Cyborg-Krise - H. G. Ewers - E-Book

Cyborg-Krise E-Book

H.G. Ewers

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Beschreibung

Die Milchstraße konnte vor dem sicheren Untergang bewahrt werden. Doch Ren Dhark findet keine Ruhe. Denn zum ersten Mal steht er einem Vetreter jenes Volkes gegenüber, das die Menschen 'Mysterious' nennen. Und dann kommt es auch noch zur Cyborg-Krise.

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Ren Dhark

Drakhon-Zyklus

 

 

Band 13

Cyborg-Krise

 

 

von

H. G. Ewers

Werner K. Giesa

Uwe Helmut Grave

Manfred Weinland

 

nach einem Exposé von

Hajo F. Breuer

Inhalt

Titelseite

Prolog

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

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Impressum

Prolog

Ende Januar 2059 hat sich für Ren Dhark ein Kreis vollendet. Im August des Jahres 2051 entdeckte er auf dem Kolonialplaneten Hope erstmals die Spuren einer technisch extrem hochentwickelten außerirdischen Zivilisation. Weil das fremde Volk zwar viele Artefakte hinterlassen hatte, aber keinen einzigen Hinweis auf seine Herkunft oder auf sein Aussehen, hatte es bald den Namen »Mysterious« weg – die Geheimnisvollen.

Wertvollste Hinterlassenschaft der Mysterious war ein ringförmiges Raumschiff mit phantastischen Eigenschaften. Unter Ren Dharks Kommando nahmen es die Menschen in ihren Besitz und tauften es auf den Namen POINT OF. Dieses Schiff sollte den Grundstock bilden für eine Flotte von Ringraumern, die die Terraner überall im Weltall entdeckten und in ihre Dienste nahmen.

Es gelang Ren Dhark, die Erde den biologischen Robotern zu entreißen, welche den Heimatplaneten der Menschheit besetzt hatten und seine Bewohner angeblich retten wollten, indem sie sie zu willenlosen Sklaven machten. Auch diese »Giants« genannten biologischen Maschinen entpuppten sich später als eine Hinterlassenschaft der Mysterious.

Daß die Menschheit und alle anderen Völker der Milchstraße tatsächlich Rettung brauchten, wurde rasch klar, als das Strahlungsfeld der Galaxis immer mehr entartete. Ren Dhark startete zu einer großen Forschungsreise, in deren Verlauf er die Sterneninsel Drakhon entdeckte, die mit unserer Milchstraße zu kollidieren drohte.

Es stellte sich heraus, daß Drakhon erst im Jahr 1805 irdischer Zeitrechnung am Rand der Galaxis aufgetaucht war – herausgerissen aus seinem eigenen Kontinuum. Bei seiner fieberhaften Suche nach der Ursache dieser Naturkatastrophe stieß Ren Dhark einmal mehr auf Spuren der Mysterious. Er fand Beweise dafür, daß die Geheimnisvollen vor rund 1000 Jahren das überschwere Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße manipuliert hatten, um mit dieser »Waffe« einen Krieg zu gewinnen.

Doch diesmal hatten sich die Mysterious zu weit vorgewagt: Als sie entdeckten, daß eine Galaxis aus einem anderen Kontinuum in das unsrige gerissen und die Milchstraße früher oder später vernichten würde, flohen sie mit unbekanntem Ziel.

Bei seiner verzweifelten Suche nach Verbündeten im Kampf gegen den Weltuntergang fand Ren Dhark in der Galaxis Drakhon das Volk der Rahim, das über extrem starke Parakräfte verfügte. Mit Hilfe der Rahim gelang es letztlich, Spezialschiffe hinter den Ereignishorizont des entarteten Schwarzen Loches zu bringen und einen Teil seiner Masse zu neutralisieren.

Allerdings ließen die besonderen Bedingungen innerhalb des Ereignishorizontes die Rahim wahnsinnig werden. Sie hätten das Gravitationszentrum der Milchstraße vollends zerstört, wären sie nicht im letzten Moment von einem geheimnisvollen Mann namens Jim Smith besiegt worden.

Die Rahim verloren ihr Leben, als sich das Schwarze Loch wieder normalisierte. Die Galaxis Drakhon »schlüpfte« aus unserem Kontinuum zurück in ihr eigenes. Die Gefahr war besiegt!

Ren Dhark hielt es für seine Pflicht, Jim Smith zu danken, obwohl dieser Mann auf der Erde schon unangenehm als Datendieb aufgefallen war. Man ging davon aus, daß es sich bei ihm um einen Abenteurer handelte, der auf einem namenlosen Planeten ebenfalls ein Ringschiff der Mysterious gefunden hatte, ohne es der Regierung auszuhändigen.

Doch dann sprach Smith die Worte, die Ren Dhark für den Rest seines Lebens nicht mehr vergessen sollte: »Ich bin einer aus dem Volk, das ihr die Mysterious nennt.«

1.

»Sie vermuten richtig, Mensch. Ja, ich bin einer aus dem Volk, das ihr die Mysterious nennt.«

Ren Dhark ließ die Worte in sich nachklingen.

Der sie gesprochen hatte, stand vor ihm – augenscheinlich ein Mensch, schlank und muskulös, hochgewachsen, mit dunklem Haar und dunklen Augen. Dhark schätzte ihn auf etwa 40 Jahre, eher etwas weniger.

Jim Smith.

War das sein richtiger Name? Bestimmt nicht!

Als Jim Smith war er auf Terra aufgetreten, vorher als John Brown auf Babylon. Und jetzt hatte er mit seinem Ringraumer die Entscheidung herbeigeführt, als es darum ging, das entartete Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße zu einem »normalen« Super Black Hole zu machen. Eine waghalsige Aktion. Wäre sie fehlgeschlagen, gäbe es in ein paar Wochen oder Monaten zwei Galaxien nicht mehr, aber statt dessen eine Strahlenhölle aus kollidierenden Sternen, weil dann die Galaxis Drakhon, angezogen von der Superschwerkraft des manipulierten Black Holes im Zentrum der Milchstraße, per Transition in der Menschheitsgalaxis materialisiert wäre. Vorboten der Katastrophe forderten schon seit Jahren und Jahrzehnten ihren Tribut, hatten ganze Völker gezwungen, ihre Heimatwelten aufzugeben und in »ruhigere« stellare Bereiche auszuwandern – sofern sie dazu in der Lage waren. Wer nicht fliehen konnte, starb oder trug schwerste Strahlenschäden davon, die den Nachwuchs zu nicht lebensfähigen Kreaturen mutieren ließ.

Aber es war gelungen.

Statt dessen gab es die Rahim nicht mehr, die mit ihren unwahrscheinlich starken Parakräften terranische Spezialraumer jenseits des Ereignishorizonts vor einem Absturz in das Schwarze Loch bewahrt hatten, während die an Bord installierten Masseneutralisatoren die Manipulation rückgängig machten, die vor über tausend Jahren von den Mysterious vorgenommen worden war!

Ich bin einer aus dem Volk, das ihr die Mysterious nennt.

Einer aus dem Volk, das für den Beinahe-Untergang zweier Galaxien mit all ihren Zivilisationen verantwortlich war.

Fühlte er sich unter Ren Dharks Blick unbehaglich?

Keine Regung zeichnete sich in seinem Gesicht ab, das Dhark von den Fahndungsfotos der Galaktischen Sicherheitsorganisation her kannte. Aber als er dann den Blick wandte und zu dem etwa zehnjährigen Mädchen hinübersah, das immer noch bewußtlos in einem der Kontursitze des breiten Instrumentenpults mehr lag als saß, glaubte Dhark eine Wärme und Zuneigung zu spüren, die er zum letzten Mal bei seinen eigenen Eltern erlebt hatte.

Dann sah Smith wieder Ren Dhark an. Er wirkte müde.

»Sie wird gleich erwachen«, sagte er.

Dhark nickte. Er sah sich einmal mehr in der Zentrale des Ringraumers um, den Jim Smith EPOY nannte. Sie glich der der POINT OF bis ins Detail – von einer Ausnahme abgesehen. Der EPOY fehlte ein Checkmaster!

Damit war Ren Dharks Schiff der EPOY auf jeden Fall überlegen! Aber die EPOY mußte trotzdem noch um Klassen besser sein als die S-Kreuzer, die die POINT OF ins Zentrum der Galaxis begleitet hatten.

Die Bildkugel über dem Steuerpult zeigte sie und auch die drei großen Ellipsenraumer der Nogk, die als Beobachter hergesandt worden waren.

Es zuckte Dhark in den Fingern, sich im Kommandosessel niederzulassen und die EPOY zu steuern. Zu erproben, wie gut dieses Raumschiff wirklich war.

Jim Smith schien seine Gedanken zu erahnen.

»Bitte, Commander… wenn Sie Platz nehmen wollen?«

Dhark schüttelte den Kopf. »Kein Bedarf, Jim.« Aber er versuchte mit der Gedankensteuerung des Ringraumers Kontakt aufzunehmen, falls es eine gab. Vielleicht existierte sie ja ebensowenig wie ein Checkmaster.

Anflug und Andockversuch an der POINT OF, dachte er konzentriert. Definition: POINT OF ist Raumschiff, zu dem Transmitterverbindung geschaltet wurde.

Über diese Transmitterverbindung von Zentrale zu Zentrale war er an Bord der EPOY gekommen, der Warnung seines Freundes Dan Riker zum Trotz, als Jim Smith ihn dazu eingeladen hatte.

Es gab eine Gedankensteuerung in der EPOY!

Ungültige Anweisung, kam ihre lautlose Antwort. Ausführung verweigert.

Smith, der ein Mysterious sein wollte, lachte leise auf. »Dieses Raumschiff gehorcht nur mir, Commander. Sie würden es nicht einmal steuern können, wenn ich tot wäre. Es sei denn, ich würde Sie autorisieren.«

Natürlich. Die Gedankensteuerung hatte sich bei ihm genauso gemeldet wie bei Ren Dhark. Das war auch in der POINT OF normal, aber auf die Kommandozentrale beziehungsweise die Führungsoffiziere begrenzt. Die »normalen« Besatzungsmitglieder bekamen davon nichts mit. Nach welchen Kriterien die Gedankensteuerung oder der hinter ihr stehende Checkmaster bei seiner Auswahl vorging, war bis heute ungeklärt.

»Sie haben sich gut abgesichert, Jim.«

»Hätten Sie es an meiner Stelle nicht auch getan, Ren?« übernahm Smith die vertraulichere Anredeform.

»Wer sind Sie wirklich?« fragte Dhark leise. Er war nicht sicher, ob Smith ihn nicht belog. Immerhin hatte sich dieser Mann auf Terra als Datendieb gezeigt und versucht, sich über das globale Datennetz das gesamte Wissen der Menschheit anzueignen; ein Versuch, der im buchstäblich allerletzten Moment von der Galaktischen Sicherheitsorganisation gestoppt werden konnte. Ob er nicht dennoch jede Menge Informationen gesammelt hatte, ehe sein Treiben entdeckt wurde, war unbekannt. Immerhin war er auch auf Hope aufgetaucht, hatte im Industriedom von Deluge Unruhe gestiftet und anschließend eines der modernsten Raumschiffe der Terranischen Flotte, den Tofirit-Ringraumer EUROPA, gestohlen. Dafür hatte Colonel P. S. Clark, der Ex-Kommandant des Raumers, geschworen, ihm den Hals umzudrehen, wenn ihm dieser Smith jemals in die Finger käme.

Smith ein Mysterious?

Die Technik, die er benutzte, sprach dafür. Und trotz des Mißtrauens, das in Ren schwelte, wollte er Smith Glauben schenken. Zu lange hatte er schon all seine Kraft dafür verwendet, dieses vor tausend Jahren aus der Galaxis verschwundene Volk zu finden, das die POINT OF gebaut und überall technische Hinterlassenschaften verstreut hatte, die Terra bislang von größtem Nutzen waren. Er wollte sie endlich kennenlernen, diese Geheimnisvollen, über die kaum mehr bekannt war, als daß sie vielen Völkern der Milchstraße als Mörderrasse verhaßt waren – obgleich das alles sich inzwischen als Verwechslung entpuppt hatte.

Grakos hatten die Utaren sie genannt. Wo immer ein Geschwader Ringraumer auftauchte, stand der Tod im Hintergrund, hatten sie seinerzeit berichtet. Und davon, daß diese Grakos ganze Planeten entvölkerten und ihre Bewohner in die Sklaverei entführten. Inzwischen war klar, daß Grakos und Mysterious nicht identisch waren, aber Grakos mußten Ringraumer der Mysterious erobert und benutzt haben und hatten damit all ihre Grausamkeit und Boshaftigkeit den Mysterious zugeschoben, deren Aussehen ebenso wie das der Grakos niemals jemand hatte beschreiben können, weil bei ihren Aktionen die einen wie die anderen angeblich ihre Raumschiffe niemals verlassen hatten…

Grakos…

Sie bedeuteten keine Gefahr mehr. Was vor tausend Jahren die Mysterious nicht geschafft hatten, war den Terranern gelungen. Im Vorfeld der Aktion um das entartete Schwarze Loch hatten sie die Grakogefahr ausgeschaltet und Verträge geschlossen. Die insektoiden Gordo, die in einer letzten Entwicklungsstufe aus den vormals mörderischen Grakos entstanden, schienen vertrauenswürdig und friedliebend zu sein. Und diese Gordo hatten jetzt die Kontrolle über ihr Gesamtvolk.

Mysterious…

Schon einmal hatte Ren geglaubt, am Ziel seiner Suche zu stehen. Damals, als er nach Drakhon vorstieß und noch nicht ahnte, welche Bedeutung diese mit der Milchstraße kollidierende zweite Galaxis hatte. Auf einem Drakhon-Planeten, auf der Welt der Shirs, hatte er die Salter entdeckt, die vorgaben, die letzten aussterbenden Mysterious zu sein. Er hatte sie nach Terra gebracht, und dort waren sie dann tatsächlich gestorben. Nur stellte sich dabei heraus, daß das alles eine große Täuschung war. Die Shirs hatten mit ihren hypnosuggestiven Parakräften den Terranern vorgeschwindelt, die Salter seien die Mysterious.

Die Wirklichkeit sah anders aus.

Die Salter hatten einst auf der Erde gelebt. Sie hatten Terra – Lem, wie sie es nannten – verlassen müssen und waren zu einem Hilfsvolk der Mysterious geworden. Nicht mehr und nicht weniger.

War es ein Wunder, daß Ren deshalb diesem Jim Smith gegenüber mißtrauisch blieb?

Ich bin einer aus dem Volk, das ihr die Mysterious nennt.

Konnte es wirklich sein? War diese Lösung nicht zu einfach, zu sehr aus dem Hut gezaubert nach den Enttäuschungen, die Ren in den letzten Jahren seiner Suche immer wieder erlebt hatte?

Die Tel in der Sternenbrücke… die Salter… die Rahim in Drakhon… immer wieder hatte er glauben wollen und gehofft, und jedesmal war er ins Leere gestoßen.

Er fürchtete, daß ihm jetzt eine weitere Enttäuschung bevorstand.

»Wer sind Sie wirklich, Jim Smith?«

Der vorgebliche Mysterious lächelte.

»Die Wahrheit, Commander Ren Dhark, befindet sich immer im Verstand des Fragenden«, sagte er.

*

»Commander?« meldete sich eine zaghafte Stimme. »Commander Ren Dhark?«

Juanita Gonzales!

Die Zehnjährige war aus ihrer Bewußtlosigkeit erwacht. Mit ein paar Schritten war Smith bei ihr, half ihr in eine aufrechte Sitzposition. Strich ihr durch das lange, weiche Haar. Das Mädchen sah Dhark aus großen Augen an, musterte den großen, weißblonden Mann eingehend. »Sie sind Ren Dhark? Echt?«

»Ganz echt«, schmunzelte er. »Möchtest du meinen Ausweis sehen, Juanita?«

»Woher wissen Sie, wer ich bin?« stieß sie erschrocken hervor und wechselte einen schnellen Blick mit Smith.

»Es gehört zu meinen Pflichten, so viele Menschen wie möglich zu kennen«, erwiderte Ren. Er wußte aus dem GSO-Dossier, wen er vor sich hatte. Juanita Gonzales stammte aus den Slums von Rio de Janeiro. Smith hatte sie dort aufgegabelt und mitgenommen. Zuerst war die GSO von einer Entführung ausgegangen, aber auf Hope hatte sich gezeigt, daß sich das Mädchen durchaus freiwillig und offensichtlich gern bei Smith aufhielt.

Und offenbar verfügte sie über eine interessante Parabegabung.

Sie konnte sich und andere »unsichtbar« machen…

Nicht wirklich unsichtbar. Nicht in der Form, wie es die entarteten Cyborgs Mildan und Dordig einst gekonnt hatten, die von Crekker-Tels umgedreht worden waren. Die Crekker gab es nicht mehr, wie es auch Mildan und Dordig nicht mehr gab, aber damals waren diese Cyborgs nur sichtbar geworden, wenn man in direkten Körperkontakt mit ihnen kam. Ortungsgeräte und Fotoapparate hatten nicht auf sie angesprochen.

Auf Juanita Gonzales schon!

Aber irgendwie schaffte sie es, anderen Menschen vorzugaukeln, da sei niemand. Sie wurde einfach nicht wahrgenommen. Und sie konnte andere, wie zum Beispiel diesen Jim Smith, in das Nichtwahrgenommenwerden mit einbeziehen!

Dieses Talent hatte sie jedenfalls auf Hope im Industriedom von Deluge einige Male unter Beweis gestellt und dabei eine Menge Unruhe gestiftet. Die größere Unruhe hingegen hatte Smith verursacht, als er die EUROPA kaperte.

Unwillkürlich mußte Dhark bei dem Gedanken schmunzeln, was der vor Zorn tobende Colonel P. S. Clark wohl tun würde, wenn er erfuhr, daß es sich bei dem Dieb um einen Mysterious handelte!

»He, reden Sie nicht mit jedem?« hörte er im nächsten Moment Juanitas Stimme. Da wurde ihm klar, daß er ihre Frage noch nicht beantwortet hatte, die sie ihm eben stellte.

»Entschuldige bitte«, sagte er. »Ich habe wohl gerade nicht aufgepaßt. Was hattest du gefragt?«

»Ob Sie sehr viele Menschen kennen, Mister Dhark. Und wie viele.«

»Wie viele… hm. Ich glaube, das kann ich dir nicht beantworten.«

Sie nickte. »Habe ich mir gedacht. Aber Sie haben es geschafft, nicht? Sie haben dieses Schwarze Loch kaputtgemacht, ja? Das, was uns sonst alle umbringen würde?«

»Dein großer Freund Jim hat mir dabei sehr geholfen«, sagte Dhark.

Ihre Augen leuchteten, als sie Smith ansah. »Hast du? Wunderbar! Ich wußte, daß ihr es schaffen würdet.«

Der Fremde lächelte. »Ich habe so gut wie nichts dazu beigetragen«, sagte er. »Der Commander der Planeten hat die Arbeit erledigt. Er wäre auch ganz gut ohne mich zurechtgekommen.«

Er wandte sich Dhark zu. »Sie war immer überzeugt, daß Sie es schaffen würden, Dhark. Ich hatte eher Bedenken. Uns ist es seinerzeit nicht mehr gelungen, den Prozeß umzukehren, als wir erkannten, was geschehen würde…«

»Moment mal!« fuhr Juanita auf. »Was heißt das, Jim? Uns ist es nicht mehr gelungen? Wir haben doch nie…«

»Ich meinte das etwas anders«, sagte Smith leise. »Terraner Dhark, ich glaube, wir sollten unser kleines Gespräch etwas vertagen.«

Das Mädchen runzelte die Stirn. »Jim, was soll das heißen? Wie anders meintest du das? Du nennst den Commander Terraner Dhark, als wenn du selbst kein Terraner wärst! Und wer ist ›wir‹?«

»Ich glaube, ich muß dir einiges erklären. Ich…«

»Das glaube ich auch!« sagte sie entschieden wie eine langjährige Ehefrau, die ihren Göttergatten mal wieder herunterputzt, weil der seine Schwiegermutter scheel angesehen hat. »Mit ›wir‹ meinst du nicht dich und mich, sondern dich und…«

Sie stockte ein paar Sekunden lang. Ihre Augen weiteten sich.

»Das Monster!« stieß sie dann hervor. »Das Monster meinst du! Es existiert doch! Du hast mich beschwindelt, Jim!«

Sie schien fassungslos, und Dhark sah, wie die Angst in ihr emporkroch. Angst davor, verraten worden zu sein. Angst, daß ihr Vertrauen, ihre Zuneigung, mißbraucht wurde.

»Juanita!« stieß Smith hervor. »Es ist nicht so! Es ist alles…«

»Das Monster!« schrie sie auf. »Du hast es immer gewußt! Du hast mich belogen, du hast nur so getan, als wäre es nicht da! Warum, Jim? Warum hast du das getan?«

Etwas ratlos sah der Commander zu. Er verstand nicht, worum es ging. Von welchem Monster war die Rede?

Was verbarg sich noch in diesem Ringraumer?

Unwillkürlich tastete Dhark nach seinem Paraschocker, den er unter der Uniformjacke trug. Sein Freund Dan Riker hatte ihm geraten, einen Blaster mitzunehmen, aber Ren war überzeugt, daß das nicht nötig war. Jetzt war er sich dessen plötzlich nicht mehr ganz so sicher.

»Es gibt kein Monster, Juanita«, sagte Smith erstaunlich ruhig. »Glaube es mir.«

»Du belügst mich! Warum?«

»Es gibt wirklich keines. Aber ich bin nicht der, für den du mich hältst.«

»Du machst mit diesem Monster gemeinsame Sache!«

»Hör mir bitte zu!« verlangte Smith geduldig. »Ich belüge dich nicht. Ich habe dich niemals belogen. Aber ich…«

»Aber du steckst mit dem Monster unter einer Decke! Es ist hier irgendwo an Bord, und du tust so, als wäre es nicht da! Du tust so, als wäre ich verrückt!« Sie war nahe daran, mit ihren kleinen Fäusten auf ihn einzuschlagen. Aber irgendwie war da doch noch eine Menge Respekt – und vielleicht auch kindliche Liebe?

Dhark schüttelte den Kopf. Das einzige, was er begriff, war, daß dieses Mädchen offenbar sehr an Smith hing und sich böse hintergangen fühlte. Er wollte etwas sagen, wollte Juanita beruhigen. Aber er kam nicht einmal zu Wort. Die beiden wechselten ständig Rede und Gegenrede, gaben ihm keine Chance, sich einzumischen, wenn er sie nicht überschreien wollte. Und er wollte der Kleinen gegenüber nicht unbedingt als unhöflicher Grobian dastehen.

Unterdessen fuhr Smith fort. »Juanita, hör mir bitte zu. Ich habe dich wirklich nie belogen, aber ich habe dir nicht alles über mich gesagt. Es gibt da…«

»… ein Monster!«

»Nein. Es gibt kein Monster«, wiederholte Smith. Dhark bewunderte ihn für seine Geduld. Er selbst wäre vermutlich schon ausgerastet. Zumindest war er auch als Zuhörer nahe daran. Warum ließ das Mädchen den Mann nicht einfach mal ausreden?

»Juanita…«

Sie reagierte überhaupt nicht auf seinen Einwurf. Sah den Commander der Planeten nicht einmal an. Sie starrte nur Smith an, und das ausgesprochen wütend.

»Es gibt kein Monster«, sagte Smith. »Ich kann es dir beweisen. Hier und jetzt, wenn du willst.«

»Ach, ja? Und wie willst du das anstellen? Glaubst du, es traut sich nicht her, weil Ren Dhark hier ist?«

Der hätte beinahe aufgelacht, weil ihm weibliche Logik dieser Form in Streitgesprächen geläufig war. Nicht nur von Joan Gipsy, sondern auch von anderen Herrinnen der Schöpfung. Aber diese weibliche Gesprächslogik aus Kindermund zu hören warf ihn doch beinahe um.

»Das, was du für ein Monster hältst, Juanita – es fürchtet sich nicht vor Ren Dhark«, sagte Smith geduldig. »Es ist bereits hier.«

Sie zuckte zusammen, sah sich rasch um, plötzlich verängstigt. Jetzt schien sie Dhark doch wahrzunehmen, warf ihm einen hilfesuchenden Blick zu. Er breitete die Arme leicht aus, als wolle er Juanita schützend umarmen, und nickte ihr lächelnd zu. Ich bin hier, dir kann nichts passieren. Wer gerade zwei Galaxien vor dem Untergang gerettet hat, wird ja wohl noch mit einem Monster fertig!

»Also doch«, stieß sie hervor. »Es ist also doch hier. Du hast mich doch belogen, Jim.«

»Nein«, sagte er immer noch sanft und geduldig. »Ich kann dich doch gar nicht belügen, Juanita. Niemals. Da sind nur Dinge, die du nicht weißt. Die ich von dir fernhalten wollte, um dich zu schützen. Warum wohl, glaubst du, solltest du nachts nicht allein durch die EPOY strolchen? Weil…«

Und das Monster war da.

*

Nein, es war kein Monster… oder doch?

Jim Smith veränderte sich!

Seine Gesichtszüge zerflossen, morphten zu etwas anderem. Seine Gestalt veränderte sich ebenfalls leicht. Die Schultern wurden ein paar Zentimeter breiter, das Haar weißblond. Das Gesicht verjüngte sich um ein knappes Jahrzehnt. Ein paar Zentimeter in der Körpergröße veränderten sich ebenfalls. Plötzlich gab es zwei Ren Dharks in der Zentrale der EPOY!

Einen in der Uniform der Terranischen Flotte, die der Commander der Planeten immer trug, wenn er mit der POINT OF flog, statt auf Terra Politik zu machen und in maßgeschneiderten Anzügen aufzutreten. Und einen Ren Dhark gab es in der Kleidung des Jim Smith.

Unwillkürlich hatte Dhark einen Sprung vorwärts gemacht und sich schützend vor Juanita gestellt, als die Verwandlung begann. Er zog den Schocker, den er auf das Ungeheuer richtete – oder auf das, was vor einigen Sekunden noch Jim Smith gewesen war.

Ein zweiter Ren Dhark!

Aber der zeigte sich nicht aggressiv. Er breitete nur die Arme aus.

»Siehst du, Juanita?« fragte er.

Sie schaute an Dhark vorbei.

Schwieg.

Er benutzt mein Aussehen, aber nicht meine Stimme, durchfuhr es den Commander. Hypnose war also nicht im Spiel.

Was aber dann?

Da veränderte Smith sich erneut. Er schrumpfte, nahm die Gestalt eines zehnjährigen Mädchens an, dem die Erwachsenenkleidung regelrecht um den Körper schlotterte. Es gab jetzt keinen zweiten Ren Dhark mehr, sondern eine zweite Juanita Gonzales.

»Nein«, keuchte die echte Juanita.

Ein Gestaltwandler, erkannte Ren Dhark. Smith war tatsächlich alles andere als ein Mensch. Aber war er deshalb tatsächlich ein Mysterious?

»Dhark«, sagte die falsche Juanita mit Smiths Stimme. »Kommen Sie. Berühren Sie mich. Heben sie mich auf den Arm.«

Was bei einem zehnjährigen Mädchen problemlos möglich gewesen wäre.

An diesem Geschöpf verhob der Commander sich!

Er schätzte das Gewicht des Juanita-Doubles auf rund 100 Kilo. Es war vermutlich das Gewicht, das Smith auf die Waage brachte.

Das also konnte er nicht verändern!

Erschrocken starrte das Mädchen ihn an, den Mann, dem sie bisher bedingungslos vertraut hatte.

Da nahm Smith wieder seine vorherige Gestalt an, sah wieder aus wie Jim Smith.

»Juanita, hast du es gesehen?« fragte er. »Ich war du, und ich war Ren Dhark. Ich kann jedes andere Lebewesen sein, wenn ich es will. Ich war das Monster, das du in jener Nacht gesehen hast.«

Juanita wirbelte herum und stürmte aus der Zentrale, rannte davon.

Ren Dhark folgte ihr.

*

Er wußte, welches Risiko er damit einging. Er ließ eine Lebensform, von der er nicht wissen konnte, ob sie gefährlich war, hinter seinem Rücken. Aber irgendwie spürte er, daß keine wirkliche Gefahr bestand.

Er holte Juanita rasch ein; sie war schon nach ein paar Metern stehengeblieben und lehnte jetzt an der Unitallwand des Korridors. Leicht zuckte sie zusammen, als er sie ansprach.

»Was war das mit dem Monster, Juanita?« fragte er. »Möchtest du es mir erzählen?«

Sie kreuzte die Arme schützend vor der Brust und krallte die Finger geradezu in ihre Schultern. »Nein«, preßte sie hervor.

»Wie du willst«, sagte er und wandte sich ab.

»Warten Sie«, hörte er ihre Stimme.

Er verharrte.

»Du kannst mich ruhig duzen«, sagte er. »Ich heiße Ren.«

»Aber das gehört sich nicht«, sagte sie. »Sie sind der Commander der Planeten.«

»Aber du solltest trotzdem ›Ren‹ zu mir sagen«, fuhr er fort.

»Das gehört sich nicht, Senhor«, sagte sie entschieden.

»Dann muß ich auch Sie zu Ihnen sagen, Senhorita Gonzales.« Er machte eine Kratzfuß-Verbeugung und schwenkte einen imaginären Hut, als grüße er eine Dame vergangener Jahrhunderte. Nur konnte er sie damit nicht zum Lachen bringen, wie er es hoffte; da war nur ein ganz kurzes Aufblitzen und Zwinkern.

Kinder sollen lachen, dachte er. Sie sollen sich ihres Lebens freuen. Die Unbeschwertheit ist viel zu kurz… und es gibt nichts Schöneres im Universum als fröhlich lachende, glückliche Kinder!

Aber Juanita schien das Lachen verlernt zu haben, oder hatte sie es niemals gelernt in jener brutalen Welt, in der sie aufgewachsen war?

Jim Smith hätte ihm etwas anderes erzählen können. Smith hatte Juanita über längere Zeit kennengelernt, hatte das Lachen und die Freude in ihrer Seele wecken können. Aber davon ahnte Dhark nichts. Wie sollte er auch? Wen kannte er denn überhaupt wirklich? Gut, er hatte seine Freunde, kannte sie seit Jahren und wußte, wie sie dachten und empfanden. Aber war das wirklich genug?

Wer kann schon wirklich in die Seele eines anderen Menschen blicken?

»Also, Senhorita Gonzales«, sagte er. »Wie ist das nun mit dem Monster?«

Und da erzählte sie es ihm…

*

Nachts bewegte Juanita sich durch den Ringraumer, der die Erde verlassen hatte und durch den Sternendschungel einem unbekannten Ziel entgegenflog. Sie hatte bei ihren Exkursionen ein schlechtes Gewissen; immerhin hatte Jim sie angewiesen, nachts in ihrer Kabine zu bleiben. Aber sie wollte einfach nur wissen, was er vor ihr verbarg. Sie fragte sich, warum er ihr all jene Räume nicht zeigte.

Schließlich stieg sie hinauf ins achte und oberste Deck. Hier fand sie eine Reihe wissenschaftlicher Forschungslabors. Deren Ausstattung mit komplizierten und in ihrer Funktion kaum zu durchschauenden technischen Gerätschaften überstieg Juanitas Fassungsvermögen. Schrankgroße Apparate, übersät mit Schaltern, Tasten und Anzeigen, Öffnungen mit flirrenden Kraftfeldern, seltsam geformte Geräte… und Juanita machte, daß sie wieder auf den Korridor hinauskam. Es wunderte sie, daß so viele Arbeitsplätze eingerichtet waren, obgleich das Raumschiff von Jim allein gesteuert wurde. Und was sie auch erstaunte: In keinem der Räume gab es Staub.

Gerade so, als wären sie alle in ständiger Benutzung.

Aber von wem denn? Nichts wies darauf hin, daß sich noch jemand im Schiff befand.

Sie betätigte den Öffner einer weiteren Labortür. Lautlos glitt die Türplatte in die Wand zurück und gab den Weg frei.

Juanitas Augen weiteten sich vor Entsetzen.

In dem Laborraum hockte ein Ungeheuer!

Ein großer, unförmiger, graubrauner Klumpen, wie eine feuchte schleimige Fleischmasse, aus der Tentakelarme wie die eines Kraken hervorragten. Das Wesen kauerte vor einem der komplizierten Geräte, und die Tentakelarme bewegten sich rasch hin und her, bildeten dünne, fingerähnliche Greiforgane aus, mit denen es Schalter berührte, um sie dann wieder mit der Masse zu verschmelzen.

Juanita japste nach Luft – und preßte die gleich wieder als langgezogenen Schrei hinaus.

Das amöbenartige Etwas bewegte sich, wabbelte und öffnete ein Auge auf der ihr zugewandten Seite.

In völliger Panik wirbelte sie herum und stürmte hinaus, fand ihre Kabine, schlüpfte hinein. Sie warf sich auf ihr Bett, kauerte sich in einer Ecke zusammen und schlug die Hände vors Gesicht. Zwischen den Fingern schaute sie angstvoll hervor, sah immer wieder zur Tür.

Ihr Herzschlag hämmerte, daß sie ihn zu hören glaubte.

Jim, dachte sie. Oh, Jim! Warum habe ich nicht getan, was du wolltest? Warum bin ich nicht in meiner Kabine geblieben? Jetzt hat es mich entdeckt, das Ungeheuer, es wird mich verfolgen und umbringen…

Gellend schrie sie auf, als die Kabinentür geöffnet wurde…

*

»Aber es war Jim, der hereinkam, nicht das Ungeheuer«, keuchte sie. Sie zitterte bei der Erinnerung an das Schreckensbild und zeigte sich da wieder als normales Kind. Als Ren Dhark sie berühren und in seine Arme ziehen wollte, riß sie sich sofort los und schlug nach ihm.

»Entschuldigen Sie, Commander«, preßte sie augenblicklich hervor und biß sich dabei fast die Unterlippe wund.

Dhark nickte und lächelte. Dabei war ihm gar nicht zum Lächeln zumute.

Smith war ein Gestaltwandler. Er konnte jedes beliebige Aussehen annehmen. Er hatte es eben unter Beweis gestellt, als er erst Dhark und dann Juanita nachahmte. Das erklärte, weshalb er auf Babylon als John Brown und auf Terra als Jim Smith auftreten konnte. Danach hatte er die Smith-Identität beibehalten; vermutlich des Mädchens wegen. Aber unter wie vielen Namen war er vielleicht schon vorher auf Planeten der terranischen Föderation aufgetreten?

Und was hatte er dort getan?

War er wirklich ein Mysterious?

Wenn es so war; wenn alle Mysterious Gestaltwandler waren, vielleicht stimmte dann die ganze Geschichte der Galaxis nicht mehr. Dann gab es einen Grund für andere Völker, die Mysterious noch mehr zu hassen als die Grakos, die nicht einmal humanoid waren.

Denn dann war niemand vor ihnen sicher! Dann konnten sie Regierungen unterwandern, Wirtschaftssysteme ganzer Sternenreiche kontrollieren, konnten für ihnen genehme Entscheidungen sorgen, alles manipulieren… und niemand würde sie als das erkennen, was sie waren. Jeder würde sie für jemanden seines eigenen Volkes halten.

Jim Smith sah wie ein Terraner aus.

Warum sollte er nicht die Gestalt eines Nogk annehmen oder eines Amphi? Warum nicht als Rateke auftreten?

Als Gestaltwandler war ihm doch alles möglich!

Aber irgendwie paßte einiges nicht so recht zusammen. Wenn die Mysterious in der Lage waren, ihr Aussehen jederzeit zu verändern, wozu brauchten sie dann derart riesige Kampfflotten? Mehrere tausend Ringraumer waren es damals gewesen, die Terra angriffen und nur mit viel Glück und einem Trick gerade noch rechtzeitig gestoppt werden konnten. Ein großer Teil der Robotflotte war im Sol-System zurückgeblieben, die anderen in Weltraumtiefen wieder verschwunden. Während Terra einen Teil der verbliebenen Raumer in den Dienst der TF stellte, jagte Dhark den anderen Schiffen nach – verlor sie dabei, fand aber die Sternenbrücke und eine Menge weiterer technischer Errungenschaften.

Damals waren es garantiert nicht alle Schiffe der Robotflotte gewesen. So, wie Ren Dhark die Gigantomanie der Mysterious kennengelernt hatte, handelte es sich bei jenen Ringraumern sicher um kaum mehr als ein Prozent.

Und alle waren sie jetzt verloren, durch die Galaktische Katastrophe. Nicht mehr funktionsfähig. Wenn sich nach dem Verschwinden Drakhons daran etwas geändert hätte – nichts Eiligeres als eine Funknachricht darüber wäre zu Ren Dhark gelangt.

Die technische Macht des Mysterious-Erbes war gebrochen. Weder Terraner noch Tel konnten mehr damit auftrumpfen. Wenig mehr als 500 S-Kreuzer waren der TF geblieben, davon mittlerweile einige bei den Kämpfen gegen Grakos vernichtet. Allerdings: auch die verbliebenen 531 Ringraumer waren noch ein enormes Potential.

Auch wenn keiner davon die Qualitäten der POINT OF erreichte.

Dhark dachte wieder an Smith. Der Mann war gefährlich, das hatte er bewiesen, als er auf Terra zum Datendieb wurde und auf Hope die EUROPA stahl. Andererseits schien er kein Feind der Terraner zu sein. Denn sonst hätte er ganz anders zugelangt, und dann hätte er mit seinem Raumer vielleicht auch nicht in die Auseinandersetzung mit den Rahim eingegriffen.

»Ich glaube nicht, daß es wirklich ein Monster an Bord gab oder gibt«, sagte Dhark leise. »Mister Smith kann seine Gestalt verändern. Er hat es uns doch gezeigt. Und er sagte auch, daß er dieses… Monster gewesen ist.«

»Nein!« fuhr Juanita ihn an. Sie rannte wieder los, flüchtete. Sie wollte es einfach nicht glauben. Sie hatte gesehen, wozu Smith fähig war, aber ihr Verstand sperrte sich dagegen. Juanita wollte es einfach nicht wahrhaben.

Wie tief mußte ihre Zuneigung zu diesem Mann sein, daß sie nicht einmal die Wahrheit akzeptierte, weil diese Wahrheit ihr das Ungeheuer zeigte, vor dem sie Angst hatte! Sie konnte nichts dagegen tun, sich vor dem Monster zu fürchten, aber sie wollte sich nicht vor Smith fürchten müssen.

Da kam Ren mit Worten nicht durch.

Das zu klären, mußte er Smith überlassen.

Der hatte die Wahrheit bislang verschwiegen, und sicher aus gutem Grund. Weil er nämlich das Mädchen nicht in eine Krise stürzen wollte. Erst Ren Dhark gegenüber hatte er sich offenbart.

Warum?

Er hätte sein Geheimnis für sich behalten können. Er hätte sich sehr leicht aus der Sache herausreden können, und niemand hätte etwas gemerkt. Aber er schien reinen Tisch machen zu wollen.

Das sprach für ihn, den Gestaltwandler, das »Ungeheuer«.

Dhark kehrte langsam in die Zentrale zurück. Es hatte keinen Sinn, Juanita hinterherzulaufen. Sie brauchte jetzt erst einmal eine Erholungspause, aber vielleicht sollte Smith zu ihr gehen und sich um sie kümmern.

Dhark machte ihm den Vorschlag, als er den Leitstand der EPOY wieder betrat.

»Sie haben recht, Commander«, sagte Smith. »Genau das werde ich tun. Das bedeutet aber, daß Sie an Bord ihrer POINT OF zurückkehren werden. Ich«, er lächelte, »kann und will es mir nicht leisten, daß Sie während meiner Abwesenheit hier herumpfuschen und versuchen, die Kontrolleinrichtungen der EPOY auszutricksen.«

»Das trauen Sie mir zu?«

»Wem sonst?« Smith grinste. »Ich gestehe: Ich habe Ihnen ein Raumschiff gestohlen, die EUROPA. Sie aber haben meinem Volk ein paar tausend Schiffe entwendet. Wir beherrschten einst das Universum. Und Sie wollen uns beerben.«

Dhark runzelte die Stirn.

»Es ist nicht böse gemeint«, wiegelte Smith ab. »Ich würde in Ihrer Lage nicht anders handeln. Aber gerade deshalb muß ich Sie von den Kontrollen fernhalten.«

Dhark streckte die Hand aus und deutete auf den Gestaltwandler.

»Wenn ich es wirklich darauf anlegte, würden Sie nichts dagegen tun können«, behauptete er. »Ich denke, Sie wissen, daß meine POINT OF das bessere Schiff mit der besseren Ausrüstung ist. Ich könnte Ihre Transmitter fernsteuern und ein Enterkommando an Bord bringen, dem Sie nichts entgegenzusetzen hätten.«

»Wie würden Sie das anstellen wollen?«

»Der Checkmaster der POINT OF koppelt meine und Ihre Gedankensteuerung, Smith.«

»Nette Idee. Klappt aber nicht. Zwischen Ihrem und meinem Raumer liegen tausend Jahre Entwicklungszeit. Da werden einige Dinge inkompatibel. Aber was soll’s? Ich glaube kaum, daß wir beide es nötig haben, uns um ein einzelnes Raumschiff zu streiten. Ich will Ihnen ja auch nicht Ihre POINT OF wegnehmen, obgleich ich sicher das größere Recht dazu hätte, den Raumer zu fliegen, den Margun und Sola einst auf Kaso entwickelten. Behalten Sie die POINT OF, und ich behalte meine EPOY. Jetzt aber muß ich mich allmählich um Juanita kümmern. Sie sieht mich als eine Art Ersatzvater. Ich kann sie jetzt nicht einfach allein lassen.«

»Sie sollten mir zuerst noch einige Fragen beantworten«, verlangte Dhark. Einige Fragen? Er hatte Tausende!

»Später vielleicht… wie wäre es auf Terra? Ich begleite Sie dorthin, wenn Sie mir freies Geleit zusichern.«

»Gewährt«, sagte Dhark schnell. »Dort werden wir tatsächlich mehr Zeit und Ruhe haben.«

Hoffentlich. In den nächsten Tagen und Wochen mußte es in der Galaxis drunter und drüber gehen. Das Verschwinden Drakhons und das Abklingen der galaktischen Magnetfeldstörungen würde für Unsicherheit sorgen. Vielleicht wurden die Karten der Machtverteilung in der Galaxis von den raumfahrenden Völkern ganz neu gemischt, jetzt, da es keinen Grund mehr gab, zu fliehen oder in eine Weltuntergangsstimmung zu verfallen. Da war es gut, wenn er sich auf Terra befand, um sich den Menschen zu zeigen und für sie das zu sein, wozu sie ihn vor Jahren gewählt hatten: zum Commander der Planeten, zur Leitfigur, zum Hoffnungsträger.

»Wie heißen Sie eigentlich wirklich?« fragte er. »Jim Smith ist doch nicht Ihr richtiger Name.«

»Nennen Sie mich Gisol«, sagte der Mysterious.

Dhark wurde immer sicherer, keinem Hochstapler auf den Leim zu gehen. Daß Smith – oder Gisol – die Namen Margun und Sola erwähnte und auch die Mysteriousbezeichnung für den Planeten Hope, sprach für die Richtigkeit seiner Behauptung. Auch der Name seines Schiffes… Ren hatte als bisher einziger Mensch die Sprache der Mysterious erlernt und wußte, daß Epoy »Heimat« bedeutete. Gisol hatte sein Schiff also nach seinem Herkunftsplaneten benannt.

Natürlich, etwas Unsicherheit blieb nach wie vor. Die Salter hatten sich anfangs auch erfolgreich als die letzten Mysterious ausgegeben. Aber intuitiv spürte der Commander, daß er es hier endlich mit einem echten Vertreter der Geheimnisvollen zu tun hatte.

»Eines muß ich jetzt noch wissen, sofort«, fuhr er fort. »Die Mysterious verließen vor tausend Jahren die Galaxis, gaben alle ihre Stützpunkte auf. Kommen sie jetzt zurück, da die Gefahr von Drakhon gebannt ist? Sind Sie deshalb hier, Gisol? Als Vorhut…?«

Gisol schüttelte den Kopf wie ein Terraner. Natürlich; er hatte die Verhaltensweisen der Menschen annehmen müssen, um nicht in seinen Rollen als Brown oder Smith durchschaut zu werden.

»Nein, Commander«, sagte er. »Ich bin allein gekommen. Ich suche Hilfe.«

2.

Zehn – nein, elf Ringraumer verließen den Raumsektor um das Schwarze Superloch im galaktischen Zentrum. Hier war alles getan, was getan werden konnte. Die Schiffe nahmen Kurs auf Terra. Smith alias Gisol hatte sich ihnen angeschlossen. Er vertraute Ren Dharks Zusicherung auf freies Geleit.

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