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C. Cowan

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Beschreibung

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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C. Cowan

Cowan's Remmidemmi

Leseproben

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Leseproben zu:

 

Empty Paradise – Evelyn & Damion

Lonely Paradise – Amanda & Slade

Silent Paradise – Jace & Roxanne

 

Cast Out

Death Injection

Bad.Beastly.Bastard.

Ich bin kein Fake. Ich bin echt so bescheuert.

Every Hundred Years - Wesen der Wollust

 

 

Behind the Scenes – Drehbuch zur Liebe (Band 1)

 

 

 

 

 

© 2015 C. Cowan

1.Auflage

 

 

 

Umschlaggestaltung, Illustration: C. Cowan

Grafik: © okalinichenko – fotolia.com

Lektorat, Korrektorat: C. Cowan

Übersetzung: Deutsche Ausgabe

 

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

 

Empty Paradise

Prolog

Die Sonne brannte heiß auf meiner Haut, aber es störte mich nicht, denn ich hatte schon immer in der prallen Sonne gesessen und an das Leben gedacht, welches ich hätte eigentlich führen sollen. Aber es blieb immer nur bei diesem, hätte. Jedes Mal sah ich ihn, beobachtete diesen Mann, wie er in dieses imposante Glasgebäude verschwand.

Schon früh begann ich damit, ihn aufzuspüren, war hier nach Miami gekommen, um ja nichts zu verpassen. Manchmal fluchte ich auch über mich selbst, weil es einfach nicht vorwärtsging, jedenfalls in den letzten Wochen.

Alles war perfekt geplant, bis ins kleinste Detail und niemand würde Verdacht schöpfen. Alles hatte ich kopiert, lernte, was er gelernt hatte, kleidete mich wie er. Der Witz an der Sache war, dass ich ihm schon mehrfach über den Weg gelaufen war, ohne das dieses Schwein etwas gemerkt hatte.

Aber damit würde bald Schluss sein, schneller als erwartet, aber dies kam mir nur recht und er würde von hier verschwinden, ohne dass ihn jemand überhaupt vermissen würde. Dann konnte Damion Hunter mein früheres Leben genießen, nein schlimmer. Nichts würde er mehr besitzen, nur noch eine Kleinigkeit musste erledigt werden.

Ein Anruf und Damion war Geschichte.

Leise lachte ich auf und nippte an meinem Kaffee, den ich gut gelaunt in einem Café trank. „Bald Damion“, flüsterte ich und legte etwas Geld auf den Tisch. „Sehr, sehr bald“, wiederholte ich und ging los.

In meine neue Zukunft und seinen Untergang.

1

Nichts lief wie geplant, was mir heute mal wieder bewiesen wurde, als ich früh um sieben aufstehen musste, obwohl ich mal richtig ausschlafen wollte. Zumal heute mein freier Tag war. Aber nein, ich musste ja so dämlich sein und ans Telefon gehen, um dann zu erfahren, dass meine Mom unbedingt einkaufen musste.

„Hast du keinen knackigen Typen, der das für dich machen kann?“, seufzte ich und band mein langes dunkelblondes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen, wobei ich versuchte, nicht von dem schmalen Hocker am Küchentresen zu fliegen, der ihre schneeweiße Küche schmückte.

Meine Mom verdrehte ihre blauen Augen, kristallklar, so wie meine. „Dein Vater ist arbeiten“, gab sie zurück und zog sich endlich die Schuhe an. Worauf ich schon seit einer halben Stunde wartete, weil sie mir erst einmal den Klatsch und Tratsch aus der Nachbarschaft erzählen musste.

„Ich sagte knackig“, lachte ich und sie sah mich böse an. „Okay, okay“, hob ich entschuldigend die Hände. „Du hast recht. Dad ist knackig. Mal knackt es hier und mal da“, zog ich sie weiter auf und fing den Keks auf, den Mom merkwürdigerweise auf mich warf, und biss ab. „Danke.“

„Evelyn“, mahnte sie und diesmal verdrehte ich die Augen, während sie endlich ihre Sommerjacke überzog und wir das kleine Haus, durch den schmalen Flur, verließen. „Ich weiß, dass du heute freihast, und bin dir auch sehr dankbar.“

Seufzend ließ ich meine Augen gen Himmel wandern und stieg in ihren alten blauen Audi ein. Immer, wenn wir unterwegs waren, wurden wir merkwürdig angesehen, was daran lag, dass wir eher wie beste Freunde redeten, als wie Mutter und Tochter. Schon immer konnte ich mit meiner Mom über alles reden, von Pickel bis Jungs, sie war immer da, während Dad mit albernen Sprüchen um sich warf.

„Apropos knackige Typen“, begann sie und schnallte sich an. „Einen an der Angel?“, grinste sie startete und den Wagen.

Was hatte ich gesagt? Immer frei raus. „Ich hab die Angel nicht mal ausgeworfen“, antwortete ich trocken, während wir in Richtung Supermarkt fuhren. Vorbei an den ganzen Geschäften, die sich unter den Mietwohnungen befanden und an denen, um diese Uhrzeit, kein Schwein vorbeilief.

„Du musst schon ausgehen“, seufzte meine Mom und verdrehte die Augen. „Unter Leute“, fügte sie hinzu, als wäre ich vom äußersten Stern, ganz am Rande des Universums. „Ich frage mich wirklich, wie du die Männer in deiner Vergangenheit kennengelernt hast?“, neckte sie weiter.

„Heute Abend gehe ich doch aus“, warf ich zurück und spitzte die Lippen, wobei ich an ihrem schulterlangem braunen Haar zupfte.

„Dann hoffe ich, dass ich bald einen netten Mann vorgestellt bekomme“, konterte sie, aber ich konnte nicht mehr antworten, da meine Mom auf den riesigen Parkplatz vor dem Supermarkt parkte und gleich ausstieg.

Am Abend war es endlich soweit und ich war mit meiner Freundin unterwegs, auf dem Weg zu einer Lesung. Zum Glück hatte ich meiner Mom nicht gesagt, wohin ich genau ging, denn das wäre ein gefundenes Fressen für sie gewesen.

„Kommst du?“, rief Amanda und wedelte mit der Hand, wobei sie beinahe andere Passanten erschlug.

„Schon da“, gab ich zurück und schnappte mir meine McDonalds-Tüte, die mit Cheeseburger, Cola und Pommes gefüllt war, um mich zu meiner Freundin durchzukämpfen.

„Du hast doch eben erst gegessen“, seufzte Amanda und strich sich vorsichtig durch ihr blondes langes Haar. Ja, ja ihr Haar. Das musste immer perfekt sitzen. Mir hingegen war es meistens egal, wie ich auf dem Kopf aussah.

„Was ist, wenn ich wieder Hunger bekomme?“, klimperte ich unschuldig mit den Wimpern, nachdem wir den Laden verlassen hatten und in die Dunkelheit traten.

Einige Straßen hier in Chicago waren wirklich gruselig, allein schon wegen der schwachen Beleuchtung, die es meistens gab. Einer der Gründe, warum mein Dad mich ständig herumfahren wollte.

„Sieh mal“, sagte ich und deutete auf einen Mann, der mit hängenden Schultern auf dem Boden saß und auf den grauen Beton starrte. Er wurde nur schwach vom Licht der Laterne angestrahlt, was ihn noch einsamer erscheinen ließ.

„Sitzen die jetzt schon hier herum?“, seufzte meine Freundin genervt und zog ihre Tasche zurecht, die immer wieder von ihrer Schulter rutschte.

Was wahrscheinlich daran lag, dass sie immer Unmengen an Bücher mitnahm, wenn eine Lesung besucht wurde, damit der Autor ihr jedes signierte.

„Nicht so“, mahnte ich verärgert, weil ich es überhaupt nicht mochte, wenn jemand verurteilt wurde. „Er sieht traurig aus“, fügte ich flüsternd hinzu.

„Der Arme hat bestimmt Hunger“, reizte Amanda mich weiter, was ich aber gekonnt ignorierte.

„Ich geh mal hin“, sagte ich bestimmt und ging quer über die Straße, um dann zögernd vor dem Mann stehen zu bleiben und auf sein schwarzes Haar zu blicken.

„Hey?“, sagte ich leise und schnappte nach Luft, als er den Kopf hob und ich in wunderschöne bernsteinfarbene Augen blickte.

„Was tust du denn hier?“, fragte ich, ohne verurteilend zu klingen, aber er blinzelte nur irritiert, als wäre er sich nicht sicher, ob ich ihn meinte. „Magst du nicht reden?“, flüsterte ich sanft und hockte mich langsam hin. Betrachtete die schmutzige, viel zu große Kleidung, die er trug und eindeutig nicht seine eigene war. Wie es bei den meisten Obdachlosen vorkam.

Als mein Blick sich wieder hob, glaubte ich Tränen in seinen Augen zu sehen. „Mit mir redet sonst keiner“, flüsterte er und mein Blick wanderte zu seinen Lippen, die von einem kurzen wirren Bart umgeben waren.

„Wie heißt du denn?“, erkundigte ich mich, fest entschlossen mit diesem Mann zu plaudern.

„Damion. Ich heiße Damion,“ antwortete er eifrig, als hätte er Angst, ich könnte in der nächsten Sekunde verschwinden. „An mehr erinnere ich mich nicht“, fügte er kaum hörbar hinzu.

„Ich heiße Evelyn“, stellte ich mich vor und reichte ihm meine Hand, worauf er wieder zögernd reagierte, ehe er sie ergriff. Ich hatte schon einigen Obdachlosen die Hand geschüttelt, deren Haut rau und kratzig war, aber Damions war weich, weshalb ich mir ziemlich sich war, dass er nicht länger als ein paar Monate obdachlos sein konnte.

„Ein schöner Name“, sagte er leise und wollte anscheinend noch etwas sagen, verstummte aber, als sein Magen knurrte. „Entschuldige“, meinte er und senkte seinen Blick.

„Evelyn!“, rief Amanda und ich drehte meinen Kopf in ihre Richtung. „Kommst du endlich?!“, fragte sie genervt und ich wandte mich, ohne Antwort, wieder ab. Sollte sie sich doch aufregen.

„Hier“, lächelte ich und hielt Damion meine McDonalds-Tüte hin, die er überrascht betrachtete. „Iss das. Sogar noch warm“, erklärte ich, und da er nicht danach greifen wollte, nahm ich seine Hand und legte sie unter das braune Papier.

„Aber das ist dein Essen“, widersprach er und drückte sie wieder zu mir.

„Ich habe eben erst gegessen“, gab ich zurück und ignorierte Amanda, die wieder nach mir rief.

„Danke“, sagte er zögernd und sah mich etwas schüchtern an, wobei er verlegen seine dreckige Jacke zusammenzog. „Ich glaube, deine Freundin ist langsam mit der Geduld am Ende.“

„Ja“, seufzte ich und stand auf. „Ich komme morgen wieder“, beschloss ich, weil mich irgendwas an Damion faszinierte und ich natürlich wissen wollte, was es war. „Gleiche Uhrzeit“, sagte ich und blickte auf meine Armbanduhr. „Es ist kurz nach acht, also bis morgen um acht“, fügte ich locker hinzu, winkte zum Abschied und ging.

„Lad den doch gleich in ein Restaurant ein“, wetterte Amanda und fuchtelte mit den Armen herum, als ich wieder bei ihr ankam.

„Ich finde es fürchterlich, wie du gegen Obdachlose bist“, warf ich zurück. „Es sind Menschen, genauso wie du und ich“, schimpfte ich und musste mich beherrschen, sie nicht anzubrüllen. „Du weißt nie, warum sie auf der Straße gelandet sind. Was sie erlebt haben.“

„Dann sollen die etwas unternehmen“, konterte Amanda und grinste siegessicher. Na, den Zahn würde ich ihr sofort ziehen.

„Weißt du was?“, begann ich. „Ich würde dich gerne mal für ein paar Monate auf der Straße sehen, ohne Geld, Freunde und den Gefahren, sowie Gleichgültigkeit ausgesetzt. Du würdest die erste Woche bestimmt nicht durchstehen, so verwöhnt, wie du bist“, brachte ich aufgebracht hervor und ließ Amanda überrumpelt zurück.

Meistens war sie vollkommen in Ordnung, aber immer wieder erkannte man, dass sie eine verwöhnte Tochter von einem Stinkreichen Firmenleiter war.

Den ganzen restlichen Abend sprachen wir kein Wort mehr, denn sie wusste, dass ich recht und ihr Mal den Kopf gewaschen hatte. Aber ich hätte jetzt eh kein Kopf dafür gehabt, denn ich schaffte es noch nicht mal, dem Autor richtig zuzuhören, da während der Lesung meine Gedanken immer wieder zu Damion wanderten und ich mich fragte, ob er einen ordentlichen Platz zum Schlafen gefunden hatte, denn wirklich viele Obdachlosenunterkünfte gab es hier in Chicago nicht.

Auch auf dem nach Hause Weg sprachen wir nicht und wirkten deshalb wie Fremde, die nebeneinander liefen.

Als wir dieselbe Straße zurückgingen, blickte ich sofort auf die Stelle an der Damion gesessen hatte, aber er war nicht mehr da, was kein bisschen merkwürdig war, da wir es mitten in der Nacht hatten.

Müde betrat ich den kleinen Flur meiner Dreiraumwohnung, wo meine Schuhe ins Abseits verwiesen wurden, ehe ich ins Wohnzimmer ging, von dem aus auf einer Seite Küche und Gästezimmer abgingen. Mein Schlafzimmer befand sich am anderen Ende vom Flur, von dem auch das Badezimmer abging. Mir gefiel die Wohnung, so wie sie war, denn bei dem Schnitt konnte sich mein Gast frei bewegen, ohne meinem Zimmer zu nahe zu kommen.

Obwohl es schon spät war und ich einen langen Tag hinter mir hatte, konnte ich nicht wirklich schlafen. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich Damion vor mir, wie er allein auf dem Boden saß.

Irgendetwas sagte mir, dass er nicht nach Chicago gehörte, dass er eigentlich aus einer anderen Stadt kam. Aber wenn es so stimmte, was tat er dann hier? Wie kam er hierher?

Auch am nächsten Tag ging mir Damion nicht aus dem Kopf. Wo er wohl gerade war? Oder was er gerade tat?

„Evelyn“, riss mich Trey, mein Arbeitskollege, aus meinen Gedanken. „Ich geh jetzt in die Pause“, sagte er und deutete auf die Tür zwischen den Regalen, die mit Schnapsflaschen gefüllt waren.

„Okay“, antwortete ich und nahm meinen Platz hinter dem Tresen ein, wo schon einige Gäste auf mich warteten. Einem älteren Mann schenkte ich ein frisches Fassbier ein, während Tina, meine andere Kollegin, mit ihrem Gast fleißig flirtete und wie ein Schulmädchen kicherte.

Es gab doch tatsächlich Männer, denen das gefiel. Erschreckend.

„Evelyn“, rief plötzlich jemand quer durch die Bar und ich sah verwundert auf. Suchte in dem gedämmten Licht der Bar, nach dem Eigentümer der Stimme. Erst als Tina auf die Tür deutete, erkannte ich, dass es der Türsteher gewesen war, der mich nun zu sich winkte.

Seufzend verdrehte ich die Augen, trat hinter dem Tresen hervor und schlängelte mich durch die Menge. War es denn so schwer, einfach zu mir zu kommen?

„Was ist los?“, erkundigte ich mich, bei dem kräftig gebauten, grauhaarigen Mann, der einen immer ansah, als hätte ihm jemand die Unterhose zu heiß gewaschen.

„Draußen ist einer, der meint, er würde dich kennen“, grummelte er und deutete auf die Tür hinter sich.

Verwundert sah ich ihn an und erwiderte seinen ernsten Blick. „Und warum lässt du ihn nicht rein?“

Etwas verlegen kratzte sich der Türsteher am Kopf. „Naja, er ist . . . er scheint“, stammelte er und es fehlte nur noch, dass er von einem Fuß auf dem anderen trat.

„Ich geh einfach raus“, seufzte ich genervt und trat hinaus in die Sonne. „Hallo?“, rief ich leise, weil niemand zu sehen war, und schirmte mit einer Hand die Sonne ab.

Etwas raschelte hinter mir. „Evelyn.“

Langsam drehte ich mich wieder um. „Damion“, sagte ich überrascht und fröhlich zugleich. „Was tust du denn hier?“, fragte ich mich, als ich bei ihm ankam.

„Ich habe vorhin gesehen, wie du dort rein bist“, begann er und ich sah ihn mit großen Augen an.

„Das war vor vier Stunden!“, bemerkte ich erstaunt und er nickte. „Hast du die ganze Zeit gewartet?“

Wieder nickte er. „Ja. Ich habe die ganze Zeit überlegt, ob ich reingehe, aber vor ein paar Wochen, hatte man mich auch schon weggeschickt“, erklärte er und der Wind zerzauste sein schwarzes Haar, was ihn in ein anderes Erscheinungsbild tauchte.

Ein trauriges Szenario tauchte in meinem Kopf auf, wie er seinen Mut zusammennahm und hierherkam, um etwas zu trinken, dann aber abgewiesen wurde, weil Damion ein Obdachloser war. Trauer, die sich in Wut, aber auch Entschlossenheit verwandelte.

Ich packte schnell seine Hand. „Komm“, befahl ich und zog ihn hinter mir her, aber Damion blieb schnell wieder stehen. „Was ist?“, fragte ich verwundert.

„Ich habe kein Geld und bin schmutzig“, erklärte er sein Verhalten und wich meinem Blick aus, weil er sich sichtlich schämte.

„Geht auf mich“, lächelte ich aufmunternd und er ließ sich diesmal von mir in die Bar ziehen.

„Evelyn“, grollte der Türsteher und wollte uns aufhalten, was ich mir aber nicht gefallen ließ.

„Er gehört zu mir und wird in Zukunft nicht mehr weggeschickt“, mahnte ich, ehe wir weitergingen. Die Blicke der Gäste ignorierte ich, nur spürte meine Hand, dass es Damion Unbehagen bereitete, da er sie fester drückte.

Weshalb ich erneut stehen blieb und mich zu ihm umdrehte. „Guckst du mir auf den Arsch?“, fragte ich belustigt, damit er ein bisschen lockerer wurde.

„Bei den knappen Shorts, wäre es eine Meisterleistung, wenn ich es schaffe, auch nur eine Sekunde nicht draufzusehen“, gab er grinsend zurück.

„Immer sind es die Shorts“, seufzte ich und ging mit ihm weiter, bis ans Ende vom Tresen. „Setz dich hierhin“, wies ich Damion an. „Was möchtest du trinken?“

„Ich weiß nicht“, zuckte er mit den Schultern und blickte sich verwundert um. „Cola?“

„Kommt sofort“, salutierte ich und trat hinter den Tresen, wo sofort ein gewisser Trey auf mich zukam, der Damion einen messerscharfen Blick zuwarf.

„Schleppst du jetzt die Penner her?“, flüsterte er verärgert in mein Ohr und rückte mir damit ziemlich auf die Pelle.

So dicht das ich sein Aftershave riechen konnte und nein, es gefiel mir nicht.

Entschlossen legte ich meine Hände auf seine Brust und drückte ihn weg. „Sein Name ist Damion“, konterte ich und gab Cola in ein Glas, welches ich ohne Umwege zu meinem Gast brachte. „Bitte sehr.“

„Danke“, antwortete Damion mit einem kleinen Lächeln, bevor sein Blick nervös durch die Menge wanderte. „Die schauen alle, wie immer. Wie all die anderen“, sagte er leise und trank schließlich von seinem Getränk.

„Lass die anderen, die anderen sein“, forderte ich. „Die sind alle gleich“, murmelte ich und wandte mich wieder ab, um weitere Gäste zu bedienen. Wobei mein Blick immer wieder zu Damion flog, der mich nicht aus den Augen ließ.

Normalerweise nervte es mich, wenn ich von einem Mann angestarrt wurde, was meistens an meinen üppigen Busen lag und ich wies das männliche Geschlecht auch in seine Schranken.

Aber bei Damion lag einfach nur Neugier im Blick und ich musste mir eingestehen, dass ich von ihm angesehen werden wollte.

„Wer ist das denn?“, flüsterte Tina verschwörerisch, als sie neben mich trat, um ebenfalls ein Bier zu zapfen.

„Damion“, antwortete ich und stellte mich auf eine abfällige Antwort ein.

„Er hat schöne Augen“, sagte sie zu meiner Verblüffung und ging mit zwei Bier davon. Wie unterschiedlich die Menschen doch waren.

Die einen akzeptierten, egal wie man war, während andere verurteilten, wenn man etwas Bestimmtes nicht war.

Der Rest des Abends verlief ruhig und auch Damion ließ man in Ruhe, während ich mich umzog und meine Arbeitskleidung in meinen Spint legte.

„Wollen wir etwas essen gehen?“, fragte ich Damion über den Lärm hinweg, nachdem ich mich von Tina verabschiedet hatte und wir nun auf dem Weg nach draußen waren.

„Ich weiß nicht so recht“, antwortete er und nach etlichen Stunden schien er sich wieder nicht wohlzufühlen. Ein Anblick, der mir Schmerz bereitete, denn ich konnte nur erahnen, wie es sein musste nichts zu haben und von den eigenen Mitmenschen abgelehnt zu werden.

„Hmm“, tippte ich mir nachdenklich ans Kinn. „Dann hole ich etwas und wir setzen uns irgendwohin?“, schlug ich stattdessen vor.

Erstaunt sah ich zu, wie Damion nach meiner Hand griff und einen Kuss drauf hauchte. „Irgendwann, wenn mein Leben wieder besser läuft, tue ich etwas für dich“, versprach er und schenkte mir ein Lächeln.

„Da freu ich mich schon drauf“, entgegnete ich. „Chinesisch?“

Er nickte zur Antwort.

Gemeinsam saßen wir auf einer Bank, in einem kleinen Park und fischten Nudeln mit Stäbchen aus dem Pappbehälter. „Kannst du eigentlich kochen?“, fragte er plötzlich und ich sah überrascht auf.

„Nur ein bisschen“, seufzte ich schließlich. „Meiner Mom gefällt das natürlich nicht. Sie ist der Meinung, dass ich es besser machen müsste, um später für meinen Mann nahrhafter kochen zu können“, erklärte ich etwas genervt, als ich mich an ihre ewig langen Vorträge erinnerte.

Nachdenklich blickte Damion auf seine Nudeln. „Ich glaube . . . eine Frau muss nur mit Liebe kochen und nicht perfekt“, meinte er und hob langsam seinen Blick und lächelte mich an.

Ich lachte auf. „Ich werde dich einfach heiraten“, alberte ich. „Und dann stehlen wir meiner Mom sämtliche Rezepte“, schmiedete ich meinen fiesen Plan.

Schwer seufzte er. „Leider habe ich meinen Smoking, wo auch immer, vergessen“, murmelte er abwesend und aß weiter.

Diese Aussage erinnerte mich an etwas, dass er gestern Abend gesagt hatte. „Gibt es denn irgendwas, woran du dich erinnerst? Außer deinen Namen?“, hakte ich nach und stahl ihm ein Stück Hühnchen.

„Hmm“, summte er nachdenklich. „Manchmal, wenn ich die Augen schließe und alles um mich herum ausblende, glaube ich das Meer zu hören“, erklärte er verträumt und ich sah auf. Sein Gesichtsausdruck war so friedlich, so sanft und ich fragte mich erneut, was ihm passiert war. Wer Damion das angetan hatte. Und vor allem, wer er wirklich war.

„Das Meer“, wiederholte ich leise, während die Laterne neben uns anging, da die Sonne beinahe untergegangen war. „Wir finden heraus, wer du bist und wo du herkommst“, beschloss ich kurzerhand und vollkommen ernst.

Langsam, wie in Zeitlupe senkte er seine Pappschachtel und ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Und wie bitteschön?“

Ich warf meine restlichen Nudeln in den Mülleimer neben der Bank. „Als Erstes kommst du mit zu mir“, befahl ich.

„Wie bitte?“, platzte es sofort aus Damion heraus.

„Ja“, nickte ich und stand auf. „Los“, drängte ich und packte seine Hand, um ihn auf die Füße zu ziehen, bevor er schnell seine leere Schachtel wegwarf. Unzählige Gefühlsregungen standen in seinem Gesicht.

Aufregung, Angst, vor allem aber Ungläubigkeit.

„Du meinst es ernst“, flüsterte er und ich nickte erneut. „Aber du kennst mich doch gar nicht“, warf er ein.

Seufzend verdrehte ich die Augen. „Ich habe eh darüber nachgedacht, mich nach einem Mitbewohner umzusehen, weil es allein ziemlich langweilig sein kann. Außerdem würde ich den auch kaum kennen“, konterte ich schulterzuckend.

„Ich könnte in Wirklichkeit ein Mörder sein“, entgegnete er wieder.

„Damion“, seufzte ich und warf die Hände in die Höhe. „Könnte der Mitbewohner auch sein.“

Ich rechnete damit, dass er weiter ablehnte, aber er grinste plötzlich breit. „Du gibst eh nicht auf, oder?“

Diesmal war ich es, die grinste und überlegen die Hände in die Hüfte stemmte. „Hab ich noch nie.“

„Gut“, seufzte Damion ergeben. „Dafür musst du mir aber etwas kochen“, forderte er und ich lachte.

2

Ich war schon ein wenig nervös, als wir die schmalen Treppen zu meiner Wohnung hinaufgingen, blieb aber nach außen hin ganz cool. „Dann komm mal rein“, lächelte ich ihn aufmunternd zu und er trat zögernd ein.

Langsam ging er in Richtung Wohnzimmer und ich folgte ihm, um das Licht anzuschalten. „Du kannst dir ruhig alles genau ansehen“, sagte ich leise und hoffte, dass ich nichts Peinliches hab liegen lassen.

„Sehr gemütlich eingerichtet“, nickte er und zeigte auf die Sitzecke, ehe er sich die kleine offene Küche ansah.

„Da hinten“, ich zeigte zum Ende vom Flur. „Da ist mein Zimmer“, erklärte ich und Damion nickte. „Und du würdest dann hier schlafen“, fuhr ich fort und öffnete schwungvoll die hellbraune Tür neben der Küche.

Erneut zögerte er, bevor er neben mich trat und hineinblickte. „Das sieht so einladend aus, da könnte man sofort im Stehen einschlafen“, meinte er, nachdem sein Blick über das einfache Bett und Nachttische gewandert war. „Also. Dein Zimmer, Bad, Küche, Gästezimmer.“

„Genau“, kicherte ich. „Alles in einer Reihe“, sagte ich und wühlte in meiner Tasche nach meinem Handy. „Hab ich dich“, murmelte ich und zog es heraus. „Jetzt rufe ich erst einmal meinen Bruder an, schließlich brauchst du Kleidung“, stellte ich überaus geistreich fest und wählte Jaces Nummer.

„Was gibt es Lieblingsschwester?“, begrüßte mich seine rauchige Stimme und ich lächelte.

„Na hör mal. Ich bin deine einzige Schwester, da bleibt dir nichts anderes über“, lachte ich, wurde aber schnell wieder ernst. „Sag mal, hast du noch deine alten Klamotten bei unseren Eltern?“, erkundigte ich mich und stellte mir sein verblüfftes Gesicht vor.

„Äh ja“, antwortete er deutlich verwundert. „Was willst du denn damit?“, bohrte er nach.

Tja, mein Bruder war eben ein Mann der Fakten, sodass es mich schon wunderte, dass er nicht denselben Job wie Dad hatte und mit ihm zusammen Verbrecher jagte.

Nein, Jace arbeitete lieber beim Personenschutz. Immerhin ein ähnlicher Beruf.

„Naja“, druckste ich herum. „Damion braucht Kleidung“, erklärte ich knapp.

Leise lachte Jace. „Und warum kauft der sich keine?“, warf er zurück und ich verdrehte die Augen, ehe ich meine Tasche packte und sie ins Schlafzimmer brachte.

„Er hat auf der Straße gelebt und erinnert sich nur an seinem Namen. Ich glaube, ihm wurde etwas angetan“, erklärte ich, während ich meine dünne Jacke weghängte und eine etwas dickere anzog.

„Und du musst den armen Mann nun retten?“, schlug er sarkastisch zurück und ich konnte mir seinen entsetzten Gesichtsausdruck sehr gut vorstellen.

„Ja, bitte“, murmelte ich flehend.

Mein Bruder atmete laut durch. „Okay, aber ich will erst mit diesem Typen reden. Bin in zehn Minuten da“, beschloss er und legte auf, bevor ich Veto einlegen konnte.

„Ich hoffe, du hast jetzt keinen Ärger wegen mir?“, erkundigte sich Damion besorgt und stand noch immer am selben Fleck.

Aufmunternd lächelte ich ihn an. „Ich bin eine erwachsene Frau, etwas das mein Bruder nicht begreifen will und es somit gerne mal übertreibt, was sein Beschützerinstinkt angeht“, erklärte ich. „Jace sieht mich nur als seine kleine Schwester.“

„Ich glaube, der würde mich am liebsten einsperren und von meiner Arbeit in der Bar rede ich gar nicht erst“, winkte ich lachend ab.

Ein Grinsen huschte über Damions Gesicht und ich wünschte, er würde den Bart nicht tragen, damit ich es ganz sehen konnte.

„Wenn ich dein Freund wäre, würde mir deine Arbeit dort auch nicht gefallen“, sagte er ernst. „Ich würde, glaube ich durchdrehen, so wie die Kerle dich dort anstarren.“

Für einen Moment stellte ich mir wirklich vor, wie es wäre, seine Freundin zu sein, während wir uns in die Augen sahen. Jedenfalls, bis es an der Tür klingelte und der Bann somit gebrochen wurde.

„Wird Jace sein“, sagte ich und ging zur Wohnungstür, um ihn hereinzulassen. „Hey, guck nicht so böse!“, mahnte ich ihn sofort.

„Du hast einen Mann bei dir, der selbst nicht weiß, wer er ist“, knurrte er und trat ein, wobei er mich etwas unsanft zur Seite schubste.

Ich atmete einmal tief durch, ehe ich Jace folgte, der direkt vor Damion stehen blieb. Ich wusste nicht warum, aber ich musste plötzlich gegen die Tränen kämpfen, die sich in meinen Augen sammeln wollten.

Damion wirkte so hilflos vor meinem breitschultrigen Bruder, der ihn mit seinen blauen Augen in den Boden starrte. In seinen großen bernsteinfarbenen Augen sah ich Angst. Die Angst davor, wieder weggeschickt zu werden.

Schnell blinzelte ich ein paar Mal und trat zu ihnen. „Hör auf Damion so anzustarren“, schimpfte ich verärgert und zog ihn etwas weg.

„Ich will, dass er verschwindet. Dahin, wo er her –“

„Mein Leben. Meine Wohnung. Meine Entscheidung“, unterbrach ich ihn barsch und Jace fuhr sich mit der Hand durch sein dunkelbraunes Haar, während er mich fixierte.

„Gut“, nickte er knapp. „Aber ein Fehler . . .“, verstummte er und ließ seinen Satz unvollendet, aber alle verstanden ihn und Damion nickte zur Bestätigung. „Geh die Sachen holen. Ich bleibe so lange hier und unterhalte mich mit deinem Freund.“

Mahnend hob ich einen Finger, woraufhin mein Bruder beschwichtigend die Hände hob. „Ich bin gleich wieder da“, sagte ich an Damion gewandt und verließ mit einem mulmigen Gefühl meine Wohnung, um endlich zum Haus meiner Eltern zu fahren.

„Herrgott Evelyn“, keuchte meine Mutter, als ich die Taschen mit Jaces alter Kleidung heruntertrug. Sonst immer hatte ich mit meinem Bruder gemeckert, da er mindestens einmal im Jahr, seinen Kleiderschrank leerräumte und die Klamotten hier ablud, um Platz für neue zu haben. Jetzt aber war ich froh darüber und fest davon überzeugt, dass sie Damion passen würden.

„Was Mom?“, hakte ich schwer atmend nach.

„Jace hat mir eben erzählt, für wen die Sachen sind“, schüttelte sie den Kopf. „Ich sagte zwar, angle dir endlich einen Mann, aber . . .“, verstummte sie und ihre blauen Augen sahen mich sorgenvoll an.

Ich öffnete den Mund, um zu kontern, aber da stand schon mein Vater neben ihr. „Sieh mich an Evelyn“, forderte er und ich blickte in seine blauen Augen, wie wir sie alle in der Familie hatten. „Bring ihn auf die Beine und dann komm mit dem Kerl vorbei“, sagte er nur und ich atmete erleichtert aus, wobei ich sämtlichen Göttern dankte.

„Danke Dad“, flüsterte ich und schlang meine Arme um ihn. „Du wirst ihn mögen“, lächelte ich zu ihm auf und drückte einen Kuss auf seine Wange.