Dänische Volksmärchen - Bengt Holbek - E-Book

Dänische Volksmärchen E-Book

Bengt Holbek

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Beschreibung

Das Buch beinhaltet eine Auswahl dänischer Volksmärchen, darunter viele Zaubermärchen, die im Laufe der Jahrhunderte durch Erzählungen an die Nachfahren überliefert wurden.

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Seitenzahl: 437

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Bengt Holbek

Dänische Volksmärchen

Saga

1

Die Katze und die Maus

Die Katze lag in der Scheune und lauerte auf Mäuse — da plötzlich sprang sie los und wollte eine schnappen.

„Jetzt fresse ich dich!“ fauchte sie.

„Nein, nein, laß mich am Leben“, bat die Maus, „ich will dir auch eine Geschichte erzählen.“

„Dann erzähle!“ kommandierte die Katze im gröbsten Ton.

„Einmal“, begann die Maus, „da habe ich meinen Fußboden ganz rein, ganz rein gefegt.“

„Da bist du nicht in den Schmutz getreten“, sagte die Katze.

„Und dann habe ich ein kleines Zweischillingstück gefunden“, erzählte die Maus weiter.

„Was hast du damit gemacht?“ fragte die Katze.

„Ja, dafür habe ich mir ein Stück Speck gekauft.“

„Da hast du dein Geld nicht vertrunken!“

„Und dann habe ich den Speck auf den Rost gelegt und gebraten.“

„Da hast du ihn nicht roh gefressen!“

„Und dann habe ich ihn zum Abkühlen aufs Dach gelegt.“

„Da hast du dich nicht daran verbrannt!“

„Aber dann ist die Elster gekommen und hat ihn geschnappt.“

„Und ich schnappe dich!“ fauchte die Katze und sprang los und fing die Maus und fraß sie ratzekahl auf.

2

Die Auswanderung

Auf einem Hof wurde einmal beschlossen, daß alle männlichen Tiere das Leben verlieren sollten. Sie waren zu alt geworden.

Als die Tiere das hörten, kamen sie überein, daß sie davonlaufen wollten. Der Hengst, der Stier, der Widder, der Eber, der Hund, der Ganter und der Hahn machten sich auf die Reise. Als sie eine Zeit gegangen waren, kamen sie zu einem verlassenen Hof, und da kehrten sie ein, um sich auszuruhen.

Im Torweg hing Heu vom Heuboden herunter, hier wollte der Hengst bleiben.

Im Hof lag ein Strohhaufen, da ließ sich der Stier nieder.

In der Scheune lagen ein paar Bündel Erbsenstroh, das wollte der Widder haben.

Der Eber ging auf die Tenne, dort lag ein Haufen Saatgetreide.

Der Hund fand einen Knochen und legte sich in die Diele.

Der Ganter ging in die Stube, wo sich die Gänse aufhalten.

Der Kater ging im Backofen auf Mäusejagd, und der Hahn flog auf den Hahnenbalken.

In der Nacht erschien ein Gespenst, das auf diesem Hof sein Wesen trieb. Als es in den Torweg kam, gab ihm Hörner genommen, und in der Scheune stürzte der Widder das Pferd einen Tritt. Im Hof wurde es von dem Stier auf die darauf los und stieß zu. Da entschlüpfte das Gespenst auf die Tenne, aber der Eber biß es mit seinen langen Zähnen. Als es in die Diele kam, war dort der Hund, und der biß auch, und in der Stube schlug und klatschte der Ganter mit seinen Flügeln. Da huschte das Gespenst in den Backofen, und hier war der Kater und biß und kratzte.

„Kikeriki!“ krähte im gleichen Augenblick der Hahn vom Hahnenbalken.

Da verließ das Gespenst schleunigst den Hof. Auf dem Weg stand ein zweites Gespenst und wartete.

„Dahin gehe ich nie wieder“, sagte das erste Gespenst. „Als ich in den Torweg kam, stand dort der Drescher und schlug mich mit seinem Flegel. Auf dem Hof stand der Strohschüttler und nahm mich auf seine Gabel. Der Holzhauer schlug mich mit seiner Keule, und der Schmied kniff mich mit seinen Zangen. Als ich dann in die Stube gehen wollte, bekam mich der Schmiedegeselle zu fassen, und drinnen stand der Schmiedejunge und klatschte und schlug. Dann wollte ich raus in den Backofen, aber darin war die Bürstenmagd und kratzte mich mit ihren Pferdebürsten, und dann schrie einer vom Hahnenbalken: ’Hiev ihn mir hoch, hiev ihn mir hoch!‘“

3

Mikkel Fuchs

Es war einmal ein Fuchs, der hatte seinen Bau in der Heide. Am Morgen war er hungrig und meinte, ein gutes Frühstück wäre nicht übel. Er ging hinunter zum Strand, und dort sah er eine Ente mit ein paar Entenkücken.

Er sagte:

„Guten Morgen, Karen!“

Die Ente sagte:

„Guten Morgen, Mikkel!“

„Hast du nicht etwas für mich zu fressen?“ fragte Mikkel.

„Du kannst ja schwimmen lernen“, sagte die Ente, „dann kannst du dir jederzeit ein paar Fische fangen.“

Ja, aber Mikkel wußte nicht, wie er das anstellen sollte.

Die Ente meinte, das wolle sie ihn schon lehren, er brauche sich nur auf ihren Rücken zu setzen, „dann will ich dir das Schwimmen schon beibringen.“

Und Mikkel setzte sich auf ihren Rücken, und die Ente schwamm ein gutes Stück mit ihm hinaus.

„Jetzt halt dich gut fest, Mikkel!“ sagte die Ente.

Das versprach Mikkel wohl, doch als die Ente nun tüchtig mit ihren Flügeln losflatterte, da plumpste Mikkel ins Wasser und mußte ans Ufer waten.

Da ging Mikkel weiter und begegnete einer Gans.

„Guten Morgen, Kirsten!“ sagte Mikkel.

„Vielen Dank!“ sagte die Gans.

„Hast du nicht etwas für mich zu fressen?“ fragte der Fuchs.

„Du mußt segeln lernen“, sagte die Gans, „dann kannst du dir jederzeit ein paar Fische fangen.“

„Ja“, sagte Mikkel, „das wäre sehr schön, aber das Schiff, auf dem ich zuletzt gefahren bin, das war zu klein.“

„Ich bin groß genug“, sagte die Gans, „setz dich nur auf meinen Rücken.“

Mikkel glaubte auch, daß es wohl möglich wäre. Er setzte sich auf ihren Rücken, und die Gans schwamm weit, weit mit ihm hinaus.

„Jetzt halt dich gut fest, Mikkel“, sagte die Gans.

Ja, das wollte Mikkel wohl tun.

Nun schlug die Gans tüchtig mit ihren Flügeln, und Mikkel mochte sich noch so gut festhalten — er fiel herunter. Da mußte er ein weites Stück schwimmen und den Rest zurück ans Ufer waten.

Nein, jetzt will ich doch auf dem Trockenen bleiben, dachte Mikkel.

Er ging nun in den Wald. Dort begegnete er einem Storch mit seinen Jungen.

„Guten Morgen, Peter!“ sagte Mikkel.

„Danke, Mikkel!“ sagte der Storch.

„Hast du etwas für mich zu fressen?“ sagte Mikkel.

„Du kannst ja fliegen lernen“, sagte der Storch, „dann kannst du dir manchmal einen Vogel fangen.“

„Das wäre herrlich“, sagte Mikkel, „aber wie soll ich fliegen lernen?“

„Oh, das ist eine leichte Sache“, sagte der Storch, „du brauchst dich nur auf meinen Rücken zu setzen, dann will ich dir das Fliegen schon beibringen.“

Da setzte sich Mikkel auf seinen Rücken, und der Storch flog mit ihm ungeheuer hoch. Als sie nun unheimlich hoch gekommen waren, sagte er:

„Jetzt halt dich gut fest, Mikkel.“

Ja, das wollte Mikkel wohl tun.

Aber der Storch schlug so heftig mit seinen Flügeln, daß Mikkel herunterfiel und sich bös wehtat, doch er blieb noch am Leben.

Nein, jetzt will ich auf der Erde bleiben, dachte Mikkel.

Er humpelte aufs Feld und begegnete dort einer Stute mit ihrem Fohlen.

„Guten Morgen, Sidsel!“ sagte Mikkel. „Hast du etwas für mich zu fressen?“

„Danke für deinen Gruß!“ sagte die Stute. „Ich will dir wohl etwas zu fressen geben; aber meine Hufe sind abgestoßen, und ich habe da noch einen Nagel sitzen, der tut mir so weh. Willst du mir nicht erst den Gefallen tun und ihn herausziehen? Du hast ja solch einen geschickten Mund und so geschickte Zähne.“

„Ja, das will ich gern tun“, sagte Mikkel, „heb bitte selbst deinen Fuß in die Höhe.“

Sidsel hob das Bein, und Mikkel wollte den Nagel herausziehen; da aber schlug die Stute nach ihm aus, und Mikkel fiel auf der Stelle tot um.

4

Hans mit den Watestiefeln

Es waren einmal drei Brüder. Und sie wohnten zu Hause auf dem Hof ihres Vaters. Der älteste, der hieß Per, und der zweite hieß Wolle, und der dritte hieß Hans. Und Per und Wolle, die hatten ein gewaltiges Selbstbewußtsein und hielten sich für ein paar Mordskerle. Sie konnten so vieles, was Hans nicht konnte. Er war ja der Jüngste, und er ging nur herum und spielte mit kleinen Tieren und dergleichen. Er war sehr gut zu Tieren, und die beiden anderen machten sich oft darüber lustig, daß er sich mit solch kleinen Pusseleien abgab. Sie wollten ja ganz andere Dinge anpacken, sie wollten mit Pferden zu tun haben und das Feld bestellen, und sie wollten so viel, und sie konnten so viel.

Da kamen sie auf den Gedanken, hinaus in die weite Welt zu ziehen und nachzusehen, wie es dort ausschaute, und sie wollten die Prinzessin und das halbe Königreich gewinnen. Und sie wollten so recht etwas vollbringen und zeigen, was für gewaltige Kerle sie waren. Da verlangten sie von ihrem Vater ein Pferd und einen Sattel und eine Rüstung, und dann wollten sie aufbrechen und sich umsehen.

Ja, der Alte dachte bei sich: Was soll das hier zu Hause noch werden?

Doch er erlaubte es ihnen, und ihre Wünsche wurden erfüllt, und sie zogen in die weite Welt hinaus. Hans konnte ja bei dem Alten bleiben, zu Hause auf dem Hof.

Ja, Hans kümmerte sich um seine kleinen Tiere und pfiff und sang, denn er war eine fröhliche Natur. Er hatte keine Sorgen und verlangte nicht viel und war sehr bescheiden. Wenn er sich mit seinem Kleinzeug beschäftigte und seinem Vater bei den großen Sachen half, dann machte ihm das Freude. Aber mit der Zeit konnten sie die Arbeit gar nicht mehr schaffen, und es ging mit ihnen ein bißchen bergab, und schließlich dachte Hans: Nein, das kann auch nichts für mich werden, ich ziehe besser auch in die weite Welt hinaus. Aber ich habe ja nichts, ein Pferd kann ich nicht bekommen, dafür haben wir kein Geld, aber Vaters Watestiefel, die er auf dem Feld anhatte, die habe ich. Er braucht sie ja nicht mehr, wenn er den Acker nicht mehr bestellt.

Und Hans zog die Stiefel an und sagte seinem Vater Lebewohl.

„Und laß es dir gut gehen, ich werde schon wieder zu dir zurückkehren, das dauert sicher nicht lange.“

Und dann wanderte Hans in die weite Welt, geradeaus auf der Landstraße. Er hielt einen Stock in der Hand und pfiff und sang, wie es seine Art war, und war in prächtiger Stimmung. Und wie er so auf der Straße geht, gerät er in einen Wald, und da begegnet er einer alten Frau, die auf ihrem Rücken ein riesengroßes Bündel Brennholz schleppte, und das war gewiß ein bißchen mehr, als sie tragen konnte.

„Hallo“, sagte Hans, „soll ich dir nicht das Brennholz tragen? Ich sehe doch, daß es dir gar nicht leicht ist.“

„Ja, das wäre mir sehr lieb“, sagte sie, „denn ich kann fast nicht mehr und muß für den Winter etwas nach Hause schleppen!“

„Aber das mache ich doch“, sagte Hans.

Und er nahm das Brennholz auf den Rücken und marschierte neben der alten Frau her, und die war so froh und glücklich, daß sie einen solchen Burschen getroffen hatte.

„Denn“, sagte sie, „gestern oder vor ein paar Tagen, ich weiß nicht, wann es war, ich bin alt und kann mich nicht erinnern, da kam ein Reiter, und er hätte mein Brennholz ja bequem auf sein Pferd nehmen können, aber nein, er hat sich nur über mich lustig gemacht, weil mein Rücken so krumm geworden ist, und er hat hinter mir her gerufen, von ihm aus hätte ich noch viel mehr tragen können. Und am nächsten Tag kam wieder einer. Und diese beiden waren gar nicht gut, meine ich. Da bist du ganz anders, Hans“, sagte sie. „Hab vielen Dank, daß du mir das Brennholz nach Hause getragen hast. Jetzt will ich dir ein Ding geben, auf das du achthaben mußt. Hier, siehst du, ist eine Flöte, und die ist viel mehr wert, als du glaubst, denn sie kann viel mehr, und das wirst du schon herausfinden. Nun leb wohl und hab Dank!“

„Leb wohl!“ rief Hans und schwenkte seinen Hut, und dann zog er weiter in die Welt hinaus. Und gegen Abend kommt er in jene Gegend des Landes, wo das Königsschloß liegt. Und da begegnet er einem alten Schafhirten, der sich sehr mit seinen Schafen abmühte. Sie sollten zum Abend von der Weide heim in den Schafstall, und das machte ihm ein bißchen zu schaffen, denn er war alt und konnte die störrischen Tiere nicht recht regieren.

„Kannst du mir nicht helfen?“ fragte er Hans, „es fällt mir so schwer.“

„Doch, doch“, sagte Hans, „das ist für mich gar keine Kunst.“

Und er sammelte die Schafe ein, und die beiden trieben sie in den Stall, und Hans ging mit ins Haus und aß Abendbrot, und da sagte der Alte zu ihm:

„Was meinst du, willst du nicht hierbleiben und mir helfen, denn ich werde zu alt und brauche eine Ablösung. Und du hast so eine glückliche Hand damit, finde ich, es wäre mir sehr lieb, wenn du hierbleibst und mir hilfst. Ob das vielleicht möglich wäre?“

„Doch“, sagte Hans, „es gibt überhaupt nichts, was mich in der Welt bindet, ich kann machen, was ich will, und da kann ich wohl auch hierbleiben und dir helfen, jedenfalls eine Zeitlang.“

Und am nächsten Tag zog er mit den Schafen los und trieb sie auf die Weide, und der Alte hatte ihm vorher erzählt, er müsse nun gut aufpassen und lieber dort bleiben, wo sie gestern gewesen waren, als er sie gesehen hatte. Da draußen gebe es nämlich drei Weiden mit gutem Gras, aber dorthin dürfe er die Schafe auf keinen Fall treiben, denn auf jeder Weide wohne ein Troll. Und darauf solle er achtgeben, denn diese Trolle seien böse Ungeheuer, und er habe viel von ihnen gehört — zwar hatte er sie nie gesehen, aber daß sie dort waren, das wußte er.

„Ja, ja“, sagte Hans, „ich werde schon aufpassen.“

Und er zog mit seinen Schafen los. Er sah sich nun die Weiden an, und wo die Schafe gestern gewesen waren, da war alles abgefressen, und auf den anderen Weiden stand das prächtigste Gras. Das war doch eine ganz andere Sache! Und er ging dorthin und betrachtete den Hügel, in dem der Troll wohnen sollte. Und da dachte er: Ja, das ist nun einerlei, ich möchte doch mal auf diese Weide und nachsehen, wie es da ist und ob es stimmt mit dem Troll, denn es stimmt ja vielleicht nicht, so etwas wie einen Troll gibt es ja gar nicht.

Und er marschierte auf die Weide und vergaß dabei, die Pforte zu schließen, und die Schafe rannten hinter ihm her und fraßen ganz mächtig, sie freuten sich sehr über das gute frische Gras. Und Hans ging zu dem großen Hügel, aber da hört er darin ein schreckliches Poltern.

Na, dachte er, da haben wir’s, ob wirklich etwas an der Sache ist?

Und es wurde noch viel schlimmer. Endlich erschien ein ganz merkwürdiges Wesen. Es hatte einen langen Schwanz und einen großen Kopf und in der Stirn nur ein einziges Auge, das war so groß wie eine Untertasse. Und das sah doch merkwürdig aus, so etwas hatte Hans noch nie gesehen. Und das Wesen brummte und brüllte, wenn es nicht eins von den Schafen bekäme, dann wollte es Hans totschlagen.

Na, dachte Hans, das sieht ja gar nicht gut aus — aber was soll ich jetzt bloß machen?

Und dann sieht er sich seine Schafe an. Wenn er schon eins verlieren sollte, dann auf keinen Fall das beste. Und er griff sich das kleinste, ein altes, mageres, räudiges Schäfchen, das sicherlich sowieso geschlachtet werden sollte.

Und als er das Schaf nun befühlte, da kam der Troll und brummte und brüllte und machte sich wichtig. Zufällig hatte Hans die Flöte gegriffen und hielt sie in der Hand, und das Schaf hielt er auch, und der Troll kommt mit der Flöte in Berührung. Da plötzlich, da bricht er ganz und gar zusammen und fällt auf den Boden, und das sah entsetzlich aus. Er lag mit seinem großen Kopf auf dem Rücken, und sein Auge starrte zu Hans empor.

Was in aller Welt soll das bedeuten, dachte Hans.

Aber der Troll war tot. Das war ganz merkwürdig — tot war er und erledigt.

Na, dachte Hans, eigentlich ist das eine seltsame Geschichte, das sieht ja richtig komisch aus.

Und er mußte über diesen Kämpen, der so stark gewesen war, lächeln — da lag er nun und war tot.

Nun hatte Hans ja auch seine Schafe zu hüten, und die weideten ganz prächtig, jetzt aber sollten sie nach Hause, denn es ging auf den Abend zu. Doch zuvor wollte er jenen Hügel untersuchen, und er fand auch einen Eingang. Und er ging hinein und staunte gewaltig.

Zuerst kam er in einen großen Raum, der war mit lauter, lauter Kupfergeld gefüllt. Das war doch seltsam, so viel Kupfergeld hatte Hans noch nie auf einem Haufen gesehen. Dann ging er weiter. Und in dem zweiten Raum, da stand ein schwarzes Pferd, und da hing eine Rüstung, und da war ein Sattel, der war mit Kupfer beschlagen, und das war doch seltsam. Und Hans pfiff sich eins und sang sich eins, denn was er da entdeckt hatte, das war gar nicht so übel. Aber jetzt mußte er nach Hause.

Und er verläßt den Hügel und geht zu seinen Schafen und bringt sie nach Hause zu dem alten Schafhirten. Er ißt sein Abendbrot und geht zu Bett und schläft wie immer, und nichts störte seinen Schlaf.

Und am nächsten Tag zog er wieder los, und er meinte, auf der zweiten Weide könnte es auch interessant sein. Und er marschierte dahin. Die Schafe rannten hinter ihm her, und daran hatte er wahrhaftig nicht gedacht.

Ob hier wohl auch ein Troll sein würde — jedoch das war ja nicht möglich, er hatte ihn doch erschlagen, ob der wohl mit dem Leben davon gekommen war? Aber auf dieser Weide war auch ein Troll, und solch ein Brummen und Brüllen und Geifern hatte Hans noch nicht gehört.

„Oje, das ist nun ja gar nicht schön. Woran der gestern wohl gestorben ist? Was hat ihm wohl den Garaus gemacht? Sollte es die Flöte gewesen sein, die ich in der Hand gehalten habe — oder was?“

Ja, aber Hans mußte sich zusammennehmen, denn jetzt kommt er, der große Troll, und schreit und schäumt vor Wut. Und er sah noch viel schlimmer aus als der erste. Sein Schwanz peitschte, seine Augen rollten, und er hatte drei Köpfe. Und es war ganz entsetzlich, wie er brüllte: Wenn er nicht eins von den Schafen bekäme, dann wollte er Hans totschlagen.

Ja, dachte Hans, da sehe ich wohl besser zu, daß ich das alte räudige Schaf wieder erwische. Das beste soll er auf keinen Fall bekommen.

Und er holte das Schaf, und dann gab er acht: Jetzt will ich doch mal sehen, ob es die Flöte ist, dachte er.

Und er nahm sie in die Hand, und der Troll näherte sich und griff nach dem Schaf. Und so standen sie ein Weilchen da, bis der Troll mit der Flöte in Berührung kam. Und ganz richtig: er taumelt und wälzt sich, und das macht einen furchtbaren Lärm. Er schrie und tobte und brüllte, und dann fiel er um. Und alle seine Köpfe und Augen rollten, und es sah entsetzlich aus. Hans hätte es bald mit der Angst bekommen, denn so schlimm hatte er es doch nicht erwartet. Aber der Troll war tot, das konnte er sehen. Und das war auch gut.

Hans hob die Flöte auf und betrachtete sie — es war eine ganz gewöhnliche Flöte, aus einem Holunderstrauch geschnitten. Das konnte er nicht verstehen.

Na, aber da kam ihm der Gedanke, er wollte auch den zweiten Hügel untersuchen, wie es darin aussah. Und er fand den Eingang ebenso wie bei dem anderen. Als er hineinkam, da sah er als erstes eine Menge Silbertaler, die lagen dort in großen Haufen. Er ging weiter und kam in ein zweites Zimmer und erblickte ein weißes Pferd. Und da war ein silberbeschlagener Sattel, und da hing eine feine Rüstung und ein ganz feiner Hut. Das war doch seltsam, so etwas hatte er nie zuvor gesehen, und das war gar nicht so übel.

„Ich glaube, ich habe Glück“, sagte Hans.

Und er pfiff und sang, und dann verließ er den Hügel wieder und trieb die Schafe nach Hause zu dem Alten. Dem erzählte er nichts, denn was ging das auch andere an, nicht wahr?

Am nächsten Tag war es ganz genauso. Doch als er auf die dritte Weide kam, da war es noch viel schlimmer.

Ob ich es diesmal wohl schaffe? dachte Hans, denn das ist ja ein ganz schrecklicher Lärm.

Oje, man konnte sein eigenes Wort nicht verstehen vor lauter Rasen und Brüllen und Rufen und Schreien. Oje, und wie er aussah, der Troll, der jetzt erschien. Er hatte neun Köpfe, und in jedem Kopf rollte ein entsetzlich großes Auge, und er sah ganz schlimm und böse aus und schrie:

„Bring mir ein Schaf, sonst schlage ich dich tot!“

Ja, dachte Hans, dann soll er dasselbe bekommen, das ich für die anderen ausgesucht hatte, und ich werde schon aufpassen und die Flöte bereithalten, falls sie diese Wirkung tut.

Und es ging ganz genauso wie die anderen Male. Der Troll kam näher und brummelte und brummte und griff nach dem Schaf und berührte die Flöte, und da war es aus mit ihm. Da wälzte sich dieser große Fleischberg auf der Erde, und das sah grauenhaft aus. Der Schaum stand ihm vor dem Maul, und er brüllte und tobte — aber tot war er, das konnte Hans sehen.

Das muß ja nun der letzte sein, dachte Hans. Der alte Hirt hat ja nur von dreien erzählt. Mehr Hügel sind da nicht, aber ich will doch mal nachsehen, wie es darin aussieht.

Er fand den Eingang und kam in den ersten großen Raum, und der war voller Goldstücke. Hans mußte ein bißchen lächeln: Das sollten meine Brüder mal sehen. Da hätten sie gewiß gern mit mir teilen wollen.

Und er ging weiter und kam in einen Raum, da stand ein braunes Pferd, und da war ein Sattel mit goldenen Beschlägen, und da war eine feine Rüstung und Reitzeug und Reitpeitsche und alles, was dazu gehört.

Und Hans dachte: Ja, jetzt bin ich ein gemachter Mann, denn wem soll das sonst gehören. Ich habe schließlich die Trolle erlegt.

Und er freute sich sehr und dachte: Ich will nach Hause zu meinem alten Vater gehen, er soll doch etwas von all dem Reichtum abhaben, er kann es gebrauchen.

Aber er trieb erst die Schafe in ihren Stall, und als er in die Nähe der Stadt kam, da wunderte er sich, daß die Leute, die ihm begegneten, so traurig aussahen, einige von ihnen weinten, und Türen und Tore waren mit schwarzem Stoff verhängt. Und er konnte nicht verstehen, was das zu bedeuten hatte. Da kam er zu dem alten Schafhirten, und der sagte:

„Oje, Hans, wir haben einen schlimmen Tag gehabt, kannst du mir glauben. Du weißt ja, draußen im Meer wohnt ein Troll, das ist ein Bruder von den drei anderen. Und nun hat er die Königstochter verlangt, und sie soll ihm heute abend gebracht werden, und wenn er sie nicht bekommt, dann will er das Land so furchtbar überschwemmen, daß die Leute ein solches Unglück noch nicht gesehen haben.“

„Na“, sagte Hans, „so schlimm ist es wohl nicht.“

Ja doch, der Alte weinte und war ganz untröstlich. Und Hans aß sein Abendbrot und verschwand dann genauso ruhig.

Er ging auf die Weide zu dem Hügel, wo er den ersten Troll gefunden und erschlagen hatte. Und nun legt er dem schwarzen Pferd den Sattel mit den Kupferbeschlägen auf und zieht die Rüstung an und steigt zu Pferde und reitet zum Strand, dorthin, wo sich die Leute versammeln sollten, um die Königstochter abzuliefern. Und da war große Bestürzung und große Trauer, und der alte König hielt seine Tochter in den Armen, und sie weinte, und der Alte weinte, und die Leute weinten, und es war furchtbar traurig.

Und draußen im Wasser, da tobten die Wellen, daß es schäumte und spritzte, und da stand der Troll und raste und schrie, sie sollten ihm die Prinzessin bringen, denn er wolle sie haben, und zwar augenblicklich. Hans war als einziger zu Pferde, und da reitet er zum König und sagt:

„Ich kann sie doch auf meinem Pferd hinausbringen.“

„Ja, aber gib bitte acht, daß er sie nicht zu fassen kriegt“, sagte der alte König.

„Ich werde tun, was, ich kann“, sagte Hans.

Er hob die Prinzessin aufs Pferd, und als sie nun hinter ihm saß und seine schönen goldenen Locken erblickte, da flocht sie einen Ring hinein. Sie meinte, weil er so gut zu ihr war und sie hinausbringen wollte und sie bei ihm sitzen durfte, sollte er doch eine kleine Belohnung haben. Sie fühlte sich so geborgen hinter seinem Rücken.

Und je näher sie dem Troll kamen, um so mehr schäumte der.

Da dachte Hans: Ob wohl die Flöte auch diesmal helfen kann?

Er versuchte, sie aus der Tasche zu ziehen, und als er sie in der Hand hielt, da schien der Troll zusammenzuzucken. Da war gleichsam eine Macht, die ihn ein wenig zurückhielt. Und er wurde ganz wütend draußen im Wasser und schäumte und schrie:

„Was hast du denn da? Ich kann ja nicht herankommen.“

„Nein“, sagte Hans, „das kannst du nicht, und von der Königstochter läßt du besser die Finger, die kriegst du heute abend nicht.“

Nun faßte er wieder Mut.

Und da rief draußen der Troll mit seiner entsetzlichen Stimme:

„Ja, heute abend geht das noch, aber dann nicht mehr. Ich will die Königstochter haben, so oder so.“

Und dann verschwand er in den Wellen, und der Schaum spritzte hoch empor.

Hans aber wendete ganz ruhig sein Pferd, jetzt wußte er, was vonnöten war. Und er ritt mit der Prinzessin zurück, und die Leute an Land jubelten und sahen ihn verwundert an. Sie nahmen die Königstochter in Empfang, und der alte König war ja so glücklich und froh, und die Prinzessin weinte vor Freude. Hans aber war verschwunden. Und keiner hatte gesehen, wo er abgeblieben war, denn sie dachten mehr an die Königstochter als an ihn. Und jeder ging seines Weges, und das tat Hans auch. Er ritt nach Hause zu seinem Hügel, wie er sagte, und stellte sein Pferd ab, und dann ging er zurück zu dem Hirten und schlief seinen guten Schlaf.

Doch als er am nächsten Tag mit den Schafen von der Weide zurückkehrte, da war es wieder dasselbe. Da hatte sich der Troll draußen im Wasser mit all seiner Macht erhoben, hatte gewütet und Unheil angerichtet und gedroht, alles zu überschwemmen. Oh, er war so schrecklich böse und wild und zornig. Und er verlangte, jetzt sollten sie die Königstochter bringen. Die Leute waren ganz verzweifelt, und heute abend war kein Reiter da, er kam nicht, und sie schauten nach Osten und schauten nach Westen.

Aber was war das? Da kam einer auf einem weißen Pferd geritten, das war doch sonderbar! Und weil Hans eine andere Rüstung trug, konnten die Leute und auch der alte Viehknecht ihn nicht erkennen, und sie wären nie auf den Gedanken gekommen, daß es der Schafhirt ist — das war ja unmöglich. Hans aber ritt zum Strand und sagte, wenn nichts anderes zu machen sei, dann wolle er die Königstochter gern hinter sich aufs Pferd nehmen.

„Ja, wir sind ja dazu gezwungen“, sagte der alte König. „Wir wollen doch nicht unser ganzes kleines Land verwüsten lassen. Und wir wollen nicht in einer solchen Flut ertrinken. Das würde ja furchtbar aussehen, was sollen wir bloß machen?“

Und die Prinzessin setzte sich hinter ihn aufs Pferd. Sie freute sich, daß sie hinter seinem Rücken saß, sie kam sich dort so geborgen vor. Aber es war doch seltsam — die Locken waren dieselben wie gestern abend. Und sie flocht einen Ring hinein und fand dabei auch den ersten. Das war doch merkwürdig.

Je weiter sie hinaus ins Wasser kamen, um so heftiger tobte der Troll. Und Hans nahm seine Flöte in die Hand und blies erst einmal ein Stück, und dieses Flöten schien den Troll ganz schrecklich zu irritieren. Und je wütender er wurde, um so lauter blies Hans, und je näher sie kamen, um so kleiner wurde der Troll. Schließlich schien er ganz klein zu werden und im Wasser zu versinken, und dabei schäumte er und brüllte und schrie zu Hans hinüber, er würde die Königstochter schon noch bekommen. Und zwar morgen abend, falls sie nicht allesamt unter einer großen Flutwelle begraben sein wollten. Damit müßten sie rechnen, denn so konnte das nicht weitergehen.

Und dann verschwand er mit großem Gebrüll in all dem aufgewühlten Wasser.

Und Hans wendet das Pferd und reitet zum Strand. Und bei den Leuten war große Freude und Verwunderung. Und sie bestaunten Hans und hoben die Königstochter vom Pferd, und der Alte nahm sie in Empfang und war so glücklich. Doch sie wußen wohl, daß ihre Freude nur kurze Zeit dauern konnte, denn der Troll wollte wiederkommen. Hans aber war fort und verschwunden, und niemand sah ihn mehr. Er war ganz ruhig davongeritten.

Na, und am nächsten Tag war es dasselbe. Nun war die Trauer noch viel größer, denn die Leute meinten, es würde mit der Zeit immer schlimmer und schlimmer, und der Wasserstand war schon so hoch, daß sie sich selbst bald nicht mehr am Strand aufhalten konnten. Draußen schlugen die Wellen hoch und höher und hatten schon ein paar Häuschen am Strand erreicht, und gegen Abend sah es entsetzlich aus. Einen solchen Wasserstand und solch Schäumen und so hohe Wellen hatte es nie zuvor gegeben. Und weit draußen im Wasser stand der Troll und tobte und wütete und brüllte. Und kam immer näher.

Hans aber hob die Königstochter hinter sich aufs Pferd, und als sie die goldenen Locken sah, da war sie ganz beruhigt, und sie fand ihre Ringe und flocht einen dritten dazu.

Und als sie weiter hinauskamen, da wollte der Troll sie ergreifen.

„Heute abend gibt es kein Erbarmen“, sagte er, „was auch kommen mag. Und ganz egal, was du hast und was du tust, ich hole sie doch.“

Und er kam immer näher. Hans blies zwar ein Stück auf der Flöte, aber das schien nichts zu helfen, denn der Troll war so wütend und von Sinnen und ganz außer sich vor Zorn und Galle. Und er raste und spritzte, daß es im Wasser schäumte. Und kam immer näher.

Jetzt muß es sich zeigen, ob uns die Flöte heute abend rettet, denn diese Geschichte sieht nicht gut aus, dachte Hans.

Und während er die Prinzessin umfaßte, um sie ein wenig vor dem Bösen zu beschützen, reckte er die Flöte noch weiter vor.

„So schnell lasse ich sie nicht los“, sagte Hans zu sich selbst, „es soll einen Kampf zwischen uns geben!“

Und immer näher kommt der Troll und greift nach der Prinzessin mit all seiner Macht und packt zu mit seinen langen Krallen. Da aber kommt er mit der Flöte in Berührung, und Hans denkt: Oje, ob es wohl geht, ob es wohl geht, ob, ob?

Und ganz richtig, als der Troll die Flöte berührt, da ist es, als ob er kleiner wird und zusammensinkt. Und obwohl er schreit und brüllt, scheint er doch immer kleiner zu werden, bis er schließlich ganz im Wasser versinkt. Und da brausen die Wellen gewaltig auf, und das Wasser steigt und steigt, endlich aber ist der Troll verschwunden, und die Wellen gehen wieder zurück. Und Hans wendet sein Pferd und reitet mit der Prinzessin zum Strand.

Und jetzt gab es eine Freude, denn jetzt war der Troll erschlagen. Sie hatten es ja alle gesehen und freuten sich von Herzen.

Und die Königstochter ging zu ihrem Vater und schaute sich nach Hans um, aber der war schon verschwunden. Das konnte sie nicht begreifen, denn sie wollte ihm so gern danken und ihm etwas Gutes geben, weil er ihr geholfen hatte. Und sie konnte seine gelben Locken nicht vergessen, die waren so schön gewesen mit den Ringen, die sie hineingeflochten hatte. Sie war ganz traurig, weil er fort war, und meinte, sie habe sich niemals bei einem Menschen so geborgen gefühlt. Wo war er nur abgeblieben, das war doch entsetzlich, fand sie. Aber sie würden ihn wohl finden.

Und sie kehrten zum Königshof zurück, und da beschlossen sie, ihn zu suchen, diesen Reiter, oder — es waren ja drei Reiter gewesen. Anders konnten die Leute das ja nicht sehen, die Prinzessin aber wußte besser Bescheid, sie wußte, daß es ein und derselbe war. Und es erging ein Befehl an alle, die Pferde besaßen, weiße, braune und schwarze, und Rüstung trugen: sie sollten sich im Königshof versammeln, und dann wollten der König und seine Tochter nachsehen, wer von ihnen die Prinzessin gerettet hatte.

Und es kamen viele aus dem ganzen Land, denn viele wollten die Belohnung haben. Denn es war versprochen, wer sie gerettet hatte, der sollte die Prinzessin und das halbe Königreich dazu bekommen, und das war ja gar nicht so wenig.

Das hörten auch Hansens Brüder. Und als erster kommt Per zum Königshof geritten. Und er reitet vor den Königsthron, wo die Prinzessin und ihr Vater saßen, und sagt zu ihnen:

„Ja, ich bin es, der sie gerettet hat, und ich habe Anspruch auf die Prinzessin und das halbe Königreich dazu.“

„Dann komm mal her“, sagte der alte König, „dann soll meine Tochter sehen, ob du es bist, und sie wird dich schon erkennen.“

Und da ging Per zum Thron, und die Prinzessin fühlte in seinem Haar.

„Du bist es nicht“, sagte sie, „du kannst wieder nach Hause reiten, du bist es nicht, de mich gerettet hat.“

Doch am schlimmsten dabei war, daß alle, die gelogen hatten und dem König und seiner Tochter etwas vormachen wollten, bestraft werden sollten. Sie wurden ins Gefängnis geworfen. Und so geschah es mit Per und vielen anderen.

Am nächsten Tag kam Wolle angeritten. Und er ging auch zum Königsthron und mußte dasselbe über sich ergehen lassen wie Per, und die Prinzessin sagte:

„Nein, du bist es nicht.“

Da wurde er ins Gefängnis geworfen, zusammen mit den anderen.

Die Prinzessin konnte nicht begreifen, warum der Richtige nicht kam, und darüber war sie ganz traurig. Ach, das hätte sie so gern gesehen. Na, und dann kam niemand mehr, und der Hof leerte sich. Es war, als ob es keine Reiter auf weißen und schwarzen und braunen Pferden und mit einer Rüstung mehr gäbe. Das Land war ja nicht sehr groß, und so etwas hatte nicht jeder. Da endlich, da kommt einer auf einem weißen Pferd. Als die Prinzessin das Pferd erblickte, wurde sie ganz froh und dachte: Vielleicht, vielleicht, das sieht ganz so aus wie das Pferd, auf dem ich an jenem Abend saß.

Und er kommt zum Thron geritten, und der König befragt ihn:

„Bist du es, der die Prinzessin gerettet hat?“

„Ja, ich habe sie doch auf meinem Pferd hinausgebracht“, sagte er.

„Dann komm mal her, damit wir sehen, ob du es bist.“

Und die Prinzessin fühlte in seinem Haar, und das waren ja die gelben Locken, und ihre drei Ringe waren auch darin.

Und da sagte sie:

„Dieser hier ist es, und den will ich haben. Und er soll das halbe Königreich bekommen.“

Und Hans zögerte nicht und nahm das Angebot an, denn er konnte die Prinzessin gut leiden, es hatte ihm so gefallen, wie sie sich damals an ihn geschmiegt und darauf vertraut hatte, daß er sie retten könne. Und er wollte alles tun, um sie froh und glücklich zu machen.

Und so bekam er die Prinzessin und das halbe Königreich. Und gleich sorgten Hans und die Prinzessin dafür, daß die Gefangenen freigelassen wurden. Auch seine Brüder kamen aus dem Gefängnis und ritten davon. Nun wollte Hans nach Hause und seinen alten Vater besuchen, und er nahm die Königstochter mit.

Als sie auf den Hof des alten Vaters kommen, stehen da Per und Wolle, sie waren nach Hause geritten, denn sie waren ein bißchen niedergeschlagen, weil sie die Prinzessin und das halbe Königreich nicht gewonnen hatten. Ja, sie hatten im Grunde gar nichts bei ihrem Ausflug gewonnen und waren nur ärmer geworden. Sie hatten weder das Glück gefunden noch etwas Besonderes entdeckt, und gewonnen hatten sie auch nichts. Und da sehen sie eine flotte Kutsche vorfahren, und als sie näher herangehen, erkennen sie Hans, und neben ihm, ja, das konnten sie nicht begreifen, saß eine feine Dame.

Die beiden springen aus dem Wagen, und der alte Vater empfängt sie, und nun ist die Wiedersehensfreude groß. Die beiden Brüder aber, die waren gar nicht froh darüber.

Doch alles endete in großer Freude, denn Hans war nicht verändert und hatte noch sein gutes Herz. Er schenkte seinen Brüdern und seinem alten Vater gleich so viel, daß sie all ihre Tage herrlich und in Freuden leben konnten. Und auch sie lebten herrlich und in Freuden, Hans und die Königstochter, bis an ihr Lebensende.

5

Junker Adam und Jungfer Eva

Es war ein Knecht, der wollte dienen gehen, und da kam er schließlich zu einem Zwergenmann und trat bei ihm in Dienst. Der Zwerg sagte zu ihm:

„Wenn du die drei Dinge getan hast, die ich dir aufgebe, dann sollst du deinen Lohn bekommen.“

Und der Knecht meinte, damit könne er wohl fertig werden, und geht mit ihm nach Hause.

Da sagt der Zwerg zu ihm am nächsten Morgen:

„Heute sollst du eine Wiese mähen, die ist drei Meilen lang und drei Meilen breit, und sie soll heute gemäht werden; wenn du aber bis zum Abend nicht fertig bist, dann mußt du dein Leben verlieren.“

Der Knecht war darüber sehr bekümmert, denn er hielt diese Arbeit für unmöglich, und er geht auf den Hof und beklagt jämmerlich sein Elend.

Da kommt ein kleines Mädchen und bringt ihm Butterbrote, und sie hört sein Jammern.

„Ja, diesmal kann ich dir wohl helfen“, sagt sie, „aber du vergißt mich trotzdem darüber.“

Nein, er würde sie nie vergessen.

„Wenn du hinaus auf die Wiese kommst“, sagt sie, „dann schlag nur deine Sense hinein, und dann kannst du dich schlafen legen. Gegen Mittag wirst du wohl aufwachen, und dann ist die Hälfte gemäht. Du ißt dein Mittagsbrot und legst dich wieder schlafen, und zum Abend ist das Ganze fertig.“

Er tut auch, wie sie gesagt hat, und als die Wiese gemäht ist, geht er nach Hause. Da meldet er dem Zwergenmann, diese Arbeit sei nun getan.

„Ja, wer dich das gelehrt hat, der hat dich nicht aufs Maul geschlagen“, sagt der Zwergenmann.

Am zweiten Tag soll er einen Wald fallen, der war drei Meilen lang und drei Meilen breit. Wieder beklagt er sich und ist ganz bekümmert, und da bringt ihm das Mädchen seine Butterbrote.

„Wäre ich doch nie hierher gekommen“, sagt er, „ich komme ja niemals lebend wieder fort.“

„Ja, diesmal kann ich dich noch retten“, sagte sie, „aber am Ende vergißt du mich trotzdem.“

„Nein, ich werde dich nie vergessen“, sagt er.

„Wenn du nun in den Wald kommst, dann nimmst du die Axt und schlägst sie in den größten Baum, und dann legst du dich schlafen. Wenn es Abend wird, soll der Wald wohl gefällt sein.“

Er tut nun, wie das Mädchen gesagt hat, und da knackt es und kracht es und donnert es, liebe Kinder, ein Baum nach dem anderen kippt um, und als der Abend hereinbricht, ist der ganze Wald gefällt. Der Knecht geht nach Hause und meldet, mit dieser Arbeit sei er nun fertig.

„Ja, wer dich das gelehrt hat, der hat dich nicht aufs Maul geschlagen“, sagt der Zwerg.

Da kommt der dritte Tag, und jetzt soll der Knecht ein Haus bauen, fünfunddreißig Ellen groß, und bis zum Abend soll es fix und fertig sein. Er hatte nie auch nur einen Pflock für ein Haus geschlagen, und er beklagt sich jämmerlich im Hof. Da kommt das Mädchen zu ihm, und er klagt ihr seine Not. „Wäre ich doch nie hierher gekommen“, sagt er.

„Ja, diesmal kann ich dich noch retten“, sagt sie, „und es ist nicht gewiß, ob ich dich öfter retten kann. Nun legst du dich schlafen, und dann sorge ich für das übrige, aber du vergißt mich darüber trotzdem.“

„Nein, ich werde dich nie vergessen“, sagt er.

Da liefen alle Leute auf dem Platz zusammen, und sie bauten das Haus und hatten es auch bis zum Abend fertig.

Da sagt das Mädchen zu dem Knecht:

„Heute nacht laufen wir am besten weg, denn der Zwergenmann ist auch auf mich böse, er glaubt, ich hätte dir geholfen.“

Dann spuckte sie auf die Feuerzange und sagt zu ihr:

„Wenn Mutter spricht, so antworte!“

Und sie geht zum Bett und spuckt hinein und sagt ebenso: „Wenn Mutter spricht, so antworte!“

Und sie spuckt auf den Herd und sagt:

„Wenn Mutter spricht, so antworte!“

In diesem Bett hatten sie ja beide nachts gelegen.

Als die anderen auf dem Hof zur Ruhe gegangen sind, laufen die beiden davon.

In der Nacht wacht die Zwergenfrau auf:

„Jetzt sind sie weg, jetzt sind sie weg“, sagt sie.

„Nein“, sagt der Zwerg.

„Ruf sie doch!“

Da ruft er: „Junker Adam, Jungfer Eva!“

„Ja!“ ruft es von der Spucke.

„Halt jetzt deinen Rand, Alte“, sagt der Zwerg zu seiner Frau, „jetzt kannst du doch hören, daß sie das Feuer besorgt.“

Und als sie eine Zeitlang gelegen haben, da wacht die Zwergenfrau wieder auf und brüllt:

„Jetzt sind sie weg, jetzt sind sie weg!“

„Ach, ruf sie doch!“

Sie ruft: „Junker Adam, Jungfer Eva!“

„Ja“, sagt die Spucke vom Herd.

„Jetzt kannst du doch hören, daß sie da sind und ins Bett gehen wollen.“

Dann liegen sie wieder eine Weile, und da fährt die Zwergenfrau auf und schlägt die Hände zusammen und ruft:

„Jetzt sind sie weg, jetzt sind sie weg!“

„Ja, ruf sie“, sagt er.

Sie ruft:

„Junker Adam, Jungfer Eva!“

„Ja“, antwortet es aus dem Bett.

„So, jetzt sind sie im Bett, und halt nun dein Maul.“

Nach einiger Zeit wacht die Alte abermals auf und brüllt:

„Jetzt sind sie weg, jetzt sind sie weg!“

„Ruf sie doch.“

Sie ruft auch, aber jetzt war es aus, jetzt kam keine Antwort mehr.

„Ich hab’s dir ja gesagt“, schimpft sie und fährt aus dem Bett. „Rasch, zieh dir Kleider an und lauf ihnen nach!“

Er nimmt einen großen Stock in die Hand und rennt los, so schnell er kann.

Da sagt Jungfer Eva zu dem Knecht:

„Blick dich um, ob du nicht etwas sehen kannst.“

Nein, er konnte nichts sehen.

Ein wenig später sagt sie wieder:

„Blick dich um, ob du etwas sehen kannst.“

„Ja, jetzt kommt unser Vater mit einem großen Stock in der Hand.“

Da verwandelt sie sich in eine alte Mähre und ihn in einen alten Gaul, und sie stehen am Wegesrand und knuffen sich. Der jämmerliche Kerl rannte so schnell vorbei, daß ihm die Zunge bis zum Knie hing, und konnte nichts finden. Schließlich kehrt er nach Hause zurück.

„Hast du nichts gesehen?“ fragt die Frau.

„Doch, das erste, was ich sah, das waren zwei Schindmähren, die standen da und knufften sich, aber ich bin an ihnen vorbeigelaufen, und weiter habe ich nichts gesehen.“

„Oh, was bist du für ein Dummkopf“, sagt sie, „das waren sie und niemand sonst. Du mußt wieder los.“

Er stürzte davon, so schnell er konnte.

„Blick dich um“, sagt Jungfer Eva.

„Ja, jetzt kommt unser Vater wieder.“

Da verwandelt sie sich in eine Schmiede und ihn in einen Burschen, der die Schlacken hinaustragen mußte. Nun kommt der Zwergenmann, so abgehetzt, daß ihm die Zunge bis zum Knie hängt, aber er findet nichts, und da muß er wieder umkehren.

„Hast du nichts gesehen?“ fragt die Frau.

„Ja, ich habe nichts weiter gesehen als eine Schmiede und dann ein Kerlchen, das Schlacken hinaustrug.“

„Oh, du Dummkopf“, sagt sie, „das waren sie und niemand sonst. Jetzt will ich selber los.“

Sie nimmt einen großen Stock in die Hand und zieht ihre abgewetzten Schuhe an, und dann rennt sie, alles was sie kann.

„Blick dich um“, sagt Jungfer Eva.

„Ja, jetzt kommt unsere Mutter — was sollen wir nur tun?“

Sie laufen in eine Niederung, und da gießt Jungfer Eva ein paar Tropfen aus einem Krug, den sie in ihrer Tasche hatte, und dann entsteht dort ein riesengroßer See, und danach verwandelt sie ihn in einen Enterich und sich in eine

Da kommt das alte Weib und erblickt die Ente und den Ente, und sie schwimmen auf dem See herum.

Enterich, und sie weiß wohl, wer sie sind. Also wirft sie sich auf den Bauch und will den See austrinken. Doch durch einen Fehler, den sie dabei machte, platzt sie — sie konnte es nicht verkraften, und nun ist sie ja tot. Da werden der Enterich und die Ente wieder zu Junker Adam und Jungfer Eva, und sie laufen weiter.

„Jetzt habe ich dich von allem Bösen errettet“, sagt sie, „und jetzt sieh zu, daß du mich nicht vergißt.“

Nein, das wollte er auch nicht. Dann reisten sie in seine Heimat. Als er nun zu seiner Wohnung kommt, da will sie draußen bleiben.

„Jetzt sieh zu, daß dich niemand küßt, weder deine Mutter noch irgendeine andere“, sagt sie, „denn sonst vergißt du mich.“

Ja, darauf wollte er schon achtgeben. Er geht hinein, Jungfer Eva aber baut sich ein Häuschen dicht an der Landstraße. Zu Hause freuten sie sich über ihn, und als er schlief, ging seine Mutter zu ihm und küßte ihn, und da hatte er Jungfer Eva vergessen.

So vergeht eine Zeit. Auf diesem Hof waren drei Knechte, das waren Brüder, und sie hörten von der Jungfer reden, die sich ein Haus an der Landstraße gebaut hatte. Da kommt der älteste auf den Gedanken, er wolle nachts bei ihr liegen, und er geht zu ihr und unterhält sich mit ihr und verlangt ein solches Nachtlager.

Sie sagt ja, will aber zweihundert Taler dafür haben, und zwar im voraus, denn man habe schon versucht, sie anzuführen, sagt sie. Am Abend bringt er auch die zweihundert Taler, und sie wirft die Kleider ab und geht zum Bett, und da will er ja auch hin.

„Ach, ich habe vergessen, die Tür zu schließen“, sagt sie.

„Das kann ich tun“, sagt er.

„Sag mir, wenn du sie gefaßt hast.“

„Jetzt habe ich die Tür gefaßt.“

„Du hältst die Tür, und die Tür hält dich, und da hüpft ihr und springt ihr, bis morgen früh die Sonne kommt und ich dich erlöse.“

So sprang er nun die ganze Nacht. Als die Sonne kam, stand Jungfer Eva auf und erlöste ihn. Er geht nach Hause zu seinen Brüdern, und sie fragen ihn, wie es ihm in dieser Nacht ergangen sei.

„Oh“, flucht er, „so eine Nacht habe ich mein Lebtag nicht gehabt.“

Da glauben sie, es sei ihm sehr gut ergangen, und nun wollten sie auch zu dieser Jungfer. Am nächsten Tag geht der zweite Knecht zu ihr und verhandelt mit ihr darüber, und sie wollte vierhundert Taler haben, und es sollte bezahlt werden, bevor er ins Bett käme, denn sie sei einmal angeführt worden, sagt sie, und das wollte sie nicht öfter. Am Abend geht er zu ihr und bezahlt das Geld, und sie wirft die Kleider ab und eilt ins Bett.

„Ach, ich habe vergessen, das Feuer zu besorgen“, sagt sie, „denn es ging alles so schnell.“

„Das kann ich wohl tun“, sagte er.

„Ja, ich habe so eine merkwürdige Feuerzange, sag mir Bescheid, wenn du sie in der Hand hältst.“

Da geht er zum Herd und findet die Feuerzange.

„Jetzt halte ich sie“, sagt er.

„Ja, die Feuerzange hält dich und du hältst die Feuerzange, und da hüpft ihr und springt ihr durch den Schornstein, bis morgen früh die Sonne kommt und ich dich erlöse.“

So flog er die ganze Nacht dort draußen auf und ab und so lange, bis die Sonne aufging und die Jungfer kam und ihn erlöste. Da kehrte er heim zu den anderen.

„Wie ist es dir heute nacht ergangen?“ fragen sie.

„So eine Nacht habe ich noch nie erlebt“, sagt er.

„Da will ich auch hin“, sagt der dritte Bruder zu sich selbst, „wenn es den anderen so gut ergangen ist, dann will ich es auch versuchen.“

Er geht zu der Jungfer und verhandelt mit ihr und soll ihr für diese Nacht fünfhundert Taler geben. Das will er auch tun und kommt am Abend wieder zu ihr. Sie beeilt sich nun und wirft die Kleider ab und schlüpft ins Bett, und er hatte die fünfhundert Taler ja schon bezahlt, denn sie hatte sie im voraus verlangt — sie sei einmal angeführt worden, und das sollte nicht öfter geschehen. Da wollte er auch aus den Kleidern.

„Da fällt mir ein — ich habe ein Kälbchen und habe vergessen, ihm Milch zu geben.“

Das könne er wohl tun, er habe oft genug ein Kalb gefüttert.

„Ja, das ist so ein merkwürdiges Kalb, du mußt es am Schwanz anfassen, sonst will es nicht trinken, und sag mir Bescheid, wenn du es hältst.“

„Jetzt habe ich den Schwanz gefaßt“, ruft er.

„Ja, so hält der Schwanz dich, und du hältst den Schwanz, und da hüpft ihr und springt ihr über Hügel und Berge und Kirchtürme, bis ich dich morgen früh erlöse.“

Da flog er nun mit dem Kalb die ganze Nacht, als aber am Morgen die Sonne sich über die Erde erhob, da kehrte er mit dem Kalb zu ihrer Tür zurück.

Jungfer Eva kommt zu ihm hinaus und sagt:

„Jetzt kannst du nach Hause gehen“, und damit war er von dem Kalb erlöst. Er war so in Schweiß gebadet, daß er wohl sagen konnte, er habe sein Vergnügen gehabt, und das konnten sie alle drei behaupten.

Als eine Zeit vergangen war, da wollte Junker Adam heiraten, und es sollte ein großes Fest gefeiert werden. Auf dem Weg zur Kirche mußte die ganze Hochzeitsgesellschaft an Jungfer Evas Haus vorüber, und ihr Misthaufen lag so dicht an der Straße, daß sie nicht daran vorbei konnten.

Nun fährt ein Wagen nach dem anderen in diesem Haufen fest. Den ersten Wagen kutschierte der Knecht, der in der letzten Nacht bei der Jungfer gewesen und mit dem Kalb gesprungen war. Als nun die Pferde den Wagen nicht herausziehen konnten, da holte er noch zwei dazu, und sie spannten also vier Pferde vor, doch der Wagen ließ sich trotzdem nicht bewegen.

Da sagte der Knecht: „Laß uns ins Haus gehen und dort ein Kalb leihen und es beim Schwanz fassen, denn ich bin sicher, daß es den Wagen ziehen kann.“

Alle Wagen hielten ja hintereinander und konnten nicht von der Stelle. Da mußte der Bräutigam aussteigen, und er geht hinein und fragt, ob er ein Kalb leihen könne.

Die Jungfer antwortet, er dürfe nicht glauben, sie wolle sich ihr Kalb verderben lassen, nein, daraus würde nichts.

Na, er läßt nicht locker.

„Ja“, sagt sie schließlich, „wenn Ihr auf dem Heimweg hier vorbeikommen und mich mit zur Hochzeit nehmen wollt, dann sollt Ihr das Kalb bekommen.“

Dem stand nichts im Wege, und so bekam er das Kalb und faßte es am Schwanz, und da flog der Wagen aus dem Loch wie eine Rakete.

Als sie von der Kirche zurückkehrten, da hielten sie vor ihrer Tür und baten sie einzusteigen, sie wollten sie mit nach Hause nehmen. Sie kommt mit und wird an die Tafel neben den Bräutigam gesetzt, denn sie standen ja nun sehr in ihrer Schuld. Als sie mit dem Essen fertig sind, holt sie zwei Tauben aus ihrer Tasche und setzt sie an das Ende der Tafel und legt der einen vier und der anderen fünf Gerstenkörner hin. Und die fünf nimmt das Männchen, und so bekommt das Weibchen nicht mehr als vier.

Da sagt Jungfer Eva:

„Sieh an, das Männchen betrügt das Weibchen, wie Junker Adam die Jungfer Eva betrog. Ich habe die Wiese gemäht, ich habe den Wald gefällt, was er am Tor schon vergessen hat.“

Na, jeder in der Stube und an der Tafel lauschte und horchte. Da plötzlich kehrt Junker Adams Gedächtnis zurück.

„Wenn du es gewesen bist, die mich erlöst und so viel Schlimmes für mich erduldet hat“, sagt er, „dann will ich dich haben und mit dir nach Hause fahren und die andere Gott befehlen.“

Ja, das war sie, und jetzt konnte er sie ganz genau erkennen.

Damit war die ganze Hochzeit aus, und Junker Adam fuhr mit Jungfer Eva zu ihrem Häuschen, und dann haben sie geheiratet und leben dort glücklich miteinander.

6

Hans mit dem Goldhaar

Vor vielen Jahren war einmal ein Mann, der hatte drei Söhne. Die beiden ältesten waren große, stattliche Kerle, und an ihnen hatte er stets große Freude; den jüngsten aber, den konnte man beinahe einen Schwachkopf nennen. Er hieß Hans und half meistens in der Küche, und niemand machte sich etwas aus ihm.

Eines Tages fragte ihn der Vater, ob er nicht ausziehen und sich einen Dienst suchen wollte. Aber der Jüngste wollte sich dazu nur überreden lassen, wenn auch die anderen beiden, die älter und größer und stärker waren, ausziehen und dienen wollten. Darüber dachte der Vater eine Weile nach. Die älteren Jungen mochte er nicht aus dem Haus schicken, die brauchte er ja zum Pferdetreiben und ähnlichem. Schließlich aber hatte er herausgefunden, wie er Hans hinters Licht führen konnte — den anderen