Conflicting Vibes: Robert & Viktoria - Lisa Torberg - E-Book
SONDERANGEBOT

Conflicting Vibes: Robert & Viktoria E-Book

Lisa Torberg

0,0
4,49 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 3,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Viktoria ist glücklich, als ihr Flugzeug in Wien landet. Die Jahre im Ausland haben sich gelohnt. Endlich hat sie den Job als Chefcroupier, auf den sie hingearbeitet hat. Doch als sie ihre Wohnungstür aufsperrt, findet sie das reinste Chaos vor. Der Kollege, der sie im Casino Wien einweisen soll, betatscht sie. Und als ob das nicht reichen würde, behandelt ihr Nachbar sie wie den letzten Dreck – bevor er sie küsst und sie ihn mit einer Ohrfeige in die Schranken weist. Kratzbürstige Frauen mag Robert nur im Bett. Hysterische Weiber hingegen gar nicht. Dem Geschäftsführer des Szenelokals Vibes ist die morgendliche Ruhe in seiner neuen Wohnung heilig – während seine Nachbarin um diese Zeit schreit und kreischt. Als sie auch noch ihren gesamten Hausrat ausgerechnet an der gemeinsamen Wand zertrümmert und ihn aus dem Schlaf reißt, ist seine Geduld am Ende ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Konflikt. Substantiv, maskulin. Definition: Wenn ein sexy Bad Boy auf eine charmeresistente Karrierefrau trifft.

Viktoria ist glücklich, als ihr Flugzeug in Wien landet. Die Jahre im Ausland haben sich gelohnt. Endlich hat sie den Job als Chefcroupier, auf den sie hingearbeitet hat. Doch als sie ihre Wohnungstür aufsperrt, findet sie das reinste Chaos vor. Der Kollege, der sie im Casino Wien einweisen soll, betatscht sie. Und als ob das nicht reichen würde, behandelt ihr Nachbar sie wie den letzten Dreck – bevor er sie küsst und sie ihn mit einer Ohrfeige in die Schranken weist.

Kratzbürstige Frauen mag Robert nur im Bett. Hysterische Weiber hingegen gar nicht. Dem Geschäftsführer des Szenelokals Vibes ist die morgendliche Ruhe in seiner neuen Wohnung heilig – während seine Nachbarin um diese Zeit schreit und kreischt. Als sie auch noch ihren gesamten Hausrat ausgerechnet an der gemeinsamen Wand zertrümmert und ihn aus dem Schlaf reißt, ist seine Geduld am Ende ...

"Conflicting Vibes: Robert & Viktoria“ ist der vierte Roman der Reihe

Alle Bücher können ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

INHALTSVERZEICHNIS

Conflicting Vibes

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

18

19

20

21

Mr. Breathtaking

Die Autorin

Impressum

1

Rums. Laute Stimmen. Gelächter. Bum. Mit einem Ruck sitze ich aufrecht und schwinge die Beine aus dem Bett. Bum-bum. Es reicht! Die Tussi in der Wohnung neben meiner ist derart unerträglich, dass es nur zwei Alternativen gibt: Entweder ich rufe endlich die Polizei und zeige sie an – oder ich bringe sie um. Auch wenn sie nett anzusehen ist – von hinten, sobald sie eilig die Treppen nach unten läuft, weil sie offenbar zu spät dran ist. Von vorn habe ich sie noch nie gesehen, aber ich lege keinen Wert darauf. Frauen mit einem ansehnlichen Hinterteil, das dazu einlädt, sie an den Hüften zu packen und festzuhalten, um ... Solche gibt es wie Sand am Meer. Rums. So kann es nicht weitergehen! Ich brauche meinen Schlaf, will ich nicht auch noch meine Effizienz einbüßen. Meine sprichwörtliche Ausgeglichenheit ist ohnehin längst flöten gegangen. Ich bin nicht mehr der, der ich vor zwei Monaten war, als ich hier einzog. In meine Traumwohnung – die sich als absoluter Albtraum entpuppt hat. Wenn ich an dem Tag, an dem ich komplett neben mir stand und aus dem Bauch heraus die Entscheidung getroffen habe, mein Leben zu ändern, nur geahnt hätte, was passieren würde ...

Sieben Monate zuvor

Eine Hand streicht über meine Brust, gleitet abwärts, vom Nabel seitlich zu meinem Handgelenk, dann den Arm entlang Richtung Schulter. Die Berührung weckt zwar nicht meine Lebensgeister, doch der Kaffeegeruch tut es. Arbeitet man so wie ich jede Nacht bis in die frühen Morgenstunden und wacht mit dröhnenden Kopfschmerzen auf, ist es gar nicht so einfach, im Hier und Jetzt anzukommen. Trotzdem. Irgendetwas irritiert mich. Meine Erfahrung mit Frauen ist alles andere als begrenzt, aber eine, die zur selben Zeit mit mir im Bett liegt und Kaffee macht, hatte ich noch nie. Ruckartig hebe ich die Augenlider an und fokussiere meinen Blick. Ihr Gesicht ähnelt einer Billardkugel – es ist rund und glänzt. Die kleine allzu perfekte Nase passt irgendwie nicht dazu und die aufgewölbten Lippen sind ebenfalls kein Zufall der Natur. Blitzartig richte ich mich auf und rutsche zurück, soweit es geht, lehne mich an das Kopfteil.

»Na, endlich aufgewacht?«

Die Frage stellt nicht die Frau in meinem Bett, die mich entgeistert anstarrt, sondern eine andere. Sie steht in der Tür, ist groß und spindeldürr, was auch das Hemd, das nur den Ansatz ihrer Oberschenkel bedeckt, nicht verbirgt. Mein Hemd!

»Was machst du hier?«

Dass dies eindeutig eine blöde Frage ist, merke ich trotz des Presslufthammers, der in meinem Schädel wütet. Prompt schüttelt sie grinsend den Kopf, setzt sich auf den Bettrand und hält mir eine Tasse mit Espresso unter die Nase. Reflexartig ergreife ich sie und leere sie mit einem Schluck. Es passieren zwei Dinge zugleich: Erstens verbrenne ich mir die Zunge und zweitens verziehe ich angewidert das Gesicht. So ein scheußliches Gesöff habe ich in all den Jahren, in denen ich rund um die Welt arbeitete, noch nie getrunken.

»Wir warten darauf, dass du dein Versprechen einlöst«, erklärt die mit dem kugelrunden Kopf.

»Welches?«

Die Frage könnte ich mir sparen, denn mit diesen beiden hatte ich sicher keinen Sex – und ich würde keinen haben. Aber was tun sie hier?

»Du bist ein Arschloch.« Miss Zaundürr steht auf, dreht sich um und stolziert auf ihren Zahnstocherbeinen aus dem Zimmer.

»Allerdings«, bestätigt die auf meinem Bett und krabbelt auf allen vieren zum Rand, wo sich das Laken verabschiedet und ihre Kurven zur freien Ansicht präsentiert.

Ich stöhne auf.

Was um Himmels willen habe ich mir dabei gedacht?

Wie sind die beiden hierhergekommen?

Ich schätze Frauen mit üppigen Formen – wenn sie proportioniert sind. Aber das ... Man sollte Unterwäscheherstellern verbieten, Stringtangas ab einer bestimmten Größe zu produzieren.

»Ich habe keinen blassen Schimmer, woher du deinen Ruf als absolut heißer und unwiderstehlicher Typ hast, Robert Richter. Du bist weder charmant noch ausdauernd noch sonst irgendetwas von dem, was man über dich so hört.« Die Dicke bückt sich und bedeckt sich endlich mit einem Kleid, das ihren Körper so eng umschließt, dass jedes Speckröllchen klar zu sehen ist. Schwungvoll dreht sie sich um und wirft ihre langen Haare zurück. »Du bist einfach nur ein Riesenarschloch.«

Sie ist bereits an der Tür, als mir heiß und kalt wird.

»Was meinst du mit ausdauernd?«, rufe ich ihr nach.

Wie in Zeitlupe dreht sie sich um. Nicht sie antwortet, sondern ihre Freundin, die plötzlich hinter ihr auftaucht und sie um einen guten Kopf überragt.

»Falsche Wortwahl. Du hast nur eine große Klappe, mehr nicht. Einer, der zwei Frauen abschleppt und ihnen das Blaue vom Himmel verspricht, sollte zumindest versuchen, sich zu beweisen. Aber du bist in dem Moment eingeschlafen, in dem dein Hintern das Bett berührt hat.«

»Tut mir leid.«

Nein, tut es nicht. Ganz und gar nicht.

Die Kleinere lacht höhnisch auf.

»Wer’s glaubt, wird selig.«

Eben, du hast es erfasst.

»Egal. Macht ihr bitte die Tür von draußen zu, wenn ihr geht?«

»Du hast was?« Jason starrt mich fassungslos an. »Bist du von allen guten Geistern verlassen, Robert?«

Tja, er ist seit ewigen Zeiten mein bester Freund und darf so mit mir reden. Jedem anderen würde ich eine auflegen, wenn er mir auf diese Art kommt.

»Du weißt doch, dass ich sonst nie mehr als ein oder zwei Gläser trinke«, erkläre ich ihm ruhig. »Aber gestern war eben ein besonderer Abend.«

»Warum? Weil ich dir endlich offiziell den Geschäftsführerposten angeboten habe? Der bist du ohnehin schon seit Jahren.«

»Nicht mit Brief und Siegel.«

»Und da wir das Ganze jetzt schriftlich gemacht haben, hast du dich abgeschossen und das Silikon-Duo in deine Wohnung mitgenommen?«

»Wen bitte?«

»Sag nicht, du hast das noch nicht gehört? Unsere Mitarbeiter nennen die lange Dünne und die kurze Dicke so. Die eine hat ihre Brüste aufpumpen lassen und die andere die Lippen.«

Ich zucke mit den Achseln und widme mich wieder der Liste mit den Spirituosen. Wie jeden Nachmittag kontrolliere ich die Bestände der Bar und entscheide, was aus dem Keller zu holen ist, bevor wir öffnen. Heute haben wir zwar keine Liveshow, aber das Vibes ist abends immer voll und der Durst groß.

»Robert.« Jason packt mich am Kinn und nötigt mich, ihn anzusehen. Ich bin mit meinen eins zweiundachtzig wirklich nicht klein, doch zu seinen eins neunzig fehlt eine Handbreit, und ich bin gezwungen, nach oben zu schauen. Augenblicklich meldet sich der Kopfschmerz wieder. Ich blinzele irritiert, packe Jasons Handgelenk und zwinge ihn, mich loszulassen.

»Okay«, knurre ich. »Ich habe Scheiße gebaut, verstanden. Nur kann ich mich ehrlich gesagt nicht erinnern, was gestern passiert ist.«

»Heute, Robert«, stellt er klar. »Sophie und ich sind erst kurz nach eins gegangen, und da warst du wie immer.«

»Im Sinne von?«

»Sicher nicht angetrunken. Du bist zwischen der Bar und unserem Tisch hin und her gependelt und hast dich nicht zu uns gesetzt, obwohl Benjamin und Leonie dich mehrmals aufgefordert haben, nachdem alle anderen gegangen sind.«

Absurd.

»Ich habe sicherlich zu viel getrunken – und das ist keine Ausrede, Jason, sondern eine Tatsache. Ich habe einen kompletten Filmriss.«

Kopfschüttelnd versuche ich, wie schon in den vergangenen sechs Stunden seit dem Aufwachen, mich an irgendetwas zu erinnern, was in den frühen Morgenstunden passiert ist – aber es ist alles weg. »Ich wusste nicht einmal, dass diese beiden Frauen letzte Nacht hier waren.«

»Nicht nur du, Robert. Ich habe sie ebenfalls nicht gesehen – doch Sophie und ich sind hier raus.« Jason deutet auf die interne Treppe, die für das Publikum gesperrt ist. Oben liegen unsere Büros und von dort gelangt man ins Stiegenhaus, das zum rückwärtigen Ausgang in den Hinterhof führt – und auch hinauf zu Jasons Appartement.

»Aber zwei wie die sollten doch auffallen, oder nicht?«

Ich schaue meinen besten Freund fragend an.

Keine Ahnung, was ich versuche.

Will ich eine Erklärung dafür finden, dass ich gleich zwei Frauen abgeschleppt habe, die absolut nicht in mein Beuteschema passen? Als ob ich eines hätte. Meine Sturm-und-Drang-Zeit habe ich längst hinter mir gelassen. Nicht, dass ich alt wäre. Mit Mitte dreißig ist ein Mann doch in der Blüte seines Lebens – beruflich gesehen. Privat ist das etwas anderes. Um mich herum haben im letzten Jahr so viele ihr bis dahin angeblich perfektes Singledasein aufgegeben, dass ich mich eigenartig fühle. Allein. Wobei ... das hatte ich gewollt, als ich damals nach der Matura aus Wien fortgegangen bin – und bin es geblieben. Ich bin nicht zurückgekehrt, um im klassischen Sinn sesshaft zu werden, obwohl meine Familie, vor allem meine Mutter, genau das hofften, sondern um Jason zu helfen. Es war immer schon klar gewesen, dass er irgendwann das Vibes übernehmen würde und er mich dann an seiner Seite wollte. Wie bereits während der Hotelfachschule, als wir gemeinsam lernten und an den Wochenenden und in den Ferien hier arbeiteten.

Vor knapp acht Jahren war es schließlich so weit – und ich war der Erste, den er anrief, nachdem ihm seine Eltern ihren Entschluss mitteilten, bevor sie nach Südamerika zogen. Ich hatte ein paar Monate Zeit, um mit meinem Zigeunerleben abzuschließen, während er das Lokal – und das ganze Haus – generalsanieren ließ. Als das Vibes wieder eröffnete, dauerte es nicht lang, bis es das beliebteste Szenelokal im Bermudadreieck wurde. Das war etwas, was Jasons brasilianischer Vater, der als Dragqueen hier große Erfolge gefeiert hat, und seine Mutter, die aus der Ehe eines GIs, eines schwarzen Besatzungssoldaten aus Louisiana, und einer Wienerin entstammte, nie erwartet hätten. Ich schon – und Jason »Toffifee« Hart besitzt heute eine Holding mit drei Firmen und einer Stiftung. Mein bester Freund ist ein erfolgreicher Unternehmer und zugleich ein Wohltäter, der für verfolgte Frauen und Obdachlose kämpft – und ich bewundere ihn dafür. Das war immer so – doch seit ein paar Monaten beneide ich ihn auch. Nicht um die hohen Gewinne, von denen er einen Großteil in die Frauenhäuser und das Obdachlosenheim steckt. Nicht um Sophie, die ich wie eine Schwester liebe und die für ihn der Lottosechser ist – so wie er für sie. Nein, es ist einfach die Tatsache, dass mein Leben inhaltslos ist und jeden Tag leerer wird. Ich bin verdammt noch einmal immer allein. Und ich bin einsam – trotz all der Menschen, die ständig um mich herum sind.

»Die beiden haben dich gestern angepeilt, Robert, und ich trau mich wetten, die haben dir etwas ins Bier gekippt«, sagt jemand hinter mir.

»Wie bitte?« Blitzschnell drehe ich den Kopf und fixiere Tobias, einen unserer Barkeeper, der soeben um die lange Theke herumgeht und auf mich zukommt.

»Bist du sicher?« Jason schaut stirnrunzelnd in seine Richtung.

»Hey, nein, bin ich nicht.« Tobias hebt beide Hände, als ob er sich einem Polizisten ergeben wollte. »Ich habe keine Beweise, wenn ihr das meint. Aber nachdem du mit Sophie gegangen bist, Jason, haben sie sich an die Theke gesetzt.«

»Und?« Ungeduldig fordere ich ihn auf, weiterzusprechen.

»Wie schon zweimal im Laufe des Abends hast du Bargeld nach oben in den Safe gebracht und warst gleich wieder zurück. Ich habe mich noch gewundert, dass du darauf eingestiegen bist, mit den beiden zu reden und sogar etwas zu trinken.«

»Warum?« Jasons Blick gleitet von Tobias zu mir.

Ich zucke mit den Achseln und Tobias runzelt die Stirn. »Es war wirklich eigenartig. Robert wechselt doch nie hier im Lokal mit Frauen mehr als nur ein paar Worte, abgesehen von Sophie und den engsten Freundinnen. Außerdem sitzen die zwei, seitdem sie vor etwa einem Monat zum ersten Mal hier waren, nie hier im hinteren Bereich, und er geht nur nach vorn, wenn er kurz die Lage kontrolliert. Ich glaube nicht, dass ihm das Silikon-Duo jemals aufgefallen ist.«

»Allerdings.« Ich knurre zustimmend – und habe plötzlich einen widerlichen Geschmack im Mund. »Was haben die beiden Frauen getrunken?«

»Bier, so wie du«, beantwortet Tobias meine Frage.

»Flasche oder vom Fass?«

»Du hast es abgezapft. Drei Seidel.«

Ich kann mich nicht erinnern. Bis auf die Kopfschmerzen, die immer noch im Hintergrund darauf lauern, sich wieder bemerkbar zu machen, ist da nichts.

»Die Lange und die Dicke saßen also an der Theke und ich war dahinter und wir haben uns unterhalten.« Ich fixiere Tobias.

»Ich würde eher sagen, die beiden haben auf dich eingeredet und du hast sie angeschwiegen.«

»Und dann?«

»Das weiß ich nicht, Robert. Du hast gesagt, dass ich gehen kann, und ich bin gegangen.«

»Wann war das?« Jason kommt mir mit seiner Frage zuvor.

»Um halb drei.«

Tobias deutet auf die Liste mit den Spirituosen und ich schiebe sie ihm zu. Er macht einen Schritt zur Seite und will an mir vorbei, als Jason seinen Arm ausstreckt und ihn festhält.

»Und wie war Robert da?«

»Eigentlich ...« Er druckst herum. »Nicht so locker wie sonst, aber um die Uhrzeit kann das jedem passieren, dass er müde ist, oder?«

»Du hast das Gefühl gehabt, dass ich müde war?«

Er zuckt mit den Achseln und lächelt mich entschuldigend an. »Mensch, Robert, du bist mein Chef. Seit gestern noch mehr als bisher, jetzt wo du offiziell der Geschäftsführer bist. Was hätte ich denn tun sollen? Nur weil einer ein wenig Schlagseite hat, bedeutet das ja nicht ...«

»Tobias!« Jason schlägt mit der Faust auf den Tresen. »Robert war absolut in Form, als ich mich mit Sophie verabschiedet habe und wir nach oben gegangen sind. Das weiß ich und das weißt du. Und jetzt sagst du, dass er eine halbe Stunde später müde war und leicht angetrunken wirkte, richtig?«

Das Papier, das Tobias in den Händen hält, raschelt. Er ist auf dem besten Weg, die Liste vor lauter Nervosität zusammenzuknüllen. Ich greife danach und schüttele den Kopf.

»Scheiße!« Er verdreht die Augen. »Ich hätte mir denken sollen, dass mit den beiden irgendwas nicht in Ordnung war, Robert. Du würdest dich nie mit irgendwelchen Tussis abgeben – schon gar nicht mit denen. Erst vorhin, als ich Jason und dich reden hörte, habe ich eins und eins zusammengezählt.«

Und plötzlich begreife ich. Nicht, dass ich mich erinnern könnte, aber auch ich kann Fakten addieren.

»Du musst recht haben, Tobias. Die haben mir irgendwas ins Glas getan und mich dazu gebracht, sie mitzunehmen.«

»Die waren bei dir?« Er reißt die Augen auf.

»Allerdings. Die eine war in meinem Bett, als ich aufwachte, und die andere hat mir einen Kaffee gemacht. Sie haben etwas davon gefaselt, dass ich mein Versprechen einlösen sollte.«

»Und du?«

»Ich habe die beiden ersucht, die Tür von draußen zu schließen.«

»Wenigstens das.« Tobias streckt den Arm nach der Liste aus und ich reiche sie ihm. Er deutet darauf. »Brauchen wir sonst noch etwas von unten?«

Ich schüttele den Kopf – und komme nicht dazu, Jasons Blicke zu beantworten. Es ist zwanzig vor sechs, und innerhalb weniger Minuten treffen nacheinander alle Mitarbeiter ein, grüßen uns und bleiben abwartend vor mir stehen. Wie immer würfele ich die Teams für den Abend zusammen und teile jedem seinen Bereich zu. Als Tobias mit den Flaschen zurückkommt, die er aus dem Keller geholt hat, werfe ich Jason einen Blick zu und deute zur Treppe.

Wenig später schauen Jason und ich nebeneinander über die Brüstung nach unten. Der Bartresen ist riesig und normalerweise arbeiten wir dort zu dritt, manchmal auch zu viert. Es werden nicht nur Cocktails gemixt – oft zur Musik und mit akrobatischen Einlagen. Die Servicemitarbeiter, die an den Tischen servieren, holen sämtliche Getränke an der Bar. Alles, was rausgeht, wird erfasst, die Kontrolle ist lückenlos. Nur die kleinen Snacks, ebenso wie die Schälchen mit Nüssen, Chips und Oliven, holen wir aus dem Raum zwischen dem öffentlichen Bereich und der Küche. Dieser entspricht mit der schleusenähnlichen Durchreiche den höchsten hygienischen Standards.

Das Vibes ist ein großes Lokal und das Publikum, allen voran die Stammgäste, lassen viel Geld bei uns. Dementsprechend erwarten sie den besten Service – und wir garantieren dafür. Jason als Besitzer und ich als derjenige, der in den ersten drei Jahren nach der Wiedereröffnung an seiner Seite war und in den darauffolgenden, in denen er zuerst die Eventagentur Vibes Events und kurz darauf das Modelabel Vibes Fashion gegründet hat, führe ich das Vibes de facto allein. Nun bin ich offiziell der Geschäftsführer. Doch anstatt glücklich zu sein, fühlt es sich an, als ob ich langsam in einem moderigen Sumpf versinken würde, ohne eine Chance auf Rettung.

»Haben sie dir etwas gestohlen?« Jason bringt mit einer Frage das Gespräch wieder auf letzte Nacht zurück. Als ob die mein Problem wäre.

»Nein.« Ich schüttele den Kopf und beobachte, wie Tobias und Mario die Vorbereitungen vor der Öffnung abschließen, bevor sie beide eine Hand hochheben. Das ist das Zeichen für denjenigen, der an der Eingangstür wartet, aufzusperren und die bereits wartenden Gäste einzulassen. Ich drehe mich um und stütze mich mit den Ellenbogen auf dem Geländer ab. »Das war das Erste, was ich heute kontrolliert habe, nachdem die beiden weg waren, Jason. Die haben nichts gestohlen, und ehrlich gesagt bezweifle ich auch, dass wir zu dritt in meinem Bett geschlafen haben. Die Zaundürre hatte zwar mein Hemd an und ich nur meine Shorts, und die andere war bis auf einen Stringtanga nackt, aber das war’s schon.«

»Hätte mich auch gewundert, wenn du ausgerechnet mit denen einen Dreier ...«

Ich fühle die Galle, die sich aus meinem Innersten ihren Weg nach oben bahnt, schlucke, räuspere mich.

»Weißt du, dass ich mich nicht einmal mehr an den einen erinnere, damals, als ...«

»Das war kein Dreier, Robert. Wir waren zu viert, aber wir hatten beide lediglich eine Frau.«

»Du sprichst von dem Kurztrip nach Ibiza?«

»Der war einfach nur scheußlich.« Jason schüttelt sich und verzieht das Gesicht, bevor er die Augen zusammenpresst und mich stirnrunzelnd anschaut. »Das war aber nicht das einzige Mal, dass du mit mehr als einer ...?«

»Ha, ha, ha. Du hast mich gerade aufgeklärt, dass wir zwar zu viert waren, im Grunde genommen allerdings jeweils zu zweit, und jetzt willst du wissen ...«

Warum sollte ich weiterreden? Nur weil ich ein Szenelokal leite und ein freundlicher Mensch und nicht hässlich bin, habe ich einen Ruf, den ich wahrlich nicht verdiene. Aber Jason weiß das.

»Hast du nicht?« Mit seinen Worten widerlegt er meine Annahme.

»Nein«, fauche ich ihn an. »Ich frage mich, weshalb alle glauben, dass ich Frauen gruppenweise flachlege. Das ist nicht mein Stil, Jason – und das war er nie. Nicht einmal damals, mit neunzehn, nachdem ich aus Wien weggegangen bin, hat mich das interessiert. Ich will Frauen nicht benutzen, sondern glücklich machen, bevor ich auch an mich denke. Jemand anderen zu befriedigen ist der erste Schritt auf dem Weg zu einem erfüllenden Abenteuer.«

»Sexabenteuer«, präzisiert Jason.

»One-Night-Stand, Quickie, nenn es, wie du willst. Aber ja.«

»Wir müssen herausfinden, was die beiden gestern von dir wollten.«

Ich lache auf. »Müssen wir das? Warum denn? Wir wissen es doch. Sex.«

»Bist du dir sicher?«

»Ich hab dir gesagt, dass sie von meinem Ruf gesprochen haben und davon, dass ich ihm nicht gerecht werde.«

»Wir sollten mit ihnen reden.«

»Aber sicher nicht.« Ich lache verächtlich. »Ich will sie nicht mehr wiedersehen – und ich hoffe, dass auch sie sich nicht noch einmal hier blicken lassen. Zwei, die von allen Silikon-Duo genannt werden und auf Drogen zurückgreifen müssen, um einen Mann ins Bett zu kriegen, sollte man einfach nur vergessen. Außerdem weiß ich nicht, wie sie heißen, oder sonst was – nur ihr Aussehen hat sich mir eingeprägt.«

Ein eisiger Schauer erfasst bei der Erinnerung an die beiden in meiner Wohnung meinen ganzen Körper. Zum Glück habe ich die Bettwäsche in die Waschmaschine gestopft und stundenlang durchgelüftet, nachdem sie weg waren.

»Und was, wenn sie irgendwelche Geschichten über dich in Umlauf bringen, Robert?«

»Das ist mir so was von egal, glaube mir. Ich habe wirklich andere Probleme, Jason.«

Erst als ich es ausspreche, merke ich, wie unser Gespräch kippt. Und er wäre nicht mein bester Freund, wenn es ihm nicht auffiele. Jasons Gesichtsausdruck verändert sich. Nichts ist mehr von der Wut auf diese beiden Frauen zu erkennen. Er macht einen Schritt von der Brüstung weg, streckt die Hand aus und legt sie mir auf die Schulter.

»Was ist los mit dir?«

Zuerst schüttele ich den Kopf.

Er ist mein bester Freund! Wem, wenn nicht Jason, kann ich vertrauen?

»Ich weiß selbst nicht, was genau mit mir los ist. Mein ganzes Leben fühlt sich so verdammt leer an.«

»Aber ...«

Ich unterbreche seinen Einwurf mit einem Handzeichen.

»Ich rede nicht von meinem Berufsleben, Jason. In der Hinsicht läuft alles perfekt. Der Rest hingegen ...«

»Was ist damit?« Jason legt fragend die Stirn in Falten.

»Genau das ist das Problem. Es gibt keinen Rest. Nichts. Niente. Nada. Mein ganzes Leben dreht sich nur um die Arbeit. Egal, ob ich auf dem Laufband bin, Gewichte hebe, mir einen Milchshake mixe oder ein Steak abbrate – das Einzige, woran ich denke, ist das Vibes. Selbst wenn ich in den frühen Morgenstunden aufwache, passiert das nur aus zwei Gründen. Entweder drückt die Blase oder mir ist im Schlaf eingefallen, dass ich vergessen habe, die Bestellung an die Destillerie Macallan nach Schottland zu schicken. Wahlweise die an die Brauerei oder an den Lieferanten der gesalzenen Erdnüsse.«

»Das ist aber jetzt nicht dein Ernst?« Jason schiebt die Augenbrauen über seiner Nasenwurzel zusammen, bis sich die senkrechte Falte bildet.

»Doch, ist es.«

Ungläubig starrt er mich an. »Du wachst nie auf, weil du erregt bist und das dringende Bedürfnis hast, die Frau neben dir noch einmal zu nehmen, um sie deinen Namen stöhnen zu hören?«

Ich atme tief ein und wieder aus.

»Weißt du, wann ich das letzte Mal Sex hatte, Jason?«

Er schüttelt den Kopf.

»Das war zu der Zeit, als ich für dich Sophies Adresse herausgefunden habe.«

»Aber das ist schon Monate her!«, ruft er aus und schlägt sich auf den Mund. Vorsichtig wirft er einen Blick über die Brüstung nach unten, doch niemand schaut zu uns herauf. Mittlerweile hat sich das Lokal gefüllt. Die Gespräche und die Musik sind laut genug, unsere Stimmen zu absorbieren.

»Eben«, erwidere ich bitter. »Deshalb habe ich mich auch ziemlich gewundert, dass ich heute nicht wie jeden Tag allein aufgewacht bin. Es kotzt mich nämlich an, irgendwelche Tussis mit zu mir zu nehmen, gefühllosen Sex zu haben und das Ganze nach ein paar Tagen zu wiederholen. Und weißt du was?«

Er verneint mit einer stummen Geste.

»Das Erlebnis mit dem Silikon-Duo hat mir die Augen geöffnet. Ich muss mein Leben ändern, wenn ich nicht unter die Räder kommen will. Diese sich stets wiederholende Alltäglichkeit, die für mich ja nicht einmal ein Wochenende vorsieht, weil ich da noch mehr arbeite als an den anderen Tagen, macht mich krank. Ich brauche Abwechslung.«

Jason drückt meine Schulter fester.

»Und woran hast du gedacht? Einen Urlaub?«

Ich lache irritiert auf.

»Sicher nicht. Egal, wo ich hinfliege, ich bin auch dort allein. Davonrennen bringt nichts. Zuerst einmal kaufe ich mir eine Eigentumswohnung und dann sehen wir weiter.«

»Endlich!« Jason lächelt über das ganze Gesicht und seine schneeweißen Zähne blitzen auf. »Mittlerweile reicht dein Geld für ein Penthouse, nehme ich an.«

Unwillkürlich muss ich schmunzeln.

Als ich mit neunzehn aus Wien wegging, hatte ich nur ein Ziel: Ich wollte so viel verdienen, um mir schuldenfrei eine Zweizimmerwohnung in der Innenstadt kaufen zu können. Wenn man so wie ich im ersten Bezirk aufgewachsen ist, will man nicht weg – aber hier sind Eigentumswohnungen für Normalverdiener unerschwinglich. Zehn Jahre lang habe ich hart gearbeitet und hatte bei meiner Rückkehr sogar genug für drei Zimmer zusammen – je nach Größe, Lage oder Zustand auch eines mehr. Doch anstatt mir meinen Wunsch sofort zu erfüllen, bin ich in eine von Jasons Mietwohnungen gezogen. Vorerst, sagte ich damals. Seither sind fast sieben Jahre vergangen.

Heute

Bum. Bum-bum. Ich zucke zusammen und starre auf die Wand, die meine mit der Nachbarwohnung gemeinsam hat. Mit einer hilflosen Geste fahre ich mir mit gespreizten Fingern durch die Haare. Seit bald zehn Wochen überlege ich mir jeden dritten oder vierten Tag, den Immobilienmakler anzurufen, der mir die Wohnung verkauft hat. Die Hausverwaltung. Die Polizei. Um was zu sagen? Dass meine Nachbarin – die »eine entzückende junge Dame mit allerbesten Manieren ist« (Aussage der Vorbesitzerin) – mit Türen schlägt oder die Musik so laut aufdreht, dass selbst Tote aufwachen würden? Die Reaktion kann ich mir bildlich vorstellen. »Normale Menschen schlafen nicht bis mittags, wie Sie es offenbar tun, Herr Richter. Vielleicht sollten Sie Ihr Zeitmanagement überdenken und akzeptieren, dass die alltäglichen Arbeiten in einem Haushalt Geräusche mit sich bringen?« Rums. Ein Ausruf. Bum. Ich springe von der Bettkante hoch, laufe aus dem Schlafzimmer und bis zur Wohnungstür. Meine Finger umschließen bereits die Klinke, als ich einen Blick auf meine nackten Füße erhasche. Himmel! Blitzartig ziehe ich die Hand zurück – und höre Gekicher. Lautes Gegacker im Stiegenhaus und ich stehe splitterfasernackt hinter der Tür und fühle den immensen Wunsch, sie aufzureißen und dieses Huhn mitsamt ihren Freundinnen anzufauchen. Nur nicht so! Fehlt nur noch, dass die Weiber sich auf mich stürzen wie das unsägliche Silikon-Duo. Die beiden wurden zwar mittlerweile auf frischer Tat ertappt (offenbar hatten sie es so nötig, dass sie nicht nur mich mit bunten Pillen gefügig machen wollten) – aber man muss ja nicht ein Übel gegen ein anderes eintauschen. Das Gekicher geht weiter, eine Frau lacht laut, und wieder gibt es ein Geräusch, als ob eine kleinere Bombe einschlagen würde. Wenn die vorhaben, hier draußen ein Kaffeekränzchen abzuhalten, werde ich ihnen den Spaß gründlich verderben. Ich mache kehrt, peile das Schlafzimmer an und verschwende keinen Gedanken an Unterwäsche. Ich schnappe mir eine Jeans und ziehe sie an, darüber ein Trainingsshirt, fahre mir durch die Haare und rase zurück zur Wohnungstür. Ohne einzuhalten, reiße ich sie auf – und erstarre. Sehe rot. Ein Meer von roten Schuhen, roten Strümpfen, roten Röcken und Jacken.

Sie sind zu fünft – und jede Einzelne dreht sich zu mir um.

Frauen? Ja, eindeutig. Hühner? Habe ich sie in meinem Geiste so genannt, weil ihr Kichern nach Gackern klang? Nur tun sie das jetzt nicht, stattdessen gleiten ihre Blicke über meinen Körper – und sie reden durcheinander.

»Das ist also dein neuer Nachbar, Vivi?«

»Kein Wunder, dass du ihn vor uns versteckst.«

»Und, wie gut kennt ihr euch schon?«

Diejenige, die zuletzt gesprochen hat, leckt sich lasziv über die Lippen und fixiert genau die Stelle, die ich in diesem Moment nicht ganz unter Kontrolle habe. Mein Schwanz ist ein Verräter, zuckt aufgeregt, doch wer kann’s ihm verdenken? Diese fünf sind vom Silikon-Duo so weit entfernt wie die Sonne vom Mond. Generelle Bewertung: überdurchschnittlich. Aber eine sticht hervor. Sie ist die Kleinste, kaum eins siebzig schätze ich. Jetzt streicht sie sich über den kurz geschnittenen blond gesträhnten Bob, schiebt die Haare auf einer Seite hinters Ohr und tritt auf mich zu. Gott im Himmel, was für Augen! Nicht der undefinierbaren Farbe wegen, die irgendwo zwischen Grau und Grün angesiedelt ist. Nein, sie sind leicht schräg gestellt wie die einer Katze und dominieren mit den hoch geschwungenen Augenbrauen das perfekt gezeichnete Oval ihres Gesichts. Aber nicht das ist es, was sie auffallen lässt. Es ist ihr eisiger Blick. Ein unangenehmer Schauer löst sich in meinem Nacken und breitet sich über die Wirbelsäule in meinem Körper aus.

»Sie sind also Herr Richter.« Bei ihren Worten sinkt die Temperatur noch ein paar Grad. Eiskalt ist das einzige Attribut, das zu ihr passt.

»Und Sie sind?«

Sie wirft mir einen hochmütigen Blick zu.

»Ihre Nachbarin, wer sonst?«

»Natürlich.«

»Sie haben sicher etwas zu erledigen, nehme ich an, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass Sie so auf die Straße wollen.«

Sie taxiert meine bloßen Füße, und zum ersten Mal in meinem Leben frage ich mich, ob sie hässlich sind. Wahrscheinlich – sonst würde sie nicht auf diese Art den Mund verziehen, oder?

»Eigentlich wollte ich zu Ihnen.« Immerhin bin ich in der Lage, zu kontern. Das ist schon etwas.

»Um was zu tun? Sagen Sie nicht, dass Sie sich nach zwei Monaten endlich dazu aufraffen, sich vorzustellen.« Sie lacht höhnisch auf. »Brauchen Sie immer so lang, um eine Entscheidung zu treffen?«

Blödes Aas. Dumme Kuh. Huhn. Das kann ich besser als du!

»Ehrlich gesagt habe ich es mir bisher verbissen, Sie darauf hinzuweisen, dass Sie nicht allein in diesem Haus leben, Frau Nachbarin. Jetzt frage ich mich, weshalb ich Sie nicht früher mit Ihrem rücksichtslosen Verhalten konfrontiert habe.«

»Rücksichtslos?«

Sie zieht die Augenbrauen fast bis zum Haaransatz hoch.

»Sie schlagen mit den Türen, lassen ständig irgendetwas fallen, das sich nach Felsbrocken anhört, und Sie drehen die Musik so laut auf, als ob Sie sämtliche Bewohner der Straße beschallen wollten.«

Ihre Augen werden kugelrund, doch sie sagt kein Wort. Nicht zu mir. Stattdessen wendet sie sich den anderen vier Frauen zu, die sprachlos zwischen ihr und mir hin und her schauen.

»Ich habe euch gesagt, dass ihr leise sein sollt.«

»Oooooh!« Eine schlägt sich die Hand vor den Mund.

»Das tut uns leid«, entschuldigt sich eine andere bei mir.

»Es ist immer so hektisch, bevor wir fliegen«, erklärt die Dritte.

Nur die Vierte, die nicht viel älter als zwanzig und somit eindeutig die Jüngste ist, senkt beschämt den Blick.

»Das war das Stichwort.« Meine Nachbarin, die es offenbar nicht der Mühe wert findet, mir Ihren Namen zu verraten, deutet zu ihrer offen stehenden Wohnungstür. »Der Shuttle wartet, habt ihr alles?«

Nein, sie schaut nicht zu mir und fügt dem, was ihre Freundinnen gesagt haben, kein Wort hinzu. Stattdessen geht sie in ihren Flur und legt ihre Hand um den ausgefahrenen Griff eines riesigen schwarzen Trolleys. Die anderen schnappen sich ebenfalls jede einen Rollkoffer – die sind ebenso identisch wie ihre Uniformen – und endlich erklärt sich der Lärm. Was auch immer sie in ihrem Gepäck haben, es scheint so schwer zu sein, dass sie nicht in der Lage sind, die Trolleys anzuheben. Selbst in den Lift, den eine von ihnen gerufen hat und der nun auf unserem Stockwerk hält, hieven sie die Dinger hinein, als ob es sich um Zementsäcke handeln würde. Kurz frage ich mich, ob die Kabine des Aufzugs, deren Boden sich bei jedem Aufprall eines Gepäckstücks absenkt, stabil genug ist, um sie alle aufzunehmen. Bis zu dem Moment, in dem meine Nachbarin ihren Koffer hineinschiebt und zurücktritt.

»Ich gehe zu Fuß«, verkündet sie und dreht sich zu mir um. »Genießen Sie die kommenden vier Tage die Ruhe, Herr Richter. Wir fliegen Langstrecke.«

Heißt es nicht immer, dass Flugbegleiterinnen freundlich sind? Vor allem die in den roten Uniformen der Austrian Airlines, die sich die Friendly Airline nennt? Mir fehlen die Worte – und zwar so lang, bis sie auf dem nächsten Treppenabsatz ankommt. Das Letzte, was ich sehe, ist ihr Hüftschwung und das ansehnliche Hinterteil, bevor sie aus meinem Blickfeld verschwindet.

Habe ich tatsächlich gedacht, dass es dazu einlädt, sich daran festzuhalten und es vom störenden Stoff zu befreien, um ihre weibliche Perfektion hüllenlos zu genießen? Ich muss verrückt gewesen sein. Diesen Eisblock würde ich nicht einmal mit der Kneifzange angreifen!

2

»Es ist mir eine Freude, Sie kennenzulernen, Frau Schindler.«

Der untersetzte Typ mit dem lichten, quer über den Kopf gegelten Haar streckt mir seine Hand entgegen. Wenn ich könnte, würde ich sie ignorieren. Ebenso wie sein schmieriges Lächeln. Stattdessen schlucke ich runter und erwidere den Händedruck.

»Ebenfalls, Herr Peichl.«

Von wegen! Allein die Art, wie er meine Hand zu lange festhält und nicht meine Augen, sondern mein Dekolleté fixiert, ist eindeutig. Er würde mir hier auf der Stelle unter den Rock oder in die Bluse greifen – wahrscheinlich beides zugleich –, wenn ich nicht in der Hierarchie die Position hätte, die ich habe. Nämlich dieselbe wie er.

Nur zwei Wochen, dann bist du ihn los. Das ist es, was ich mir innerlich wie ein Mantra unablässig vorbete, während ich mit ihm durch die Spielsäle gehe, Mitarbeitern zunicke, die mir von den Tischen her neugierige Blicke zuwerfen, und mich mit allem vertraut mache. Meine Eltern verbrachten bis zu ihrer Trennung jeden Hochzeitstag in der Cercle Bar, wo sie sich kennengelernt hatten. Damals war ich zu klein, um mich erinnern zu können, aber Papa erzählte mir davon und liebte es, bei unseren Spaziergängen durch die Stadt am Kasino vorbeizugehen. Er tat so, als ob es ein Zufall wäre, doch ich wusste es besser. So böse die Ehe meiner Eltern endete – er war nostalgisch und das färbte auf mich ab.

Obwohl ich bis zu meiner Volljährigkeit natürlich nicht eingelassen wurde, habe ich das Casino Wien immer als mein ganz persönliches Fantasyland angesehen. Das Palais Esterházy, das älteste Gebäude der Kärntner Straße, hat mich selbst von außen fasziniert. Doch zu wissen, dass elegant gekleidete Damen und Herren an den Roulettetischen saßen, wo französisch gesprochen wurde, war eine atemberaubende Vorstellung, die meine Fantasie beflügelte. Bereits mit sieben wusste ich, dass ich Croupier werden wollte. Mit nicht einmal zwanzig war ich es und nun, zehn Jahre später, während derer ich von den Casinos Austria rund um die Welt geschickt wurde und die Karriereleiter nach oben geklettert bin, habe ich mein Ziel erreicht. Ich bin zurück in meiner Heimatstadt und werde in zwei Wochen Herrn Peichl als Chefcroupier ablösen. Der legt mir jetzt vertraulich eine Hand auf die Schulter und festigt den Griff. Ich schüttele ihn mit einer raschen Bewegung ab und mache einen Schritt zur Seite.

»Finger weg!«, zische ich ihn an.

Er japst wie ein Fisch auf dem Trockenen. Ich muss mir ein lautes Auflachen verbeißen, presse die Kiefer zusammen. Wahrscheinlich hat ihn noch nie eine Angestellte in seine Schranken gewiesen. Aus dem Augenwinkel erhasche ich den Blick einer jungen Croupière wenige Meter von uns entfernt, deren Augenlider zucken. Nein, mein erster Eindruck hat mich nicht betrogen. Dieser Peichl ist ein Arschloch – und ich habe zwei Wochen, um ihn auffliegen und seinen Traum von der Versetzung platzen zu lassen.

»Jetzt stell dich doch nicht so an«, sagt der Depp nun sogar, als er die Sprache wiederfindet.

Damit besiegelt er sein Schicksal – auch wenn er es noch nicht weiß. Dieser schmierige Dreckskerl wird niemals meinen alten Job in Cairns übernehmen. Ich werde Tom Campbell, den dortigen Manager, der mir bei dem Vorfall vor einigen Jahren geholfen hat, als Ersten informieren müssen. Nicht sofort, aber auf jeden Fall bevor Peichl sich in ein Flugzeug Richtung Australien setzt.

»Sie sollten sich ganz rasch auf die Suche nach Ihren Manieren machen, Herr Peichl. Egal, wo Sie sie verloren haben, finden Sie sie. Und bis dahin halten Sie sich gefälligst von mir fern.«

Ich bin nicht groß, nur eins achtundsechzig. Aber jetzt, als ich mich auf meinen Fußballen umdrehe und direkt auf die junge Kollegin zugehe, die ich am Ende des Saales entdecke, fühle ich mich riesig – und das liegt wahrlich nicht an den acht Zentimetern meiner Absätze. Je näher ich der Rothaarigen komme, umso mehr gleiten ihre Mundwinkel nach oben. Noch im Gehen strecke ich die Hand aus, und sie schlägt ein, als ich unmittelbar vor ihr stehen bleibe.

»Ich bin Viktoria Schindler.«

»Karin Traxler. Sie sind die neue Chefcroupière?«

»Ich ziehe Chefcroupier vor, halte nicht viel vom Gendern.«

»Umso mehr von Emanzipation, richtig?«

»Im Sinne von Frauenquoten?« Ich schmunzele.

»Zum Beispiel.«

»Ehrlich gesagt würde ich es vorziehen, endlich damit zu beginnen, von Männerquoten zu reden.«

Sie lacht laut auf und schlägt sich die Hand vors Gesicht, als sich ein paar Leute vom nächsten American-Roulette-Tisch zu uns umdrehen.

Sie beugt sich zu mir und spricht leise.

»Haben Sie Lust auf einen Kaffee?«

»Wann sind Sie eingeteilt?«

Sie winkelt den Arm ab und kontrolliert die Uhrzeit auf ihrer Armbanduhr.

»In zwanzig Minuten.«

Ich spüre das aufkommende Lächeln, das meinen Mund umspielt.

»Perfekt. Wohin?«

Ich folge Karin in den für das Personal reservierten Bereich. Dafür, dass ich erst seit etwa einer Stunde an meinem neuen Arbeitsplatz bin, ist die Bilanz ausgesprochen positiv. Ich habe einen Idioten ausgemacht und freue mich auf die Zusammenarbeit mit Karin, deren rote Locken vor mir auf und ab wippen. Beruflich gesehen läuft es also nicht schlecht. Privat schaut es ganz anders aus. Mir graut vor dem Moment, wenn Vivi zurückkommt – denn dass sie es tun wird, war mir sofort klar, als ich gestern die Wohnungstür aufsperrte – und ich sie zur Rede stellen wollte. Ich muss wahnsinnig gewesen sein, als ich ihrem Drängen nachgegeben habe! Es gibt Dinge, die Frau mit niemandem teilen sollte. Dazu gehören die Zahnbürste, der Vibrator und Männer. Nun definitiv auch meine Wohnung. Selbst mit der eigenen Schwester nicht. Ich hätte auf das mulmige Gefühl in meinem Magen vertrauen sollen, als sie mich anrief und anflehte, ihr kurzfristig zu helfen, anstatt ...

»Sind Sie zum ersten Mal in Wien?« Karin schaut mich interessiert an.

Gott, ich würde alles dafür geben, ihre Augen zu haben! Ich dachte immer, dieses einzigartige Grün sei den Katzen der Rasse Russisch Blau vorbehalten.

»Frau Schindler?«

Verwirrt schüttele ich den Kopf und breche eine meiner eisernen Regeln, als ich ihr antworte.

»Für dich Viktoria – wenn wir allein sind.«

»Ich habe gedacht, dass du eine von denen bist, die auf dem Arbeitsplatz niemandem das Du anbieten.« Sie zwinkert mir zu, greift nach der Thermoskanne und schenkt Kaffee in zwei Becher.

»Genau so ist es.« Ich nehme den einen, öffne eine Portionspackung Kaffeeobers und gieße sie hinein. »Normalerweise«, murmele ich dann.

Karin streckt ihre Hand über den Tisch und legt sie auf meinen Unterarm.

»Danke für dein Vertrauen, ich werde es nicht missbrauchen, versprochen. Also, was hat dich nach Wien verschlagen?«

»Ich bin Wienerin.«

»Echt?« Erstaunen überzieht ihr Gesicht. »Ehrlich gesagt habe ich gedacht, dass du Engländerin oder Amerikanerin bist.«

»Weil ich so schlecht Deutsch spreche?« Ich zwinkere ihr zu.

»Nein, im Gegenteil! Man hört einfach überhaupt keinen Akzent wie bei diesen Topmanagern und Diplomaten, die rund um die Welt arbeiten und fremde Sprachen akzentfrei und problemlos erlernen.«

»Ich weiß genau, was du meinst. Man trifft in allen Kasinos auf sie.« Ich nippe an meinem Kaffee und nicke ihr zu. »Ich war die letzten Jahre nicht in Österreich, und du weißt ja, wie viel Wert die Geschäftsleitung darauf legt, dass uns alle Gäste verstehen, egal, welche Sprache wir mit ihnen reden.«

»Also bei mir wird man immer hören, dass ich Wienerin bin.« Karin seufzt. »Der Peichl wiederholt ständig, dass ich deshalb keine Chance auf Karriere habe und bis zu meiner Pensionierung eine einfache Croupière bleiben werde.«

Der Typ ist noch ein größeres Arschloch, als ich dachte.

»Und du glaubst ihm? Bist du nicht auf die Idee gekommen, dass er das sagt, weil er nicht bei dir landen kann?«

Karin lässt den Becher sinken, den sie soeben an ihre Lippen gehoben hat.

»Wieso weißt du ...?«

»Du bist attraktiv und seine Untergebene. Er hat es doch sogar bei mir probiert, obwohl er mich gerade erst kennengelernt hat!«

»Du bist atemberaubend schön, Viktoria, nicht ich. Jeder Mann würde versuchen, bei dir zu landen.«

Ich lache laut auf. Entweder schaut sie nie in den Spiegel oder sie braucht eine Brille. Wahrscheinlich beides.

»Ich werde nicht mit dir über dein Selbstbild diskutieren, dazu kennen wir uns noch nicht lang genug. Außerdem musst du in ein paar Minuten in den Saal. Nur so viel: Männer wie den Peichl gibt es überall. Sie erreichen mit Verbissenheit und Ellenbogentechnik eine berufliche Position im oberen Mittelfeld und bleiben ihr Leben lang auf genau dieser Sprosse der Karriereleiter hängen. Nicht nur, dass sie vom Optischen her absolut nichts zu bieten haben, sie sind gehässig und missgünstig. Deshalb treten sie nach unten und halten sich weiblichen Mitarbeitern gegenüber nicht mit anzüglichen Bemerkungen zurück – und manche gehen darüber hinaus. Ich habe in den zehn Jahren, in denen ich für die Casinos Austria arbeite, etliche Fälle von Mobbing ebenso wie Stalking miterlebt.«

Auch am eigenen Leib. Und es tut immer noch weh – trotz der langen Zeit, die seither vergangen ist. Aber das gehört nicht hierher. Überhaupt ist es etwas, was im hintersten Winkel meiner Erinnerung gut aufgehoben ist. Das Einzige, was zählt, ist der Entschluss, den ich damals gefasst habe.

»Er wird nicht der Erste sein, den ich zu Fall bringe, Karin. Das verspreche ich dir. Und sobald das Kapitel abgeschlossen ist, werden wir uns gegenseitig helfen.«

Sie schaut mich stirnrunzelnd an. Ich weiß nicht, ob sie denkt, dass ich verrückt bin – was mich nicht wundern würde. Obwohl seit Kurzem die erste Frau auf dem Sessel des Generaldirektors der Casinos Austria sitzt, hat die Gleichstellung der Geschlechter zwar in der höchsten Etage ein Gesicht, doch sie spiegelt nicht die Realität innerhalb des Unternehmens und der Gesellschaft wider. Aber Karin scheint nicht darüber nachzudenken.

»Und wie sollen wir uns gegenseitig helfen, Viktoria? Ich glaube nicht, dass ich irgendetwas für dich tun kann.«

»Da irrst du dich gewaltig! Du wirst mich mit typisch wienerischen Ausdrücken bombardieren, bis ich sprachlich wieder in meine Heimatstadt passe, und ich werde mit dir so lange trainieren, bis du in der Lage bist, dich akzentfrei auszudrücken.«

Sie schüttelt den Kopf – ich hingegen nicke mehrmals, um zu bestätigen, was ich gesagt habe.

»Du meinst das ernst.«

»Natürlich.« Und sobald du so weit bist, werde ich dich so nah vor die Karriereleiter schubsen, dass du einfach auf die nächste Sprosse steigen musst, füge ich in Gedanken hinzu. Es wäre doch gelacht, dass eine Frau wie diese attraktive Rothaarige sich nicht gegen männliche Konkurrenz behaupten könnte, wenn sogar ich es geschafft habe.

3

Es waren vier himmlische Tage. Ausschlafen zu können, nachdem ich einen Großteil der Nacht damit verbracht habe, lächelnd meinem Job nachzugehen – den ich liebe –, ist herrlich. Fast hatte ich vergessen, dass ich neben einer Verrückten wohne. Jetzt sitze ich mit rasendem Herzschlag aufrecht im Bett, anstatt mir die Decke über den Kopf zu ziehen und weiterzuschlafen. Ich hatte tatsächlich verdrängt, dass sie von vier Tagen Ruhe gesprochen hat, als sie mir den hochmütigen Blick zuwarf und mit ihren Freundinnen verschwand. Kolleginnen, berichtige ich mich (ich bin überzeugt davon, dass niemand mit einer wie der befreundet sein will) und starre auf die Wand, gegen die etwas geflogen sein muss – auf der anderen Seite der Mauer, die uns glücklicherweise trennt. Keine Ahnung, wo dieses biestige Weib aufgewachsen ist, doch in normalen Familien schmeißt man nicht mit Gegenständen durch die Gegend, die dann mit einem lauten Krach zerbrechen. Wenigstens nicht in meiner. Wortgefechte ja und manchmal werden sie auch lautstark ausgetragen, aber so etwas? Nie! Da drüben kreischen und schreien Frauen wie bei einer Gefängnisrevolte – zumindest stelle ich es mir so vor. Glücklicherweise kenne ich niemanden, der mir vom Leben im Knast erzählen könnte, doch ich liebe Actionfilme. Wobei Männer sich eher mit behelfsmäßigen spitzen Gegenständen an die Gurgel gehen und sparsam mit Worten umgehen. Frauen hingegen nutzen genau diese, um sich gegenseitig fertigzumachen – und zwar bis zum bitteren Ende. Und das ist dem Geschrei nach das, was offenbar in der Nachbarwohnung passiert.

Ich sollte die Polizei rufen! Nein, besser nicht. Wenn irgendjemand dieses hysterische Weib umbringt, werde ich endlich meinen Frieden haben.

Bums. Knall. Geschepper. Hektisch werfe ich die Decke zurück, gehe ins Badezimmer, benutze die Toilette, dusche, trockne mich ab. Und dann stehe ich minutenlang mit auf dem Waschtisch aufgestützten Händen da und starre in den Spiegel. Selbst hier höre ich das Gekreische, das immer wieder von lautem Krach begleitet wird. Was auch gegen die Wand geworfen wird, es ist zerbrechlich. Ein teuflisches Grinsen überzieht mein Gesicht. Irgendwann wird denen da drüben das Geschirr ausgehen und es wird Ruhe einkehren. Dann werden sich die Weiber (egal, wie viele es sind, aber es muss eine Horde sein) gegenseitig an die Gurgel gehen und eine der beiden Parteien wird gewinnen.

Hoffentlich die andere und nicht die meiner Nachbarin.

Bin ich ein böser Mensch? Nein. Doch in diesem Fall geht es um mich und dieser gehässige, durch und durch eigennützige Gedanke ist mein gutes Recht. Das wäre an jedem Tag so, aber heute mehr als sonst.

Normalerweise ist mir mein Geburtstag egal. Wären es nicht immer die anderen – allen voran Jason –, die irgendwann im Lauf des Abends im Vibes auf mich anstoßen, würde ich nicht einmal daran denken. Nur haben sie mich gestern schon um Mitternacht überrumpelt und hochleben lassen. Ich hatte mich noch gewundert, dass Benjamin und Leonie, Max und Jasmin, sogar Steve und sein koreanischer Lover Charly, sich unter der Woche mit Jason und Sophie im Vibes trafen. Und den ganzen Abend über war ich froh gewesen, dass das Lokal voll war und ich mich immer wieder hinter die Bar verziehen konnte, um Tobias und Mario zu helfen. Vier verliebte Pärchen auf einem Haufen waren einfach zu viel für mich. Hätte mir vor einem Jahr irgendjemand gesagt, dass meine engsten Freunde sich alle innerhalb kurzer Zeit mit dem Liebesvirus anstecken würden, ich hätte schallend gelacht.

---ENDE DER LESEPROBE---