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Captain Future - Die verschollenen Abenteuer 2.04 - Der Tod von Captain Future In einer fernen Zukunft ist Captain Future nur noch ein Mythos - oder ist er gar nur eine Figur, die sich ein Science-Fiction-Autor für seine Geschichten ausgedacht hat? Der Raumschiffkapitän Bo McKinnon glaubt jedenfalls fest an seine Existenz, und obwohl er mit seinem Frachter, der Komet, stets die gleichen altbekannten Routen fliegt, hofft er inständig, endlich einmal ein Abenteuer zu erleben, das seines Helden würdig wäre. Als sich schließlich die Gelegenheit ergibt, ein havariertes Raumschiff zu retten, ergreift er sie mannhaft - und geht alsbald selbst als Legende in die Geschichte der Menschheit ein. Eine wundervolle Captain Future-Hommage, die im Original im Oktober 1992 in dem US-Magazin Asimov's Science Fiction erschienen ist und hier erstmals auf Deutsch vorgelegt wird. Sie ist in dem Sammelband Der Tod von Captain Future enthalten.
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Seitenzahl: 100
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Allen Steele
DER TOD VON CAPTAIN FUTURE
Deutsch von
Edmond Hamilton
CAPTAIN FUTURE – DIEVERSCHOLLENEN ABENTEUER II.04
Der Tod von Captain Future
Deutsche Erstausgabe
»The Death of Captain Future« © 1995 by Allen Steele
Published by Arrangement with the Martha Millard Literary Agency
Negotiated through Literary Agency Paul & Peter Fritz AG, Zürich
© dieser Ausgabe 2012 by GOLKONDA Verlag GmbH
Lektorat: Hannes Riffel
Korrektorat: Ilona Pritzens
Titelbild: Glenn Clovis
Gestaltung: s.BENeš [www.benswerk.de]
Satz: Hardy Kettlitz
Druck: Schaltungsdienst Lange, Berlin
EPUB: Karlheinz Schlögl
GOLKONDA Verlag | Hannes Riffel
Charlottenstraße 36 | 12683 Berlin
[email protected] | www.golkonda-verlag.de
ISBN: 978-3-942396-68-4 (eBook)
Der hochgewachsene, aufgeweckte, rothaarige junge Abenteurer mit dem sympathischen Lachen und den fliegenden Fäusten war der unversöhnliche Erzfeind aller Unterdrücker und Ausbeuter menschlicher sowie planetarer Spezies des Systems. Er, der draufgängerische Verwegenheit mit unbedingter Zielstrebigkeit und unvergleichlicher wissenschaftlicher Brillanz zu verbinden verstand, schlug in seinem Kampf für die Gerechtigkeit eine ruhmreiche Bresche durch die neun Welten des Systems.
Edmond Hamilton
Der Sternenkaiser (1940)
Dies ist die wahre Geschichte über den Tod von Captain Future.
Wir überquerten gerade den inneren Asteroidengürtel und jagten unserem geplanten Stelldichein mit Ceres entgegen, als über Funk eine Nachricht hereinkam.
»Rohr? Rohr, bitte wachen Sie auf ...«
Die Stimme, die da von der Decke heruntertönte, war voll, dunkel und wohlklingend – offenbar entstammte sie einem der Herkules-Videos aus der Sammlung des Captains. Sie durchdrang die Dunkelheit meiner Kabine auf dem Mitteldeck, in der ich mich gerade – nachdem ich acht Stunden auf der Brücke Wachdienst geschoben hatte – meinem wohlverdienten Schlaf hingab.
Ich drehte den Kopf, um auf das Computerterminal neben meiner Koje blicken zu können. Alphanumerische Programmzeilen scrollten über den Bildschirm und zeigten die routinemäßigen System-Checks und Updates an, die ich als Zweiter Offizier eigentlich ständig hätte im Auge behalten müssen, sogar dann, wenn ich gerade außer Dienst war oder tief und fest schlief. Immerhin waren keine rot eingerahmten Notrufe zu erkennen – auf den ersten Blick sah alles prima aus.
Abgesehen von der Zeit. Es war 0335 Zulu, also mitten in der gottverdammten Nacht.
»Rohr?« Die Stimme wurde ein wenig lauter. »Mister Furland? Bitte wachen Sie auf ...«
Ich stöhnte und rollte herum. »Okay, okay, ich bin wach. Was willst du, Gehirn?«
Das Gehirn. Es war schlimm genug, dass die KI des Schiffs sich anhörte wie Steve Reeves; sie musste auch noch einen so dämlichen Namen haben wie ›Das Gehirn‹. Auf jedem Schiff, auf dem ich bisher gearbeitet habe, hat die Bordbesatzung ihrer KI menschliche Namen gegeben – Rudy, Beth, Kim, George, Stan, Lisa, nach irgendwelchen Freunden, Familienmitgliedern oder verblichenen Schiffskameraden – oder Spitznamen, entweder pfiffige oder langweilige: Boswell, Isaac, Slim, Flash, Ramrod, einschließlich der üblichen Hals und Datas, den Favoriten aller Nostalgiker. Ich bin mal auf einem Mondkreuzer geflogen, auf dem die Bord-KI »Fughead« hieß, was zu Äußerungen führte wie Fughead, ich brauche die Koordinaten der Mondstation Tycho. Aber niemand außer einem völligen Armleuchter würde seiner KI einen so schwachsinnigen Spitznamen geben wie ›Das Gehirn‹.
Das heißt, niemand außer Captain Future ... und ich hatte bisher noch nicht zweifelsfrei entschieden, ob mein derzeitiger Boss ein Armleuchter war – oder einfach nur verrückt.
»Der Captain hat mich gebeten, Sie zu wecken«, sagte das Gehirn. »Er möchte, dass Sie unverzüglich auf die Brücke kommen. Er sagt, es sei dringend.«
Ich warf einen weiteren Blick auf den Bildschirm. »Ich kann nichts Dringendes erkennen.«
»Befehl vom Captain, Mr Furland.« Die Neonröhren an der Decke begannen hinter ihren rissigen, staubigen Scheiben langsam heller zu werden, was zur Folge hatte, dass ich blinzeln musste und mir eine Hand über die Augen legte.
»Wenn Sie sich nicht in zehn Minuten auf der Brücke melden, dann wird Ihnen eine Stunde Verlustzeit angerechnet und Sie bekommen eine Verwarnung in Ihrer Gewerkschaftsakte.«
Normalerweise bringen mich solche Drohungen nicht weiter aus der Fassung – auf einer langen Reise verliert jeder ein paar Stunden und bekommt ein paar Verwarnungen –, aber im Moment konnte ich mir kein schlechtes Dienstzeugnis leisten. In zwei Tagen würde die TSBAKomet Ceres erreichen, und dort sollte ich an Bord der Jove Commerce gehen, deren Ziel Callisto war. Ich konnte froh sein, dass ich überhaupt so weit gekommen war, und ich wollte nicht, dass mein nächster Vorgesetzter mich nicht fliegen ließ, bloß wegen eines schlechten Zeugnisses des vorherigen Kapitäns.
»In Ordnung«, brummte ich. »Sag ihm, dass ich unterwegs bin.«
Ich schwang mich aus dem Bett und tastete nach meinen Kleidern, die ich irgendwo hatte fallen lassen. Ich hätte eine Dusche, eine Rasur und eine schöne, lange Meditationsübung gebrauchen können, damit ich wieder klar denken konnte, gar nicht zu reden von einer Tasse Kaffee und einem Muffin aus der Kombüse, aber es war offensichtlich, dass mir nichts von alledem beschieden sein würde.
Aus den Wänden begann Musik zu dringen, eine orchestrale Ouvertüre, die stetig an Lautstärke zunahm. Ich hielt inne, die Waden schon halb in den Hosenbeinen, während die Streichinstrumente sich in die Höhe schraubten und an heroischer Intensität gewannen. Deutsche Oper. Wagner. Der Ritt der Walküren, Herrgott nochmal ...
»Lass den Quatsch, Gehirn«, sagte ich.
Die Musik brach mitten im Akkord ab. »Der Captain dachte, dass Ihnen das helfen würde, munter zu werden.«
»Ich bin bereits munter.« Ich stand auf und zog mir die Hose vollständig an. Im dämmrigen Licht nahm ich aus den Augenwinkeln eine rasche Bewegung in der Ecke meiner Kabine neben dem Spind wahr; gerade regte sich da noch etwas, dann war es verschwunden. »Hier drin ist eine Kakerlake«, sagte ich. »Könntest du dagegen bitte etwas unternehmen?«
»Es tut mir leid, Rohr. Ich habe versucht, das Schiff zu desinfizieren, aber bis jetzt ist es mir nicht gelungen, alle Nester aufzuspüren. Wenn Sie Ihre Kabinentür nicht verschließen, während Sie weg sind, schicke ich eine Drohne ...«
»Lass gut sein.« Ich machte den Reißverschluss meiner Hose zu, zog einen Pulli über und sah mich nach meinen Havtschuhen um. Ich hatte sie unter meine Koje gekickt, also kniete ich mich auf den abgewetzten Teppich und zog sie hervor. »Ich werde mich selbst darum kümmern.«
Der Bemerkung des Gehirns maß ich nicht viel Bedeutung bei – es versuchte nur, einer weiteren Seuche Herr zu werden, die ihren Weg an Bord der Komet gefunden hatte, bevor das Schiff in LaGrange Four losgeflogen war. Kakerlaken, Fliegen, Ameisen, hin und wieder sogar eine Maus; dergleichen Ungeziefer schaffte es immer wieder, auf Schiffe zu gelangen, die sich in erdnahen Raumhäfen aufhielten. Bisher war ich allerdings noch auf keinem Schiff gewesen, das dermaßen verseucht war wie die Komet. Dennoch würde ich meine Kabinentür unter keinen Umständen unverschlossen lassen. Eines der wenigen unantastbaren Gewerkschaftsregeln, die ich an Bord dieses Schiffes zu genießen das Privileg hatte, war das Recht, meine Kabine zu versiegeln, und ich wollte dem Captain nicht die Gelegenheit geben, in meinen Sachen herumzuschnüffeln. Er war überzeugt, dass ich Schmuggelware für Ceres dabei hatte, und auch wenn er recht hatte – es handelte sich um zwei Fünftel lunaren Getreidewhiskys, ein traditionelles Gastgeschenk für meinen nächsten befehlshabenden Offizier –, wollte ich nicht, dass der gute Schnaps nur wegen irgendwelcher Vorschriften der Association, um die sich außer ihm niemand scherte, im Abfluss landete.
Ich zog die Schuhe an, band mir einen Allzweckgürtel um die Taille und verließ die Kabine; die Tür verschloss ich sorgfältig mit meinem Daumenabdruck. Der kurze, sich aufwärts krümmende Korridor führte an den geschlossenen Kabinentüren zweier weiterer Crewmitglieder vorbei, die mit CAPTAIN und ERSTER OFFIZIER beschriftet waren. Der Captain war bereits auf der Brücke, und ich nahm an, dass Jeri bei ihm war.
Eine Einstiegsluke führte zum zentralen Zugangsschacht und dem Karussell. Bevor ich zur Brücke ging, legte ich allerdings noch einen Zwischenstopp in der Messe ein, um mir Kaffee in einen Gummibalg zu füllen. Die Messe war eine Katastrophe: Auf dem Tisch stand ein verwaistes Tablett, auf dem Boden lagen weggeworfene Essensverpackungen, und ein kleiner, spinnenartiger Roboter watete im Kombüsenspülbecken herum und führte einen einsamen Kampf gegen die verkrusteten Kochtöpfe, die dort zurückgelassen worden waren. Der Captain war erst kürzlich hier gewesen, und ich war überrascht, dass er mich nicht herbefohlen hatte, damit ich hinter ihm aufräumte. Wenigstens befand sich noch etwas heißer Kaffee in der Kanne; allerdings legten Geruch und Konsistenz nahe, dass er mindestens zehn Stunden alt war. Ich machte ihn mit Zucker und halbsaurer Milch aus dem Kühlschrank einigermaßen genießbar, bevor ich ihn in den Gummibalg füllte.
Wie immer fielen mir die Bilder, die an der Wand der Offiziersmesse hingen, ins Auge: Es waren gerahmte Reproduktionen der Cover uralter – sicher über hundert Jahre alter – Pulp-Magazine. Die Magazine selbst, in Auflösung begriffen und unbezahlbar, lagen gut verpackt und luftdicht verschlossen in einem Safe in der Koje des Captains. Auf den grellbunten Bildern waren Raumfahrer zu sehen, die – mit Goldfischgläsern auf dem Kopf – gegen bizarre außerirdische Monster und verrückte Wissenschaftler kämpften, die selbst wiederum vollbusige junge Frauen in knappen Outfits bedrohten. Alles pubertäre Wunschgebilde aus dem letzten Jahrhundert – ›Planeten in Gefahr‹, ›Jenseits der Sterne‹, ›Sternenstraße zum Ruhm‹ – und über allem thronte, in einem breiten Balken auf jedes Cover gedruckt, ein Titel ...
CAPTAIN FUTURE
Held der Zukunft
In diesem Moment wurde ich von einer harschen Stimme, die von der Decke herunterscholl, aus meinen Tagträumen gerissen: »Furland! Wo stecken Sie?«
»In der Offiziersmesse, Captain.« Ich zwickte den Verschluss des Gummibalgs ab, steckte einen Katheter hinein und hängte ihn mir an den Gürtel. »Hab mir nur noch schnell Kaffee geholt. Bin in einer Minute da.«
»Sie haben sechzig Sekunden, um Ihren Posten zu besetzen, oder Sie bekommen keinen Lohn für Ihre letzte Schicht! Bewegen Sie umgehend Ihren lahmen Hintern hierher!«
»Schon unterwegs ...« Ich verließ die Messe und hastete den Korridor hinauf zum Schacht. »Ekel«, brummte ich vor mich hin, als ich die Luke hinter mir gelassen hatte und nicht mehr in Hörweite des Bordfunks war. Wer nennt hier wen faul?
Captain Future, Held der Zukunft. Der Herr behüte uns, wenn das zutraf.
Zehn Minuten später schoss ein kleines Schiff, das wie eine längliche Träne geformt war, aus dem unterirdischen Hangar auf der Mondoberfläche. Es war die Komet, das superschnelle Fahrzeug der Futuremen und im gesamten System als das schnellste Schiff des Universums bekannt.
Edmond Hamilton
Erde in Gefahr (1940)
Ich heiße Rohr Furland. Ich bin Raumfahrer, auf Gedeih und Verderb, wie schon mein Vater und seine Mutter vor ihm.
Fast könnte man das als eine Familientradition bezeichnen. Meine Großmutter war einer der ersten Weltraumpioniere gewesen, einer jener Männer und Frauen, die dabei halfen, die erste Weltraumstation in der Erdumlaufbahn zu bauen. Danach emigrierte sie auf den Mond und wurde dort mit meinem Vater schwanger – er war das Ergebnis eines One-Night-Stands mit einem namenlosen Moondog, der nur zwei Tage später bei einem Luftdurchbruch ums Leben kam.
Mein Vater wuchs als ungewolltes Kind in Station Descartes auf; mit achtzehn Jahren riss er aus und reiste als blinder Passagier an Bord eines Skycorp-Frachters zur Erde, um dort in Memphis das Leben eines herumstreunenden Straßenköters zu fristen. Schließlich bekam er Heimweh und heuerte bei einer russischen Firma an, die nach gebürtigen Selenianern suchte. Mein Vater kam gerade rechtzeitig wieder nach Hause, um meiner Großmutter in ihren letzten Jahren zur Seite zu stehen, in dem Mondkrieg aufseiten von Pax Astra zu kämpfen und, nicht ganz zufällig, meine Mutter kennenzulernen, die als Geologin in der Mondstation Tycho arbeitete.
