Celaenas Geschichte 1 - Throne of Glass - Sarah J. Maas - E-Book

Celaenas Geschichte 1 - Throne of Glass E-Book

Sarah J. Maas

0,0
0,99 €

Beschreibung

Was geschah vor ›Throne of Glass‹? Celaena ist jung, schön – und zum Tode verurteilt. Wie die meistgefürchtete Assassinin der Welt gefasst, verurteilt und in die Minen von Endovier geworfen werden konnte – und wie sie ihre erste große Liebe findet – das wird in fünf eBooks erzählt: Celaenas Geschichte 1 - 5. Celaenas Geschichte 1 Celaena Sardothien, die meistgefürchtete Assassinin der Welt, will Vergeltung. Im Auftrag der Gilde der Assassinen soll sie auf einer entlegenen Tropeninsel eine Schuld bei dem berüchtigten Piratenlord eintreiben. Als sie aber begreift, dass die Schuld nicht in Geld, sondern in Sklaven beglichen werden soll, ändert sie kurzerhand ihren Auftrag – und riskiert alles ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 107




Sarah J. Maas

Throne of Glass

Celaenas Geschichte 1

Aus dem Englischen von Ilse Layer

Deutscher Taschenbuch Verlag

Von Sarah J. Maas sind außerdem bei dtv junior lieferbar:

Throne of Glass – Die Erwählte

Celaenas Geschichte 2 – ein Throne of Glass-ebook (erscheint Oktober 2013)

Celaenas Geschichte 3 – ein Throne of Glass-ebook (erscheint Januar 2014)

Celaenas Geschichte 4 – ein Throne of Glass-ebook (erscheint März 2014)

© der deutschsprachigen Ausgabe:

2013 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH und Co. KG, München

© 2012 Sarah J. Maas

Titel der englischen Originalausgabe: ›The Assassin and the Pirate Lord‹

This translation of ›The Assassin and the Pirate Lord‹ is published by dtv by arrangement with Bloomsbury Publishing Plc.

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlags zulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,

KN digital – die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

eBook ISBN 978-3-423-42168-3 (epub)

Ausführliche Informationen über unsere Autoren und Bücher finden Sie auf unserer Website

www.dtv.de/ebooks

1

Celaena Sardothien saß im Unterschlupf der Assassinen im Versammlungsraum und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. »Es ist vier Uhr morgens«, sagte sie, zupfte die Falten ihres purpurroten seidenen Morgenmantels zurecht und kreuzte die nackten Beine unter dem Holztisch. »Ich will hoffen, dass es wichtig ist.«

»Vielleicht wärst du nicht so müde, wenn du nicht die halbe Nacht gelesen hättest«, stichelte der junge Mann, der ihr gegenübersaß. Ohne darauf einzugehen, musterte Celaena die vier anderen, die sich in dem Kellergewölbe eingefunden hatten.

Alles Männer, alle deutlich älter als sie und alle mieden ihren Blick. Ein Schauder, der nichts mit der Zugluft im Raum zu tun hatte, lief ihr den Rücken hinunter. Während sie ihre manikürten Fingernägel betrachtete, zwang sie sich zu einem neutralen Gesicht. Die fünf Assassinen an dem langen Tisch – sie selbst eingeschlossen – gehörten zu den sieben Gefolgsleuten, denen Arobynn Hamel am meisten vertraute.

Natürlich war diese Zusammenkunft wichtig. Das hatte sie sofort gewusst, als das Dienstmädchen an ihre Tür geklopft und sie gedrängt hatte, nach unten zu kommen, ohne sich richtig anzuziehen. Wenn Arobynn einen rief, ließ man ihn nicht warten. Zum Glück war ihre Nachtwäsche genauso exklusiv wie das, was sie tagsüber trug – und fast genauso teuer. Dennoch, als Sechzehnjährige unter lauter Männern achtete sie darauf, dass ihr Morgenmantel nicht zu viel enthüllte. Ihre Schönheit war eine Waffe – eine, die sie scharf geschliffen hielt –, aber sie konnte auch eine Schwachstelle sein.

Arobynn Hamel, der König der Assassinen, fläzte sich am Kopfende des Tischs, sein Haar schimmerte im Schein des kristallenen Kronleuchters rotbraun. Nun richtete er die grauen Augen auf sie und legte die Stirn in Falten. Vielleicht lag es nur an der späten Stunde, aber Celaena hätte schwören können, dass ihr Mentor blasser war als sonst. Ihr Magen zog sich zusammen.

»Gregori ist geschnappt worden«, sagte Arobynn endlich. Das erklärte, warum bei dieser Versammlung einer fehlte. »Sein Auftrag war eine Falle. Jetzt sitzt er in den königlichen Verliesen.«

Celaena seufzte. Deswegen hatte man sie geweckt? Sie tippte ungeduldig mit dem Hausschuh auf den Marmorboden. »Dann müssen wir ihn umbringen«, sagte sie.

Sie hatte Gregori sowieso nie gemocht. Als Zehnjährige hatte sie sein Pferd mit einer Tüte Süßigkeiten gefüttert und er hatte ihr dafür ein Messer an den Kopf geworfen. Natürlich hatte sie das Messer gefangen und zurückgeworfen. Seither trug Gregori eine Narbe an der Wange.

»Gregori umbringen?«, fragte Sam, der junge Mann auf dem Platz links von Arobynn  – da saß normalerweise Ben, Arobynns Stellvertreter. Celaena wusste ganz genau, was Sam Cortland über sie dachte. Das hatte sie schon als Kind gewusst, als Arobynn sie aufgenommen und sie selbst – nicht Sam – zu seinem Protegé, seiner Nachfolgerin, ernannt hatte. Was Sam nicht davon abgehalten hatte, ihre Position bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu untergraben. Und jetzt, mit siebzehn, war Sam noch immer ein Jahr älter als sie und hatte noch immer nicht vergessen, dass er stets der Zweitbeste sein würde.

Bei Sams Anblick auf dem Platz, der eigentlich Ben vorbehalten war, sträubten sich Celaena die Haare. Wenn Ben das sah, würde er Sam dafür wahrscheinlich erwürgen. Oder sie konnte Ben die Mühe abnehmen und es selbst tun.

Celaena sah Arobynn an; warum hatte er Sam nicht zurechtgewiesen? Arobynns Gesicht, immer noch schön trotz der ersten grauen Haare, blieb ungerührt. Sie hasste diese undurchdringliche Maske, besonders wenn es ihr nicht so leichtfiel, ihren eigenen Gesichtsausdruck – und ihre Gefühle – im Griff zu behalten.

»Wenn Gregori geschnappt worden ist«, sagte Celaena gedehnt und warf eine Strähne ihres langen goldenen Haares über die Schulter, »sind die nächsten Schritte ganz einfach: einen Lehrling schicken, der ihm etwas ins Essen tut. Nichts Qualvolles«, schob sie nach, als die Männer um sie herum nervös wurden. »Gerade genug, um ihn zum Schweigen zu bringen, bevor er redet.«

Das war Gregori sehr wohl zuzutrauen, wenn er in den königlichen Verliesen saß. Die meisten Verbrecher, die dort landeten, kamen nie wieder heraus. Zumindest nicht lebend. Und nicht in wiedererkennbarem Zustand.

Wo sich der Unterschlupf der Assassinen genau befand, war ein gut gehütetes Geheimnis und man hatte ihr beigebracht, es bis zum letzten Atemzug zu wahren. Aber selbst wenn sie es ausplauderte – wahrscheinlich würde niemand glauben, dass einige der größten Assassinen der Welt in einer eleganten Villa in einem sehr respektablen Viertel in Rifthold zu Hause waren. Gab es ein besseres Versteck als mitten in der Hauptstadt?

»Und wenn er schon geredet hat?«, fragte Sam herausfordernd.

»Und wenn Gregori schon geredet hat«, antwortete Celaena, »dann bringt alle um, die zugehört haben.« Sams braune Augen blitzten, als sie ihm das kleine Lächeln zuwarf, von dem sie wusste, dass es ihn zur Weißglut brachte. Sie wandte sich an Arobynn. »Aber du hast uns nicht geholt, um das zu entscheiden. Du hast den Befehl längst gegeben, richtig?«

Arobynn nickte, die Lippen fest zusammengepresst. Sam schluckte seinen Einwand hinunter und blickte vom Tisch weg ins prasselnde Feuer. Dessen Schein goss die weichen, eleganten Züge seines Gesichts in Licht und Schatten – ein Gesicht, das ihm wohl ein Vermögen hätte einbringen können, wenn er in die Fußstapfen seiner Mutter getreten wäre. Aber Sams Mutter hatte ihn nicht bei den Kurtisanen, sondern bei den Assassinen untergebracht, bevor sie gestorben war.

Schweigen trat ein und ein lautes Geräusch war zu hören, als Arobynn Luft holte. Etwas stimmte da nicht.

»Was ist noch?«, fragte Celaena, nach vorn gebeugt. Die anderen Assassinen starrten auf den Tisch. Was auch immer passiert war, sie wussten Bescheid. Warum hatte Arobynn es ihr nicht als Erster gesagt?

Arobynns silbergraue Augen bekamen etwas Stählernes. »Ben ist tot.«

Celaena krallte sich in die Armlehnen. »Was?«, fragte sie. Ben – Ben, der immer ein Lächeln auf den Lippen gehabt und mindestens so oft wie Arobynn mit ihr trainiert hatte. Ben, der damals ihre zerquetschte rechte Hand versorgt hatte. Ben, das siebte und letzte Mitglied von Arobynns innerem Zirkel. Er war noch keine dreißig. Celaenas Lippen öffneten sich. »Was soll das heißen, ›tot‹?«

Als Arobynn ihr in die Augen sah, huschte ein Anflug von Schmerz über sein Gesicht. Er war fünf Jahre älter als Ben, war mit ihm aufgewachsen. Sie hatten ihre Ausbildung zusammen absolviert; Ben hatte dafür gesorgt, dass sein Freund der unangefochtene König der Assassinen wurde, und seinen Platz als Arobynns zweiter Mann nie infrage gestellt. Celaenas Hals schnürte sich zu.

»Es war eigentlich Gregoris Auftrag«, erklärte Arobynn ruhig. »Ich weiß nicht, warum Ben da hineingezogen wurde. Oder wer sie reingelegt hat. Seine Leiche lag beim Schlosstor.«

»Habt ihr sie geholt?«, fragte Celaena. Sie musste sie sehen  – musste Ben ein letztes Mal anschauen, sehen, wie er gestorben war, wie viele Wunden es gebraucht hatte, um ihn zu töten.

»Nein«, erwiderte Arobynn.

»Wieso denn nicht?« Celaena ballte die Hände zu Fäusten und löste sie wieder.

»Weil es dort von Wachen und Soldaten gewimmelt hat!«, brach es aus Sam heraus. Celaenas Kopf wirbelte herum. »Was meinst du denn, wie wir überhaupt davon erfahren haben?«

Arobynn hatte Sam geschickt, um nachzusehen, wo Ben und Gregori blieben?

»Wenn wir seine Leiche mitgenommen hätten«, sprach Sam weiter, ohne sich durch Celaenas Blick verunsichern zu lassen, »hätten wir sie direkt hierhergeführt.«

»Ihr seid Assassinen«, fauchte Celaena ihn an. »Ihr solltet eine Leiche bergen können, ohne gesehen zu werden.«

»Wenn du dabei gewesen wärst, hättest du genauso gehandelt.«

Celaena fuhr so ruckartig hoch, dass ihr Stuhl nach hinten kippte. »Wenn ich dabei gewesen wäre, hätte ich sie alle umgebracht, um an Bens Leiche zu kommen!« Sie schlug mit den Handflächen auf den Tisch, dass die Gläser klirrten.

Sam sprang auf, die Hand am Schwertgriff. »Hört euch das an! Du kommandierst uns rum, als würdest du die Gilde anführen. Aber so weit ist es noch nicht, Celaena.« Er schüttelte den Kopf. »Noch nicht.«

»Schluss jetzt«, bestimmte Arobynn und stand auf.

Celaena und Sam rührten sich nicht. Keiner der anderen Assassinen sagte ein Wort, aber alle griffen nach ihren Waffen. Celaena hatte am eigenen Leib erfahren, wie Kämpfe im Unterschlupf abliefen; Waffen dienten ebenso sehr zur Selbstverteidigung wie dazu, Streithähne vor ernsthaftem Schaden zu schützen.

»Schluss jetzt, habe ich gesagt.«

Wenn Sam auch nur einen Schritt auf sie zumachte, sein Schwert einen Millimeter hob, würde das unter ihrem Morgenmantel verborgene Messer ein neues Zuhause in seinem Hals finden.

Arobynn bewegte sich als Erster, packte Sam mit einer Hand am Kinn und zwang den jungen Mann, ihn anzusehen. »Reiß dich zusammen, Junge, sonst übernehme ich das für dich«, sagte er. »Es wäre idiotisch, heute Nacht Streit mit ihr anzufangen.«

Celaena schluckte ihren Kommentar hinunter. Sie würde heute Nacht mit Sam fertigwerden – und in jeder anderen Nacht. Wenn es zu einem Kampf kam, würde sie gewinnen  – sie besiegte Sam immer.

Doch Sam löste die Hand vom Schwertgriff. Sogleich ließ Arobynn Sams Kinn los, blieb aber vor ihm stehen, bis Sam mit gesenktem Blick ans andere Ende des Versammlungsraums stapfte und sich mit verschränkten Armen an die Steinwand lehnte. Er war immer noch in Reichweite – eine Bewegung ihres Handgelenks und aus seiner Kehle würde Blut schießen.

»Celaena«, sagte Arobynn. Seine Stimme hallte in dem stillen Raum wider.

Heute Nacht war schon genug Blut geflossen; sie brauchten nicht noch einen toten Assassinen.

Ben. Ben war tot, für immer fortgegangen, sie würde ihm nie wieder in den Fluren der Villa begegnen. Nie wieder würde er mit seinen kühlen, geschickten Händen ihre Verletzungen behandeln, sie nie mehr mit einem blöden Witz oder einer anzüglichen Bemerkung zum Lachen bringen.

»Celaena«, sagte Arobynn noch einmal warnend.

»Mir reicht’s.« Sie legte den Kopf in den Nacken, fuhr sich mit der Hand durch die goldenen Haare und ging zur Tür, drehte sich auf der Schwelle aber noch einmal um.

»Nur damit ihr Bescheid wisst«, sagte sie zu allen, den Blick aber immer noch auf Sam gerichtet, »ich gehe jetzt Bens Leiche holen.« Sams Kiefermuskeln mahlten, doch er war klug genug, sie nicht anzusehen. »Aber erwartet nicht, dass ich zu euch genauso zuvorkommend bin, wenn eure Zeit gekommen ist.«

Mit diesen Worten wandte sie sich ab und stieg die Wendeltreppe in die Villa über ihnen hinauf. Als sie eine Viertelstunde später durchs Eingangstor in die stillen Straßen der Stadt hinausschlüpfte, hielt niemand sie auf.

2

Zwei Monate, drei Tage und ungefähr acht Stunden später schlug die Uhr auf dem Kaminsims Mittag. Captain Rolfe, der Piratenlord, war unpünktlich. Celaena und Sam ebenfalls, aber Rolfe hatte keinen triftigen Grund, schließlich trafen sie sich in seinem Hauptquartier und waren sowieso schon zwei Stunden später dran als geplant.

Und sie konnte nichts für die Verspätung. Der Wind wehte nicht auf Kommando und die angstschlotternden Seeleute hatten sich nicht gerade beeilt, zum Archipel der Dead Islands zu segeln. Sie wollte gar nicht darüber nachdenken, wie viel Gold Arobynn hatte lockermachen müssen, damit sich überhaupt eine Crew ins Herz des Piratenterrains wagte. Aber Skull’s Bay lag nun mal auf einer Insel, es hatte also keine echte Alternative gegeben.

Celaena, getarnt mit einem viel zu warmen schwarzen Umhang mit Kapuze und einer ebenholzschwarzen Maske, erhob sich von ihrem Stuhl vor dem Schreibtisch des Piratenlords. Wie konnte er es nur wagen, sie warten zu lassen! Schließlich wusste er genau, warum sie hier waren.

Drei Assassinen waren von Piratenhand ermordet worden und Arobynn hatte sie als seinen persönlichen Dolch geschickt  – um eine Entschädigung lockerzumachen, vorzugsweise in Gold, für das, was ihr Tod die Gilde der Assassinen kostete.

»Für jede Minute, die er uns warten lässt«, sagte Celaena zu Sam, »schlage ich ihm auf seine Schulden zehn Goldstücke extra drauf.« Durch die Maske klangen ihre Worte tief und gedämpft.

Sam, der sein attraktives Gesicht offen zur Schau trug, verschränkte die Arme und blickte finster drein. »Das wirst du nicht tun. Arobynns Brief ist versiegelt und dabei bleibt es auch.« Seine braunen Augen bohrten sich in ihre.