is ooch nich mehr nach Hause jekommen.« Sie seufzte. »Nich, dass er mir viel jejeben hat … aba jeholfen hat’s doch.«
»Und Hans?« Fritz dachte an den jüngeren Bruder, der als Taglöhner auf einer Baustelle arbeitete – von Willy war nichts zu erwarten.
»Ja, ja, der steuert bei, aba dit Jeld reicht trotzdem nich.«
Die Eisenplatte, auf der normalerweise ein Topf stand, war leer.
»Hab’s nich jeschafft … det Been lahmt.« Verstohlen wischte sich Muttchen eine Träne ab.
Fritz legte eine Hand auf ihre Schulter, mit der anderen strich er über ihr graues Haar. Behutsam nahm er das Tischtuch und den Stopfpilz aus ihren Händen und legte beides auf den Tisch. »Lass dit mal bleiben.«
Der Schlag hatte sie getroffen. Zum zweiten Mal in diesem Jahr. Und Vater war anscheinend endgültig auf und davon.
»Inne Ecke hab ick noch ’n paar Kartoffeln«, sagte sie undeutlich. »Für ’ne Suppe.«
Er fand die Schüssel und den Sack im dunklen Winkel, schälte die Kartoffeln, schnitt sie in Stücke und warf sie in den Topf. Nun benötigte er nur noch Wasser, doch der Krug, der normalerweise gefüllt bereitstand, war leer – wie alles hier.
»Bin gleich wieder da.«
Er ging hinaus zur Pumpe an der nächsten Ecke, wo auch die Wäscherin wohnte, von der Muttchen die Flickarbeit bekam. Dort füllte er den Krug, ging wieder zurück und goss das Wasser in den Topf. Dann legte er ein paar Holzscheite in den Ofen und entzündete sie. Während ihm das Feuer den Schweiß aus den Poren trieb, kreisten seine Gedanken um Muttchen: Sie konnte sich nicht mehr allein versorgen, geschweige denn arbeiten. Wie sollte es nur weitergehen mit ihr?
»Kannst du schon was sehen?«, fragte Benji, während er ungeduldig auf Zehenspitzen hin und her tänzelte und sein Gesicht in den freien Raum zwischen Emmas und Mutters Rock steckte.
»Noch nicht. Aber es wird bestimmt gleich losgehen. Sobald es so weit ist, nehme ich dich hoch auf den Arm.« Sie tätschelte sein Haar, und fürs Erste fügte er sich in die angespannte Ruhe der vielen Zuschauer, die auf die »Aerostat«, Doktor Wölferts steuerbares Luftschiff, warteten. Emma nahm ihn an der Hand, denn sie sorgte sich, dass der kleine Bruder in der unüberschaubaren Menschenmenge verloren gehen könnte.
Vater hatte sich als Geburtstagsgeschenk einen Ausflug in die Berliner Gewerbeausstellung ausgedacht. Damit hatte er den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Präsentation der modernsten Maschinen, die Kolonialausstellungen aus fremden Ländern und das längste bewegliche Fernrohr waren in aller Munde, jeder redete davon. Mindestens so toll wie die Weltausstellung in Paris vor sechs Jahren sollte sie sein. Die Leute kamen aus ganz Europa, um deutschen Fortschritt zu bewundern, besonders das steuerbare Luftschiff, das aufsteigen sollte.
Gleich nach dem Gottesdienst waren sie mit der Görlitzer Bahn nach Berlin gefahren, mitsamt Charlotte, und in der eigens für die Ausstellung errichteten Station Treptower Park ausgestiegen. Dass ihre beste Freundin seit drei Monaten verlobt war, war Salz in Emmas Wunden, deshalb hatte sie ihr schon vor der Zugfahrt klargemacht, dass sie in der Gegenwart ihrer Eltern kein Wort über Verlobung oder ihren Bräutigam hören wollte. Bis jetzt hatte sich Charlotte daran gehalten.
In den Vormittagsstunden waren sie mit Heerscharen von Menschen durch die Ausstellungspavillons gewandert und hatten unzählige quietschende, tosende, dampfende Ungetüme betrachtet. In Emmas Augen sahen sie alle gleich aus, doch Vater, von dem sie ihre unersättliche Neugier geerbt hatte, liebte moderne Technik und studierte jedes Detail. So kamen sie nur langsam voran, was nicht nur Benjis Geduld arg strapazierte. Dann hatten sie sich durch Menschenmassen gedrängt und einen Platz direkt am Ufer des Neuen Sees, eines riesigen, künstlich angelegten Wasserbassins, ergattert. Wenn der Start tatsächlich dort erfolgte, wo alle sagten, hätten sie fast freie Sicht, vorbei an nur wenigen Damenhüten, Zylindern und geöffneten Sonnenschirmen.
»Es tut sich was!«, rief Charlotte. Emma suchte den Horizont jenseits der vielen Menschen ab, konnte aber nach wie vor nichts Ungewöhnliches entdecken.
»Da vorn!« Ein junger Mann wedelte mit seiner Schirmkappe.
»Mir scheint auch, dass es gleich losgehen könnte.« Vater streckte sich. Wär ja auch bald an der Zeit. Emma fürchtete Benjis ungeduldiges Zappeln, das sich unweigerlich nach wenigen Minuten Untätigkeit einstellen würde. Sie packte ihn um die Körpermitte und hob ihn hoch. Der Junge legte seinen Arm um ihren Nacken und spielte mit dem Verschluss der Kette mit dem Medaillon, die sie morgens angelegt hatte.
»Ist die neu?«
»Mutters Geburtstagsgeschenk«, antwortete Emma stolz.
Benji hatte einen speziellen Platz in ihrem Herzen, nicht nur, weil er das Nesthäkchen war, sondern wahrscheinlich noch mehr, weil seine ersten Tage auf der Welt so schwierig gewesen waren. Mutter hatte seine angeborene Hasenscharte von einem Spezialisten in Berlin operieren lassen, und mittlerweile war zwar nur mehr eine zarte Operationsnarbe zu sehen, aber die nasale Aussprache war ihm geblieben.
»Kannst du das Luftschiff schon sehen?«
Angestrengt schaute er in die Ferne.
»Nöö, da is nichts.«
Auch Emma sah nichts.
»Da!« Auf einmal warf er den Zeigefinger in die Luft – und tatsächlich: Langsam und kerzengerade stieg ein länglicher Ballon hinter den Baumkronen himmelwärts. Ein riesiger Schatten legte sich nach und nach über die Zuschauermenge.
»Das ist er!«, rief Vater, den Kopf im Nacken und dunkelrot im Gesicht vor Aufregung. »Das ist Doktor Wölfert, der Erfinder!« Die Menge war still vor lauter Erstaunen. Am Ballon hing ein im Vergleich winziger Korb, in dem zwei Männer auszumachen waren.
»Kinder, Kinder …« Ergriffen schüttelte Vater den Kopf. »Ich sag’s euch: Die historische Bedeutung dieses Spektakels können wir heute noch gar nicht abschätzen. Bald werden Menschen wie Vögel durch die Lüfte fliegen, über Wälder, Seen und Berge hinweg. Überall, wohin der Fahrer lenkt, alles mit der Energie des Benzins.«
»Genial. Und diese tolle Erfindung kommt aus unserem schönen Berlin«, hauchte Charlotte beeindruckt. Sie war schnell zu begeistern, vor allem für moderne Technik. Mit den meisten Frauen ihres Alters konnte Emma nur über Kleider und Stadtklatsch reden, aber Charlotte war anders und nahm Anteil an allem, was auf der Welt vor sich ging. Der Anblick dieses Luftschiffs war wirklich unglaublich. Wo doch eigentlich die zwei Männer, die sich im Korb befanden, allein aufgrund ihres Körpergewichts schnellstens in Richtung Erde sausen müssten … Dass sie aufstiegen und in der Luft unabhängig vom Wind in jede erdenkliche Richtung fliegen konnten, schien einfach wider die Natur.
»Ich weiß nicht«, meinte Mutter, die für Modernität nicht viel übrighatte. »Mir ist das Ganze unheimlich. Wenn der Mensch zu Gott in den Himmel steigt … was kommt denn als Nächstes? Wird er womöglich bald danach streben, seinen Platz dort einzunehmen?«
»Fortschritt nennt man das, meine liebe Adele!« Vater holte tief Luft. »Da sieht man mal, wozu der Mensch fähig ist. Er kann Naturgesetze bezwingen, sich über Schwerkraft hinwegsetzen. Befähigt vom lieben Gott, vergiss das mal nicht! Um Rechtmäßigkeit und Moral musst du dich nicht sorgen. Womöglich werden wir eines Tages sogar Ozeane überfliegen. Vielleicht kann man dann mir nichts, dir nichts irgendwann einmal sogar bis in die Neue Welt fliegen?!«
»Aber wie sollte das denn möglich sein?« Diese Vision schien Emma nun doch zu weit hergeholt. »Man würde Wochen dafür benötigen und müsste Proviant mitnehmen. Abgesehen davon, was sollte in der Luft besser sein als auf dem Boden eines Dampfers?« Moderne Weiterentwicklungen faszinierten sie wie Vater, nur konnte sie deren Sinnhaftigkeit nicht immer sofort erkennen. Dazu brauchte sie ihn, er konnte alles immer so gut erklären.
»Wirst schon sehen, mein Mädchen. Mit Einfallsreichtum und Scharfsinn wird einer herausfinden, wie es schneller gehen kann. Der Vorteil liegt auf der Hand: Es gibt nichts, das einem Luftschiff im Weg ist. Und keine hohen Wellen, die einen womöglich unter Wasser spülen.«
»Dafür aber Stürme, die einen durch die Luft wirbeln«, bemerkte Mutter. »Ich weiß wirklich nicht, was daran besser sein sollte. Ganz abgesehen davon: Warum sollte man den Ozean überhaupt überqueren wollen? Und dann untergehen, wie die armen Passagiere der Durmont Castle, die jetzt alle mausetot auf dem Meeresgrund liegen.«
Das Luftschiff befand sich nun genau über ihren Köpfen. Emma konnte den Korb gut ausmachen, auch die Gesichter der Männer, die unaufhörlich von oben herabwinkten. Vater, Charlotte, Benji und Emma winkten zurück, nur Mutters Blick in den Himmel blieb sorgenvoll.
»Wenn der Wölfert nur nicht abstürzt, mitsamt seiner Erfindung – und womöglich auf uns drauf …«
»Ach was!«, wiegelte Vater ab, puterrot im Gesicht. »Sei nicht immer so ängstlich, Adele. Endlich können wir den Franzosen zeigen, was wir alles mit moderner Technologie schaffen. Das nenn ich mal deutschen Erfindungsgeist!«
Das Luftschiff schwebte in einiger Distanz in östlicher Richtung weiter. Der riesige Ballon hoch über den Baumwipfeln wirkte irreal, ganz und gar unwirklich, wie in einem Märchen aus Tausendundeine Nacht. Benji, der sich noch immer an Emmas Nacken klammerte, starrte mit offenem Mund hinauf und machte keinen Muckser. Langsam bewegte sich das Luftschiff wieder fort. Immer kleiner wurde es am Himmel, bald war es nur mehr ein kleiner Punkt am Horizont.
»Dort hinten wird Wölfert es in einem großen Feld landen lassen«, erklärte Vater. »Leider werden wir ihm dabei nicht zusehen können. Das Feld liegt zu weit weg von hier.«
»Schade. Ich hätte zu gern gesehen, wie der von da oben wieder runterkommt und aus dem Korb steigt«, sagte Charlotte. Das hätte Emma zwar auch gern beobachtet, aber im Moment war sie nicht allzu unglücklich darüber, dass das Spektakel nun bald vorüber sein würde, da Benji immer schwerer wurde. Trotz seines Protests stellte sie ihn auf den Boden.
Die Zuschauermenge kam in Bewegung. Die Menschen gingen entlang der Promenade in Richtung Ausstellungshallen und schoben sie mit. Schließlich erreichten sie eine Haltestelle der elektrischen Rundbahn, wo schon viele andere warteten.
»Lasst uns die Cheopspyramide ansehen«, schlug Emma vor. »Die wird auch Benji gefallen.«
»Meinetwegen. Es ist ja dein Geburtstagsgeschenk, also darfst du bestimmen, wohin wir gehen.« Vater strich mit beiden Händen über das Wams, das seinen dicken Bauch umspannte – ein untrügliches Zeichen dafür, dass er zufrieden war. Nur, dass er ab und zu ungewöhnlich heftig schnaufte, bereitete Emma ein wenig Sorge.
Als die dritte Bahn einfuhr, waren sie endlich an der Reihe einzusteigen. Benji saß ganz ruhig auf Emmas Schoß und steckte die Nase aus dem Fenster.
»Vielleicht wirst du ja mal ein Lokführer?«, fragte Emma, aber Benji konzentrierte sich so sehr auf die vorbeiziehende Umgebung, dass er keine Antwort gab. Vor allem das Eismeerpanorama mit lebenden Eisbären, Walrossen und echten Eskimos hatte es ihm angetan. Bei der Station Cheops-Pyramide stiegen sie aus, mit unzähligen anderen Menschen.
»Dass du mir ja nicht abhaust, Kleiner!« Emma packte ihn wieder fest an der Hand. Benji schaute bitterböse drein, wie immer, wenn ihm etwas nicht passte.
»Ich will nicht zur Pyramide! Lieber will ich mit dem Zug fahren!« Er zerrte zurück. Emma fing Mutters sorgenvollen Blick auf.
»Ich pass schon auf ihn auf«, murmelte sie ihr zu. Benji gab jedoch keine Ruhe und zerrte weiter an ihrem Arm.
»Können wir wieder in den Zug einsteigen? Biiitte!«
»Später, kleiner Mann.«
Er gab erst auf, als die Trillerpfeife des Schaffners ertönte und die Bahn mit Getöse die Haltestelle verließ.
Die Menschenmenge schob weiter, mitten in die Deutsche Kolonial-Ausstellung. Sie kamen an einer afrikanischen Hütte vorbei, wo ein Kolonialwarenhändler Kamerunkakao, Usambarakaffee und Neuguinea-Zigarren anpries. Und endlich erhob sich die Cheopspyramide vor ihren Augen.
»Eine Mauer hat man komplett nachgebaut«, staunte Vater. »Der Rest ist nur gemalt. Aber insgesamt sieht sie täuschend echt aus, findet ihr nicht?«
Links und rechts säumten Stände von Händlern die sandige Straße. Menschen in wallenden Gewändern und mit umwickelten Häuptern verkauften Tee und arabische Süßwaren.
»Echte Beduinen sind das. Für die Dauer der Ausstellung wurden sie extra nach Berlin gebracht.«
»Man könnte glauben, man sei in Kairo«, rief Charlotte. Emma konnte die Augen nicht von einem kleinen Affen nehmen, der auf der Schulter eines Beduinenmannes saß. So menschlich sah er aus, fast wie Benji vorhin auf ihrem Arm. Er hielt ein Apfelstück zwischen den Fingern und knabberte daran. Seine Bewegungen waren menschengleich – er war zu komisch anzusehen.
Ein Händler stellte sich in ihren Weg, mit einem Bauchladen voller Gewürzsäckchen.
»Frischer Zimt, beste Qualität! Muskatnuss, Safran, Kardamom!« Um wenige Pfennige kaufte Emma ihm ein kleines Säckchen mit Sternanis ab. Es duftete so fremdländisch, und sie überlegte, ob man es Plätzchen beigeben könnte.
Die Gewerbeausstellung war ein großartiges Geburtstagsgeschenk, so viel Neues, Exotisches und Unbekanntes! Eine Weltreise würde sie niemals unternehmen, das wusste Emma, aber diese Ausstellung vermittelte zumindest ein Bild von fremden Ländern. Sie hakte sich bei Vater unter.
»Na, gefällt dir dein Geburtstag?«, fragte er.
Sie schmiegte sich an ihn.
»Es ist der aufregendste, den ich je hatte! Danke dir dafür.«
»Gern, mein Mädchen«, lachte er. »Und jetzt lade ich alle ins Zelt vom Café Bauer ein, auf ’n Eis oder ’nen Kaffee, was jeder möchte.«
Im selben Moment erschrak Emma bis auf die Knochen. Vor lauter Schwelgen in der Exotik des Ausländischen war ihr entgangen, dass Benji sich von ihrer Hand gelöst hatte. Sie starrte in Mutters Richtung. Die verstand ihren Blick sofort und wurde kreidebleich.
»Benji?!« Emma heftete die Augen auf Hüfthöhe der Umstehenden und suchte den blonden Schopf ihres Brüderchens zwischen den dunklen Wollröcken der Besucher und den weißen Kleidern der Beduinen.
»Was machen wir nur …«, stammelte Mutter. Es war einer jener seltenen Momente, in denen ihre kontrollierte Fassade Risse zeigte. »Wie sollen wir ihn in der Menge je wiederfinden?«
Immer und immer wieder rief Emma Benjis Namen.
»Habt ihr ein Kind verloren?«, fragte ein Mann.
»Ein kleiner Junge, knappe fünf Jahre alt. Haben Sie ihn gesehen?« Der Mann zuckte nur mit den Achseln und ging weiter. Vater und Charlotte standen wortlos herum, als würden sie nicht wissen, was sie tun sollten. Bei Charlotte war das klar. Sie hatte keine Geschwister, auch sonst keine Erfahrung mit kleinen Kindern. Aber Vater?! Manchmal verstand Emma ihn nicht. Gleichzeitig wusste sie, dass etwas geschehen musste, und zwar geschwind. Sie musste Benji finden, bevor er zu weit weg war.
»Der Junge wird schon nicht vom Erdboden verschluckt werden«, brummte Vater.
»Ihr bleibt hier. Ich laufe zur Rundbahn, vielleicht ist er ja dort.« Emma rannte los, so schnell sie konnte. Wenn die Rundbahn Benjis Ziel und er womöglich schon eingestiegen war, würden sie ihn nie mehr finden. Sie drängte durch die Massen, zwängte sich an den Menschen vorbei, alle paar Schritte stand jemand im Weg. Sie stieß gegen eine Frau, die sich beschwerte, entschuldigte sich flüchtig, rannte weiter. Endlich erreichte sie die Station und überblickte keuchend den Bahnsteig. Unzählige Menschen warteten auf der Plattform auf den nächsten Zug, darunter waren auch viele Kinder, aber keins glich Benji auch nur im Entferntesten. Eine Bahn fuhr ein, Emma lief näher. Ein Schaffner ermunterte die Fahrgäste zum Einsteigen. Binnen Minuten fand sie sich in einem Gewirr von aus- und einsteigenden Menschenströmen, sie war mitten im Gedränge. Wie sollte sie hier je Benjis Blondschopf finden?
Max rannte los, er war spät dran. Um ein Uhr wurde zu Hause das Mittagessen serviert, und jedes Mitglied der Familie Kolte hatte pünktlich zu erscheinen, da gab’s kein Pardon. Am späten Vormittag hatte er noch einige Kommilitonen in einem Kaffeehaus getroffen und mit ihnen die Vorlesung von Professor Wehle, Fachgebiet Hochbau an der Technischen Hochschule Berlins, vom letzten Freitag diskutiert. Sie sollten eine Hausarbeit zum selben Thema schreiben, und der Ideenaustausch half in der Vorbereitung. Als er mittendrin auf die Uhr geschaut hatte, war es schon fünf nach eins gewesen.
Obwohl Sonntag, war der Verkehr am Kurfürstendamm dicht und laut. Er schlängelte sich zwischen Passanten hindurch, die Anstrengung trieb ihm den Schweiß auf die Stirn. Er erreichte eine Kreuzung, gerade wollte er sie queren. Im selben Augenblick fuhr ihm ein Pferdefuhrwerk vor die Füße. Er sprang einen Schritt zurück. Das war knapp gewesen, fast wäre er unter die Räder gekommen. Er ließ das Fuhrwerk, ein paar Reiter und eine Droschke passieren und lief weiter. Mittendrin schnitt ihm auch noch ein verträumtes Mädchen den Weg ab.
»Obacht!«, rief er laut. Sie huschte zur Seite, dabei fielen ein paar Zündholzschachteln aus ihrem Bauchladen auf die Straße. Er bückte sich, hob sie auf, hielt sie ihr hin und blickte in tief liegende Augen. Die arme Kleine, sie gehört hinter eine Schulbank und nicht mit dem Bauchladen auf die Straße, dachte er kurz und hetzte weiter vorbei an den Passanten auf dem anderen Bürgersteig, bis er endlich die Koenigsallee erreichte. Es kam ihm jedes Mal so vor, als hätte er plötzlich die Stadt verlassen. Hier herrschte Ruhe. Hier war kein Verkehr. Er kam flott voran, und bald konnte er zwischen dem dichten Laub der alten Bäume die ockergelbe Fassade seines Elternhauses ausmachen. Sicherlich war es schon hoffnungslos spät, daher beschleunigte er noch einmal seine Schritte, bevor er außer Atem den Gehflügel des großen Gittertors öffnete und ins Kolte’sche Anwesen trat.
Mit exzellentem Riecher für vielversprechende Immobilien und dank hervorragender Verbindungen in der Branche hatte Vater einen der ersten Baugründe in Grunewald gekauft, noch bevor die Bäume ringsum gerodet worden waren. Damals waren Max und sein älterer Bruder Edmund noch Kinder gewesen. Das Grundstück hatte zwar keinen Seezugang, was Mutter schmerzte, aber dafür besaßen sie eine Gartenanlage von ansehnlicher Größe, in deren Mitte Vater sein Lebenswerk erschaffen hatte – eine Villa, die einem kleinen Schloss glich, inklusive Türmchen, spitzem Dach, Erker und Wintergarten. Als Kind hatte Max die Schönheit des Hauses nie infrage gestellt, er war immer stolz darauf gewesen, in so einem schlossähnlichen Haus zu wohnen. Erst seit er Architektur studierte, sah er den historisierenden Zierrat mit anderen Augen und fand ihn kitschig und prätentiös. Sein Haus würde einmal anders aussehen – schlicht, reduziert, mit klaren Linien. Vieles würde er einmal anders machen als Vater.
Er rannte durch die breite Einfahrt, der Kies knirschte unter den Schuhen. Dann hastete er die ausladende Steintreppe hinauf, zwei Stufen auf einmal nehmend, und betätigte ungestüm den Klopfer am Eingang – es wäre schlimm, wenn Marie ihn nicht gleich hörte, da es ohnehin schon so spät war.
»Ihre Eltern sitzen schon bei Tisch«, flüsterte sie ihm zu, als sie die schwere Tür öffnete. »Beeilen Sie sich, Herr Max.«
»Danke, Marie.« Die gute Seele – was täte er ohne sie? Seit seiner Kindheit war sie seine Verbündete. Er übergab ihr den Strohhut und rannte über die Marmortreppe weiter hinauf in die Beletage, wieder zwei Stufen auf einmal. Vor dem Speisezimmer wischte er schnell mit dem Taschentuch den Schweiß von der Stirn, fuhr mit den Fingern durchs kurz geschnittene, dichte Haar, zupfte die Hemdmanschetten unter dem leger sitzenden Jackett zurecht, bevor er endlich die massive Messingklinke mit dem üppigen Blumenmuster drückte.
Alle saßen bereits um den Esstisch, jeder am gewohnten Platz. Sie starrten ihn an: Vater zornig, Mutter vorwurfsvoll, Edmund belustigt.
»Ich bitte um Verzeihung«, murmelte Max, während er den Raum über den dicken Perserteppich durchquerte und seinen Platz gegenüber von Edmund einnahm. »Wir haben Professor Wehles Vorlesung Revue passieren lassen, und ich habe die Zeit übersehen. Ich hoffe, ihr habt nicht allzu lange auf mich gewartet.«
»Doch. Haben wir. Deine notorische Unpünktlichkeit ist nicht tolerierbar!«, bellte Vater, zog seine goldene Uhr aus der Westentasche und warf einen Blick auf das Ziffernblatt. »Geschlagene zwanzig Minuten. Was denkst du dir eigentlich dabei?!« Energisch klappte er den Deckel zu. »In einer halben Stunde muss ich im Klub sein, Otto wartet schon unten mit der Droschke. Auch deine Mutter hat Besseres zu tun, als ihre Zeit mit Warten auf den werten Herrn Sohn zu verschwenden.«
Schuldbewusst griff Max zur Serviette und breitete sie aus. Es war besser, wenn er jetzt den Mund hielt. Edmund hüstelte. Zwei Jahre älter als er, war er gleich nach dem Abitur in die Konrad Kolte’sche Terraingesellschaft eingetreten und arbeitete seither an Vaters Seite. Gleich wird der auch noch seinen Senf dazugeben, dachte Max. Aber zum Glück blieb er still.
Mutter warf ihm einen bösen Blick zu. Die riesigen Ballonärmel ihrer hochmodernen und sicherlich brandneuen Bluse streiften das Tischtuch, während sie an ihrer schlanken Zigarette sog und kleine, kunstvolle Wölkchen in die Luft blies, mit denen sie wohl elegante Weltläufigkeit demonstrieren wollte.
»Dein Vater hat recht.« Mit fein manikürten Fingern zog sie den silbernen Aschenbecher heran und drückte die Zigarette aus. Der Ring mit dem riesigen Saphir und den Diamanten ringsum, den Vater ihr an letzten Weihnachten geschenkt hatte, glitzerte im Sonnenlicht, das durch die Gardinen schien. Die Luft war wieder einmal zum Schneiden dick, nicht nur wegen des Zigarettenrauchs. Mutter betätigte die elektrische Glocke, die vom Lüster über der Mitte des Tisches hing, während Vater weiterschimpfte:
»Flausen … nix als Flausen setzen sie dir an der Universität in den Kopp, und noch dazu auf meine Kosten«, schlug er wieder einmal, wie so oft, in die gleiche Kerbe. »Deine werten Herren Professoren haben doch keene Ahnung vom Geldverdienen. Dass du in solche Vorlesungen gehst, ist Zeitverschwendung. Ich hab’s schon oft genug gesagt.«
»Nicht ganz, Vater«, wehrte sich Max nun doch. »Immerhin lerne ich, wie die Häuser der Zukunft aussehen sollen.«
»Firlefanz. Bei mir kannste was lernen und sonst nirgendwo.«
Ende der Leseprobe
