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Tangermünde an der Elbe verzaubert mit Backsteingotik, Eschwege ist von windschiefen Fachwerkhäusern und dem Frau-Holle-Land geprägt. In Bad Münstereifel lässt sich in historischen Gassen ausgiebig shoppen, in der Residenzstadt Coburg grillt man Bratwürste über Kiefernzapfen und in Bad Kissingen rieselt gesundes Wasser im Gradierwerk. Faszinierende Geschichten, beeindruckende Architektur und unvergessliche Orte – Deutschlands charmanteste Kleinstädte bewahren ihre Kultur auf eine wunderbare Art und Weise.
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Seitenzahl: 187
Veröffentlichungsjahr: 2025
Lisa Bahnmüller · Regine Heue
Fachwerk-Romantik, Mittelalter-Charme und lebendige Tradition entdecken
Vorwort
Norden
1
Sehenswertes Flensburg
Maritim und ursprünglich
2
Husum – die »graue Stadt am Meer«
Nordfriesisches Glücksziel
3
Traditionsreiches Jever
Blaues Wunder erleben
4
Stade – bezaubernde Hansestadt
Die nordische Perle im Alten Land
5
Frühere Residenzstadt Bad Doberan
Mehr Molli vom Meer
6
Maritimes Stralsund
Das Tor nach Rügen
7
Waren an der Müritz
Das Tor zur Mecklenburgischen Seenplatte
8
Celle – beeindruckende Fachwerkstadt an der Aller
Charmante Kleinstadt mit Superlativen
9
Tangermünde – Backsteinperle an der Elbe
Steinreiche Kaiser- und Hansestadt
10
Entzückendes Angermünde
Die Heinrich-von-Kleist-Novelle
Wie genau entstanden die Städte?
Mitte
11
Fürstliches Bad Pyrmont
Renaissance im Weserbergland
12
Hildesheim – die Rosenwunderstadt
Historisch und doch viel neu aufgebaut
13
Wolfenbüttel – die Lessingstadt
Dichter- und Bibliothekshochburg
14
Kaiserstadt Goslar
Berühmtester Wohnsitz des Reiches
15
Andenkenreiche Lutherstadt Wittenberg
Reise in die Reformationszeit
16
Bergisches Wuppertal
Stahlharter Drache
17
Treppenreiches Marburg
Märchenstadt an der Lahn
18
Hann. Münden
Drei Flüsse, viel Fachwerk und ein Welfenschloss
19
Bad Sooden-Allendorf – das doppelte Städtchen
Im märchenhaften Frau-Holle-Land
20
Altes Rotenburg an der Fulda
Engste Stelle im Fuldatal
21
Mühlhausen, Stadt der Türme
Prädikat: sehr sehenswert
22
Malerisches Rathen
Am Fuße des Elbsandsteingebirges
23
Traditionsreiches Bad Schandau
Größte Kerze der Welt
24
Flächendenkmal Görlitz
Abstecher nach Hollywood
25
Bad Münstereifel – das Shoppingparadies
City-Outlet im Kneippheilbad
26
Mayen – die Stadt mit dem verdrehten Turm
Ein Schmuckkästchen in der Eifel
27
Malerisches Beilstein
Verträumt und wildromantisch
28
Superlative Trier
Ehemaliges zweites Rom
29
Beeindruckendes Wadern
Im Saarschleifenland
30
Museumsreiches Ottweiler
Rund um den Zibbelkapp
31
Ladenburg zwischen Neckar und Odenwald
Erbaut auf römischen Fundamenten
32
Coburg – Residenzstadt mit Flair
Ein fränkisches Schmankerl
Charakteristische Fachwerkstädte
Süden
33
Bad Kissingen – Musterbad der Belle Époque
Von der kaiserlichen Sommerfrische zum UNESCO-Welterbe
34
Pittoreskes Volkach
An der Mainschleife
35
Miltenberg am Main
Weinseligkeit trifft auf Fachwerkkunst
36
Fechterstadt Tauberbischofsheim
Mitten im lieblichen Taubertal
37
Reliktreiches Speyer
Uraltes Pflaster
38
Calw – Flößer- und Tuchmacherstadt
Schwarzwaldzauber und Hermann Hesse
39
Mittelalterliches Schwäbisch-Hall
Schatz aus Salz und Geschichte
40
Perle im Ries – Nördlingen
Zeitreise in die Vergangenheit
41
Landshut – die alte Residenzstadt an der Isar
Wo Gotik auf Renaissance trifft und Geschichte lebendig wird
42
Passau – die Dreiflüssestadt
Leben am und mit dem Wasser
43
Konstanz – Grenzstadt am Bodensee
Entspannte Stadtatmosphäre
44
Panoramareiches Lindau
Klein, aber so fein
45
Landsberg am Lech
Wanderspaß und Stadtbummel
46
Füssen und seine Königsschlösser
Augsburger Sommerresidenz und Ludwigs Traum
47
Ursprüngliches Garmisch-Partenkirchen
Am Fuße der Zugspitze
48
Bad Tölz an der Isar
Charmante Kurstadt
49
Wasserburg – auf einer Halbinsel im Inn
Im ewigen Kampf mit dem Hochwasser
50
Zauberhaftes Berchtesgaden
Hoch, wild, schön mit Königsblick
Deutschlands berühmteste Straßen
Register
Bildnachweis
Autorinnen
Impressum
Der Kapitelturm in Tangermünde direkt oberhalb des Hafens ist etwa sechs Stockwerke hoch.
Bad Sooden-Allensdorf ist ein malerischer Doppelort an der Werra.
Deutschland ist reich an Historie und unsere Städte erzählen dies in beeindruckender Weise. Doch während Orte wie Rothenburg ob der Tauber, Regensburg, Heidelberg oder Lübeck im Rampenlicht stehen, gibt es unzählige Altstädte, die weniger bekannt, aber nicht weniger faszinierend sind. Genau diesen nicht so bekannten Schätzen widmen wir dieses Buch.
Es geht um verwinkelte Gassen, historische Marktplätze und kleine, fast vergessene Details, die von vergangenen Zeiten erzählen. Es sind die Orte, die etwas abseits der großen Touristenströme liegen – ruhig und charmant, mit einer Atmosphäre, die man nicht planen, sondern nur erleben kann.
Wir möchten Sie mit diesem Buch auf eine Reise mitnehmen, die staunen lässt. Es zeigt Altstädte, die kleine und große Geschichten erzählen, die überraschen und inspirieren – Plätze, an denen Traditionen lebendig bleiben und das Alltägliche das gewisse Etwas umgibt.
Lassen Sie sich an einem Tag oder Wochenende von der Vielfalt und Schönheit dieser weniger bekannten Juwelen verführen. Vielleicht finden Sie auf den folgenden Seiten Ihren nächsten Lieblingsort – oder blicken auf eine Altstadt, die Sie längst zu kennen glaubten, mit ganz neuen Augen.
Uns hat die Recherche jedenfalls unheimlich viel Spaß gemacht. Die eigene Heimat zu erkunden und näher kennenzulernen, ist immer etwas Besonderes. Natürlich ist unsere Auswahl sehr persönlicher Natur und nur eine kleine Auslese von unzählig vielen weiteren tollen Städten, die Deutschland zu bieten hat. Aber leider sind wir begrenzt durch die Seitenzahl dieses Buches.
Nun wünschen wir viel Freude beim Lesen und noch viel mehr Spaß beim Erkunden der 50 wunderschönen Altstadtziele in Deutschland!
Lisa Bahnmüller & Regine Heue
Die Welt birgt viele Wunder, Abenteuer und spektakuläre Aussichten, die wir gerne erkunden möchten. Doch sie ist auch leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hier ein paar Tipps, wie wir unsere Welt nachhaltig entdecken können:
Die Hauptsaison meiden: Wenn wir nicht gerade auf die Ferienzeiten angewiesen sind, können wir der Umwelt einen großen Gefallen tun, indem wir in der Nebensaison verreisen. Damit tragen wir zu einer gleichmäßigeren Auslastung der Umwelt und der Infrastruktur bei, und der Urlaub wird dazu auch noch wesentlich entspannter.
Die Aufenthaltsdauer dem Reiseziel anpassen: Je weiter das Reiseziel ist, desto länger sollte der Aufenthalt sein. Dadurch lernen wir die Region nicht nur intensiver kennen, sondern stärken sie ganz nebenbei noch durch unsere Ausgaben vor Ort. Anfahrtsintensive Tagesausflüge sollten besser vermieden werden, das bedeutet nur Stress, sowohl für die Umwelt als auch für uns selbst.
Auf umweltschonende Verkehrsmittel setzen: Wo es möglich ist, reisen wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Das reduziert nicht nur die Luftverschmutzung, sondern schont auch unsere Nerven. Falls das nicht geht, helfen verschiedenste Plattformen dabei, den CO2-Austoß auszugleichen, vor allem wenn das gewünschte Reiseziel nur mit dem Flugzeug zu erreichen ist.
Nur dort parken und campen, wo es erlaubt ist: Selbst wenn wir uns noch so vorbildlich verhalten und unseren Aufenthaltsort so hinterlassen, wie wir ihn vorgefunden haben, stören wir den Lebensraum von Wildtieren und hinterlassen Spuren und Gerüche. Auch Lagerfeuer entzünden wir ausschließlich an den dafür vorgesehenen Stellen und achten dabei auf Waldbrandstufen und Naturschutzgebiete.
Ressourcen gewissenhaft nutzen: Manche Umweltressourcen sind bereits knapp, endlich sind auf jeden Fall alle. Um sie zu schonen, sollten wir sparsam mit ihnen umgehen, gerade in Gegenden, in denen zum Beispiel Wasser oder Strom nicht im Überfluss vorhanden sind.
Ein guter Gast sein: Nachhaltig unsere Umgebung zu erkunden, bedeutet auch, der hiesigen Flora und Fauna mit Respekt zu begegnen. Pflanzen sollten auf keinen Fall gepflückt werden, aber sie stehen uns bestimmt gerne Modell für das eine oder andere Foto. Das gleiche gilt für wilde Tiere: Wir füttern sie nicht, halten Abstand und beobachten sie aus der Ferne.
Auf den Wegen bleiben: Wer die vorgegebenen Wege verlässt, dringt nicht nur in die Rückzugsräume heimischer Arten ein, sondern trägt auch dazu bei, dass sich neue Wege bilden, was zur Erosion des Bodens führt.
Abfall wieder mitnehmen: Plastikverpackungen jeglicher Art, Dosen, Flaschen und Papiertaschentücher (es dauert Jahre, bis sich ein einzelnes Taschentuch vollständig abgebaut hat!) gehören nicht in die Natur, sondern artgerecht entsorgt. Am besten gleich eine wiederverwendbare Brotdose oder Trinkflasche mitnehmen. Dazu zählen natürlich auch Toilettenpapier und der Inhalt von (Chemie-)Toiletten. Entsprechende Entsorgungsstationen finden sich überall.
Lokal kaufen: Dadurch lernen wir Land und Leute besser kennen und unterstützen die regionale Wirtschaft, außerdem sind regionale Produkte meist auch preisgünstiger und qualitativ hochwertiger.
Nachhaltig draußen unterwegs zu sein, bedeutet auch ein respektvolles Miteinander – das sollte stets ein Motto in der Natur sein. Es tut nicht weh, sich gegenseitig zu grüßen und sich entgegenkommend zu verhalten. So haben Wanderer auf schmalen Wegen stets Vorrang, bei Gegenverkehr gilt in steilem Gelände immer: Wer absteigt, hält an. So lässt sich die Schönheit und Vielfalt der Natur gemeinsam genießen.
Unweit von Celle führen Wanderwege durch die Lüneburger Heide, deren Blüte Mitte und Ende August ihren Höhepunkt erreicht.
Leben zwischen den Küsten der Nord- und Ostsee
Flaches Land zwischen Nordsee und Ostsee – ein Sprichwort besagt: »Bei uns kann man heute schon sehen, wer morgen zu Besuch kommt«.
Maritim und ursprünglich
Wir tauchen in die 700-jährige Geschichte der Stadt ein und könnten sogar die Chance haben, Schweinswale in ihrer Kinderstube zu erleben.
Die Entwicklung Flensburgs ist wegen der Lage an der Förde eng mit der Seefahrt verbunden. So besaß die Stadt im 18. Jahrhundert einen der bedeutendsten Handelshäfen für die Schiffe der Westindien-Flotte. Diese brachten Rohrzucker und Roh-Rum von den Karibikinseln nach Flensburg, wo er zu Zucker und trinkbarem Rum verarbeitet wurde. Leider ist die Tradition des Destillierens heute fast schon Geschichte, aber wir besuchen in der Stadt das einzige Rum-Museum Deutschlands und lassen uns zu den 20 Stationen der Rum & Zucker Meile quer durch die Altstadt führen. Sie sind mit Hinweisschildern versehen und im kostenlosen Faltblatt können wir die Bedeutung des Rums für Flensburg in den vergangenen 250 Jahren nachlesen.
Tipp
Wahrzeichen
Das Nordertor stellte früher das Stadttor auf der Nordseite der Stadt dar. Direkt angrenzend liegt das Wissenschafts- und Technikmuseum PHÄNOMENTA. Bei 170 interaktiven Experimenten können naturwissenschaftliche Phänomene direkt getestet und ausprobiert werden.
Wer sich für Kunst interessiert, der sollte sich einen Besuch auf dem Museumsberg in der Altstadt nicht entgehen lassen. Das städtische Museum mit seinen zwei Häusern ist eines der größten Museen in Schleswig-Holstein und bietet einen Einblick in die Kunst- und Kulturgeschichte des ehemaligen Herzogtums Schleswig sowie schleswig-holsteinische Kunst. Schwerpunkt der Ausstellung ist die Möbelsammlung des Flensburger Möbelfabrikanten und Museumsdirektors Heinrich, die über 900 Stücke umfasst. Im zweiten historischen Gebäude bewundern wir Kunstwerke mit Hauptwerken des Künstlers Hans Christiansen, die Kunst des Expressionismus mit Werken von Erich Heckel, Ernst Barlach und Emil Nolde sowie zeitgenössische Kunst des Nordens. Wem eher nach Trubel ist, der besucht die Rote Straße, eine lebendige Shopping- und Ausgehstraße im südlichen Teil der Flensburger Altstadt. Sie hat ihren eher moderneren Teil im Süden mit großen Neubauten. Der nördliche Teil versprüht hingegen einen gemütlichen Altstadtcharakter. Neben Kunstgalerien finden wir lauschige Plätze in den Restaurants und Weinstuben oder Handgemachtes in einem der Design- und Kunsthandwerkerläden. rotestrasse.de
Flensburg – die idyllische Hafenstadt nahe der dänischen Grenze.
Der Hafen grenzt direkt an die Altstadt und ist immer noch ein wichtiger und zentraler Ort. Von hier haben wir einen schönen Blick auf die Stadt, können mit Ausflugsschiffen zu Fahrten auf der Förde sowie nach Dänemark starten und bei einem Spaziergang die maritime Atmosphäre genießen.
Oder wir starten zu einer Whalewatching-Tour! Tatsächlich ist die Ostsee ein wichtiger Lebensraum der Schweinswale. Vor allem in der Flensburger Förde werden die Meeressäuger oft gesichtet. Die Schweinswale sind dabei nicht nur zufällige Gäste, sondern sind hier zu Hause. Es sind die einzigen heimischen Wale der Ostsee und leider den meisten Menschen kaum bekannt. Manchmal kann man in den Sommermonaten mit dem NABU an Fahrten durch die Flensburger Förde teilnehmen und dabei viele interessante Informationen über die kleinen Tümmler erhalten. Der NABU möchte so auf die Bedrohung der Schweinswale aufmerksam machen, aber auch grundsätzlich für den Schutz der Schweinswale in der Ostsee sensibilisieren. Leider ist die Art mit ca. 500 Tieren vom Aussterben bedroht und gehört zu den in Europa am stärksten gefährdeten Kleinwalpopulationen.
Sehenswert ist auch der historische Hafen mit seinen klassischen Segeljachten und alten Kuttern. Eine Besonderheit ist der restaurierte Salondampfer »Alexandra«. Direkt am Museumshafen finden wir zudem in einem ehemaligen Zollspeicher ein Schifffahrtsmuseum.
Eine unbekanntere Sehenswürdigkeit befindet sich in Mürwik: der Wasserturm. Er steht im Volkspark (erreichbar per Bus Richtung Glücksburg oder Ziegeleistraße) und ist einer von zwei modernen Wassertürmen in Schleswig-Holstein. In der Form der Baumkronen stützen 18 Betonbögen den Speicher, der bis zu 1,5 Millionen Liter Wasser fasst. Die knapp 100 000 Einwohner Flensburgs nennen den Wasserturm liebevoll »Blumenvase«. Zwischen Mai und Ende September können wir nicht nur sein beeindruckendes Innenleben besichtigen, sondern auf der Aussichtsplattform den wunderschönen Blick über die Fördestadt bis nach Dänemark genießen.
Vom Wasser aus kann man den Blick auf die deutsche und die dänische Küste schweifen lassen.
Ganz interessant sind die historischen Altstadtgassen mit ihren malerischen Höfen.
Die korrekte Antwort auf Moin Moin heißt: Moin!
Info
Anreise
Mit dem Auto A1 und A7 bis Osttangente / B199 in Flensburg folgen. Mit dem Zug ab Hamburg Bahnhof direkt nach Flensburg.
Umgebung
Mit der Bahn erreicht man in rund einer Stunde Friedrichstadt. Die Miniaturversion von Amsterdam verzaubert mit Brücken, Grachten und Treppengiebelhäusern. Nur etwas über zwei Stunden mit dem Zug entfernt liegt St. Peter Ording. Der prachtvolle weiße Sandstrand von 12 Kilometern Länge und teilweise bis zu 2 Kilometern Breite macht den kleinen Ort zur größten Sandkiste Deutschlands und ist dank idealer Windverhältnisse auch der Treffpunkt für Kitesurfer, Strandsegler und Kite-Buggy-Fahrer.
Nordfriesisches Glücksziel
»Mein Herz hängt an dir, du graue Stadt am Meer«, schrieb Theodor Storm im wohl berühmtesten Gedicht über seine Heimatstadt Husum. Aber Husum ist alles andere als grau: Hier zeigt sich der Norden bunt, lebendig, vielfältig und sehr reizvoll.
Husum liegt in Nordfriesland fast direkt an der Nordseeküste und damit am UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Den Zugang dorthin bildet die Husumer Mühlenau, ein kleiner Fluss, der jedoch durch das breite Hafenbecken inmitten der Stadt überhaupt nicht klein wirkt. Umgeben ist Husum von einer typisch norddeutschen Marschlandschaft, völlig flach, durchzogen von Entwässerungsgräben und kleinen Kanälen, aus denen nur die Deiche herausragen. Dort pfeift der frische friesische Wind, angereichert mit einem Hauch Salzluft aus der Nordsee – perfekt, denn so gefällt uns der Norden.
Berühmt wurde Husum vor allem durch den Dichter Theodor Storm, der 1817 hier geboren wurde und der Stadt mit seinem Gedicht »Die Stadt« ein literarisches Denkmal setzte. Auch wenn er Husum darin als graue Stadt schildert, so ist es doch eine Liebeshymne an die Stadt seiner Kindheit.
Die Altstadt von Husum ist aber auch ein echtes Schmuckstück mit gleich zwei wunderschönen Plätzen. Zum einen der Marktplatz mit dem Asmussen-Woldsen-Denkmal vor der Marienkirche. Ihr schlichtes Äußeres spiegelt sich auch im Innenraum wider: Ganz in Weiß bildet er einen faszinierenden Kontrast zur bunten Stadt. Und wie bunt Husum ist, zeigt sich am zweiten Platz, am Hafen. Hier pulsiert das Leben. Bunte Kutter schaukeln im Wasser, Fischbrötchenbuden locken mit frischem Matjes, in den Restaurants gibt’s deftige norddeutsche Küche, aber auch was Süßes zum Kaffee, wie Zimtschnecken. Wer mag, kann eine Hafenrundfahrt machen oder sich treiben lassen und den Blick auf die Krabbenkutter genießen. Rund um den Hafen ist einfach immer was los.
Nördlich davon liegt das Schloss von Husum, ein Renaissancebau mit einem großen Park. Besonders im Frühjahr ist der Park ein Highlight. Dann blühen dort Tausende Krokusse und verwandeln Husum in ein lilafarbenes Blütenmeer. Passend dazu gibt es das Krokusblütenfest, das zahlreiche Besucher anlockt.
Von wegen grau, rund um das Husumer Hafenbecken sind die Häuser und die Fischerboote farbig und bunt.
Info
Anreise
Husum liegt auf der Bahnstrecke nach Sylt. Mit dem Auto ist es über die A7 und die B201 erreichbar.
www.husum-tourismus.de
Theodor Storm
In der Gasse Wasserreihe steht das Geburtshaus von Theodor Storm, heute ein Museum, in dem wir alles über sein Leben und seine Werke erfahren.
Wattenmeer
Nur wenige Kilometer von Husum entfernt beginnt das Wattenmeer, das als UNESCO-Weltnaturerbe geschützt ist. Eine Wattwanderung ist ein absolutes Muss – barfuß durchs Schlickwatt zu spazieren und dabei Krebse, Muscheln und Wattwürmer zu entdecken, ist ein echtes Abenteuer. Geführte Touren sorgen dafür, dass man sicher unterwegs ist und dabei noch spannende Infos über dieses einzigartige Ökosystem bekommt.
Blaues Wunder erleben
Wo friesische Kultur und Bierbraukunst aufeinandertreffen, entdecken wir das grüne Städtchen mit seiner 1000-jährigen, wechselhaften Geschichte.
Etwa 15 Kilometer von der Nordseeküste entfernt liegt das friesische Jever. Obwohl wir die Stadt meist nur mit der Brauerei in Verbindung bringen, lohnt sich ein Besuch: Denn Jever kann mehr als nur Bier.
Jever ist eine Kleinstadt, die begeistert.
So ziehen sich mitten durch die Innenstadt fünf Grachten mit uraltem Baumbestand. Was einst den historischen Stadtkern als Grabenschutzlage umgab, beschert Jever heute seine Schönheit und Idylle. Jetzt verstehen wir, warum Jever auch »die grüne Stadt« genannt wird. Auf unserem Rundweg, der übrigens mit einem weißen Kiebitz markiert ist, entdecken wir das Schloss mit seinem weithin sichtbaren Zwiebelturm. Im Inneren bestaunen wir den Audienzsaal mit der wunderbaren Kassettendecke. Zudem ist es ein wichtiger Ort, um sich über die großen Frauen in Jevers Geschichte zu informieren, wie etwa Maria von Jever. Im Schlosspark stehen die Bäume gerade in herrlichster Blüte: Die Magnolien sind weit geöffnet und verbreiten einen wunderbaren Duft. Die Zierkirschen lassen ihre rosa Blütenblätter regnen und Bänke laden uns zum Verweilen ein. Der Park gehört übrigens zu den bedeutendsten Gartenkunstwerken Nordwestdeutschlands.
Am Alten Markt entdecken wir das markante Gebäude »Hof von Oldenburg«. Sein Glockenspiel lässt mehrfach am Tag die wichtigsten Herrschaften des Landes Revue passieren. Auf unserem weiteren Weg begegnen wir ständig der Farbe Indigoblau. Kein Wunder, denn in Jever gibt es noch eine der wenigen Blaufärbereien Deutschlands. Die charmante Manufaktur im alten Kattrepel, einem der urigen Winkel der Altstadt, arbeitet noch traditionell mit Indigo, der Färbepflanze aus Indien, und 300 Jahre alter Technik. In der Werkstatt erhalten wir hautnah Einblicke in die einzelnen Produktionsschritte und erleben unser »blaues Wunder«.
Natürlich darf ein Besuch im weltberühmten Friesischen Brauhaus mit seinem Brauereimuseum nicht fehlen, ehe wir über das Elisabethufer zum Bismarck-Museum gelangen. Am Kirchplatz bewundern wir das Gasthaus Schwarzer Bär, einen Backsteinbau von 1562, und das Haus mit seinem Glockengiebel nahe dem Rathaus. Die Innenstadt ist nicht sehr groß, sodass wir bald wieder am Schloss angelangen. Bevor wir unsere kleine Zeitreise beenden, machen wir noch einen Abstecher zur Schlachtmühle.
Info
Anreise
A28 oder A29 und über die B210. Die Autobahn am Wilhelmshavener Kreuz verlassen und der Beschilderung Wittmund / Jever / Schortens folgen. Mit der NordWestBahn geht es stündlich nach Jever, das auf der Strecke zwischen Esens und Wilhelmshaven liegt.
Essen & Trinken
Leckeren Fisch gibt’s Im Butt. Der Biergarten vom Marienbräu gehört zu den schönsten in Jever. Im Haus der Getreuen trifft Tradition auf moderne Gastlichkeit. Das Restaurant an der Schlachte im Stadthotel überzeugt mit regionalen Gerichten und saisonalen Akzenten.
Sonstiges
Sehenswert sind auch die Brunnen und Denkmäler der Stadt. Schloss und Museum ab 8 EUR. Brauereiführung und -museum unter:
www.jever.de
Der historische Ewer »Wilhelmine« von 1912, ein typisch friesischer Segelschifftyp, liegt im Stader Stadthafen.
Die nordische Perle im Alten Land
Stade – eine kleine Hansestadt mit großem Charme! Im Alten Land gelegen, verbindet Stade norddeutsche Gelassenheit mit einer Prise maritimem Flair. Fachwerk, Backsteinbauten, reetgedeckte Häuser, dazu Wasserwege und Apfelbäume, so weit das Auge reicht – besser geht es kaum.
Stade und das Alte Land sind ein echtes Paradies für Geschichtsfans, Genießer und alle, die es gemütlich angehen lassen wollen. Das Alte Land ist eine historische Kulturlandschaft mit vielen kleinteiligen landwirtschaftlichen Parzellen, die sich südlich der Elbe erstreckt. Die Region ist geprägt von Deichen und Wasserläufen, die bereits im 12. Jahrhundert durch holländische Siedler angelegt wurden. Durch die Entwässerung und den Deichschutz machten sie das Land urbar und schufen fruchtbare Marschböden. So wurde das Alte Land zum größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Europas und ist berühmt für seine Apfel- und Kirschplantagen, die sich im Frühjahr in einen einzigen riesengroßen Blütentraum verwandeln. Einige kleine Dörfer und Siedlungen liegen im Alten Land, begrenzt wird es nur von den Städten Hamburg, Buxtehude und Stade.
Tipp
Een Beten Spraakenünnericht
Das Wort »kieken« stammt aus dem norddeutschen bzw. plattdeutschen Sprachraum und bedeutet »schauen« oder »gucken«. Dementsprechend steckt in vielen Ausflügen, die man von Stade aus starten kann, dieser Begriff. So gibt es den Moorkieker, eine Ausflugsfahrt mit einer historischen Torfbahn in das Kehdinger Moor. Der Vogelkieker, ein Doppeldeckerbus, ist eine Vogelbeobachtungsstation auf Rädern, und der Tidenkieker bringt uns mit einem Flachbodenschiff der Gezeitenlandschaft der Elbe ganz nah.
Dabei blickt Stade auf mehr als tausend Jahre Geschichte zurück. Im Jahr 994 erstmals urkundlich erwähnt, belegen archäologische Funde, dass die Gegend bereits in der Altsteinzeit besiedelt war. Wie so oft in der Geschichte, spielte die ideale Lage die größte Rolle in der Stadtentwicklung. Stade wuchs dank seines Flusses Schwinge, nur sechs Kilometer von der Elbe entfernt, zu einem wichtigen Handelszentrum. Als Hansestadt florierte Stade im Mittelalter und das endete erst mit dem Dreißigjährigen Krieg. Danach regierten sogar zwischenzeitlich die Schweden in der Stadt – kein Wunder also, dass hier ein spannender Mix aus Baustilen und kulturellen Einflüssen zu finden ist.
»Es gibt keine schönere Landschaft als die zwischen Marsch und Geest. Inzwischen sehe ich allerdings aus, wie das Land heißt … nämlich alt.«
Elton, Moderator
Ein Flaschenzug beförderte schwere Lasten in die oberen Stockwerke der Fachwerkhäuser.
So zählt zu den größten Sehenswürdigkeiten von Stade die Altstadt selbst. Sie liegt auf einer Insel in der Schwinge und ist fast völlig umgeben vom Wasser des Burggrabens. Die meisten der Fachwerkhäuser stammen aus der Zeit nach dem großen Stadtbrand von 1659. Einige wenige Gebäude in der Stadt sind sogar noch älter, so hat unter einigen der alten Bauten auch das Gewölbe des Ratskellers den Brand überstanden.
Dieses einheitliche Stadtbild zeigt sich deutlich am Fischmarkt. Hier spiegeln sich die historischen Häuserfassaden malerisch im Wasser des sicheren Hansehafens. Rundherum laden Cafés und Restaurants zum Verweilen ein – ob mit Fischbrötchen auf die Hand oder bei einem ausgiebigen Mittagessen. Die kleinen Gassen rund um den Platz sind ein Eldorado für Fans von Fachwerk, Backsteinhäuschen und Kopfsteinpflaster.