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Dich auf einen Hund einzulassen ist noch intimer als eine Hochzeit. Du lernst ihn kennen, verliebst Dich und bist bei ihm - bis dass der Tod euch scheidet. Und welch ein Wunder - das Tier akzeptiert dich ohne Wenn und Aber. Die Dackelwelpe Cindy hat Glück mit "Ihren" Menschen. Doch das Leben hält nicht nur eitel Sonnenschein bereit.
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Seitenzahl: 57
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Sonja Arrich
Cindy
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Cindy
Ein neuer Hausgenosse
Impressum neobooks
Mir ist kalt und ich kuschle mich an meinen Lieblingsbruder.
Er ist der größte meiner drei Brüder, und weil ich seine einzige Schwester bin, liebt er mich ganz besonders.
Oh, was ist das schon wieder, das Licht geht an. Aber es ist doch noch nicht vier Uhr und Futterzeit! Immer wenn das Licht im Stall angeknipst wird, gibt es sonst Essen.
Was sind denn das für Stimmen? Die habe ich ja noch nie gehört. Ich weiß schon, wie Menschenstimmen klingen. Obwohl ich sie oft gehört habe, habe ich immer große Angst davor. Sie flößen mir kein Vertrauen ein! Ich habe nie vergessen, dass im Zusammenhang mit diesen Menschenstimmen ich und meine Brüder von meiner geliebten Mutti getrennt wurden.
Jedes mal, wenn diese Stimmen erklangen, wurde Mami ganz unruhig und oft zitterte sie am ganzen Körper. Meine Brüder und ich bekamen dann auch immer Angst.
Aber da ist ja eine zarte Frauenstimme zu hören.
Ich fange diesmal gar nicht an zu zittern wie sonst. Mein erster Bruder springt auf und hopst dem Licht und dieser Stimme entgegen. Er war schon immer schlauer und mutiger als ich, und was er tut, muss schon richtig sein.
Ich bleibe lieber in meiner Ecke und beobachte die Situation von diesem sicheren Platz aus.
Die Frau nimmt meinen Lieblingsbruder auf ihren Arm und sieht ihn ganz lieb an. Ich glaube fast, sie will ihn mitnehmen, und meinem Bruder scheint dies auch zu gefallen.
Ich bin schrecklich traurig, stecke mein Köpfchen aus dem sicheren Versteck hervor um die Situation genauer beobachten zu können.
Jetzt kann ich die Frau ganz genau sehen. Sie hat so liebe Augen und auch ihre Stimme flößt mir Vertrauen ein.
Da steht auch ein Mann neben ihr. Sein Kopf ist fast so groß wie mein ganzer Bruder. Seine Stimme gefällt mir auch. Er sagte immer nur: ,,Den nehmen wir, der springt am höchsten“.
Wen meint er denn damit, und was meint er?
Plötzlich begreife ich, mir wird ganz warm ums Herz, ich möchte auch mit. Außerdem möchte ich da sein, wo auch mein Lieblingsbruder ist.
ICH WILL MIEET!
Auch würde ich gerne hochspringen und laut bellen, aber meine Angst ist zu groß und außerdem schmerzt mein kleiner Rücken. Er schmerzt immer, wenn ich mich zu schnell bewege. Also bleibe ich ganz traurig in meiner Ecke liegen. Ich denke, es wird schon alles so sein müssen wie es ist.
Traurig sehe ich beiden Menschen und meinem lieben Bruder nach. Ich lege meinen Kopf ins feuchte, übel riechende Stroh und Tränen steigen in meine Augen.
Was ist das? Die nette Frauenstimme klingt lauter, ich glaube fast, sie kommen zurück! Ja, die Frau beugt sich über die Box, setzt meinen Bruder zurück ins Heu und zeigt mit ihrem Finger in die Ecke, in die ich mich traurig zurückgezogen habe und sagt: ,,Was ist denn das, was sind das für große traurige Augen, den möchte ich nur einmal auf den Arm nehmen.“
Oh Gott, mir bleibt das Herz stehen, ich glaube, sie meint mich! Das ist meine Chance aus diesem stinkenden Elend herauszukommen. Ihr gefallen meine großen Augen und mein trauriger Blick. Und da ich ja ein schlauer Dackel bin, reiße ich meine Augen so weit auf, wie ich nur kann und setze meinen traurigsten Dackelblick ein.
Die kleine Frau hat genauso liebe dunkle Augen wie meine liebe Mutti und sie sieht mich auch genauso liebevoll an, wie Mutti es immer getan hat. Ich glaube fast, diese Frau mag mich gern.
Oh Gott, die Box geht auf und der strenge Futtergeber kommt auf mich zu. Ich habe wie immer Angst vor ihm und jetzt zieht er mich unsanft aus meinem Versteck hervor. Mein kleiner Körper zittert wie ein Lämmerschwanz, ich sterbe gleich vor Angst.
Die Frau kommt auf uns zu und nimmt mich sanft aus den groben Händen dieses Mannes. Oh, die Hände dieser kleinen Frau sind warm und weich, sie streicheln mein struppiges verdrecktes Fell und sie drückt mir einen liebevollen Kuss auf meine heiße Schnauze.
Das hat noch nie ein Mensch mit mir getan.
Auf einmal wird es mir ganz warm ums Herz, ich fühle mich plötzlich sicher und so wohl, wie einst bei meiner lieben Hundemami.
Das gefällt mir!
Plötzlich hält mich diese Frau von ihrem warmen Körper weg. Mit den Worten: ,,Schatz, die gefällt mir, die Kleine möchte ich nehmen“, wendet sie sich an den großen Mann neben ihr.
Oh, was passiert, wenn dieser Mann NEIN sagt?
Vor Angst fange ich wieder an zu zittern und klammere mich ganz fest an diese kleine Frau. Meine Nase ganz fest an ihren Hals gedrückt, flüstere ich ihr in das Ohr: ,, Nimm mich bitte mit, ich werde dich immer lieben, mein ganzes Leben lang.“
Es stimmt gar nicht, dass Menschen die Sprache der Tiere nicht verstehen können. Diese Frau muss mich sicher genau verstanden haben, denn nach meinen flehenden Worten drückt sie mich ganz fest an sich und ohne sich noch einmal umzusehen geht sie, mit mir auf dem Arm, hinaus.
Auch ich drehe mich nicht mehr um. Die Stimmen meiner Brüder, besonders die meines Ältesten verklingen im Rausche meines Glücks.
Der große Mann legt seinen Arm um die kleine Frau, an die ich mich fest klammere, und gemeinsam gehen wir drei ins Freie.
Oh, ist die Welt groß, und die frische Luft dringt tief und wohltuend in meine kleinen Lungen.
Ich bin das erste Mal in meinem Leben an der frischen Luft und zum ersten Mal kann ich sehen, wie groß diese Welt ist. Etwas Angst überfällt mich und schon wieder fange ich an ein wenig zu zittern. Die kleine Frau muss sehr einfühlsam sein, denn sie merkt meine Unsicherheit, steckt mich unter ihre warme Jacke und drückt mich ganz fest an sich. Ich glaube, sie mag mich!
Wir steigen in eine große Box, ein dumpfes Brummen ertönt und dann gibt es einen kleinen Ruck. Ich bin schon ein bisschen mutiger und mit einem Auge schiele ich aus der schützenden Jacke der Frau hervor.
Oh, oh, was ist denn jetzt passiert, die ganze Landschaft bewegt sich auf einmal und wenn ich zur Seite schaue, laufen die schneebedeckten Bäume und Häuser an uns vorbei.
Die kleine Frau flüstert mir ins Ohr:
,,Cindy, Autofahren, wir fahren nach Hause“.
Ich begreife nicht ganz, was ihre Worte bedeuten. Aber mein Gefühl sagt mir, ,,nach Hause“ das kann nur etwas schönes bedeuten.
Zufrieden lege ich mich auf ihren Schoß und genieße die neuen Eindrücke. Diese große Box nennen die Menschen also AUTO.
Nach einer kurzen Weile halten wir an. Beim Aussteigen halte ich mich an der Frau ganz fest, damit ich sie in der großen Welt nicht verliere.
Egal, was jetzt passiert, sie wird ganz sicher auf mich aufpassen!
