DAO geht's lang - Michael Wittschier - E-Book

DAO geht's lang E-Book

Michael Wittschier

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Beschreibung

Die Botschaft aus einem chinesischen Glückskeks öffnet dem ehemaligen Philosophiestudenten Sascha die Augen für seinen daoistisch imprägnierten Alltag. Nach seinem Tod tritt sein bester Freund Mokka in seine Fußstapfen und lernt den Daoismus als Philosophie der Lebenskunst schätzen. Die Geschichte der beiden Freunde wird locker, lebendig und launig erzählt. Bei ihrer Lektüre bekommen die Leserinnen und Lesern en passant interessante Einsichten über das Denken von Lao Zi (Laotse) und Zhuang Zi (Dschuangtse) an die Hand.

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Seitenzahl: 41

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Aus dem Leben eines Daogenichts I

Aus dem Leben eines Daogenichts II

Aus dem Leben eines Daogenichts I

Gestern Abend beim Chinesen aus irgendeiner Laune heraus einen der angebotenen Glückkekse mitgenommen. Halte eigentlich gar nichts von fernöstlicher Weisheit nach dem Zufallsprinzip. Deshalb ruht der Sinnspruch auch noch in seiner Teighülle.

Aber jetzt will ich’s doch wissen.

Mist! Die Verpackung lässt sich nicht mit den Fingernägeln öffnen. Muss erst eine Schere holen. Ist natürlich nicht an ihrem Platz. Ein Messer tuts auch. Ungeduldig zerdrücke ich den dünnen Teigmantel, um schneller an die Keksbotschaft zu kommen. Endlich halte ich das Stückchen Papier in Händen und entfalte es mit einem Ruck: »Der Weg entsteht beim Gehen.«, steht da drauf. Der Satz stammt von einem gewissen Zhuang Zi.

Was soll das? Das klingt nach gar nichts. Die Wege, die ich jeden Tag gehe, sind alle schon vorhanden. Ich muss sie einfach nur ablaufen. Dabei entsteht doch nichts Neues. Vielleicht ist das ja so eine geheimnisvolle Dschungelweisheit. Hab‘ mal im Fernsehen gesehen, wo sie sich mit Macheten einen Weg durch den Urwald schlagen. Ich geh mir jetzt erst mal ein Bier holen. Den Weg finde ich im Dunkeln – auch ohne Messer. Warum ist kein Sprit mehr im Kühlschrank? Ich habe doch erst gestern ein Sixpack Flensburger reingepackt. Echt jetzt? Das kann doch nicht wahr sein! Das bisschen Alkohol!

Ob das was mit dem Keks zu tun hat? Der alte Chinese will mich wohl zum Nachdenken auf den Weg zum Nachtkiosk schicken. Okay, bin ja schon im Flur. Nur schnell noch meine Jacke anziehen. Wo ist jetzt bloß der verdammte Geldbeutel. Natürlich immer da, wo ich ihn zuletzt hingelegt habe. Aber wo war das? Nun sag schon was oder klimpre mal mit den Münzen! Moment! Hier in der Jackentasche ist ja noch ein Zwanni. Gerettet!

Und jetzt: Trab an, Alter! In zehn Minuten beginnt die Sperrstunde. Ich lege meinen Turbogang ein. Solange noch Licht im Büdchen brennt, gibt es Hoffnung. Schneller kann ich nicht.

Der holt schon seine Werbetafel rein. Ich winke schon von weitem, damit er mich kommen sieht. Als ich endlich einen Fuß zwischen Tür und Rahmen gesetzt habe, atme ich erleichtert auf und erzähle ihm haarklein den dramatischen Ablauf der letzten zehn Minuten meines Lebens. Er nickt nur kurz mit dem Kopf und stellt das Gewünschte stumm auf die Ladentheke.

Beim Rausgehen höre ich ihn noch den Satz sagen: „Wer redet, weiß nicht, und wer weiß, redet nicht.“ Ich schlucke kurz und denke: Der war bestimmt gestern auch chinesisch essen.

Erleichtert und ganz im Einklang mit mir selbst trage ich das Sixpack nach Hause und stolpere dabei fast über einen Ast. Achtlos schiebe ich ihn beiseite. Zum Glück muss man sich um so nutzlose Dinge keine Sorgen machen. Vielleicht ist das ja auch die Lösung für mein Sockenproblem. Seit drei Wochen treten vier meiner alten Fußwärmer nur noch als Single in Erscheinung. Ich habe schon alles probiert: bin meinen Strümpfen kriminalistisch bis zu ihrem letzten vollständigen Erscheinen hinterhergelaufen, hab‘ alle meine Fußlappen aus dem Schrank gekramt: nichts! Jetzt kann nur noch Kommissar Zufall helfen – es sei denn, dass ich die drei Solisten als überflüssig betrachte, dann kann ich sie einfach in die runde Ablage werfen und bin mit einem Schlag drei Socken beziehungsweise drei Sorgen los.

Als ich meine erste Dose Flens köpfe, muss ich noch mal an den Ast denken. Genauso nutzlos geworden wie mein Job: Briefsortierer und -zusteller in einer Versicherung. Von vorgestern auf gestern nach 15 Jahren einfach gekündigt. Hoch lebe das papierlose Büro! Elektronisch geht alles schneller und billiger. Aber die werden schon noch sehen, was sie ohne ihren Laufdackel machen! Ich habe auf meinen Austragsrunden immer für gute Stimmung bei den Kollegen gesorgt, vor allem bei den Kolleginnen. Zum Glück gab es noch eine kleine Abfindung; damit halte ich mich die nächsten Wochen über Wasser, und dann kommt die Stütze. Vater Staat wird mich schon wie ein Küken mit dem Notwendigsten versorgen. Und wer weiß, vielleicht gewinne ich ja noch im Lotto.

Besser nicht. So ein Sack voller Geld würde mich nur belasten, und am Ende wäre ich froh, wieder blank da zu stehen. Aber muss man denn wirklich erst die letzten beiden Wackersteine loswerden, um ein Hans im Glück zu sein? Wichtige Frage das, auch wenn ich noch keine Antwort darauf gefunden habe. Aber: Yolo.

Bevor ich mich ablege, noch ein paar Szenen aus meinen Lieblingsfilm Wrong Cops. Da bin ich in bester Gesellschaft mit all den Losern und Boozern. Ups, da fällt gerade einer sturzbetrunken vom Rad, steht aber unverletzt wieder auf. Freund Alkohol als Schutzengel. Wer bewusstlos durchs Leben eiert, dem passiert mit Sicherheit weniger als all den Gestalten, die vor lauter Angst, dass ihnen ein Dachziegel auf den Kopf fallen könnte, immer mit einem Fahrradhelm rumlaufen.