Celaenas Geschichte 5 Ein Throne of Glass eBook - Sarah J. Maas - E-Book

Celaenas Geschichte 5 Ein Throne of Glass eBook E-Book

Sarah J. Maas

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Beschreibung

Was geschah vor ›Throne of Glass‹? Celaena ist jung, schön – und zum Tode verurteilt. Wie die meistgefürchtete Assassinin der Welt gefasst, verurteilt und in die Minen von Endovier geworfen werden konnte – und wie sie ihre erste große Liebe findet – das wird in fünf E-Books erzählt: Celaenas Geschichte 1 - 5. Celaenas Geschichte 5 Nur noch einen Abend muss Celaena in diesem lauten Wirtshaus überstehen, bevor sie am Morgen zu den Schweigenden Assassinen aufbricht. Einen Abend ohne aufzufallen, ohne sich in eine Schlägerei verwickeln zu lassen. Eigentlich ganz einfach, doch wer Celaena kennt, weiß, wie schwer ihr das fällt …

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 73




Sarah J. Maas

Celaenas Geschichte 5

Ein Throne of Glass-eBook

dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

Kapitel 1

Seit die fremde junge Frau vor zwei Tagen im Gasthof »Zum weißen Schwein« angekommen war, hatte sie mit kaum jemandem gesprochen außer mit Nolan, dem ein kurzer Blick auf ihre edle nachtschwarze Kleidung genügt hatte, um ihr eilfertig eine Unterkunft anzubieten.

Er gab ihr das beste Zimmer im Haus, dasjenige, das er Gästen vorbehielt, die er zu schröpfen gedachte. Dass die junge Frau eine schwere Kapuze trug und an ihrem schlanken Körper ein ganzes Sortiment Waffen funkelte, schien ihn nicht im Geringsten zu stören, schließlich hatte sie ihm mit einem lässigen Schnipsen ihrer in Handschuhen steckenden Finger eine Goldmünze zugeworfen. Und dass sie eine kunstvolle Goldbrosche trug, mit einem Rubin so groß wie das Ei eines Rotkehlchens, störte ihn ebenso wenig.

Zugegeben, Nolan hatte niemals Angst vor seinen Gästen – das Einzige, was er fürchtete, war, dass sie die Zeche prellen könnten – und selbst dann hatte nicht Angst die Oberhand bei ihm, sondern Wut und Habgier.

Yrene Towers stand hinter dem Schanktisch und beobachtete die Fremde, die allein am hintersten Tisch saß. Nicht nur, weil sie so jung und ohne Begleitung war, sondern auch, weil sie so reglos dasaß, dass es unmöglich war, nicht hinzusehen. Sich nicht zu wundern.

Ihr Gesicht hatte Yrene noch nicht gesehen, nur hin und wieder einen Blick auf einen goldenen Zopf erhascht, der in den Tiefen ihrer schwarzen Kapuze schimmerte. In jeder anderen Stadt hätte der Gasthof »Zum weißen Schwein« vermutlich als schäbige Absteige gegolten. Aber hier in Innish, einem Hafenstädtchen, das so klein war, dass es auf den meisten Landkarten gar nicht verzeichnet war, war es das beste Haus.

Yrene warf einen Blick auf den Bierkrug, den sie gerade abwusch, und unterdrückte ein Seufzen. Sie tat ihr Bestes, den Schanktisch und den Gastraum sauber zu halten und die Gäste – hauptsächlich Seeleute, Händler und Söldner, die häufig dachten, Yrene wäre ebenfalls käuflich zu erwerben – mit einem Lächeln zu bedienen. Aber das änderte nun mal nichts an der Tatsache, dass Nolan den Wein mit Wasser verdünnte, die Bettwäsche nur dann wusch, wenn das Vorhandensein von Läusen und Flöhen nicht mehr zu übersehen war, und für sein tägliches Eintopfgericht oft Fleisch verwendete, das er in den düsteren Seitengassen auftrieb.

Yrene arbeitete jetzt seit einem Jahr hier – elf Monate länger, als sie eigentlich vorgehabt hatte – und der Gasthof »Zum weißen Schwein« widerte sie immer noch an. Das wollte wirklich etwas heißen, denn sie konnte eine Menge wegstecken. Deswegen verlangten Nolan und Jessa, das andere Serviermädchen, regelmäßig von ihr, die widerlichsten Hinterlassenschaften der Gäste zu beseitigen.

Die Unbekannte am hintersten Tisch hob den Kopf und gab ihr mit einem behandschuhten Finger ein Zeichen, ihr noch ein Bier zu bringen. Für eine Person, die nicht älter als zwanzig aussah, trank die junge Frau unfassbare Mengen – Wein, Bier, was auch immer Nolan ihr zu bringen befahl –, schien jedoch nie die Kontrolle zu verlieren. Das war bei dieser schweren Kapuze zwar nicht mit Sicherheit zu sagen, aber an den beiden vorigen Abenden war sie bei Anbruch der Sperrstunde mit katzenhafter Eleganz einfach wieder in ihr Zimmer hinaufgestiegen, ohne über die eigenen Beine zu stolpern wie die meisten anderen Gäste auf ihrem Weg hinaus.

Yrene schenkte rasch Bier in den Krug, den sie gerade abgetrocknet hatte, und stellte ihn auf ein Tablett. Sie fügte noch ein Glas Wasser und ein wenig Brot hinzu, denn die Unbekannte hatte den Eintopf, den sie zum Abendessen bekommen hatte, nicht angerührt. Keinen einzigen Bissen. Kluge Frau.

Yrene schlängelte sich an den dicht besetzten Tischen vorbei, entzog sich den Händen, die sie zu packen versuchten. Auf halbem Weg spürte sie Nolans Blick, der am Haupteingang saß. Ein aufmunterndes Nicken, bei dem sein nahezu kahler Kopf im schummrigen Licht glänzte. Sorg dafür, dass sie weiter trinkt. Sorg dafür, dass sie weiter Geld ausgibt.

Yrene unterdrückte den Impuls, die Augen zu verdrehen, schließlich hatte sie es einzig und allein Nolan zu verdanken, dass sie ihren Lebensunterhalt nicht wie die anderen jungen Frauen von Innish auf den Kopfsteinpflasterstraßen verdienen musste. Vor einem Jahr hatte sich der stämmige Mann von ihr überzeugen lassen, dass er in der Schenke mehr Hilfe brauchte. Natürlich hatte er erst eingewilligt, als er merkte, dass der Handel für ihn von Vorteil sein würde.

Sie war achtzehn und verzweifelt gewesen und hatte mit Kusshand eine Stelle angenommen, für die sie nur ein paar Kupfermünzen und ein schäbiges kleines Bett in einer Besenkammer unter der Treppe bekam. Wesentlich mehr erhielt sie als Trinkgeld, aber davon knöpfte Nolan ihr die Hälfte ab. Und vom Rest verlangte Jessa normalerweise zwei Drittel mit der Begründung, sie wäre schließlich das hübsche Gesicht, das den Männern das Geld aus der Tasche zieht.

Ein Blick in eine Ecke ergab, dass das hübsche Gesicht mit dem dazugehörigen Körper auf dem Schoß eines bärtigen Seemannes saß, laut kicherte und ihre dicken braunen Locken durch die Luft wirbelte. Yrene seufzte, beschwerte sich aber nicht, denn Jessa war Nolans Liebling und sie hatte nun mal keinen anderen Ort, an den sie gehen konnte. Keinen einzigen. Jetzt war Innish ihr Zuhause und das »Weiße Schwein« ihr Zufluchtsort. Außerhalb davon war die Welt zu groß, voller zerstörter Träume und Armeen, die alles, woran ihr Herz gehangen hatte, vernichtet und verbrannt hatten.

Als sie schließlich den Tisch der Unbekannten erreichte, stellte sie fest, dass die junge Frau zu ihr hochsah. »Ich habe dir auch Wasser und ein bisschen Brot gebracht«, stammelte sie anstelle einer Begrüßung und stellte den Bierkrug ab; die beiden anderen Dinge ließ sie noch auf ihrem Tablett.

Die junge Frau erwiderte nur: »Danke.« Ihre Stimme war leise und kühl – kultiviert. Gebildet. Und völlig desinteressiert.

Nicht dass es etwas an ihr gegeben hätte, das auch nur im Entferntesten interessant gewesen wäre, angefangen mit ihrem schlichten Wollkleid, das wenig aus ihrem viel zu mageren Körper machte. Wie die meisten, die aus dem südlichen Fenharrow stammten, hatte sie sonnengebräunte Haut, gewöhnliche braune Haare und war durchschnittlich groß. Nur ihre Augen mit ihrem hellen Goldbraun gaben ihr einen Grund, stolz zu sein. Sie wurden von nicht besonders vielen Menschen bemerkt, denn sie bemühte sich, sie die meiste Zeit niedergeschlagen zu halten, um jede Einladung zum Gespräch oder die falsche Art von Aufmerksamkeit zu vermeiden.

Yrene stellte das Brot und das Wasser mitten auf den Tisch, neben den leeren Bierkrug, den die junge Frau ein Stück von sich geschoben hatte. Doch schließlich siegte ihre Neugier und sie spähte in die schwarzen Tiefen unter der Kapuze. Da war nichts als Dunkelheit, das Schimmern von goldenen Haaren und eine Spur blasse Haut. Sie hatte so viele Fragen – unendlich viele Fragen. Wer bist du? Wo kommst du her? Wo willst du hin? Kannst du mit all den Waffen, die du trägst, auch umgehen?

Nolan beobachtete sie die ganze Zeit, deshalb machte sie einen Knicks, setzte ein kühles Lächeln auf und ging mit niedergeschlagenen Augen zwischen den grapschenden Händen hindurch zurück zum Schanktisch.

 

Celaena Sardothien saß in dem völlig unerträglichen Gasthof an ihrem Tisch und fragte sich, wie ihr Leben so plötzlich zur Hölle hatte werden können.

Sie hasste Innish. Hasste den Gestank nach Dreck und Abfall, hasste die schwere Nebeldecke, die Tag und Nacht über der Stadt lag, hasste die zweitklassigen Händler und Söldner und die größtenteils übellaunigen und unfreundlichen Bewohner.

Niemand hier wusste, wer sie war oder warum sie hergekommen war, niemand wusste, dass die Person unter der Kapuze Celaena Sardothien war, die berüchtigtste Assassinin in Adarlans Reich. Und das sollten sie auch gar nicht erfahren. Durften sie gar nicht erfahren. Und sie sollten auch nicht herausfinden, dass sie in einer guten Woche siebzehn werden würde.

Sie war nun seit zwei Tagen hier – zwei Tage, die sie sich entweder in ihrem widerwärtigen Zimmer (einer »Suite«, wie der schmierige Gastwirt es zu nennen wagte) verkrochen oder hier unten in der Schenke zugebracht hatte, wo es nach Schweiß, abgestandenem Bier und ungewaschenen Körpern stank.

Hätte sie die Wahl gehabt, wäre sie abgereist. Aber sie war gezwungen, hierzubleiben, und schuld daran war ihr Meister, Arobynn Hamel, der König der Assassinen. Sie war immer stolz gewesen auf ihren Status als seine auserkorene Nachfolgerin, hatte immer damit geprahlt. Aber jetzt … Diese Reise war die Strafe dafür, dass sie sein grausames Sklavenhandelsabkommen mit dem Piratenlord von Skull’s Bay zunichtegemacht hatte. Da sie nicht den Marsch durch den Bogdano-Dschungel hatte riskieren wollen – das unberührte Stück Land, das die Desert-Halbinsel mit dem Kontinent verband –, blieb ihr nur noch das Überqueren des Golfs von Oro. Und das bedeutete, hier, in diesem heruntergekommenen Gasthof, auf ein Schiff zu warten, das sie nach Yurpa brachte.