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Große Schriftstellerinnen wie Patricia Vandenberg, Gisela Reutling, Isabell Rohde, Susanne Svanberg und viele mehr erzählen in ergreifenden Romanen von rührenden Kinderschicksalen, von Mutterliebe und der Sehnsucht nach unbeschwertem Kinderglück, von sinnvollen Werten, die das Verhältnis zwischen den Generationen, den Charakter der Familie prägen und gefühlvoll gestalten. Mami ist als Familienroman-Reihe erfolgreich wie keine andere! Seit über 40 Jahren ist Mami die erfolgreichste Mutter-Kind-Reihe auf dem deutschen Markt! »Lea, bleib hier, du kannst nichts mehr retten!« Dr. Sven Bruckner war es, der den Arm der jungen Frau packte und sie fest hielt. Wie betäubt blickte Lea Andersson auf das in hellen Flammen stehende Gebäude. Seit fast vier Jahren hatte sie in diesem Haus eine kleine Wohnung bewohnt. »Ich komme gerade aus der Redaktion«, murmelte sie und blickte Sven Bruckner irritiert an. »Es tut mir leid, Lea, aber da war wohl nichts mehr zu machen. Die Polizei hat mich gebeten, bei der Versorgung der Verletzten zu helfen. Ich bin sehr froh, daß dir nichts geschehen ist. »Jenny, was ist mit Jenny? Ich muß das Kind suchen. Und was ist mit Andrea?« »Lea, bitte«, Sven Bruckner, mit dem Lea schon seit ihrer Studienzeit befreundet war, zog sie mit sich in eine etwas ruhigere Ecke. »Ich muß Andrea und Jenny suchen. Ich muß wissen, ob ihnen etwas passiert ist.« Lea versuchte, sich aus Svens Umklammerung zu lösen. »Lea, bitte, du bleibst, wo du bist. Es ist zu gefährlich.
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2021
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»Lea, bleib hier, du kannst nichts mehr retten!« Dr. Sven Bruckner war es, der den Arm der jungen Frau packte und sie fest hielt. Wie betäubt blickte Lea Andersson auf das in hellen Flammen stehende Gebäude. Seit fast vier Jahren hatte sie in diesem Haus eine kleine Wohnung bewohnt.
»Ich komme gerade aus der Redaktion«, murmelte sie und blickte Sven Bruckner irritiert an.
»Es tut mir leid, Lea, aber da war wohl nichts mehr zu machen. Die Polizei hat mich gebeten, bei der Versorgung der Verletzten zu helfen. Ich bin sehr froh, daß dir nichts geschehen ist.
»Jenny, was ist mit Jenny? Ich muß das Kind suchen. Und was ist mit Andrea?«
»Lea, bitte«, Sven Bruckner, mit dem Lea schon seit ihrer Studienzeit befreundet war, zog sie mit sich in eine etwas ruhigere Ecke.
»Ich muß Andrea und Jenny suchen. Ich muß wissen, ob ihnen etwas passiert ist.« Lea versuchte, sich aus Svens Umklammerung zu lösen.
»Lea, bitte, du bleibst, wo du bist. Es ist zu gefährlich. Ich werde mich um alles kümmern. Aber zuerst muß ich helfen, die Verletzten zu versorgen. Warte hier, bis ich zurück bin.«
Erst jetzt bemerkte Lea, daß sie am ganzen Körper zitterte. Sie begann zu wanken und suchte Halt an einem Baum. Ganz langsam wurde ihr bewußt, daß sie obdachlos war. Doch die Sorge um Andrea und Jenny überwog die Sorge über ihre eigene Situation. Unruhig hielt sie Ausschau nach den beiden. Sie bereute es bereits, daß sie Sven versprochen hatte, gehorsam zu sein und sich nicht von der Stelle zu rühren. Lea wußte nicht mehr, wie lange sie gewartet hatte, als Sven jetzt auf sie zukam und Jenny auf dem Arm trug. Das Kind war in eine wärmende Decke gehüllt.
Lea atmete erleichtert auf und streckte die Arme nach der Kleinen aus.
»Jenny, mein Liebling. Gott sei Dank, es ist dir nichts passiert!« flüsterte sie und strich immer wieder liebevoll über den Kopf des Kindes.
»Lea, Lea, wo ist Mami?« rief das Mädchen immer wieder, und Tränen rannen über ihre Wangen.
»Sven wird deine Mami schon finden, mein Schatz. Beruhige dich.« Mit einem flehenden Blick zu Sven setzte sie hinzu: »Nicht wahr, du wirst Andrea doch finden?«
»Ich werde euch beide jetzt erst einmal zu mir nach Hause bringen«, wich Sven aus. »Es sind jetzt genügend Kollegen da, die helfen können. Das Kind braucht unbedingte Ruhe. Ich will es in meiner Praxis auch erst einmal untersuchen.«
»Aber wir können doch nicht so einfach...Was ist mit Andrea?« protestierte Lea.
»Das wird sich schon alles klären. Ihr kommt erst einmal mit mir«, antwortete er energisch und Lea, die das Kind fest auf ihrem Arm hielt, wagte nicht, zu widersprechen. Sie folgte Sven zu seinem Auto.
*
»Ein heißes Bad würde dir jetzt guttun«, bot Sven Bruckner Lea an, als sie das Haus des Arztes betraten. »Ich werde Margarete bitten, dir ein Bad einzulassen. Unterdessen werde ich Jenny untersuchen.«
»Du meine Güte, was ist denn passiert? Wie sehen Sie denn aus? Und was ist mit dem Kind?« erkundigte sich Margarete Döring entsetzt. Margarete Döring war schon Haushälterin bei Svens Vater, Dr. Herbert Bruckner, gewesen. Als der Vater seine Praxis an seinen Sohn übergeben hatte und mit seiner Frau auf die Insel gezogen war, sorgte die rundliche Witwe mit dem Herz am rechten Fleck für Sven. Das Angebot von Herbert Bruckner, mit auf die Insel zu ziehen, hatte sie kategorisch abgelehnt. Margarete hatte es vorgezogen, weiterhin für »ihren Jungen« zu sorgen. Sie hatte Sven aufwachsen sehen und seinen Werdegang aufmerksam verfolgt und unterstützt. Sven war so etwas wie ein eigener Sohn für sie. Sie selbst hatte keine Kinder. Hinzu kam, daß Margarete eine kulturell interessierte Frau war und ihr ein Leben auf einer Insel zu langweilig erschien. Sie brauchte das Flair der Großstatdt.
»Wo ist meine Mami?« erkundigte sich das Kind zum wiederholten Male unter Schluchzen.
»Die Männer werden deine Mami schon finden. Und dann muß sie sicher auch erst ins Krankenhaus und untersucht werden, ob sie verletzt ist. Genau wie ich das jetzt bei dir mache, mein Spatz«, antwortete Sven sanft und strich dem Kind liebevoll über das Haar. Dann nahm er Lea die Kleine ab. Sven kannte das Kind von diversen Besuchen bei Lea. Zudem war Andrea Werner öfter mit ihrer kleinen Tochter bei ihm gewesen.
»Wenn ich sie untersucht habe, werde ich sie ins Bett legen, damit sie ein wenig schläft. Margarete, würdest du bitte für uns Kaffee kochen? Ich glaube, wir könnten alle einen starken Kaffee vertragen«, bat Sven.
»Ich werde Ihnen erst ein Bad einlassen, Frau Andersson«, erklärte sich Margarete Döring bereit. Sie mochte Lea. Sven hatte noch nicht viele Frauen nach Hause gebracht. Aber von denen hatte ihr so richtig noch keine gefallen. Aber Lea Andersson, die junge Journalistin, hatte auf Anhieb ihre Sympathie gewonnen.
»Was ist denn eigentlich geschehen, und woher kommt das Kind?« erkundigte sich die Haushälterin, während sie neben Lea in das obere Stockwerk des Hauses ging.
»Es hat einen Brand gegeben«, berichtete Lea knapp. »Meine Wohnung liegt in Schutt und Asche. Die kleine Jenny ist die Tochter meiner Freundin. Sie wohnt im selben Haus. Ich mache mir große Sorgen um Andrea.«
Margarete Döring blieb stehen und blickte Lea teilnahmsvoll an. »Ihr ist bestimmt nichts geschehen. Machen Sie sich keine Sorgen, Frau Andersson.« Ihre steile Sorgenfalte wich nun einem fast zärtlichen Lächeln. »Das Kind ist ja wirklich ein süßer kleiner Fratz.«
»Ja, das ist sie«, bestätigte Lea seufzend.
»Jetzt nehmen Sie erst einmal ein schönes heißes Bad, und danach sieht die Welt schon wieder anders aus. Sie können von Glück sagen, daß Ihnen nichts geschehen ist. Materielle Dinge sind ersetzbar«, versuchte Margarete Lea zu trösten.
Die junge Frau mußte gestehen, daß sie sich jetzt nach einem Bad sehnte. Ihre Nerven mußten sich erst einmal wieder beruhigen. Sie hatte alles verloren. Der Gedanke, was Andrea passiert sein mochte, beschäftigte sie jedoch mehr als alles andere.
Als Lea eine Weile später das gemütliche Wohnzimmer betrat, strömte ihr bereits der Duft von frischem Kaffee entgegen.
Sven lächelte ihr entgegen.
»Fühlst du dich jetzt schon ein wenig besser?« fragte er, während er den dampfenden Kaffee in zwei Tassen füllte.
»Mir geht es ganz gut, Sven. Es ist nur noch der Schock. Was ist mit Jenny?«
»Da kann ich dich beruhigen. Ihr fehlt körperlich weiter nichts. Aber auch sie hat einen Schock erlitten«, antwortete Sven.
»Der Gedanke an Andrea läßt mir keine Ruhe«, gestand Lea, nachdem sie einen Schluck des köstlichen Kaffees genossen hatte.
Sven rückte an die junge Frau heran, dann legte er eine Hand sanft auf ihre Hand und blickte sie mitfühlend an.
»Lea, ich muß dir etwas sagen«, begann er vorsichtig.
»Ist etwas mit Andrea? Ist sie verletzt? Was ist mit ihr, wo ist sie?« sprudelte es aus Lea aufgeregt heraus. »Nun sag’ schon, Sven, was ist mit Andrea?« Ihre letzten Worte waren wie ein Aufschrei.
»Ich konnte ihr nicht mehr helfen«, antwortete Sven leise, während er Leas Hand noch immer fest hielt.
»Willst du damit sagen, daß Andrea...?«schrie sie gequält auf, und Tränen schossen in Leas schöne Augen.
»Es tut mir seir leid, Lea. Als ich zur Brandstelle kam, habe ich zuerst nach dir gesucht. Doch eine Nachbarin hat mir berichtet, du seist noch nicht von der Arbeit zurück. Da war ich schon sehr beruhigt. Aber dann fiel mir Andrea ein, und ich machte mich auf die Suche nach ihr. Die Feuerwehrmänner hatten sie aus ihrer Wohung geholt. Es war schon zu spät. Ich konnte nichts mehr tun. Andrea ist als einzige bei dem Brand umgekommen.« Absichtlich kürzte Sven den Bericht ab. Er wollte Lea Einzelheiten ersparen.
»Die arme Jenny!« rief Lea verzweifelt und ließ ihren Tränen jetzt freien Lauf. »Was soll nur aus dem Kind werden? Hast du ihr schon gesagt, daß ihre Mutter...?« schluchzte sie.
»Nein. Und ich denke, wir sollten es ihr ganz behutsam, nach und nach beibringen. Das Kind ist so zart. Eine solch schlimme Botschaft würde es umwerfen«, empfahl Sven mit sanfter Stimme und legte behutsam seinen Arm um Leas Schultern. »Ich schlage vor, ihr bleibt erst einmal bei mir. Mein Haus ist groß genug.«
»Das ist wirklich nett von dir, Sven«, flüsterte Lea.
»Du mußt dich nicht bedanken, Lea. Weißt du, ich würde mich sehr freuen, wenn du für immer...«, begann Sven nun zögernd, doch Lea unterbrach ihn sofort.
»Bitte, Sven, sei nicht böse, aber dies ist nicht der Augenblick...Ich meine, ich muß mich wohl jetzt nicht nur um Jenny kümmern sondern auch um die Beerdigung von Andrea.«
»Hat sie denn keine Verwandten, die sich darum kümmern können? Vor allen Dingen auch um Jenny?« erkundigte sich Sven.
Lea schüttelte verneinend den Kopf. »Andrea hatte niemanden!«
»Hast du mir nicht einmal erzählt, sie sei verheiratet gewesen?«
»Ja, allerdings, das war sie!« Leas Stimme hatte plötzlich einen harten Tonfall. »Ich habe diesen Mann nie kennengelernt. Sie hat mir nur ein- oder zweimal von ihm erzählt. Dieser Schuft hat sie verlassen, als sie schwanger war. Nein, er würde sich wohl kaum um Jenny kümmern. Sie waren geschieden. Nach der Scheidung ist er wohl nach München gezogen. Er ist Schriftsteller oder so etwas Ähnliches. Nein, Sven. Morgen werde ich mich um eine neue Wohnung und um Andreas Beerdigung kümmern. Ich werde mir in der Redaktion ein paar Tage Urlaub nehmen. Zudem muß ich noch einmal hin, um über den Brand zu berichten.«
»Du willst jetzt noch in die Redaktion?« fragte Sven verwundert.
»Es ist mein Job, Sven. Zudem kann ich nichts mehr ändern. Und die Arbeit wird mich auf andere Gedanken bringen. Wenn ich darüber schreibe, kann ich alles besser verarbeiten. Würdest du inzwischen auf Jenny aufpassen?«
»Natürlich werde ich das tun«, versicherte Sven. »Bei Margarete und mir ist die Kleine in bester Obhut.«
Lea stand auf und küßte den Mann auf die Wange. »Du bist wirklich ein guter Freund und es tut gut, dich in der Nähe zu wissen«, sagte sie leise.
Sven schwieg. Er liebte Lea schon, seit er sie kannte. Aber bisher hatte er es ihr noch nie gesagt. Und jetzt war wohl kaum der richtige Zeitpunkt, mit Lea über seine Gefühle zu sprechen. Aber er hatte Zeit. Eines Tages würde der Augenblick kommen, um Lea seine Liebe zu gestehen.
*
Der Tag zog schon herauf, als Lea das Haus von Sven Bruckner betrat. Sven hatte ihr für alle Fälle einen Schlüssel gegeben.
Der junge Arzt hatte nicht wirklich geschlafen. Schon sehr früh stand er in der Küche und brühte Kaffee auf. Vorher hatte er einen Blick in das Gästezimmer geworfen, in dem die kleine Jenny noch fest schlief. Aber Leas Bett war unberührt. Er machte sich große Sorgen. Hoffentlich war ihr nichts zugestoßen. Sie konnte doch unmöglich so lange in der Redaktion...
In diesem Augenblick hörte er ein leises Geräusch. Ein Schlüssel wurde im Haustürschloß herumgedreht.
Erleichtert atmete er auf.
»Guten Morgen, Sven«, sagte Lea leise, als Sven die Küchentür öffnete. Der Kaffee ist fertig. Er wird dir guttun«, lud Sven die junge Frau ein.
»Ja, sehr gerne, vielen Dank. Ist Jenny auch schon wach?« erkundigte sich Lea, während Sven ihr aus dem Mantel half und sie sich auf einen Stuhl fallen ließ.
»Sie schläft glücklicherweise noch immer fest«, antwortete Sven und schloß die Küchentür, damit das Kind und Margarete Döring von ihrem Gespräch nicht geweckt wurde.
»Du siehst sehr müde aus, Lea«, stellte Sven fest.
»Es ist gar nicht einmal die Müdigkeit, die mir zusetzt. Das bin ich von meinem Beruf her schon gewöhnt. Es ist die Sorge um Jenny.Ich habe nachgedacht. Weißt du, ich liebe die Kleine, als wäre sie meine eigene Tochter. Ich möchte nicht, daß das Kind in ein Heim kommt. Auf den Vater scheint ja wohl kein Verlaß zu sein, denn er hat sich all die Jahre nicht um Jenny gekümmert. Mir ist da ein Gedanke gekommen, Sven. Sage mir, habe ich Aussicht, das Kind adoptieren zu können?«
Sven schluckte, und dann blickte er die junge Frau bedauernd an. »Ich glaube nicht. Ich meine, du bist schließlich nicht verheiratet. Aber ich bin Arzt und kein Anwalt. Ich kenne mich mit den Gesetzen nicht sonderlich aus. Ich weiß nur, daß es für Unverheiratete so gut wie unmöglich ist, ein Kind zu adoptieren.« In Sven keimte plötzlich eine vage Hoffnung auf. Aber er sprach sie nicht aus. Jetzt noch nicht.
»Ich muß also diesen Herrn Werner finden?«
»Er hat sicherlich ein Anrecht darauf, zu erfahren, was geschehen ist. Und wenn er Jennys Vater ist, hat er Anspruch auf das Kind«, meinte Sven.
»Wie sich das anhört: Er hat Anspruch auf das Kind«, rief Lea voller Ironie. »Er hat sich doch nie um seine Tochter gekümmert.«
»Ich verstehe deine Ablehnung, Lea. Aber so ist, glaube ich, nun einmal das Gesetz«, versuchte Sven die aufgeregte junge Frau zu beruhigen.
»Schon gut, Sven. Ich weiß ja, daß es so ist«, entgegnete Lea leise. »Am liebsten würde ich das Kind nach Schweden, zu meinen Eltern bringen. Meine Mutter ist Deutsche. Sie könnte Jenny... Nein, das ist eine absurde Idee. Aber ich kann mich einfach nicht mit dem Gedanken anfreunden, daß ich das Kind nicht mehr sehen soll.« Plötzlich standen Tränen in Leas Augen.
»Ich kann dir nachfühlen, wie schwer es ist.« Sven legte leicht ihre Hand auf Leas Arm. »Jenny ist ein goldiges Kind. Ich habe sie auch sehr lieb.«
»Wie sage ich der kleinen Maus nur, daß ihre Mutter niemals wiederkommen wird. Sie ist doch noch viel zu klein, um zu verstehen, was geschehen ist«, flüsterte Lea verzweifelt.
