Camelot after - Martin Glöckner - E-Book

Camelot after E-Book

Martin Glöckner

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Beschreibung

Lassen Sie sich entführen in das Königreich Camelot. Arthur ist König und nicht mehr im Besitz des Schwertes Excalibur, das er einst aus dem Stein gezogen hat. Im ersten Teil des dreiteiligen Romans "Camelot after" erhält König Arthur eine Nachricht von Zauberer Merlin. Arthur muss schnell aufbrechen, um sich in einer nahe gelegenen Stadt mit dem Zauberer zu treffen. Schon auf dem Weg in die Stadt werden Merlin und Arthur von Mordred und seinen Unterstützern angegriffen und der schwarze Ritter (Lancelot) gerät in die Hände seiner Gegner. Mordred gelingt es, den König auf eine falsche Fährte zu locken. Eine abenteuerliche Reise beginnt. Guinevere, die Gemahlin Arthurs und König Camelots bleibt am Hof zurück und wird zum eigentlichen Ziel des Arthur-Widersachers Mordred. König Arthur, der schwarze Ritter Lancelot und die Ritter der Tafelrunde treffen auf die Fee Nimue und müssen gegen eine Vielzahl an mystischen Wesen kämpfen, um die Königin zu retten. Wird es König Arthur und den Rittern der Tafelrunde gelingen?

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Seitenzahl: 393

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die Nachricht

Merlin in Harlech

Auf dem Weg nach Newport

Lancelot im Irrgarten

Das Dorf

Das Treffen in Newport und

Mordred und die Hexen

Die Verfolgung des Reiters

Brodeln in der Hexenküche

Mordred auf dem Weg nach Camelot

Die Suche nach dem Reiter

Owain in Newport

Mordred in Camelot

Der Stein im Wasser

Begegnung mit Owain und den Fomori

Mordred und die Tür

Das zweite Abendmahl

Merlin bei Nimue

Lancelot

Die Auseinandersetzung am See

Lancelot und Cadoc

Mordred und Guinevere

Owain kehrt zurück

Arthur findet Lancelot

Mordred kehrt zurück

Arthur und die Tafelrunde

Die Räuberbande und Lancelot

Die Hexen und der Zauber

Lancelot im Räuberdorf

Das Heer aus Camelot

Der Kampf am Irrgarten

Begegnung auf dem Rückmarsch

Das Leben im See

Glaw in Camelot

Marva schmiedet einen Plan

Die Befreiung von Glaw

Merlins Flucht

Das Wiedersehen mit Merlin

Ein unerwarteter Bund

Die Vollendung des Fluches

Vorwort

Mein erster Roman, der zugleich der erste Teil eines Dreiteilers ist, ist eine Hommage an die Bücher und Filme aus meiner Kindheit und Jugend. Fantasy und Fiction begleiten mich bis heute.

Zudem basiert diese Fantasy-Geschichte auf den Überlieferungen der Artus-Sage. Figuren wie Arthur, Merlin, Ritter Lancelot und der Widersacher Mordred sind alle aus der Sage entnommen. Die Namen der Figuren sind größtenteils in walisischer Sprache wiedergegeben. Durch den Bezug auf die Artus-Sage ist dieser Roman auch eine Hommage an mein Geschichtsstudium und soll das Interesse an historischen Überlieferungen fördern.

Die Ihnen bevorstehende und mit Anachronismen gespickte Prosa verzichtet bewusst auf detaillierte Personen- und Ortsbeschreibungen. Es bleibt Ihnen als Leser überlassen, die eigene Fantasie walten zu lassen.

Der zweite Teil der Reihe wird den Titel „CAMELOT after – Das Kind und der Gral“ tragen.

Lassen Sie sich nun entführen in das Königreich Camelot mit König Arthur und seiner Gemahlin Guinevere.

Viel Spaß beim Lesen!

Göttingen, März 2019

Martin Glöckner

Die Nachricht

Der Bote schnappte nach Luft, nachdem er den langen Thronsaal bis zu König Arthur gelaufen war. Die letzten Schritte einer langen Reise waren endlich vollendet. Demütig sank er auf die Knie, verbeugte sich und hielt dem König eine Schriftrolle entgegen. » Eine Nachricht von Merlin, mein König! «, sagte der Bote. Arthur erhob sich von seinem Thron und nahm dem Boten die Rolle ab. Eilig riss Arthur das Band von der Schriftrolle, rollte das Papier auf und las:

Lieber Arthur,

ich möchte Euch dringend um ein Treffen in Newport bitten! Seid bitte am folgenden Tag nach Erhalt dieser Nachricht im Gasthaus „Zum fettigen Mönch“! Camelot könnte ein Fluch drohen! Mehr kann ich in dieser Nachricht nicht schreiben.

In tiefer Freundschaft und Ergebenheit,

Merlin

Arthur senkte die Hand mit dem Pergament und suchte sofort den Blickkontakt mit einem seiner Diener. » Bereitet eine Reise nach Newport vor! Wir müssen morgen dort sein und daher schnellstmöglich aufbrechen! «, befahl der König. Der Diener nickte und verbeugte sich leicht, bevor er den Saal verließ, um die notwendigen Vorbereitungen für die Reise zu veranlassen. » Warum reist Ihr nach Newport? «, fragte seine Gemahlin Guinevere. » Merlin möchte mich sehen! «, erwiderte Arthur mit ernstem Blick. »Warum? «, fragte die Königin erschrocken, als sie den Ausdruck im Gesicht ihres Mannes wahrnahm. » Kann ich im Augenblick noch nicht sagen! Ich möchte, dass du hierbleibst und alle nötigen Entscheidungen triffst, während ich in Newport bin «, entgegnete Arthur. Guinevere nickte zustimmend und mit nervösem Blick.

Während Arthur mit den Vorbereitungen für die Reise nach Newport beschäftigt war, saß Merlin in seinem kleinen Haus im Wald vom Gwydir Forest und las in einem alten Zauberbuch. „Die Flüche“ stand auf dem Einband des alten Lederumschlages. Im Kamin brannte und prasselte ein warmes Feuer. Neben dem Buch stand auf dem Tisch eine Tasse mit heißem Tee, aus der Merlin ab und zu einen Schluck trank. » Nein! «, sagte Merlin laut zu sich selbst. » Dies darf nicht geschehen! Der Fluch würde Camelot in eine Katastrophe führen! Hoffentlich hat Arthur meine Nachricht erhalten! «

Merlin ging zu einem kleinen Schrank, der in einer Ecke des Zimmers stand, und drehte den steckenden Schlüssel. Mit hölzernem Knarzen und quietschenden Scharnieren öffnete der Zauberer die Schranktür. Er zog eine Glaskugel hervor. Nachdem er diese auf seinen Schreibtisch gelegt hatte, sprach Merlin einen Zauberspruch: » Ich möchte sehen, wo ich nicht sehen kann! Ich möchte hören, wo ich nicht hören kann!« Blauer Nebel bildete sich im Zimmer. Im Nebel war nach kurzer Zeit Arthur in seinem Thronsaal zu sehen.

» Kann ich im Augenblick nicht sagen! Ich möchte, dass du hierbleibst und alle nötigen Entscheidungen triffst, während ich in Newport bin «, hörte Merlin Arthur durch den Nebel sagen.

Merlin beendete den Zauber und schob die Glaskugel zurück in den Schrank. » Arthur hat meine Nachricht erhalten – ich kann mich also selbst auf den Weg nach Newport machen «, sagte der Zauberer zufrieden zu sich selbst. Er huschte durch sein kleines Haus, nahm eine verstaubte Reisetasche von einem Schrank und begann, seine Sachen zu packen. Er packte natürlich anders, als es ein Mensch getan hätte. Mit heftigen Armbewegungen ließ er die Utensilien für seine Reise in die Tasche fliegen. In der Eile hätte ihn ein Schuh beinahe am Kopf getroffen. Nur durch ein schnelles Ducken konnte er gerade noch rechtzeitig ausweichen.

Plötzlich verdunkelte sich die Umgebung von Merlins Haus. Wolken zogen über den Wald hinweg, obwohl es bis dahin ein schöner sonniger Tag gewesen war. » Nein! «, schrie Merlin auf. » Das kann nicht sein! « Die Sachen, die eben noch in der Luft schwebten, schlugen mit einem dumpfen Knall auf den Boden, da Merlin seinen Zauber mit dem Aufschrei unterbrochen hatte. Er ging zu einem Fenster und sah hinaus. Aus den dunklen Wolken fuhr just ein Blitz herunter. Der Blitz war von einer Stärke, die in der Natur nicht vorkommt. Zudem war er so hell, dass er Merlin blendete und der Zauberer für ein paar Sekunden nichts mehr sah. Als er wieder sehen konnte, waren die dunklen Wolken genauso schnell verschwunden, wie sie heraufgezogen waren.

Es klopfte an der Tür und eine Frauenstimme fragte: » Ist hier ein Zauberer zu Hause? « Merlin eilte zur Tür und riss sie auf. Ein strahlendes Lächeln formte sich in seinem Gesicht, als erkannte, wer vor ihm stand. Mit Freude, aber auch ein wenig Furcht sagte Merlin: »Nimue! « » Ja, Merlin, ich bin es. Ich denke, du wirst meine Hilfe benötigen «, sagte Nimue, während sie in Merlins Haus eintrat. Der Zauberer gab der Tür einen kleinen Schubs und sie fiel ins Schloss zurück. Lasziv aufreizend und leicht überheblich schlenderte Nimue durch das Zimmer, in dem Merlin eben noch gearbeitet und seine Reise vorbereitet hatte. Sie stolzierte zum Schreibtisch und drehte das Buch um, das auf dem Schreibtisch lag. „Die Flüche“ las Nimue auf dem Einband.

Nimue, die Hüterin und Herrin des Sees, hatte Merlin damals das Schwert Excalibur gegeben, das der Zauberer in den Stein getaucht hatte, um Arthur zum König zu machen. Die Fee trug ein Kleid aus verschiedenen Grüntönen, das aus feuchten Fischschuppen zu bestehen schien. Die ebenfalls grünschimmernden, schulterlangen Haare wirkten wie Algen, wenn sie sich bewegten. Ihre Schritte klangen wie Schwimmgeräusche, obwohl sie auf Menschenfüßen durch das Haus lief. Die Hände der Fee schienen in dem einen Moment Schwimmhäute zu besitzen, während es im nächsten Augenblick wieder Menschenhände mit jeweils fünf getrennten Fingern waren.

Mit einem verführerischen und erfreuten Blick drehte sich Nimue zu Merlin um, der im Türrahmen stehen geblieben war und sie beobachtet hatte. » Wie ich sehe, hast du bereits erfahren, welche Gefahr für Camelot besteht. Du kannst es noch aufhalten, wenn du dich beeilst! «, sagte Nimue, während sie das Buch zuschlug. Anschließend ging sie aufreizenden Schrittes zum Zauberer, der sie mit starren Augen auf sich zukommen ließ. Sie nahm Merlins linke Hand und drückte ihm einen Stein in die Handfläche. » Wenn du mich brauchen solltest, wirf diesen Stein in Wasser! So klein die Pfütze auch sein mag – ich werde erscheinen! «, erklärte sie mit großen Augen und einem Lächeln. Ehe Merlin auch nur ein Wort sagen konnte, waren seine Augen bereits wieder geblendet durch den Blitz, den Nimue mit ihrem Entschwinden erzeugte. Der Zauberer war wieder allein im Haus. Er hob die linke Hand und betrachtete interessiert den Stein, den ihm die Fee gegeben hatte. Der Stein besaß eine glatte Oberfläche. Seine gesamte Beschaffenheit ließ nur den Rückschluss zu, dass er vom Ufer eines Sees stammen musste. Mit einem leichten Zögern schob Merlin den Stein in eine Innentasche seines Mantels. Er begab sich zurück zu seinen Sachen und beendete die Vorbereitungen für seinen Aufbruch nach Newport.

König Arthur und seine Gemahlin Guinevere befanden sich in ihrem Gemach. Arthur war gerade dabei, einige Dinge für die Reise zu richten. » Was stand in der Nachricht, die Euch der Bote überbrachte? «, fragte Guinevere. » Merlin wird es mir in Newport berichten! «, erwiderte Arthur seiner Gemahlin und verschwieg ihr die Gefahr, die Camelot laut der Nachricht des Zauberers drohte. » Benötigst du Lancelot am Hof? «, fragte Arthur. » Ich würde den besten Ritter Camelots sonst gerne auf die Reise mitnehmen. « Guinevere wandte ihren Blick von Arthur ab. » Camelot ist eine sichere Festung! Nehmt ihn mit! «, antwortete sie, sich in Sicherheit wiegend.

Guinevere hatte ihre Antwort noch nicht ganz beendet, als es an der Tür klopfte und ein Soldat aus dem Hofstab des Königs hereintrat. Schon während der kleinen Verneigung vor Arthur sprach der Soldat zum König: » Mein König, wenn Ihr Newport morgen erreichen wollt, solltet Ihr in einer Stunde aufbrechen – die Vorbereitungen für die Reise sind soweit abgeschlossen. « » Danke! «, sagte Arthur. Der Soldat verließ den Raum und Arthur wandte sich wieder Guinevere zu, die mit dem Rücken zu ihm aus einem Fenster blickte. Sie beobachtete auf dem Innenhof die Knechte, die die Pferde für den Weg nach Newport vorbereiteten.

Guinevere war eine schöne Frau. Sie besaß lange, dunkelbraune Haare, braune Augen, eine schlanke, elegante Taille und zarte Frauenhände, die sie häufig aufeinanderlegte, ohne sie zu falten. Arthur musterte seine Gattin kurz, ehe er zu ihr ging, um sich von ihr zu verabschieden. Er umarmte sie von hinten und gab ihr einen sanften Kuss auf die rechte Wange. Beide sahen aus dem Fenster auf den Innenhof, während Arthur seine Hände liebevoll auf ihren Bauch legte. Sie schwiegen einen Augenblick. Schließlich löste Arthur seine Umarmung und Guinevere drehte sich ihm zu. Sie sahen sich kurz in die Augen. Es war für beide nicht notwendig, ein weiteres Wort zu verlieren. Guinevere war nicht nur eine schöne, sondern auch eine starke Frau. Mit einem Lächeln verließ Arthur das Gemach und machte sich auf den Weg zum Rittersaal. Guinevere drehte sich wieder zum Fenster und verfolgte weiter das Treiben im Hof.

Im Rittersaal angelangt, sah König Arthur sich suchend um. Das Dutzend Ritter, das sich hier für die Reise nach Newport versammelt hatte, erhob sich vor dem König. » Wo ist Lancelot? «, fragte Arthur in den Saal, da er ihn unter den Rittern nicht ausmachen konnte. » Ich glaube, er ist in seinem Gemach, mein König «, erwiderte Heerführer Edwin. Arthur verließ den Rittersaal wieder und begab sich umgehend zum Gemach von Ritter Lancelot. Er klopfte an die Tür und öffnete sie, ohne hereingebeten worden zu sein. Auf der Kante seines Bettes sitzend, schärfte und polierte Lancelot gerade sein Schwert. Als er erkannte, dass König Arthur hereingetreten war, legte er das Schwert auf den Boden.

Lancelot war ein großer Mann mit schwarzen Haaren und einer Narbe auf der linken Wange, die er sich in einem Kampf zugezogen hatte. » Ihr werdet mit mir und den Zwölf nach Newport reisen, um Merlin zu treffen! «, ließ Arthur Lancelot wissen. Lancelot nickte Arthur vertraut zu, nahm im Anschluss sein Schwert vom Boden und schärfte und polierte es weiter, ohne etwas zu sagen.

Kurze Zeit später befanden sich die zwölf Ritter der Tafelrunde, Lancelot und König Arthur auf dem Innenhof der Burg Camelot und bestiegen ihre Pferde. Einige Gemahlinnen der Ritter hatten sich ebenfalls auf dem Hof eingefunden, um sich von ihren Ehemännern zu verabschieden. An die Spitze der Gruppe trat nun Lancelot mit einem schwarzen Pferd und seiner schwarzen Schutzkleidung mit goldenen Verzierungen. » Öffnet das Tor! «, rief er lautstark über den Hof. Mit einem nicht zu überhörenden, knarzenden Geräusch öffneten die wachhabenden Soldaten die großen Holztore von Camelot. Die Tore waren noch nicht ganz geöffnet, als die Truppe bereits das Tor passierte und in die Ferne davonritt. Guinevere war nicht mehr auf den Hof gegangen. Sie stand am Fenster und sah von dort aus ihrem Gemahl und seiner Eskorte nach.

Merlin in Harlech

Merlin reiste nicht auf einem Pferd, sondern zu Fuß. Er war vor sein Haus getreten und hatte zu seinen Füßen gesagt: » Tragt mich in fünffacher Geschwindigkeit fort! « Mit diesem Zauber konnte er mit einem Schritt gleich fünf ausführen. So erreichte der Zauberer die Stadt Harlech noch am selben Abend. Hier klopfte er bei leichtem Regenwetter an das Stadtportal. Eine kleine Luke öffnete sich im Holztor der Stadt. Ein älterer Stadtwächter blickte durch den kleinen Schlitz und fragte hindurch: » Was wünscht Ihr in Harlech? Wie viele seid Ihr? « » Ich bin allein und möchte in einem Gasthaus übernachten «, entgegnete Merlin. Der Stadtwächter schloss die Sichtluke und öffnete eine Tür, die in dem großen Stadttor eingelassen war.

Kaum war der Zauberer hindurchgetreten, wurde die Tür zugeschlagen. Der Stadtwächter griff verängstigt und irritiert zu einem Speer, der neben seinem kleinen Wachhaus stand. Mit dem Speer fest in beiden Händen rief er sichtlich verwirrt: » Was für ein Trick ist das? Wer seid Ihr? « Merlin hatte vergessen, seinen Füßen die normale Geschwindigkeit wiederzugeben. Drei Schritte hatten folglich genügt, dass er bereits einige Meter vom Holztor der Stadt aus entfernt stand. Merlin blickte auf seine Füße und sprach: » Finite! « Inzwischen war der Stadtwächter auf Merlin zugegangen und hielt ihm die Speerspitze auf die Brust. Merlin spürte den Speer und die Schärfe der Waffe. Er nahm vorsichtig mit zwei Fingern die Speerspitze und führte die Waffe ein wenig von seinem Körper weg. » Sei unbesorgt, Stadtwächter – ich bin der Zauberer Merlin. Vielleicht habt ihr schon von mir gehört. Ich möchte nur eine Unterkunft für die Nacht «, sprach er ruhig. » Von einem Merlin, der zaubern kann, habe ich noch nie gehört! «, sagte der Stadtwächter mit erhobener Stimme, während er gleichzeitig den Speer wieder Richtung Merlins Brust bewegte. » Ihr folgt mir zum Stadtvorsitzenden! Er wird entscheiden, wie mit Euch zu verfahren ist! «

Der Stadtwächter und der Zauberer liefen durch die Stadt. Der Wächter hielt den Speer dabei senkrecht neben sich, ließ Merlin aber keinen Moment aus den Augen. Nach zwei oder drei Minuten erreichten die beiden ein Haus. Wie die meisten Bauten der Stadt war auch dieses Haus aus Holz. In roter Farbe prangte ein Schild über dem Eingang des Hauses. Die Aufschrift des Schildes war verblast, und es war nicht mehr zu erkennen, was darauf zu lesen sein sollte. Sie gingen einige Stufen hinauf und durch den Eingang des Hauses. » Rechts herum! «, befahl der Stadtwächter harsch, als hätte er einen Gefangenen. Er klopfte an eine helle Holztür und öffnete sie, ohne auf eine Reaktion aus dem Raum zu warten. An einem Schreibtisch sitzend, arbeitete ein Mann mit schwarzen Haaren, gekleidet in einer prachtvollen dunkelroten Robe. Der Mann legte die Schreibfeder zur Seite und schob im Sitzen seinen Stuhl seitlich zu seinem Schreibtisch, der quer vor einem Fenster stand, um die Eintretenden besser ansehen zu können.

» Was wollt Ihr? «, fragte er den Nachtwächter zurückgelehnt in seinem Stuhl. » Dieser Mann ist verhext! Er sagte, dass er in einem Gasthaus übernachten möchte. Als ich ihn durch das Stadtportal gingen ließ, machte er mit wenigen Schritten einen riesen Satz! – Das ist Hexerei! «, sprach der Stadtwächter erregt. » Ich bin Herbert der Stadtvorsitzende – geht doch bitte einmal drei oder vier Schritte für mich, guter Reisender! «, forderte er Merlin mit einem Augenzwinkern auf, das der Stadtwächter in seiner Aufregung nicht wahrnahm. Der Zauberer folgte der Bitte von Herbert und ging ein paar Schritte durch den Raum. Merlin schmunzelte Herbert dabei an. Da der Zauberer mit dem Rücken zum Wächter durch den Raum lief, konnte dieser auch das Schmunzeln Merlins nicht sehen. » Ich weiß nicht, was Ihr meint! «, sagte Herbert, nachdem Merlin seinen kurzen Gang beendet hatte, und blickte ernst zum Stadtwächter. » Ja, als ich ihn zu Euch bringen wollte, war der verhexte Gang wieder weg «, versuchte der Stadtwächter zu erklären, während sein Blick zu Boden gerichtet war und seine Augen schnell hin und her wanderten. » Ich denke, es ist alles in Ordnung. Vielleicht hat Euch Eure Fantasie einen Streich gespielt. Ihr könnt gehen! «, sagte der Statthalter zum Stadtwächter. Dieser nahm kopfschüttelnd und frustriert darüber, dass der Statthalter ihm nicht glaubte, seinen Speer und verließ den Raum.

Als sich die Tür hinter dem Stadtwächter geschlossen hatte, brach im Raum des Statthalters großes Gelächter aus. Merlin und Herbert gaben sich freundschaftlich und lachend die Hand. » Was führt Euch in unsere kleine Stadt? Möchtet Ihr einen Tee, alter Freund? «, fragte Herbert. » Ja, einen Tee nehme ich gerne an «, erwiderte Merlin, während er sich auf einen Stuhl vor dem Schreibtisch setzte. Herbert verließ kurz den Raum und kam mit zwei Tassen und einer etwas überdimensionierten Kanne wieder zurück. Er stellte eine der beiden Tassen vor Merlin ab und goss Tee ein. » Also, berichtet mir, wo Euch Eure Reise hinführt und aus welchem Grund «, forderte Herbert mit Neugier in den Augen Merlin auf. Der Zauberer nahm zunächst einen großen Schluck Tee, ehe er Herbert antwortete. Vor allem die Wärme des Tees empfand Merlin bei dem nass-kalten Regenwetter als sehr angenehm. » Ich kann es selbst noch nicht genau sagen. Aber so viel muss ich Euch mitteilen: Camelot ist in Gefahr! «

» Warum könnt Ihr mir nichts Genaueres sagen? «, fragte Herbert beharrlich. » Weil ich selbst nicht alle Informationen habe. Ich muss nach Newport und mich mit Arthur treffen «, antwortete Merlin. » Eine weite Reise, die Ihr vor Euch habt! Ich werde Euch nicht länger mit Fragen löchern – Ihr möchtet Euch sicherlich ausruhen «, sagte Herbert, während er seine Tasse auf den Schreibtisch stellte. Merlin nickte zustimmend und stellte seine noch halb volle Tasse neben die überdimensionierte Kanne Tee. » Ja, mein Freund ich muss etwas ruhen. Vielleicht sehen wir uns morgen noch einmal, ansonsten wünsche ich Euch alles Gute – bis zu unserem nächsten Treffen. « Der Zauberer und der Statthalter erhoben sich von ihren Stühlen und gaben sich die Hände, während sie sich freundschaftlich in die Augen sahen. » Viel Erfolg mein Freund! «, sagte Herbert. » Möge Camelot nichts geschehen. « Als Merlin den Raum fast schon verlassen hatte, drehte er sich schmunzelnd noch einmal zu Herbert um. » Grüßt mir nochmals Euren Stadtwächter! « Herbert konnte sich ein erneutes Lachen nicht verkneifen.

Während Zauberer Merlin in einem Gasthaus tief und fest schlief, genauso wie fast alle anderen Stadtbewohner, klopfte es erneut am Stadttor. Der Stadtwächter saß auf seinem Posten und grübelte immer noch über die seltsame Gangart von Merlin nach. » War er nun verhext oder habe ich es mir doch nur eingebildet? «, murmelte sich der Wächter in den eigenen Bart, als er das Klopfen vernahm. Er begab sich zum Tor und öffnete den Sichtschlitz, um zu fragen, wer sich vor der Stadt befände. Als er die Luke öffnete, blickten ihn zwei giftgrüne Augen an. Das Einzige, was der Stadtwächter noch hörte, war eine Art Zischen und Fauchen, bevor er in den linken Oberarm gebissen wurde. Dann sackte er zusammen. Das Tor flog mit Getöse aus seiner Verankerung als das Wesen, das den Stadtwächter getötet hatte, in die Stadt einbrach.

Herbert schreckte von dem Krachen des zerschellenden Stadttores aus dem Schlaf hoch. Schnell sprang er aus dem Bett, warf sich einen Teil seiner Rüstung über und nahm sein Schwert. Während er die Treppe hinunterlief, schrie er: » Aufwachen – die Stadt wird angegriffen! – Aufwachen! – Zu mir! « Er riss die Haustür des Stadthalterhauses auf. Dann blickte sich Herbert um. Vier Wachen waren zu ihm gelaufen. » Was ist geschehen? «, fragte eine der Wachen. » Ich habe etwas zerschellen hören. « » Das war das Stadttor! «, erklärte Herbert. Die Fünf hörten, wie sich ihnen etwas oder jemand näherte. Es kam offenkundig auf sie zu. Sie starrten in die Richtung der näherkommenden, zischenden Geräusche. Kurz darauf sahen sie den Eindringling.

Im ersten Moment hätte Herbert das Schwert fast fallen lassen, als er mit großen Augen erblickte, was für ein Wesen in seine Stadt eingedrungen war. Es war ungefähr drei Meter groß und besaß einen riesigen Schlangenkopf. Zudem war kaum zu erkennen, wie sich das Wesen fortbewegte. Der ganze Körper schien aus Schlangen zu bestehen, die sich unaufhörlich bewegten. Das Wesen hatte die Fünf längst bemerkt und eilte mit großem Tempo auf sie zu. Ohne den Blick von dem Schlangenwesen zu nehmen, befahl Herbert einem der Wächter: » Lauf ins Gasthaus und hol Zauberer Merlin – er ist der Einzige, der uns helfen kann! « Der Wächter nickte und lief zur Unterkunft, in der Merlin schlief. Er musste allerdings einen Umweg wählen, um dem Unwesen auszuweichen. Das Schlangenwesen griff die vier verbliebenen Kämpfer an. » Wir müssen so lange durchhalten, bis Merlin hier ist! «, gab Herbert seinen Mitstreitern mit in den Kampf.

Einer der Wächter rannte auf das Wesen zu und holte zu einem Schwertschlag aus. Aus dem Wesen war jedoch bereits eine der sich ständig bewegenden Schlangen hervorgeschnellt und biss ihm in den Hals. Der Wächter brach sofort zusammen und sein Schwert fiel klirrend zu Boden. Das Wesen richtete seine Aufmerksamkeit auf die verbliebenen drei Kämpfer. Fortwährend zischte es mit seiner riesigen Schlangenzunge. Es öffnete zudem sein Maul, sodass die riesigen Giftzähne daraus hervorblitzten. Der große Kopf schoss nach vorne auf Herbert zu, während sich gleichzeitig links und rechts zwei Schlangen aus dem Wesen lösten und auf die beiden Wächter losgingen. Sie trennten mit ihren Schwertern die Köpfe der hervorschnellenden Schlangen ab und bemerkten dabei nicht, wie sich weitere Schlangen aus dem Wesen lösten und auf dem Boden auf sie zu krochen. Sie wurden ihrer erst gewahr, als sich die Schlangen bereits zwischen ihren Beinen befanden. Beide Wächter wurden gleichzeitig in die Beine gebissen und brachen zusammen. Das Wesen griff mit seinem großen Kopf weiter Herbert an, der mit geschickten Schwerthieben einen Biss nach dem anderen zu verhindern vermochte. » Stell dich einem Gegner, der dir ebenbürtig ist! «, hörte er Merlin auf einmal schreien, der mit seinem Zauberstab in der einen und einem Schwert in der anderen Hand hinter dem Wesen erschienen war. Das Wesen wandte sich von Herbert ab und drehte sich zu Merlin. Währenddessen löste sich allerdings eine Schlange aus dem Rücken des Wesens, die weiterhin Herbert angriff. Herbert konnte seine Abwehrbewegungen nicht rechtzeitig an die kleinere und schnellere Schlange anpassen. Die Zähne der Schlange hatten bereits begonnen, in sein Bein einzudringen, ehe er ihr den Kopf abschlagen konnte. Er ging zu Boden und hielt sich ächzend das verletzte Bein.

Merlin kreuzte seinen Zauberstab mit dem Schwert und rief: » Peri anguis! « Eine weiße Lichtkugel bildete sich an der Stelle, an der sich Schwert und Stab berührten. Merlin bewegte seine Arme und Hände schnell nach vorne und feuerte damit einen Lichtblitz auf das Wesen. Das Schlangenwesen flog, getroffen von der Lichtkugel, viele Meter zurück, hinweg über den am Boden liegenden Herbert, der sich gerade noch ducken konnte, und krachte mit großem Getöse in das Haus des Statthalters. Das Holz splitterte und Balken zerbrachen. Das Wesen war unter den Trümmern des Hauses begraben. Für einen kurzen Moment herrschte Stille in der Stadt. Es war nur noch das Seufzen des verletzen Herbert zu hören. Doch nach kurzer Zeit regte sich das Wesen wieder. Die zerstörten Teile des Hauses fielen zur Seite, als sich das Schlangenwesen mit einem großen Satz aus ihnen emporhob. Mit einem wütenden Zischen und mit seinen grünen Augen auf Merlin blickend, schnellte es an seinem Angreifer vorbei und flüchtete aus der Stadt.

Merlin eilte zu Herbert herüber, der sich immer noch sein verletztes Bein hielt. » Es tut mir leid, mein Freund! «, sprach Merlin mit einer entschuldigenden Geste. Er ließ seinen Zauberstab fallen, nahm sein Schwert und schlug Herbert mit einem kräftigen Schlag sein linkes verletztes Bein ab. Herbert schrie vor Schmerz auf und drohte in Ohnmacht zu fallen, bis Merlin zu seinem Zauberstab griff und sagte: » Sana Vulnus! « Ein Lichtschimmer umgab den Beinstumpf Herberts und die klaffende Wunde heilte binnen Sekunden. Man konnte Herbert an seinen Gesichtszügen ansehen, dass der Schmerz nachließ. » Ich konnte Euer Bein nicht retten, mein Freund. Das Gift, das in Euren Körper eingedrungen ist, hätte Euch ansonsten getötet! «, erklärte Merlin in einer Mischung aus Enttäuschung darüber, dass er seinem Freund das Bein hatte abschlagen müssen, und Erleichterung, dass er ihm das Leben gerettet hatte. » Was war das für ein Wesen? «, fragte Herbert. » Ein Naga! Ein Schlangenwesen, das nur von Wenigen gerufen und befehligt werden kann. Der Kampf um Camelot scheint bereits begonnen zu haben «, antwortete Merlin ernst zu Herbert blickend. » Dann geht, wenn Ihr gehen müsst «, sagte Herbert, immer noch auf dem Boden liegend. » Es tut mir leid, mein Freund! «, wiederholte Merlin zum Abschied.

» Ich hätte Arthur niemals auf die Reise nach Newport schicken dürfen. Wer weiß, was ihm auf seiner Reise widerfährt «, raunte Merlin zu sich selbst, als er die Stadt verließ. Er sprach einen Zauber und verwandelte sich in einen kleinen Wirbelsturm, um schnellstens nach Newport zu gelangen.

Auf dem Weg nach Newport

Arthur, Lancelot und das Dutzend Ritter konnten die Reise nach Newport noch am selben Tag beenden, wenn sie schnell ritten und nur selten Rast einlegten. Sie hatten die Burg zügig hinter sich gelassen und trabten an einem kleinen Wald vorbei. Heerführer Edwin hatte die Spitze vor König Arthur und Lancelot inne. Lancelot war trotz des schnellen Reitens in Gedanken. Er dachte an Guinevere: » Warum ist sie bloß mit dem König verheiratet? « Vor seinem geistigen Auge entstand ein Bild nach dem anderen von der seines Erachtens schönen Guinevere. Er wäre sogar fast aus der Reiterstaffel ausgebrochen, da er sich nicht mehr auf den Weg konzentrierte, sondern mit seinen Vorstellungen von Guinevere beschäftigten war.

Er hatte sich schon vor vielen Jahren in Guinevere verliebt. Erst nach geraumer Zeit hatte es der schwarze Ritter Camelots gewagt, der Königin seine Gefühle zu offenbaren. Die Königin war vom schwarzen Ritter ebenso angetan. Es kam zu einer geheimen Liebschaft. Guinevere hatte diese vor einiger Zeit beendet, da sie fürchtete, dass Lancelot und ihr etwas zustoßen könnte, sollte das Verhältnis dem König bekannt werden. Außerdem hatte sie Lancelot mitgeteilt, dass sie Arthur liebe und ihn niemals verlassen würde. Die Zuneigung der beiden war jedoch nach wie vor unverändert und so träumte der schwarze Ritter hin und wieder von der Königin.

Arthur ritt vor Lancelot und war ebenfalls in Gedanken bei Guinevere und gleichzeitig bei der Bitte von Merlin, nach Newport zu reisen. » Hoffentlich weiß Merlin, was er tut, dass er mich vom Hof wegholt. Ich lasse Guinevere nicht gerne ohne Lancelot und einer dezimierten Anzahl von Rittern am Hof zurück. Besonders, wenn Camelot Gefahr ist «, dachte er.

Sie waren inzwischen mehrere Stunden geritten, als Edwin den Arm für alle anderen sichtbar hob und damit andeutete, langsamer zu werden. Alle folgten diesem Kommando und ließen ihre Pferde ins Schritttempo wechseln. » An diesem Waldrand werden wir Rast machen! «, rief Edwin, bog auf eine Wiese vor dem besagten Waldstück ab und stieg von seinem Pferd. Die Truppe, der schwarze Ritter und der König taten es ihm gleich. Zwei Ritter liefen in das kleine Waldstück und sammelten Holz. So saßen alle vierzehn kurze Zeit später an einem knisternden Feuer. Einer der Ritter schärfte mit einem Schleifstein sein Schwert, ein anderer flickte noch eine Lücke in seinem Kettenhemd, das er unter dem gelbweißen Rittergewand von Camelot trug. Ein dritter versuchte, aus einem seiner Stiefel herauszukommen, da ihn darin etwas piesackte. Der Ritter saß auf einem umgekippten Baumstamm und zog verzweifelt an seinen rechten Stiefel. Doch dieser wollte nicht so recht von seinem Bein und Fuß herunter. Erst mit einem kräftigen Ruck löste sich der Stiefel letztlich. Allerdings hatte der Ritter den Schwung, den sein Ruck mit sich brachte, etwas unterschätzt und so viel er rückwärts vom Baumstamm. Edwin hatte die Aktion des Ritters bemerkt und sagte mit gespielter Arroganz, ohne zu lächeln: » Deshalb bin ich der Anführer unserer Truppe und nicht Ihr! « Edwin wandte sich der Truppe zu und lachte. Die Truppe lachte lauthals mit ihrem Heerführer und einige schüttelten über den ungeschickten Mitstreiter den Kopf. Der Ritter rappelte sich auf und setzte sich wieder auf den Baumstamm. Währenddessen blickte er gespielt beleidigt auf Edwin und konnte sich dabei ein eigenes Lachen nicht verkneifen.

Lancelot und Arthur saßen nebeneinander auf der Wiese. » Ich habe bisher keine Fragen gestellt, mein König – gewährt mir diese «, sagte Lancelot und fragte: » Warum reiten wir nach Newport? « » Ich kann diese Frage nicht beantworten. Ich weiß auch nur, dass Merlin mich in Newport treffen möchte. Vor allem lasse ich Guinevere nicht gerne alleine am Hof zurück «, erwiderte Arthur. Lancelot musste sich zusammennehmen, als Arthur den Namen Guinevere aussprach, um nicht eine emotionale Reaktion erkennen zu lassen. » Sie ist sicher in Camelot! Auch wenn wir nicht zugegen sind, mein König! «, schaltete sich Edwin in das Gespräch ein. » Ein Königreich ist nun einmal größer und wichtiger als die Zuneigung zu einer Person. Trotzdem hoffe ich, dass Ihr recht behaltet «, sagte Arthur. » Wir sollten uns wieder auf den Weg machen, damit wir von Merlin den Grund für die Reise erfahren. « Heerführer Edwin gab daraufhin das Kommando zum Aufsitzen. Einer der Ritter löschte das Feuer, indem er Erde darüber streute.

Als dieser als Letzter auf sein Pferd steigen wollte, hörten sie ein lautes Rascheln aus dem Waldstück. Einige Baumwipfel bewegten sich und Vögel schwangen sich aufgescheucht in die Luft. Das immer lauter werdende Rascheln und die Bewegungen in den Baumwipfeln ließen erkennen, dass sich etwas auf sie zu bewegte. » Schwerter! «, rief Edwin angespannt. Alle zogen ihre Schwerter, während sich der letzte Ritter schnell auf sein Pferd setzte. Sie stellten sich in einer Reihe vor dem Waldstück auf und warteten gebannt darauf, was aus dem Wald herauskommen würde. Sogar Lancelot und Edwin war eine größere Anspannung anzumerken, obwohl sie zu den besten und sichersten Kämpfern in Camelot zählten. Edwins Hände begannen zu schwitzen. Schließlich erschienen Gestalten aus dem Wald. Es waren Wildschweine, die die Vögel in den Baumwipfeln offenbar hochgeschreckt hatten. » Es war nichts – lasst uns weiterreiten nach Newport «, sagte der König laut, damit die anderen ihn hören konnten.

Während die Truppe ihre Schwerter zurück in die Scheiden steckte und sich mit ihren Pferden vom Wald abwandten, schossen auf einmal drei Chimären aus dem Dickicht hervor, die der tatsächliche Grund für die Flucht der Tiere aus dem Wald gewesen waren. Alle hatten einen Löwenkopf, der zusätzlich von einem Ziegenkopf überragt wurde, der im Genick saß. Zwei von ihnen besaßen einen Schlangenkopf auf dem Schwanzende. Die dritte Chimäre, die in der Mitte stand, hatte einen Drachenkopf auf dem Schwanz. Die Drachenchimäre brüllte mit ihrem Löwenkopf und meckerte gleichzeitig mit dem Ziegenkopf. Dann stürmten die drei Chimären auf die vierzehn Reiter Camelots zu. Der Drachenkopf-Schwanz richtete sich auf und neigte sich gleichzeitig nach hinten, als wolle dieser Kopf etwas ausspucken. » Schnell – hinfort von hier – die Chimäre kann Feuer speien! «, schrie Lancelot. Die Truppe drehte sich von den angriffslustigen Chimären ab und gab ihren Pferden die Sporen. Der Drachenkopf auf dem Schwanz schnellte nach vorne und spie Feuer. Ein Teil der Wiese, auf der sie gerastet hatten, fing sofort Feuer und brannte binnen weniger Sekunden lichterloh. Die Vierzehn konnten sich gerade noch in sichere Entfernung bringen. Nach einigen Schritten im höchsten Tempo bremste Edwin die Gruppe wieder, um sich umzusehen. Sie sahen die Flammen, die inzwischen auf die ersten Bäume übergesprungen waren. Die Feuersbrunst weitete sich rasant aus. » Sie scheinen uns nicht zu verfolgen «, sprach Edwin zu den anderen. Doch genau in diesem Moment schossen die drei Chimären, die so groß waren wie eine Raubkatze, aus den Flammen hervor und jagten auf die Ritter Camelots und König Arthur zu. » Leider doch! «, sagte Lancelot erst leise zu sich selbst und schrie anschließend: » Weg von hier! «

Sie beschleunigten ihre Pferde und versuchten, den Chimären zu entkommen. Dabei achteten sie im Angesicht der Gefahr nicht darauf, wohin sie ritten. Lancelot war an der Spitze der Gruppe. Er blickte auf seinem schwarzen Pferd zurück, ob die Chimären ihre Verfolgung fortsetzten. Als er sich umsah, musste er feststellen, dass die drei Chimären sogar zu ihnen aufschlossen. Der schwarze Ritter beeinflusste als Spitze die Richtung der Truppe, um Haken zu schlagen und die Chimären somit auf Distanz zu bringen. Nach drei Haken drehte er sich erneut um. Die Chimären hatten weiter an Boden gutgemacht. Lancelot hob, so gut er es bei dieser Geschwindigkeit konnte, den rechten Arm und bewegte seine Hand hin und her. Damit machte er der Truppe deutlich, dass sie sich in zwei Gruppen von je sieben Mann aufteilen sollen.

So ritt die eine Gruppe mit Lancelot und Arthur nach links weg, während die Gruppe mit Heerführer Edwin an der Spitze nach rechts abbog. Sowohl Lancelot als auch Edwin sahen nach der Trennung hinter sich, um zu sehen, wie die Chimären reagierten. Diese verlangsamten für einen kurzen Moment irritiert das Tempo. Schließlich folgte jeweils eine der beiden Chimären mit einem Schlangenkopf auf ihrem Schwanz einer Gruppe, während die Drachenchimäre einfach stehen blieb. Da sich die Chimären erst an die Aufteilung der Truppe hatten anpassen müssen, hatte sich der Vorsprung der Reiter zunächst deutlich vergrößert. Lancelot und Edwin führten die Gruppen in vollem Galopp an. Die Chimären, die sie jeweils verfolgten, kamen jedoch wieder Stück für Stück näher an sie heran. Der schwarze Ritter deutete seiner Gruppe nun an, dass sie langsamer werden sollte, um sich für einen Kampf bereitzumachen. Die Gruppe kam kurz zum Stillstand und die Waffen wurden gezogen. Dann ritten sie entschlossen auf die Chimäre zu. Die Chimäre spannte ihre Hinterbeine und sprintete in maximaler Geschwindigkeit, die sie aus ihrem Körper herausholen konnte. Der Löwenkopf brüllte kampfbereit und angriffslustig. Als sie sich fast erreicht hatten, setzte die Chimäre zum Sprung an. In diesem Moment warfen Arthur und zwei andere Ritter der Gruppe ihre Schwerter aus vollem Galopp und mit ganzer Kraft. Ein Schwert verfehlte sein Ziel und blieb tief in der Erde stecken. Die anderen beiden Schwerter trafen das Wesen. Das Schwert eines Ritters schlug in den Ziegenkopf der Chimäre ein, der dadurch gespalten wurde. Das Schwert von Arthur traf unterhalb des Löwenkopfes in die Brust. Die Chimäre wurde durch die einschlagenden Schwerter zu Boden gerissen und blieb seitlich liegen. Lancelot ritt mit gezogenem Schwert schnell um die Chimäre herum und trennte den Schlangenkopf auf dem Schwanz ab. Die anderen drei Ritter, die ihre Schwerter wie Lancelot ebenfalls nicht geworfen hatten, schlugen so lange auf die Chimäre ein, bis diese leblos am Boden lag. Schnaufend gab Lancelot das Zeichen, dass der Kampf gewonnen war, indem er sein Schwert in den Himmel streckte. Alle sieben schrien: » Yeah! Yeah! Yeah! « Arthur stieg von seinem Pferd. Die anderen Ritter taten es ihrem König gleich. Langsam ging Arthur auf die tote Chimäre zu, betrachtete sie eingehend und zog sein Schwert aus dem Kadaver. Der Ritter, dessen Schwert die Chimäre verfehlt hatte, versuchte sein Schwert aus dem Boden zu ziehen. Es war jener Ritter, der beim Versuch, seinen Stiefel auszuziehen, vom Baumstamm gerutscht war. Auch diesmal benötigte er Kraft, um das Schwert mit einem großen Ruck endlich aus dem Boden lösen zu können, und wieder fiel er auf seine Kehrseite. Doch diesmal konnte keiner lachen. König Arthur und der schwarze Ritter Lancelot blickten sich vielmehr besorgt an. » Wie weit sind die anderen von uns entfernt? «, fragte Arthur. » Sicherlich mehrere Meilen – so schnell wie wir geritten sind «, erwiderte der schwarze Ritter. » Hoffentlich verläuft ihr Kampf genauso erfolgreich wie der unsere. Außerdem ist die Drachenchimäre möglicherweise noch in der Nähe. Wir sollten uns auf den Weg machen, die andere Gruppe wieder einzuholen «, meinte Arthur. Lancelot nickte ihm zu, hob seinen rechten Arm und befahl: » Aufsitzen! «

Die andere Gruppe mit Edwin als Anführer wendete eine ähnliche Kampftaktik an. Auch sie zogen nach einer Weile ihre Waffen, da sie der Chimäre nicht entkommen konnten. Doch ritten nicht alle Sieben gerade auf die Chimäre zu, sondern Edwin gab den Befehl, dass sich die Gruppe weiter aufteilen sollte. Drei Ritter, zu denen auch Edwin zählte, blieben in der Mitte und ritten gerade auf die angreifende Chimäre zu. Die jeweils zwei anderen Ritter brachen links und rechts aus der Gruppe aus und bildeten Flanken. Die Chimäre hatte keine Chance. Sie wurde von drei Seiten mit Schwertern durchbohrt und ging zu Boden. Alle sieben Ritter reckten nach diesem erfolgreichen Kampf ihre Schwerter in den Himmel und schrien dabei. Ohne abzusitzen, machte sich auch diese Gruppe auf, die andere zu suchen.

Die Gruppen ritten ziemlich genau aufeinander zu. So waren sie nach kurzer Zeit wieder vereint. » Gibt es Verletzte oder Verluste? «, fragte Heerführer Edwin Lancelot. » Nein, auch wir konnten die Chimäre besiegen «, antwortete der schwarze Ritter. Er hatte seine Worte kaum ausgesprochen, als auf einem kleinen Hügel die Silhouette der Drachenkopf-Chimäre erschien. » Achtung! «, schrie Arthur, der die Chimäre als Erster bemerkt hatte. Alle drehten erschrocken ihre Köpfe in Richtung der Chimäre. Diese brüllte mit dem Löwenkopf und meckerte gleichzeitig mit dem Ziegenkopf. Die Truppe Camelots und die Chimäre standen sich wie vor einer Schlacht im Krieg gegenüber. » Wenn sie angreift, sollten wir versuchen zu fliehen «, sagte Arthur zur Truppe. Doch die Chimäre machte keine Anstalten, die Ritter Camelots anzugreifen. Sie stand auf dem Hügel und wackelte leicht mit ihrem Drachenkopf auf dem Schwanz. » Seltsam – warum greift uns die Chimäre nicht an? «, fragte sich Arthur.

In diesem Moment begannen einige Pferde im Boden zu versinken. » Wir sind in ein Moor geritten! Bewegt Euch nicht zu viel, sonst versinken wir! «, rief Edwin. Die Chimäre beugte sich in eine raubkatzenartige Angriffsstellung und näherte sich der Truppe. » Wir müssen hier weg! «, rief Arthur und packte die Zügel fest mit den Händen. Alle versuchten, mit vorsichtigen Schritten aus dem Moor herauszureiten, doch die Pferde kamen sich gegenseitig in die Quere, gerieten folglich ins Stolpern und versanken tiefer im Moor. Drei Ritter fielen aus ihren Sätteln und klatschten in den Morast. Die Chimäre hatte sich der Truppe bereits ein gutes Stück genähert und schlich sich raubkatzenartig immer weiter heran. Lancelot riss sein Pferd in die entgegengesetzte Richtung von Arthur. Er deutete zwei Rittern an, dass sie ihm folgen sollten, wenn es ihnen gelingen würde, sich aus dem Moor zu befreien. Die drei wühlten sich mit Mühe aus dem Morast und setzten zu einem Bogenritt auf die Chimäre an. Die Chimäre reagierte auf die Reiter und wandte sich von der restlichen Truppe ab. Dadurch hatte die Garde um König Arthur die Gelegenheit, sich ebenfalls aus dem Moor zu befreien. Die drei gefallenen Ritter rafften sich auf und griffen die Zügel ihrer Pferde. Die gesamte Truppe zog ihre Pferde an den Zügeln durch das Moor. Es gelang ihnen so, sich aus dem Moor freizukämpfen und ihre Pferde wieder zu besteigen. Inzwischen hatten Lancelot und die zwei anderen Ritter einen Angriff auf die Chimäre vorgetäuscht. Sie waren auf die Chimäre zugeritten, bis das Risiko, durch den Drachenkopf in Flammen gesetzt zu werden, zu groß geworden wäre. Die drei drehten vor der Drachenchimäre ab und gaben ihren Pferden die Sporen, um sich schnell und so weit wie möglich von ihr zu entfernen. Die Chimäre war sichtlich irritiert, als sie erkannte, dass die Gruppe um Arthur und Edwin längst aus dem Moor und ihrem Sichtfeld entkommen war. Auch eine Verfolgung der drei Ritter, die einen Angriff vorgetäuscht hatten, versuchte die Chimäre nicht mehr. Mit dem Löwenkopf fauchend blieb sie am Rand des Moores zurück.

Lancelot im Irrgarten

Lancelot und die zwei Ritter galoppierten. Der schwarze Ritter hatte durch mehrfaches Umblicken gesehen, dass ihnen die Chimäre offenbar nicht gefolgt war. Doch traute er dem Frieden nicht so recht. Er entschied, weiter zu galoppieren. Nach einigen Minuten erreichten sie eine Lichtung, an deren Ende eine Art Garten zu erkennen war. » Dort hinein! «, rief Lancelot, ohne zu überlegen. Die drei ritten schnurstracks auf den Garten zu, der von einer Hecke umgeben war. Lancelot gab mit einer Handbewegung den Befehl, über die Hecke zu springen. » Die Hecke ist zu hoch! «, rief ihm einer der Ritter zu. Der schwarze Ritter ließ sich nicht beirren und wiederholte mit seiner rechten Hand das Kommando. Er trieb sein Pferd noch einmal an, um mehr Schwung für den Sprung zu erhalten. Seine beiden Begleiter taten es ihm gleich. Sie stellten sich in die Steigbügel und beschleunigten nochmals. Die Pferde streiften mit den Hinterhufen zwar die Hecke, doch gelang es ihnen, sie zu überspringen. Überraschenderweise folgte auf die Hecke nach einigen Metern eine weitere. Lancelot packte die Zügel und animierte sein schwarzes Pferd, auch diese Hürde zu überwinden. Wiederum folgte eine Hecke. Mit letzter Kraft und Schwung versuchte der schwarze Ritter, auch die dritte Hecke zu überqueren. Sein Pferd blieb aber mit den Vorder- und Hinterhufen hängen. So stürzten Lancelot und sein Pferd. Auch die beiden Mitstreiter sprangen mehr in die Hecke als darüber. Die Pferde schwangen sich nach dem Sturz wild vom Boden auf und Lancelot hätte im Gewühl zwischen Rittern und Pferden beinahe einen Huf an den Kopf bekommen. Die Ritter blickten sich auf dem Boden liegend und nach Luft ringend an. Die Pferde beruhigten sich langsam. Sie blieben stehen und schnaubten. » Hier sollten wir zunächst sicher sein! «, meinte Lancelot. » Wahrscheinlich ist uns die Chimäre gar nicht gefolgt. Und wenn doch, wird sie niemals über die Hecken kommen! « » Ich habe doch gesagt, dass die Hecken zu hoch sind. Wir hätten auch schon in die Erste rauschen können – so ein Leichtsinn, Lancelot! «, zürnte der Ritter, der vor dem Springen gewarnt hatte. » Was mich mehr interessiert, ist die Frage, wo wir hier sind? «, unterbrach der andere Ritter. » Gute Frage! Es scheint eine Art Garten mit vielen Hecken zu sein. Irgendwie seltsam hier! «, erwiderte Lancelot und schlug vor: » Lasst uns erst einmal kurz zur Ruhe kommen. Dann orientieren wir uns und schauen, wie wir zu König Arthur zurückkommen können. « Die drei standen auf und nahmen ihre Trinkbeutel aus den Sätteln. Nach dem anstrengenden Ritt tranken sie gierig, begutachteten dabei aber trotzdem ihre Umgebung. Die Hecken um sie herum waren so hoch, dass sie selbst von einem Reiter auf seinem Pferd kaum zu überblicken waren. Inzwischen war auch Lancelot erstaunt darüber, dass die Pferde die Sprünge über diese hohen Hecken mehr oder minder gemeistert hatten. » Es war wohl die Angst vor der Chimäre, die die Tiere zu einer solchen Leistung getrieben hat «, dachte er.

Nach einigen Minuten sagte Lancelot: » Lasst uns langsam aufbrechen. Wir führen die Pferde an den Zügeln aus dem Garten. Wir können die Hecken ohne Anlauf ohnehin nicht überspringen. « Die beiden Ritter nickten zustimmend. Sie verstauten ihre Beutel wieder in den Satteltaschen und folgten mit ihren Pferden an den Zügeln Lancelot. Die drei liefen einige Minuten zwischen den zwei Heckenreihen entlang, in die sie gestürzt waren, ohne ein Ende ausmachen zu können. Erst nach weiteren fünf Minuten tauchte eine Lücke in den Heckenreihen auf. Doch wenn sich der schwarze Ritter richtig orientiert hatte, würde diese Lücke in die falsche Richtung und weiter in den Garten hineinführen. Lancelot gab die Anweisung, stehen zu bleiben. Er überlegte, ob sie durch die Lücke gehen sollten oder nicht. Schließlich kam Lancelot auf eine Idee. Er setzte sich auf sein Pferd, um sich einen Überblick zu verschaffen. Allerdings genügte die Erhöhung nicht, um den Garten mit den vielen und langen Hecken einzusehen. Lancelot blickte ernüchtert auf den Boden und dachte kurz nach. Dann hatte er einen Einfall und forderte einen der beiden Ritter auf: » Nehmt mein Pferd und haltet es so fest, dass es sich nicht bewegt! « Der Ritter gab dem dritten Ritter im Bunde die Zügel seines Pferdes in die Hand und fixierte die Position des Pferdes von Lancelot. Als das Pferd regungslos stillstand, stellte sich Lancelot mit den Füßen auf seinen Sattel. Doch auch diese weitere Erhöhung brachte dem besten Ritter Camelots keinen Überblick. Er konnte nur ein bis zwei Heckenreihen mehr erkennen. Er setzte sich vorsichtig zurück in seinen Sattel und stieg anschließend vom Pferd herunter. » Ich bin mir nicht ganz im Klaren darüber, wo wir hier gelandet sind, und kann Euch auch nicht sagen, wie wir hier hinauskommen können. Lasst uns erst einmal weiter geradeaus gehen. Der Garten kann ja nicht endlos lang sein! «, erklärte Lancelot.

So ließen die drei Ritter die Lücke aus und nahmen weiter den Weg zwischen den Hecken, in den sie mit ihren Pferden gestürzt waren. Nach einer Viertelstunde war immer noch kein Ende der Heckenreihen in Sicht. » Das kann doch nicht möglich sein, dass dieser Garten so groß ist! «, beklagte sich einer der Ritter schließlich. Lancelot gab erneut den Befehl zum Stehenbleiben. » Wir kehren um und nehmen doch die Lücke in der Hecke. Wahrscheinlich führt genau diese zum Ausgang aus diesem komischen Garten «, sagte er zu den beiden. Sie machten kehrt und nahmen die Lücke, die sie zunächst außer Acht gelassen hatten.

Auch dieser Weg war links und rechts von hohen Hecken flankiert. Schon nach drei Minuten sahen sie diesmal eine weitere Lücke in einer Heckenreihe. Jedoch führte auch diese Lücke weiter von der Richtung weg, aus der sie hineingeritten waren. Lancelot entschied, die Lücke trotzdem zu durchqueren. » Wir gehen hier wieder nach links – wir werden wohl bald herauskommen «, meinte er. Doch auf jede Heckenreihe folgte eine weitere. » Das kann wirklich nicht wahr sein! «, fluchte Lancelot nach der fünften Lücke in den Heckenreihen. » Manchmal habe ich das Gefühl, wir gehen im Kreis. « Der schwarze Ritter wusste sich nicht anders zu helfen, als weiterhin jede offenkundig absichtlich angelegte Lücke in