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In "Cha me das therapiere" geht Gerhard Meister immer wieder aufs Ganze, und er tut das auf witzige Weise, schnell, ironisch. Wir staunen: wie hier Fragen geklärt werden, die wir so noch gar nicht kannten. Mit seinen Geschichten und Gedichten in Mundart und Hochdeutsch führt uns der Autor an wenig vertraute Orte: in den Zeppelin etwa, oder weit hinauf ins All, auf den Mond, dann wieder runter, auf dahinschmelzende Gletscher, es gibt ja einige davon. "Dr Ötzi isch o ke Lösig", das steht fest. Und klar wird auch, dass der Kauf einer neuen Agenda ziemlich vertrackt sein kann. Dass selbst die Abschlussprüfung zur "Fachkraft Kläranlage" ihre Tücken hat. Wir reiben uns die Augen und werfen einen Blick in die Welt der Teenager. Danach geht es gleich weiter, in den menschlichen Körper: zur “Entfernung des Gewissens aus dem Bauchraum”. Oder zum “Figewäschpi”, das vegane Erwartungen durchkreuzt und für uns Menschen zum Schluss kommt: "Mir si aui Kannibale!" Einmal mehr stellt sich die Frage: Cha me das therapiere?
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Seitenzahl: 139
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Gerhard Meister
Cha me das therapiere
edition spoken script 54
1. Auflage, 2025
© Der gesunde Menschenversand, Luzern
Alle Rechte vorbehalten
eISBN: 978-3-03853-195-1
Lektorat: Martin Zingg
Herausgeber:innen: Matthias Burki, Ursina Greuel, Tamaris Mayer, Daniel Rothenbühler
Gestaltung: hofmann.to
Herzlichen Dank für die Unterstützung: Stadt Zürich Kultur, Kulturförderung Kanton Zürich, Luzern Plus Kulturförderung
Menschenversand wird vom Bundesamt für Kultur für die Jahre 2021 – 2025 unterstützt.
www.menschenversand.ch
Im Fluss
Da flügt e Flocke Schnee
Aber dr Aletschgletscher
Dr Gedanke vor Reinheit
Fragenkatalog Fachkraft Kläranlage
Tropfen Ich
Die richtige Trübe
In Körpern und auf Tellern
Kochanleitung
Ich stelle mir nichts vor
Nicht einmal zur Verwurstung zugelassen
Menü
E chlini Verwächslig
Merke!
Ins Gewissen gesprochen
Ich absegne
Zeichen von Dehydration
Minimauinvasiv
Postoperativ gewissenlos
Chuttle
Röhrli
Im Vor- bis Vollpubertären
Dr Elefant us China
Bodycare
Initiationsritus
Merke!
Homeschooling
Das luftige Mädchen
Seppli
Im Zeppelin
Geschichte gewühlt in Geschichte
Leichter als Luft
Nullkommanull Gramm
Äquator und Hagel
Begeisterung und Geschenke
Wohin damit?
Hakenkreuze und Utopie
D Bärge ripse a dr Atmosphäre
In Erdferne und Mondnähe
Countdown
The Eagle has landed
Läbeslänglech Buzz
Oh my God
Im Paradies
Im Lauf der Jahre
Dr Ötzi isch o ke Lösig
Gewisse Dinge sind ganz simpel
Zum Bischpiu d Hypnerotomachia Poliphili
Dr aut Coiffeur
Entscheidigsphobiker
Nid emau es Glas Hahnewasser
Die Affäre
Im Emmental (und Umgebung)
Housi, dr Schaman
Go for it
No wrong language in Switzerland
DIE MENSCHEN vom Hitchcock
Kosovoskop
In Wahrheit
Oschterhas
Hesch du würklech ds Gfüeu
Dr Zwäck vo dere Impfkampagne
Nume konsequänt
Es Glas Wasser
Vo A bis Z nume wahr
Inschpiriert dür d Literatur vor Laurence Boissier
In memoriam
Gedenkminute für Hugo Eckener
Traum und Alptraum
Schicht um Schicht
Lied für Laurence
Bonusträcks
Too much isch too much
Hallo Mensch, frag mich alles!
Troumdütig für Profis
The Right Language
da flügt e Flocke Schnee
da schtreckt öpper sini Zungen use
u dr Schnee landet uf dr Zunge
u dr Schnee wird zu Wasser
u was im Wasser drin isch gsi
Ruess, Schtoub, Mikroplastik
das wird jetz gschlückt
das geit jetz abe
abe i Mage
vom Darm is Bluet
vom Bluet is Hirni
hets üs Plastik gschneit
scho klar
dr Ofetaugletscher
dr Val Tortagletscher
dr Pizolgletscher
dr Sankt Annagletscher
dr Paneyrossegletscher
scho klar
dr Plattalvagletscher
i wott da gar nüt säge
dr Surettagletscher
dr Kaltwassergletscher
dr Cavagnoligletscher
dr Cambrenagletscher
u dr Tiatschla
u dr Verstancla
i wott da gar nüt säge
u o dr Porchabellagletscher
u o dr Glärnischgletscher
u o dr Eigergletscher
u o dr Lämmeregletscher
u o dr Blüemlisaupgletscher
u o dr Paradiesgletscher
u o dr Tsanfleurongletscher
u o dr Tschingel u dr Palü u dr Rätzli
ja, die aui o
u sogar dr Rossbodegletscher
u dr Bifertengletscher
dr Tschiervagletscher
dr Oberaargletscher
dr Turtmanngletscher
dr Rosalouigletscher
u dr Gries u dr Ried, dr Gauli u dr Zmutt
sogar die
aber dr Aletschgletscher
aber dr Aletschgletscher
dr Aletschgletscher
das isch doch
i meine jetz vor Flächi här
u o ir Längi
i meine, oder
sone Flächi, sone Längi
das isch doch
das isch doch eifach
nei, dr Aletschgletscher
dr Aletschgletscher
das cha doch eifach nid si
ja, dr Morteratschgletscher
ja, dr Rhonegletscher
ja, dr Grindelwaldgletscher
ja, dr Unteraargletscher
u vor mir us o dr Gornergletscher
u dr Fieschergletscher
dä grad ono
aber dr Aletschgletscher
hueresiech no mau
dr Aletschgletscher
das cha doch eifach nid si
Füfzäh Jahr lang isch es greist füfzäh Jahr lang düre Bärg het Gschteinsschicht um Gschteinsschicht durchquert u jedi vo dene Gschteinsschichte het wie ne Fiuter gwürkt u het das Wasser greinigt u no mau greinigt u no mau greinigt füfzäh Jahr lang när isch es usem Bärg wieder use cho u ine i das Fläschli da i mire Hang reins Wasser us den Aupe
Ja, scho klar, i ha das Wasser nid säuber i das Fläschli gfüllt das het e Maschine gmacht e Maschine, wo das besser cha aus ig u vor auem schnäuer pro Sekunde füllt die Maschine das Wasser i 50 Fläschli das si 3000 pro Minute 200’000 pro Schtung füf Millione pro Tag zwöi Milliarde pro Jahr ja, i bi nid dr einzig wo vo däm reine Wasser us de Aupe wott trinke das wei ganz viu angeri Lüt o no u vo derthär die enorme Zahle
Zwöi Milliarde Fläschli u aui si us PET u natürlech wird das PET recykliert, scho klar bottle made from bottles das isch dr Wärbespruch vo dere Firma wo mis Wasser i das Fläschli het gfüllt aber es paar vo dene zwöi Milliarde Fläschli wärde glich furtgschosse u när weiss me ja, was passiert die Fläschli lande ir Natur sie schwümme im Meer desume sie verschtopfe d Mäge vo Fische u Vögu sie wärde zäme mit angerem Züg us Plastik agschwemmt u verschandle ganzi Schtränd o dert, wo d Lüt kes Wasser us Fläschli trinke u o kes vom Hahne sondern us irgendemene Loch
Ja, das PET, das isch es Problem das PET, ganz klar u därum wird ja gforscht gforscht amene Fläschli, wo nümm us PET isch es Fläschli, wo verfulet verfulet wie ds Loub vo de Böim u sie hei das Fläschli o scho entwicklet i has ir Zitig gläse es git das Fläschli, wo verfulet u kener Vögu u Fische töt u kener Schtränd kaputt macht aber dummerwis isch das Fläschli nid durchsichtig sondern gäub u das bringe sie eifach nid wäg, das Gäub u es gäubs Fläschli, das geit nid du chasch das reine Wasser us de Aupe nid ines gäubs Fläschli abfülle das trinkt niemer o ig hätt ehrlech gseit es Problem weni mis Wasser usemene gäube Fläschli müesst trinke gäub, das heisst Achtung gäub, das heisst Chemie gäub, das heisst radioaktivi Schtrahlig u dass mer aui gäub bisle, macht die Sach o nid besser
Ärdöu, ja, i weiss das Ärdöu, wo i jedem vo dene Fläschli drin isch das Ärdöu, wo bruucht wird aus Rohschtoff das Ärdöu, wo bruucht wird bim Transport wiu das Wasser vo däm Ort wos nach füfzäh Jahr Reis düre Feus usechunnt witer reist abgfüllt ines Fläschli reist das Wasser witer use us de Aupe use us Europa i fasch 150 Länder uf dr ganze Wäut wird das Wasser trunke u vo derthär das Ärdöu i jedem vo dene Fläschli meh aus e Deziliter Ärdöu aber das isch e Zau vo Greenpeace u di si ja o Partei u übertriebe sicher echli u das Fläschli hie i mire Hang isch nid i d Wäut use greist das isch i de Aupe blibe ja, i chönnt säge dank däm, dass i das Fläschli hie ha kouft hanis am Reise ghinderet u so Energie gschpart u d Umwäut gschont i wott mer wäge däm ke Orde ahänke aber weni e Schluck nimme de schmöckts nid nach Ärdöu so viu isch klar
Mikroplastik, ja, i weiss i mim Wasser, wo so rein isch dass es ir Wüsseschaft bruucht wird zur Eichig vor Reinheit o i däm Wasser het me Mikroplastik gfunge aber Mikroplastik, das gits überau Mikroplastik fingsch i jedem Bärgsee sogar im Honig hets Mikroplastik ja, d Beieli näh das irgendwie mit dr Luft uf wos o Mikroplastik drin het u natürlech schnuufe o mir Mönsche das Mikroplastik i mir hei Mikroplastik ir Lunge mir hei Mikroplastik im Bluet mir hei Mikroplastik im Hirni u Mikroplastik im Hirni das isch es Problem, ganz klar aber doch nid es Problem vo däm Wasser da i mire Hang sondern es Problem ganz genereu vo üsere Läbenswis
Chlorothalonil, ja i weiss Chlorothalonil, das tönt unheimlech u dass me jetz Chlorothalonil i däm Wasser het gfunge wo so rein isch, dass es ir Wüsseschaft aus Eichgrössi für Reinheit bruucht wird das isch unschön, scho klar Chlorothalonil isch es Peschtizid u so öppis i mim Wasser, das geit nid das Wasser da i mire Hang das hani kouft, wius rein isch rein vo auem u ganz sicher rein vo Chlorothalonil aber o da muess me eifach gnäuer häreluege, oder da muess me jetz eifach gseh, i weler minimale Dosierig das Chlorothalonil i mim Wasser drin isch sächs Nanogramm Chlorothalonil pro Liter hets da drin u es Nanogramm, das isch nid es tuusigschtu u nid es millionschtu das isch es milliardschtu Gramm Chlorothalonil u dadermit eigentlech überhoupt nüt meh
Me cha dr Gedanke vor Reinheit eifach o übertriebe es git nüt uf dere Wäut, wo rein isch du chasch ueche i d Aupe u dert e töife Schnuuf vo dere sogenannt reine Aupeluft näh ja, u när chönntsch ja o frage was es dert drinne het wie viu Nanogramm vo däm u vo däm u i säge dr aus Schlimme, wo dr nume chasch vorschteue hets dert drinne Tschernobyl, Chemiekataschtrophe, Liichegift u sogar es paar Atom wo scho mau ir Lunge vom Hitler si gsi aber wägedäm bhouptet doch niemer das sig Naziluft wo du bi üs i de Aupe ischnuufisch das sig Massemörderluft das isch doch absurd dass ig mir aui die Gedanke muess mache dass i mi muess rächtfertige dass i es schlächts Gwüsse muess ha das cha doch eifach nid si das muess doch no müglech si gopfnomau i wott doch eifach nume Wasser trinke ganz eifach trinke u es guets Gfüeu ha derbi füfzäh Jahr düre Feus Gschteinsschicht um Gschteinsschicht füfzäh Jahr u när usem Bärg wieder use u iche i mis Fläschli hie i mire Hang reins Wasser us de Aupe
Kann im Prozess der Klärschlammpasteurisierung das Abschwemmen von fadenförmigen Abwasserpilzen im Vorfluter und die daraus folgende Degeneration des Schwimmschlamms zu Blähschlamm im Oxidationsgraben noch vor Abnahme des entwässerten Schlammkuchens durch entsprechende Massnahmen verhindert werden oder ist dies erst nach Eintritt in den Nachfaulraum möglich?
Und ist, für den Fall, dass Ersteres zutrifft, die zu ergreifende Massnahme dann eher eine Filtrierung von pumpfähigen Harn-Kot-Gemischen wie Flüssigmist oder eine thermische Trocknung vorentwässerter Schlämme?
Begründe Deine Antwort!
Sollte ich mich all die Jahre derart über mich selber getäuscht haben? Bin ich vielleicht doch nicht aus wasserfestem Material gebaut, wie ich das bisher von mir geglaubt habe? Das ist keine Sinnestäuschung, kein unbekanntes optisches Phänomen, nein, es steht ganz zweifelsfrei fest, ich werde unter dem warmen Duschstrahl immer weniger. Schicht um Schicht fliesst ab von mir, ich verdünnisiere mich, löse mich auf, ich verschwinde im Abflussloch und werde weggespült durch Kanalisationsrohre in die Kläranlage.
Ich fliesse durch Rechen und Zackenüberfälle. Ich gerate in den Ölfang, Feinsandfang. Um mich herum Öle und Fette, treibe ich aus dem verquirlten Wasser an die Oberfläche und werde abgeschöpft.
Im Vorklärbecken sinke ich auf den Grund, zusammen mit Fäkalien, Papier- und Essensresten. Ich gerate mit Frischschlamm in die Voreindickung. Tief im Belebtschlamm vergraben, bin ich gelöster Schmutzstoff, Mikroorganismen veratmen mich, ich oxidiere zu Nitrat. Ich werde zu elementarem Stickstoff reduziert. Ich bin ein Medikamentenrest, ich bin ein Spritzer Putzmittel, ich bin ein Hormon, und künstliche Blitze aus Ozon und Sauerstoff spalten mich auf. Aufgespalten trägt mich das Wasser fort. Ich sickere durch Sand, treibe als Schlammflocke, als Schwebeteilchen im Wasser. Das Wasser geht in den Fluss ab. Ich fliesse flussabwärts. Die Sonne zupft an mir, das ist lustig, das ist frech. Ein Kitzeln und Zwicken löst mich aus dem Wasser, hebt mich an und hoch in die Luft. Es geht hoch und höher mit mir.
Ich bin Dunst, der sich zu Dunst gesellt. Aus Dunst werden Wolken, die sich zusammenballen zu grauen Fäusten. Die zu wettern beginnen, sich selber ausschwitzen über dem Gotthardmassiv oder anderswo. Je nachdem, woher der Wind weht, fällt ein Tropfen Ich.
Fischers Fritz fischt frische Fische, heisst es, aber frische Fische fischen, das kann nicht nur Fischers Fritz. Das schafft auch Müllers Angela und Schulzes Wolfgang, und auch Hirzels Daniela schafft das. Frische Fische fischen, das schaffen wir alle. Denn wir alle kennen Schuberts Lied von der Forelle. In einem Bächlein helle, da schoss in froher Eil, die launische Forelle vorüber wie ein Pfeil. Ja, wir kennen dieses Lied so gut, dass wir den Text auswendig können und wir wissen: Im Lied gibt es einen Fischer mit einer Rute, der sah mit kaltem Blute, wie sich das Fischlein wand. Und dann wird in diesem Lied genau erklärt, wie das Forellenfischen geht, und da gibt es eben ein Problem. Solange das Wasser hell ist, lässt sich die Forelle nicht fangen. So steht es im Lied. Solang dem Wasser Helle, so dacht ich, nicht gebricht, fängt er die Forelle mit seiner Rute nicht.
Und das ist ja ganz logisch. Ist das Wasser hell, dann sieht die Forelle doch sofort, dass der Wurm vor ihrer Nase an einem spitzigen Fischerhaken steckt und es also sehr unschlau wäre, zuzubeissen. Und auch die Lösung für dieses Problem wird im Lied beschrieben:
Der Fischer macht das Bächlein tückisch trübe, und eh man es gedacht, so zuckte seine Rute, das Fischlein zappelt dran. Ganz logisch, das Wasser ist trübe, die Forelle sieht den Fischerhaken nicht mehr und beisst zu.
Aber halt mal, um zubeissen zu können, muss die Forelle den Wurm sehen. Und wenn das Wasser trübe ist, dann ist doch auch der Wurm in dieser Trübe verschwunden? Also klappt es doch nicht mit dem Bächlein tückisch trübe machen? Nun ja, könnte man sagen, der Wurm ist grösser als die Angel, an der er hängt. Also sieht man ihn auch besser und kann ihn eben auch dann noch sehen, wenn das Wasser trübe ist. Aber zu trübe darf das Wasser trotzdem nicht sein, sonst sieht die Forelle den Wurm nicht mehr. Aber eben auch nicht zu wenig trübe, weil der Fischerhaken, der soll im trüben Wasser verschwinden.
Nötig ist also offensichtlich eine ganz bestimmte, mittlere Trübe des Wassers. Aber wie lässt sich die herstellen und mit was? Die Forelle schwimmt in einem Bächlein. Ich kann also auf dem Grund des Bächleins mit einem Stock Schlamm aufwühlen, der dann eine Trübe erzeugt. Aber eben, das ist dann die Frage, ist es die richtige Trübe, die weder zu stark ist noch zu schwach? Und woher weiss ich überhaupt, wie trüb das Wasser sein muss, damit die Forelle den Wurm noch sieht, aber den Haken nicht mehr? Und wenn ich das weiss, woher weiss ich dann, wie stark ich im Schlamm stochern muss, damit sich eben genau diese gewünschte Trübe einstellt? Und da stellt sich schon die nächste Frage. Ja, jeder Bach hat doch eine Strömung, die den Schlamm sofort wegträgt. Also muss ich für den weggespülten Schlamm ständig neuen Schlamm nachproduzieren. Ich darf nicht aufhören, mit meinem Stock den Grund des Bächleins aufzuwühlen. Aber wenn ich das mit der einen Hand die ganze Zeit tue, kann ich dann mit der andern noch richtig die Rute halten? Und bringe ich es im ganzen Stress noch fertig, so stark zu stochern, wie es für die richtige Trübe des Wassers nötig ist, und weiss ich denn jetzt eigentlich schon, welches die richtige Trübe ist? Oder habe ich es mal gewusst und wieder vergessen? Herrgott, hätte jemand geglaubt, dass Fischen so wahnsinnig kompliziert ist?
Fragen über Fragen. Und es zeigt sich, die schönen Reime eines Liedtextes, die lassen sich nicht einfach so in einen erfolgreichen Anglernachmittag übersetzen. Zwischen Kunst und Leben klafft offensichtlich ein tiefer Graben. Kommt noch dazu, wo finde ich hier, mitten in der Stadt, ein Bächlein, in dem Forellen schwimmen? Ich befürchte, meine Lust auf Forelle blau wird noch im Migros oder Lidl enden, vor dem Regal mit den Fischprodukten.
Ich könnte mir natürlich auch einen Ausflug in ein Restaurant leisten, eines, das berühmt ist für seine Fischgerichte, mich dort hinsetzen und auf die Frage des Kellners, was es denn sein darf, in Vorfreude antworten: Ich hätte gerne Forelle blau.
Die Lunge und das Herz sorgfältig waschen.
Die Leber waschen.
Die Milz von Häuten reinigen.
Die Nieren gut wässern und öfter das Wasser wechseln.
So verlieren sie den Harngeschmack.
Die Lunge trockentupfen.
Die Leber trockentupfen.
Die Milz trockentupfen.
Die Lunge in dünne Scheiben schneiden.
Die Leber in kleine Würfel schneiden.
Die Milz durch den Fleischwolf drehen.
Das Herz aufschneiden und aufklappen.
Blutgefässe und Sehnen entfernen.
Die Lunge mit der Messerspitze anstechen,
damit der Sud eindringen kann.
Die Nieren dünsten.
Die Lunge leise köcheln lassen.
Das Herz benötigt eine längere Garungszeit.
Die Lunge nach halber Kochzeit wenden.
Das Hirn fünf Minuten kräftig durchbraten.
Das Herz sanft braten – es soll innen rosa sein.
Ein Sommertag, zum Beispiel am See,
da gehen die Menschen, da liegen sie,
junge Körper und alte,
beschienen von der Sonne viel Haut.
Die Haut ist Oberfläche, aber was ist darunter?
Wer stellt sich an einem solchen Sommertag und überhaupt
wann immer er oder sie nackte Körper sieht,
