Croks - Imperial Crossfade - Axel Reich - E-Book

Croks - Imperial Crossfade E-Book

Axel Reich

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Beschreibung

Du hast Macht, du hast Einfluss, es geht dir und deiner Familie gut - und dann gibt es Krieg. Erst mit den menschlichen Barbarenhorden des Nachbarstaates und dann auch noch mit furchterregenden Alien-Reptilien, die dich und den Rest deiner Spezies als schmackhafte Proteinnahrung für zwischendurch betrachten. So nach und nach geht vieles den Bach runter und alles wird dir genommen. Erst deine Besitzstände, dann deine Würde und zum Schluss deine Freiheit. Als alle Menschen, für die du dich verantwortlich fühlst, in eine ausweglose Situation kommen, fängst du an, das Undenkbare in Erwägung zu ziehen. Wie weit würdest du gehen? Wo fängt ein Kompromiss an und wo hört der Verrat auf? Wie sieht es aus mit einem persönlichen Opfer? Immerhin geht es jetzt an die Substanz. 50 Prozent Kompromiss und 50 Prozent Verrat? Ist das hinnehmbar? - Auf keinen Fall. Aber zu 10 Prozent auf die Fremden zugehen und zu 90 Prozent die eigenen Ziele durchsetzen und die eigenen Leute retten? Ja, warum nicht. Aber wo führt das hin und vor allem: Was kommt dabei heraus? Nun, ich will eigentlich nur Gutes tun und die unschuldigen Zivilisten retten, für die ich einmal verantwortlich war. Die haben es nicht verdient aus politischen Zwängen heraus brutal ausgelöscht und einfach so geopfert zu werden. Ich bin eine intelligente Frau und kein Opfer. Wenn die Problemlösung nur mit Gewalt möglich ist und kein Appellieren an die Vernunft mehr hilft, dann soll es eben so sein …

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EPUB
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Seitenzahl: 453

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Alexander Miller

Croks

Imperial Crossfade

Buch 1

Copyright: © 2021 Alexander Miller

Lektorat: Erik Kinting / www.buchlektorat.net

Umschlag & Satz: Erik Kinting

Coverbild: Kalcutta (depositphotos.com)

Verlag und Druck:

tredition GmbH

Halenreie 40-44

22359 Hamburg

978-3-347-35714-3 (Paperback)

978-3-347-35715-0 (Hardcover)

978-3-347-35716-7 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Kapitel 1

Die Jagd

Sophie

Ich sitze im Bad meines bescheidenen Zimmers auf der Toilette und betrachte im Spiegel schräg gegenüber die blauen Flecke in meinem Gesicht. Mein Hintern brennt und ich fühle nur Leere und Hass. Langsam zermalme ich mit meinem Schuh die kleine Glasampulle, die in dem Stückchen Papier liegt, das mir gerade runtergefallen ist. Ordentlich wie ich nun einmal bin, werde ich es aufheben und den Beweis im Klo verschwinden lassen. Vor der Tür steht einer meiner Bewacher in einem nicht zerstörbaren Kampfanzug und ich grübele, warum ich so dumm war.

Die Eskalation gestern Abend habe ich provoziert, weil ich wieder einmal den Mund nicht halten konnte. Keiner will mehr logische, sinnvolle Argumente hören, vor allem nicht mein sogenannter Verlobter oder besser: Besitzer. Ich frage mich, wie es so weit kommen konnte, aber mein Entschluss steht fest: Ich wage es und verschwinde hier. Lieber sterbe ich bei einem letzten Versuch, meine Freiheit zurückzuerlangen, als mir das weiter anzutun. Prügelnde brutale Männer habe ich zur Genüge kennengelernt, aber das Arschloch jetzt ist der Schlimmste. – Mir bleibt auch nichts anderes übrig, denn ich habe komplett die Beherrschung verloren und das brutale Schwein vergiftet. Er weiß es noch nicht, aber in spätestens einer Woche fangen die Symptome an. Seine Leber zerfällt und er verreckt qualvoll. Nachdem er mich verprügelt und anschließend vergewaltigt hatte, war er im Bett eingeschlafen. Tja …

Dummheit muss bestraft werden. Ganz vorsichtig hatte ich die versteckte Glaskapsel aus meinen Haaren geholt. Seine einfältige Wache, die mich im Auge behalten sollte, war eingenickt und hat mir dadurch eine winzige Chance gegeben, die ich genutzt habe. Der Inhalt der Kapsel bestand aus einem getrockneten Pilz, dessen Gift in zwei kleinen Öltropfen gelöst war – das genügte. Mich hatte eine tiefe Befriedigung erfasst, als ich ihm das Gift ganz vorsichtig in seinen stinkenden Mund träufelte und er in seinem komatösen Rausch genussvoll das aromatische, nach Frucht riechende Öl wegschmatzte.

In spätestens einer Woche wird das brutal auffallen und sie haben mir erklärt was passiert, wenn noch jemand plötzlich und unerwartet sterben sollte. Als Hexe verbrannt werden will ich eindeutig nicht und so bleibt mir nichts anderes übrig, als möglichst schnell zu verschwinden. Allerdings hat meine Freundin, unsere Chefärztin, ihm schon vor vier Wochen nach einer Routineuntersuchung gesagt, dass die Leberwerte und die von der Bauchspeicheldrüse schlecht sind. Er solle unbedingt weniger Alkohol trinken, was er natürlich nicht macht. Wenn in etwa vier Tagen die ersten Beschwerden anfangen, lege ich ihm erst mal eine große Packung Schmerztabletten hin. Bei schlechter Leberfunktion wirken die auch als Zellgift und die – zusammen mit der angeblichen akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung – führen dann zu seinem eindeutig natürlichen Tod. Der wird verursacht durch eine nachgewiesene Erkrankung, die von Alkohol und Tabletten hervorgerufen wurde. Das Gift aus dem getrockneten Pilz wird bei einer Standardanalyse nicht nachgewiesen, schon gar nicht nach einigen Tagen. Nur seine anhaltende Selbstverstümmelung durch übermäßigen Alkoholgenuss und Schmerztabletten ist sehr einfach im Labor nachweisbar. – Das wird die Typen allerdings kaum davon abhalten, mich trotzdem auf den Scheiterhaufen zu zerren.

Aber ich habe es noch aus einem anderen Grund eilig, hier wegzukommen: Vor zwei Wochen habe ich etwas belauscht, die neuesten Aufklärungsergebnisse. Unseren Feinden geht die Zeit aus, sie wollen mit Schlägen aus dem Orbit die letzten Widerstandsnester auslöschen. Das bedeutet den Tod von neunzig Prozent aller bisher überlebenden Zivilisten. Unsere militärische Führung weiß das und findet es sogar gut. Die Nahrungsmittel reichen sowieso nicht über die Trockenzeit und sie akzeptieren diese mehr als willkommene Problemlösung. Bis dahin sollte ich mich besser in Sicherheit bringen …

Seit fünfzehn Jahren tobt nun schon der Krieg auf unserer Welt. Erst wurden wir von Besatzungstruppen der Südlichen Republik besetzt und dann, als wir nach fast zwölf Jahren endlich auf dem Weg Richtung Sieg waren, kamen die Croks. Das Schicksal hätte nicht grausamer sein können.

Die Croks sind Aliens. Fiese, intelligente Reptilien, die eine gewisse Ähnlichkeit mit mittelgroßen Raubsauriern haben. Ursprünglich gehörten wir ja zum Kaiserreich von Asgard, aber wir wurden einfach eingetauscht. Es wurde offiziell verkündet und zwei Jahre lang glaubten alle an einen schlechten Witz, aber dann fing das Drama langsam an, denn immer mehr hungrige Raubsaurier kamen aus dem Dschungel … Für die sind Menschen einfach eine leckere Proteinnahrungsquelle.

Unser Vorteil war, dass wir nicht wehrlos sind. Wir waren zu dieser Zeit bereits im Krieg mit den Besatzern der Südlichen Republik. Durch den jahrzehntelangen Kampf verfügten wir über Tausende versteckte Basen im Dschungel und in den Bergen. Von großen Vorteilen kann man aber eigentlich nicht reden. Die Qualen und das Leiden der wenigen Millionen Einwohner, die die Invasion der Südlichen Republik überlebt hatten, wurden dadurch im Grunde nur verlängert.

Inzwischen ist mehr oder weniger alles sinnlos geworden. Wir sind in die Berge zurückgedrängt und in die absolute Barbarei zurückgefallen. Ich habe auch noch Pech, denn ich bin eine Frau und gehöre unserem angeblich schwachen Geschlecht an. Das wird in diesen gewalttätigen Kriegszeiten unterdrückt und ausgebeutet.

Mein Name ist Sophie und ich war eine Tochter aus besseren Verhältnissen. Mein Vater war der Senator dieser Gegend und der örtliche Hecht im Karpfenteich. Leider ist er vor einem Jahr gestorben und seitdem werde ich als eine Art Pokal von einem militärischen Führer zum anderen weitergereicht. Obwohl ich jeden Tag in der Krankenhausverwaltung arbeite, werde ich am Abend zu wirklich üblen Sexspielen missbraucht – je nachdem, welcher der Befehlshaber mich gerade in Besitz genommen hat. Anscheinend wollen sie mich auf die Art für meine Überheblichkeit und Arroganz bestrafen, die ich manchmal an den Tag gelegt habe, als mein Vater noch lebte.

Meine persönliche Lage und die allgemeine politische sind also mehr oder weniger aussichtslos. Meine Ausstattung mit Nanniten macht alle diese Demütigungen nur noch schlimmer. Nanniten sind künstliche Blutzellen, die mir ein langes Leben ermöglichen und für die sehr schnelle Heilung von Verletzungen sorgen. Damit wurde ich als Mitglied der Oberschicht des Kaiserreichs in zivilisierten Zeiten versorgt. Das macht mich leider zu einem sehr robusten Spielzeug.

Zum Glück habe ich noch heimliche Helfer und meine Freundinnen, die mir bei meiner Flucht helfen. Dafür habe ich in den letzten Wochen alles vorbereitet. An einem Verbandsplatz, zu dem ich gerufen werde, wird mein Bewacher abgelenkt. Einer meiner ehemaligen Vertrauten übergibt mir unauffällig den speziellen Stift, mit dem ich alle elektronischen Überwachungssysteme zerstören kann. Er kühlt die Elektronik stark herunter und gibt einen elektromagnetischen Impuls ab, der jeden Mikrochip lahmlegt. Ganz ruhig gehe ich dann in den Wald und verschwinde im Gebüsch. Dort finde ich einen für mich deponierten Rucksack mit den wichtigsten Dingen, die ich zum Überleben brauche. Das alles habe ich wochenlang vorbereitet.

Allerdings wird mein Verschwinden sehr bald bemerkt werden. Wichtig ist dann, dass ich schnell aus den Bergen ins Tiefland absteige. Dort kann ich problemlos im Wald untertauchen. Wehrlos bin ich jedenfalls nicht …

Tecnur – General und Clanführer

Sie sind alle Idioten, ohne jedes Gefühl für Politik und Wirtschaft, meine letzten beiden Nestgefährten, mein Stab und meine Offiziere. Wenn das unser Land begrenzende Gebirge hier mit den vielen potenziellen Sklaven und Nachschubbasen eingeebnet wird, ist unser Clan langfristig zum Untergang verurteilt. Dann habe ich auf dieser Welt viele Kredits und vierzig Prozent meiner Mannschaftsstärke für nichts geopfert. Ich stehe wieder da, wo ich vor zehn Jahren angefangen habe. Mir kann jetzt nur noch ein Wunder helfen. Seit einigen Monaten werden unsere wirtschaftlichen Probleme eher schlimmer als besser, ich muss mich dringend ablenken und kann auch mal an mich denken.

In sechs Wochen bekomme ich für drei Tage meine Brunft. Wenn ich mir eins von unseren Weibchen leiste, muss ich sie jedes Jahr zweimal wochenlang umgarnen, nur damit ich ihre blöden Eier befruchten darf. Ihre Sekrete lösen dann bei mir schwer zu kontrollierende Gefühlsausbrüche und Hormonschübe aus. Damit bin ich dem Weibchen hilflos ausgeliefert und kann als militärischer Oberbefehlshaber genauso gut freiwillig zurücktreten. Zum Glück gibt es eine interessante Alternative: Die menschlichen Weibchen sind zwar nicht so richtig kompatibel, dafür aber auch deutlich weniger raffiniert, nicht so intelligent und vor allem viel weniger dominant und besitzergreifend. Mich befriedigen können sie trotzdem ganz gut, wenn man sie ein wenig anleitet. Guter Sex hilft einfach bei allem – auch bei einem souveränen Auftreten. Allerdings überlebt es nicht jedes menschliche Weibchen, vielen fehlen die körperlichen Voraussetzungen. Sie sind nicht nur sehr unterschiedlich in ihren intellektuellen Fähigkeiten, sondern auch die anatomischen Unterschiede sind extrem. Allein die Körpergröße variiert um mehr als fünfzig Prozent zwischen eins fünfundvierzig und über zwei Metern. Noch extremer ist es beim Gewicht: Zwischen fünfzig und zweihundertfünfzig Kilo ist alles vertreten. Für meine Spezies sind eigentlich nur Frauen über eins achtzig interessant, weil man sich sonst zu sehr vorsehen muss. Entgegen der Meinung der Menschen sind wir natürlich keine Monster, wir haben auch Gefühle und beschädigen unsere menschlichen Sexualpartner nicht vorsätzlich.

Ich hatte schon einige Mal eine solche Beziehung, die längste über zwei Jahre. Da hat das rein Körperliche gut funktioniert. Leider ist dem menschlichen Weibchen das alles zu Kopf gestiegen; sie konnte mit der Macht, die ich ihr geboten habe, überhaupt nicht umgehen und hat viele Fehler gemacht. Offensichtlich sind sie doch viel einfacher strukturiert, unsozialer und primitiver als unsere Rasse. Man muss sich nur mal ihre Welten und Nistplätze genauer anschauen. Mit wie viel sinnlosem Müll sie die verunstalten und zerstören, ist einfach ekelhaft. Wälder werden abgeholzt, Gewässer verschmutzt, die Luft ist schlecht und leben tun sie in lebensfeindlichen Steinwüsten. Langfristiges, strategisches Denken und ein geplantes, überlegtes Vorgehen liegt den Menschen einfach nicht. Kein Crok würde jemals sein natürliches Umfeld so verseuchen, wie sie es mit ihrer Umwelt machen.

Bei all meinen trostlosen Siegen, die mir reichlich sinnlosen Ruhm und riesige Verluste gebracht haben, will ich mir einmal etwas Besonderes gönnen. Meine Kämpfer, die an den Ausgängen des Gebirges im Hinterhalt lauern, haben eine interessante Spur aufgenommen. Dort läuft ein durchtriebenes, trickreiches, großes, erfahrenes, menschliches Weibchen ganz allein herum. Keine meiner vielen Sklaven ihrer Rasse kann sich so gekonnt durch den Dschungel bewegen. Ich vertraue meinen Spähern, das beurteilen zu können.

Die Menschen haben Glück, dass wir erst mit über zwanzig Jahren geschlechtsreif werden und die große Masse meiner Kämpfer, Unteroffiziere und niederen Offiziere keinerlei Interesse an einem Weibchen haben. Aber das, was mir zugetragen wurde, muss ich erst selbst riechen, um es wirklich zu glauben, denn es wäre fast zu gut, um wahr zu sein. Deshalb habe ich mich auf den Weg gemacht, die Sache persönlich in Augenschein zu nehmen.

Zwanzig meiner Leibwächter begleiten mich. Der örtliche Befehlshaber nässt fast unter sich, als ich zu einer kleinen Inspektion in seinem Hinterhalt auftauche. Erst war ich sehr skeptisch, weil es sich zu unwahrscheinlich und fantastisch anhörte, was mir berichtet wurde, doch nun stelle ich fest, dass der befehlshabende Offizier, entgegen all meinen Erwartungen, recht hat und meine kostbare Zeit nicht vergeudet wurde. Dafür befördere ich ihn um einen Rang und zwei seiner Kämpfer sofort zu Unteroffizieren. Wenn einer das Weibchen allerdings verletzt oder auch nur belästigt, werde ich ihn sofort zerhacken und sein wertloses Fleisch an die Jünglinge verteilen lassen.

Ich folge der noch frischen Spur fünfhundert Meter und sie gefällt mir immer besser. Das Weibchen ist elegant, gewandt und es gelingt ihr sogar, mich kurz mit einer falschen Fährte zu verwirren. Mit einer Mischung aus drei Dschungelfrüchten hat sie ihre Geruchssignatur gewechselt. Allerdings ist ihr nach einer Strecke von hundert Metern ein kleiner Fehler unterlaufen, anscheinend fehlt ihr etwas die Routine. Sie ist auf alle Fälle ausreichend groß, sehr viel schlauer als alle anderen Frauen, die ich bisher hatte, und ein Raubtier, das allein im Wald unterwegs ist. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und meine Hormone melden sich zu Wort. So etwas ist mir in den letzten vier Jahren hier nicht über den Weg gelaufen – eigentlich noch nie.

Meine schlechte Stimmung verbessert sich schlagartig, das wird ein Fest für all meine Sinne und meinen Intellekt – eine spannende, aufregende Jagd, die mir eine richtige große Belohnung bringen wird. Ich muss mich vor meinen Soldaten zusammenreißen, um mich nicht einfach im Schritt zu kratzen.

Heute wird mir das zu hektisch, ich nehme mir hierfür lieber ausreichend Zeit. Diese Jagd will ich genießen .

Nur vier meiner ranghohen Unteroffiziere und Leibwächter werde ich mitnehmen. Der Rest meines Trupps soll das Weibchen in zwei Kilometer Entfernung umkreisen und alle größeren Raubtiere vertreiben. Wehe sie lassen sich sehen, versetzen es in Panik oder ihm passiert irgendetwas. Wenn all meine Wünsche erfüllt werden, gibt es einen neuen Offizier. So funktioniert die Befehlskette bei uns, das hat sich bewährt.

Der befehlshabende Feldwebel meiner Leibwächter hat noch etwas auf dem Herzen: »Hochehrwürdiger, sie ist eindeutig etwas Besonderes und flieht aus den Bergen. Habt Ihr berücksichtigt, ob sie vielleicht verfolgt wird?«

Ein wirklich kluger Gedanke. Ein seltenes Lächeln entblößt meine Zahnreihe und ich lasse vor lauter Freude meine Zähne klappern. Er zeigt gerade mehr Intelligenz als mein ganzer Stab. Wir sind jetzt wieder am Hinterhalt angekommen und ich äußere mich laut lobend vor allen: »Du alter Aasfresser riechst mögliche Beute noch in zwei Tagen Entfernung. Schickt sofort einen Boten in unser Hauptquartier. Dieser und die benachbarten beiden Hinterhalte werden noch heute mit Elitetruppen auf die dreifache Stärke gebracht. Wir brauchen dringend Beute – möglichst wenig beschädigt, nicht wieder massenhaft Tote. Ist das klar?«

Alles Notwendige wird sofort veranlasst. Morgen gibt es für mich eine Jagd – mit der attraktivsten Beute seit Jahren. Ich hatte heute nach langer Zeit mal wieder einen schönen Tag. Der bringt mich auf andere Gedanken und ich kann mich jetzt endlich abwenden, von all den sinnlosen Grübeleien über nicht vorhandenes Geld und fehlende Waffen. Die belasten mich und lassen mich nachts kaum schlafen.

Sophie

Ich bin frei und glücklich – wie habe ich das vermisst. Im Dschungel des Tieflands verspüre ich keine Angst mehr und meine Instinkte melden sich zu Wort. Der Stamm meiner Mutter hat mir beigebracht, mich hier zurechtzufinden. Leider ist sie schon vor Jahren gestorben.

In meiner Hängematte konnte ich wunderbar schlafen, sicher im Wipfel eines hohen Baumes. Bei einer abendlichen Runde waren keine Spuren von wirklich gefährlichen Mitbewohnern zu erkennen. Außerdem habe ich ein paar Fallen gegen unerwünschte Besucher aufgestellt und einige nahrhafte Früchte gesammelt. Ich erinnere mich an so vieles und habe mich mit den Blüten und Früchten eingerieben, die alle lästigen Blutsauger vertreiben. Heute werde ich mir aus zwei Rohrstöcken einige Pfeil basteln und im Fluss nach meiner Reuse sehen. Einen Bogen habe ich schon, an dem muss ich auch noch etwas schnitzen, aber das Werkzeug dafür und die Sehne hatte ich in meinem Rucksack.

Über meine Entscheidung, endlich zu fliehen, bin ich sehr froh. Warum habe ich mich das bloß nicht eher getraut? Wie konnte ich mich nur fast ein ganzes Jahr lang so demütigen lassen? Ich hätte schon viel eher verschwinden können, dafür gab es durchaus Chancen. Das waren alles primitive Psychopathen, die nicht einsehen konnten, dass eine Frau genauso intelligent und stark ist, wie jeder Mann auch; durch meine verbesserten Erbanlagen bin ich sogar noch schneller. Deswegen haben sie mich mit so einem dummen Sklavenhalsband der Südlichen Republik gequält. Das gibt schmerzhafte Stromstöße ab, wann immer man sich wehrt. Zum Glück bin ich es losgeworden.

Als ich mich vom Grübeln losreiße und in die Runde schaue, fällt es mir auf: Die Dschungelgeräusche sind anders, eine Vogelkolonie warnt vor einem größeren Raubtier. Ich packe schnell meine wenigen Habseligkeiten zusammen und klettere erst langsam herunter, dann immer schneller. Die Gefahr nähert sich zügig meinem Standort, aber ich werde ihr problemlos ausweichen.

Nach drei Kilometern und diversen Täuschungsmanövern ist es eindeutig: Es ist keines der einheimischen Raubtiere, es ist einer von den Croks. Mich wundert es schon, dass die auch allein unterwegs sind, aber das macht nichts. Mein Elektromesser wird problemlos mit bis zu zwei von ihnen fertig. Die Viecher sind ja so naiv, wenn sie es mit einer Frau zu tun haben. Viele haben mich schon unterschätzt – und die Konsequenzen getragen. Ein kleines Rudel von ihnen habe ich schon früher oft gejagt, das ist nicht wirklich schwierig.

Vielleicht ergibt sich auch eine Gelegenheit, mit dem Crok zu reden und ihm ein Angebot zu machen. Mal sehen, wie das Ganze so läuft. Mein Messer soll erst mal nur einen Betäubungsschlag abgeben, damit ich ihn unverletzt überwältigen kann. Deswegen verstecke ich mich, nachdem ich eine falsche Fährte gelegt habe, und lauere ihm auf.

Die Sache lief definitiv blöd. Mit einem so guten erfahrenen Kämpfer hatte ich es noch nie zu tun. Allerdings wollte er mir irgendwie nicht wehtun, sonst wäre ich vielleicht schon tot. Nun hält er meinen Hals umklammert und meine Zehenspitzen berühren gerade so den Boden. Seine Arme sind trotz seiner Größe viel kürzer und stämmiger als meine. Das gibt mir den Reichweitenvorteil, da nützt ihm seine deutlich größere Kraft überhaupt nichts. Gleich wird er sich wundern, ich freue mich schon auf sein dummes Gesicht. Wie immer halte ich mein Messer so, dass es mein Gegner nicht bemerkt.

Ich pike ihm dreimal kurz mit der Spitze in den Bauch, mit voller Absicht ganz knapp über der Stelle, wo sein Geschlechtsorgan sitzt. Wie alle männlichen Wesen ist er an der Stelle sehr empfindlich, da vergeht ihm schlagartig sein selbstgefälliges Grinsen. Vor lauter Schreck lässt er mich runter und lockert seinen Griff. Als ich ihn nun kritisch mustere, erkenne ich ihn: Es ist einer ihrer hohen Offiziere! Was mache ich bloß? Niederstrecken oder an seine Ehre appellieren? Eigentlich wollte ich ja unbedingt mit einem von ihnen reden. Mein eigentliches Ziel ist es, unsere Zivilisten in den Bergen zu retten und dieses sinnlose Bombardement aus dem Orbit zu verhindern. Dafür kann ich den Croks auch ein attraktives politisches Angebot machen.

Was stand noch gleich in den Ratschlägen für zielorientiertes Handeln, um einen günstigen Vertrag abzuschließen? Ich sollte mich auf alle Fälle nicht so barbarisch benehmen, wie mein ganzes Umfeld in der Hölle des Krieges, sondern mich an zivilisierte Zeiten zurückerinnern. Zur Überwindung von Vorurteilen ist eine Unterredung in angenehmer Atmosphäre zu empfehlen. So kann man ein Verhandlungsergebnis erzielen, das beiden Seiten gerecht wird. Von Stromschlägen zur Begrüßung stand da eher nichts. So eine Eröffnung empfiehlt sich definitiv nicht, wenn ich noch irgendetwas von ihm will. Außerdem hat er sich zurückgehalten und wollte mich nicht ernsthaft verletzen. Deswegen versuche ich es erst einmal damit, an seine Ehre zu appellieren:

»He, Großer … das hier ist ein sauberes Unentschieden, oder? Wir sollten uns besser nicht gegenseitig wehtun. Ich gehe jetzt davon aus, dass du ein ehrenhafter Offizier bist. Dann gib mir einfach ein Zeichen, dass du das Unentschieden zwischen uns akzeptierst. Also ich bin weiter frei und du und alle deine Krieger, die hier noch rumschleichen, tun mir nichts. In dem Fall verletze ich dich nicht und vertraue deinem Versprechen.«

Sein überraschtes, ehrlich dummes Gesicht ist göttlich und ringt mir ein Lächeln ab. Wie jedes männliche Wesen liebt er sein Geschlechtsorgan anscheinend über alles. Nach einem kurzen Moment des Überlegens schielt er zu meinem Messer, das weiter seine empfindliche Stelle bedroht. Er realisiert die Situation, dann nickt er zustimmend.

»Einverstanden! Lass deine Waffe fallen, dann bist du weiter frei und ich werde dir nichts tun, jedenfalls nichts, was du nicht möchtest. Das schwöre ich dir bei meiner Ehre.«

Er will, dass ich ihm vertraue. Hm … Nun gut ich hatte ja schon den Eindruck, dass er mich nicht ernsthaft verletzen oder töten wollte. Aber sie fressen uns Menschen auch mal einfach so, ganz spontan … Na egal, ich habe mir etwas vorgenommen und mache keinen feigen Rückzieher mehr, deswegen lasse ich mit einem Seufzer meine Waffe demonstrativ fallen. Dadurch liefere ich mich ihm allerdings aus.

Irgendwie bin ich mir plötzlich gar nicht mehr sicher, ob ich nicht einfach nur wahnsinnig naiv und blöd bin. Nur mein Vertrauen auf sein Versprechen, schützt mich jetzt noch – das Wort eines Wesens, auf dessen Speiseplan meine Spezies steht. Die Croks sind allerdings auch dafür bekannt, dass sie nicht lügen. Er hat eine Uniformjacke und nur eine knielange Shorts an, alles sieht kakifarben aus. Keine Schutzweste, das hat mir gerade meine Chance verschafft.

Tecnur

Das war mein aufregendster und bester Vormittag seit Monaten. Es war so spannend, als ihre Spur immer deutlicher wurde. Die vielen Tricks und Haken, mit denen sie versucht hat, mich in die Irre zu führen, haben mich begeistert. Leider ist sie mir ganz zum Schluss überraschend entwischt. Ich kann es nicht fassen! Gerade eben habe ich ihr tatsächlich die Freiheit garantiert, weil ich in meiner bodenlosen Arroganz das Messer übersehen habe. Dabei bin ich sehr wehmütig, weil sie das mit Abstand attraktivste menschliche Weibchen ist, was ich je getroffen habe. Sie ist richtig frech, stark, clever und überhaupt nicht ängstlich. Außerdem ist sie relativ groß, durchtrainiert, muskulös, riecht sehr gut, sieht elegant schön aus und würde ausgezeichnet zu mir passen.

Es überkommt mich mit Gewalt, meine Hormone überwältigen mich. Nach der Jagd sind wir beide erregt, ich lecke ihr genussvoll mit meiner Zunge über den Oberschenkel. Sie hat ein graues knielanges Kleid an und meine Zunge schiebt den Stoff nach oben.

Ganz langsam nähere ich mich dem köstlichen Aroma, das aus ihrer Geschlechtsspalte quillt.

Da sieht sie mir tief in die Augen und sagt: »Bitte, du hast es mir versprochen.«

Mit einem tiefen Seufzer und schweren Herzens reiße ich mich los. Meine Ehre ist mir wichtiger als die Gelüste, die mich quälen. Ich gebe sie frei. »Bitte entschuldige meine Aufdringlichkeit«, sage ich mit einer tiefen Verbeugung.

Da passiert etwas Unglaubliches: Sie rennt nicht einfach weg, sondern bedankt sich höflich bei mir dafür, dass ich unsere Abmachung einhalte. Sie lächelt mich an, beugt sie sich nach vorn und küsst mich auf meine Schnauze, direkt über die Nüstern. »Danke, mein Großer, für deinen Respekt. Du bist wirklich ein ehrenwerter Offizier.« Ihre kristallklare melodische Stimme geht mir durch und durch. Sie trifft mich damit direkt in mein Herz.

Dann bückt sie sich, steckt das Messer ein, dreht sich um und geht. Wie eine Dschungelgöttin gleitet sie langsam ins Unterholz zurück … Das kann ich nicht zulassen! Mein Herz pocht wie wild, mein Kopf wird rot und ich bin kurz davor, wie ein kleines Kind hinterherzurennen. Wir können ja wenigstens reden, denn durch ihren Kuss hat sich für mich alles verändert! Er zeigt mir so viel und es ist alles das, wonach ich mich sehne! Sie respektiert mich, ist nicht angeekelt oder hat Angst vor mir. Mit allen anderen menschlichen Weibchen, die ich bisher kennengelernt habe, hat es Wochen gedauert, bis es zu solch einem Austausch von Vertraulichkeiten gekommen ist.

Ich bin zu sehr weitreichenden Zugeständnissen bereit, nur um sie auf mein Lager zu bekommen, deswegen rufe ich ihr laut hinterher: »Halte ein! Bitte warte und lass uns reden. Ich will dir ein gutes Angebot machen. Danach kannst du immer noch gehen, wenn du willst.«

Sie zögert kurz, dreht sich um und kommt zurück. Ich kann mein Glück kaum fassen. Zehnmal atme ich konzentriert ein und entspanne mich. Von dem Gespräch hängt so viel für mich ab und ich werde mir richtig Mühe geben .

Sophie

Ich bin feige, ich hätte ihn ansprechen sollen. Das war für mich die ideale Gelegenheit. – Warum habe ich es nicht getan? Er ist meiner Bitte gefolgt und hat unsere Abmachung tatsächlich eingehalten, da hätte ich auch gleich mit ihm reden können. Leider bin ich schon wieder schüchtern und traue mich nicht.

Aber … der Crok ruft hinter mir her und will unbedingt mit mir sprechen. Na gut, damit kann ich umgehen. Jetzt oder nie. Im Gegensatz zu den Männern meiner Spezies scheint er Manieren zu haben. Er ist ein ehrenvoller General der Croks, mit offenbar anständigem Verhalten. Es deckt sich mit dem, was in den Berichten über ihre Kommandeure steht. – Zumindest wenn man zwischen den Zeilen liest und seine eigenen Schlussfolgerungen zieht. Und so schlimm war das mit seiner Zunge ja eigentlich gar nicht. Er hat sich sogar bei mir entschuldigt, höflich und korrekt. Ich weiß gar nicht, was mich überkommen ist, dass ich mich mit diesem keuschen Kuss bedankt habe. Aber er ist definitiv kein nettes Pony auf zwei Beinen, sondern ein gefährliches menschenfressendes Raubtier …

Ich knie einen Meter von ihm entfernt nieder und begrüße ihn mit einer tiefen Verbeugung, so wie es ihm zusteht und es bei den Croks üblich ist. Er verneigt sich daraufhin viel tiefer vor mir, als er es hätte tun müssen. Wir sind beide ausgesprochen höflich und stellen uns gegenseitig vor. Dann bitte ich ihn, seine Fragen an mich zu richten. Die Beachtung der üblichen Formalien macht uns beide sicherer und es überspielt etwas meine Nervosität.

Er windet sich, bevor er anfängt, aber was dann kommt, ist verblüffend und überrascht mich total: »Ihr seid das beeindruckendste menschliche Weibchen, was ich seit Jahren getroffen habe. Ich bin von Euch fasziniert. Wenn Ihr Euch zu einer Beziehung mit mir entschließen könntet, biete ich euch Schutz und ein Leben in Luxus. Ich bin der Kommandeur der Truppen, denen das Gebirge gehört und die Ebene bis zum Meer. Bei Eurem Kuss hat nicht nur der Dschungel, sondern auch die Sterne innegehalten. Er zeigt mir, dass ich Euch etwas bedeute. Gebt Euch einen Ruck und kommt freiwillig mit zu mir. Euer Messer könnt Ihr behalten.« Er grinst mich fröhlich an und zeigt sein ungezügeltes Interesse. Den Kuss, den ich ihm aus Dankbarkeit gegeben habe, weil er mich nicht an Ort und Stelle gefressen hat, interpretiert er so, als ob sich dadurch die Geschichte unserer beiden Völker ändert.

Mit meinen Vorschlägen kann ich immer noch rausrücken. Erst mal muss ich wissen, was genau er von mir will. Es hört sich ziemlich fantastisch an, irreal. Es widerspricht wirklich allem, was ich je über die Croks gehört habe. Andererseits ist ein verliebter Alien General vielleicht hilfreich bei meinen politischen Plänen.

Ich ärgere mich etwas, dass ich so naiv war zu glauben, er wolle wegen meines ehrenvollen Verhaltens mit mir reden. Er ist genauso primitiv Sex gesteuert wie alle unsere Männer auch. Allerdings gibt es bei ihm wenigstens ein Minimum an Höflichkeit und Respekt.

»Ich dachte, unsere Sexualfunktionen sind inkompatibel«, antworte ich endlich. »Besonders Eure sogenannte Brunft, diese sexuelle Ausschweifung über drei ganze Tage … die überleben menschliche Frauen doch gar nicht. Werden meine Reste danach wirklich verspeist? Betrachtet ihr nicht alle Menschen als Sklaven, falls ihr sie nicht gleich esst, und behandelt sie auch so?«

Wenn schon, denn schon, ich glaube, er hat das alles ehrlich gemeint. Wenn ich das wirklich in Erwägung ziehe, kann ich ihn auch gleich alles fragen, was mir so durch den Kopf schießt. Die ganze Sache ist sowieso komplett verrückt, da kommt es auf ein paar dumme Fragen von mir auch nicht mehr an.

»Das sind alles üble Erfindungen und Aberglauben«, erwidert er indigniert. »Wenn wir zusammenleben, bist du sicher und ich beschütze dich mit meinem Leben. Das mit der Brunft ist zugegebenermaßen schwierig und die Gerüchte darüber sind sachlich falsch und übertrieben. Es gibt Hilfsmittel und Techniken, die verhindern, dass Euch … dir dabei irgendetwas Schlimmes passiert und du verletzt wirst. Immerhin habe ich schon zwei ganze Jahre mit einem anderen menschlichen Weibchen zusammengelebt und am Sex mit mir ist sie nicht gestorben. Also wenn wir das beide wirklich wollen und uns gegenseitig vertrauen, dann ist es technisch problemlos möglich. Natürlich bist du frei, dir steht ein meiner Stellung entsprechender großzügiger Unterhalt zu und Schutz durch eigene Leibwächter. Ich biete dir eine prächtige Unterkunft mit vielen Bediensteten auf meinem Anwesen. Außerdem leben bei uns schon seit vielen Jahren einige Menschen, die keine Sklaven sind. Sie sind ganz normale Clanmitglieder mit vielfältigen Rechten, aber auch Pflichten.«

Ich bin völlig perplex. Er meint das anscheinend ernst. Wenn mir irgendjemand gesagt hätte, dass ich mitten in diesem scheiß Krieg noch einmal aufrichtig und zivilisiert über eine Beziehung verhandle – und das mit einem General der Croks –, hätte ich ihn ausgelacht. Sie wollen immer gleich eine ehrliche Antwort, so viel weiß ich noch über ihre Rasse. Gut, die soll er haben, aber ich halte mir alle Optionen offen und will erst mal mehr wissen: »Dazu kann ich mich jetzt nicht endgültig entscheiden, darüber weiß ich eigentlich gar nichts. Aber wenn Ihr schwört, verschiedene grundlegende Bedingungen einzuhalten, dann vertraue ich Euch. Ich werde mit Euch kommen, mir anschauen, wie Ihr lebt und was Euch gefällt. Wenn es mit uns nicht funktioniert, bringt Ihr mich in sechs Wochen wieder her und lasst mich gehen. Also, meine Bedingungen lauten: Ich bin niemandes Sklave oder Eigentum und will auf keinen Fall irgendwo eingesperrt sein. Und ich will etwas Sinnvolles machen können. Dass ich nicht nur Rechte, sondern auch Verpflichtungen habe, ist mir bewusst. Außerdem will ich frei darüber entscheiden können, welche Form des Zusammenlebens ich wie und wann zulasse. Allerdings werde ich mir Mühe geben und versuchen, mich Eurer Lebensweise anzupassen. Wenn Ihr mich respektiert und achtet, werde ich mich meinerseits ehrlich bemühen, Eure Wünsche zu erfüllen. Und zu guter Letzt: Ich habe eine Verpflichtung, ein Vorhaben, das für mich sehr wichtig ist.« Ich sehe ihm tief in die Augen und versuche herauszufinden, ob er es ehrlich meint.

Er verzieht sein Gesicht, aber nicht missmutig, sondern eher freudig überrascht. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich das auch richtig interpretiere. Seine Antwort ist jedenfalls interessant: »Als meine Gespielin könntest du sorgenfrei, ohne jede Verpflichtung, im Luxus leben. Alle meine hundert Haussklaven gehören dir und werden sich um deine persönlichen Wünsche kümmern. Aber ich verstehe es, wenn dich das vielleicht nicht ausfüllt und du das nicht willst. Als meine erste Dienerin bist du einer meiner Verwaltungsoffiziere und stehst vielen unserer Farmen, Fabriken und Sklaven vor: allen, die mir und meiner Einheit persönlich zugeordnet sind. Du bist frei, hast aber eine große Verantwortung. In dieser Position muss man hart arbeiten und sehr viele Regeln und Verpflichtungen einhalten. Wir alle dienen immer dem Wohle des Clans und seiner Mitglieder. Ich übrigens auch. Hast du überhaupt Erfahrungen für so einer Tätigkeit? Das geht nicht ohne Vorkenntnisse. Und … was ist das für eine Verpflichtung, die du erwähntest?«

Ich habe ihm die ganze Zeit tief in die Augen geblickt und nicht das Gefühl, dass er gelogen hat. Was soll ich nur tun? Er meint es tatsächlich ernst und will mich wirklich, trotz meiner Bedingungen. Ich war mir eigentlich sicher, dass ihn meine Vorbehalte abschrecken. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ausgerechnet ein Crok-General eine Frau möchte, die ein selbstständiges Leben führen will. Allerdings sind sie auch dafür bekannt, dass sie nicht lügen und immer aufrichtig sind. Ich habe ihm doch offen und ehrlich signalisiert, dass ich mich ihm nicht völlig unterordnen werde. Trotzdem will er mich. Wenn ich die Verwaltung der Sklaven übernehme, kann ich vielleicht deren Lebensbedingungen verbessern. Dass er meine Qualifikation hinterfragt zeigt, dass er das ernst meint und ich ihn nicht komplett missverstehe. Vielleicht sollte ich sein Angebot ernsthaft in Erwägung ziehen. Die kranken Arschlöcher an der Spitze der Widerstandsbewegung haben meine Loyalität nicht mehr verdient!

Aber … will ich das? Bin ich verrückt, mich einem Alien hinzugeben? Egal! Das Wichtigste ist, dass er auf meine Forderungen eingeht. Und er sagt ja, dass andere Frauen den Sex mit ihm auch überlebt haben. Obwohl … das klingt eigentlich eher abschreckend … Aber sei’s drum! Ich trage ihm nun mein politisches Angebot vor und dann habe ich das, was ich meinem Vater auf dem Totenbett versprochen habe, zumindest versucht. Wenn er darauf eingeht, lasse ich mich auf dieses unwahrscheinliche, im Grunde völlig idiotische Abenteuer ein. In meinem Leben ist so vieles schief gegangen, so habe ich dann zumindest einmal eine wirklich große selbstlose Tat zumindest versucht. »Ich will nicht, dass das Gebirge aus dem Orbit bombardiert wird, und ich habe einen Plan für einen Frieden. Die Bergbewohner werden Eure Herrschaft anerkennen und Steuern zahlen, aber nicht Eure Sklaven sein. Es wird sich trotzdem, auch für Euren Clan richtig lohnen. Ich heiße Sophie, bin Rechtsanwältin und Reserveoffizier der Flotte. Mit Politik, Finanzen und Verwaltung kenne ich mich sehr gut aus. Meinen Vater, eine hochgestellte Persönlichkeit, habe ich jahrelang unterstützt und beraten. Niemals helfe ich Euch, die Zivilisten aus den Bergen zu betrügen, sie zu versklaven oder zu töten, aber ansonsten können wir über alles reden.«

Er scheint von meiner Antwort begeistert, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Er strahlt über sein ganzes Gesicht und schaut mich abschätzend, durchdringend und sehr besitzergreifend an. Irgendwie fühle ich mich so, als ob er unter mein Kleid schaut. Ich merke, wie er kurz überlegt, und dann kommt sein Angebot: »Einverstanden, ich gebe dir einen Vertrauensvorschuss. Immerhin ist mein Geschlechtsorgan noch heil, sonst wäre ja auch die ganze Diskussion sinnlos. Die Bombardierung der Siedlungszentren im Gebirge will ich auch nicht. Wenn es irgendwie geht, werde ich dir helfen, dafür einen Ausweg zu finden. Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um diesen sinnlosen Massenmord zu verhindern. Außerdem garantiere ich dir, dass du frei bist und unter meinem persönlichen Schutz stehen wirst. Wie das andere funktioniert, probieren wir einfach aus.« Dann schaut er mir tief in die Augen. »Das verspreche und schwöre ich dir, bei meiner Ehre. Für das, was jetzt kommt, gibt es feststehende Regeln. Also du schwörst mir jetzt den Eid, als Mitglied meines Clans, und ich schwöre dir Schutz, Respekt und Achtung. Wenn es mit uns beiden nichts wird, schenke ich dir vier Sklaven und lasse dich hier im Dschungel friedlich leben. – Wenn du das dann so willst. Sobald du geschworen hast, male ich dir ein Zeichen auf die Stirn, das muss sein. Du darfst mich niemals anlügen und ich werde es auch nicht tun. Allerdings brauchst du auch nicht jedes deiner Geheimnisse verraten, wenn es deine Ehre so will. Ich respektiere es, dass du dich für deine ehemaligen Stammesmitglieder aus den Bergen einsetzt und sie nicht einfach verrätst. Den Rest lernst du nach und nach. Du brauchst keine Angst zu haben. Ich finde dich wahnsinnig attraktiv und helfe dir wirklich gern, damit du dich gut zurechtfindest. Das wird für dich ein sehr interessantes und auch schönes Abenteuer. Du kannst es mir ruhig glauben, dir wird unsere Freundschaft genauso gut gefallen wie mir.« Er lächelt mich freundlich und voller Hoffnung an.

Was wird das, was habe ich da vor? Was findet er an mir? Soll ich mich jetzt wirklich auf eine Beziehung mit einer auf zwei Beinen laufenden zwei Meter großen Echse einlassen? Bin ich irgendwie abartig? War ich schon immer pervers und bin deshalb in meinen zurückliegenden Beziehungen misshandelt worden? Welchen irrwitzigen Verlauf hat unser Gespräch nur genommen und wie konnte ich mich zu so einer Entscheidung drängen lassen? Zielorientiertes Verhandeln habe ich doch eigentlich gelernt und bin darin auch ziemlich geübt … Das er mir geschworen hat, wirklich alles zu tun, um das Bombardement aus dem Orbit zu verhindern, das glaube ich ihm. Das war ihm wichtig. Dabei hat er mir in die Augen gesehen und es kam mit großer Überzeugung.

Das mit der interessanten und tollen Beziehung, da war wohl ein bisschen männliches Balzverhalten dabei, da habe ich einen neckischen Unterton rausgehört. Das davon am Ende nur ein Bruchteil der Realität entspricht, weiß jedes weibliche Wesen, egal von welcher Rasse. Das wird bei denen hier nicht grundsätzlich anders sein. Aber wenn das bei ihm mit anderen Frauen funktioniert hat, dann sollte es mit mir erst recht möglich sein. Für eine Frau bin ich sehr groß, durchtrainiert und ich habe die Nanniten-Ausstattung.

Es war eigentlich auch gar nicht eklig, als ich ihn auf seine lange Schnauze geküsst habe, und er sieht ja ganz stattlich aus. Seine komplette rechte Gesichtshälfte ist tätowiert, mit vielen Bildergeschichten seiner Heldentaten. Er riecht sogar gut – nach Männlichkeit und Dschungel. Bin ich jetzt eigentlich aufdringlich, wenn ich in seine Richtung schnuppere und ihn kritisch mustere? Über seine Spezies habe ich eigentlich kaum Kenntnisse. Ich habe nur ein Übersetzungsprogramm auf meinem implantierten Computer und dazu ein ganz oberflächliches Wissen, gerade das Nötigste für Begrüßung und Auftreten.

Je länger ich darüber nachdenke, desto besser erscheint mir das Angebot. Ich musste schon viel üblere, gewalttätige, stinkende Typen ertragen. Und selbst wenn nicht alles stimmt – mein Messer ist tödlich und ich habe es noch. Am wichtigsten für mich ist es, den Schwur einzuhalten, den ich meinem Vater gegeben habe. Vielleicht gibt es ja doch noch eine kleine Hoffnung auf Frieden. Da kann ich etwas erreichen, wenn mich der Kommandeur der Croks in dieser Angelegenheit unterstützt. – Aber soll ich mich deswegen wirklich mit einem Alien einlassen?

Am liebsten würde ich jetzt aufstehen, ihn weiter beschnuppern und anfassen, aber das ist vielleicht ungebührlich. Ich zähle still bis zehn und hoffe irgendwie immer noch, dass ich gleich schweißgebadet aus einem schrecklichen Alptraum aufwache. Leider ist es kein Traum es ist real und weil ich an meine Verantwortung denke und meine Freunde, die mir unter Einsatz ihres Lebens geholfen haben, treffe ich meine Entscheidung:

Ich lasse mich auf diesen völligen Wahnsinn ein.

Ich knie vor ihm nieder und schwöre ihm das, was er will. Er macht das Gleiche.

Tecnur

Ich bin überrascht. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas überhaupt möglich ist. Sie kann sich frei entscheiden und ist trotzdem bereit, ein Zusammenleben mit mir zumindest zu probieren. Es ist auch keine spontane sprunghafte Aktion, sondern sie hat sich alles gründlich überlegt. Die anderen Frauen haben sich nur auf eine Beziehung mit mir eingelassen, weil ich ihnen sofort die Freiheit gegeben habe. Zusätzlich bekamen sie eine großzügige finanzielle Entschädigung – nach einem Jahr. Sie dagegen hat noch keinerlei persönliche Forderungen über Geld oder andere Sklaven an mich gestellt, nur dass sie von mir respektiert werden möchte.

Sie ist groß, muskulös und sieht richtig gut aus. Die langen schwarzen Haare hat sie zu einem Zopf geflochten und ich würde zu gerne mal vorsichtig daran ziehen und ihr über den Hals lecken. So entspannt wie sie dasitzt, hat sie scheinbar überhaupt keine Angst und mustert mich interessiert – wie ein Weibchen meiner eigenen Rasse. Keine Spur von Unterwürfigkeit, Ekel oder Hemmungen. Ihr Verhalten macht mich wirklich an, das ist einfach unglaublich. Sie ist ein stolzes, unabhängiges Weibchen, das sich mal mein Nest ansehen will! Und sie schließt nicht aus, dass es mit uns klappen könnte. Um von vornherein einen guten Eindruck zu machen, muss ich veranlassen, dass dort sofort aufgeräumt und alles angemessen hergerichtet wird. Und dann … hat sie zusätzlich womöglich eine Lösung für mein Problem mit dem Gebirge. Ich musste mich zusammenreißen, um auf den Vorschlag keine übertriebene Reaktion zu zeigen.

Jetzt hockt sie vor mir neugierig interessiert, wie eine kleine freche Dschungelkatze. Die bringen Glück, denn wenn man ihnen im Dschungel ab und zu eine Leckerei spendiert, warnen sie einen. Aber wenn sie sich ärgern, dann bekommt man einen blitzschnellen Hieb mit den messerscharfen Krallen. Das hier verspricht die aufregendste und spannendste Beziehung zu werden, die ich seit Jahren hatte. »Für dein neues Leben brauchst du einen neuen Namen. Du heißt jetzt Danaka, so wie die kleine freche Dschungelkatze.«

Sie lächelt mich offen und freundlich an. »Wie Ihr … du willst, aber pass auf meine Krallen auf.« Sie faucht kurz und deutet einen Hieb an.

Das ging wieder direkt in mein Herz. Ich muss mich beherrschen, um nicht gleich hier über sie herzufallen. Aber ich will unbedingt einen zivilisierten Eindruck bei ihr hinterlassen. Stück für Stück werde ich sie erobern und jeder noch so kleine Fortschritt wird mich erfreuen und begeistern. »Darf ich dich zu einem Abendessen einladen? Nur du und ich. Wir können uns dann näher kennenlernen.« Sie ist überrascht, damit hat sie nicht gerechnet. »Ein formales nettes Essen, bei dem man sich näherkommt«, erkläre ich.

»Das ist eine schöne Idee. Du brauchst keine Angst haben, ich weiß mich zu benehmen und spreche dich nur formlos an, wenn wir allein sind. Wie soll ich mich verhalten, wenn wir auf deine Truppen stoßen?«

Sie ist wirklich kooperativ und ich erkläre ihr, wie und vor wem sie sich verneigen soll. Zum Schluss drücke ich ihr noch mein Siegel auf die rechte Stirn und eine Sonne, die sie unter diplomatischen Schutz stellt. Offiziere haben nicht nur die obere rechte Gesichtshälfte tätowiert, sondern auch die untere, vor denen muss sie sich verneigen. Alle anderen verneigen sich nun vor ihr. Sklaven haben das linke Gesicht tätowiert und über alle, die mein Zeichen tragen, kann sie befehlen.

Bevor wir aufbrechen, pfeife ich und meine vierzehn Leibwächter tauchen auf. Sie darf sich zwei aussuchen und nimmt auf Anhieb die beiden besten. »Warum die beiden?«, will ich von ihr wissen. »Die anderen haben sich gehen lassen. Ich wusste, wo sie sich verstecken.«

Ich lache laut los und nichts trübt meine Freude. Zwölf meiner Kämpfer knien da und machen lange Gesichter. Ihr Anführer schmunzelt, nimmt seinen Befehlsstock und verteilt die fälligen Kopfnüsse. Leider muss ich meine kleine Dschungelkatze enttäuschen, ihn bekommt sie nicht. Er hat gestern schon mitgedacht und heute mache ich ihn zum Offizier.

Die nächste Überraschung ist ihr förmlicher Kommentar, vor meinen Soldaten: »Das ist eine weise Entscheidung.«

Alle lächeln jetzt. So eine nette korrekte Bemerkung hat ihr keiner zugetraut. Sogar meine Kämpfer mögen sie.

Kapitel 2

Ein Gefecht

Tecnur

Wir bewegen uns unauffällig durch den Dschungel in Richtung Hinterhalt. Danaka ist ein echtes Dschungelgeschöpf, sie bewegt sich sehr aufmerksam, gekonnt und elegant. Sie ist allen meinen Leibwachen deutlich überlegen. Man muss nur genauer hinschauen, dann sieht man es sofort: Nie stolpert sie über eine Wurzel und jede lauernde Schlange und Gefahr erkennt sie deutlich vor meinen Wachen. Ich beobachte sie genau und meine Fantasie schlägt Purzelbäume, wenn ich nur daran denke, wie sie sich bald auf meinem Lager wälzen wird.

Als wir Gefechtslärm hören, lasse ich die Kämpfer ausschwärmen, vielleicht rennt doch noch ein Ahnungsloser in unsere Richtung. Mein süßes kleines Kätzchen überprüft unauffällig ihr Messer. Das finde ich etwas übertrieben, aber es ist niedlich und sieht routiniert aus.

In der Nähe des Hinterhaltes stürzen zwei Feinde in hochmodernen tarnfähigen Kampfanzügen aus dem Gebüsch und greifen uns an. Einer meiner Leibwächter wird erschossen. In nicht mal zwei Sekunden sind wir alle im Unterholz verschwunden. – Das ist ihr Nachteil: Im Dschungel sind wir fast nicht zu sehen, nicht mal mit ihren Wärmebildsensoren.

Danaka finde ich aber auch kaum wieder und sie überrascht mich schon wieder: Sie wirft eine kleine Schwebesonde, die eine Wärmesignatur imitiert. Die windet sich in Bögen und entfernt sich langsam von uns. Einer der beiden Feinde entblödet sich und rennt völlig ahnungslos und desorientiert hinterher. Meine Leibwächter erwischen ihn mit einer Klebepackung, als er an einem Versteck vorbeistolpert. Innerhalb von Sekunden ist sein Kampfanzug von dem zähen Schleim überzogen und er hat kaum noch sensorischen Input. Ich spüre die Befriedigung meiner Kämpfer, als sie ihn langsam einkreisen.

Der andere schleicht in Richtung meiner Dschungelkatze. So gewandt, wie sie ist, müsste sie ihm problemlos ausweichen können. Mir bleibt fast das Herz stehen, als sie ihn aus dem Hinterhalt mit ihrem Messer angreift. Sie rammt es ihm gekonnt in die Seite. Das ist aber sinnlos, damit kann sie ihm niemals eine schwere Verletzung zufügen. Das reicht höchstens für ein kleines Loch in seinem Kampfanzug. Ich muss ihr helfen … Doch da trifft mich fast der Schlag: Er fällt um und windet sich in Zuckungen auf dem Boden. Anscheinend hat sie ihm eine schwere elektrische Ladung verpasst. Von solchen Waffen habe ich gelesen. Oh Götter des Dschungels, sie ist noch viel gefährlicher, als ich gedacht habe. Gegen ihr Messer hätte ich tatsächlich keine Chance gehabt!

Um den Rest kümmern sich meine Leibwächter. Sie bearbeiten ihn so lange mit Keulen, bis er freiwillig aus seiner Rüstung rauskommt. – Nach der dritten Fraktur machen das fast alle. Das ist eine wirklich fette wertvolle Beute, mein Tag wird immer besser. Ich stelle meine kleine Katze zur Rede: »Du sollst dich auf keinen Fall in Gefahr begeben.«

Sie schaut sehr selbstbewusst und antwortet geradezu herablassend: »Das war nichts Schwieriges, erfahrene Dschungelkämpfer waren das nicht, das hat man sofort gesehen.«

»Trotzdem, halte dich lieber etwas zurück. Ich bin sehr froh, dass ich dich gefunden habe. Ich passe jetzt mit auf dich auf, mein Kätzchen. Aber dein Messer verblüfft mich. Damit hättest du mich töten können, als wir uns trafen.« Ich bin wirklich sehr neugierig. Was hat sie sich dabei gedacht? Das interessiert mich brennend. »Ja, du hast recht, aber ich habe dir vertraut und wurde nicht enttäuscht. Aber mach dir keine falschen Vorstellungen: Sonst bin ich nicht so leichtsinnig. Ich habe früher mal ein Bild von dir gesehen und wusste, dass du ein ehrenvoller Offizier bist, der sich an Absprachen hält. Nur deswegen habe ich mich auf dein Wort verlassen.«

Jetzt schmeichelt sie mir sogar. Sonst bringt mich mein ehrenvolles Verhalten oft in Schwierigkeiten, aber heute hat es mir das Leben und, noch wichtiger, mein Geschlechtsteil gerettet. Das hätte bei so einem Elektroschock auch abfallen können.

Sie neigt ihren Kopf zur Seite und blickt mich neugierig an. Der Kampf und die Gefahr haben uns beide etwas erregt. Sie mustert mich sehr interessiert und ich bin ganz erstaunt, dass ich ihre Gefühle so gut erkennen kann. Mein kleines niedliches Kätzchen ist sehr zufrieden mit sich, dass sie ihre Beute so clever geschlagen hat. Außerdem gefällt ihr offensichtlich mein Beschützerinstinkt und das, was ich ihr gesagt habe. Sie ist definitiv ein intelligentes, sehr gefährliches Raubtier und kein Schaf, wie all die anderen weiblichen Herdentiere ihrer Spezies.

Zunächst mustern wir uns vorsichtig gegenseitig und werfen uns immer mal wieder verstohlene Blicke zu. Ganz allmählich wird unser Augenkontakt intensiver und auf einmal starren wir uns beide hemmungslos an und verschlingen uns mit gierigen Blicken. Sie hat wunderschöne strahlend blaue Augen, die mich in ihre Tiefe ziehen und von denen ich mich kaum losreißen kann. Auch wenn ich mir fest vorgenommen habe, es langsam anzugehen: Ich muss sie jetzt unbedingt fragen, meine Hormone melden sich zu Wort: »Wenn du den Kopf so zur Seite neigst, dazu noch dein Kinn hebst und den Hals entblößt, forderst du mich auf, daran zu lecken.«

Sie ist überhaupt nicht überrascht oder schockiert, sie lächelt mich jetzt einfach an und entblößt dabei ihre strahlend weißen Zähne: »Aber nur, wenn ich dich hinterher am Kopf streicheln und beschnuppern darf. Außerdem darf keiner hersehen und uns beobachten.«

Natürlich starren uns alle meine Kämpfer grinsend an – mich und die kleine Danaka, die ihnen so viel Glück und Beute gebracht hat. Das ist zwar unhöflich, aber ich kann es nachvollziehen, in ihrem Alter hätte ich es auch gemacht. Ein kurzer Brüller von mir und sie blicken sofort in die andere Richtung.

Mein kleines Kätzchen lacht, hebt das Kinn und zwinkert mich mit ihren hübschen Augen und den großen Wimpern herausfordernd an. Da verliere ich die Kontrolle über meine Zunge, sie schleckt von ihrem Ausschnitt über den Hals langsam zum Ohr. Danaka schließt genießerisch die Augen und schnurrt leise. Als meine Zunge sie am Ohr kitzelt, richten sich ihre Härchen auf, sie kichert verstohlen und rutscht weg.

Ich werde rot und bin völlig überwältigt. Schon sehr lange hatte ich kein so aufregendes, berauschendes, erotisches Gefühl mehr. Allein dafür hat sich die Jagd für mich mehr als gelohnt. – Sie schmeckt einfach fantastisch. Es ist eine Geruchsmischung aus der Anstrengung, der Aufregung, der Gefahr, dem Sieg und einem Hauch von Begehren. Keine meiner Sklavinnen und keine andere Frau, wie sich die menschlichen Weibchen nennen, hat eine so großartige Ausstrahlung auf mich.

Ich beuge meinen Kopf vor ihr und bin sehr gespannt, was sie möchte. Nicht eines der anderen Weibchen ihrer Rasse, mit denen ich bis jetzt zusammengelebt habe, hat irgendwann einmal einen eigenen erotischen Wunsch geäußert. Meistens hat es schon über ein halbes Jahr gedauert, bis sie keine Angst mehr vor mir hatten und wir normal miteinander umgehen konnten.

Sophie/Danaka

Jetzt haben wir auch noch zusammen gekämpft. Ich musste mich einfach wehren. Auch wenn alles anders verlaufen wäre, freiwillig ohne Gegenwehr, hätte ich mich niemals einfangen lassen. Wenigstens habe ich keinen getötet, so bin ich mit meinem Sieg ganz zufrieden. Er schaut mich bewundernd an und irgendwie fühle ich mich geschmeichelt.

Der Überfall und unser Sieg haben mich erregt. Ich finde seine Besorgnis entzückend, schon lange hat sich keiner mehr aufrichtig um mich gesorgt oder sich so für mich interessiert. – Egal ob Echsen oder Menschen: Männliche Wesen sind alle gleich primitiv und berechenbar. Die anderen Warlords, mit denen ich zusammen war, hätten mich nach so einem Kampf brutal auf den Boden geworfen und zum Sex benutzt. Ob ich will oder nicht wäre ihnen vollkommen egal gewesen, sie hätten sich nur in Details unterschieden: Der eine hätte es gemacht, bevor er einen der Gefangenen zu Tode foltert, und der andere hinterher. Insofern ist mein Tecnur sehr zivilisiert. – Oh nein! Jetzt habe ich schon mein Tecnur gedacht, das ist völlig übertrieben und unangebracht.

Die Sache mit seiner Zunge war allerdings erregend und lustig. Sie war für mich überhaupt nicht eklig oder abstoßend. Irgendwie haben mich der Kampf und mein Sieg in eine angespannte Stimmung gebracht. Das er demütig den Kopf vor mir beugt, sich meinen spontanen Wünschen fügt und sich sanft von mir streicheln lässt, hätte ich nicht gedacht.

Es ist ein länglicher Kopf, so gar nicht menschlich, mehr wie ein junges Pony mit kleinen handbreiten spitzen Hörnern zwischen den Ohren. Die Schnauze ist deutlich größer als mein Gesicht. Er hat sehr weiche trockene Gesichtshaut, die ich sanft mit meinen Händen erkunde, so gar nicht wie die Reibeisenbartträger meiner Rasse. Er riecht angenehm nach Männlichkeit und Dschungel. Seine spitzen Zähne sind sauber geputzt und stinken nicht nach Fleischresten und Belegen. Er hat noch nicht einmal Mundgeruch und betreibt anscheinend mehr Körperhygiene als viele meiner Leute in dieser schwierigen Zeit. Der übrige Körper unterscheidet sich von unserem nur durch die in der Proportion viel kürzeren kräftigeren Arme und die etwas längeren muskulösen Beine. Außerdem haben sie nur jeweils drei Glieder an Händen und Füßen, nicht wie wir fünf. Die sind dafür aber auch doppelt so lang und deutlich dicker. Trotzdem sind Hände und Füße schmaler und länger als die menschlicher Männer. Die Croks laufen federnd auf den Ballen und sind viel schneller unterwegs als die Menschen. Sie wirken dadurch auch noch deutlich größer als wir.

Am beeindruckendsten ist die unterarmlange Zunge, mit der er wirklich exotische Dinge anstellen kann. Die kann er durch eine kleine Zahnlücke auch ausstrecken, wenn er seine Schnauze geschlossen hat. Vielleicht nenne ich es doch lieber Mund und nicht Schnauze. Wer weiß schon, was noch passiert?

Ich streichle ihm einmal mit meinen Händen über seinen Kopf, bevor ich ihn an seinen wirklich niedlichen kleinen Ohren neben seinen Hörnern ganz vorsichtig kraule. Das lässt ihn den Kopf zurückziehen.

»Was uns beiden mit den Ohren gefällt, müssen wir wohl noch näher erforschen«, stelle ich etwas überrascht fest.

Er lacht laut los und es hört sich gut an, auch ohne meinen hinter dem Ohr im Schädelknochen sitzenden Computer, der seine Sprache grob übersetzt. Der Computer ist eine Erinnerung an meine Vergangenheit in zivilisiertere Zeiten und hat noch viele andere nützliche Funktionen. Sein Lachen ist nicht unangenehm, es hört sich wie ein freundliches Schnattern an.

Ein Bote kommt angestürzt, übergibt eine Meldung und einer der sehr aufmerksamen Leibwächter bringt ihm mein Messer. Die Elektroschockabgabe des Messers hat schon viele getötet, die mich leichtsinnig unterschätzt haben. Die letzten zwei Jahre musste ich es in den Bergen vergraben, weil meine sogenannten Verlobten mir keine Waffen zugestanden haben, ich war schließlich die folgsame Frau und das Opfer.

Zum ersten Mal ist Tecnur unsicher. Das lässt mich hoffen, denn mein Messer möchte ich behalten und das hat er mir auch versprochen. Allerdings ist ihm gerade eben klar geworden, dass ich ihn damit jederzeit töten kann. Ich überlege krampfhaft, was ich tun soll. Gab es da nicht etwas, was er unbedingt wollte?

Bevor er mir mein Messer wegnimmt, halte ich ihm meine Hand hin und will es wiederhaben. Als er zögert, hebe ich die Vorderseite meines Kleids und entblöße meine Scham. Dabei werde ich auch noch knallrot. »Wenn du daran leckst, weißt du, dass ich dich mag. Ich schwöre dir, dass ich dich mit meinem Messer niemals verletzen werde.« Ich werfe ihm einen bittenden Blick zu und klimpere mit meinen langen Wimpern. Das hat schon einmal gut funktioniert und ihn offenbar ziemlich angemacht.

Ich bin vom Kampf und den Überlegungen, mit denen ich mich gerade auseinandersetzen muss, leicht erregt. Meine Muschi ist aus ihrem monatelangen Koma erwacht und hat etwas Schleim abgesondert. Allerdings denkt mein restliches Bewusstsein, dass ich mich bei dem Kampf eben am Kopf gestoßen habe. Es fühlt sich so an, als ob ich langsam aber sicher in den Wahnsinn abdrifte.

Tecnurs Augen schielen genau in die Mitte zwischen meine Beine. Ich merke richtig, wie sein Gehirn mit den Hormonen kämpft und seinem Arm befiehlt, dass Messer nicht herzugeben. Als ich mein Kleid ganz langsam wieder sinken lasse, enttäuscht schaue und seine Nüstern tief meinen Geruch einsaugen, zuckt sein Arm jedoch vor und er drückt mir den Griff in die Hand. – Seine Hormone haben obsiegt.

Ich lasse das Messer sofort in der Hülle auf dem Rücken verschwinden.

»In meinem Haus trägst du keine Waffe, da gibst du das Messer einem deiner Leibwächter.«

So versucht er, einen letzten Rest seiner Würde und die Kontrolle zu bewahren. Ich habe etwas erreicht und dafür muss ich ihn auf alle Fälle belohnen. Das haben die anderen männlichen Arschlöcher nie begriffen. Eine echte Beziehung besteht immer aus Geben und Nehmen. Wenn er so nett und folgsam ist, dann kann ich auch sehr zuvorkommend sein.

»Wie du befiehlst, Tecnur«, flöte ich zuckersüß und neige respektvoll meinen Kopf.

Ich habe etwas riskiert und damit etwas erreicht. – Ich habe ihn zu einer Sache überredet, die er eigentlich gar nicht wollte. Das wird vielleicht sogar eine richtige Freundschaft. Jetzt braucht er allerdings, wie jedes männliche Wesen, sofort eine kleine Belohnung. Wie war das noch gleich mit dem Hals? Ich lege meinen Kopf zur Seite, hebe mein Kinn und zucke mit meiner Hüfte kurz in seine Richtung. Den vorderen Teil meines Rocks habe ich ja noch angehoben und jetzt wedelt die Rückseite meines Kleides nach vorn. Ich kann richtig sehen, wie ihm der Luftzug meinen Geruch in die Nüstern bläst.