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Eine Sammlung von Erzählungen über lustige, komische, wunderliche und spannende Geschehnisse und Erlebnisse auf Reisen und im Alltag. Auch kleine Begebenheiten werden auf amüsante Weise zu interessanten und manchmal auch lehrreichen Geschichten.
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Seitenzahl: 284
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. So heißt es in einem bekannten Sprichwort. Und genau das möchte ich tun mit dieser Zusammenstellung von seltsamen, furchtbaren, komischen, aufregenden, lustigen, wunderlichen oder wunderbaren Geschehnissen.
Es sind nicht immer spektakuläre Geschichten, die aber auf einen Höhepunkt zusteuern, der wie ein Anker ein Geschehnis so bedeutsam macht, dass es als besonderes Ereignis unauslöschlich in Erinnerung geblieben ist.
Die Idee zu dieser Sammlung habe ich geklaut, nein, nicht gestohlen, sondern ich habe mich vom wunderbaren Buch des Christoph Ransmayr „Atlas eines ängstlichen Mannes“ inspirieren lassen. In diesem Buch, das eben kein Reisebericht und kein Reiseführer sein soll, berichtet er über kleine und große Erlebnisse auf seinen Reisen durch die ganze Welt und lässt uns teilnehmen an seinen Eindrücken und Gedanken zu den kleinen und großen Begebenheiten. Er verwebt diese manchmal nur kurzen Augenblicke zu einem eindrucksvollen Mosaik von der Welt, seiner Welt, wie er sie auf seinen Wegen durch die Welt erlebt hat. Und das macht er mit einer sehr präzisen Sprache, bettet das Zusammentreffen mit interessanten Menschen ein in einen größeren Zusammenhang und überrascht und bezaubert mit seinem plastischen Sprachstil.
Für M. und P.
Fridjof Nansen
Liebesgrüße in der Antarktis
Ein Wiedersehen in Buenos Aires
Am Strand von Antigua
Ujujujui
Nächte des Schreckens
Das Blockhaus im Wald
Das Hotel in Kisii
Wer hat das schönste Kamel?
Das Rodeo in Montevideo
Das Spiel mit dem kleinen weißen Ball
Eine Weißwurst am Perito Moreno
Das Lied der Grille
Alemanía en Argentina
Die Mafia am Ätna
Der Dachdecker von Bodrum
Der Kauz im Schornstein
Du sitzt auf der Oma
Rauchen in Island
Die Party auf Delos
Der Taxifahrer von Buenos Aires
Kentern im Schwarzen Meer
Die verschwundene Säule
Kein Taxi zum Sonnenuntergang
Die Tasche oder Einkauf auf chinesisch
Der Irrweg durch Isfahan
Unter (Damen)Spinnaker
Die Spitzkehre am Matterhorn
Der Gecko im Tassili
Fisch auf dänisch – in Köge
Verkehrt in Nevada oder fifty five miles per hour
In Phoenix Arizona
Mit Schwaben in Afrika
Geklaute Rosen und ein Frühstücksei
Per Anhalter durch Großbritannien
Die Nacht im Poultryhouse
Die Schöne von St.Ives
Edinburgh neice, Glasgow dirty
Piano und Spitzenhäubchen
Keine Peepshow in Soho
Bunte Osterküken im Iran
Frauen und Paviane
Die Magie des Fernsehens und eine Hose für eine Ikone
Der Wettlauf mit dem Imam
Der Ritt auf dem Strauß
Halbstark in Venedig
Die Meise in der Hand
Golf bei den Pharaonen oder mit Pfefferminztee zum Erfolg
Unter den Pyramiden Golf spielen
Indien mit siebzig
Ein Wodka am Lagerfeuer in Sibirien
Auf zum Kilimanjaro
Von Null auf 149 Meilen pro Stunde in 4 Sekunden
Nur keine Flugangst
Die Touristenpolizei in Bogota
Die Kolibris von Barbados
Un Intento de Golpe
I cannot go to the toilet
Ein Wodka in der Antarktis
Ohne Rasierapparat in die Bretagne
Einmal im Leben auf dem Old Course Golf spielen
My first Open Championship
Beinahe Champions League Sieger
Die Peepshow in Paris
Das Erdbeben am Spieltisch
Der kleine Hebel
Der große Hebel
Der unheimliche Tramper von Ritzebüttel
Da fliegen die Schweine
Die Sauerkrautorgie im Schnee
Im Desert Express
Im Flug über die Wüste Namib
Die Sache mit dem Kommunismus oder Tschechisch Schwindel
Aktphotos in der Tierra de Fuego
Ein Boot voller Äpfel
Samos per Moped
Flying to the moon
Heiße Luft über der Masai Mara
RedBull Racing unterm Riesenrad
Dixieland hält ewig jung
Essen mit den Fingern bei Maria und Josef
Polarlichtalarm
Wir sind in der Antarktis, oder besser gesagt gerade auf dem Weg von einem Besuch der Antarktischen Halbinsel durch die Drake Passage zurück zum Kap Horn. Wir haben eben einen Orkan der Windstärke zwölf ausgeritten mit riesigen Wellen und abenteuerlich schönen und gewaltigen Wolkenformationen. Die Sonne bricht zwischen diesen Wolkenbergen durch und lässt die bizarren Schaumkronen auf den Kämmen der langsam kleiner werdenden Wellen aufblitzen.
Die allermeisten Mitfahrer auf diesem kleinen tüchtigen Schiff der Hurtigruten, der FRAM, sind in den Kabinen verschwunden, um die stampfenden Bewegungen des Schiffes am besten liegend zu ertragen und durchzustehen. Ich dagegen tummele mich auf dem Schiff herum, das kleine Pflaster hinter dem Ohr gegen die Seekrankheit lässt mich alles unbeschadet ertragen und so versuche ich schöne Bilder zu schießen von diesem gewaltigen Aufruhr der Natur.
Als sich der Sturm weitgehend beruhigt hat, fahre ich mit dem wieder in Betrieb genommenen Aufzug nach unten in die Kabine, um Marlene zu holen, damit sie sich diese wunderbaren Ansichten der aufgewühlten See anschauen kann auf dem Weg zum Kap Horn, dessen Felsmassiv sich in der Ferne abzeichnet. Als Ausgleich für den Sturm hat unser Kapitän bei den empfindlichen und strengen Chilenischen Behörden die Erlaubnis erwirkt, bis zu sieben Seemeilen an den südlichsten Punkt des amerikanischen Kontinents heranzufahren. Normalerweise gilt es, eine Entfernung von zwölf Meilen zum Kap Horn strikt einzuhalten.
Als wir – diesmal zu zweit - wieder den Aufzug nehmen, um in die Kabine zu fahren, entdecken wir plötzlich – zum ersten mal seit Beginn der Reise - dass an einer Wand der Kabine im Aufzug ein riesiges Bild von einer wohl bekannten Persönlichkeit der Polarforschung prangt. Es ist eine schwarzweiße, von hinten beleuchtete Fotografie von Friedjof Nansen, dem weltberühmten norwegischen Polarforscher. Wie er da steht in seiner Polarkleidung und uns mit diesem ernsten, tiefgründigen Blick, der viel von den unendlichen Strapazen verrät, die er durchgestanden hat in den endlosen eisigen Welten im Polargebiet der Arktis, anschaut. Und plötzlich schießt uns beiden der Gedanke durch den Kopf: Nansen, der Name kommt uns doch bekannt vor, denn wir kennen eine Bea Nansen-deBonino, eine gute Freundin, die wir im Anschluss an die Reise durch die Antarktis in Montevideo besuchen wollen. Besteht da vielleicht ein Zusammenhang?
Als wir uns in ihrer Wohnung – mit einem wunderbarem Blick auf den Rio de la Plata – treffen, entdecken wir eine ganze Reihe von Büchern über – Nansen! Und dann sind da noch eine ganze Reihe Fotografien von ihm auf einer Anrichte. Auf unsere Nachfrage klärt sie uns darüber auf, dass sie tatsächlich mit diesem berühmten norwegischen Polarforscher verwandt ist. Sie ist die Enkelin von Fridjof Nansen und ihr Vater, der Sohn von Nansen, war ein Opernsänger in Berlin, der nach Uruguay ausgewandert ist. Dort hat sie auch ihren Ehemann de Bonino kennengelernt. Jetzt steht für uns fest, irgendwann wollen wir auch einmal in die Arktis reisen, dem Schauplatz der abenteuerlichen Expeditionen dieses großen norwegischen Polarforschers.
Es war irgendwo auf der Fahrt durch die Fjorde der Antarktischen Halbinsel. Wir fuhren mit dem Expeditionsschiff, der Fram, durch wundervolle Buchten und Passagen, die umschlossen sind von steilen Felsmassiven, von denen die Gletscher ins Meer kalben.
Ganz überraschend für uns biegt um eine Felsnase ein anderes Schiff und hält auf uns zu. Das ist ein seltenes Ereignis, denn es fahren nicht wirklich viele Schiffe in dieser abgelegenen Gegend der Erde umher. Kurz vorher war ein kleineres russisches oder ukrainisches Expeditionsschiff still an uns vorbei getrieben und nun treffen wir auch noch dieses französische Kreuzfahrtschiff, dessen elegante Schönheit uns besonders beeindruckt. Wie wir später erfahren, gehört es einer französischen Reederei, die vor allem Incentive-Reisen für verdiente Mitarbeiter und Manager sowie für gute Kunden ausrichtet.
Dieses Treffen ist zwar für uns unerwartet, aber es war für unseren Kapitän sicher vorhersehbar, weil er ohne Zweifel über Standort und Route weiterer Schiffe in dieser Gegend informiert ist. Deswegen antwortet er natürlich auf das freundliche Signal der „le Boreal“ mit unserer Schiffssirene.
Und dann erscheint ein Crewmitglied unseres Schiffes an der Reling. Sie hat eine Fernglas dabei und ein Walkie Talkie und scheint sich intensiv mit jemandem zu unterhalten. Dabei schaut sie immer wieder mit einem – wie wir später folgern – schmachtenden Blick zu dem still vorbei ziehenden Schiff hinüber. Sie ist eine der Wissenschaftler, die uns auf den Ausflügen begleiten und auf dem Schiff für eine ganze Reihe von Aufgaben zuständig sind. Da gibt es Biologen, Meereskundler, Geologen, Lektoren und Ornithologen. Die junge Frau hält Vorträge über die Fauna in dieser Gegend der Antarktis und kennt sich bestens mit Pinguinen, Robben und Schwertwalen aus.
Dieses intensive Gespräch mit den langen Blicken durchs Fernglas erweckt unsere Neugier, die sich in Anteilnahme verwandelt, als wir erfahren, dass sie mit ihrem Liebsten spricht, der in diesem Augenblick auf dem anderen Schiff vorbeifährt. Beide verbringen jeweils ein halbes Jahr auf einem Kreuzfahrt- oder Expeditionsschiff und da ist ein Treffen nicht sehr wahrscheinlich – schon gar nicht in der Antarktis.
Sie war eine junge, blonde, lustige, kommunikative und rauchende Norwegerin, die wir auf der FRAM getroffen hatten und zusammen mit ihr in der Antarktis herum geschippert waren. Wir hatten viele gemeinsame Raucherpausen auf dem Schiff genossen, in einer kleinen aber feinen Gruppe, die sich zwanglos an den wenigen Rauchertreffs versammelte. Von daher wussten wir, dass sie aus Dubai kam, wo ihr Mann, der Kanadier war, seit ein paar Jahren einen sicher lukrativen Job in der Ölindustrie hatte. Leider war sie immer in Bewegung, da sie versuchen musste, ihrem Mann zu folgen, den wir immer nur rastlos übers Deck und durch das Schiff hasten sahen. Natürlich war er kein Raucher, daher fehlte ihm augenscheinlich die Fähigkeit, in aller Ruhe und mit vollem Genuss eine Rauchfahne in die kalte Luft der Antarktis zu pusten.
Wir hatten viele nette Gespräche mit dieser jungen Frau – bis ihr Mann auftauchte und sie hastig die letzten Züge machte, bevor sie ihn einzuholen versuchte.
Nach der Reise durch die Antarktische Halbinsel verbrachten wir noch eine Woche im sommerlich heißen Buenos Aires. Natürlich waren wir viel unterwegs in dieser aufregenden Stadt und so saßen wir einmal ziemlich erschöpft auf einer Bank im neuen Hafenbecken – und da sehe ich einen jungen Mann mit schnellen Schritten, statt gemütlich daher zu schlendern, auf ein Restaurant zusteuern. Blitzartig erkenne ich in ihm den Kanadier von der FRAM, oder besser gesagt, den Mann der netten Norwegerin auf dem Schiff, mit der wir so viele genussvolle Raucherpausen genossen hatten. Und natürlich – hinter ihm, in einigem Abstand, folgte tatsächlich seine junge Frau. Sein Verhalten war möglicherweise vom Aufenthalt in Dubai geprägt, denn bei den Arabern folgt die Frau mit einigen Schritten Abstand ihrem Ehemann. Trotzdem blieben uns einige Momente für ein freudiges Wiedersehen – bis sie zum sicher fest terminierten Diner in das Restaurant ihrem Ehemann hinterher hetzte und entschwand.
Wir waren auf einer Segeltour durch die Karibik. Auf einer weißen Segelyacht. Das Schiff hatte der Skipper eigenhändig über den Atlantik gesteuert und nun waren er und seine Frau, ein französisches Ehepaar, die Eigentümer und Veranstalter auf dieser Yacht und segelten mit Gästen aus aller Welt durch die wundervolle Welt der Karibik. Die Yacht war groß und geräumig und hatte hervorragende Segeleigenschaften. Ein weiteres großes Plus, das sie hatte, war aber auch ein Nachteil – denn es war ein Stahlschiff, der Schiffsrumpf war aus Stahl - nicht aus Holz oder Kunststoff!
Das ist zwar sicherer für die Fahrt durch die Korallenbänke mit ihren gefährlichen Untiefen und scharfen Felsspitzen. Das Material hat aber einen entscheidenden Nachteil in dieser heißen Gegend der Welt. In der unerbittlichen Sonne, die den ganzen Tag auf dieses Schiff scheint, saugt sich der stabile Rumpf natürlich voll mit der Hitze eben dieser Sonne und gibt die Wärme in der auch nicht wirklich kühlen Nacht wieder ab. Damit waren in jeder Beziehung heiße Nächte im Rumpf des Schiffes gesichert.
Darum entbrannte ein heißer Kampf um die besten Liegeplätze in den Kabinen, die ausgerüstet sind mit zwei übereinander liegenden Schlafkojen. In der unteren Koje war der wärmere, oder besser heiße Schlafplatz, während das obere Bett den Luxus einer offenen Luke zur nachts etwas kühleren frischen Luft bot. Problematisch wurde es nur dann, wenn die häufigen – meist warmen – Regenschauer für übermäßige Abkühlung in Form einer Wasserdusche im oberen Schlafplatz sorgten. Denn über dieser Koje blieb eine Deckklappe die Nacht über geöffnet, um für einen Temperaturausgleich in der Kabine zu sorgen. Diese Unannehmlichkeit führte zu häufigem Wechsel des Etagenbettes durch die in der Hitze stöhnenden Schläfer von oben nach unten und umgekehrt während der unruhigen Nacht. Wer unten lag, hielt es nach einiger Zeit in der quälenden Wärme nicht mehr aus und bestand darauf, nach oben zu wechseln, flüchtete aber nach einem warmen Regenschauer wieder nach unten. Das ging so lange hin und her, bis eine geniale Idee halbwegs für Entspannung sorgte – über die offen stehende Klappe wurde ein nasses Handtuch gelegt, das den Regen abhielt und trotzdem die Frischluftzufuhr sicherstellte.
Auf dieser Traumreise ankerten wir eines Tages vor dem wunderbaren weißen Strand der kleinen Insel Antigua, setzten mit dem Beiboot über an Land und machten einen Spaziergang durch den warmen Sand, umhüllt von den wundervollen Klängen einer Steelband. Dabei entdeckten wir auch diesen besonderen Baum, der dicht am Ufer wächst, dessen einem Apfel ähnliche Früchte jedoch giftig sind und die, wenn sie ins Wasser fallen, zu gären anfangen und sich auflösen. Wenn sie dann von Fischen gefressen werden, sind diese Fische giftig und dürfen nicht gegessen werden. Darum hatte auch unser Skipper einen dieser Fische, den wir an Bord geangelt hatten, wieder ins Meer geworfen.
Als wir so am Strand entlang bummeln, begegnen wir einem fremden Paar, das an uns vorbei geht und freundlich grüßt. Plötzlich bleibt M. abrupt stehen, dreht sich um und schaut dem Paar hinterher. Im selben Augenblick dreht sich auch die Frau, an der wir gerade vorbei gegangen waren, um und die beiden Frauen mustern sich einige Augenblicke lang. Und dann dämmerte es beiden. Sie kennen sich. Und zwar recht gut, da sie beide aus K. stammen, einem kleinen Dorf in Hessen – beide wohnten dort lange Zeit nur ein paar Häuser voneinander getrennt. Und jetzt trifft man sich nach so vielen Jahren an einem Strand in der Karibik wieder, an dem wir eher zufällig angelandet waren.
Später erzählt mir M., dass diese Frau im Dorf „La Bohme“ genannt wird, weil sie einmal erzählt habe, sie sei in der Oper gewesen, es habe La Bohme, statt La Bohème, gegeben.
Es war auf unserem ersten Besuch in New York. im sogenannten Bicentennial Year, dem zweihundersten Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika, in dem auch gerade der Präsident gewählt wurde. Wir waren nach Boston geflogen, weil der Flug günstiger war und wollten dann per Bus nach New York fahren. Allerdings erwartete uns ein Schock am Flughafen in Boston, denn das gesamte Personal der Busse und Taxis war gleichzeitig in Streik getreten. Das hieß, die schweren Koffer eigenhändig zu Fuß in die Stadt zu schleppen. Dafür stärkte uns am nächsten Morgen ein opulentes Frühstück in einem kleinen Café um die Ecke des Hotels mit Spiegeleiern (sunny side up), Ketchup und Speck, dazu Bratkartoffeln, pancakes mit Ahornsirup, Orange Juice und einem kräftigen Kaffee.
Schon zwei Tage später reisten wir weiter per Bus von Boston die Ostküste entlang durch Harlem und die Bronx nach New York City. Nach ein paar Tagen sollte es mit dem berühmten Greyhound Bus quer durch die Staaten über Chicago nach Denver in Colorado gehen. Wir wollten auf diese Weise ein Gefühl für die unendliche Weite des Landes bekommen.
New York hielt allerdings noch einige Überraschungen für uns bereit. Wir wollten zum Dinner in ein Restaurant in Manhattan, um die berühmten Steaks zu probieren. Die Abfahrt aus dem Hotel verzögerte sich allerdings ein ganze Weile, da M. plötzlich ihren Hochzeitsring mit einem kleinen Diamanten vermisste. Der Ring musste irgendwo sein, sie hatte ihn gerade noch in der Hand gehabt, sie hatte ihn abgelegt auf dem Nachtisch oder so, aber nun war er nicht mehr zu finden. Sicher war er nur heruntergefallen und lag auf dem Boden, unter dem Bett oder sonst wo. Wir suchten den Boden im ganzen Zimmer ab, was sich als besonders schwierig und unangenehm erwies, denn es handelte sich um einen besonders dicken, groben und flauschigen Teppichboden mit dicken Zotteln, einen Flokati eben. Der war selbst mit dem Staubsauger nicht so einfach zu bearbeiten und darum schluckten wir jede Menge Staub und fanden neben Münzen und Kronkorken eine Menge Kleinkram vor und unter dem Bett. Der Ring war aber trotz intensiver Suche nicht zu finden.
Das konnte ja ein schöner Abend werden – es war schon sicher nicht der erhoffte fröhliche Auftakt einer wunderbaren Reise.
Wir gaben die Suche vorläufig auf, weil wir hungrig geworden waren und meinten, dass wir uns trotz oder gerade wegen dieser Aufregung ein gutes Abendessen verdient hatten. Ein echt amerikanisches Dinner, mit einem dieser wunderbaren großen, dicken Steaks, von denen jeder, dem wir von unserer Amerikareise erzählt hatten, so geschwärmt hatte. Doch leider gab es keine Steaks - heute leider nur Spareribs. Was das wohl sein würde? Es waren dann zu unserem Schrecken riesige Knochen, dicke Rippen vom Rind aber mit viel leckerem Fleisch „auf den Rippen“.
Dazu wurde ein frischer Salat versprochen und der wurde von dem freundlichen schwarzen Kellner gebracht. Er kam aus der oberen Etage die Treppe herunter mit einem riesigen Tablett, das er auf einem Arm mit einer Hand jonglierte. Und dann geschah es, auf den letzten beiden Stufen stolperte er und stürzte die Treppe hinunter, geradewegs auf uns zu. Doch dann – wir waren vor Schreck erstarrt und erwarteten eine große Salatplatte direkt auf unserem Tisch oder vielleicht über uns verteilt - geschah das kleine Wunder. Der Kellner fiel nicht hin, sondern er konnte sich und damit das Tablett auf seinem Arm ausbalancieren, fing sich wieder und kam dicht vor uns an unserem Tisch zu stehen. Und dann kam dieses erschreckte, aber auch unendlich erleichterte, „ujujujui“ aus seinem Mund, ein Ausruf, den wir zusammen mit seinen weit aufgerissen Augen nie wieder vergessen werden. Denn der drückte alles aus: Überraschung, Schrecken, Erleichterung, ungläubiges Staunen, dass doch noch alles gut gegangen war. Als der allgemeine Schock überwunden war, brach im ganzen Restaurant ein Gelächter und Gejohle aus und wir alle klatschen vor Begeisterung ob dieser wahrlich akrobatischen Leistung.
Nach dem Essen sang zur Entspannung aller ein schwarzer Sänger mit einer wunderbaren tiefen Stimme auch noch frisch gereimte Gedichte auf verschiedene Gäste und reimte auf mich – wohl des Bartes wegen – ein Lied auf Fidel Castro.
Wir kommen einerseits sehr zufrieden und gut gesättigt, andererseits aber sehr niedergeschlagen ins Hotel zurück. Beim letzten Versuch, den verschwundenen Ring doch noch zu finden, erinnert M. sich daran, dass sie ihn doch im Bad auf die Ablage unter dem Schminktisch abgelegt haben musste. Einer plötzlichen Eingebung folgend untersuchen wir den mit allerlei Resten gefüllten Papierkorb direkt daneben – und tatsächlich, es blinkt etwas zwischen all den Taschentüchern und Schminkutensilien - der Ring mit dem kleinen Brillianten liegt tatsächlich im Papierkorb. Mein Vorwurf an M., warum sie mein Hochzeitsgeschenk schon so bald in den Abfall werfe, wurde natürlich empört zurückgewiesen. Niemals würde sie so etwas mit Absicht tun.
Es gelang uns, den Ablauf zu rekonstruieren. M. hatte den Ring vor dem Duschen auf die Ablage unter dem Spiegel gelegt und mit irgendeiner Bewegung der Hand oder des Arms musste er in den danebenstehenden Abfalleimer gewischt worden sein. Damit klang der Abend doch noch harmonisch aus und die Reise konnte in Ruhe am nächsten Morgen weitergehen oder besser gesagt erst richtig anfangen.
Im Greyhound Bus ging es durch den mittleren Westen der USA, an Chicago vorbei, Richtung Denver in Colorado. Die nächsten drei Tage und zwei Nächte verbrachten wir im Bus und wir durften sogar vorne neben dem Busfahrer sitzen. Nach einiger Zeit flößten uns die immer wieder wechselnden Busfahrer mit ihren ungemein kräftigen, schwarzen oder weißen Armen ein absolutes Vertrauen ein.
Es fuhr auch eine zierliche alte Dame mit. Sie war auf dem Wege nach San Francisco zu ihrer Tochter und sie fiel uns auf, weil sie mit ihren violett eingefärbten Streifen im weißen Haar auf uns einen so fröhlichen und optimistischen Eindruck hinterließ, dass wir uns wieder uneingeschränkt auf die weitere Reise freuten.
Bei der Fahrt auf einer Strecke mit herrlicher Aussicht auf die Prärie, entlang an diesem endlosen im Wind wogenden Grasmeer, gingen die Erinnerungen zurück in die Jugend, als ich mich an Karneval auf jeden Fall immer als Cowboy verkleiden musste, in der Woche mehrere Wildwestromane verschlang und in meiner Phantasie mit den Indianern über eben diese Prärie jagte.
Schlafen ist zur Erholung da. Der Schlaf ist die Zeit der schönen Träume, des wohligen Wegtauchens in die wundersame Welt der phantastischen Erlebnisse. Manchmal aber sind Nächte nicht nur nicht erholsam, sondern der reinste Horror. Und diese furchtbaren Nächte sind immer wieder abhängig von der Umgebung, bedingt durch die Situation, verursacht durch die Umstände und natürlich die persönliche Disposition.
Es war auf dem Weg zum Yellowstone Park im Nordwesten Amerikas. Wir fuhren in unserer Dodge Dart Limousine durch den mittleren Westen von Denver aus zu den Black Hills, wo Wildwestromantik auf amerikanisch gepflegt wird. In Rapid City gibt es Nachbauten von Saloons und unzählige Andenkenläden mit allem was zum ehemaligen Wilden Westen gehört. Wir wollten allerdings so bald wie möglich weiter zum weltberühmten Yellowstone Park mit seinen Geysiren, den warmen Quellen und seinen wunderbaren Landschaften.
Diesmal hatten wir kein Motel, kein Hotel oder ein Gästehaus im voraus gebucht in der Erwartung, dass wir schon etwas finden werden in der Nähe des Parks. Ein Gespräch mit einem weiteren Besucher, den wir auf einem Parkplatz treffen, klärt uns darüber auf, dass es sehr schwer sein wird, noch eine Unterkunft zu bekommen in der Umgebung des Eingangs zum Park. Also achten wir während der weiteren Fahrt besonders auf Hinweisschilder zu Lodges, Motels oder anderen Unterkünften.
Und tatsächlich entdecken wir plötzlich ein etwas verstecktes Hinweisschild zu einer Lodge. Also biegen wir von der Hauptstraße ab auf einen schmalen Weg, der in ein enges Tal führt. Wir fahren durch einen schönen, aber dichten Tannenwald, es wir langsam dunkel und zwischen den herrlichen großen Tannen scheint es uns noch schneller düster und schummrig zu werden. Dann gelangen wir an eine Zugbrücke, die über einen kleinen, aber ziemlich reißenden Fluss führt. Ein wenig unheimlich kommt uns das einsam gelegene schöne Holzhaus schon vor, das wir schließlich erreichen, aber wir sind voller Hoffnung, ein Zimmer für die Nacht zu bekommen, da wir müde sind von der langen Autofahrt.
Es empfängt uns ein seltsamer Bursche mit roten Haaren, der aus einem Film von Hitchcock zu entstammen scheint. Er empfängt uns freundlich und erklärt, dass die Lodge eigentlich schon geschlossen habe, aber er mit seiner Freundin – die wir nie zu Gesicht bekommen – würden heute Nacht ausnahmsweise für uns noch ein Zimmer bereitstellen. Obwohl wir uns nicht so ganz behaglich fühlen, sind wir doch unendlich froh und erleichtert, dass uns doch noch ein warmes Bett erwartet. Er würde uns sogar noch etwas zu essen bereiten, allerdings könne er uns nur Spaghetti mit einer Soße anbieten, also Pasta mit Pesto. So sitzen wir ganz allein im Restaurant dieser einsamen Herberge und sind wirklich erleichtert, als ein weiteres Paar zum Dinner erscheint. Zu unserer Überraschung, und von uns nicht gern gesehen, verabschiedet sich das Paar allerdings nach kurzer Zeit und wir sind wieder allein mit dem seltsamen Angestellten in der eigentlich geschlossenen Lodge. Und dann hören wir zu unserem Entsetzen, wie die Zugbrücke hinter dem wegfahrenden Wagen hoch gezogen wird.
Nun sind wir die einzigen Gäste, abgeschlossen von der Welt, mitten in einem dunklen Wald und weit entfernt von der Verkehrsstraße und jeglicher menschlichen Ansiedlung in einem weiten fremden Land. Vor allem beim Nachtisch werden wir uns dieser Situation ganz plötzlich deutlich bewusst, aber jetzt ist es zu spät, wieder zu verschwinden - und todmüde sind wir obendrein. Nach dem frugalen Mahl führt uns der Bursche, der sogar einmal für die Vereinigten Staaten in Deutschland stationiert war, auch noch durch die schwarze Nacht zu unserem einzeln stehenden Holzhaus, das ziemlich weit entfernt vom Haupthaus mitten im Wald liegt. Wir erahnen die Umrisse eines wirklich hübschen Blockhauses, das aus dicken Holzstämmen gezimmert ist. Inzwischen ist es stockdunkel, kein Mond scheint durch den schmalen Schlitz zwischen den riesigen Tannen und nur mit einer kleinen Funzel beleuchtet unser Führer den Weg.
Die Einrichtung der Hütte ist rustikal und strahlt Gemütlichkeit aus. Leider sind die beiden Bettstellen getrennt voneinander auf leicht versetzten Ebenen. Wir sind todmüde, verkriechen uns sofort in die beiden Betten und versuchen einzuschlafen. Das fällt uns aber gar nicht so leicht, denn in der absoluten Stille und Schwärze der Nacht scheint das ganze Haus zu leben. Es knarrt, knackt und zirpt und jedes lautere Geräusch lässt uns erschauern. Nur kein Licht anlassen, damit der Räuber im Wald nicht sieht, dass diese Hütte mit Menschen belegt ist.
Wir liegen schweigend in höchster Anspannung und sind ganz still, damit wir besser hören können, wenn er kommt. Unsere überreizten Nerven gaukeln uns nämlich vor, dass der seltsame Kerl von Angestelltem bald zurück kommen wird, uns abmurksen und ausrauben wird im Schlaf. Und niemand wird es bemerken, niemand wird uns vermissen, denn wer kommt schon den langen Winter über in diese einsame Hütte an einer geschlossenen Lodge, die mitten in einem tiefen Wald versteckt ist? Schließlich übermannt uns der Schlaf, es ist eine unruhige Nacht und wir wachen am nächsten Morgen ziemlich gerädert auf, aber wir sind froh, noch am Leben zu sein. Zu unserer Freude kann uns der heute morgen nicht mehr ganz so unheimlich wirkende Bursche im Restaurant kein Frühstück bereiten, sodass wir so schnell wie möglich über die heruntergelassene Zugbrücke diesem wunderschönen, schrecklichen Ort entfliehen können.
Wir waren in Kenia. In Nairobi nahmen wir unseren Landrover in Empfang, den wir für eine Rundreise durch Kenia und Tansania gemietet hatten. Es sollte zuerst zum Lake Viktoria, dem Viktoriasee, gehen, um eine uns gut bekannte Entwicklungshelferin zu besuchen, dann weiter durch die Masai Mara, die Serengeti, den Ngorongoro Krater bis zum Kilimanjaro, den wir besteigen wollten. Wir hatten gehört, dass in Tansania ziemliche Benzinknappheit herrscht und deshalb beluden wir den Landrover mit mehreren großen Kanistern voll Kraftstoff – soviel wir zusammen mit dem Gepäck unterbringen konnten. Dass nicht das Benzin unser Problem sein sollte, sondern auf der weiteren Fahrt ein kontinuierlicher Ölverlust, durch den wir zeitweise eine schmale Ölspur durch Ostafrika legen sollten, war uns zu Beginn der Reise noch nicht bewusst. Die größte Überraschung gab es dann im Verlauf der Reise am Lake Manjara National Park, als wir von den Park Rangern erfahren, dass sie uns soviel Benzin abgeben könnten, wir wir bräuchten. Sie hätten nur keine Pumpe, um es aus den unterirdischen Tanks herauszuholen. Also fuhren wir ins nächste Dorf und besorgten eine Handpumpe, mit der wir den Treibstoff in Eimer pumpten und dann in unsere Kanister umfüllten. Da die Ranger kein Geld dafür annehmen wollten, schenkten wir ihnen einige unserer Oberemden, die von derart guter Qualität waren, dass wir noch nach Jahren einer netten Korrespondenz mit den freundlichen Burschen immer wieder Dank und Lobeshymnen für diese Geschenke von ihnen erhielten.
Die erste Etappe ging über recht normale Asphaltstraßen bis zu der kleinen Stadt Kisii, die Ausgangspunkt für die Überquerung der Grenze zu Tansania sein sollte. Auf dieser Route kommt man auch vorbei an zwei großartigen Highlights Ostafrikas, den Naivasha und den Nakuru See.
Wir wussten von einem früheren Besuch, dass der Nakuru See bekannt und berühmt ist für die gewaltigen Flamingoschwärme, diese rosafarbenen Vögel, die im seichten Wasser kopfunter kleine Organismen mit ihrem gebogenen Schnabel schlürfen. Natürlich versuchten wir, so nahe wie möglich an das Seeufer zu fahren, damit M. ihrer Aufgabe nachkommen konnte, die friedlich im flachen Wasser dahin schreitenden Vögel für eine kurze Zeit aufzuscheuchen, damit wir schöne, dynamische Bilder von dem flatternden Schwarm abertausender Flamingos schießen konnten. Wir mussten schnell sein mit dem Fotografieren, da die Vögel sich sehr bald wieder niederließen und ungerührt weiter ihre krummen Schnäbel durchs Wasser des Sees zogen.
Leider waren wir zu weit auf das morastige Ufer gefahren, zu nahe an die Vogelschwärme, so dass unser Landrover sich fest fuhr und wir mit Brettern und menschlicher Schiebekraft den Wagen wieder frei bekommen mussten. Aber wir hatten es geschafft, wunderschöne Bilder von den flatternden Wolken von Flamingoschwärmen schießen können, mit leichten Bewegungsunschärfen, damit die Dynamik des Vogelflugs besser sichtbar ist.
Recht zufrieden und beeindruckt von den gewaltigen Schwärmen dieser rosafarbenen langbeinigen Flamingos fahren wir weiter und erreichen in der anbrechenden Dunkelheit die kleine Stadt Kisii, die nicht weit von Tansania entfernt Ausgangspunkt für die Überquerung der Grenze ist.
Jetzt mussten wir nur noch ein Hotel finden für die letzte Nacht in Kenia. Die kleine Stadt war nur wenig beleuchtet und sie war voller Menschen, die die kühleren Abendstunden bevorzugt im Freien verbringen. Und alle waren schwarz. Wir mögen schwarze Menschen, wir haben nur gute Erfahrungen gemacht mit afrikanischen Menschen und sehr viele angenehme, sanfte und freundliche Leute getroffen. Aber all die dunklen Gesichter in schwach beleuchteten Straßen strapazierten unsere müden Augen ganz gewaltig. Müde und hungrig waren wir und die Düfte und Geräusche Afrikas reizten unsere angespannten Nerven.
Es dauerte auch nicht lange, dann hatten wir das beste Hotel der Stadt gefunden und es gab auch zwei Zimmer für uns. Aber deren Zustand schockierte uns gewaltig, denn die Räume ähnelten Zellen in einem Gefängnis, wie man sich halt so eine Zelle vorstellt. Die Betten waren Steinquader, auf die eine Matratze gelegt war, die Wände waren kahl und statt einem Fenster waren Oberlichter in Kopfhöhe eingelassen. Immerhin gab es im Restaurant noch etwas zu essen und der Hotelchef war hoch erfreut, dass ausgerechnet Deutsche sein Haus beehrten. Deshalb kam er gleich mit ein paar Flaschen Bier und wir hatten einen angenehmen Abend mit ihm.
Es folgte allerdings eine unruhige Nacht, denn wir wurden lange am Einschlafen gehindert, weil wir durch viele Geräusche, Lärm und unbekannte Stimmen gestört wurden. Unseren vollgepackten Wagen hatten wir im Hof des Hotels geparkt, mit der unsicheren Gewissheit, dass er da gut aufgehoben war. Und dann, kurz vor dem Einschlafen, geschah es. Mit viel Gerede, Gelächter und Autotüren schlagen wurde ein Wagen angelassen und dann fuhr er davon. Uns allen schoss blitzartig durch den Kopf: Jetzt haben sie unser Auto mit dem vielen Treibstoff und dem Gepäck und allem gestohlen. Aber wir alle waren viel zu müde, um zu reagieren, denn der Wagen war halt weg. Also konnten wir „beruhigt“ einschlafen, am nächsten Morgen würden wir schon weitersehen.
Am nächsten Morgen wurden wir geweckt durch emsiges Treiben, Gelächter und fröhliche Stimmen vor unseren Zellen. Das erste, was wir dann taten, war, aus der Schlafstätte zu springen und nach unserem Landrover zu sehen. Die Erleichterung war grenzenlos, als wir ihn friedlich zwischen anderen Fahrzeugen parken sahen.
Es folgte ein großartiges Frühstück und der Hotelchef ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich zu verabschieden – nicht ohne uns seine hübschen Frauen, seine Gattin, Schwester, Schwägerin, in wunderschöne farbige Gewänder gehüllt, stolz zu präsentieren und vorzustellen.
Wieder einmal hatten uns Anspannung und Stress übermannt und unsere überreizten Nerven hatten uns einen unangenehmen Streich gespielt.
Wir waren in Abu Dhabi. In einem Hotel in der Nähe der Innenstadt mit kleinem Privatstrand hatten wir uns eingerichtet und ließen uns auch nicht durch die Musik, den Lärm und das Durcheinander der häufig stattfindenden Hochzeitsfeiern stören, die im Vorderen Orient gewaltige Ausmaße annehmen, sondern verfolgten die Festlichkeiten mit wachsendem Interesse.
Nach einigen Ausflügen in die sogenannte Innenstadt, die nicht wie in Europa zum Flanieren, Schaufenster gucken und Kaffee trinken geeignet ist oder einlädt, fanden wir in einer lokalen Zeitung einen Hinweis auf ein in der nahen Wüste bald stattfindendes großes Kamelfestival. Wir stellten uns dabei ein Kamelrennen, Kamelritte in die Wüste und ähnliche Vergnügungen vor.
Unser Taxifahrer, ein Fremdarbeiter aus Pakistan, hatte davon noch nichts gehört, da es sich aber um einen ganztägigen Ausflug handeln sollte, war er nicht abgeneigt, den Ort der Veranstaltung mit uns zu suchen und zu finden.
Nach einigen Stunden Fahrt ins Landesinnere ging die Asphaltstraße in eine Sandpiste über, die von unserem Pakistani all seine fahrerischen Fähigkeiten abverlangte. Dann stieg auch noch Nebel auf und wir konnten uns nur an den vielen Privatwagen orientieren, die augenscheinlich das gleiche Ziel Kamelfestival hatten. Immer wieder trabten kleine Kamelherden an uns vorbei und wir bemerkten, dass es sich um ausgesprochen hübsche und gepflegte Kamele, die jedoch eigentlich Dromedare sind, handelte.
Endlich erreichten wir ein großes Stadion mitten in der Sandwüste. Die meisten Sitze auf der einzigen großen Tribüne waren schon belegt von ausschließlich männlichen, arabisch gekleideten Besuchern, aber mit ausgesuchter Höflichkeit wurde uns gestattet, in ihrer Mitte Platz zu nehmen. Ein Herr im traditionellen arabischen Gewand besorgte uns sogar Tee und ein anderer Besucher, der westlich gekleidet war, erzählte uns, dass er immer wieder nach Deutschland fahren würde, um an Reitturnieren teilzunehmen. Er bot an, uns die Jungtiere in ihren Gattern zu zeigen und so wanderten wir in die Richtung einer ganzen Reihe von Gattern rund um das Stadion, die große Gruppen oder ganze Herden von schlanken, gepflegten und hübsch mit bunten Bändern und Decken und farbigem Zaumzeug herausgeputzten Kamelen beherbergten. Wir bestaunten die außerordentlich ansehnlichen jungen Kamele und nahmen zur Kenntnis, dass es sich hier um einen Wettbewerb handelte, bei dem das schönste Kamel und die beste Herde gekürt werden sollte. Ein Schönheitswettbewerb für Kamele also! Wir lernten, dass unter den ehrgeizigen Kamelzüchtern ein besonders schönes Tier schon einmal für einen Preis von bis zu einer Million Dollar den Besitzer wechseln konnte.
Und dann passierte eine ganze Weile – gar nichts.
Wir warteten erst geduldig und dann immer ungeduldiger werdend auf den Beginn des Wettbewerbs, bis endlich die ersten von vielen Kamelgruppen in leichtem Trab an der
