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Anselm Zwirner, Privatdozent der Germanistik, erzählt vierundzwanzig Stunden aus dem Leben des Autors Theodor Moll. Nach einem mühevollen Schreibtag macht sich Moll auf zu einem Streifzug durchs nächtliche Hamburg. Erfüllt von Fantasien und Erinnerungen, trifft er auf Professor Körner, Protagonist seines jüngsten Romans.
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Seitenzahl: 132
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Andre von Bern
Dämmerungen
Nachtgang eines Autors
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorbemerkung
1. Bulletin
2. Morgen
3. Mittag
4. Nachmittag
5. Abend
6. Später Abend
7. Nacht
8. Traum 1
9. Dämmerung
10. Traum 2
11. Morgen
Impressum neobooks
Ich habe Theodor Moll bei einer seiner Lesungen kennengelernt. Das ist nun einige Jahre her. Er las nicht selbst, sondern saß auf dem Podium neben seinem Verleger und verfolgte dessen Vortrag mit wachen Kinderaugen. Mir kam es vor, als würde Moll den Text, der ja von ihm stammte, zum ersten Mal hören. Warum er nicht selbst las, kann ich nicht sagen. Vielleicht war er zu schüchtern, oder er wollte eine andere Stimme hören, um seiner eigenen wie von außen zu begegnen.
Drevsen war ausgezeichnet vorbereite und bewies, wie tiefgreifend komisch und durchaus verständlich die Sätze Molls sind. Ich gebe zu, dass ich manches zuhause mehrmals gelesen habe, ohne es ganz zu verstehen und das Franz Drevsen mir durch diese eine Lesung einen Schlüssel übergeben hat, mit dem ich an Molls Werk jetzt noch einmal ganz neu herangehe. Ich höre Drevsens Stimme, wenn ich lese, ich rufe sie herbei, wenn ich stocke. Dank seiner Interpretation erschließen sich mir die scheinbar kryptischen Sätze, die in Wirklichkeit klar wie Schneeflocken sind.
Übrigens bin ich mir inzwischen nicht mehr sicher, wessen Stimme in mir anklingt, wenn ich Moll lese, die von Drevsen oder meine eigene, oder, wer weiß, die von Moll, die ich allerdings nie gehört habe. Denn noch vor Ende der Lesung wurde Moll unruhig, erhob sich unauffällig, soweit das auf einem Podium, welches den Betreffenden zur Geltung bringen soll, möglich ist, und verließ leise den Saal. Drevsen schaute nicht auf und las unbeirrt weiter. Er hatte wohl damit gerechnet. Die druckfrischen Bände, die anschließend über den Tisch gingen, waren bereits signiert. Moll tauchte an diesem Abend nicht wieder auf. Ich habe ihn seitdem, trotz mancher Bemühungen, auch nicht wieder gesehen.
Wenn ich Moll lese habe ich den Eindruck, die klassische Moderne sei noch lebendig. Jedenfalls sind die Wunden, die sie gerissen oder aufgedeckt hat, (was vielleicht ein und dasselbe ist) bei ihm frisch geblieben.
Dass ich, als unterbezahlter Privatdozent der Germanistik, mich diesem ja wohl eher unbekannten Autoren angenommen habe, hat nicht nur damit zu tun, dass auch in mir die klassische Moderne noch lebt. Und es hat übrigens auch nichts damit zu tun, dass ich mich scheue, die Bibliotheken an Sekundärliteratur zu wälzen, die manchen großen, alten Namen wie einen Sarkophag ummanteln, um nach langer Forschung einen weiteren Ziegel von tausend Seiten in die Gruft einzulassen.
Nein, der Grund meiner Auseinandersetzung mit Moll ist im eminentesten Sinn persönlicher Art. Und ob Moll verkannt ist oder nicht, das zu entscheiden überlasse ich Anderen.
Viel habe ich über Theodor Molls Privatleben nicht herausfinden können. Eine Zeit lang vermutete ich, dass Franz Drevsen selbst der Autor sei und der angebliche Theodor Moll ein zu früh gealterter Student, von Drevsen klug in Szene gesetzt.
Inzwischen weiß ich mehr. Ich weiß, dass Moll damals von Hamburg aus elbabwärts in einer Ortschaft hinter Cranz wohnte, die Königreich heißt. Es handelt sich dabei nicht einmal um ein Dorf, sondern um ein zusammengewürfeltes Häuflein von Häusern, umgeben von ein paar Wiesen und Apfelplantagen. Mir kam gleich der Verdacht, dass nur der Name der Ortschaft Moll dahin gelockt haben konnte. Er hat ja die Gabe, sehr gewöhnliche Dinge durch Namen oder Beschreibungen aufzuwerten. Mir jedenfalls sagte der Ort nicht zu und ich empfehle ihn auch nicht als Ausflugsziel. Aber das soll jeder für sich entscheiden.
Im Übrigen weiß ich nicht, in welchem der Häuser Moll wohnte. Die Anwohner behaupten, ein Mann dieses Namens sei ihnen unbekannt. In den Augen einer älteren Dame schien mir bei der Frage nach Moll jedoch etwas aufzublitzen. Aber sie winkte gleich ab und ließ mich stehen. Ihr fleischiges Gesicht, das schreckliche Blümchenkleid und die ausgetretenen Hausschlappen werde ich allerdings so bald nicht vergessen.
Franz Drevsen kannte das Haus aber schwieg und schweigt immer noch. Moll hat ihn darum gebeten, obwohl er dort gar nicht mehr wohnt. Er ist seit längerer Zeit verschwunden. Wo er sich aufhält, weiß auch Drevsen nicht – behauptet er wenigstens. Ab und zu kommt eine Diskette, da Moll nicht versteht, wie man einen Text als Anhang mailt und sich weigert, es zu erlernen.
Ich habe also nur sehr wenig Informationen über Moll sammeln können, zu wenig, um mir ein umfassendes Urteil über ihn anmaßen zu dürfen. Möglich, dass er inzwischen irgendwo in Asien oder Ozeanien weitaus weniger zurückhaltend lebt.
Gleichwohl, vieles über ihn ist mir allein durch die Lektüre seiner Bücher aufgegangen, weniger Faktisches, als vielmehr ein bis zur Greifbarkeit sich verdichtendes Fluidum, welches wie aus der Haut seiner Texte hervor quillt. Ich befürchte manchmal, dass neue Informationen über Moll dies Bild erschüttern könnten, wie wenn jemand herausfände, dass die berühmte Orgel-Toccata in d-Moll einer anderen Hand als der Bachs entstammte. (Dies wird von manchen Wissenschaftlern hartnäckig behauptet, und einige der innigsten Verehrer Bachs sehen jetzt nicht nur ihr Bach-Bild beschädigt, sondern in Wirklichkeit auch sich selbst. Kommt vielleicht der Komponist der Toccata ihremBach-Bildnahe,ohne Bach zu sein? Wer ist dann Bach?) Nun ist aber Moll trotz der spärlichen Fakten so sehr ein Teil meiner selbst geworden, dass ich mich entschlossen habe,sein Bild– wenigstens in der bescheidenen Form eines einzigen Tages und einer Nacht – vor mir aufzurichten, auch wenn (oder bevor!) es vielleicht eines Tages durch neue Erkenntnisse zerstört werden wird. Es ist ebenmeinTheodor Moll. Wer fragt heute schon danach, wer dieechteMona Lisa war?
Anselm Zwirner
Moll wusste nicht warum und fragte nicht mehr danach. Und wenn er doch einmal fragte, nützte es nichts. Vielleicht nützte es auch etwas, aber das zeigte sich ihm nicht. Er war erstarrt. Erstarrung ist möglicherweise das falsche Wort: Etwas regte sich in ihm. Da war ein Jammern und Wehklagen, ein saugendes Loch, durch den ein Wasserstrudel sich dreht, ein Gift, welches den Sauerstoff aus seinem Blut zog.
Er saß an seinem Schreibtisch, betrachtete das leere Blatt, den Kugelschreiber in seiner Hand, den Kaktus, den Garten jenseits der Scheibe. Er ließ sich Zeit.
Jetzt malte er Formen an den Rand des Papiers: Ein Dreieck; ein Viereck; ein Fünfeck; einen Hund; eine Krähe, die auf dem Hund sitzt; ein Flugzeug; eine Bananenstaude; ein kleines Kind; einen Waran, der das Kind frisst. Er zog ein Rechteck, um es mit eigentlichen Gedanken zu füllen. Er drückte die Spitze des Kugelschreibers aufs Blatt, doch da erstarrte die Hand.
Dem Wort eines in Vergessenheit geratenden Dichters zufolge sind Leiden „Taten nach innen“. Starke Taten nach innen gehen starken Taten nach außen voraus, glaubte Moll, und der Schmerz, den er gerade ertrug, ging aus einem Bekenntnis zum Eigentlichen hervor. Die Suche nach dem Eigentlichen hinderte ihn am ersten Satz.
Eine Weile betrachtete er die Punkte, die sich wie kleine Fliegen im oberen Eck des Papiers tummelten. Jeder erzählte die Geschichte eines zurückgenommenen Gedankens. Moll zerknüllte das Blatt und zog ein Frisches aus der Packung.
Er verbat sich, die Spitze des Kugelschreibers ins Blatt zu drücken. Auch gestattete er sich nicht mehr, kleine Zeichnungen an den Rand zu kritzeln. Nun fehlte ihm auch der Grund, sich frische Blätter aus der Packung zu ziehen. Schade, das schneidende Schleifen hatte ihm gefallen.
Eine Weile dachte er darüber nach, sich in eine Ecke zu stürzen. Doch war das eigentlich? Folgte es einem authentischen Impuls? Nein! Zwischen Schmerz und Impuls nistete das fahle Kalkül, die dramatische Selbstinszenierung des eigenen Leidens.
Selbstgeißelungen waren immer Orgien der Lust, da war er sich sicher. Die Flagellanten ergötzten sich an dem, was sie zu bekämpfen vorgaben. Ein interessanter Betrug.
Moll tat nun nichts mehr, außer da zu sein. Es gab nichts mehr zu tun. Auch glaubte er, für den Schreibtisch nicht geboren zu sein. Er glaubte aber, im Schmelztiegel des Schmerzes umgeschmolzen zu werden. Solche Umschmelzungen waren jetzt überall nötig, da viele Menschen zu nichts mehr geboren waren. Moll fühlte sich Zeit seines Lebens zu etwas geboren, wusste aber nicht zu was. Er beneidete die, die sich zu nichts geboren fühlten. Frank und frei lebten sie, wie es ihnen gefiel. Und das tat er jetzt auch: Er ging in die Küche und kochte Tee.
Der Schmerz versetzte ihn in einen Zustand jenseits von Glück und Traurigkeit. Er war nicht heiß oder kalt, nicht weich oder spitz. Moll glaubte, dass er nichts ausdrückte außer sich selbst. Worte waren nicht gemacht, ihn zu beschreiben.
Früher hatte er einmal versucht, gegen den Schmerz zu rebellieren. Auf dem Schreibtisch stand ein dicker Kaktus mit gelben Streifen. Als nun der Schmerz immer stärker wurde, setzte Moll seine Fingerkuppe auf eine Stachelspitze und drückte. Er drückte langsam und der Stachel bohrte sich ins Fleisch, bis er an den Knochen stieß. Dieser andere Schmerz strahlte bis in die Füße, ja er brachte den ganzen Körper zum strahlen. Moll hatte damals den Eindruck, dass sich die beiden Arten des Schmerzes gegenseitig verklärten. Diese Vorstellung rührte vielleicht aus seiner Jugend, als er dachte, der Heilige bewahre auch unter der Folter seinen Glauben. Der Heilige leidet nicht nur im eigenen Fleisch. Ihn peinigt eine verdunkelte Welt, in der gefoltert wird. Er fühlt den Schmerz aller Gefolterten und die Sünde der Folterer.
So hatte er früher gedacht.
Er trank seinen Tee und setzte sich wieder an den Schreibtisch.
Im Gang der Minuten und Stunden, die Moll jetzt reglos an seinem Schreibtisch saß, verwandelte sich der Schmerz. Obgleich es in ihm schmerzte, schien der Schmerz vor ihm zu sein, während er selbst hinter sich stand. Der Schmerz schmolz alle uneigentlichen Handlungen ein. Dieser Zustand ist nicht so zu denken, dass nun eine Fliege hätte unbemerkt über seine Pupille laufen können. Er war hellwach. Doch hätte er möglicherweise die Fliege laufen lassen.
Warum aber reizte ihn gerade das Uneigentliche und Unsinnige? Er schmunzelte über die abwegigsten Gedanken, hätte sogar laut gelacht, wenn er zu lautem Lachen fähig gewesen wäre. Er glaubte, dass sich niemand tiefgreifender amüsierte als er, so leicht, so närrisch-frei fühlte er sich, wenn er den Unsinn zuließ. Dabei war es ihm mit dem Eigentlichen todernst. War das die Ursache seiner närrischen Freude?
Durch das Uneigentliche fühlte sich Moll „verurteilt“ zum Schmutz. Da er an keinen Verurteiler glaubte, nahm er dieses Wort wieder zurück, ohne es durch ein anderes zu ersetzen. So blieb eine Lücke im Satz, eine Art Wunde.
Der Schmerz teilte ihn. Er fühlte etwas in sich „aufsteigen“, was er für das Eigentliche hielt. Etwas anderes fühlte er „hinabsinken“. Auch diese Worte verwendete er aus Verlegenheit, denn er hielt Kategorien wie "Oben" und "Unten" diesbezüglich für fragwürdig.
Jetzt zeigte sich ihm, was er den „Antischöpfer“ nannte. Der „Antischöpfer“ – Moll benutzte gerade dieses Wort unter Vorbehalt – hinderte ihn am ersten Satz. Der "Antischöpfer" forderte ihn auf, bedingungslos am Eigentlichen festzuhalten, denn alles, was er uneigentlich täte, sei im höchsten Maß gleichgültig, sei nichts. Gleichgültiges zu schaffen würde ihm immer gleichgültiger werden. Gleichgültigkeit würde letztendlich sein ganzes Schaffen beherrschen. Dafür aber sei er nicht geboren. Auch wenn er zu nichts geboren sei, dafür jedenfalls nicht.
Moll versuchte, alles Uneigentliche aus seinen Gedanken zu verbannen. Da ihm alles, was er in seinen Gedanken aufflackern sah, uneigentlich schien, erstickte er die Gedanken im Keim. Eine Kette von Abbrüchen füllte die Zeit.
So nahm der Tag seinen Lauf.
Es war ein unbedachter Moment, als Moll den ersten Satz auf den Tisch schrieb. Er stutzte. Er las den Satz ohne ihn ganz zu verstehen. Er zog ein frisches Blatt Papier aus der Packung und schrieb ihn mit Füller ab. Er schrieb weitere Sätze. Während er schrieb wuchs der Schmerz. Ihm war, als schnitte er sich Organe heraus. Ein Zweiter, an den er gefesselt war, saß an seinem Platz und schrieb, während er zusah und ihn nicht zu unterbrechen wagte. Dann ließ er sich auf den Boden fallen oder fiel eben auf den Boden und wartete oder lag eben da. Der Zweite löste sich nicht gleich auf. Er lag neben oder in ihm, ein fremder Körper, der sein eigener war. Nach unbestimmter Zeit stand Moll auf. Der Zweite war vergangen oder zeigte sich wenigstens nicht mehr. Moll setzte sich und schrieb weiter, und ein warmer Strom durchlief ihn. Er schrieb ohne zu überlegen, als würde er schreibend träumen. Er schrieb, bis die Geschichte zu Ende war oder sich selbst beendete. Als er den letzten Punkt setzte, rutschte er durch einen Tunnel. Der Garten stieg aus der Dämmerung auf. Die ersten Vögel zwitscherten. Er ging benommen durchs Haus, stieß an Türrahmen und Stuhlbeine. Die Vogelstimmen berührten ihn wie von innen. Sie verloren sich ganz in ihrem Gesang. Er legte sich in seinen Lieblingssessel und versank einige Stunden im Halbschlaf. Als er erwachte, lag der Garten still und bleich unter einem ruhig dahin strömenden Himmel. Er nahm den Text und las. Wenn er annahm der Urheber zu sein, und er nahm es an, dann wusste er über sich nichts.
Ihm war, als bliese ihm kalter Wind in die Augen. Das Bett schlingerte wie ein Kahn auf offener See. Moll wälzte sich von der Wand- zur Zimmerseite und wieder zurück. Auf dem Gesäß drehte er sich mit Decke um hundertachtzig Grad. Aber wenn der Kopf am Fußende lag wurde es auch nicht besser.
Er öffnete das Fenster, zog die Decke unters Kinn und genoss die Kühle in seinem Gesicht. Ein Vogel flötete, gluckste, tickte und klapperte. Ein Könner, ohne Frage. Aber warum machte er unregelmäßige Pausen? Wenn Moll einen Einsatz erwartete, machte der Vogel eine lange Pause, wenn Moll sich auf Ruhe einstellte, schnappte er nur kurz nach Luft und trällerte weiter.
Moll vergrub den Kopf unter der Decke und begann zu schwitzen. Er stand auf, schloss das Fenster, zog die Decke bis übers Kinn und schwitzte immer noch. Er befreite die Brust und fror. Er drehte sich um hundertachtzig Grad, wollte sich an die Wand schmiegen und fiel aus dem Bett. Gegen sechs schaltete er den Wecker ab, den er am Vorabend von Kaffee und Alkohol euphorisiert auf acht gestellt hatte.
Körner tauchte mehrmals in seiner Vorstellung auf und lächelte spöttisch. Sein Protagonist sah ihn mit den ewig lustvollen Augen an, die alles um sich herum einsaugten, immer herausfordernd, immer bereit zum Spiel.
Körner, Professor der Bildenden Kunst, umkreiste unaufhörlich seine Mitmenschen. Seine Anschauungen waren ästhetische Versuche auf Probe, deren Eros er gestalterisch ausweidete. Der Mensch war für ihn rätselhaft, aber er wollte das Rätsel nicht lösen, ging nur neugierig drum rum, naiv wie ein Kind und gerissen wie ein Gentleman-Gauner.
Körners Lust steckte Moll an. Vielleicht hatte Moll ihn darum gesucht und geschafften. Die Tage waren mit ihm erträglicher. Und wie oft hatte er Protagonisten gehabt, die ihm die Zeit verdarben.
Wenn Moll den Füller weglegte und die Glut, die er nie ganz ausbrechen ließ, langsam erlosch und er durchs Haus ging oder in den Garten, dann standen die Bäume, Blumen und Sträucher wie entleert und leblos da, und alles überzog sich mit einem einzigen Gefühl, einer Wahrnehmung seines Bewusstseins und seiner Abspaltung; ein grauer Schleier legte sich vor seine Sinne. Das Traumlose war wie ein schlechter Traum. Davor konnte auch Körner ihn nicht bewahren.
Jetzt war es halb zwölf und er fühlte keine Kraft, den Tag zu beginnen. Er wälzte sich auf die andere Seite und stellte sich vor, dass Yolanda Tee für ihn kochte. Sie brachte ihn an sein Bett, behandelte ihn wie einen Kranken, sagte aber, dass er gesund sei. – In Wirklichkeit behandelte sie ihn wie einen Gesunden und sagte, dass er krank sei. Und warum war Yolanda nicht da und sagte, dass er gebraucht wurde? Warum beschwor sie ihn nicht, aufzustehen, um das zu tun, wonach alle verlangten und was niemand, niemand außer ihm tun konnte? Sie war nicht da, weil er sie weggeschickt hatte.
