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CO2 - das zweite Werk des Autors: gewohnt fragmentarisch, noch knapper, prägnanter, energischer. Eigenwillig.
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Seitenzahl: 74
Veröffentlichungsjahr: 2018
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„Dieses Buch will keine Systeme, keine Weltanschauungen, keine Erledigungen bringen; es wollte das nicht einmal in dem Falle, dass der Verfasser Endgültigkeiten auf geistigem Gebiete für möglich oder auch nur für wünschenswert hielte. Man nehme es einfach als Tagebuch, besser noch als eine Reihe von Bemerkungen, die anlässlich von Erlebnissen, öfter noch aus einer augenblicklichen Stimmung heraus aufgezeichnet wurden.“
Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken
„Es kam mir auf etwas ganz anderes an …; vielleicht den Hitzegrad; oder den Härtegrad.“
Ludwig Hohl, Die Notizen
„Der westliche Leser, aufgerieben von der feigen Besessenheit des „politically correct“, geblendet von einer Flut von Pseudo-Informationen (…), vermag es nicht mehr, Leser zu sein; er vermag es nicht mehr, der bescheidenen Bitte eines vor ihm liegenden Buches nachzukommen: lediglich ein Mensch zu sein, der selbstständig denkt und empfindet.“
Michel Houellebecq, Interventionen (aus dem Französischen)
Ma spécialité, c’est mon esprit.
Paul Valéry
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Mein Spiegelbild ist schöner als ich.
Parodie fußt auf der stärksten Kenntnis.
Was immer du in dir findest, es gehört schon der Welt an.
Das neue Denken ist möglich und überfällig. Weil ich hinterherhinke, kommt mir die Welt veraltet vor.
Wo nur ein Entweder-oder ist, spricht das Leben wohltuend zu uns.
Das Leben, die Zeit, das Sein –
Es gibt gar kein Geheimnis!
Wir legen es selber hinein.
Wo nur Dunkelheit ist, kann ich mich auf Dauer besser zurechtfinden als bei jenen dubiosen Lichtern, die ab und an die Dunkelheit durchflackern.
Der Winter möchte nicht demütigen. Dunkler sind künstliche Lichter.
Ich hasse Milchschaum. Aber was ich in meinem Leben Cappuccinos getrunken habe!
Ein Lächeln kostet nichts, und man kann damit auch bezahlen.
Nicht einmal das Grab hält ewig. – Erste echte Lektion der Vergänglichkeit.
Die Welt ist nicht eingerichtet für starkdenkende Wesen.
Anders denken und fühlen als alle anderen: bald absolute Verlorenheit, bald einzige Rettung.
Alltag ist überall möglich und nirgends notwendig.
So konkret er die Notwendigkeit des Sprungs erfuhr, so abstrakt blieb dessen Vollzug.
Solange ich immanent bleibe, ist der Sprung unmöglich. Sobald ich ihn tue, einfach.
Er hat das Talent, sich an ihr aufzureiben, während sie ihn streichelt.
Er interpretierte Anderer Hinweisen auf seine Kraft und Freiheit dahingehend, dass er eine Art Gott sei – spürte sich nicht am Ausgangspunkt all seiner wahren Kraft und Freiheit: an seiner Begrenztheit.
Wie sich plötzlich alles weiten kann im lebendigen, unmittelbaren Bewusstsein für die eigene Begrenztheit!
Aufrechterhaltende Mechanismen liegen nie ganz bei einem selbst.
In eines Kindes Blick ist die ganze Welt enthalten.
Kinder finden alles real. Wird man des Bewusstseins für eine Illusion fähig, schwindet auch das Gefühl für das Reale.
Du schwelgtest in einem neuen Erleben, es schien dir mächtig genug, damit es dauerhaft einen Schalter umlege und dein Leben von nun an verändert sei. Doch es war singulär, vergänglich, wie alles und immer. Der Schalter ward nicht dauerhaft umgelegt. Das Erleben verklang und alles war wieder so wie früher. Alles? – Es blieb die Erkenntnis der Möglichkeit solchen Erlebens überhaupt – dies hat dich verändert.
Vielleicht unterliegst du vielen Irrtümern, die dich im Leben fehlleiten, aber nur einem Irrtum, der dir das Leben unerträglich macht.
Ungefragt ins Leben geworfen, muss man auch noch mit dem Tode klarkommen.
Ich bräuchte nicht das, was ich brauche.
Ich nehme meine Ansprüche gerne mit ins Grab. Jedweder Kompromiss mit dem Leben selbst wäre mir völlig zuwider.
„Lebensferner“ Träumer?
Man kann die Sache auch so sehen: Der Träumer hat eine besonders kühne Vorstellung von der Wirklichkeit, höchsten Sinn für Pragmatismus und den schlichten Wunsch nach Einfachheit. Den mag ich nicht lebensfern nennen.
Grundlegende Klarsicht: im Nebel stehend ihn erkennen.
Seine Linse ist klar und hat höchste Brechkraft: Sein Blick erfasst selbst das für gewöhnlich zu Nahe.
Schein kulminiert in der Ordnung.
Wie oft ist noch im sichersten Getriebe des Menschen Triebfeder die Angst.
Ist Handeln der Erkenntnis Blüte, vernichtet die Angst sie im Keim.
Die Angst selber ist immergrün.
Zwischen Wille zur Erkenntnis und Erkenntnis findet kein Dialog statt. Deshalb ist jener nicht totzukriegen, selbst wenn diese ihre eigene Nichtigkeit offenlegt.
Freude am Erkennen steht höher als Erkenntnis.
Und so überholt, trivial, klein eine Erkenntnis sei: Im Erkennen liegt immer etwas Großes.
Wenn ihn nicht alles so ängstigen würde, würde er erkennen, dass er sich vor nichts zu ängstigen braucht.
Wie viel Kraft man im kleinen Finger hat, wenn man mit ihm an einem Seil über einem Abgrund hängt.
Eine Verletzung im Seelischen ist als tödlich zu bezeichnen, wenn sie per Stich zugleich jeglichen reaktionären Ausdruck verunmöglicht.
Dem Ausgehungerten ist nicht mit gedecktem Tische zu helfen.
Die Arbeit, mit der ich mich identifiziere, ist unbezahlt. Die Medizin, die mich von Krankheit heilte, ein am See wachsendes Kraut. Ein zufälliges Gespräch mit einem Unbekannten ward mir zur wirksamen Psychotherapie. Mein wahrer Freund ist ein Kind.
Der endgültig Angekommene will den Tod.
Man kann der Angst mit der Vernunft entgegensteuern – wo jene sich nicht als diese ausgibt.
Der Geist der Revolte ist bewahrend, wo ein Mensch das Aufheben der Resignation unterlässt. Was will hier bewahrt werden?
In der Freude ohne Grund, im Weinen ohne Grund, hat das Leben selbst mich ergriffen.
Wohl spürte er, dass sein Herz schnell schlug, nicht aber, dass Freude der Grund war.
Er ist über die Jahrzehnte viele Tode gestorben. Er ist zu stark für diese Welt.
Seine Lebenserfahrung bestand darin, häufig einen Tod gestorben zu sein.
Die Gefahr zu stolpern nimmt auf den letzten Metern zu.
Was überwunden worden ist
Schleicht gern sich wieder ein mit List.
Den Unterschied zwischen Faulheit und Schlaffheit erkennen ist einer der höchsten geistigen Gipfel.
Dass ich keine Regung erfahren kann, ohne ihre Vollendung zu denken, ist nichts als des Geistes Bewegung selbst.
Kontrast hängt vom Licht ab.
Sterne: Entweder sie strahlen, oder sie gehen unter ihrer eigenen Kraft zugrunde.
Es wäre ein Verzeichnis zu erstellen aller Kuriositäten des Tierreichs: darin die neuseeländische Heuschrecke, die den Science-Fiction-Gedanken des Menschen vorlebt und sich für eine Zeit einfrieren lässt; darin auch irgendein heute, im Jahr 2017, im nördlichen Atlantik schwimmender Eishai, der zur Zeit Bachs oder Spinozas geboren wurde.
In der Namaqua-Wüste gibt es fast das ganze Jahr über Überlebenskampf der härtesten Art, plötzlich, nach einem Regenfall, blüht es dort für wenige Wochen und es gibt Nahrung für alle im Überfluss.
„Heute im Wald bewegte ich mich auf einem Weg, der war so unbegangen, dass quer über ihn auf der Höhe meiner Knie Spinnennetze gesponnen waren.“
– „Ich ging neulich auf einem, da waren nicht einmal Spuren von Spinnen zu sehen.“
Im letzten Augenblick am Käfer vorbeilenken, und ihn mit dem Hinterrad überfahren: So waltet das Leben.
Herkulisch: Er tat den Sprung von der Irritation über ein Ding hin zur Freude über dasselbe.
Resignieren wollen, aber nicht können – ist das nicht der schlechthinnige Beweis für die ewige Urkraft?
Was nicht aus der Trägheit heraus entsteht, hat auch nicht genug Schwere, um zu bestehen.
Die kraftlose Revolte ist keine mindere.
Was sich nicht aufdrängt oder zumindest sich nicht willig entdecken lässt, kann ich nicht achten. Was freilich nicht heißt, dass ich alles, was sich aufdrängt, achte. Gott behüte!
In einem Film das wunderschöne Wort gehört: „Die Boten sind immer da. Wir können sie nur nicht sehen.“
Paradox ist, dass die Widerlegung des Solipsismus ich nur selber vollbringen kann.
Den einen Sonnenstrahl, den ich ohne Wehmut empfinde, erfinden 1000 Sonnen nicht.
Was für ein Pessimist: Es musste zur absoluten existenziellen Grenz- und Leidenssituation kommen, damit er erst den Optimismus ausgrub aus den Tiefen seiner Seele.
Einer wollte einen Hilfeschrei loslassen, aber es fiel ihm keiner ein.
Weil ihm nichts einfiel, das er verändern könnte, kam er zum Schluss, dass alles gut sei.
Diagnose: subpsychotisch. Kein schärferes Auge blickt in die Welt.
Ohne Humor tragen wir die Welt nicht.
Hast du nie losprusten müssen, weil du sie schrecklich humorlos fandst?
Nicht gesund bleiben – schön bleiben ist das Wichtigste, denn sonst nützte ja alle Gesundheit nichts.
Der Weg sei das Ziel. Doch bereits dieser Weg scheint oft unerreichbar. Also gelte es, einen Weg zu diesem Weg zu finden. Es ist auch schon der Weg zum Weg zum Weg ein Weg.
Geh vorwärts, fröne Neuem!
Aber wer das Neue nie sah, das sich zeigt, nachdem man kehrtgemacht hat, weiß der, was ein Weg ist?
Es gibt keine Alternative zum Träume-Verfolgen.
In allem Toten ist noch ein Lebendiges
Durch manche Unbeständigkeit Beständiges.
Es gibt eine Eitelkeit, die den Optimismus verschmäht.
Wenn ich in meiner besten Form einigermaßen gut wirke, läuft es wahrlich blendend zwischen mir und der Welt.
Das Ursprüngliche ist ohne Widerstand.
Dass der unruhige Denker sich einmal zur Überzeugung durchgerungen habe: Es gibt kein Verpassen.
Sisyphos glücklich? Das ist freilich absurd. Aber anderem Glück ist nicht zu trauen.
Bedingt durch Überfülle schlitterte er in die Leere.
Ein biografischer Vorfall kann über deine Weltanschauung entscheiden.
All deine Gründe werden eines Tages nicht mehr gelten; die Frage ist nur, ob du dann noch die Kraft habest.
Erst wenn du nicht nach Gründen fragst, hast du dich entwickelt.
Man kann zu lächeln begonnen haben auch, weil einem der Ernst über den Kopf gewachsen ist.
Wir gelangen ins Leben in den Momenten, da wir es als das schlechthin Unbekannte begreifen.
„Die Angelegenheit steht gänzlich nicht in meiner Macht!“, sagte er und konnte sich so überhaupt konstruktiv zu ihr positionieren.
Ich gönne der Natur ihre regelmäßigen Siege.
„Wie verzweifelt muss er sein, dass er sich in die Vergangenheit flüchtet!“ – Wie klein muss dein Geist sein, dass sie dir kein Leben spendet.
