Charlie Jones - Anna-Lena Schöne - E-Book

Charlie Jones E-Book

Anna-Lena Schöne

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Beschreibung

Charlie Jones ist eigentlich ein ganz normaler Junge. Naja zumindest fast. Als er eines Tages das schreckliche Waisenhaus verlässt, in dem er aufgewachsen ist und in das geheimnisvolle Amatopien gelangt, trifft er dort auf seinen Vater und dessen Freunde. Er erlernt die Magie und ist glücklich, bis er erfährt, dass alles von ihm abhängt. Dem Jungen aus der Prophezeiung!

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Anna-Lena Schöne

Charlie Jones

Auftrag des Schicksals

© 2019 Anna-Lena Schöne

Umschlag, Illustration: Mia-Sophie Schöne

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-7497-3202-9

Hardcover:

978-3-7497-3203-6

e-Book:

978-3-7497-3204-3

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Für Mia und Katharina

Danke.

Nicht jede Tür ist es wert geöffnet zu werden.

Aber wenn sie laut ruft oder leise flüstert,

solltest du es zumindest versuchen.

PROLOG

Mitleid durchfährt mich, als ich auf das kleine, schreiende Bündel hinabblicke, das sich in sich in meinen Armen windet, als würde es spüren, dass es nicht länger hierbleiben kann. Als würde es wissen, dass es mit jedem Schritt, den ich mache, einen Schritt weiter weg von dem kommt, was seine Eltern einst sein Zuhause genannt hatten. Ich wage es nicht, ihm noch einmal in die winzigen Augen zu sehen, wage es nicht, diesen kindlichen Augen, noch einmal zu trotzen, mit dem Wissen es nie wieder zu tun. Ich hatte nie gedacht, dass ich einst so werden würde, wie ich es jetzt bin! Ein wehrloses Kind seinen Eltern rauben und an einen der Orte bringen, von denen ich selbst weiß, dass jenes Kind dort kein glückliches Leben führen wird. Ich bin erschrocken über meine eigenen Taten, obwohl ich weiß, dass es das Beste für ihn ist, schäme ich mich. Es ist dunkel, der Weg, den ich benutze, ist wie ausgestorben. Alles was ich sehe, sind die Bäume am Wegrand und eine einsame Tür am Horizont. Ich werde immer schneller, mein Umhang weht hinter mir her und der Wind brennt in meinen Augen, doch ich muss hier fort. Ich muss es so schnell wie möglich hinter mich bringen, sonst werde ich verrückt. Mit jedem Schritt nimmt die Tür an Größe zu, bis ich sie vollends erreicht habe, brauche ich aufgrund meiner Schnelligkeit nur wenige Minuten. Als ich sie erreiche, durchquere ich sie, schnell ohne Seitenblicke oder sonstige Vorsichtsmaßnamen. Die Luft auf der anderen Seite ist kühl, viel kälter, als dort wo ich herkomme. Die Straße, auf der ich mich nun befinde, ist weiß, gesäumt von Schnee und Eis. Ich werde wieder schneller, das Kind schreit in meinen Armen und schürt meine Selbstzweifel bei dieser waghalsigen Aktion nur noch mehr. Außer mir ist keine Menschenseele zu sehen, die einzige Tatsache, die mir das Ganze ein wenig erträglicher macht. Wahrscheinlich wäre es nicht hilfreich, würde jemanden einen rennenden alten Mann in schwarzem Umhang mit einem schreienden Kind im Arm sehen. Ich werde langsamer, denn vor mir erstreckt sich das Haus, das ich als mein Ziel bezeichne. Groß und grau sehe ich es vor mir. Die Fensterläden sind heruntergelassen und leuchten im Licht der Laternen ebenfalls grau. Ich steige die drei Treppenstufen hinauf, die mich von der Haustür trennen, als diese lieblos aufgerissen wird. Vor mir steht eine Frau mittleren Alters, ihr Blick ist gehässig, ihre Augen funkeln boshaft, als sie das Kind ins Visier nimmt. Sie nimmt es mir wortlos ab und betrachtet das kleine Gesicht, das sich ballt, bis Tränen aus seinen Augenwinkeln treten. „Noch was?“ raunt sie gelangweilt. Ich gehe auf sie und das Kind zu und stecke dem Kind eine Münze in die Decke. Ich mache auf dem Absatz kehrt und gehe, entferne mich von diesem Haus. Am Boden zerstört und enttäuscht von mir selbst, denn mit dieser Tat, verliere ich nicht nur ein Kind, sondern auch einen Freund. „Viel Glück, Charlie Jones!“ flüstere ich und löse mich in Luft auf.

Kapitel 1

Es war ein ganz normaler Tag in einem Waisenhaus am Rande von London. Alle Kinder spielten und tobten durch das ganze Haus, riefen und schrien sich zu. Mr. und Mrs. Clark, denen das Waisenhaus gehörte, hatten Mühe mit dem Schimpfen hinterherzukommen. Nur Charlie saß allein auf der langen Fensterbank und starrte wie gebannt auf den braunen Müllwagen, der durch die Straße schepperte und den Inhalt der Mülltonnen, einer nach der anderen mit sich nahm. Draußen war es schwül und sein schwarzes Haar klebte an seinem verhältnismäßig großen Kopf. Wie immer trug er eine schwarze Polo-Jacke. Seine eintönigen Kniestrümpfe reichten bis zu seinen Knien, wo die abgetragene Shorts begann. Er blendete alles, was um ihn herum passierte, komplett aus. Seine Umwelt war ihm meist egal und auch so sprach er nicht sonderlich viel mit seinen Mitmenschen. Allmählich wurde es dunkel draußen und die Laternen, die die Straßen beleuchten sollten, fingen an zu flackern, bis sie schlussendlich ansprangen. In der Ferne konnte man den Donner grollen hören und Blitze zuckten über den nun dunklen Himmel. Charlies kristallblaue Augen verharrten immer noch vor dem Fenster, als ihm etwas Merkwürdiges am anderen Ende der Straße auffiel. Es war eine unbestimmte Menge an Personen, nicht weniger als zwei und nicht mehr als fünf, wie Charlie sie hier noch nie gesehen hatte, da die Straße schwer zu erreichen war. Geduckt steckten sie ihre Köpfe zueinander. Eine Frau mit langem, grauschimmerndem Haar, drehte sich ruckartig zu Charlie um und sah ihm genau ins Gesicht, zumindest dachte er das, denn ihre Entfernung ließ es nicht zu, ihre Blickrichtung zu erkennen. Einzig ihr zu ihm gewandter Kopf eröffnete ihm diese Möglichkeit. Aus Angst wandte er seinen Blick in eine andere Richtung. Doch er musste wissen, wer diese Menschen waren, was sie mitten in der Nacht da unten trieben. Es erschien ihm unwahrscheinlich, dass sie sich ohne jenen Grund hier aufhielten. Er ließ seinen Blick durch die Dunkelheit streifen, jedoch waren sie nicht mehr zu sehen. Wie vom Erdboden verschluckt. Wie konnten sie so schnell fort gelangen? Er hatte nur wenige Sekunden in eine andere Richtung geschaut! Obwohl es noch nicht spät war, legte er sich in sein ungemütliches Bett, um in einen unruhigen Schlaf zu finden. Er hasste es, hier zu leben. Er hatte keine Informationen darüber, wo er herkam, oder wer er überhaupt war. Sein Name war alles, was ihm geblieben war. Sein ganzes Leben war er nun schon hier und immer noch konnte er es nicht als sein Zuhause sehen. Wie er es verabscheute! Er schloss die Augen, doch in dieser Nacht konnte er nicht schlafen. Immer wieder wachte er schweißgebadet auf, bis er schließlich kerzengerade auf seinem Bett saß. Draußen war es still, nicht einmal der Wind rauschte in den Blättern, so, wie er es sonst immer tat. Er kroch auf Händen und Füßen in Richtung Fenster, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Dort angekommen, schielte er über das lange Fensterbrett hinweg, wo er am Ende der leeren Straße etwas Sonderbares erkennen konnte. Es war eine Art buntes Schimmern, ein wundervoll ausschauendes Schauspiel. Die buntesten und hellsten Farben kreuzten sich am Horizont. Charlie musste wissen, was es damit auf sich hatte, was es bedeutete! Er warf sich seine abgenutzte Jacke über die Schultern und schlüpfte wieder in seine Schuhe, die nur noch von einem Paar zurückgeblieben Fäden zusammengehalten wurden. Dann schlich er sich an den Zimmern der anderen vorbei, an die große, schwere Haustür, die sich mit einem ohrenbetäubenden Quietschen öffnete, als hinter ihm plötzlich eine wohlbekannte, gehässige Stimme zu sprechen begann: „Jones, könnten sie mir bitte erklären, was sie vorhaben?“ Mrs. Clark war hinter ihm aufgetaucht. Sie hatte ihn auf frischer Tat ertappt. Ihr kurzes braunes Haar wehte widerborstig umher und die Wut stand ihr ins Gesicht geschrieben. Charlie antwortete nicht und stand nur, auf seine Füße schauend, vor ihr, wobei er die Hände ängstlich hinter dem Rücken gekreuzt hatte. „Mitkommen!“, sprach sie scharf. Charlie folgte ihr mit allem Hass, den er gegen sie hegte. Sie führte ihn quer durch das Haus, bis sie schlussendlich in dem großen, leeren Speiseraum ankamen. „Also Mr. Jones, was hatten sie vor, so spät am Abend?“ Ihr Grinsen weitete sich, sodass ihre widerlich gefleckten Zähne zum Vorschein kamen. „Ich wollte, ähm, nach dem Wetter sehen“, log er rasch wenn auch nicht gerade überzeugend, doch es war ihm gleichgültig. „Na, da sieh mal einer an, Charlie Jones, der sich sonst nicht einmal zum Mittagessen bewegt, möchte nach dem Wetter sehen.“ Sie war mit ihrem Gesicht so nah gekommen, dass Charlie ihren warmen, stinkenden Atem auf seiner kalten Haut spürte. „Du bleibst hier! Hast du mich verstanden? Und wenn ich dich nur einen Finger krümmen sehe, schiebe ich dir dein Essen die nächsten Tage unter der Tür durch. Ich bin sofort zurück.“ Sie verschwand aus dem Zimmer und ließ die Tür hinter sich krachend ins Schloss fallen. Charlie war sich sicher, dass sie nur auf der Suche nach dem nächstbesten Rohrstock war und doch hatte er beschlossen, die waghalsige Flucht noch einmal zu wagen. Seine Strafe konnte nicht mehr härter werden und selbst wenn, wäre es ihm das wert! Er schlich sich noch einmal an die Tür und berührte erneut die hässliche Klinke. Voller Vorsicht schob er sie langsam auf, so weit, dass sein schmaler Körper gerade so durch den Spalt zwischen Tür und Wand passte. Mit einem Gefühl der Freiheit setzte er den ersten Fuß nach draußen und ehe er sich versah stand er schon inmitten der unbefahrenen Straße, die nur die Heimischen benutzten, um an ihre Häuser und Gärten zu gelangen. Draußen war es nun kühler geworden, das Gewitter hatte geendet, doch der Himmel war immer noch von dunklen Wolken überseht. Alles, was Charlie den Weg zeigte, waren die mickrigen Laternen am Straßenrand, die die Kohlstraße nur minimal beleuchteten und das geheimnisvolle Leuchten, was ihm von hier aus viel näher vorkam als aus dem Zimmerfenster heraus. Charlies Herz pochte stärker denn je, so laut das man es fast hören konnte. Er zitterte am ganzen Leib, so sehr, dass seine Zähne mehrere Male wild aufeinanderschlugen. Eigentlich hatte er noch nie richtig Angst gehabt, außer vielleicht vor Ärger oder Strafen der Waisenhausbesitzer. Er nannte sie immer so, wenn sie sich in seine Gedanken verirrten, da sie zu unangenehm waren, um sie beim Namen zu nennen. Wenn Charlie schon an ihre alten faltigen Gesichter dachte, schüttelte es ihn. Er hatte sie bildlich vor sich und Mühe dieses unschöne Bild zu verdrängen und doch freute er sich bei dem Gedanken, wie außer sich vor Wut Mrs. Clark gerade in diesem Moment wohl war. Er lief die Straße immer weiter nach hinten um eine kleine Ecke. Dort, wo die merkwürdigen Gestalten zuvor gestanden hatten, war eine Ansammlung merkwürdiger Pfeile auf dem Boden. Ob sie gemalt waren oder anders auf die Straße gekommen waren und woraus sie gemacht wurden, war Charlie unklar. Der Wind pfiff ihm sanft und warm um die Ohren und säuselte etwas vor sich hin, so, als wollte er etwas erzählen. Die grünen Baumkronen raschelten leise und nur ab und zu segelte ein Blatt lautlos zu Boden. Er lief immer und immer weiter. Seine Schritte wurden allmählich langsamer und kürzer, bis er plötzlich etwas sah, das ihm für einen Moment den Atem stahl. Mitten auf der Kohlstraße stand eine braune, unscheinbare Tür. Das Leuchten war verschwunden. Er war sich nicht sicher, ob er wirklich das sah, was er vor sich hatte oder ob ihn die Zeit im Waisenhaus verwirrt hatte. Er bremste seine Lauftempo und blieb einige Meter vor der Tür stehen. Er musste vernünftig sein und in sein Zimmer zurückkehren, egal wie sehr er es hasste. Er würde am nächsten Morgen einfach aufwachen und sich alles eingebildet haben, dachte er bei sich. Aber seine Abenteuerlust trieb ihn voran. Er trat auf die Tür zu und musterte sie so intensiv, dass man denken konnte, er könnte hindurchsehen. Schon bevor er sich überlegt hatte, was er tat, hatte seine Hand den merkwürdigen Knauf berührt. Ein sonderbares Gefühl durchflutete ihn. Sein Verstand war so klar, dass er alles Unwichtige vergessen und sich einzig auf die sinnvollen Dinge konzentrieren konnte. Auf einmal schien die Welt nicht mehr so unwirklich. Der Knauf war kalt und nass, etwas Magisches ging von ihm aus. Charlie drehte ihn zur Seite, sodass sich jene Tür mit einem Ruck öffnete.

Kapitel 2

Was er sah, ließ seinen Atem stocken. Er hatte vorher nichts gesagt, aber er war sich sicher, dass er es auch nicht gekonnt hätte. Er wusste nicht, was den Mut in ihm auflodern ließ, doch er durchquerte die Tür ohne Konsequenzen in Betracht zu ziehen. Es war atemberaubend schön, schön und angsteinflößend. Um ihn herum war es genauso dunkel wie zuvor und es lag etwas Geheimnisvolles in der Luft. Er zitterte, denn es war kühl um ihn geworden. Seltsam bunte Bäume umringten ihn und der Geruch von Sommerregen stieg ihm in die Nase. Die Atmosphäre dieser anderen Welt war beruhigend. In der Ferne konnte er Umrisse erkennen. Er richtete seine Schritte auf sie aus, denn wenn ihn nicht alles täuschte, waren es die, die zuvor auf der Kohlstraße ihr Unwesen getrieben hatten. Er stand direkt hinter ihnen, als sie sich mehr oder weniger gemeinsam umdrehten. Charlie war überrascht, als die Frau ohne Hemmung oder Verwunderung anfing zu ihm zu sprechen. „Du hast unsere Nachricht also erhalten!“, sprach die Frau mit belebt rauchiger Stimme. Von der Nähe betrachtet, leuchteten ihre blauen Augen und ihr langes, graues, struppiges Haar hing offen getragen an ihrem Körper hinunter und glänzte im Mondschein merkwürdig. Neben ihr stand ein Mann mit rotblondem Haar und ebenfalls blauen Augen. Erst jetzt dachte Charlie wieder über die Worte der alten, weisen Frau nach. „Du hast unsere Nachricht also erhalten“ schallte es durch seinen nun immer durcheinander werdenden Gedanken. „Ähm…nein ich glaube das muss eine Verwechslung sein“, sagte Charlie nun mit zittriger und zugleich fester Stimme. „Oh nein, nein, nein! Wir aus Amatopien verwechseln nie irgendetwas“,