Clea und Lars – ein ungleiches Paar - Friederike von Buchner - E-Book

Clea und Lars – ein ungleiches Paar E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. Dicke Teppiche schluckten den Schall jedes Schrittes. Theodor Steigerbacher lief in seinem riesigen Penthousebüro auf und ab. Seine Nerven waren angespannt. Die Bank hatte ihn schon mehrmals darauf hingewiesen, dass der Termin zur Unterzeichnung der Vollmacht noch nicht bestätigt worden war. Immer wieder blieb er vor seinen großen Schreibtisch stehen und starrte auf den Monatskalender. Dort war ein Tag dick angestrichen. Dieser Termin bereitete ihm große Sorgen. Seit dem Tod seines Großvaters war er Alleinherrscher der Firma. Aber an diesem Tag würde sich alles ändern, wenn er es nicht rechtzeitig vorher in den Griff bekam. Nur sein Anwalt, die Bank und die Betroffenen wussten von der Klausel im Testament. Theodor war heiß, obwohl die Klimaanlage eine angenehme Raumtemperatur verbreitete. Er lockerte seine Krawatte. Das Telefon klingelte. Der Empfang, viele Stockwerke unter ihm, meldete, dass Doktor Adam Römer eingetroffen sei. »Soll raufkommen!«, antwortete er kurz. Es dauerte nicht lange, dann ließ seine Sekretärin den Besucher ins Zimmer. Sie verschwand sofort, denn ihr Chef hatte seit Wochen schlechte Laune. Er wünschte, nicht angesprochen zu werden, nicht einmal, ob er Kaffee wolle. »Grüß Gott, Adam!«

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Toni der Hüttenwirt Extra – 94 –Clea und Lars – ein ungleiches Paar

Kann Toni ihnen helfen?

Friederike von Buchner

Dicke Teppiche schluckten den Schall jedes Schrittes. Theodor Steigerbacher lief in seinem riesigen Penthousebüro auf und ab. Seine Nerven waren angespannt. Die Bank hatte ihn schon mehrmals darauf hingewiesen, dass der Termin zur Unterzeichnung der Vollmacht noch nicht bestätigt worden war.

Immer wieder blieb er vor seinen großen Schreibtisch stehen und starrte auf den Monatskalender. Dort war ein Tag dick angestrichen. Dieser Termin bereitete ihm große Sorgen. Seit dem Tod seines Großvaters war er Alleinherrscher der Firma. Aber an diesem Tag würde sich alles ändern, wenn er es nicht rechtzeitig vorher in den Griff bekam. Nur sein Anwalt, die Bank und die Betroffenen wussten von der Klausel im Testament.

Theodor war heiß, obwohl die Klimaanlage eine angenehme Raumtemperatur verbreitete. Er lockerte seine Krawatte.

Das Telefon klingelte. Der Empfang, viele Stockwerke unter ihm, meldete, dass Doktor Adam Römer eingetroffen sei.

»Soll raufkommen!«, antwortete er kurz.

Es dauerte nicht lange, dann ließ seine Sekretärin den Besucher ins Zimmer. Sie verschwand sofort, denn ihr Chef hatte seit Wochen schlechte Laune. Er wünschte, nicht angesprochen zu werden, nicht einmal, ob er Kaffee wolle.

»Grüß Gott, Adam!«

»Grüß Gott, Theodor!«, sagte der Rechtsanwalt. »Du siehst nicht gut aus.«

»Das musst du mir nicht sagen! Ich kann nicht schlafen, ich kann nichts essen und ich kann mich nicht konzentrieren. Wie du weißt, stecke ich in einer Zwickmühle. Warum hat mein Großvater solch ein Testament gemacht? Als meine Eltern bei dem Lawinenunglück umkamen, war ich noch nicht einmal ein Jahr alt. Ich kann mich nicht beschweren. Ich hatte trotzdem eine sorglose Kindheit. Aber dieses Testament war ungerecht. Wie kam er nur darauf, mich so einzuengen? Warum? Warum soll ich nicht mehr allein schalten und walten können, wie ich will? Habe ich diese Firma nicht erst zu dem gemacht, was sie ist? Ich habe immer alles getan. Trotzdem hat er mich nur zum Treuhänder gemacht. Die paar Prozent, die ich bekomme, sind wohl als Trostpflaster gedacht. Wenn meine Tochter nicht unterschreibt und ihr Erbe nicht antritt, fällt alles an die viel jüngere Schwester meines Großvaters, an meine Großtante Amalie.«

Theodor Steigerbacher seufzte und fuhr fort: »Ich bin betrogen worden. Ich bin ja nur Treuhänder von allem, bis meine Tochter volljährig ist. Das Schlimme ist, dass ich daran nichts drehen kann. Unter alles, was mit Geld und Verträgen zu tun hat, müssen, ab Cleas Geburtstag, zwei Unterschriften. Das wusste ich alles und hatte mir nie Sorgen darüber gemacht. Denn ich war mir sicher, alles läuft so weiter. Meine Tochter studiert. Sie kommt jede Woche einmal in die Firma und gibt ihre Autogramme. Dafür bekommt sie ein fettes Gehalt. Und jetzt?«

»Jetzt ist dein Himmel nicht mehr himmelblau und rosarot, lieber Theodor«, sagte Adam.

»Nein, das ist er nicht. Er ist voller pechschwarzen Wolken.«

Theodor ging zur Schrankbar und schenkte zwei Cognacs ein. Sie setzten sich und prosteten sich wortlos zu.

»Konntest du bei der Bank etwas erreichen?«, fragte Theodor.

»Theodor, ich habe noch einmal vorgesprochen und versucht, Zeit herauszuschlagen. Es war vergeblich. Außerdem wurde mir signalisiert, dass deine Großtante bereits bei der Bank vorgesprochen hat. Und sie ist im Recht. Einen Tag nach dem Stichtag hast du keinen alleinigen Zugriff mehr auf alles, sondern nur noch im Rahmen deiner Anteile. Du weißt, wenn deine Tochter nicht unterschreibt, geht alles an deine Großtante.«

Theodor stöhnte.

»Was sagt deine Frau dazu? Hast du noch einmal mit ihr gesprochen?«, fragte Adam. »Vielleicht kann sie vermitteln und ein gutes Wort einlegen?«

»Claudia hat am Wochenende ihre Koffer gepackt und ist verreist. Wir haben uns gestritten. Sie war die ganzen letzten Monate gegen mich. Sie konnte nicht verstehen, dass der Kerl nichts taugt, den meine Tochter angeschleppt hat. Mein Madl – und er – nein! Sie kann bessere haben. Ich habe lange mit Engelszungen auf Clea eingeredet, sie soll sich von Lars trennen. Aber sie traf sich immer wieder mit ihm. Als meine Bitten und Ermahnungen nichts brachten, habe sich ihr die monatliche Zuwendung gekürzt. Ich dachte, sie soll spüren, wie es ist, ohne Luxus auskommen zu müssen. Sie soll am eigenen Leib erfahren, wie es ist, in Armut zu leben. Ich dachte, wenn sie kein Geld mehr hat, verliert dieser Mitgiftjäger das Interesse an ihr. Doch da irrte ich mich. Was ist stattdessen geschehen? Claudia verließ mich zuerst. Zwei Tage später fand ich beim Frühstück den Zettel von Clea. Darauf stand, dass die ungehorsame Tochter eine Auszeit nehme und ich mich an den Gedanken gewöhnen solle, den Schreibtisch zu räumen. Du weißt, dass ich seitdem nichts von beiden gehört habe. Mein Leben liegt in Scherben. Oh, Adam, was soll ich jetzt nur machen?«

»Das hätte ich Claudia nicht zugetraut. Irgendwann hatte sie wohl zu viel«, bemerkte Adam leise. Er hatte es eigentlich nur denken wollen.

»Wie meinst du das?«, brauste Theodor auf. »Ich habe immer alles für meine Frau, für meine Familie, getan, oder?«

Adam Römer nippte an seinem Glas. Er runzelte die Stirn. »Theodor, ich bin dein Firmenanwalt und dein Freund. Du weißt, dass ich mich aus deinen privaten Angelegenheiten heraushalte. Ich werde mich nicht dazu äußern.«

»So kommst du mir nicht davon, Adam. Dieses Mal nicht! Jetzt bist du einmal Freund und vergisst den Anwalt. Ich bin verzweifelt.«

»Ich sehe deine Verzweiflung. Aber dass es kommt, wie es gekommen ist, habe ich geahnt.«

»So?«

»Gut, ich will offen reden. Ja, du hast alles für deine Familie getan. Dabei ging es kein einziges Mal darum, was Claudia oder Clea wollen. Du hast alles bestimmt und festgelegt und dich aufgespielt wie ein absoluter Alleinherrscher. Du warst oft richtig grob. Wenn dir etwas nicht passte, hast du die Beherrschung verloren.«

»Aber, wie ich entschieden habe, war immer richtig«, verteidigte sich Theodor.

Adam entschied, dass er nicht länger schweigen konnte. Bisher hatte er immer nichts gesagt. Kein Wunder, dass Theodor sein Schweigen als Zustimmung ausgelegt hatte, wenn nicht sogar als Ermunterung. Er atmete tief ein, nippte an seinem Cognac und sagte dann mit behutsamem Tonfall: »Theodor, ich sage dir offen, du bist ein Egoist. Deshalb ist mir vorhin diese Bemerkung herausgerutscht. Claudia war sanft und nachgiebig. Doch du hast das Fass zum Überlaufen gebracht. Du hast dich eingemischt, wo du kein Recht hast, dich einzumischen. Clea liebt Lars und Lars liebt Clea. Die beiden sind seit Jahren zusammen. Ich verstehe, dass Clea irgendwann genug hatte von deiner Bevormundung und davon, dass du Lars stets schlecht gemacht hattest. Clea wird in Kürze volljährig. Sie kennt die Verfügung ihres Großvaters. Sie wird nicht unterschreiben und ihr Erbe antreten. An ihrem Geburtstag wird sie nicht hier sein, dessen bin ich sicher. Du wolltest, dass ich als Freund mit dir spreche. Das habe ich getan. Ich werde noch deutlicher. Du hast den Bogen überspannt. Jetzt bekommst du die Quittung. Ich würde dir gern helfen, doch das kann ich nicht. Du hast damals das Testament angenommen. Außerdem will ich dir noch etwas sagen. Es gab viele Tage, an denen dein Großvater traurig über dein Verhalten war. Je mehr er sich aus der Firma zurückzog, desto mehr kamen bei dir Charakterzüge zutage, die ihn schmerzten, tief schmerzten. Sein einziger Trost waren Clea und Claudia. Dein Großvater bewunderte deine Frau. Dass Clea so gut geraten ist, hast du ihrer Erziehung zu verdanken. Clea hat einen guten Charakter. Sie schlug nie über die Stränge. Und sie hat die Geduld ihrer Mutter. Du hingegen hast dich aufgespielt, bist oft zu weit gegangen, warst herrschsüchtig und selbstherrlich. Dein Großvater hat damals sehr bedauert, dass Clea noch nicht alt genug war. Deshalb hat er sich diese Regelung ausgedacht.«

Theodor bekam einen hochroten Kopf. Er rang nach Luft. »Wie kannst du so etwas sagen? Ich dachte, du wärst mein Freund?«, brüllte er.

»Beruhige dich, Theodor! Ich habe alles als Freund gesagt. Ehrlichkeit ist für mich ein hohes Gut. Ich würde nie einem Freund nach dem Mund reden. Stattdessen hatte ich geschwiegen. Das war nicht richtig. Ich rate dir, finde Clea und sprich mit ihr! Akzeptiere ihre Liebe zu Lars! Verdammt noch mal, er ist doch kein übler Bursche.«

Theodor schwieg verbissen.

Adam verdrehte die Augen und fuhr fort. »Okay, Theodor, er gehört nicht den gehobenen Kreisen an, zu denen du dich zählst. Seine Familie, – das ist es doch, was dich vor allem stört –, das sind anständige und fleißige normale Leute. Ich habe Lars einmal kennengelernt. Ich traf Clea und ihn in der Stadt. Wir kamen ins Gespräch und ich lud sie zu einem Kaffee ein. Ich habe mich fast zwei Stunden mit Lars unterhalten. Es war ein sehr gutes Gespräch. Ich war beeindruckt. Wenn meine Tochter so einen Burschen heimbringen würde, würde ich ihn mit offenen Armen aufnehmen. Hast du dich schon einmal wirklich bemüht, mit Lars zu sprechen und ihm zuzuhören? Ich vermute, nicht. Du hattest von Anfang an Vorurteile. Jetzt bekommst du die Quittung. Ja, das ist hart für dich. Aber versetze dich mal in Cleas Lage!« Er winkte ab. »Dazu bist du wohl nicht fähig. Du bist ein Mensch, der sich schlecht in einen anderen Menschen hineinversetzen kann, es sei denn, es geht um das Geschäft. Wenn du von mir einen Rat haben willst, dann sage ich dir Folgendes: Suche Clea! Entschuldige dich bei ihr und sei mit ihrer Wahl einverstanden! Wenn du das nicht tust, wirst du sehr viel verlieren, die Firma, dein Ansehen, deine Tochter und vielleicht deine Frau.«

»Nimmst du an, ich hätte nicht gesucht? Ich weiß nicht, wo meine Frau und meine Tochter sind. Ich habe überall herumgefragt. Ich habe sogar eine Detektei beauftragt, für viel Geld. Sie hat mir den Auftrag zurückgegeben. Claudia und Clea müssen sich gut versteckt haben. Ihre Handys sind nicht erreichbar. Sie können nicht geortet werden. Weder Clea noch Claudia haben Geld an Bankautomaten abgeholt noch irgendwo mit Karte bezahlt. Ich weiß wirklich nicht mehr, was ich machen soll. Sie haben keinerlei Spuren hinterlassen. Ich bin verzweifelt«, jammerte Theodor.

Adam schwieg. Etwas Mitleid hatte er mit ihm. Auf der anderen Seite dachte er, dass jeder erntet, was er gesät hat. Er trank den Cognac aus. Er schaute auf seine Armbanduhr.

»Theodor, ich muss gehen. Ich habe noch einen Termin. Außerdem ist alles gesagt. Wenn an meinen offenen Worten unsere Freundschaft und unsere Geschäftsbeziehungen zerbrechen, dann kann ich es nicht ändern.«

Adam stand auf und nahm seine Aktentasche. Er trat vor Theodor hin, legte ihm zum Abschied die Hand auf die Schulter und verließ das Büro.

Theodor Steigerbacher sank auf seinen Schreibtischstuhl. Für einen winzigen Augenblick gestand er sich ein, dass Adam recht hatte. Doch dann fiel er wieder in seine alte Einstellung zurück. Alle waren undankbar und keiner verstand ihn. Er hatte doch immer nur das Beste für Clea gewollt. Er hatte auch schon privat mit dem Polizeipräsidenten gesprochen. Sollte er eine Vermisstenanzeige aufgeben? Das würde viel Wirbel auslösen, hatte er zu hören bekommen. Seine Villa und die Firma würden von der Presse belagert. Die Presse würden jeden ausfragen, der in Frage käme. Das könnte niemand verhindern. Theodor schreckte deshalb vor diesem Schritt zurück.

Aber was sollte er machen? Wo sollte er Clea suchen? Die Zeit drängte. Nach seiner alten Einstellung klammerte er sich an die Überzeugung, dass es ihm gelingen würde, Clea zu beeinflussen, wie es ihm immer gelungen war. Cleas Liebe zu Lars war eine Ausnahme gewesen. ›Aber ich kann so tun, als wäre ich mit Lars einverstanden. Ja, er würde den reuigen Sünder spielen und ihr das Blaue vom Himmel versprechen. Hatte sie erst einmal unterschrieben, hätte er wieder freie Hand.

*

Clea und Lars gingen Hand in Hand den Waldweg entlang. Sie trugen schwere Rucksäcke und hatten zusätzlich Taschen dabei. Die beiden Biwakschlafsäcke, die zu einem einzigen großen Schlafsack zusammengefügt werden konnten, waren oben auf den Rucksäcken fest­gebunden. Außen baumelten an Schnüren eine Wasserkanne, ein Topf, zwei Becher und andere Küchenutensilien.

Sie warfen sich immer wieder glückliche Blicke zu und lächelten.

»Du siehst müde aus, Clea«, sagte Lars. »Möchtest du, dass wir eine Pause machen?«

»Ist es noch weit bis zu dem Versteck?«

»Wir müssen noch ein bisserl den Waldweg weiter, dann geht es rechts ab. Der kleine Pfad führt den Hang hinauf. Oben geht kein Weg mehr weiter. Wir arbeiten uns durch den Wald, vielmehr durchs Gestrüpp. Die alte Hütte liegt sehr versteckt. Das war nicht immer so. Im Laufe der Jahre ist nur alles zugewachsen.«

»Das ist doch genau das, was wir wollen. Toll, dass du das vorgeschlagen hast! Du bist einfach der Größte und der Beste.«

»Oh, das höre ich gern«, lächelte Lars.

Sie blieben stehen und gaben sich einen Kuss.

»Ich war überrascht, dass es die Hütte noch gibt. Allerdings sage ich dir gleich, Luxus darfst du nicht erwarten.«

»Schatzerl, fang nicht wieder davon an. Du solltest mich kennen. Wenn ich auf Luxus Wert legen würde, wäre ich nicht hier. Ich freue mich auf die schöne Zeit mir dir.«

Lars ließ Cleas Hand los und strich ihr sanft über ihr dunkelblondes Haar. Sie hatte es hochgebunden.

»Ich bewundere dich, Clea. Du bist wirklich mutig.«

»Lars, ich liebe dich. Das verleiht mir Mut. Ich habe mir das Gemeckere zwei Jahre lang angehört, und bis zuletzt gehofft, dass Papa irgendwann damit aufhört. Da hatte ich mich aber geirrt. Doch bald gehört diese Phase der Vergangenheit an. Bald bin ich volljährig. Dann kann er sehen, was er macht. Dann muss er sich nämlich mit Tante Amalie auseinandersetzen. Das wird ihm nicht schmecken«, sagte Clea. Sie lachte laut.

Lars gefiel ihr Lachen.

»Ich denke, Papa hat jetzt schon schlaflose Nächte. Aber ich habe kein Mitleid. Außerdem haben wir beide abgemacht, dass wir nicht mehr davon sprechen. Okay, es ganz zu vermeiden, werden wir nicht schaffen. Lassen wir die Vergangenheit hinter uns und denken an unsere Zukunft! Jetzt gibt es nur dich und mich. Oh Lars, ich liebe dich. Deine Idee, die Zeit mit einem Abenteueraufenthalt in den Bergen zu überbrücken, ist einfach genial.«

Er lächelte sie an: »Danke, jeder Bursche hört gern, wenn das Madl begeistert ist. Außerdem geht die Idee nicht ganz auf mich. Es war deine Idee, einfach eine Zeit lang zu verschwinden.«

»Stimmt, aber ich wusste nicht, wohin und wie. Dann schlugst du mir die Sache vor. Es wird herrlich werden.«

»Wart’s ab. Es wird auch mühsam werden. Wir haben kein fließendes Wasser. Jeden Tropfen müssen wir aus der Quelle des Gebirgsbachs holen. Einen Mikrowellenherd gibt es auch nicht, ebenso wenig einen Kühlschrank.«

»Das weiß ich alles. Du willst mich ein bisserl ärgern. Nur weiter so, mir macht es nichts aus. Ich komme schon klar. Ich habe zwar keine Ahnung von einem Leben in freier Natur. Aber ich lasse mich gern auf das Abenteuer ein. Schließlich habe ich dich an meiner Seite, den ehemaligen Pfadfinder. Du wirst sehen, ich habe ungeahnte Talente«, sagte Clea und lachte.

Lars lächelte. »Das überrascht mich nicht. Du bist anders als die anderen Madln der oberen Zehntausend. Das habe ich sofort erkannt. Ich konnte meine Augen nicht von dir lassen. Du bist kein Schicki-Micki-Püppchen.«

»Das wollte ich nie sein. Meinem Vater war das nicht recht. Aber zum Glück habe ich meine Mutter. Sie hat mir immer den Rücken gestärkt und war mir ein Vorbild. Vorbilder sind wichtiger als jede Erziehung.«

»Ich denke, deine Mutter wird sich gut mit meinen Eltern verstehen. Schade, dass sie sich bisher nicht kennengelernt hatten.«