Dann machen Sie doch mal krank! - Gunther Britz - E-Book

Dann machen Sie doch mal krank! E-Book

Gunther Britz

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Beschreibung

Das Buch berichtet in kurzen Erzählungen über verschiedene Personentypen und Vorfälle, die der Verfasser so oder ähnlich selbst im Dienst erlebt hatte. Es dokumentiert, was man im Dienst, jedenfalls im Öffentlichen Dienst (sicher eher als in privaten Unternehmen), alles erleben kann; nicht als Regel, aber auch keineswegs als Ausnahme. Jeder Leser mag selbst entscheiden, was davon tolerabel ist (oder gar zu einer guten Unternehmenskultur gehört) und was besser unterbleiben sollte.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 77

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Gunther Britz

Dann machen Sie doch mal krank!

Notizen aus deutschen Amtsstuben

© 2018 Gunther Britz

Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7469-9655-4

Hardcover:

978-3-7469-9656-1

e-Book:

978-3-7469-9657-8

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Gunther Britz

Dann machen Sie doch mal krank!

Notizen aus deutschen Amtsstuben

Zu diesem Buch

Um eine absehbare Frage vorwegzunahmen: Ja, die nachfolgend erzählten Geschichten habe ich, so oder ganz ähnlich, selber erlebt, in verschiedenen Ämtern; es sind also keine Erfindungen! Manches mag etwas aus literarischen Gründen überzeichnet sein, nicht alles wurde so exakt „1:1“ gesagt – es handelt sich hier um eine Erzählung, nicht um einen gerichtsverwertbaren Untersuchungsbericht. Im Wesentlichen entspricht jedoch alles den Tatsachen.

Da die Namen der im konkreten Fall beteiligten Personen völlig unwichtig sind, habe ich oft nur die Funktionsbezeichnung genannt; dahinter können verschiedene Personen stehen, wie auch die Ämter und die zitierten (jüngeren und älteren) Chefs verschiedene – also nicht in jedem Fall derselben Person zuzuordnen – sind Soweit Namen genannt sind, sind diese selbstverständlich geändert.

Die hier erzählten Geschichten mögen dem Leser, inzidenter sozusagen, „nebenbei“ auf erzählerische Weise einige Gründe dokumentieren, weshalb der Öffentliche Dienst bei vielen Menschen den Ruf hat, ineffektiv zu sein - und, das muss man fairerweise einräumen: manchmal auch ist - und Privatisierungen recht populär sind; obwohl auch diese keineswegs nur Vorteile haben, denn eine privatrechtliche Gesellschaft wird sich natürlich primär nicht an der Gemeinnützigkeit, sondern an Wirtschaftlichkeit und Gewinn orientieren.

In der Tat wären viele der hier erzählten Geschichten in einem privaten Unternehmen, das seine Kosten selbst erwirtschaften muss, in diesem Ausmaß jedenfalls, nur schwer vorstellbar; mancher der hier erwähnten Mitarbeiter oder Vorgesetzte wäre sicher schnell „abgelöst“ worden. Allerdings – auch das weiß ich aus eigener Erfahrung – kommen Vorfälle wie die hier berichteten in größeren privaten Unternehmen, Aktiengesellschaften zumal, in ähnlicher Form ebenfalls nicht selten vor!

Andererseits aber zeugen diese von einem gewissen Maß an Humor und Menschlichkeit, was heute in vielen Unternehmen, auch im Öffentlichen Dienst, unter dem Zwang der modernen wirtschaftlichen Verhältnisse völlig unterzugehen droht. Aber was wäre ein Betrieb ohne ein paar „Originale“ wie die (nachfolgend geschilderten) Dezernenten Mohr und Kronenfeld? Es muss ja nicht gleich so krass sein – ist das Problem nicht, wie so häufig, das rechte Maß?

Und so treffen wir, überall wahrscheinlich, immer auf dieselben Typen:

- Vorgesetze, die für sich selbst in Anspruch nehmen, was sie anderen ankreiden (wie zB eine Kur)

- und solche, bei denen man sich fragt, wie sie an ihren Posten gekommen waren

- Mitarbeiter und Vorgesetzte, die in jedem System Karriere machen könnten

- Vorgesetzte, die schlicht und einfach menschenverachtend sind („Das merkt ja sowieso keiner, wenn Sie nicht da sind!“)

- Verklemmte, kauzige Typen

Und, und, und…

Zur Vermeidung von Missverständnissen sei an dieser Stelle aber auch deutlich gesagt:

Die allermeisten Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes, auch in den hier geschilderten Ämtern, arbeiten gut, gewissenhaft und verantwortungsbewusst. Die hier erzählten Geschichten sind auch passiert - man kann das alles in einem Amt durchaus schon mal erleben. Sie sind sicher nicht die Regel - aber eben auch nicht die Ausnahme, bis heute nicht.

Deshalb lohnt es sich, diese festzuhalten.

I Dann machen Sie doch mal krank!

Der Sozialbetreuer Müller, hatte, wie seine Kolleg/innen auch, meist Kranken- und Geburtstagsbesuche zu machen, gelegentlich das Amt bei der Beerdigung eines früheren Mitarbeiters zu vertreten (die Amtsleitung selbst kam nur bei aktiven Mitarbeitern), und war auch sonst für persönliche Probleme der Mitarbeiter ansprechbar; man könnte von einem „Hausgeistlichen“ sprechen. Für verdiente Mitarbeiter war das, ähnlich wie die (oft hauptamtliche) Position des „Vertrauensmanns der Schwerbehinderten“, nach Inhalt und Bezahlung ein „Spitzenposten“ ihrer Laufbahn; danach kam meist nur noch der Ruhestand. Sie wurden gut bezahlt – und brauchten vergleichsweise nur wenig dafür zu tun; es lag an jedem selbst, wie sehr ihn die Aufgabe interessierte und wie viel er dafür zu tun bereit war.

Müller war zwar gerade mal 50 Jahre alt, aber er fühlte sich oft nicht gut, seit längerer Zeit schon nicht, klagte viel und ließ das auch seine Kollegen und den Chef wissen. Der sprach ihn dann anlässlich einer kleinen Feier an:

Chef (grinsend): Herr Müller, wenn’s Ihnen nicht gut ist, dann machen Sie doch mal ein paar Wochen krank! Das merkt doch sowieso keiner, wenn Sie nicht da sind…“

Unübersehbar: Der Chef hielt den Sozialbetreuer für überflüssig – vielleicht war er das ja auch; es gab ja auch noch zwei weitere im Hause, und unter Stress schien keiner von ihnen zu stehen. Womöglich hätte er auf sie alle verzichten können.

Müller ließ sich dann auch für zunächst mal für drei Wochen krankschreiben; irgendwelche Probleme gab es damit nicht. Nach den drei Wochen arbeitete er ganz normal weiter, als wenn er gar nicht weg gewesen wäre. Warum er ausgefallen war, ob er „wirklich“ krank war, interessierte niemanden, auch den Chef nicht; solche Fälle kamen ja häufiger vor.

*

Der Sachbearbeiter Simon, ebenfalls so um die Mitte 50, hatte nicht mehr viel Freude an der Arbeit und machte sich deshalb einen Plan, wie er das Problem lösen könnte. Den berichtete er einem neuen Kollegen seiner Dienststelle:

Simon: Mir reicht’s langsam! Neulich wollten die mich noch nach Kerzweiler versetzen – da hätt‘ ich ja jeden Tag 15 km fahren müssen! Da hat der Personalrat auch abgelehnt, das wäre mir nicht zumutbar.

Ich hab‘ mir das jetzt überlegt: Ich hab‘ lange keine Fortbildung mehr gemacht – da such‘ ich mir jetzt was aus, was nicht so stressig ist, „Die Stellung der Frau in der Gesellschaft“ vielleicht, das soll ja ganz lustig sein.

Danach mach‘ ich erst mal ein paar Wochen krank; ich war doch in den letzten Jahren noch nie krank gewesen, da wird es jetzt mal Zeit! Anschließend muss ich in Kur, da habe ich noch nie eine gemacht, mit 2 Wochen Nachkur natürlich. Dann muss ich ja noch meinen ganzen Urlaub nehmen; den kann ich doch nicht verfallen lassen! Und dann bleib‘ ich einfach zuhause, erzähl dem Arzt, „das hier im Dienst geht mir alles zu schnell, ich komm‘ da nicht mehr mit“ – und bis das ganze Zurruhesetzungsverfahren durch ist, hab ich wieder ein Jahr geschafft! Das ist dann gut verdientes Geld.

*

Ein junger Inspektoranwärter bekam vom Chef einen Sonderauftrag, der ihn einige Wochen beschäftigte. Danach legte er, nicht wenig stolz auf seine Arbeit, seinen recht umfangreichen Abschlussbericht zunächst, der Geschäftsordnung entsprechend, seinem Abteilungsleiter, Herrn Bocholt, der ihn dann an den Chef weiterleiten sollte, vor. Er glaubte natürlich, dieser werde den Text zumindest durchlesen…

Inspektoranwärter: Herr Bocholt, das muss noch über Ihren Tisch! Bocholt: Geben Sie mal her – das ist schnell über meinen Tisch!

Sprach es, machte, ohne den Bericht auch nur anzusehen, mit seinem der Geschäftsordnung entsprechend blauen Stift seinen Gesehen-Vermerk und gab ihn dem verdutzten Inspektoranwärter kommentarlos zurück. Das Thema interessierte ihn offensichtlich recht wenig. Er hatte nur noch ein paar Jahre im Amt vor sich und ließ deshalb nicht mehr viel Engagement erkennen; dafür stichelte er öfters gerne mal – das war offen sichtlich seine Art, mit dem Frust, der sich all die Jahre angesammelt hatte, umzugehen. Dass er im Hause nichts zu sagen hatte, selbst wenn seine eigene Abteilung betroffen war – alle wichtigen Entscheidungen fielen nur zwischen Chef, Personaldezernent und Personalratsvorsitzenden – tat sicher ein Übriges.

Bocholt: Ach, die jungen Kollegen haben noch so viel Idealismus, die sind noch so richtig bei der Sache… Ich hab‘ den Krieg mitgemacht – da sollen die sagen, was sie wollen; die Zeit, wo ich geschafft hab‘, ist vorbei!

*

Der Amtsbote Anton war quasi die ungeschriebene „Tageszeitung“ des Amtes. Kam er doch an jedem Arbeitstag bei nahezu allen Mitarbeitern vorbei, kannte jeden, und so wurde er schnell zum bestinformiertesten Mitarbeiter des Hauses. Geburtstage, Dienstjubiläen und Beförderungen wurden, meist von ihm angemahnt und koordiniert, im großen Besprechungsraum gefeiert; das begann regelmäßig um 14 Uhr und endete exakt mit dem offiziellen Dienstschluss um 15.30 Uhr; dann war jeder „durch die Tür“ – es sollte ja keine Überzeit anfallen;, die Freizeit war selbstverständlich tabu, auch für betriebliche Feiern.

So war denn auch seine erste Frage an drei neue Mitarbeiter, nachdem sie ein paar Tage da waren, wann sie denn ihren „Einstand“ zu machen gedenken („Das ist hier so üblich, das müssen Sie machen!“).

*

Der Chef hatte seine Mitarbeiter angewiesen, Arztbesuche nur außerhalb der regulären Dienstzeit zu machen – es sei denn, ein solcher Termin wäre nicht zu bekommen.

In nahezu allen Fällen erwies sich ein solcher Termin auch tatsächlich als „leider nicht möglich“… Einige Ärzte am Dienstort klagten, die meisten Mitarbeiter des Amtes könnten nur einen Termin, der innerhalb der normalen Dienstzeit liegt, annehmen.

*

Man wollte den Führungskräften wohl deutlich zeigen, dass die „guten alten Zeiten“ unwiderruflich vorbei sind und dass erwartet würde, dass sie deutlich mehr arbeiten als bisher. Deshalb wurde von der obersten Dienststelle angeordnet, dass „Seminare, die der Führungsfortbildung dienen“ – anders als bisher – auch am Wochenende, sogar einschließlich Sonntagvormittag, abgehalten werden.

Eine Führungskraft – sie war Mitglied eines Kirchenvorstands - sah das nicht so ganz ein und meldete sich am Sonntag um 9.30 Uhr bei der Seminarleitung ab:

„Ich geh’ jetzt in die Kirche!“