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Schwangerschaft und Geburt werden immer noch durch zum Teil Jahrtausende alte Mythen und abergläubische Befürchtungen in einem höheren Maße verbrämt, als es selbst manch einem Mediziner bewußt wird. Es wird Zeit, den Eltern endlich die "gute Hoffnung" wiederzugeben, ohne sie mit nur blinder Naturgläubigkeit allein zu lassen. Logik und biologische Fakten, die sich nicht von der Hand weisen lassen, beweisen, dass es keinen Grund gibt, Angst und Sorge zu haben. Wer versteht, wie ungemein sorgfältig unser Körper mit unseren Kindern verfährt, während sie in uns heranwachsen, kann informierte, intelligente Entscheidungen treffen. Diagnosen sind keine Therapien und der Kaiserschnitt rettet nur in einer von hundert Geburten die Mutter und/oder das Kind. Diese Geschichte soll mit den unsinnigen Vorstellungen über eine Gefährdung des Kindes durch ominöse Risiken aufräumen und helfen, der Gebärmutter und ihrer immensen Kompetenz (wieder) zu vertrauen.
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Danke Stella!
ein aufklärendes Heb-Ammenmärchen.
für meine Kinder, Pia und Carl
Verfasserin :
Monika Eckardt
Umschlagfoto :
der Ablichter Fotografie,www.der-ablichter.com
Verlag :
tredition GmbHHalenreihe 40-44D-22359 Hamburg
ISBN :
Paperback: 978-3-347-27049-7Hardcover: 978-3-347-27050-3ebook: 978-3-347-27051-3
Impressum
1. Kapitel: Das große Finale
„Weiter, weiter, Du machst das großartig !
Die Hebamme feuert Stella voller Begeisterung an. Sie sitzt zu meinen -und Stellas- Füßen auf dem Boden und schaut mit freudigem Gesichtsausdruck zwischen Stellas gespreizte Beine.
Ich sitze hinter meiner angebeteten Traumfrau und halte ihr die Hände. Ich glaube nicht, dass sie viel davon mitbekommt, ich dafür umso mehr, denn meine Hände werden von den ihren so heftig gequetscht, dass es nicht unerheblich weh tut.
Ich durchlebe diesen Moment in einer seltsamen Art von Rausch. In meinem Kopf ist ein ungeheures Getöse. Mein Verstand ist wahnsinnig vor Angst, etwas könnte jetzt, auf den letzten „Metern“ der Geburt unseres Kindes noch „schiefgehen“.
Sollte ich vielleicht doch zum Handy greifen und einen Rettungswagen nebst Notarzt rufen ?
Mein Blick irrt durch den Raum und wird von den ruhig wissenden Augen der Hebamme aufgefangen. Sie hat meine Not bemerkt und richtet ihre professionelle Aufmerksamkeit auf mich, wartet, bis ich den Blickkontakt sicher erwidere und sagt dann sehr leise : „Keine Sorge. Euer Baby ist gleich da. Es ist alles in bester Ordnung“.
Ich greife nach ihrer Zuversicht wie ein Fluggast in Panik nach dem Ärmel der Flugbegleiterin…Ist wirklich alles gut ? Ja, wir sind sicher, schauen sie mal, wir machen sogar den Service weiter…alles fein…
Ich versuche, mich zu entspannen aber die Gewalt der Natur lässt mir keine Zeit, denn die nächste Presswehe rollt heran.
Stella nimmt sie wie ein Surfer, in dem Moment, in dem sie „bricht“, presst sie laut schreiend den Kopf unseres Kindes in die Welt.
Fassungslos und staunend vor Ehrfurcht schaue ich auf das kleine Köpfchen herunter und noch während ich mich frage, wie um des lieben Gottes Willen sowas überhaupt möglich ist, wendet und windet sich das Kind beinahe wie von selbst restlos aus seiner sicheren Umgebung hinaus in die wartenden Hände der kundigen Frau.
Worte können nicht beschreiben, was ich in diesem Moment empfinde.
Grenzenlose Erleichterung gepaart mit der übergroßen Freude über das Glück, ein gesundes Kind zu haben, als es laut protestierend und sehr schnell rosig werdend die entsetzlich kalte und viel zu große Welt ausserhalb seiner Mutter begrüßt, lassen meine Augen und mein Herz überlaufen.
Ich weine vor Glück, ohne es zu merken. Die Tränen laufen mir einfach so die Wangen herunter und ich schwöre, ich war noch nie im Leben so glücklich.
Danke, Stella !
2. Kapitel: Unverhofft kommt oft, oder: des Einen Freud´…
Der Tag, an dem Stella und ich uns zum ersten Mal trafen, war eigentlich der Tag an dem ich Rosa, meine damalige, langjährige Freundin heiraten wollte.
Heute glaube ich, dass im Leben rein gar nichts zufällig geschieht. Hätten wir uns unter weniger dramatischen Umständen getroffen, wir hätten die Aufgabe, die uns das Leben stellte, sicher nicht erfüllen können.
Es war ein Freitag der 13…Rosa wollte unbedingt an diesem Tag heiraten, das bringe uns Glück, meinte sie immer.
Sehr wahrscheinlich hat sie ihre Meinung nach diesem denkwürdigen Tag revidiert.
Das Schicksal ist manchmal mit einem sehr seltsamen Sinn für Humor beseelt, denn es stellte sich heraus, dass dieser Tag vor allem mir Glück brachte, denn die Standesbeamtin, die unsere 3-jährige „wilde“ Ehe legitimieren sollte, war keine Andere als Stella.
Bis zu dem Alles entscheidenden Moment lief alles normal. Die Vorbereitungen zur Trauung hatten ein halbes Jahr in Anspruch genommen und wie es oft vor solch großen Ereignissen der Fall ist, waren wir alle derartig gestresst, dass wir letztendlich nur noch alles ohne größere Katastrophen hinter uns bringen wollten.
Alles war bereit. Die Feier, das Restaurant mit Essen, Musik und Wein, alles zuvor durchgekostet und für gut befunden, die Tischordnung, die uns mehr als einen deftigen Streit eingebracht hatte, der Fotograf, der DJ, und zu guter Letzt: eine Woche Flitterwochen auf den Malediven.
Was Klischees anbelangt, hatten wir wirklich, bis auf meinen Junggesellenabschied, keines ausgelassen.
Ich gebe das nur ungern zu, aber ich hatte damals schon eher das Gefühl, ein Theaterstück zu inszenieren, als unsere Liebe auf bürgerlich solide Füsse zu stellen. Vielleicht ging es Rosa auch so, aber irgendwie schienen wir uns hier gewaltig etwas vorzumachen, denn ich empfand überhaupt keine Vorfreude, keine festliche Rührung, noch nicht einmal Angst.
Alles nahm seinen geplanten Lauf.
Exakt bis zu dem Augenblick, in dem Stella den Raum betrat. Mein bisheriges Leben löste sich quasi von einem Augenblick zum nächsten vollständig auf. Nichts war mehr wichtig. Ich starrte sie an wie eine Erscheinung. Sah sie hinter den festlich dekorierten Schreibtisch treten und in die Runde lächeln. Ihr Mund öffnete sich zu einem herzlichen Lächeln und sie sagte: „Guten Morgen zusammen!“
Meine Beine wurden weich und ich kippte um.
Ich weiß nicht, wie lange ich weg war. Ich erwachte, weil mich irgendwer unsanft schüttelte und mir, als ich einfach nur teilnahmslos in die aufgeregten Gesichter blinzelte, kräftig ins Gesicht schlug.
Es war Rosa. Ihr Gesicht glühte vor Scham. Sie zischte mich an:„ Sag mal, was ist den LOS mit dir ?“ Dieses „LOS“ wurde von einem hysterischen Crescendo betont, dann zeterte sie weiter: „Mußt Du denn IMMER so eine Show abziehen? Meine Güte, jetzt REISS dich doch mal zusammen…!“ „Ich bin wieder ok, alles gut, bitte um Entschuldigung, ich weiss auch nicht, was mit mir….“ stammelte ich zusammenhangslos, in diesem Augenblick trafen sich Stellas und mein Blick und ich konnte den Satz nicht beenden.
Ich stand auf, rückte meine verrutschte Krawatte zurecht, strich mir die Haare aus dem Gesicht und verkündete mit zittriger Stimme : „Es tut mir leid, aber ich kann Dich nicht heiraten, Rosa, ich kann nicht, ich, es wäre ein Fehler…ein schrecklicher Fehler, ich habe keine Ahnung, was hier passiert, aber ich weiß genau , ich kann heute unmöglich heiraten….“
Mit diesem melodramatisch irrsinnigem Statement in den Ohren der Anwesenden drehte ich mich auf dem Absatz meiner schicken Schuhe um und verließ fluchtartig den Raum, das Gebäude und mein altes, gewohntes Leben.
Der restliche Tag der geplanten Hochzeit verlief wie ein Alptraum in dem man dauernd versucht wegzulaufen, sich aber nicht von der Stelle bewegen kann.
Nachdem ich aus dem Standesamt geflohen war, irrte ich ziellos durch die nähere Umgebung. Was sollte ich tun ?
Stellas Gesicht stand wie das Nachbild eines Blitzlichts auf meiner Netzhaut. Ihre Haut. Ihre Augen. Ihre Haare. Ihre Figur. Ich war immer noch wie betäubt von dem Schock, den ihr Anblick in mir ausgelöst hatte.
Ich wußte buchstäblich nicht, wie mir geschah. Ich konnte mir, so seltsam das auch klingen mochte, ein Leben ohne diese Frau nicht mehr vorstellen…mein Herz war völlig eindeutig. DIE oder keine.
Mein Verstand dagegen lief förmlich Amok.
„Bist du völlig verrückt geworden ? Wegen einer hübschen Frau, die du überhaupt nicht kennst, blamierst du deine langjährige Gefährtin ? Bist du denn von allen guten Geistern verlassen ? Das ist Wahnsinn! Das Leben ist keine Rosamunde-Pilcher-Romanze ! Spinnst du !?….“ und so weiter und so weiter.
Mein Verstand hatte Recht. Natürlich war das Irrsinn. Aber ich hätte es einfach nicht fertiggebracht, eine Urkunde in Gegenwart DIESER Frau zu unterschreiben, die mich an eine andere bindet, als sie…nur warum ?
Alles Überlegen, Räsonieren und Rekapitulieren war nutzlos. Meine Gedanken drehten sich im Kreis. Ich musste zurück.
Als ich endlich das Standesamt erreichte, war kein Mensch mehr zugegen, offenbar hatten alle anderen Teilnehmer und Zeugen des Dramas möglichst schnell den Ort des Geschehens verlassen. Nachvollziehbar, wie ich fand. Was soll man auch auf einem Standesamt ohne Bräutigam..
Stella war auch nirgends zu sehen..damals wußte ich noch nicht, dass sie so einen bezaubernden Namen hat, vermutlich war sie wieder in einem der vielen Dienstzimmer verschwunden, um irgendwelchen frisch gebackenen Eltern Geburtsurkunden auszuhändigen.
Ein Gedanke durchfuhr mich: „Oh mein Gott, stell dir bloß vor, du hättest heute nicht heiraten, sondern dein neugeborenes Baby amtlich machen wollen..… es geht eben immer noch schlimmer…“
So gesehen hatten wir noch mal Glück gehabt..aber das hätte Rosa sicher ganz anders gesehen.
Mit einem ziemlich mulmigen Gefühl im Bauch zückte ich mein Handy, rief ein Taxi und ließ mich nach Hause chauffieren.
Dort angekommen war mir so flau im Magen, dass ich mich am liebsten in Luft aufgelöst hätte…wie ein kleiner Junge, der beim Klauen erwischt wurde, schloß ich mit bangem Herzen die Tür auf und betrat die Wohnung.
Es war alles still. Kein Laut war zu hören. Rosa war nicht da. Um ganz genau zu sein: Niemand war da. Seltsamerweise war ich irgendwie enttäuscht. Ich hatte mich auf eine grässliche Szene eingestellt…etwas, das mit fliegendem Geschirr und bösen Flüchen einhergegangen wäre und diese Spannung aus mir herausgelassen hätte. Stattdessen stand ich alleine im Wohnzimmer und hatte überhaupt keine Ahnung, was ich nun tun sollte.
Alkohol. Nur Alkohol konnte mich jetzt retten. Ja, ich weiß, damit kann ich keine Lorbeeren ernten, aber hey…ich bin auch nur ein Mensch.
Nach einer Flasche Sekt (was anderes war nicht da, davon aber reichlich und sogar gekühlt) ging es mir schon besser. Was sollte groß passieren, redete ich mir beduselt ein… schließlich waren wir ja emanzipiert..konnte ein Mann nicht auch eine Nervenkrise bekommen vor dem Bund der ewigen Treue ?…..Nein, sagte mein Verstand, sooo einfach ist das nicht. Du hast sie einfach stehen lassen…bist weggelaufen….um Himmels willen….
Nach einer Stunde trübem Gedanken-hin-und-her-schieben und einer weiteren halben Fasche schlief ich schließlich sturzbetrunken auf dem Sofa ein.
3. Kapitel: Stunde der Wahrheit und Scherben bringen Glück
Das böse Erwachen am nächsten Morgen kann sich vermutlich jeder einigermassen bildhaft vorstellen. Rosa war nicht nach Hause gekommen..und endlich kam ich auch auf die glorreiche Idee, sie anzurufen.
Das Gespräch verlief knapp. Sie wollte offenbar nicht mit mir reden. Verletzter Stolz-zu Recht !- und tiefe Enttäuschung sowie vollständige Verständnislosigkeit-ebenfalls völlig natürlich- schnürten unseren Dialog auf wenige Sätze zusammen, der ungefähr so verlief :
Sie schnappte: „Aha. du lebst noch. wie schön“
Ich gab kleinlaut zurück: „Ja, ich …also äh….es tut mir leid, dass ich mich erst jetzt melde, aber ich habe mich gestern noch besoffen…“
Sie lachte freudlos: „Was für eine Überraschung, was auch sonst ?“
Ich fragte dümmlich : „Wo bist du ?“
Sie, mit zugegebenermaßen relativ sarkastischem Unterton: „Im Hotel. Hatte eine richtig geile Hochzeitsnacht mit meiner Trauzeugin…. schon vergessen ?“
Au Backe. Ja, das hatte ich tatsächlich vergessen..…wir hatten ja eine Nacht im besten Hotel der Stadt gebucht….Honeymoon-Suite….mir wurde schon wieder schlecht.
Ich konnte nur noch ein : „Ich muss auflegen…mir ist schlecht“ hervorwürgen, dann hörte ich noch, wie sie laut in den Hörer brüllte: „Jaja, kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort, du A……“ dann stürzte ich zum Bad um meinen jämmerlichen Mageninhalt von mir zu geben.
Eine Stunde später kam sie nach Hause…mit roten Augen und soviel Trauer im Gesicht, dass mein Magen schon wieder eine neue Umdrehung angehen wollte…aber mit aller Macht rang ich ihn nieder und nahm sie vorsichtig in die Arme.
„Rosa….ich weiß nicht, was in mich gefahren ist…es tut mir so leid….“
„Wenn du dich noch ein einziges Mal entschuldigst, schlage ich dich bewusstlos“
„Ok, ja, du hättest ja jedes Recht dazu…lass uns darüber reden, ok ?“
„Ja.das sollten wir wohl…aber ehrlich gesagt will ich gar nicht wissen, was da gestern passiert ist…“
„Nicht ?“ In mir keimte Hoffnung auf. Sollte sie mir tatsächlich vergeben und die Sache mit der abgeblasenen Hochzeit einfach so auf sich beruhen lassen ? Soviel Glück konnte doch kein Mensch der Welt haben..… oder vielleicht doch ?
Rosa sah mir ins Gesicht. Sie kannte mich, leider viel zu gut. Sie konnte den aufkeimenden Hoffnungsschimmer in meinen Augen sehen und brüllte mich an: „NEIN, du armseliges Häufchen nichtsnutziger Scheisse…… ich hasse dich…warum hast du das getan?? Was ist denn in dich gefahren? Warum bist du denn weggelaufen? Was habe ich getan, um DAS zu verdienen?“… der Rest wurde unverständlich, da sie nun doch anfing zu weinen….völlig haltlos und so verzweifelt, dass es mir ebenfalls die Tränen in die Augen trieb.
Es war aber doch völlig unmöglich, ihr meinen Gefühlserdrutsch im Herzen wegen Stella zu gestehen, dachte ich. Es wäre einfach zu grausam gewesen…dafür liebte ich auch sie doch zu sehr…immerhin waren wir einige Jahre zusammen gewesen …wir waren Freunde…und ein Paar..zumindest bis gestern…
Also weinten wir eben zusammen…bis sie sich irgendwann losmachte und in die Küche schlurfte, um sich einen Kaffee zu machen.
Ich schlich schuldbewusst hinterher, Gott, fühlte ich mich grässlich…wäre ich ein Hund, hätte ich vermutlich den Schwanz eingekniffen und gewinselt, was das Zeug hält.
Aber winseln und kneifen half nicht. Ich war kein Hund. Nur in Rosas Augen. Und zwar einer von der ganz gemeinen Schweinesorte.
Ein Vierteljahr später zog Rosa aus. Es waren schreckliche Wochen seit dem Eklat im Rathaus. Wochen voller bitterer Vorwürf, vieler Tränen, entsetzlichem Schweigen, getrennter Betten und völligem Unverständnis auf Seiten Rosas. Und nicht nur das: Keiner meiner Freunde konnte mich verstehen. Kein Einziger.
Kein Wunder. Ich erklärte mich niemandem. Es war nicht zu erklären…wie sollte ich das irgendjemandem erklären?
4. Kapitel: Kommissar Zufall in Aktion
Unser Kampf dauerte wie gesagt drei Monate und ich erspare euch nun die Tränen und Szenen und Gemeinheiten, die wir uns gegenseitig an den Kopf warfen, als wir unsere Beziehung auflösten…warum können Menschen das bloß nicht ohne Kampf und Vorwürfe absolvieren ? Ich habe leicht reden, wäre ich an Rosas Stelle gewesen, ich hätte mich wohl genauso verletzt gefühlt.
Ich hatte Stella nicht im Geringsten vergessen. Es wäre mir beinahe lieber gewesen, denn vielleicht hätten Rosa und ich dann doch noch die Kurve gekriegt, aber sie war morgens mein erster und abends mein letzter Gedanke. Ich hatte ihr Gesicht deutlich vor Augen, es verblasste kein bißchen. Ich unternahm allerdings zunächst nichts. Ich hätte mich womöglich noch niederträchtiger gefühlt, wenn ich hinter Rosas Rücken versucht hätte, herauszufinden, wer die geheimnisvolle Frau war, die mit einem Schlag mein Leben umgekrempelt hatte.
Nach Rosas Auszug genoß ich die Stille, die bereinigte Atmosphäre und meine Freiheit. Die Luft war, als wir noch wie zwei wütende Hunde umeinander geschlichen waren, eisig und gleichzeitig zum Schneiden gewesen…ich frage mich heute, wie in aller Welt ich das so lange ausgehalten habe. Aber mein schlechtes Gewissen hatte die ganze Zeit nur dafür gesorgt, dass ich mich klein machte und Rosa in Allem Recht gab. Es half nicht.
Ich hatte vor, nun endlich Erkundigungen über die Unbekannte einzuholen, natürlich im Internet. Ich bildete mit ein, dass das bestimmt ganz leicht sein würde. Immerhin wußte ich ja, wo sie arbeitete, zumindest dachte ich das.
Meine Anfrage am Standesamt blieb unbeantwortet, niemand hatte offenbar das Bedürfnis meine Neugier zu befriedigen, also ging ich selber hin.
„Guten Tag, ich ähm, also ich habe hier vor drei Monaten an einer Hochzeit teilgenommen, also nicht wirklich teilgenommen, genau genommen fand die Trauung gar nicht statt, aber ich habe eine Frage bezüglich der Standesbeamtin, die an dem Tag für uns da sein sollte, könnten Sie vielleicht einmal nachsehen, wer am betreffenden Tag (ich nannte das Datum, DAS würde ich sicher auch nie vergessen) hier Dienst hatte ?
„Es tut mir sehr leid aber aus Datenschutzgründen ist das leider nicht möglich“, wurde ich rüde abgewiesen.
Hier war also nichts zu holen. Ich schlich durch die Gänge des Gebäudes und las jeden einzelnen Namen an den Dienstzimmern. Es waren-bis auf zwei-ausschliesslich Männer.
Na, das ist doch super, freute ich mich schon, dann brauche ich ja nur die Durchwahl herausfinden ..und die betreffenden Damen unter einem Vorwand anrufen…oder ?
Ich würde die Stimme derjenigen, die mir derartig den Kopf- und das Herz-verdreht hatte, ganz sicher wiederkennen.
Zu meiner Enttäuschung waren die beiden Damen, mit denen ich dann sprach, aber ganz sicher nicht mit der identisch, die ich suchte…keine der Stimmproben hielt dem Vergleich stand.
Ich war also völlig unwissend. Offenbar arbeitete diese Frau hier gar nicht, vielleicht hatte sie ausgeholfen, was weiß ich denn schon, wie solche Ämter organisiert wurden ? Wie sollte ich sie bloß finden ? Leichte Panik stieg in mir auf, denn die Welt ist groß, und wenn man einen ganz bestimmten Menschen sucht, von dem man noch nicht mal den Namen kennt, muss ein kleines Wunder geschehen, damit man eine Chance hat.
Und das Wunder geschah. Ich rief noch einmal bei einer der Kolleginnen an und entschied mich, mit offenen Karten zu spielen. Frauen lieben das.
Ich schilderte also die ganze Geschichte inklusive Scheitern meiner Beziehung zur einstigen Braut und die Dame liess sich erweichen.
Sie sagte :
„Ja, das kann nur Stella Sorgenfrei gewesen sein. Eigentlich wäre ich ja an dem Tag im Dienst gewesen, aber ich war krank….sie arbeitet nicht mehr hier, sie hat sich versetzen lassen“.
„Können sie mir denn sagen, wo ich sie finden kann ?“
„Nein, beim besten Willen nicht. Aber sie haben ja jetzt den Namen. Viel Glück !“
Mit dieser Information legte sie auf und ich ging sofort ins Internet. Wer einen solchen Nachnamen hat, der fällt auf… hoffentlich war sie sich darüber nicht im Klaren.
Ich wurde sehr schnell fündig. Stella hatte einen Account bei Facebook… und ich sandte ihr eine Freundschaftsanfrage……. die sie leider nie beantwortete.
Manche Menschen haben zwar einen Account bei der großen Datenkrake, aber sie gehen dort nur sehr selten online, offenbar gehörte meine Angebetete auch dazu.
Also durchforstete ich ihr Profil, um mehr über sie herauszufinden. Fehlanzeige.
Es vergingen ein paar Wochen. Ich entwickelte mich zum übelsten Stalker, fand sie bei anderen sozialen Netzwerken und wurde leider permanent ignoriert.
Es war die Hölle. Sollte das alles nur eine verrückte Schnapsidee meines Unterbewusstseins gewesen sein, um mich vor der Ehe zu drücken ?
Schließlich half der Kommissar Zufall aus, denn wir liefen uns -ausgerechnet beim Zahnarzt- über die Füsse.
Dieses Mal war mal zur Abwechslung sie geschockt, ich hingegen freute mich einfach nur. Also war sie doch kein Phantom, sondern ein realer Mensch. Meine Freude kannte keine Grenzen. Ich sprach sie sofort an :
„Kennen wir uns nicht von irgendwoher ?“ Gott, hörte sich das lahm an. Aber es entsprach ja der Wahrheit…wir kannten uns ja wirklich. Von irgendwoher.
Sie hatte keine Ahnung woher, aber wie ich mit einem herrlichen Kribbeln im Bauch feststellen konnte, sah sie mir lange in die Augen…wurde rot und sah dann auf den Boden.
„Ja, du kommst mir auch bekannt vor..aber ich kann mich nicht erinnern, woher“
Na toll. Ich hatte also hier die Chance, mir eine schöne, schmeichelhafte Lügengeschichte auszudenken und damit die Sache eventuell direkt zu vergeigen, oder mit der merkwürdigen Wahrheit herauszurücken. Die Wahl fiel mir nicht schwer, ich entschied mich für die geplatzte Zeremonie inklusive Ohnmacht, allerdings wollte ich ihr das lieber in einem privateren Rahmen in Erinnerung rufen.
Ich entschied mich also für einen Kompromiss und sagte: „Wie wäre es, wenn wir am Wochenende zusammen etwas unternehmen würden? Ich erinnere mich nämlich sehr genau, wo wir uns das erste Mal begegnet sind, aber das hier ist nicht der ideale Ort, diese Geschichte zu erzählen“. Mit einer Armbewegung deutete ich auf das Wartezimmer, in dem wir beide standen.
„Ja, gern.“ war ihre schlichte Antwort. „Ich gebe dir meine Nummer?“ Viel zu zackig sagte ich: „Oh ja, bitte, das wäre wohl gut“ Ich benahm mich wie ein Idiot. Ganz sicher bereute sie es schon, mir das Angebot gemacht zu haben. Hoffentlich gab sie mir nicht eine falsche Nummer, Herr des Himmels, ich war wirklich noch nie so nervös gewesen..
Aber die Nummer, die sie mir gab, war korrekt, wie ich am nächsten Abend erfreut feststellen durfte. Ich hatte mich mit Gewalt gezwungen, nicht schon am selben Abend anzurufen….ich wollte nicht allzu -sagen wir mal- „verzweifelt“ auf sie wirken.
Im Nachhinein gesehen waren meine Bedenken völlig überflüssig. Stella war sehr erfreut, und bald sahen wir uns jeden Tag.
Es war beängstigend intensiv. Wir stritten uns beinahe wöchentlich, aber nie zeigte sie diese ätzenden Hassgefühle, die Rosa mir gegenüber hatte durchscheinen lassen. Stattdessen machte sie eher einen Witz über meine „rückständigen“ Ideen. Sie war nicht von ihren, in meinen Augen, haarstäubend merkwürdigen Meinungen abzubringen, und verteidigte ihre seltsamen Ansichten wie ein Ritter den heiligen Gral. Aber sie sah mich immer mit derselben tiefen Wärme an und nie trennten wir uns im Zwist. Es war so leicht, mit ihr zusammen zu sein. Zum ersten Mal wußte ich, wie es sich anfühlt, bedingungslos geliebt zu werden.
Ich war im Himmel. Mein Herz hatte das damals sofort erkannt, als sie dort hinter dem Schreibtisch Haltung annahm: Die oder keine.
Nun gibt es ja hunderte, wenn nicht gar tausende von Liebesgeschichten und ganz sicher deutlich talentiertere Autoren, diese in Worte zu fassen, aber deswegen schreibe ich all das hier ja gar nicht auf.
Ich schreibe es auf, weil wir nach ca 6 Monaten eitlem Sonnenschein feststellen durften, dass Stella schwanger war.
Eine ungeplante Geschichte, eigentlich wollte ich keine Kinder und auch sie hatte nie darüber gesprochen. Ich hatte auch nicht den Eindruck gehabt, sie würde vielleicht meinetwegen dieses Thema nie anschneiden.
Wir hatten mit einem Kondom Pech gehabt….vielleicht hatte auch hier das Schicksal die Federführung, was weiß ich denn schon. Jedenfalls war es regelrecht geplatzt.
Das Ergebnis der göttlichen Sabotage unserer Familienplanung waren zwei sehr deutliche kleine Striche auf dem baldigst durchgeführten Schwangerschaftstest.
Mir wurde flau. Ein Baby ? Oh Gott, oh Gott. So eine große Verantwortung… sofort wurden alle Glaubenssätze über Verantwortung und Elternschaft meiner Eltern in meinem Kopf laut…..
Stella reagierte gelassen. Wie immer. Wenn man „Sorgenfrei“ heißt, dann färbt der Name vielleicht irgendwann auf den Charakter ab ?
5. Kapitel: Zwei Welten prallen aufeinander
„Ich will aber nicht heiraten ! Bitte, tu mir das nicht an!“, waren ihre ersten Worte …und ich musste zugeben, daran hatte ich tatsächlich auch sofort gedacht.
„Ich hatte ehrlich gesagt, gehofft, dass du das sagst…bitte versteh mich nicht falsch. Ich meine, ich möchte auf jeden Fall für immer mit dir zusammen bleiben, jetzt erst recht, aber das Thema „Heirat“ ist nicht gerade ….“
„Ja, ich weiß doch, ich weiss….Adam. Entspann dich. Ich will ja gar nicht so einen amtlichen Wisch ….ich habe auf dem Standesamt gearbeitet, schon vergessen ? Weißt du, wie oft ich da schon „Wiederholungstäter“ vor mir hatte ?“, zwinkerte sie mir zu.
„Ah, gut, dann wäre das Thema ja geklärt, Ich frage gleich meinen Kumpel Achim, der ist Frauenarzt, da haben wir dann bestimmt Sonderkonditionen…Ultraschall für umsonst und so…“
Das hätte ich wohl besser nicht gesagt. Ihre Miene versteinerte und zum ersten Mal sah sie mich abschätzig an. Das tat weh, was hatte ich denn getan ?
„Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass ich mir von deinem Kumpel (hier malte sie Gänsefüsschen in die Luft) zwischen die Beine gucken lasse…ganz zu schweigen von diesem bekloppten Ultraschall-Wahnwitz, den alle veranstalten, wenn ein Baby heranwächst..“
Oha. Das war also wohl eher nicht so schlau gewesen.
Ich war aber noch lange nicht bereit, mich kampflos geschlagen zu geben. „Und warum nicht ? Der Mann ist ja in erster Linie Arzt.“
„Falsch mein liebster Adam, der Mann ist in erster Linie ein Mann, noch dazu DEIN Freund. Nicht meiner. Wieso in aller Welt hast du bloß kein Problem damit, wenn der meine,… meine…also meine Genitalien zu sehen bekommt ?“
Mit diesem, mit sehr viel Empörung in der Stimme, ausgerufenen Satz ließ sie mich stehen, schnappte sich ihre Tasche sowie den Schlüssel und ging davon.
Ich begann nachzudenken, ja, warum hatte ich damit kein Problem? Weil es doch normal war, oder nicht ?
War es nicht absolut gängig, dass Frauen zum Arzt gingen, wenn sie schwanger waren ? Wollte sie womöglich nicht nur nicht zu Achim, sondern zu gar keinem seiner Kollegen in die Betreuung ? Es sähe ihr ähnlich, ich bekam es mit der Angst zu tun. Hier hatten wir womöglich nun ein ernstes Problem.
Ich wurde nervös. ich wußte, dass sie teilweise sehr seltsame Ansichten hatte, aber das hier war etwas anderes. Immerhin ging es hier um „mein“ Kind. Oder nicht ?
Stella gab mir viel Zeit zum Nachdenken. . Sie ließ mich via Nachricht wissen, dass sie bei einer Freundin bleiben würde und erst spät nach Hause käme…Zum Glück beendete sie ihre Nachricht wie immer mit einem kleinen Witz.…ich mußte mir also keine Sorgen machen, dass sie wirklich böse auf mich war.
Ich wußte mir nicht anders zu helfen und rief Achim an. Er beglückwünschte mich zur anstehenden Vaterschaft und fragte, ob Stella nun zu ihm in die Sprechstunde kommen wolle.
„Tja also das ist das Problem…sie will nicht…ich befürchte sie will gar nicht zum Arzt..ich kenne sie. Es würde zu ihr passen..ich mache mir Sorgen…“
Er sagte : „Kein Ding. Wenn Du reden willst, treffen wir uns in einer halben Stunde beim Italiener?“
Dieser Italiener war eigentlich ein Spanier aber das war erst seit wenigen Monaten so. Wir waren eben beim Wort „Italiener“ geblieben. Ein Kosename für das Restaurant sozusagen.
Wir waren immer dort, wenn wir uns trafen. Das war zwar immer seltener der Fall gewesen, aber er war mein Freund und kannte auch noch Rosa. Er war also auch mit dem irgendwie „magischen“ Beginn meiner Beziehung mit Stella vertraut.
“Nu sag mal, war das ernst vorhin ?“ wollte Adam ungläubig wissen.
Ich erwiderte etwas bekümmert: „Ja, absolut. Du kennst sie. Sie ist ganz gerade heraus. Sie war so empört, als ich ihr vorschlug in deine Praxis zu gehen…richtig sauer. Sie meinte, das sollte mich stören, weil du mein Freund bist…“
Achim meinte : „Wieso sollte Dich das stören ? Ich bin doch Arzt…wo geht sie denn stattdessen hin?“
Ich zuckte mit den Schultern : „Das weiß ich nicht, bevor ich sie das fragen konnte, ist sie weggegangen…das macht sie immer, wenn sie glaubt, sich nicht beherrschen zu können… das ist besser so, glaube mir, zwing nie einen Menschen, während eines Streits zu bleiben, das könntest du bereuen….und sie auch..naja also jedenfalls dachte ich, wir beide unterhalten uns mal über die Sache. Wie siehst du das denn ?“
Achim nickte, reckte sich zu seiner vollen Größe auf und meinte dann:
„Ich? Ich bin natürlich der Meinung, dass eine Frau UNBEDINGT in ärztliche Fürsorge und Überwachung gehört, wenn sie schwanger ist. Ich meine, was ist, wenn da was schief läuft ? Will deine Frau da lieber mit einem kranken Kind oder noch schlimmer, mit einem Kind auf dem Gewissen leben, als ihre naiven Bedenken beiseite zu schieben und diese Vorsorge mitzumachen ? Ich meine, sie bekommt doch schon vor der Geburt Fotos von eurem Baby und kann sich zum Beispiel mit anderen Frauen vernetzen, ich dachte immer, Frauen lieben das ? Meine Patientinnen machen nicht den Eindruck auf mich, als dass sie ungern in meiner Betreuung bleiben…“
Er fuhr fort:
„Ich meine, wir sind doch nicht umsonst so weit gekommen. Wir können, wenn es nötig ist, sogar schon frühgeborenen Kindern ab der 25. Woche richtig zuverlässig medizinisch helfen, diese Kinder mussten früher alle sterben. Und heute ist das eben mit der Vorsorge besser so. Ich verstehe nicht, wieso man sowas ablehnen sollte.“
Er warf die Arme hoch und wurde nun richtig dramatisch:
„Weiß sie denn gar nicht, was da alles passieren kann ? Sie könnte z. Bsp. einen Schwangerschaftsdiabetes haben, diese Frauen haben statistisch gesehen sogar häufiger eine Totgeburt, Mensch Adam. Da musst du wirklich mal, was soll ich sagen, also durchgreifen. Denn das ist ja auch dein Baby oder nicht ?“`
Er sah mich durchdringend an und betonte :
„Du bist doch der Vater. Du musst deiner Frau erklären, dass sie auf dem Holzweg ist…dass das riskant ist mit diesem ganzen spirituellem BIO-Getue….“
Achim war ganz ausser Atem. Ich hatte das Gefühl, als hätte er mir das schon immer mal sagen wollen und musste mir ein Lächeln verkneifen. Ich wußte sehr wohl, dass er nichts mit Stellas Denkweise anfangen konnte, aber nun hatte er aus seinen Augen quasi eine Steilvorlage, mal seinem Urteil Luft zu machen. Ich empfand so etwas wie leichten Ärger, den ich aber gleich wieder zur Seite schob. „Fehlt nur noch, dass er mich bemitleidet“, dachte ich.
Achims Meinung zu Stellas Entscheidung war hiermit klargestellt. Ich gab aber noch lange nicht auf und meinte beschwichtigend :
„Na, da übertreibst du jetzt aber, früher haben die Frauen ihre Kinder doch auch ohne euch ausgebrütet, seit wann gibts das denn jetzt, erst seit der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, oder ?
Er machte eine vage Handbewegung, die wohl „so ungefähr“ bedeuten sollte. Ich fügte entschlossen hinzu :
„Also bitte, du sollst mir keine Angst machen…sag mir nur, was denn bei so einer Vorsorge überhaupt passiert ?“
Achim seufzte und leierte herunter:
„Wir beobachten den Verlauf der Schwangerschaft und versuchen, eventuellen Problemen so früh wie möglich auf die Schliche zu kommen.“
Er betonte jedes Wort und zählte an seinen Fingern die einzelnen Punkte ab :
„Mit Ultraschall überwachen wir das Wachstum des Kindes, mit Blutuntersuchungen stellen wir sicher, dass es keine böse Überraschung mit dem Blutdruck oder Blutzucker gibt und - last not least-, mit dem CTG überwachen wir die Herzaktion des Kindes“
Ich beschloss, mich dumm zu stellen und fragte nach :
„Aha, Ich denke mal, das ist wohl bestimmt eine dumme Frage, aber wieso muss man das Wachstum des Kindes denn überhaupt überwachen ?“
„Weil es immer häufiger Kinder gibt, die scheinbar nicht korrekt, wenn ich das mal so ausdrücken darf, in der Gebärmutter wachsen.“ Er machte eine hilflose Geste und meinte:
„Wir können die Ursache einfach nicht finden. Immer mehr Kinder bleiben zu klein oder werden zu früh geboren. Das muss man doch überwachen ! Wer weiß denn, ob nicht auch bei Stella so eine Unterfunktion der Plazenta passiert ?“
Dann blickte er auf seine Hände und ergänzte:
„Auf der anderen Seite haben die Frauen auch immer häufiger eine Diabetes, und das merkt man eben immer erst zu spät. Wenn man es früh genug bemerkt, kann man mit Medikamenten gegensteuern. Meistens reicht aber eine spezielle Diät. Ich bin manchmal sehr überrascht, wenn wieder eine meiner Patientinnen einen auffälligen Zuckertest hatte. Das passiert selbst den gesündesten Frauen..und wenn man es nicht bemerkt, dann ist der Schaden schon angerichtet…das ist eigentlich meine größte Sorge…“
Ich begann, mich ziemlich unwohl zu fühlen und erwiderte, immer noch den Dummen mimend: „Wenn du das so sagst… was für ein Schaden denn ? Ich meine, wenn das Kind dicker ist, dann nimmt es eben später langsamer zu….. oder sehe ich das zu naiv ?
Achim lächelte mich nachsichtig an und meinte :
„Allerdings siehst du das etwas naiv. Zu hoher Blutzucker macht nicht nur dicke Babies. Sie sterben eben auch häufiger, schon vor der Geburt…das ist viel komplizierter als es der Laie glaubt,.…mein Gott Adam. Ich hab so viele Fortbildungen über dieses Thema absolviert. Ich weiß doch, wovon ich spreche . Du musst sie wenigstens zu diesem Test überreden…!“
Nach einer kleinen Pause, in der ich versuchte, meine Gedanken zu sortieren sagte ich: “Ja, ist ja schon gut..ich kann ja mal mit ihr sprechen…lass uns jetzt erst mal das Thema wechseln, mein Kopf platzt gleich, ich werde Vater… wow wow wow…“
Wir gingen zu unseren üblichen Gesprächsthemen über, genossen das köstliche Essen und die herrlich vertraute Atmosphäre unseres Stammlokals. Als wir uns verabschiedeten war meine Verwirrung wieder von mir gewichen, denn ich hatte mich dazu entschlossen, nun wirklich intensiv im Netz nach Fakten zu suchen.
6. Kapitel: Die Recherche beginnt.
