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In den neuen Gedichten von Michael Lentz geht es buchstäblich um alles – von A bis Z, von der Kindheit bis zum Tod. Im Zentrum steht nicht zufällig das Gedicht von einem Kind, das eine tote Amsel gefunden hat. Und beide, Kind und Gedicht, wollen die Amsel wieder zum Singen bringen. In immer neuen Anläufen geben sich die neuen Gedichte von Michael Lentz der schöpferischen, lebendigen Kraft der Sprache hin und ziehen dabei vom Gebet bis zum Anagramm alle Register. Das hat etwas Barockes und Romantisches und kühl Modernes und zielt doch immer auf das Ganze unserer Existenz.
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Seitenzahl: 67
Veröffentlichungsjahr: 2023
Michael Lentz
Gedichte
In den neuen Gedichten von Michael Lentz geht es buchstäblich um alles – von A bis Z, von der Kindheit bis zum Tod. Im Zentrum steht nicht zufällig das Gedicht von einem Kind, das eine tote Amsel gefunden hat. Und beide, Kind und Gedicht, wollen die Amsel wieder zum Singen bringen. In immer neuen Anläufen geben sich die neuen Gedichte von Michael Lentz der schöpferischen, lebendigen Kraft der Sprache hin und ziehen dabei vom Gebet bis zum Anagramm alle Register. Das hat etwas Barockes und Romantisches und kühl Modernes und zielt doch immer auf das Ganze unserer Existenz.
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Michael Lentz, 1964 in Düren geboren, lebt in Berlin. Autor, Musiker, Herausgeber. Zuletzt erschienen: »Warum wir also hier sind« (Theaterstück), »Offene Unruh« (Gedichte), die Essay- und Aufsatzsammlung »Textleben«, die Frankfurter Poetikvorlesungen »Atmen Ordnung Abgrund«, »Schattenfroh. Ein Requiem« (Roman) sowie »Innehaben. Schattenfroh und die Bilder«, alle bei S. FISCHER und bei FISCHER Taschenbuch.
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Erschienen bei FISCHER E-Books
© 2023 S.Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main
Covergestaltung: KOSMOS – Büro für visuelle Kommunikation
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Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-491211-0
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chora
HAUS
der mensch ist diese nacht
VER
nehrung landzunge weissagung sterbeschneise
feuerabend strahlte auf im linden elternpark
kainer und aber
zḫn
oma hat nie das meer gesehen
stille feiung
FADEN
sehnarj
es war taboo
amo volo ut sis
gehen geht
da schwinnt unser kind
habe nun den text meines lebens
ICH
risse mit echo
perform the storm
o mein lateralsinn
innan
SPRÜNGE
ICH
anders als sein
ghu
stilbe tod
STAAT
das wichtigste: besen.
desorganisieren
wut dosieren
»aber ich liebe doch«
binde der räume
adoneus helmut
anlass zu etc.
FALTE
holunder
draußen innen
doppelter schillerparabol
kunst ist mangel
krabats zementgenie
tikkun
undsoweiter
rheinische sprachhängung
3
4
5
6
7
8
9
10
11
chora
hora
ora
ra
a
ara
aora
ahora
achora
dies ist chora die nacht der mensch hängt einem entgegen
er hat ein puppenspiel noch offen und es wird
auch vernünftig gesprochen allein seine puppen verstehen ihn nicht
sie spielen nacht die der mensch ist sie haben seinen kopf
aufgemacht dies leere nichts darin die bilder
wohnen in der guten stube da klirrt die scherbe
hand hinein es wird noch munter rein gemacht
die krone fällt durchs leere haupt ein leises gemerk
gehört aufs haupt fällt durch vertönt wo ist die krone
doch die krone ist das bild ein scheußlicher happen
trost es ist ein reines selbst eine weiße gestalt
ein blutiger kopf wird aus dem deut hervor gezogen
das stumme gezwitscher rohrstock der schrecken der eigenen stimme
im gesicht die jammervolle mutter gibt
das kind der strafe frei wird selber kind das über
mutter klagt die harsch im panzerkleid in ferne
bilder rückt von der hand mehr überzeichnet als
geschrieben hinter duldendem vorhang in blöße der alles
habseelen beherbergt geheimnis und trauer das ist fast gott
labil und bleibend initial und stets noch immer
wieder endgültig suspendiert ein dulden das nicht
zugelassen ist ich lese mich im vorhang
ich tu mich und gebe mich und bin ins wort geschmolzen
das mutter nicht sagt ich bin ihr epiphänomen
kein strich ist tot das zeigen die thränen das bild ist ein punkt
auf dem würfel es wird auch viel gesungen von sündenlall
und es äugeln die augen darin erblickt man die nacht
die furchtbar wird die in mich eingedrückten figuren
krankheit in büchern zeichen des körpers ein anderer
befall tritt den dienst an passe partout für das sarx der distanz
mein kreas augenglut und aufschub ach könnte ich
im sichtbarwerden verschwinden chora sein ich hieße
immer anders dass du mich nicht mehr brennst und nicht
benennst denn name heißt ablage marke wiederholung
den eigenen auszusprechen hat mutter mir untersagt
er ist ihr sonntagsstaat ihr halfter zaoum- und halbzeug
insistiert auch der gerufene name in mir
als bloßes zeichen das jede vorstellung beherrscht
und sinkt hinab in den unbegriffenen kern der streuung
der umschrift und löschung gibt es mich doppelt als selbst und schmelze
in mein eigen lagert sich kein name ab
nur stimmen stunden ōra sonne immer anfangs
nur hyle sein und amorphon vor lauter liebe
kein anspruch kein verspruch kein freispruch kein vorspruch kein
kernspruch kein zuspruch
mutters zärtlichen händen ein versiegeltes relief
die versammlung roter figuren im schub der garderobe
hat teil an der handschuhe herrschaft ihrer gewaltigen glätte
kanevas macht ihre lage bodenlos
sie können schießen sie schießen vater und mutter über
den haufen eine helle stickerei im handschuh
beerdigt kanevas gegen schrankpapier getauscht
die verborgene seite des papiers mit meinen namen
gezeichnet das ist die zwitschernde grundschrift was auch geschieht
es geht aus den namen hervor die vorräte schwinden im keller
pech tropft das geländer herab und fließt in die ohren
insekten rascheln in den schütten aus glas und garer
schimmel zieht die wände hoch es läuft das zu heiße
bad löst das fleisch löscht den namen nun hat es eine woche
zeit zu danken es wird hier viel geschlichen aber
mutters gesicht ist mir entfallen gesagtes ein klumpen
ein fitzel ein knorz ein gran das kommt jemand picken da fliegt der
zugvogel messer das hat der esser den die spur
betrifft in einem alten fitt ab gelesen
frühe filme für wesen die man wegschrecken muss
mit ordnung doch der gewinnt nicht der die augen zur blindheit
überreden will und mutter wusste nicht mehr
was sie machen sollte dieser traum muss mich be
wegen in der truhe wohnt die hexe hortet
das geld das ganze geld aus der schatulle das ent
sprechend setzliche ich höre fitze fitze
flitze ritz die plitz und pitze fitz die platz
schlüsselgeräusche beenden das als es sich selbst
geräuche gerüche gebräusche schussel schuss und schüssel
das allgemeine absolute und das jäh
besondere dazwischen findet nichts statt so bleibe
ich die mich bewegende michselbstgleichheit
ganz ungestalt und durchscheinbar es stört da nur
familia und famulus ein hīwisch und weg
ein feuerinselchen feuermal unterm dach entfacht
beim abendrot wird stumm gezählt und spät gelöscht
die luntenpuppen riechen vergehen stottern verkündung
berauscht das dach begehen schindelnder tanz und sturz
dass auch bedacht der schindeln tanz und sturz begehren
begeht das dach der tanz berauscht die schindel stürzt
auf dem parkett die krume magen übers knie
das eck der eingenamten luft im leeren haus
das leere kind das wird jetzt täglich kaltgestellt
es steht sich tot in jenem eck der strich wird aus
radiert es selbst allein das ist sein einziges
begehr die bilder ausradieren die in ihm sprießen
das läuft in den puppen ab ganz ohne bekümmern sagen
