Charleen - Chris M - E-Book

Charleen E-Book

Chris M

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Beschreibung

Charleen wurde als Vierjährige von ihren Eltern vor dem Jadehaus, einem Waisenhaus ausgesetzt. Sie wurde mit sieben Jahren von dem Ehepaar Tannstein adoptiert. Was niemand ahnte, beide waren pädophil. Kurze Zeit nach der Adoption kam der Straßenjunge Robert und bettelte um Essen. Durch eine List Margaretes lockte sie ihn ins Haus. Für beide Kinder begann ein Martyrium der schlimmsten Art. Robert glaubte, in einem unbeaufsichtigten Augenblick fliehen zu können. Charleen gelang die Flucht durch einen Unglücksfall, sie verschwand nach Innsbruck in ein Kloster. Als Erwachsene kehrte sie nach Deutschland zurück, um ihre Peiniger zu stellen.

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Seitenzahl: 264

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Chris M

Charleen

Ich war doch noch ein Kind

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Impressum neobooks

Kapitel 1

Jobangebot Amerika

Das Jahr 2020 eine Zeit die vielen Menschen ihre Existenz kosten wird, dazu ein kalter November und der Geruch von Schnee liegt in der Luft. Nicht nur dass die Preise ins Unermessliche steigen, es kann sich kein Mittelklasse Mensch mehr einen Arzt oder noch recht viele Lebensmittel leisten. Die Menschen leiden an Hunger und Krankheit, nur die Reichen bestimmen noch, wer Arbeit bekommt und wer nicht. Viele der Armen hausen in erbärmlichen Hütten, da die Mieten ins Unendliche steigen. Die freie Marktwirtschaft in Deutschland schleift ihrem Ende entgegen, der Euro ist kurz vor dem aus.

So erging es auch Charleens Mutter Annabell, sie war gerade mal achtzehn Jahre alt. Wie jeden Tag kam sie, wenn sie nicht gerade Putzarbeiten bei anderen Leuten erledigte, vom Betteln bei den Reichen nach Hause. Heute war ihr Glückstag gewesen, denn heute bekam sie ein halbes Brot von einer wohlhabenden Frau geschenkt. Es war zwar nicht mehr frisch, doch man konnte es noch Essen. Annabell entschied, Brotsuppe daraus zu machen.

Sie machte die Türe von ihrer Holzhütte auf und sah, Joshua im Sessel sitzen und Charleen am Boden, auf den ausgetretenen alten Dielen spielen. Es war nicht sehr warm in der Hütte, denn der kleine Holzkohleofen musste die zwei Zimmer mit wenig Holz und Kohle wärmen, die sie hatten und darauf wurde auch gekocht. An der Bretterwand stand eine ausgediente Couch, die vor langer Zeit jemand wegwarf, ebenso wie Tisch und Stühle. Den einzigen bequemen Sessel, in dem er saß, hatte Joshua von Zuhause mitgebracht. Die Betten waren ein Geschenk von seinen ehemaligen Freunden, sonst müssten sie auf den Boden schlafen. Charleen hatte nicht viel Kleidung und Spielzeug, eine alte Puppe von ihrer Mutter und einen lädierten Teddy-Bären, doch beide liebte sie abgöttisch. Das kleine Mädchen redete mit ihr oder Joshua kaum ein Wort, obwohl sie sprechen konnte. Annabell bekam immer ein beklemmendes Gefühl, wenn sie ihre Tochter ansah, lag es daran dass sie nie genug zu Essen bekam?, fragte sie sich immer wieder. Nur woher sollte sie Nahrung oder Arbeit nehmen? Sie wollte in dieser schweren Zeit kein Kind in die Welt setzen, aber es passierte nun mal.

Joshua bekam schon seit vier Jahren keinen Job mehr, egal wo er sich bewarb. Es gab auch keinen Sozialstaat mehr, wo man Hilfe erwarten konnte, deshalb gab es oft Streit zwischen den beiden. Doch heute freute sie sich wegen des halben Brotes, sie konnte den beiden wenigsten eine warme Suppe kochen. Annabell legte das Brot auf den Tisch, da kam Charleen angelaufen und sah mit großen Augen auf das Brot. Annabell schnitt ihr eine große Scheibe davon ab. Lachend und mit leuchtenden Augen, lief die Kleine zu ihrer Puppe zurück und schlang das Brot gierig hinunter.

Erst jetzt sah Annabell den Brief am Tisch liegen, er war an sie adressiert. Auch Joshua hatte einen Briefumschlag auf seinen Schoß liegen.

Er lächelte und sagte, »jetzt wird alles gut, ich bekomme endlich einen Job. Erinnerst du dich noch, als ich vor einem Jahr eine neue Zeitung die jemand liegen lies nach Hause brachte, und die Stellenanzeigen durchging. Wir bewarben uns beide in einer Baufirma in Amerika, du als Sekretärin und ich als Baumaschinenführer. Jetzt erst nach einem Jahr haben sie geantwortet. Sie schreiben, dass sie an mir interessiert sind, und ich die Stelle in drei Wochen antreten kann. Ich soll mich bei der Vertretung der Firma White House in München, bei einem Herrn Clark melden. Dort erfahre ich wo ich mich in Amerika, und in welchem Staat ich eingesetzt werde. Ich soll einen Vertrag unterzeichnen, dann bekomme ich weitere Anweisungen und mein Flugticket.«

Annabell freute sich für Joshua, nun nahm sie ihren Umschlag in die Hände und öffnete ihn. Auch sie bekam von der Firma White House positive Nachricht und sollte sich bei Clark melden. Der Termin für die beiden war für nächste Woche Mittwoch festgelegt. Annabell war über die gute Nachricht sehr erfreut und aufgeregt aber auch unentschlossen. Es gab nur einen Haken bei diesem Stellenangebot. Die Firma, bei der sie den Job bekamen, wollte keine Familie mit Kindern.

Der Mittwoch kam und beide gingen mit Charleen zu dieser amerikanischen Agentur. Das Einstellungsgespräch mit Mr. Clark dauerte nicht sehr lange. Was ihn mehr interessierte, war das kleine Mädchen, das im Flur saß. Wem das Kind gehörte und warum sie es mitbrachten.

Annabell log und sagte, »das ist die kleine von meiner Schwester, ich passe ab und an auf sie auf, wenn meine Schwester zu tun hat, Joshua stimmte ihr zu.« Zufrieden mit dem, was Clark sah und hörte, ließ er sie den Vertrag unterschreiben, und übergab den beiden die Tickets. Sie bekamen auch gleich einen Termin, bei einem der Firmenärzte wegen der Impfungen, die selbstverständlich von der Firma bezahlt wurden. Er wünschte beiden noch einen guten Flug, bevor er sie verabschiedete.

»Was machen wir mit Charleen?« Fragte sie mit einem Blick auf ihre Tochter, als sie auf den Weg zu ihrem Auto waren.

»Annabell du bist eine von den Glücklichen, die einen Job im Ausland bekommt. Lange genug mussten wir uns von den wenigen was wir hatten ernähren. Freu dich auf die neue Stelle,« beruhigte sie Joshua, »für Charleen finden wir bestimmt eine Lösung,« dann legte er ihr seinen Arm um die Schulter. In den darauf folgenden Tagen entbrannten heftige Diskussionen um Charleen, wohin mit dem Mädchen. Mitnehmen konnte und wollte Joshua die Kleine nicht, er wollte in Amerika mit Annabell ganz von vorne anfangen.

Auch Annabell wollte ihre Tochter nicht unbedingt bei sich haben, ihr Leben begann doch erst. Sie überlegte einige Zeit, bevor sie sagte. »Wir müssten für sie einen Platz finden, wo sie bleiben kann und wo es ihr gut geht. Aber uns darf man mit ihr nicht in Verbindung bringen, sonst währen wir unseren neuen Job los.« Joshua überlegte kurz, dann sagte er, »erinnerst du dich an das Kinderheim außerhalb der Stadt, welche Richtung war es gleich wieder.«

»Du meinst sicher das Jadehaus ein Stück hinter Erding. Ja ich erinnere mich daran, aber das ist doch ein Waisenhaus und es wird von Schwestern betreut.«

Joshua sah Annabell lange an, bevor er sagte. »Wenn wir nach Amerika gehen, dann ist sie doch eine Waise, hab ich recht.« Als sie zögerte, sprach er weiter, »Liebling weder deine noch meine Eltern wollen mit uns zutun haben. Nur weil wir ihnen widersprachen und zusammenzogen, und als du schwanger wurdest, was hatten da beide Elternteile gesagt?

Auf uns braucht ihr euch nicht zu verlassen. Sie wissen nicht einmal, ob ihr Enkelkind lebt oder tot, ist.« Er zog sie an sich und küsste ihre Stirne, dann stellte er ihr die entscheidende Frage. »Willst du den Job annehmen und mit mir nach Amerika gehen, dort Heiraten wir und beginnen ein neues Leben. Oder willst du lieber hier bei ihr bleiben und um jedes Stück Brot betteln?« Annabell wusste, dass Joshua recht hatte, mit dem was er sagte. Und ja sie wollte seine Frau werden und ein neues Leben beginnen. Aber Charleen war noch so klein, ob sie das je verstehen würde, was ihr ihre Mutter antat. Sie sah ihren Freund an und sagte, »bitte lass mir noch Zeit zu überlegen.«

»Ich will dich nicht zur Eile drängen Liebling, aber so ein Angebot bekommst du nur einmal in deinen Leben. Eines sage ich dir vorweg, wie du dich auch entscheidest, ich gehe nach Amerika, ob mit oder ohne dich.«

Die nächsten zwei Tage war Annabell sehr ruhig, sie ging Joshua, wo sie nur konnte aus dem Weg. Ihre Gedanken wanderten bis in ihre Kindheit zurück. Zu ihrem Vater den dominanten Tyrannen der Familie, der ihre Mutter bei der kleinsten Gelegenheit schlug. Ihr Bruder, der mit sechzehn Jahren Suizid beging, um der Tyrannei seines Vaters zu entfliehen. Anschließend zu ihrem vierzehnten Geburtstag, als ihr Vater versuchte sie zu verführen. Als sich Annabell wehrte, schlug ihr Vater sie mit den Fäusten und sperrte sie in ihr Zimmer. Aber nicht ohne ihr vorher zu drohen, wenn sie mit irgendjemand darüber sprechen würde, so würde er erst ihre Mutter und dann sie töten. Als sie sechzehn war und Joshua kennenlernte, spielte ihr Vater total verrückt. Er wurde immer zudringlicher, und wenn sie sich wehrte, schlug er auf sie ein, bis sie letztendlich eines Nachts heimlich das Haus verließ.

Verzweifelt und ohne zu wissen, wo sie bleiben konnte, lief sie zu Joshua, der noch zu Hause wohnte. Annabell sah, zu ihrer Überraschung noch Licht im Haus, und klingelte. Als Joshuas Vater öffnete, sah er sie erstaunt an und fragte.»Was willst du hier?, Bettler sind unerwünscht.« »Entschuldigen sie bitte, ist Joshua zu Hause, ich muss ihn sprechen.« Abschätzend sah er Annabell an, bevor er sagte. »Joshua ist in seinem Zimmer, er schläft bestimmt schon, was willst du von ihm?, sag es mir und ich werde es ihm Morgen ausrichten.«

»Bitte holen sie Joshua es ist sehr wichtig,« bettelte Annabell.

Joshuas Vater aber blieb stur und verwies sie lautstark von seiner Türe. Annabell wollte eben gehen, als Joshua die Treppe von seinem Zimmer herab gelaufen kam. Er sah seinen Vater vor der Haustüre stehen, und fragte ihn.

»Warum regst du dich so auf Vater, wer ist vor der Türe?«

Da sah er auch schon Annabell mit ihren Habseligkeiten im Arm stehen. Er ging an seinem Vater vorbei zu Annabell, legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie ins Haus.

Joshuas Vater fragte seinen Sohn, »wer ist das und was will sie von dir?«

»Das ist meine Freundin Annabell, Vater wir sind seit einem halben Jahr zusammen.«

»Du weißt, dass ich das nicht dulden kann, wir haben für dich bereits ein gut situiertes Mädchen ausgesucht, das du heiraten wirst und keine Widerrede.«

»Aber Vater,« begann Joshua, doch dieser winkte herrisch ab und sagte sehr streng, »schicke dieses Mädchen weg und mach das Du ins Bett kommst.« Joshua begleitete Annabell vor die Türe, dann flüsterte er ihr ins Ohr. »Warte einen Augenblick auf mich. Ich hole nur schnell einige Sachen und komme gleich wieder,« dann schloss er die Türe. Es dauerte nicht lange, da erschien Joshua mit einer Sporttasche in der Hand und seine Eltern hinter ihm her, sein Vater schimpfte auf ihn ein. »Wenn du jetzt das Haus wegen einer Dirne verlässt, dann brauchst du nicht wiederzukommen, überlege dir das gut, mein Sohn.«

Joshua jedoch hielt zu ihr, und sie suchten nach einer bleibe für die Nacht. Die ersten Nächte konnten sie bei Freunden schlafen, bis sie die verlassene Gartenhütte fanden und einzogen. Nach und nach machten sich die guten Freunde immer rarer, bis sie ganz ausblieben. Nach kurzer Zeit wurde Annabell ungewollt schwanger, und sie gebar zu Hause in ihrer Hütte ein Mädchen. (Charleen.)

Eines wusste Annabell nie im Leben würde sie Charleen ihren Eltern geben, also kam nur das Jadehaus infrage. Sie hoffte für ihre Tochter, dass sie bessere Eltern, als sie beide in der Lage waren bekommt. Sie hatte sich entschieden Charleen sollte es besser haben, deshalb stimmte sie in Gedanken schon mal Joshuas Vorschlag zu. Morgen würde sie es ihm sagen, heute wollte sie ihre Tochter noch ein letztes Mal schlafen sehen.

Die letzten Novembertage waren bitterkalt, so auch dieser Morgen als Annabell ihr Bett verließ, um für Nahrung Betteln zu gehen. Joshua und das Kind schliefen noch, als sie die Hütte verließ. Wenn sie wiederkam, würde sie Joshua ihre Entscheidung mitteilen. Heute wollte sie etwas Besonderes für ihr Kind, denn Morgen war der Tag, an dem Charleen zum Jadehaus gebracht wird.

Annabell lief die Straßen entlang und bettelte einige Menschen um Geld an. Viele beschimpften sie nur, sie sollte doch lieber Arbeiten gehen als betteln. Andere wiederum gaben ihr einige Pfennige, bis ein Mann ruhig zu ihr sagte. »Warum gehen sie nicht zu Mc Donals gleich hier um die Ecke. Ich sah dort Menschen stehen, die Tüten mit Essen bekamen, ohne zu bezahlen. Es wird wohl das von gestern sein, aber wenn man Hunger hat, ist es egal, von wann es ist.« Der Fremde grüßte sie noch und setzte seinen Weg fort.

Annabell wollte nicht glauben, was dieser Mann ihr sagte, aber sie lief trotzdem so schnell sie konnte um die Ecke. Sie sah, vor dem Mc Donald einige Obdachlose mit Tüten stehen und Essen, sie fragte einen davon. »Wie bekommt man hier etwas zu essen, ich habe eine kleine Tochter zu Hause die hungrig ist.«

»Geh einfach hinein und sag es ihnen, dann geben sie dir etwas, aber nur so lange, wie sie noch haben.«

Annabell betrat den Mc Donald und sah sich um, die Verkäufer waren mit den Vorbereitungen für den heutigen Tag beschäftigt, nur der Geschäftsführer kam auf sie zu und fragte. »Kann ich ihnen Helfen, oder suchen sie jemanden.« »Meine Tochter und ich haben Hunger, wir haben aber kein Geld um uns Nahrung zu kaufen, deshalb bitte ich sie um eine Kleinigkeit für uns beide.« Der Geschäftsführer sah sie erst prüfend an, dann nickte er, bevor er sagte. »Warten sie einen Augenblick ich, komme gleich wieder.«

Er wandte sich um und verschwand im hinteren Teil des Geschäfts. Als er wiederkam, hielt er ihr vier Tüten entgegen und sagte. »Das sind meine Letzten lassen sie es sich mit ihrer Tochter gut schmecken. Annabell hatte vor Freude Tränen in den Augen, sie dankte den Geschäftsführer für seine Güte. Mit klammen Fingern nahm sie die Tüten entgegen und verließ überglücklich den Mc Donald. Eilig machte sie sich an diesem kalten Vormittag auf den Weg nach Hause. Als sie die Türe aufschloss, war Joshua schon wach und wartete auf sie, nur Charleen schlief noch.

Annabell stellte ihre Tüten auf den Tisch nahm die Hamburger heraus und legte sie auf einen Teller dann stellte sie den Teller auf den Ofen, und ging zu Joshua ans Bett. Sie setzte sich neben ihm und teilte ihm, ihren Entschluss Charleens wegen ohne zu zögern mit. Auch das Sie hoffte Charleen würde gute Adoptiveltern bekommen. Er hörte ihr ohne Einwand zu, und griff nach ihren Händen, die eisigkalt waren. Erst als Annabell zu Ende gesprochen hatte und ihn ansah, ergriff Joshua das Wort.

»Annabell, ich weis das Es für dich kein leichter Schritt ist. Aber sieh sie dir an, wir haben nicht einmal richtige Winterkleidung für sie. Dein Entschluss, sie wegzugeben und auf eine Adoption zu hoffen ist das Beste für Charleen. Kinder in solchen Heimen werden nur an gut situierte Eltern gegeben. Sie wird es auf jeden Fall besser haben, als sie es bei uns jetzt hat. Deine Entscheidung ist richtig kann ich nur sagen. Wir sollten sie so schnell wie möglich in dieses Heim bringen, und weist du auch warum,« er machte eine Pause um sie Überlegen zu lassen.

Als Annabell verneinte, sprach Joshua weiter. »Liebling in fünf Wochen ist Weihnachten, und Charleen sollte dieses Fest behaglich, geborgen und satt verbringen. Viele kinderlose Paare gehen gerade zu dieser Zeit in solche Heime. Sie bringen den Kindern Geschenke, dabei suchen sie sich auch gleich eines aus, das sie adoptieren wollen. Unsere Charleen ist ein hübsches Mädchen. Sie hat die besten Chancen zu einer Adoption, wir müssen nur schnell genug handeln. Außerdem sind wir Weihnachten schon in Amerika, falls du das vergessen hast, in zwei Wochen Fliegen wir mein Schatz.«

»Annabell sah ihn lange an, dann sagte sie. »Lass es uns heute Nachmittag noch tun, bevor ich es nicht mehr kann, je eher desto besser für uns alle.«

In diesem Moment schlug Charleen ihre Augen auf, verschlafen sagte sie, »Mama ich habe Hunger.« Sie kroch aus ihrem Bettchen und lief barfuß zu ihrer Mutter, die sie auf das Bett von Joshua setzte. Annabell strich ihrer Tochter über das Haar, dann begab sie sich zum Ofen. Sie kam mit dem inzwischen heißen Teller auf dem die Hamburger lagen ans Bett zurück.

Mit großen Augen starrte Charleen auf die Burger, während ihr Magen lautstark knurrte. Ohne den Teller aus den Augen lassend jauchzte sie, »so viel Essen!,« und streckte ihre kleinen Händchen nach einem Burger aus. Während sie aßen, sagte Annabell zu Charleen. »Heute fahren wir mit dem Auto Einkaufen, willst du mit Papa und Mama mitkommen.« Charleen nickte nur mit vollem Mund, erst als sie runterschluckte, sagte sie. »Kaufst du mir einen neuen Teddy? Der Alte ist ganz kaputt,« dabei hielt sie ihren lädierten Bären in die Höhe.

»Wenn du brav bist und tust was wir dir sagen, dann bekommst du einen neuen Teddy,« sagte Joshua zu Charleen. Joshua zog sich an und sah, nach seinem alten klapprigen Volkswagen, den

er von einem Freund geschenkt bekommen hatte. Er ließ den Motor an und atmete auf. Der gute alte Wagen lief immer noch, Joshua war erleichtert er schaltete den Motor wieder ab und kam ins Haus zurück.

Am Nachmittag war es so weit, sie packten Charleen ins Auto und fuhren Richtung Erding. Es begann bereits zu dämmern als Annabell, Charleen auf den Betonstein neben die Einfahrt des Jadehauses setzte. »Charleen sei ein braves Mädchen und Warte hier auf uns. Wir holen dir einen neuen Teddy und kommen gleich wieder.« Annabell lief zum Auto zurück und stieg zu Joshua ein, dann fuhr er los. Nun war das kleine Mädchen alleine und es schneite immer heftiger. Ihre Eltern sah Charleen nie wieder, denn beide verließen Deutschland noch, bevor der Euro abgeschafft wurde.

Kapitel 2

Charleen

Charleen war ein kleines Mädchen, von vier Jahren, als ihre Eltern sie vor dem Jadehaus aussetzen, das ein Waisenhaus ist. Sie hat schulterlanges schwarz gelocktes Haar, große dunkelbraune Augen hohe Wangenknochen, ein wohlgeformtes Kinn und einen vollen Mund. Es ist November und Charleen ist nur mit einem dünnen Mäntelchen einer Strumpfhose und Schuhen bekleidet. Ihre Eltern hatten nicht einmal Handschuhe für ihre kleinen Hände. Charleen saß immer noch an der großen Einfahrt zum Jadehaus, deren Tor verschlossen war und es war bereits Dunkel. Charleen verspürte schreckliche Angst, wo blieb ihre Mama bloß, warum kam sie nicht. Es war später Nachmittag, als ihre Mama sie hier hinsetzte und sagte.

»Charleen du musst jetzt ein braves Mädchen sein, setz dich hier auf den Stein und warte, bis Papa und ich wiederkommen. Wir bringen dir auch einen neuen Teddy mit, du brauchst keine Angst zu haben, wir sind gleich wieder zurück.«

An diesem Tag verschwanden ihre Eltern für immer aus ihren Leben. Charleen stand von dem Stein auf, ihr tat der Popo vom langen Sitzen weh und es war ihr bitterkalt. Sie ging zum großen Tor und rüttelte, aber es war versperrt. Die Einfahrt zum Waisenhaus wurde im Winter um siebzehn Uhr wie immer geschlossen. Einige Male lief Charleen, noch auf den Kiesweg und sah in die Richtung, in der das Auto ihrer Eltern verschwand, dann kehrte sie wieder zu dem Stein zurück. Neben diesem Stein legte sich Charleen zum Schlafen. Sie war müde und sie fror, sie nahm ihren Daumen in den Mund und schlief ein. Das kleine Mädchen merkte nicht, das sie ein streunender Schäferhund beobachtete. Baloo war ebenso einsam wie Charleen, auch er suchte Liebe und Geborgenheit.

Langsam näherte er sich dem Mädchen und drückte sich an sie um sie zu wärmen. Die Schwestern, die hier die Kinder versorgten, waren zwar streng aber auch liebevoll zu ihren Schützlingen. Sie taten alles, damit es den Kindern gut ging, und nur geringe Entbehrungen hinnehmen mussten.

Baloo wusste, dass er hier immer etwas zu Fressen bekam, nur deshalb kam er hierher, und sah das kleine Mädchen. Seine Schüssel mit den Essensresten stand außerhalb der Mauer im hinteren Teil des Gartens. Baloo war hin und her gerissen, er hatte Hunger, wollte aber das kleine Mädchen nicht alleine lassen, er wusste sie brauchte seine Wärme.

Unruhig sah sich Baloo um, wo blieb nur seine Gefährtin Belinda, war sie ohne ihn zum Futterplatz gelaufen? Wenn ja, hoffte er sie würde bald kommen, damit auch er seinen Hunger stillen konnte. Belinda kam nach einer Stunde vom hinteren Teil des Gartens an, sie leckte sich noch immer ihre Schnauze, als sie auf Baloo zuging. »Wo bleibst du den,« fragte sie ihn, »heute haben sie uns viel Fleisch rausgestellt, ich habe auf dich gewartet warum bist du nicht gekommen? Die Schüssel ist noch halb voll, also beeile dich, bevor es noch andere riechen und es dir wegfressen.«

Erst als sie näher kam, sah und roch sie, das Baloo nicht alleine war, abrupt blieb sie stehen und sah ihn mit großen Augen an, bevor sie ihn fragte.

»Wem versteckst du da?, hier riecht es nach Mensch.« Vorsichtig umrundete sie ihren Gefährten und sah, verwundert auf den kleinen Menschen, der sich zusammengerollt an Baloo drückte. Belinda setzte sich auf ihr Hinterteil und leckte sich die Pfote, bevor sie Baloo fragte. »Warum wurde dieser kleine Mensch weggeschmissen, wer macht den so etwas, und was willst du mit ihm machen?«

Baloo sah sie ratlos an, dann sagte er. »Wenn wir ihn die Nacht nicht warmhalten, wird das Kind erfrieren, also komm und leg dich auf die andere Seite, es schläft und wird dir nichts tun.«

Vorsichtig aber widerwillig legte sie sich zu dem Kind, das augenblicklich näher zu ihr rutschte und wieder den Daumen in den Mund nahm. Zufrieden stand Baloo auf und sagte, »ich bin gleich zurück, ich will nur schnell meine Schüssel leeren,« dann verschwand er nach hinten an die Mauer.

Erschrocken rief Belinda Baloo noch nach, »was soll ich tun, wenn es aufwacht?« Doch sie bekam keine Antwort mehr von ihren Gefährten, er war schon außer Hörweite oder er wollte ihr nicht Antworten.

Es dauerte nicht lange da kam Baloo mit einem Stück Fleisch zu ihr zurück, und legte es zu dem Kind. Belinda beäugte das Fleisch und fragte ihn, »was willst du mit dem Stück Fleisch machen, warum bringst du es hierher?« »Ich dachte mir, wenn das Kind aufwacht, wird es Hunger haben deshalb brachte ich es mit, damit es auch etwas zu beißen hat.«

Belinda legte ihren Kopf auf ihre Pfoten und dachte. Baloo ist zu gut für diese Welt, so wie er von den Menschen behandelt wurde, hilft er ihnen noch. Sie konnte das nicht verstehen, von ihr aus konnten alle Menschen verrotten, aber Baloo glaubte immer noch an das Gute in ihnen.

In dieser Nacht war es bitterkalt und es schneite ununterbrochen, die Hunde drückten sich noch näher an das Mädchen, um es zu wärmen. Langsam deckte der Schnee die Drei mit seiner weißen Decke zu.

Gegen morgens näherten sich Schritte dem Tor, es wurde von einer Schwester aufgeschlossen. Belinda war sofort wach, sie sprang auf und lief weg, während Baloo noch gähnte und verschlafen dreinschaute. Er kannte die Schwester, es war dieselbe, die ihm immer eine Schüssel mit Fressen vor die Mauer stellte, deshalb hatte er auch keine Angst vor ihr. Er stand langsam auf und machte einige Schritte zurück, sah aber immer wieder auf die Stelle, wo er gelegen hatte und bellte.

Neugierig geworden kam die Schwester näher und sah, dass da noch etwas vom Schnee verdeckt wurde. Sie wischte den Schnee beiseite und sah mit Schrecken, dass da ein Kind lag. Eilig nahm sie es auf ihre Arme und lief zum Haus. Sie bemerkte in ihrer Sorge um das Kind nicht, das sie von Schwester Carla-Maria die am Fenster stand beobachtet wurde.

Im Haus rief sie sofort nach dem Kinderarzt, der verwundert aus seinem Büro kam. Noch bevor er fragen stellen konnte, sah er das kleine Mädchen in Schwester Renatas Armen. Charleen wurde in das angrenzende Behandlungszimmer gebracht, wo man ihr die feuchte Kleidung auszog, und das Mädchen anschließend untersuchte. Ihr Zustand war stabil, sie hatte leichtere Erfrierungen, an den Beinen und Füßchen. Ansonsten aber keine lebensbedrohliche Unterkühlung, wie Dr. Joachim Mertens erleichtert feststellte. Was ihn aber Sorgen machte, das kleine Mädchen war unterernährt, er konnte nur hoffen, dass sich die Unterkühlung zu keiner Lungenentzündung auswuchs. »Es grenzt an ein Wunder, dass das Mädchen nicht erfroren ist und überlebt hat. Wann wurde das Tor zur Zufahrt gestern geschlossen,« fragte er Schwester Renata.

»Das Tor wurde gestern gegen siebzehn Uhr geschlossen. Ich hatte bis zwanzig Uhr dienst in der Wachstube, ich hätte gehört, wenn jemand die Klingel betätigte. Auch heute früh habe ich nichts gehört und die Straßen sind verschneit, also auch keine Reifenspuren.«

»Dann lag dieses Kind sozusagen die ganze Nacht im Freien, ohne zu erfrieren.« Kopfschüttelnd sah er das kleine Mädchen an, dass inzwischen von Schwester Renata in warme Decken gehüllt wurde.

Erst jetzt erzählte sie ihm, von den beiden Hunden die bei dem Mädchen gelegen hatten. »Sie hatte einen Schutzengel, der ihr zwei Hunde schickte, um sie zu wärmen. Die beiden Hunde lagen eng an sie gedrückt, als ich kam und das Tor aufschloss. Wenn sie nicht gewesen währen, dann währe das Kind erfroren.«

»Schwester wissen sie, wo die Hunde jetzt sind oder wem sie gehören.«

»Ich weiß nicht, wo sie sich tagsüber aufhalten, aber ich glaube es sind Streuner. Sie haben kein zu Hause, den sonst würden sie nicht jeden Abend, auf das bisschen Essen was wir übrig haben und das sie dann von mir bekommen warten. Das kleinere Weibchen ist scheu, sie läuft weg, wenn sie Menschen sieht. Aber der Schäferhund blieb stehen und zeigte mir das Kind, von selbst hätte ich es nicht gesehen.«

Die beiden waren noch im Gespräch, als plötzlich die Türe aufging und die Mutter Oberin im Behandlungszimmer stand. Sie sah Schwester Renata an, die das Kind im Arm hielt und fragte.

»Was ist hier los und warum werde ich nicht informiert, wenn ein Kind sich aus dem Haus schleicht, um draußen zu spielen und sich dabei eine Erkältung zuzieht. Schwester Carla-Maria kam in mein Büro und teilte mir den Fall mit.«

Dr. Mertens räusperte sich, bevor er das Wort ergriff. Werte Mutter Oberin, das hier ist keines unserer Kinder. Dieses kleine Mädchen wurde vergangene Nacht hier ausgesetzt. Ich habe sie bereits untersucht. Sie hat Gott sei Dank, nur leichte Erfrierungen und eine weniger schlimme Unterkühlung, dank der Hunde die sie vergangene Nacht wärmten. Währen die Hunde nicht gewesen, würde dieses Mädchen wahrscheinlich nicht mehr leben.«

Die Oberin trat zu Renata und nahm ihr, das Kind behutsam aus den Armen, dann sagte sie zu Dr. Mertens. »Wir bringen das Mädchen in die Krankenstation, dort wird sie gut versorgt werden.« An Renata gewandt sagte sie in strengen Ton. »Schwester Renata, sie begleiten mich, ich habe mit ihnen zu reden,« gemeinsam mit dem Kind verließen sie den Behandlungsraum von Dr. Mertens.

Charleen wurde in die Krankenstation gebracht, wo sich Oberschwester Sigmundis um sie kümmerte, denn hier hatte sie das Kommando. Nach kurzem Bericht von Renata, übernahm Sigmundis das kleine Mädchen und versorgte es sehr vorsichtig, bis Mertens kam und klare Anweißungen gab.

Kapitel 3

Dr. Mertens

Dr. Mertens ein Mann von einem Meter achtzig an Größe, mit blondem kurz geschnittenem Haar, einem markanten Gesicht und blauen Augen. Sein voller Mund und das Grübchen an seinem Kinn war der Blickfang jeder Frau. Er ist ein hervorragender Kinderarzt und alleinerziehender Vater von einem Sohn.

Auch seine Frau war Kinderärztin, bevor sie starb, das Unglück geschah letztes Jahr im Oktober bei einem Verkehrsunfall. Ein betrunkener Autofahrer kam ihr auf ihrer Straßenseite entgegen, frontal fuhr er in ihr Auto. Seine Frau hatte keine Chance auszuweichen und musste aus dem Wrack geschnitten werden. Nach diesem Schicksalsschlag gab er die Praxis, die er mit seiner Frau geführt hatte, auf und trauerte eine lange Zeit.

Seine Eltern redeten täglich auf ihn ein, sich nicht hängen zulassen und eine Stellung anzunehmen. Dort wo viele Menschen sind, um auf andere Gedanken zukommen. Immer wieder sagten sie zu ihm. »Du hast einen Sohn, unseren Enkel, der seinen Vater braucht, reiß dich gefälligst am Riemen.«

Dann las Joachim die Anzeige vom Jadehaus, einem Waisenhaus, das einen Kinderarzt suchte, Kost und Logis frei kurz entschlossen rief er im Jadehaus an. Zwei Tage später hatte er seinen Vorstellungstermin. Das Gespräch dauerte nicht lange, denn man war sich schnell einig. Sein siebenjähriger Sohn Stefan würde in den Schulunterricht der Schwestern integriert werden, und anschließend mit den anderen Kindern beaufsichtigt, bis er dienstfrei hatte. So musste Joachim seinen Sohn nicht bei seinen Eltern abgeben, wo er ihn nur an den Wochenenden sehen konnte. Er hatte ihn stets um sich. Den einzigen Nachteil den Joachim hatte. Sein Gehalt verringerte sich um einiges, aber das nahm er für seinen Sohn Stefan in kauf. Einen Monat später zogen sie im Jadehaus ein, Stefan fand das Super mit so vielen Kindern im Haus. Die Eigentumswohnung, die Joachim noch mit seiner Frau gekauft hatte, wurde durch eine Maklerfirma vermietet.

In kürzester Zeit hatte Joachim sich eingelebt, Stefan fand viele Freunde, darunter auch Hubert seinen besten Freund. Dieser Junge war zwar liebenswert, aber auch ein Schlitzohr er wusste immer etwas anzustellen.

Kapitel 4

Charleen bei den Schwestern

Dr. Mertens betrat die Krankenstation, er musste nach seinen kleinen Patienten sehen. Einige von ihnen durften heute wieder in ihre gewohnte Umgebung zurück. Für andere aber war es noch nicht so weit, auch wenn sie ihn bettelten. Es hatte geschneit und sie wollten unbedingt zum Schlittenfahren. Anschließend wollte er noch nach dem kleinen Mädchen sehen.

Er hoffte, dass sie mittlerweile aufgewacht ist, und ihm ihren Namen nennen konnte.

Das Mädchen brauchte eine Spezialsalbe für ihre Erfrierungen, die er im Labor noch zusammenmischen musste. Schwester Sigmundis kam Dr. Mertens entgegen und berichtete ihm. »Das kleine Mädchen ist aufgewacht, sie sagte ihr Name sei Charleen, nur ihren Nachnamen kennt sie nicht. Als wir sie fragten, wo ihre Mama sei, erzählte sie uns, dass sie weggefahren ist, um ihr einen neuen Teddy zu kaufen. Sie würden aber bald wieder kommen, um sie zu holen. Jetzt sitzt sie in der Badewanne und spielt mit einem Entchen. Glauben sie, ihre Mutter hatte einen Unfall, oder war ihr das Kind im Wege?«

»Ich weiß es nicht, aber sie könnten bei der Polizei nachfragen. Inzwischen werde ich gleich nach Charleen sehen, doch zuerst gebe ich ihnen eine Salbe für sie mit, bitte folgen sie mir ins Labor.«

Er gab der Schwester die Salbe und die Vitamintabletten, die sie Charleen geben musste. Dann begann Mertens mit seiner Visite. Wie er voraussah, alle Kinder baten ihn entlassen zu werden, sie bedrängten ihn, da sie mit ihren Freunden Schlittenfahren wollten. Mertens blieb hart, er konnte und wollte das Risiko nicht eingehen, das sich noch einer von ihnen eine Lungenentzündung holte. Deshalb sagte er zu den verbleibenden Kindern.

»Jetzt hört mir einmal zu. »In zwei Tagen, wenn nichts dazwischen kommt, sehe ich nochmals nach euch. Wenn ihr dann immer noch Schlittenfahren wollt, dann habe ich nichts dagegen. Aber solange müsst ihr euch noch gedulden und hier bleiben einverstanden.«

Enttäuscht von der Entscheidung des Doktors, aber doch froh in zwei Tagen die Krankenstation verlassen zu dürfen, stimmten die Kinder zu. Nun suchte Mertens das Zimmer von Charleen auf. Durch das Fenster im Flur sah er, wie Sigmundis den Verband für Charleens Beine vorbereitete, er öffnete die Türe und trat ein.

»Guten Morgen kleines Fräulein, wie geht es dir? Hast du schon etwas zu Essen bekommen?« fragte er das Mädchen und lächelte dabei.

Charleen sah ihn mit großen Augen an, bevor sie sagte. »Ich habe Milch und einen Keks bekommen. Wer bist du denn, und warum hast du einen weißen Mantel an.« Mertens konnte nicht glauben, was er hörte. Das Mädchen kannte nicht einmal Ärzte, darum fragte er.