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Cihan Acar

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Beschreibung

Cumali Karagöz ist ein wichtiger Mann in Steinheim, den viele bewundern, andere fürchten und einige hinter Gittern sehen wollen. Mit einem Glücksspielunternehmen zu Reichtum gekommen, lebt er mit seiner Familie in einem pompösen Anwesen; seiner Frau Hannah, die mit ihrer Rolle als Hausfrau fremdelt und davon träumt auszubrechen; seiner Tochter Zaha, die ihn idealisiert und verehrt; und seinem Sohn Ediz, der an sozialer Phobie leidet. Als Cumali ein großes Casino mit neuartigem Konzept eröffnen will, kippt die Stimmung in der Stadt und die Familie steht plötzlich am Pranger. Ein großer deutsch-türkischer Familienroman – und die Geschichte eines größenwahnsinnigen Mannes, der hin und her pendelt zwischen Aufstieg und Fall, Sehnsucht und Gier, Schuld und Unschuld. Und damit seine Familie vor die entscheidende Frage stellt, auf welcher Seite sie steht.

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Seitenzahl: 243

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Das ist das Cover des Buches »Casino« von Cihan Acar

Über das Buch

Cumali Karagöz ist ein wichtiger Mann in Steinheim, den viele bewundern, andere fürchten und einige hinter Gittern sehen wollen. Mit einem Glücksspielunternehmen zu Reichtum gekommen, lebt er mit seiner Familie in einem pompösen Anwesen; seiner Frau Hannah, die mit ihrer Rolle als Hausfrau fremdelt und davon träumt auszubrechen; seiner Tochter Zaha, die ihn idealisiert und verehrt; und seinem Sohn Ediz, der an sozialer Phobie leidet. Als Cumali ein großes Casino mit neuartigem Konzept eröffnen will, kippt die Stimmung in der Stadt und die Familie steht plötzlich am Pranger.Ein großer deutsch-türkischer Familienroman — und die Geschichte eines größenwahnsinnigen Mannes, der hin und her pendelt zwischen Aufstieg und Fall, Sehnsucht und Gier, Schuld und Unschuld. Und damit seine Familie vor die entscheidende Frage stellt, auf welcher Seite sie steht.

Cihan Acar

Casino

Roman

Hanser Berlin

I

1  Cuma

Cumali Karagöz trägt seine Oberteile immer in Schwarz oder Weiß, in einer anderen Farbe sieht man ihn nie. Heute ist es ein schlichtes, schwarzes Shirt. Er ist gerade aus der Tür der Familienvilla gekommen, läuft die Treppe hinunter und geht zur Garage. Sein eilig wirkender Gang ist in Kontrast zum entspannten Ausdruck in seinem Gesicht, das nur auf einen Anlass für das nächste Lächeln zu warten scheint.

Die breiten Schultern und Oberarme prägen seine athletische Figur, ohne dass Cumali, der meistens nur Cuma genannt wird, jemals dafür trainiert hätte. Kurz vor seinem 45. Geburtstag hat ihm seine Leibärztin attestiert, rein medizinisch gesehen habe er eher den Körper eines 25-Jährigen. Diese Einschätzung baut er seitdem gerne und regelmäßig in Alltagsgespräche ein.

Die etwas dickeren Sohlen seiner Schuhe heben ihn knapp über einen Meter neunzig. Sie stammen aus der Sneakers-Sammlung seines Sohnes, der dieselbe Schuhgröße hat und ihm jede Woche neue Modelle bereitstellt. Heute hat er sich für ein Paar Nikes mit spiegelverkehrtem Logo entschieden. Dazu trägt er dunkelblaue Jeans und am Handgelenk eine silberne Casio-Uhr. Seine zahlreichen Rolex-Modelle hat er inzwischen alle verkauft oder verschenkt.

Vor der Garage wartet eine schwarze Mercedes G-Klasse. Am Rückspiegel hängt ein orangefarbener Würfel, der dem Firmenlogo nachempfunden ist. Cuma steigt ein, setzt seine Sonnenbrille auf und fährt den leicht abfallenden Weg bis zum Gittertor am Ende der Ausfahrt hinab.

Im Friseurgeschäft am Marktplatz wird er bereits erwartet. Es ist bekannt, dass er an jedem Freitagvormittag vorbeikommt und niemanden außer Ladeninhaberin Hatice an seine Haare lässt. Nur sie weiß ganz genau, wie kurz an den Seiten zu rasieren und oben zu schneiden ist. Den dichten, schwarzen Bart, der den Mund umschließt und das Kinn bedeckt, die Wangen aber frei lässt, rührt aber auch sie nicht an, den pflegt er selbst.

Danach wird er in einigen seiner Geschäfte nach dem Rechten sehen und spätestens um achtzehn Uhr wieder zu Hause sein. Vor wenigen Monaten galt in der Villa Karagöz noch die Regel, dass die Familie an jedem Freitagabend pünktlich zum Abendessen zusammenkommt. Doch seine Tochter lehnte sich dagegen auf. Er blieb hart, sie ließ nicht locker, er gab nach. Seitdem also nur noch am ersten Freitag jeden Monats.

Der Juni war bisher grau und regnerisch, doch an diesem Vormittag steht die Sonne hoch am Himmel und blendet ihn. Wolken sind nur in weiter Ferne zu sehen, am anderen Ende der Stadt. Sie stehen zu Hunderten in unzähligen Reihen über- und beieinander. Eine hohe Front, die den Horizont in seiner ganzen Breite einnimmt. Wie eine dunkle Kolonne, die nur noch auf das letzte Kommando wartet, um die Stadt einzunehmen. Wahrscheinlich sieht auch Cuma die Wolkenfront. Vielleicht macht sie Eindruck auf ihn, vielleicht sogar Sorgen. Vielleicht nimmt er sie aber auch gar nicht wahr. Nachdem sich das Gittertor geöffnet hat, fährt er hinaus auf die Hölderlinstraße, die vor seinem Grundstück beginnt.

Die Straße hieß früher anders, bis die Anwohnerinnen und Anwohner mit einer Petition für die Namensänderung sorgten. Sie wollten nicht mehr in einer Straße leben, die nach Hanns Martin Schleyer benannt war. Mit einer weiteren Petition wollten sie verhindern, dass Cumali Karagöz in die Nachbarschaft zieht. Sie argumentierten, er würde aufgrund seiner Vorgeschichte durch bloße Anwesenheit den Nachbarschaftsfrieden stören.

Doch sie konnten nichts dagegen ausrichten, dass er das tausend Quadratmeter große Grundstück am Ende der Straße erwarb und seine Villa baute, die ihre Einfamilienhäuser zu spalierstehendem Beiwerk degradierte. Ihre Grundstücke sind alle ähnlich aufgebaut. Die Einfahrten werden videoüberwacht, neben jeder Eingangstür steht eine Sitzbank. Kleine Gärten vor den Häusern, weite Gärten dahinter. Farbige Schilder warnen vor spielenden Kindern, die man nie spielen sieht.

»Also, was glaubt ihr, steht uns der dritte Weltkrieg bevor?«, fragt die Radiomoderatorin. »Macht euch das Sorgen, oder sagt ihr, ich blende das aus und mache mein Ding? Klingelt bei mir durch, und wir quatschen drüber.«

Es folgt ein neu erschienener Song, den es so ähnlich um die Jahrtausendwende schon einmal gab. Cuma schaltet zur Medienwiedergabe seines Handys. Der 2Pac-Song Hail Mary setzt dort ein, wo er das letzte Mal aufgehört hat. Normalerweise hört er auf dem Weg zum Friseursalon genau drei 2Pac-Songs und ist dann da. Diesmal hängt er nach dem fünften noch immer im schleppenden Verkehr fest.

Cuma schüttelt den Kopf und versucht mehrmals den Transporter zu überholen, der direkt vor ihm steht. Doch der Gegenverkehr ist zu dicht. Er flucht leise vor sich hin. Es liegt wahrscheinlich weniger am Stau, sondern eher an der großen Eule, die auf der hinteren Doppeltür des Transporters abgebildet ist.

Sie ist das Maskottchen einer Schreinerei. Ihr Gesicht, der Schnabel, die Augen und das Gefieder sind naturgetreu, ihre Flügel enden aber in Händen. Die eine hält einen Hammer, die andere eine Säge. Dazu trägt sie eine rote Kappe und ebenso rote Arbeitsschuhe.

Cuma hat vor Eulen Angst. Sobald in seiner Nähe die Sprache auf sie kommt, verzieht er das Gesicht und wechselt das Thema. Dabei behauptet er, noch nie eine echte Eule gesehen zu haben. Warum er sich trotzdem so sehr davor fürchtet, weiß niemand außer ihm.

Es bietet sich noch immer keine Gelegenheit zum Überholen oder Ausweichen, also macht Cuma es anders. An einer grünen Ampel bremst er ab und kommt zum Stehen, während der Transporter vorne weiterfährt. Er wartet ab, bis der Transporter die Kreuzung erreicht hat und abgebogen ist. Erst jetzt schaltet die Ampel auf Gelb, dann auf Rot. Mit seiner Aktion löst er mehrstimmiges und anhaltendes Hupen aus. Er lässt das Fenster herunter, streckt seinen Arm nach draußen und macht mit der Hand eine zum Weiterhupen animierende Bewegung.

Minuten später parkt er im Halteverbot am Rande des weitläufigen Marktplatzes, zwischen Dutzenden Fahrradständern auf der einen und einem hohen Schildermast auf der anderen Seite. Das Schild bezeichnet den Markplatz in fünf Sprachen als den größten Deutschlands. Eine deutlich kleiner geschriebene und nicht übersetzte Zusatzinformation besagt, dass sich diese Angabe auf die Fläche im Verhältnis zur Einwohnerzahl bezieht.

Cuma steigt aus, nimmt seine Sonnenbrille ab und geht los in Richtung Friseursalon, der sich in der Ladenzeile vor dem Marktplatz befindet. Dabei kommt er an einem singenden Mann vorbei, der ein Hawaiihemd trägt und einen Hut aufhat. Der Mann ist bekannt in Steinheim. Er steht jeden Tag irgendwo in der Stadt und singt Medleys aus bekannten Beatles-Songs. Als er einmal in der Nähe der Fahrradständer sang, kam Cuma vorbei, hörte ihm eine Weile zu, gab ihm dreihundert Euro und ging weiter. Seitdem kommt der Mann jeden Freitagmittag hierher.

Als Cuma an ihm vorbeigeht, treffen sich ihre Blicke. Der Mann singt gerade Help!, genau wie damals, nickt Cuma dabei fröhlich zu und bewegt seine Schultern beim Singen auf und ab. Cuma nickt zurück, ohne stehen zu bleiben. Der Mann schaut ihm hinterher und wechselt kurzerhand zu Yesterday, singt es mit ausgebreiteten Armen und voller Inbrunst, aber auch das bringt nichts mehr.

Über der Eingangstür des Friseursalons hängt ein Schild mit der Aufschrift Kuaför Erdal. Da alle Sitzplätze belegt sind, warten zahlreiche Kunden vor dem Salon.

Cuma grüßt hier und da, verpasst einem Bekannten eine spielerische Ohrfeige, fordert einen anderen dazu auf, sich demnächst mal zu melden. Eine aufgeregte Stimme ruft ihm hinterher und fragt, ob es stimme, dass Mike Tyson zur Eröffnung des Casinos kommen werde. Davon wisse er nichts, ruft Cuma zurück. Dabei zwinkert er einem Jungen zu, der bei der Eingangstür steht, als wüssten nur sie beide, wie die Antwort gemeint ist.

Im Innenraum sind alle Mitarbeiter im Einsatz. Die Wartenden wissen immer, wer als Nächstes an der Reihe ist. Falls es doch Diskussionen gibt, spricht Geschäftsinhaberin Hatice ein Machtwort. Sie selbst schneidet normalerweise keine Haare mehr, macht aber für Cuma eine Ausnahme, weil er mit ihrem Ehemann befreundet war und sich stets spendabel zeigt.

Auf einem überdimensionalen Fernseher an der Wand läuft ein Film ohne Ton. Der Hauptdarsteller Kemal Sunal trägt einen grellorangen Arbeitsanzug, hält einen Besen und läuft müde durch die Straßen Berlins. Er bleibt stehen, als er auf dem Gehweg gegenüber jemanden erkennt, stellt den Besen ab und ruft der Person grinsend etwas zu. Aus den Lautsprechern ist aber nicht seine Stimme zu hören, sondern Taylor Swift. Für wenige Sekunden fallen seine Lippenbewegungen und ihr Gesang synchron zusammen. So entsteht die Illusion, Kemal Sunal würde in Taylor Swifts Singstimme rufen, sein Gegenüber habe ihm einen tiefen Schnitt zugefügt, deshalb herrsche zwischen ihnen böses Blut. Niemand im Raum bekommt diesen Zufall mit. Die meisten Blicke sind auf Handys, die vielen Spiegel oder den hereinkommenden Cuma gerichtet.

Rechts neben der Eingangstür gibt es einen Wartebereich mit mehreren Ledersesseln, die alle besetzt sind. Dort sitzen drei Jugendliche und diskutieren auf Türkisch darüber, wie viel Cuma für die schwarze G-Klasse gezahlt haben könnte. Frag ihn doch, frag doch du, ich werde fragen, ihr werdet schon sehen. Als er an ihnen vorbeigeht, bleiben sie aber stumm.

Cuma begrüßt Hatice mit einem warmen Lächeln, reicht ihr die Hand und nimmt Platz. Über dem Spiegel an der Wand ist ein gerahmtes Foto zu sehen, das Hatice mit ihrem Ehemann Erdal zeigt, als dieser noch lebte und sie noch ein Kopftuch trug.

Sie wird nicht lange brauchen. Solange sie mit dem Rasierer beschäftigt ist, schweigen beide. Danach fragt Hatice, wie es den Kindern gehe.

»Heute ist es so weit«, sagt Cuma. Mit seiner tiefen Stimme redet er wie üblich so laut, als würde er sich nicht an eine Person, sondern an alle im Raum richten. »Ediz hat heute die letzte mündliche Prüfung, aber es geht nur noch um seinen Notendurchschnitt. Jetzt habe ich also zwei Kinder mit Abitur.«

»Wie schön, Glückwunsch!«, sagt Hatice.

»Danke.«

»Zaha wird Jura studieren, oder?«, fragt nicht Hatice, sondern einer ihrer Angestellten, der den Kunden am Platz nebenan betreut. Cuma dreht seinen Kopf und sieht ihn fragend an.

»Kenne ich dich?«

Der Mitarbeiter räuspert sich, um seine kurze Denkpause zu überbrücken.

»Nein, also, vom Sehen vielleicht …«

»Kennst du meine Tochter?«

»Nicht persönlich … Ich habe das nur zufällig mal mitbekommen, und ich dachte, dass es gut ist, also außergewöhnlich, dass eine Türkin Jura studiert …«

»Warum außergewöhnlich?«, fragt Cuma, der sich inzwischen ganz in Richtung des Gesprächspartners gedreht hat, sodass Hatice eine Pause einlegen muss. Bevor der Mann antworten kann, legt Cuma die nächste Frage nach und zeigt dabei auf ihn. »Bist du Türke?«

»Ich? Nein.«

Hatice lacht etwas angestrengt und tippt Cuma auf die Schulter.

»Ich bin gestern wieder an der Baustelle vorbeigefahren, das Casino wird ja riesengroß! Kommt alles gut voran?«

Cumas Blick ruht weiter auf dem Mitarbeiter. Seine Miene drückt keine Aggression aus, sie ist eher spielerisch und herausfordernd. Als wäre er kurz davor, laut darüber zu lachen, dass der Mann in seine Falle getappt ist. Dann dreht er sich wieder nach vorne, sieht im Spiegel zu Hatice und bestätigt, ja, der Bau gehe gut voran, auch wenn Naturschützer und irgendwelche Verbände immer wieder für Verzögerungen sorgten.

Kurz darauf ist Hatice fertig. Sie nimmt Cuma den Umhang ab und hält einen kleinen Spiegel hoch. Er prüft genau und nickt zufrieden. Im selben Moment ruft ein Mitarbeiter nach Hatice. Er steht mit einem Mann an der Eingangstür, der etwas kleiner und älter ist als er selbst. Der Mitarbeiter winkt Hatice zu sich. Sie geht hin und unterhält sich kurz mit dem kleineren älteren Mann, der ein Poloshirt und eine Schiebermütze trägt.

Cuma bleibt auf dem Drehstuhl sitzen und beginnt sein Gesicht einzucremen, als sein Telefon klingelt. Er nimmt ab, legt das Handy auf die Ablage vor dem Spiegel, begrüßt Tony, seinen engsten Vertrauten, und sagt ihm, der Lautsprecher sei an.

»Die Automaten aus Singapur sind da«, sagt Tony. »Willst du sie zuerst sehen, oder können sie reingetragen werden?«

»Von welcher Firma?«, fragt Cuma.

»Crazy Donkey.«

»Erst sehen«, sagt Cuma. Er wischt seine Finger an einem Handtuch ab, reicht es einem vorbeikommenden Mitarbeiter und nimmt das Telefon wieder auf. »Alles so stehen lassen, und der Lieferant soll warten, bis ich komme. Bestellt ihm etwas zu essen. Der soll bloß dableiben! Bei der Firma fehlt jedes Mal etwas.«

Cuma legt auf und sieht Hatice mit entschuldigender Geste zurückkommen.

»Ich habe den Leuten tausend Mal gesagt, dass sie dich nicht belästigen sollen, aber sie hören nicht.«

»Was will er?«

»Dir eine Frage stellen. Er sagt, dass es unbedingt jetzt sein muss. Und dass nur du die Frage hören sollst.«

»Wer ist der Mann?«, fragt Cuma.

»Ich weiß nicht«, sagt Hatice, »er war noch nie hier.«

Cuma blickt in Richtung des Mannes, der noch immer bei der Tür steht und seinen Blick zuerst erwidert, dann aber den Kopf senkt.

Cuma nickt Hatice zu. Sie gibt dem Mann ein Zeichen, woraufhin er langsam näher kommt, die Hände auf Bauchhöhe verschränkt, den Blick weiterhin zu Boden gerichtet. Als er vor Cuma angekommen ist, lässt er sich auf die Knie fallen. Im Wartebereich lachen einige auf.

Mit einer Geste sorgt Cuma dafür, dass ein junger Mitarbeiter, mit dem er noch nie ein Wort gewechselt hat, einen Stuhl heranschiebt und ihm aufhilft.

Der Mann erzählt Cuma, er habe vorhin in der Moschee einen Schwächeanfall gehabt, kurzzeitig sei er sogar ohnmächtig gewesen. Danach sei ihm gesagt worden, er solle es einmal bei Cumali Karagöz versuchen, vielleicht könne dieser bei seinem Problem helfen. Die weiche Stimme des Mannes und seine förmliche Ausdrucksweise lassen ihn wie einen türkischen Nachrichtensprecher klingen. Er sagt, es gehe um seine Tochter.

Inzwischen hat sich eine kleine Menge um die beiden versammelt, die sekündlich größer wird. Zu den Umstehenden gehören ein Kunde mit Umhang und halbfertiger Frisur sowie eine Frau, die versucht, das Gespräch zu verfolgen, obwohl sie kein Türkisch versteht. Dabei mahnt sie ihre Zwillingssöhne, die bei ihr stehen und sich lachend piesacken, zischend zur Ruhe.

Der Mann mit der Schiebermütze erzählt, seine Tochter habe sich in einen schlechten Menschen verliebt, der zwar Türke sei, aber gottlos und drogenabhängig. Die beiden seien vor Monaten nach Istanbul durchgebrannt. Die Tochter habe den Kontakt zur Familie abgebrochen. Jetzt habe er eine täglich weinende Frau zu Hause, die Situation sei nicht mehr auszuhalten. Er habe herausfinden können, wo sich die Tochter aufhalte, könne aber aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht hinfliegen.

Der Kreis der Neugierigen schließt sich immer enger um die beiden. Die einen flüstern einander zu, die anderen stehen mit verschränkten Armen und gebannten Mienen da. Die Frau mit den Zwillingssöhnen fragt den Mann neben ihr, worum es denn gehe, doch der winkt ab, um selbst nichts zu verpassen. Jemand schaltet den Fernseher und die Musik aus. Hatice kassiert einen Kunden ab und wirft der Versammlung von dort aus einen kritischen Blick zu.

Einer der Umstehenden mischt sich ein und fragt den Mann, wo genau sich die Tochter aufhalte. Der Mann blickt beschämt zu Boden. Er braucht einige Sekunden, bis er antworten kann. Die Antwort klingt wie ein Geständnis: Tarlabaşı.

Die Menge ruft wild durcheinander, hast du das gehört, ausgerechnet dort, dann ist sie wohl für immer verloren. Verbleibende Optionen werden ausgelotet. »Er hat doch einen Sohn, den soll er hinschicken!«, ruft jemand. »Der ist viel zu nett, den reißen sie dort in Stücke«, erwidert ein anderer.

Cuma wird es zu bunt. »Oğlum bi dağılın, yeter ya!«, ruft er. Verzieht euch mal, es reicht. Die Menge löst sich auf und verteilt sich in verschiedene Richtungen. Nur die Mutter der Zwillinge bleibt stehen und blickt sich hilfesuchend um. »Was heißt das jetzt? Kann mal jemand … Wo genau liegt dieses Talabaschi?« Als sie merkt, dass Cuma sie mustert, dreht sie sich nach ihren Zwillingen um. Die sind inzwischen am anderen Ende des Raums und jagen einander um einen Garderobenständer herum. »Herkommen!«, ruft sie, geht aber selbst hin.

Durch die vielen vibrierenden Rasierer wird es wieder lauter. Cuma sieht den Mann mit der Mütze an, der eine Träne wegwischt, bevor sie seine Wange erreicht.

»Nicht weinen«, sagt Cuma und gibt ihm zwei Klapse auf das Knie. Es tue ihm leid um die Tochter, sagt er und spricht etwas leiser als sonst, aber er wisse nicht, wie er dabei helfen könnte. Der Mann sammelt sich, rutscht ein Stück nach vorne und bedeutet Cuma, er möge auch näher kommen, damit er es ihm ins Ohr sagen kann.

Cuma lehnt sich nach vorne, hört dem flüsternden Mann zu, überlegt kurz, schüttelt den Kopf.

»Ich würde gutes Geld zahlen«, sagt der Mann.

»Wie alt bist du?«, fragt Cuma.

»Einundsechzig.«

»Dann wird deine Tochter so zwischen fünfundzwanzig und dreißig sein, richtig?«

»Richtig.«

»Sie ist ein erwachsener Mensch, der sich für diesen Weg entschieden hat.«

»Aber es ist der falsche Weg.«

»Das mag sein. Aber ich kann dir nicht helfen. Ich weiß nicht, was sie dir erzählt haben, aber ich habe mit solchen Dingen nichts zu tun.«

»Darf ich dich etwas fragen?«, fragt der Mann.

»Natürlich.«

»Hast du Kinder?«

»Eine Tochter und einen Sohn. Und ja, meine Tochter hat auch einen Freund. Der ist nichts für sie. Aber wer bin ich, ihr zu verbieten, ihn zu sehen? Soll ich sie in den Keller sperren oder den Jungen zusammenschlagen lassen?«

»Ich will nur, dass meine Tochter in Sicherheit ist«, sagt der Mann. »Ich will, dass sie zurückkommt und eine Therapie macht. Ich will sie in den Arm nehmen wie früher. Und ich will, dass dieser Teufel dafür bestraft wird, dass er sie auf solche Wege geführt hat. Ich will …«

»Wir sind hier aber nicht im Film«, unterbricht ihn Cuma. »Selbst wenn ich dir dabei helfen könnte, würde ich damit alles gefährden, was ich habe. Es gibt Menschen da draußen, die nur darauf warten. Das verstehst du doch, oder?«

Der Mann nickt. »Dann ist da wohl nichts zu machen.« Er reicht Cuma die Hand, steht auf, dreht sich um und geht zum Ausgang.

Nachdem Cuma bezahlt hat, bleibt er kurz stehen und sieht durch das Fensterglas dem Mann hinterher, der langsam davonläuft. Cuma winkt den kleinen Jungen zu sich, dem er vorhin zugezwinkert hat und der immer noch bei der Eingangstür steht. Er drückt ihm sein Handy in die Hand und zeigt nach draußen, wo der Mann gerade den Marktplatz erreicht.

»Geh und gib ihm das Telefon. Er soll seine Nummer und seinen Namen eingeben.«

Der Junge nickt und eilt hinaus. Aus dem Wartebereich ruft jemand Cuma zu und fragt, was der Mann gewollt habe.

Cuma dreht sich um. Die Rasierer verstummen.

»Es ist egal, was er wollte. Er kommt hierher und denkt, dass ich irgendein Mafia-Pate bin, der seine Probleme lösen kann. Und das nur, weil Leute wie du falsche Dinge über mich erzählen. Ich weiß genau, wie du mich hinter meinem Rücken nennst.«

Der Mann unter den Wartenden, auf den Cuma gezeigt hat, breitet die Arme aus und will sich erklären, kommt aber nicht zu Wort.

»Ich behandle hier jeden mit Respekt, und ich erwarte das Gleiche zurück. Cumali Karagöz ist Familienvater und Geschäftsmann, nichts anderes! Alles andere muss endlich aufhören.«

Cuma geht zur Tür, wo der kleine Junge bereits wartet. Er nimmt ihm das Telefon ab und streicht über seinen Kopf.

2  Hannah

Es ist der erste warme Tag seit Wochen. Das einzige Freibad der Stadt wird gegen Nachmittag die Kapazitätsgrenze erreicht haben. Alle Parkplätze werden besetzt sein, hinzukommende Autos werden sich auf umliegende Straßen, Gassen und Feldwege verteilen müssen. An den Kiosken, Rutschanlagen und Sprungtürmen wird es Warteschlangen geben. Die Menge an Menschen und Müll wird stetig zunehmen, genauso wie der Lärm.

Weil Hannah Karagöz all das weiß, liegt sie lieber am heimischen Pool. Außer ihr hält sich niemand mehr auf dem Anwesen auf. Die Kinder sind am frühen Morgen aus dem Haus gegangen. Ihr Mann ist vor einer Stunde mit dem Wagen aus der Garage gefahren, Hannah konnte den Motor hören.

Der rechteckige Betonpool befindet sich mittig auf der weiten Rasenfläche, die fast die gesamte hintere Hälfte des Grundstücks einnimmt. Er liegt quer zur Villa und unterbricht einen schmalen Steinweg, der auf einer Seite an die Treppe der geräumigen Terrasse anschließt und auf der anderen Seite bis zum Ende des Rasens reicht. Dort steht eine zwei Meter hohe Mauer, die das gesamte Anwesen umgibt.

Hannahs Liege steht wenige Meter vom Pool entfernt.

Ihre geschlossenen Augen sind von einer Sonnenbrille mit großen quadratischen Gläsern geschützt. An ihren Mundwinkeln befinden sich zwei kleine Faltenbögen. Ihre braunen, zum Zopf geflochtenen Haare und der blaue Badeanzug sind noch nicht ganz getrocknet. Sie hat die dunkle Haar- und Augenfarbe, die hohe Stirn sowie die schmale, kurze Nase von ihrem Vater geerbt, an den sie keine Erinnerungen hat, von dem sie aber weiß, dass er argentinische Wurzeln hatte. Sie ist schlanker geworden, seitdem sie mindestens dreimal pro Woche ins Fitnessstudio geht, wo sie vor allem auf Intervalltraining und Tabata setzt. Ihr zurückhaltendes Wesen und ihre von Natur aus stoisch ernste Mimik sorgen oft dafür, dass Menschen, die noch kein Wort mit ihr gesprochen haben, sie zwar für sehr hübsch, aber unnahbar halten.

Sie richtet sich auf, nimmt ihre Sonnenbrille ab und legt sie auf den Beistelltisch, auf dem ein aufgeklapptes Buch mit dem Cover nach oben liegt. Kurze Antworten auf große Fragen. Sie blickt hoch zum wolkenlosen Himmel, wo zwei gekreuzte Kondensstreifen zu sehen sind, die ein ungleichmäßiges X ergeben.

Gegen achtzehn Uhr wird Hannah mit ihrer Familie beim Abendessen sitzen. Es wird Lachs, Bratkartoffeln und Salat geben. Bis dahin hat sie nichts zu tun.

Ein Rasenmäher springt an. Er gehört dem Rentner vom Nachbargrundstück, das nicht direkt an das Anwesen grenzt. Hannah sieht ihn nicht, kann sich aber ausmalen, dass er wie jedes Mal seinen grünen Overall trägt und die grüne Kappe aufhat. Wann immer Hannah dem Nachbarn begegnet, dreht er ihr den Rücken zu. Bei ihren Kindern macht er es genauso, bei ihrem Mann sowieso.

Kürzlich hat Hannah aufs Neue versucht, ihren Mann davon zu überzeugen, wegzuziehen und neu anzufangen. In keiner anderen Stadt müssten sie sich ständig mit solchen Reaktionen herumschlagen.

Was will ich in Berlin?, fragte er. Ich bin von hier und gehöre hierher, ich lasse mich nicht wegjagen, glaubst du denen, oder glaubst du mir?

Hannah schwitzt. Sie steht auf und will zum Pool, bleibt aber stehen, als ihr etwas auffällt, das sie zuvor nicht sehen konnte. Es liegt auf dem Rasen, etwa zwanzig Meter von ihr entfernt, ist länglich und silbern und bildet einen beinahe geschlossenen Kreis. Hannah hält es im ersten Moment für eine Halskette. Sie geht darauf zu. Im selben Moment kommt ein Vogel angeflogen, landet auf dem silbernen Etwas und fängt an, mit dem Schnabel darauf einzupicken. Als Hannah nah genug herangekommen ist, erkennt sie, dass es sich um eine tote Blindschleiche handelt. Das Picken des Vogels hat eine Wunde gerissen, die silbern glänzende Haut ist mit roten Spritzern befleckt. Der Vogel stellt das Picken ein und beobachtet Hannah. Seine Federn sind an der Brust weiß, auf den Flügeln rotbraun, im Nacken und oberen Kopfbereich hellgrau. Ein schmaler, schwarzer Balken zieht sich von der einen Kopfseite zur anderen und schließt beide Augen mit ein, die dadurch kaum auszumachen sind.

Hannah macht einen Schritt nach vorne, gibt Ksch-ksch-Laute von sich und wedelt mit den Händen. Der Vogel antwortet mit Warnrufen, die so klingen, als würde er immer wieder Was! rufen. Dazu dreht er sich mit einer kurzen Bewegung in ihre Richtung, sodass er direkt auf sie zufliegen könnte.

Dann soll er eben machen. Hannah tritt den Rückzug an. Der Vogel schickt ihr noch einige Was!-Rufe hinterher. Auf halber Strecke bleibt sie stehen, dreht sich um. Reiß dich zusammen, das ist doch nur ein Vogel. Sie läuft erneut auf ihn zu, diesmal entschlossener. Der Vogel stellt die Rufe ein. Hannah weiß nicht genau, was sie tun wird, wenn er es darauf ankommen lässt. Der Vogel fliegt davon.

Hannah besorgt sich im Gartenhäuschen eine Schaufel, nimmt damit die tote Blindschleiche auf und läuft zum hinteren Ende des Rasens. Währenddessen taucht der Vogel wieder auf, landet auf der Außenmauer und beobachtet sie von dort aus mit schräg gelegtem Kopf. Sie bleibt etwa zwei Meter vor der Mauer stehen, holt langsam und vorsichtig aus, bewegt die Schaufel schnell nach oben und stoppt im richtigen Moment ab. Die tote Blindschleiche fliegt im hohen Bogen über die Mauer. Der Vogel jagt sofort hinterher. Hannah lehnt die Schaufel an die Wand und sucht sich nach Blutspritzern ab. Sie geht zurück zum Pool, um endlich hineinzuspringen. Das Becken ist von einem zweistufigen Betonpodest eingefasst. Hannah steigt die zwei Stufen hoch, bleibt am Rand stehen und betrachtet die spiegelglatte Wasseroberfläche. Dann beschließt sie, doch lieber ins Freibad zu fahren.

Auf der größten Wiese des Freibads halten sich überwiegend Familien auf. Das Kinderbecken und der Kiosk sind von dort aus am besten zu erreichen. Hannah muss lange suchen, bis sie eine freie Fläche findet, die groß genug für ihr Handtuch ist. Sie breitet es aus, legt ihr Sommerkleid ab und setzt sich hin. Zu Hause hat sie den blauen Badeanzug gegen einen roten getauscht.

Als Kind saß Hannah oft auf dieser Wiese, meistens mit ihrer besten Freundin Gül, manchmal auch allein und fast immer ohne ihre Mutter, die Freibäder nicht mag.

Sie legt sich auf den Rücken, schließt die Augen und hört vertraute Geräusche aus verschiedenen Richtungen. Eine summende Biene, ein vor Wut schreiendes Kind, dessen Mutter es jetzt aber wirklich zum allerletzten Mal sagt, das Kennzeichen eines falsch geparkten Autos, das über die Lautsprecher durchgegeben wird. Gleich danach künstliches Möwengeschrei, das den Beginn der Wellenphase im Schwimmbecken ankündigt. Dazu die aufgeregten Stimmen derjenigen, die aus dem Wasser kommen und deren Gemüter sich erst daran gewöhnen müssen, nicht mehr im überfüllten, lauten Becken zu sein. Vier von ihnen nehmen auf den zusammengelegten Handtüchern Platz, die direkt neben Hannah liegen, und sprechen auf Türkisch miteinander. Der Mann bittet seine Frau, das Obst aus der Kühltasche zu holen. Die zwei Töchter streiten sich zuerst um ein Handtuch und dann darüber, ob sie Karten oder Volleyball spielen sollen. Die Frau äußert ihr Erstaunen darüber, wie groß der Sohn einer Bekannten geworden sei. Der Mann regt sich darüber auf, dass der Junge rauche, schon der Vater sei doch an Lungenkrebs gestorben. Hannah, die sich inzwischen wieder aufgerichtet hat, versteht alles, hört aber wohl zu offensichtlich mit, denn eine der Töchter wirft ihr einen kritischen Blick zu.

Hannah steht auf und geht zum Hauptbecken, wo sie fast mehr Haut als Wasser sieht. Sie stellt sich an den Seitenrand und blickt sich nach einer freien Stelle um. Dabei kommt es zum Blickkontakt mit einem Mann, der im Nichtschwimmerbereich neben einem anderen steht und diesem gerade zuhört. Er ist durchtrainiert, hat zahlreiche Tätowierungen auf den Armen und scheint nur darauf gewartet zu haben, dass Hannah ihn bemerkt. Er ist mindestens zehn Jahre jünger als sie. Als er ihr zulächelt, wendet sie ihren Blick ab. Ein Mädchen schreit in der Nähe auf. Jemand hat sie am Fuß gepackt und nach unten gezogen, sie kann sich gerade noch am Beckenrand festhalten. Ein Junge taucht auf und schwimmt lachend davon, das Mädchen schimpfend hinterher. So ergibt sich eine Lücke, die Hannah einnehmen kann. Sie lässt sich langsam ins kühle Wasser hinab und stellt sich mit dem Rücken an die Beckenwand.

Es dauert nicht lange, bis sie unter den vielen stehenden, schwimmenden, schreienden Menschen jemanden erkennt. In der Mitte des Beckens schwimmt ihre ehemalige Klassenlehrerin. Am letzten Tag der Grundschule hatte sie zu Hannah gesagt, sie habe immer gewusst, dass Hannah aufs Gymnasium kommen würde, sie werde ihren Weg weiterverfolgen. Hannah würde gerne mit ihr reden, aber die Distanz ist zu groß.

Sie lässt ihren Blick schweifen und erkennt eine Frau mit roten Locken, die sich dagegen zu wehren versucht, von ihrer Tochter und ihrem Mann unter Wasser gedrückt zu werden. Die Frau wuchs in Hannahs Nachbarschaft auf und hat noch immer dieselbe Frisur. Als kleines Mädchen passte sie einmal beim Überqueren der Straße nicht auf und wurde von einem Auto erfasst. Hannah war damals unter den zahlreichen Menschen, die sich am Straßenrand versammelten und dabei zusahen, wie das Mädchen vom Rettungsdienst betreut wurde.

Die Frau gibt nach, wird unter Wasser gedrückt und taucht lachend wieder auf, die Haare jetzt nass und geglättet. Sie kann noch so glücklich wirken, Hannah sieht in ihr trotzdem das kleine verwundete Kind von damals. Das Mädchen auf der Trage, dessen blaues Shirt an einer Seite blutgetränkt war und das den konzentrierten Blick auf den Sanitäter gerichtet hielt, der ihr gut zuredete.