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Für seine Ausbildung zum Geschichtenhüter soll sich der junge Abubakar mit "Circles", einem unscheinbaren Büchlein aus der Bibliothek von Sarandis beschäftigen. Die sieben darin befindlichen Kurzgeschichten, handeln von unterschiedlichen Schlüsselmomenten im Leben der Protagonisten, deren Wege teilweise miteinander verbunden sind. So geht es etwa um die Erlebnisse der Kolkrabin Lorana, die sich nach einem schmerzhaften Verlust von den Menschen abwendet und nach einem neuen Lebensraum sucht.
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Seitenzahl: 26
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Denise McConnell
Circles
Das Buch zur ersten Staffel von "InSzene - eine Hörgeschichtensammlung"
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog – Die Bibliothek von Sarandis
Rabenwinter
Die Birke – Vier Mal einzigartig
Der verschmähte Eisvogel
Himmelskörper-Romanze
Eine unmögliche Entwicklung
Sonnenaufgang – Sonnenuntergang
Der Lebensbaum
Epilog – Die Geschichte der Erinnernden
Impressum neobooks
Seit drei Jahren arbeitete der junge Abubakar als Lehrling in der Bibliothek von Sarandis, einem Land in der magischen Welt Dhaum Díriochta. Schon früh hatte er davon geträumt, eines Tages Geschichtenhüter zu werden. So wurden die Gelehrten genannt, die sich um den Erhalt und die Niederschrift geschehener und erdachter Ereignisse aller ihnen bekannten Welten beschäftigten.
Als seine Lehrmeisterin Amunet eines Tages in seinem Dorf erschienen war und ihn tatsächlich für die lang ersehnte Ausbildung auserkoren hatte, war es als hätte sich ihm das Tor zu ewigem Glück geöffnet. Ihm war bewusst gewesen, dass die Lehrzeit eines Geschichtenhüters nicht nur Jahre des Studiums in Anspruch nehmen würden. In den ersten drei bis vier Jahren war es vor allem die Hilfsarbeit für seine Lehrmeisterin und die anderen Gelehrten, die ihn formen sollte.
Trotz der harten Arbeit hatte sich sein Lebenswunsch nicht verändert. Allein der Blick auf die letzten Jahre war weniger von seiner Euphorie getrübt als zuvor. Vieles war anstrengend, ja, und manche Tätigkeit würde er wohl niemals vermissen. Dennoch, sein Lebenswunsch blieb ungebändigt.
So war es auch an diesem einen Tag, an dem seine Geschichte für uns beginnt. Abubakar war wieder einmal dabei, Bücher aus den Tiefen der Bibliothek herauszusuchen. Er sollte sie, wie immer, nach oben in den Kuppelsaal bringen. Dieser war das Herzstück des unterirdischen Bibliothekskomplexes, das tagsüber auf wundersame Weise lichtdurchflutet war. Die gesamte Decke bestand aus einer nach innen gewölbten Kuppel aus Glas, die das Wasser der Oase über ihm hielt. Es war Magie, die das heiße Licht der Sonne so hindurchleitete, damit die Hüterinnen und Hüter der unzähligen Geschichten die alten Schriften problemlos entziffern konnten. Vier Jahre waren es noch – dann würde Abubakar endlich in ihre Reihen aufsteigen.
Der Lehrjunge betrat den Saal mit gewohnter Ehrfurcht und balancierte an die zehn in Leder gebundenen Bücher auf seinen sonnengegerbten Armen. Nach und nach verteilte er sie an die Gelehrten, die an großen Schreibtischen saßen, Bücher studierten und ihre Erkenntnisse daraus wiederum in ihren eigenen Aufzeichnungen festhielten. Am Ende hatte er nur noch ein sehr kleines, unscheinbares Büchlein in der Hand, nach dem seine Lehrmeisterin verlangt hatte.
Er sah sie an einem Schreibtisch im hinteren Teil des Kuppelsaals sitzen. Ihr Anblick schien ungewöhnlich. Normalerweise lugte ihr weißer Haarschopf nur unmerklich hinter mehreren Bücherstapeln hervor, während sie las oder etwas mit Federkiel und Tinte auf Papier schrieb. Diesmal war ihr Tisch vollkommen leer.
„Da bist du ja,“, bemerkte sie mit dunkler, freundlicher Stimme und sah ihn über den Rand ihrer Lesebrille an. Er nickte begrüßend und legte dann das kleine Büchlein vor sie hin.
Als er Anstalten machte zu gehen, hob sie eine Hand.
