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Er hat ihr ihre Jugend zur Hölle gemacht - doch auf der Flucht vor ihrer Gegenwart spielt das Schicksal Hope ein zweites Mal in das Leben von Chase Mills. Während sie nach der Highschool in die große, schillernde Stadt gezogen war, hatte Chase die Familienranch übernommen, auf der sie nun Zuflucht findet. Es stellt sich jedoch schnell heraus, dass er noch immer das Monster aus ihrer Vergangenheit ist - nur älter, böser, gutaussehender. Es scheint, als hätte sie ein weiteres Mal in ihrem Leben dem falschen Mann vertraut, doch auch der ruppige Cowboy kämpft mit seinen Dämonen und erkennt schon bald, dass er Hope braucht, um die zerrissenen Teile seiner Seele wieder zusamemnzufügen.
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Seitenzahl: 334
Veröffentlichungsjahr: 2025
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"Du brauchst auch mal frische Luft für dein Gehirn", war einer von vielen Sätzen, die die Autorin Anna-Lena Fogl als Kind und Jugendliche oft zu hören bekam. Nicht zu selten vergaß sie sich völlig in ihren kreativen Projekten und Dinge wie Schlafen oder Essen wurden da schon einmal zweitrangig. Die Liebe zu Pferden hat sie zum Glück vor einer akuten Sauerstoffunterversorgung bewahrt und gleichzeitig ihre Ideenwelt unentwegt beflügelt.
Geboren 1993 lebt sie derzeit in Bayern.
Webseite: https://annalenafogl.jimdo.com/
Facebook: www.facebook.com/annalenafogl/
Instagram: https://www.instagram.com/annalenafogl.atuoin
The same boiling water
that softens the potato
hardens the egg.
it's about what you're made of,
not the circumstances.
Unknown
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
Hope
Chase
chasing Hope
EPILOG
Hope
Chase
Ich habe Wesbuck vor Kurzem hinter mir gelassen, habe tief Luft geholt als ich den Gang einlegte und los-gefahren bin. Nun ziehen schon eine ganze Weile Wäl-der- und Wiesenlandschaften, durchzogen von im Sonnenlicht glitzernden Flüssen und Gras, das sich leicht im Wind bewegt, an mir vorbei. Tausende Erinnerungen strömen durch mich hindurch, ein Gefühl von Vertrautheit, von Heimat, will sich breitmachen. Doch momentan ist der falsche Zeitpunkt in meinem Leben für „Ankommen“ oder „Herunterfahren“ – ich darf solche Sentimentalitäten gar nicht erst an mich heranlas-sen.
In Wesbuck hatte ich in meiner Kindheit viel Zeit verbracht, war dort zur Schule gegangen, hatte Freunde gehabt, war mit meinen Eltern einkaufen gegangen... Es war eine glückliche Zeit gewesen, an die ich mich soeben mehr erinnere als mir lieb ist, nachdem ich nach so unendlich vielen Jahren die Straßen dieser Stadt wie-der betreten habe. Nur ein paar letzte Besorgungen machen, hinfahren, aussteigen, alles erledigen, einsteigen, wieder fahren – das war der Plan gewesen. Und ich habe es ganz gut hinbekommen, bis jetzt, in der Stille des Wagens und nur der Natur, die mich umgibt und meinen Geist leider nicht stark genug fesseln kann, um jetzt nicht in Gedanken zu versinken.
Nervös blicke ich im Inneren des Pickups umher um irgendetwas zu finden, das mich davor bewahrt, weiter an die Vergangenheit zu denken und in den nächsten Minuten womöglich noch einen Zusammenbruch zu haben. Das kann ich mir nicht leisten. Nicht jetzt.
Mein Blick bleibt kurz an den Koffern und Taschen auf der Rücksitzbank hängen, dieser Anblick katapultiert meine Gefühlswelt sofort zurück auf den Boden der Tatsachen. Verdammt, es ist wahrhaftig nicht die Zeit, Glücksmomente Revue passieren zu lassen und sich heimisch zu fühlen, es ist an der Zeit mein Überleben zu sichern. Deshalb bin ich hier. Darauf muss ich meinen Fokus belassen und bloß nicht darauf, was für ein Scherbenhaufen mein Leben ist...
Wenn mich diese Stadt schon so aus der Fassung bringt, wie würde es erst werden, wenn ich die Ranch wiedersehe? Eliza. Und ihn. Während ich mein Herz beim Gedanken an ein Wiedersehen mit Eliza kaum im Zaum halten kann, so wird mir postwendend Übel bei der Erinnerung an ihren Sohn, Chase. Er war das personifizierte Monster meiner Jugend gewesen und ich sein Lieblingsopfer. Ständig hatte er mich gehänselt und bloßgestellt, am liebsten vor der versammelten Mann-schaft seiner Freunde. Ich war so unendlich oft ausge-lacht worden und noch öfter weinend in meinem Bett gelegen – und das nur wegen ihm.
Auch er ist mittlerweile erwachsen geworden, redet mir die Vernunft in mir sofort zu und ich schüttele leicht den Kopf, ehe ich wiedermal tief Luft hole um mich zu beruhigen. Er ist kein Kind und auch kein Jugendücher mehr, er würde nicht mit dem Finger auf mich deuten und mich all das heißen, was er mich in meinen jüngeren Jahren genannt hatte, sobald ich aus dem Wagen steige. Da kann ich mir sicher sein. Trotzdem ist die Vorstellung mit ihm konfrontiert zu sein nahezu eine meiner schlimmsten im Leben. Dem Schatten meiner Kindheit gegenüberzutreten wird verdammt schwer werden.
Am Ende hast du vielleicht nur den Dämon deiner Zu-kunft gegen den deiner Vergangenheit getauscht, sagt eine böse Stimme in meinem Inneren. Ich schüttele auch sie ab. Nein, nein, der Dämon meiner Zukunft ist weitaus schlimmer – Chase hingegen ist ein erwachsener Mann geworden. Vermutlich würde er sich für seine Boshaf-tigkeiten entschuldigen und schämt sich für alles, was er mir angetan hatte. Wahrscheinlich ist er nervöser als ich. Ganz sicher sogar.
Und dann liegt sie irgendwann vor mir, die Grand Valley Ranch, eingebettet in ihr weitläufiges Tal wie eh und je. Ich lasse den Pickup langsamer werden, bis er steht, kurz vor dem großen hölzernen Bogen, unter dessen Querbalken das Eisenschild mit dem Namen der Ranch sich kaum vom leichten Wind hin und her schaukeln lässt. Das Tor zu meinem sicheren Ort, meinem Versteck. Gleich würde es passieren und die erste Seite meines neuen Kapitels aufschlagen. Eine Seite, von der ich überhaupt nicht weiß, was sich darauf einmal lesen lassen würde. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich überhaupt nicht weiß, wie es weiter-gehen wird. Doch ich weiß, dass ich dieser Kiesstraße zu dieser Ranch hinunter folgen muss. Jede Faser meines Seins zieht mich dorthin, mein Herz beginnt aufgeregt zu pochen und in meinem Bauch macht sich abermals dieses wohlige Gefühl von Ankommen, Heimat, breit.
Hoffnung.
Ich ignoriere es, lege den Gang ein und fahre unter dem großen Tor hindurch und je näher ich den Gebäuden komme auf der Straße, die sich die Anhöhe hinab-schlängelt, desto breiter wird mein Grinsen. Chase hat mir speziell an diesem Ort vieles verdorben, doch damals wie heute überwiegt noch immer die Freude die ich hiermit verbinde. Eliza, eine gute Freundin meiner Mutter, hatte mich hier jedes Wochenende und jede andere freie Minute verbringen lassen. Ich hatte alles hier geliebt, die Arbeit, die Tiere, das Reiten.
Obwohl ich es versuche kann ich meine Wiederse-hensfreude nicht wirklich unterdrücken. Krampfhaft suche ich nach etwas Negativem, um meine Emotionen im Griff zu halten, und denke wieder an Chase. Chase, der leider auch immer schon verdammt gut ausgesehen hatte. Chase, der immer schon der coolste Typ von allen gewesen war. Chase, der all das gewusst und nur zu gerne für seine Attacken gegen mich verwendet hatte. Chase, in den ich auf eine verkappte Weise als jugendli-ches Mädchen vielleicht sogar ein bisschen verliebt ge-wesen war. Wer war das nicht gewesen? Und Chase, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, mich fertigzuma-chen, wann immer er eine Möglichkeit dazu gehabt hatte.
Chase, das Arschloch.
„Habt ihr die Zäune auf der südöstlichen Weide schon gecheckt?“
Matt, mein Vorarbeiter und, falls ich so etwas habe, Freund, nickt: „Zäune sind alle in Ordnung, wir brin-gen die Herde... Wer kommt denn da?“
Er sieht die Zufahrtsstraße hinauf und ich folge seinem Blick. Eine Staubwolke, angeführt von einem ziemlich ramponierten roten Pickup, fährt die Kiesstraße entlang.
Diese Straße führt nirgendwo anders hin als zu unserer Ranch und so zucke ich die Schultern: „Wahrscheinlich verfahren. Oder in Not.“
„Dann hoffe ich, dass sie hübsch ist“, scherzt Matt.
Der oder die Fahrerin hält den Wagen an, als sie auf der Ranch ankommt, wegen des Staubes können wir nichts erkennen, bis sich die Fahrertür öffnet. Ich glaube jedoch, längere Haare als ein Mann sie üblicherweise trägt gesehen zu haben. Die Tür wird zugeschlagen und eine zierliche Frau mit etwas mehr als kinnlangen, blon-den Haaren kommt auf uns zu. Sie ist nicht sehr groß, schlank, trägt Sneaker, eine Jeans die bis über den Knö-cheln hochgekrempelt ist und ein weißes T-Shirt, das sich, ebenso wie ihre Haarspitzen, leicht im Wind be-wegt.
Sie wirkt wie eine grundsätzlich sehr freundliche Per-son, doch als mein Blick bei ihrem Gesicht ankommt, zucke ich innerlich zurück. Ihr Blick ist hart wie Granit, die Lippen angespannt und das Kinn vorgereckt. Ihre Arme sind verschränkt und ihre zuvor von mir als freundlich identifizierte Ausstrahlung ist mit einem Schlag wie weggewischt.
„Chase Mills und Matt Tran.“
Woher kennt sie uns? Wir müssen sie anstarren wie einen Außerirdischen.
„Erinnert ihr euch nicht an mich?“
Unsere ratlosen Gesichter sagen wohl alles.
„Hopeless Hope, das dicke Mädchen, das ihr so gerne gemobbt habt?“
Ich erinnere mich nicht, dass mir schon einmal in meinem Leben so die Kinnlade runtergefallen ist, wie in diesem Moment. Hope? Hopeless Hope? Sie?
„Ab...“, stammelt Matt.
„Aber?“
„Du bist...“, stammelt er weiter.
„Nicht mehr fett?“, vollendet sie seinen Satz und ich kann mir ein kurzes Schmunzeln nicht verkneifen.
„Jedenfalls schlagfertiger als damals“, beende ich eben-falls Matts Satz.
Ihr Blick wandert zu mir, bleibt kurz an meinen Augen hängen, was mir seltsam unangenehm ist, und wandert dann schnell weiter.
„Hope!“, ruft plötzlich meine Mutter lauthals hinter uns und stürmt von der Veranda ihres Hauses auf uns zu.
„Eliza!“, ruft Hope zurück, wobei es mehr wie ein Seufzen klingt, und geht an uns vorbei und die beiden Frauen fallen sich in die Arme. Sie wiegen sich hin und her und halten sich fest umklammert während sie Freu-debekundungen austauschten und Matt und ich ausgiebig viel Zeit haben, die sportliche Figur und den ziem-lich knackigen Arsch von Hope zu begutachten. Matt lächelt mir zu und ich ziehe die Augenbrauen unmerklich hoch, wodurch er sich ein Lachen verkneift und den Blick abwendet.
Damit ist das Revier abgesteckt.
„Und Chase und Matt kennst du ja noch“, stellt uns meine Mutter ihr nochmals vor.
„Ich sie schon, aber sie mich ganz offensichtlich nicht mehr.“ Ihr Gesicht ist jetzt freundlicher und sie lächelt mich sogar kurz an.
„Puh, ganz ehrlich, du siehst...“, ich suche nach dem richtigen Wort, „verändert und vor allem, umwerfend, aus. Damit muss ich erstmal klarkommen.“
Ich verkneife mir ein zufriedenes Grinsen, als ich sehe, wie sie ihren Blick einen Augenblick lang senkt. Treffer.
„Sie sieht einfach wundervoll aus!“, bestätigt meine Mutter, die sie immer noch an der Hand hält, „Ich zeige dir jetzt dein Zimmer und vielleicht kann Chase dir dann später gleich die Ranch zeigen?“
„Oh, das muss er nicht, ich komme auch alleine zurecht, ich kenne mich ja aus, er hat bestimmt viel zu tun“, blockt sie ab ohne mich eines Blickes zu würdigen.
„Ich fuhr dich gerne herum.“ Ich schenke ihr ein offenes Lächeln und suche ihren Blick.
Kurz sieht sie mich an, dann wendet sie sich schnell wieder meiner Mutter zu: „O...okay. Dann los. Aber ich will wirklich niemandem zur Last fallen.“
„Nein, Hope, das tust du doch nicht“, beschwichtigt meine Mum sie als die beiden uns verlassen.
„Was macht sie hier?“, fragt Matt mich noch immer ungläubig nachdem er mich mit dem Ellbogen ange-rempelt hat.
„Ich hab keine Ahnung“, gestehe ich und wir sehen ihr immer noch nach.
Was für eine Transformation. Vom hässlichen Entlein zum wunderschönen Schwan. Ich kann nur hoffen, dass sie mir meine Jugendsünden verzeiht...
Puh.
So viele Eindrücke, Emotionen, Erinnerungen. Eliza hat mich soeben in dem kleinen Cottage, das ich ab jetzt mein Zuhause nennen darf, allein gelassen und ich sitze auf den Boden starrend auf dem Bett. All diese netten Menschen um mich herum – dem Himmel sei Dank, selbst Chase war ganz offensichtlich vom Monster zum Menschen geworden — und ich bin so sehr mit mir selbst beschäftigt, dass ich das Gefühl habe, vor allem Eliza gar nicht genügend Herzlichkeit zurückgeben zu können. Dabei kann sie sich gar nicht vorstellen, wie unendlich dankbar ich ihr bin.
Mein Blick wandert zu den Koffern und Taschen, die Chase hereingetragen hat. Wie er mich kurz anlächelte, nachdem er sie abgestellt hatte. Es war, als wäre der dunkle Schrecken ausradiert und zurückgeblieben nur der gutaussehende Mann, der sicher auch in seiner Jugend im Grunde seines Herzens schon ein guter Mensch gewesen war. Wie sollte es auch anders sein, bei Eliza als Mutter? Sie ist der herzlichste Mensch den ich kenne.
Ich lasse mich rückwärts aufs Bett fallen, über das eine große Patchwork-Tagesdecke ausgebreitet ist, und starre an die Balken der Holzdecke. Die Mills haben drei von diesen kleinen Cottages und vermieten sie an Gäste. Eines davon ist nun meines, auf unbestimmte Zeit, und alles, womit ich bezahlen kann, ist meine Mitarbeit auf der Ranch. Ich werde alles geben um mich erkenntlich zu zeigen, so viel ist klar. Und ich muss vermutlich doppelt so hart arbeiten im Vergleich zu den anderen, um mit meinem vergleichsweise schwachen Körper mithal-ten zu können.
Ich schrecke zusammen als es an der Tür klopft. Stalker klopfen nicht an der Tür, alles gut, beruhigt mich meine innere Stimme sofort und ich stehe etwas mechanisch auf und öffne. Draußen steht Chase mit einem zurückhaltenden Lächeln.
,,Hey.“
,,Hey.“
„Bist du schon bereit für die große Tour?“
Verdammt nochmal, ich ertrage es kaum ihm in die Augen zu sehen. Als ich ihn noch gehasst hatte, war das einfacher gewesen, doch er hat meine negativen Erwar-tungen in der ersten Sekunde weggewischt und nun stehe ich da mit dem Albtraum meiner Jugend, der sich offensichtlich zum potentiellen Vorzeigeschwiegersohn entwickelt hat.
Er trägt noch immer die staubige Jeans und das weiße Shirt wie schon zuvor und natürlich den schwarzen Cowboyhut – den hatte er früher auch schon immer getragen. Zumindest die gleiche Farbe, der Hut von damals passt ihm sicherlich nicht mehr.
„Ähm, ja. Gerne.“
Sein Lächeln wird kurz ein wenig breiter, ehe er den Weg freimacht, mir selbiges mit einer Geste bedeutet und wir gemeinsam losschlendern. Ich bin nervös.
„An den Gebäuden hier hat sich eigentlich nicht viel geändert“, erzählt er, „bis auf das Haus dort drüben.“
Er zeigt auf eine Anhöhe am Waldrand, wo sich ein wunderschönes Blockhaus befindet, das sich fast einem Gemälde gleichend in die Landschaft schmiegt. Es hat eine riesige Fensterfront und eine großzügige Veranda, Details kann ich jedoch nicht erkennen, da es doch recht weit entfernt ist.
„Oh wow, das ist ja traumhaft. Wer wohnt dort?"
„Ich."
Natürlich. Ich Idiot. Wer sonst? Er konnte ja nicht mehr bei seiner Mutter im Kinderzimmer wohnen und wer sonst als ihr einziger Sohn sollte sich hier ein Haus bauen...
„Klar...“
Er lacht und boxt mich sanft in die Schulter. Ich lache ebenfalls. Als wären wir alte Freunde, dabei sind wir das Gegenteil. Doch ich würde es wirklich nur zu gerne vergessen. Und das Gefühl in meiner Magengegend offensichtlich auch...
„Was, ähm, arbeitest du?“, frage ich aus der Not heraus und um die Situation aufzulösen, schallt mich jedoch sofort selbst für die Frage, denn ich weiß, dass eine Gegenfrage kommen wird. Und das will ich doch ver-meiden... Wenigstens bin ich gut gerüstet für solche „Zwischenfälle“.
„Ich trainiere Pferde von Kunden und unsere eigenen. Hauptsächlich sogenannte Problempferde.“
„Du konntest immer schon gut mit Pferden.“
„Bei Pferden weißt du immer woran du bist. Der Feh-ler liegt nie bei ihnen – das macht es auf eine Art und Weise einfach.“
„Eine Einbahnstraße.“
„Sozusagen.“
Er sieht zu mir rüber: „Und was machst du?“
„Ich habe im Bereich Online-Marketing gearbeitet, brauche jedoch jetzt eine Auszeit um meinen Kopf frei-zubekommen. So ne Art Sabbatical“, lüge ich.
„Uh, du bist also jetzt das hippe Mädchen aus der Stadt und ich der altmodische Cowboy, der es nie von seinem Land runtergeschafft hat“, feixt er.
Ich lache und verkneife es mir es zu relativieren, ich habe noch einige schmerzhafte Treffer gut bei ihm: „Sieht ganz so aus.“
Er schmunzelt und ich meide seinen Blick vorsichts-halber. Himmel, ich kann nicht anders als es süß zu finden, wie er versucht sich schlecht zu machen und mir das Gefühl zu geben besser zu sein als er. Die Vorstel-lung, dass er sich für das schämt, war er mir alles angetan hatte scheint wohl zuzutreffen. Er ist mittlerweile ein aufrichtiger Mann der mitten im Leben steht, was damals passiert ist entspricht ganz offensichtlich nicht mehr seinem Moralkodex.
Wir kommen bei einem größeren umzäunten Areal an, in dem sich einige Pferde befinden. Er stellt einen Fuß auf die unterste Latte und stützt die Arme auf der obersten auf, wodurch sein Oberarm quasi in meinem Gesicht ist und ich nicht umhinkomme, seine Muskeln und die sonnengebräunte Haut einen Moment lang anzustarren. Sie kommen sicherlich aus keinem Fitness-studio, sondern sind das Produkt harter, ehrlicher Ar-beit.
„Das sind einige unserer Jungpferde, die wir kürzlich von den Weiden geholt haben. Sie sind noch ziemlich wild und kommen jetzt nach und nach in die Ausbildung.“
Die Jungtiere sehen uns mit großen Augen an und kommen uns zum Teil ein paar Schritte entgegen, trau-en sich jedoch nicht bis zu uns heran. Eines von ihnen, ein schwarzes mit weißem Stichelhaar, tritt etwas aus der Herde hervor und schnaubt mit hocherhobenem Kopf.
„Heeey“, beruhige ich es und streckte ihm meine Hand durch den Zaun hindurch entgegen.
Es steht nur noch eine weitere Armlänge von mir entfernt und hebt und senkt den Kopf ein paar Mal aufgeregt, weicht jedoch nicht zurück.
„Wie heißt es?“, flüstere ich.
„Sie haben noch keine Namen“, meint Chase.
Ich betrachte das Jungpferd und finde es jetzt, wo ich weiß, dass es nicht mal einen Namen hat, noch etwas wilder. Mit einem Mal geht ein Ruck durch den Pferde-körper und es geht zwei Schritte auf mich zu, streckt die Nase nach vorne und berührt ganz zögerlich meine ausgestreckten Fingerspitzen. Ich unterdrücke ein freudiges Kreischen und grinse Chase stattdessen versehentlich an wie ein Honigkuchenpferd. Als unsere Blicke sich treffen sehe ich jedoch schnell wieder zu dem Pferd zurück, das mit einem kleinen Bocksprung zurück zu den anderen hüpft.
„Ich zeig dir was“, sagt er und stößt sich vom Zaun ab, „Erinnerst du dich noch an Bell?“
„Bell? Na klar! Ist sie...“
Er antworte nicht, wirft mir nur einen geheimnisvol-len Blick zu und öffnet das große Tor des hölzernen Stalles.
„Hinten links“, sagt er und deutet auf die letzte Box. Beim Eintreten atme ich den geliebten und fast schon vergessenen Duft von frischem Heu tief ein und sehe mich sofort vor meinem geistigen Auge, wie ich hier drin herumgerannt und -gesprungen bin, Pferde geputzt und gesattelt habe und auf Abenteuer losgeritten bin.
Angekommen bei der letzten Box traue ich meinen Augen nicht: „Bell! Wie – wie alt ist sie?“
„ Dreiunddreißig. “
Die alte Schimmelstute, das Pferd meiner Kindheit und Jugend, hebt Heu kauend den Kopf und blickt uns gelassen an.
„Hey altes Mädchen“, ich strecke die Hand aus und streiche über ihr weiches Fell und die strähnige Mähne. Sie kommt mir vor wie ein lebendiges Relikt aus der Vergangenheit und mein Herz hüpft heute schon zum zweiten Mal vor Wiedersehensfreude. Es fühlt sich so an als wäre ich hier definitiv am richtigen Ort gelandet. Bell beschnuppert meine Hand und senkt anschließend wieder den Kopf zum Heu.
„Sie ist jetzt im Ruhestand und genießt das Leben“, erklärt er und ich kann nicht vermeiden ihn abermals anzulächeln. Unsere Blicke bleiben einen Augenblick länger aneinander hängen ehe ich wegsehe und nicht weiß, was ich jetzt sagen soll.
„Wir gehen heute Abend noch ins Billy Bo’s, vielleicht hast du ja Lust mitzukommen?“
Keine Ahnung was in meinem Kopf vorgeht, vermutlieh nicht wirklich viel, denn ehe ich drüber nachdenken kann kommt ein „ja, gerne“ über meine Lippen, ebenso wie ein schüchternes Lächeln.
Ist das ein Date?
Also... es ist zumindest sowas ähnliches.
Ist es klug ein Date zu haben?
Nein, ist es definitiv nicht.
Widerspricht es allen meinen Vorsätzen?
Definitiv.
Ich versuche meine Nerven zu beruhigen während ich mich bemühe mich nicht anzuziehen wie für ein Date, sondern möglichst lässig. Aber auch nicht zu langweilig. Also nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Gar nicht so einfach. Schon gar nicht bei den wenigen Klamotten die ich bei mir habe. Meine Entscheidung fällt nach einigen nervösen Runden des Kleidungsstücke-ausmeinem-Koffer-und-den-Taschen-Rupfens auf eine lockere Jeans mit festem Stoff, die über den Knöcheln hochgekrempelt und weit ist, am Po jedoch eng sitzt. Dazu ein ebenfalls lässiges, weißes Shirt, das ich in die Jeans stecke wodurch es gewollt pludert. Ein ganz normales Outfit also – gepeppt mit hochhackigen Sandalen befinde ich es als die perfekte Mischung. So gut wie kein Makeup und Haarstyling runden den natürlichen Look ab und ich gebe mich damit zufrieden.
Gerade noch stopfe ich alles, was ich unnötig ausge-packt habe, zurück in meine Gepäckstücke als es auch schon an der Tür klopft. Ein kurzer Ruck geht durch mich, ehe ich mir schon zum zweiten Mal heute sage, dass an die Tür Klopfen ein Zeichen dafür war, dass man sich bekannt gibt und keine bösen Spielchen treibt. Alles ist gut.
Ich öffne die Tür bemüht beiläufig und lächele Chase an, der in Jeans und hellblauem Shirt viel zu verdammt gut aussieht. Es ist völlig egal was er anzieht, er sieht offensichtlich immer zum Anbeißen aus, das hat sich seit unserer Jugend nicht geändert. Ganz im Gegenteil, er ist reifer geworden und vor allem die leichten Lach-fältchen stehen ihm ausgezeichnet. Eine ältere, sexyere Version des Jungen von damals. Was gehen mir überhaupt für Gedanken durch den Kopf?
„Bereit?“ Er hat die Daumen in den Hosentaschen und die Lachfältchen in seinem linken Mundwinkel, von seinem unschlagbaren, schiefen Lächeln, lassen unweigerlich etwas in meinem Bauch flattern. Was zur Hölle...
„Klar“, sage ich und zwinkere ihm zu ehe ich die Tür hinter mir schließe und wir in Richtung der Autos bei der Einfahrt gehen. Ich gehe bewusst einen viertel Schritt schneller als er um ihn nur im Augenwinkel zu sehen und nicht weiter durcheinander zu kommen. Funktioniert nicht wirklich.
„Das ist meiner“, sagt er und nickt Richtung eines großen, schwarzen Pickups. Natürlich fährt er einen großen, schwarzen Pickup. Was sonst. Schwarz wie sein Hut, den er ebenfalls trägt, und vermutlich auch schwarz wie die Tiefen seiner Seele. Ob er wohl auch im Bett ein böser Junge war? Okay, wie stoppt man diese Gedankenkarusselle?
Es ist zu schön um wahr zu sein, er sieht gut aus, er ist ein Gentleman, ich fühle mich wohl wie seit Jahren nicht mehr, das Bild meines Lebens scheint sich irgend-wie nach und nach zusammenzufügen und Sinn zu er-geben. Gleichzeitig fühlt sich alles an wie ein Rausch. Und nur zu gerne lasse ich mich mitreißen und möchte akzeptieren, dass mir einmal in meinem Leben etwas Gutes widerfährt. Einfach so.
Unfähig etwas zu sagen, was nicht wie ein Schmachten klingt, nicke ich nur und gerate völlig aus der Spur als er mir auch noch die Tür aufhält. Ich glotze ihn an.
Er lacht lauthals: „So macht man das im Westen. Haben sie das in der Stadt schon verlernt?“
„Ich... ähm... mir hat noch nie jemand die Tür von einem Auto aufgehalten“, stammele ich.
„Dann gibt es in der Stadt offensichtlich nur Idioten.“
Nun fehlen mir definitiv die richtigen Worte, also steige ich ein und nicke ihm verlegen lächelnd zu, wodurch er abermals lacht und die Tür zumacht. Er grinst als er um die Motorhaube herumgeht und ich versuche in den zwei Sekunden privater Zeit alleine im Inneren des Wagens meine Atmung, Mimik und mei-nen Herzschlag wieder unter Kontrolle zu bringen, ehe er auf dem Fahrersitz Platz nimmt.
Er startet den Wagen nicht, sieht mich an und lacht wieder, ehe er den Motor des Ungetüms endlich aufheulen lässt.
„Entspann dich, wenn du willst lass ich dich die Tür nachher selbst öffnen, wenn wir angekommen sind.“
Er fährt die Auffahrt hinauf.
„Das... wäre schön“, ich reiße mich zusammen, „du solltest mich nicht schon am ersten Tag so verwöhnen, am Ende schädigt es meine Moral.“
„Deine Moral?“, lacht er, „Ich glaube ich muss dich noch weitaus mehr verwöhnen um so manches wieder aufzuwiegen.“
Mir wird heiß und kalt. Bilder, die dort definitiv nicht sein sollten, erscheinen vor meinem inneren Auge. Auf diesen Bildern sind wir uns viel zu nah, sind viel zu innig und viel zu... nackt. Warum hat er diese Wirkung auf mich? Heute Morgen dachte ich noch ich würde meinem größten Albtraum gegenüberstehen und jetzt... habe ich ein feuchtes Höschen.
Mir bleibt eine Antwort im Hals stecken, während mein Inneres gegen meine mir entgleitenden Gefühle ankämpft. Er belässt es bei der Stille, was die Situation aber nicht unbedingt entschärft, ganz im Gegenteil.
„Bist du oft im Billy Bo’s?“
„Freitags nach der Arbeit in der Regel, öfter schaffe ich es mit der ganzen Arbeit nicht.“
„Das Wochenende einläuten.“
„Nun ja, ich habe nicht wirklich ein Wochenende um ehrlich zu sein. Es ist eher eine kurze Zwischenpause zwischen Arbeit und Arbeit.“
„Das klingt als wärst du ziemlich beschäftigt.“
„Nun ja, auf so einer Ranch gibt es immer etwas zu tun. Man arbeitet von morgens bis abends und hat nie das Gefühl fertigzuwerden.“
„Klingt... verlockend“, scherze ich.
„Besser als von neun bis fünf im Büro vor einem Bild-schirm zu sitzen.“
„Auf jeden Fall. Wer will schon eine Klimaanlage, dauerhaften Zugang zu Kaffee und geregelte Arbeitszei-ten.“
„Eben“, er bringt mich kurz wieder mit den Lachfält-chen in seinem Mundwinkel aus der Fassung, ehe er die schnurgerade, breite Kiesstraße die vor uns liegt entlang in die Ferne sieht und ernst wird, „Nein ehrlich, ich liebe die Arbeit mit den Pferden und unter freiem Himmel. Man ist die meiste Zeit im Hier und Jetzt und fangt nicht an sich in seinem eigenen Kopf im Kreis zu drehen.“
„Du arbeitest also so viel um dich nicht mit dir selbst beschäftigen zu müssen.“ Es hätte ein Scherz sein sollen, doch er lacht nicht. Ich sehe, wie er mir aus dem Augenwinkel einen ganz kurzen Blick zuwirft, während es wirkt als wäre er mit den Gedanken wo anders.
„Wahrscheinlich“, antwortet er schließlich und ver-sucht gleichgültig zu klingen, doch es gelingt ihm nicht so recht. Nun ja, laufen wir nicht irgendwie alle vor irgendetwas davon? Ich selbst bin ja nun wirklich alles andere als eine Ausnahme.
„Und... läuft es gut mit der Ranch? Also könnt ihr gut davon leben?“, fragt ich nach einer Weile um der Stille wieder zu entgehen und weiter über ihn zu reden, bevor er auf die Idee kommt mich auszufragen.
„Es war nicht ganz einfach am Anfang, nachdem Dad uns verlassen hatte. Aber mittlerweile konnte ich mir einen Namen in der Szene machen und das Geschäft läuft ganz gut.“
„Und arbeitest du auch mit so richtig wilden Pferden?“
„Was ist denn ,so richtig wild‘?“ Er lacht.
„Nun ja, solche wie sie im Fernsehen zeigen.“
Er lacht abermals: „Ich komme selten in den Genuss eines Fernsehabends, aber ich nehme mal an, ja.“
Ich mache große Augen: „Und hast du dich schon oft verletzt?“
„Zumindest öfter als mir lieb ist. Auf den Teil könnte ich gut verzichten.“
„Wow, okay“, staune ich und überlege dann kurz, „Ich hab mir eigentlich noch nie selbst ernsthaft weh getan bei irgendwas.“
„Aber jemand anders schon?“, lacht er.
Ich gefriere auf meinem Sitz, dieser Konter kam un-erwartet. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, wie ich rea-gieren soll, hoffe nur, dass er meine Reaktion nicht bemerkt. Mein Gehirn ist wie leergefegt, unfähig einen Gedanken zu fassen, der eine Erwiderung zulässt und das Gespräch umlenkt.
Vor lauter Schock habe ich keine Ahnung, ob er es mitbekommen hat, versuche mich jedoch aus meiner Starre zu winden, als er das Thema wechselt.
„Was hat dich eigentlich wieder hierher verschlagen?“
„Ach, ein wenig Auszeit...“, sage ich meine einstudierte Geschichte auf, „ich kann ja theoretisch von überall arbeiten in meinem Beruf und da dachte ich, es wäre schön, Eliza mal wieder zu sehen und ein wenig Zeit hier auf der Ranch zu verbringen.“
„Auf mich hast du dich nicht gefreut?“, grinst er.
„Nun ja...“
„Verdammt, ich war ein richtig großes Ekel in unserer Jugend.“
,J,up.“
„Ich weiß, ich kann es nicht entschuldigen und auch nicht rückgängig machen, aber es tut mir verdammt leid, was wir damals alles mit dir veranstaltet haben.“
„du.“
„Ja, hauptsächlich ich... Ohne Witz, es tut mir wirklich verdammt leid. Ich war ein absoluter Vollidiot damals.“
„Du meinst also das hat sich geändert?“
Er lacht: „Ich denke schon. Davon abgesehen hast du mir Ja die Grundlage meiner Boshaftigkeiten entzogen.“
„Du meinst, weil ich nicht mehr fett bin?“
Er räuspert sich beschämt: „Nennst du die Dinge im-mer so beim Namen?“
„Ja, warum nicht?“
Er lacht: „Ist nur ungewohnt. Du bist ziemlich..
„Was?“
„Geradeaus.“
„Problem damit?“
„Nein, nur ungewohnt. Aber interessant.“
Interessant. Aha. Er findet mich also interessant?
„Na ja“, sage ich, „ich bin jedenfalls froh, dass du nicht mehr so ein Scheusal bist.“
„Bist du dir da sicher?“, grinst er.
„Noch nicht ganz.“
Bei Billy Bo’s angekommen steigt meine Nervosität wieder, die sich während unseres Gesprächs ein wenig gelegt hatte. Ich springe möglichst schnell aus dem Au-to, damit er mir ja nicht wieder die Tür aufhalten kann. Noch einmal würde ich das nicht ertragen!
Der Name „Billy Bo’s“ prangt in Leuchtbuchstaben über dem Gebäude in der Dämmerung und die Abendluft ist angenehm kühl. Chase lächelt mich an als er um das Auto herumgeht und ich folge ihm über den asphal-tierten Parkplatz zum Eingang. Wir warten entgegen des Schildes nicht bis eine Bedienung uns einen Platz zu-weist, sondern steuern direkt auf ein paar Leute, die an der Bar sitzen, zu. Chase und die Männer dort begrüßen sich lautstark mit Handschlägen und Schulterldopfern. Matt ist auch da. Er wirft mir einen kurzen Blick zu und nimmt dann einen Schluck aus seinem Glas.
„Darf ich vorstellen, Hope. Sie wird eine Weile bei uns auf der Ranch bleiben.“
Musternde Blicke wandern in meine Richtung und ich winke verlegen. „Hi.“
Mir entgeht die ein oder andere Reaktion nicht und einer der Männer klopft Chase lachend auf die Schulter, während mir ein kurzer Schwall an Begrüßungen entgegenkommt.
„Komm, setzen wir uns dort rüber“, Chase deutet auf zwei leere Plätze am Ende der Bar.
„Willst du nicht bei deinen Freunden sitzen?“
„Ne, die kommen schon ohne mich zurecht.“
Ich folge ihm abermals zu den freien Barhockern und nachdem wir Platz genommen haben, blicke ich mich um und komme mir trotz all meiner versuchten Bescheidenheit ein wenig overdressed vor. Also hochhacki-ge Schuhe hat hier ganz definitiv niemand an und mit meinen kurzen, blonden Haaren leuchte ich gefühlt aus der Menge hervor. Die meisten hier sind Rancher oder Farmer, die nach getaner Arbeit noch ein paar Bier ge-nießen wollen, viele von ihnen haben nicht mal frische Klamotten angezogen... Es sind auch einige Frauen da, die Bekleidung begrenzt sich jedoch auch hauptsächlich auf Flanellhemden, Jeans und Stiefel. Nun ja, zu spät um sich über das Outfit Gedanken zu machen.
„Du siehst gut aus", reißt Chase mich aus meinen Überlegungen und katapultiert mich sofort in eine Verlegenheit. Ich starre ihn an. „Nein, ehrlich, die meisten Frauen hier wissen gar nicht, dass es Schuhe mit Absatz überhaupt gibt.“
„Ich fühle mich zugegebenermaßen ein klein wenig overdressed. Aber... danke."
„Keine Angst, sie werden dich nicht mit Mistgabeln durch die Straßen jagen und aus der Stadt vertreiben“, lacht er und bedeutet dem Barkeeper mit einem Fingerzeig, dass er zu uns kommen soll.
„Hast du Hunger?“, fragt er.
Mein Blick sagt vermutlich alles, denn er lacht und reicht mir die Menükarte vom Barkeeper weiter. Wir bestellen uns etwas zu Essen und unterhalten uns währenddessen nach und nach sehr ausgelassen. Wie alte Vertraute, die wir aber eigentlich nicht sind, denn in der Vergangenheit waren wir definitiv nicht vertraut gewesen. Doch das Gefühl, in seiner Nähe erwünscht und sicher zu sein, wird immer stärker, ebenso wie die Blickkontakte länger werden. Seine Augen muss ich eigentlich noch zu der Aufzählung hinzufügen: Schwarzer Truck, schwarzer Cowboyhut, schwarze Augen. Sieht man eine Sekunde zulange hinein, versinkt man darin und sie ziehen einen in einen faszinierenden Bann, ähn-lich dem tiefdunklen Nachthimmel.
„Was dagegen, wenn wir noch zu meinen Leuten rüber sehen?“
Er legt eine Hand auf mein Knie und sofort breite sich unerwartet ein warmes Gefühl in meinem gesamten Körper aus. Ich nicke und hätte am liebsten nach ihm gegriffen, als er seine Hand mit einem Lächeln wieder wegnimmt und aufsteht. Fast schon benommen folge ich ihm. Er ist der erste Mann, der mich berührt hat, seit... Irgendwie habe ich gedacht, es würde sich unan-genehm anfühlen, mich vielleicht sogar ängstigen. Doch nichts dergleichen verspüre ich. Da ist eigentlich nur ein unendlich großer Wunsch, mich fallenzulassen und zu vertrauen.
Seine Freunde sind offensichtlich in Feierlaune - eventuell sind sie das auch jeden Freitag, wer weiß – und begrüßen uns grölend. Noch ehe ich mir alle Gesichter einprägen kann, drückt mir schon einer von ihnen ein Schnapsglas in die Hand. Scheiß drauf, denke ich mir und stoße mit ihnen an. Mein Leben ist so verdammt verkorkst, ich kann mir einen Abend Spaß gönnen, oder? Das habe ich mir verdient. Und was soll schon passieren? Ich bin hier vermutlich so sicher wie an keinem anderen Ort.
Der Abend nimmt seinen Lauf, wir lachen viel, trinken viel und ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so glücklich gefühlt habe. So glücklich und so... frei. Unbeschwert. Und wann mein Herz das letzte Mal so gepocht hat. Chase hat den Arm um mich gelegt, ist ganz nah bei mir und ich genieße seine Nähe, verliere mich einfach darin. Versinke darin. Sein Duft hüllt mich ein und benebelt mich beinah noch mehr als der Alkohol.
Irgendwann lotst er mich von den anderen weg und aus dem Restaurant hinaus in die Dunkelheit der Nacht. Ich bin glücklich. Verdammt, bin ich glücklich. Ich schmiege mich an ihn, habe die Arme um seinen Bauch gelegt und stolpere neben ihm her. Unter dem T-Shirt-Stoff lassen sich eindeutig die Konturen von Muskeln erspüren und dieser Duft... Er riecht nach Wildnis, nach Freiheit, Sicherheit und definitiv auch ein wenig nach Whiskey und einer verrauchten Bar nebst seinem Parfüm. Eine unverschämte Mischung.
Es ist so leicht. Immer wieder so leicht. Man gibt den zuvorkommenden, höflichen Mann und die Damen schmelzen dahin. Sicherlich ist es auch nicht von Nachteil, dass ich ein gewisses Aussehen habe und weiß, wie man mit Frauen umgehen muss um zu bekommen, was ich will.
Und ich habe Hope gewollt, seit sie aus diesem schrottigen, roten Pickup gestiegen ist.
Sie ist nicht mehr mit der molligen Jugendlichen zu vergleichen, sie ist verdammt sexy und verdammt schön und hat irgendetwas an sich, das mich in ihren Bann schlägt. Vielleicht ist es etwas Verletzliches oder auch etwas Unschuldiges, ich kann es noch nicht sicher sagen. Eigentlich setze ich mich ohnehin schon viel mehr mit ihr auseinander als mit anderen Kandidatinnen. Im Gegensatz zu ihnen hat sie mich jedoch auch das ein oder andere Mal fast aus der Façon gebracht mit ihren Fragen, als hätte sie hinter meine Fassade geblickt. Sie ist nicht ganz die Art Frau, die ich sonst um meinen Finger wickele. Der Unterschied ist, dass Hope es ur-sprünglich nicht auf mich abgesehen und mich vermut-lich heute Morgen sogar noch ziemlich gehasst hat. Doch das verleiht dem Ganzen ein zusätzliches Feuer und macht es nur umso interessanter.
Ich parke meinen schwarzen Dodge in der Einfahrt, wie ich es immer tue, und diesmal öffne ich ihr abermals die Tür. Vermutlich ist sie ohnehin zu betrunken um es selbst zu tun. Sie fällt mir regelrecht in die Arme, kichernd, und ich packte die Gelegenheit beim Schopf. Mit einer schnellen Bewegung presse ich sie gegen den Wagen, packe ihren Nacken und küsse sie. Ich frage nicht lange, ich nehme mir, was ich will. Sie schmeckt süß, sie schmeckt betrunken und weich und ihre blonden Haare leuchten regelrecht in der Dunkelheit, wie sie über mein Handgelenk streifen. Hope beißt mich unerwartet in die Unterlippe und ich ziehe mich überrascht zurück. Okay, ich hätte sie eher in die Kategorie brav und folgsam eingeordnet, aber mit frech und vorlaut kann ich auch umgehen.
„Ups“, sie beißt sich auf die Unterlippe und lächelt entschuldigend. Verdammt, sie sieht so süß aus – und viel zu unschuldig.
Ich schlage die Autotür zu und ziehe sie hinter mir her in Richtung ihres Cottages. Auf der kleinen Veranda ziehe ich sie abermals an mich, küsse zuerst ihre Lippen und dann die helle, weiche Haut ihres Halses. Als ihr ein Seufzen entfährt spüre ich, dass sie zu Wachs in meinen Händen wird.
„Du musst aufsperren“, raune ich ihr ins Ohr und sie kichert wieder.
Sie dreht sich um und fummelt mit dem Schlüssel am Schloss herum. Ich lasse sie machen, auch wenn es dau-ert, und begutachte genüsslich ihre Rückansicht. Mein Schwanz regt sich in meiner Hose. Verdammt, ich kann es nicht erwarten, ihr diese Jeans auszuziehen...
Die Tür geht endlich auf und sobald wir über die Schwelle ins Innere treten gibt es kein Zurück mehr. Ich bugsiere sie rückwärts mit der Hand an ihrem Kinn zum Bett ohne damit aufzuhören sie zu küssen. Ungeduldig ziehe ich das lockere T-Shirt aus ihrer Hose und über ihren Kopf. Es fliegt irgendwo in die Ecke. Ich streiche kurz über die nackte Haute ihres Dekolletés und gehe dann einen Schritt zurück. Während ich sie betrachte wie sie dort in ihrem hellblauen Spitzen-BH sitzt ziehe ich mir ebenfalls mein T-Shirt über den Kopf und sehe in ihrem Gesicht dieselbe Reaktion, die ich immer sehe: Begierde. Ich sage ja, es ist leicht...
Ich entledige sie ihrer Hose und sauge beim Anblick ihres Tangas und des knackigen Pos, auf den ich mich schon den ganzen Abend gefreut habe, scharf die Luft ein. Oh verdammt, wie sehr ich sie will. Ich öffne mei-nen Gürtel und lasse auch meine Hose verschwinden und sie macht große, beinah schon ängstliche Augen. Offensichtlich denkt sie, dass ich einen Blowjob von ihr erwarte, wie mir klar wird und was mich in der Tat amüsiert. Ich fasse ihr Kinn, beuge mich auf ihre Höhe hinunter und schüttele nur leicht den Kopf, ehe ich sie küsse und weiter auf dem Bett zurückdränge, bis wir beide darauf Platz haben.
Sie ist unter mir und wirkt im Gegensatz zu mir so zart, klein, beinah zerbrechlich. Ihre großen, blauen Augen blicken zu mir auf, ihr Mund ist leicht geöffnet und das süße, kleine Kinn vorgestreckt. Sie wirkt so... beschützenswert.
Doch Beschützen ist nicht das, was ich in diesem Moment tue. Und auch nichts worin ich gut bin.
Es ist nicht das, was ich im Sinn habe.
Und es ist nicht das, wozu ich in der Lage bin.
Trotzdem halte ich kurz Inne – sind das Gewissensbis-se? Seit wann habe ich solche Gedanken? Eine Berührung zwischen meinen Beinen reißt mich aus diesen Überlegungen und katapultiert mich schlagartig zurück. Hope hat ihren Blick dorthin gesenkt, wo ihre Hände gerade meine harten Eier und meinen Schaft massieren und sieht langsam wieder zu mir auf. Das ist zu ver-dammt gut. In diesem Moment sind jegliches Denken und auch alle Bedenken wie weggefegt. Ich sehe nur noch sie in all ihrer Unschuld und Begierde und denke mir, dass sie verdammt nicht weiß, worauf sie sich hier eingelassen hat... Doch es ist mir egal. Sie ist wie die Maus, die vor ihrem Loch sitzt und in Sicherheit wähnend ein paar Körner futtert, während die Katze sie schon lange erspäht hat und den Moment noch ein wenig genießt, ehe sie sich auf sie stürzt.
Kopf aus.
Verlieren.
Dafür mache ich das hier.
Nun geht alles noch schneller als zuvor, ich küsse ihre Lippen, ihren Hals, ihre Brüste... entledige sie des BHs und wandere weiter über ihren Bauch zu ihrem Slip und überlege kurz, beschließe jedoch ihn dort zu lassen wo er ist. Bereits durch den Stoff hindurch spüre ich, dass sie mehr als bereit ist, lasse es mir jedoch nicht nehmen, selbigen zur Seite zu ziehen und sie sowohl mir meinen Fingern als auch meiner Zunge weiter anzufeuern. Sie windet sich, krallt ihre Finger in das Bettlaken und in mein Haar. Als ich die Anfänge eines Vibrierens in ih-rem Körper fühle ziehe ich mich zurück und sie wimmert.
Ich knie mich hin und legte den Finger auf meine Lippen. Sie wird gleich bekommen, was sie will. Sie muss nur noch kurz ein braves Mädchen sein. Ohne sie aus den Augen zu lassen, wie sie da nackt und bereit und einfach göttlich vor mir in den Kissen liegt, streife ich meine Boxershorts ab, ein Kondom über und ziehe sie zu mir nach oben. Sie keucht. Ich halte sie an ihrer Tail-le so nah bei mir, dass wir Stirn an Stirn sind, gebe ihr jedoch nicht den Kuss, nachdem sie sich verzehrt. Statt-dessen lächele ich beinah schon boshaft und wirbele sie mit einer einzigen Bewegung herum und sie greift re-flexartig nach dem Kopfende des Bettes.
